Ausgabe 
19.8.1924
 
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mcchftn und den Prinzen. Rach VvrstÄlung Bey Ehrengäste begaben sich diese zu dem eigentlichen Feftplatz, auf dem neben dem Altar mit schlich­tem Fahnenschmuck die Rednertribüne errichtet war. Orchester spiel und Chorgcsang leiteten die Feier ein, dann hielt die Gedenkrede ©enerafr major Freiherr v. Preufchen. Weithin klar und v>crftänblid) gab er einen Rückblick über die Entstehung des Weltkrieges und fuhr dann fort:

Die Hessische 25. Division rückte in den ersten Augusttagen im Verband des 18. Armeekorps ge­schlossen ins Feld, mit Ausnahme der beiden Dra- gvirer-Regimenter, die der 3. Kavallerie-Division zugeteilt waren. Stur auf dem schwersten, dem westlichen Kriegsschauplatz, hat sie sich betätigt. Keine der schweren und gewaltigen Schlachten im QBeften tst gekämvft worden, ohne das) die Di- Vlsivn nicht rühmlichsten Anteil daran genommen hätte.

Die stolzen Erinnerungen wollen wir pflegen, an ihnen wollen wir uns erheben und erbauen. Hub wir wollen uns umblicken in der Ratur, auch (Her folgt Sonne auf Regen, Licht auf Schatten. Lag auf Rächt! Hab soll es im Leben der Men­schen. der Völker anders sein? Erst der Schmerz veredelt und vertieft das Leben: wenn es keinen Schmerz gäbe, bann gäbe es auch keine Freude. Im Aegensah liegt der Wert des Lebens.

Seid nicht schwach und kleinlich, mochte ich je­dem deutschen Mann und jeder deutschen Frau Berufen I Erweist euch groß und stark im lln- glüd, denn auf Regen folgt Sonnenschein, auf Schatten Licht, auf die Rächt der Tag. Es wird mb muh auch wieder eine deutsche Sonne geben! Ob der Mann, der Deutschland seiner Sonne ent- gegcirführen wird, schon geboren ist, wir wissen es richt. Dah er aber kommen wird, das soll nicht mir unsere Hoffnung, das soll unsere felsenfeste Zuversicht sein, lind aus dieser Zuversicht wollen wir und, wenn es sein imrh, auch noch unsere Kin­der und Kinfeskinfer die Kraft schöpfen, all das Schwere zu ertragen, das uns vielleicht noch be- Ovrsteht, bis dereinst die Glocken des Wunder­werkes Erwins von Steinbach die altehrwürdigen Zinnen des Mainzer und Kölner- Domes, sich wie­her im freien deutschen Rhein spiegeln.

In dieser Hoffnung und in dieser Zuversicht wollen wir rufen:llnser geliebtes deutsches Vaterland Hurra, Hurra, Hurra!" Brausendem Beifall folgte die erste Strophe des Deutschland- Ledes.

Auf einem mit den Reichs- und Landesfarben geschmückten Tische vor dem Altar lag die neue Fahne des Verbandes der hessischen Regiments- Vereine mit der AufschriftGott, Ehre, Vater­land". In den Ecken der Fahne sind die Romens - Züge sämtlicher Truppenteile der alten 25. Di­vision eingestickt. Die Weiherede hielt der frühere Divisionspfarrer, Stadtpfarcer Lautenschlä­ger. Er führte u. a. folgendes aus:

'Wir können stolz fein auf unsere Taten, die der Geschichte angehören: auch der geringste im Bolke hat Anteil daran. Die anderen Völker können uns nicht verachten, wenn wir uns nicht selbst lverabsetzen wollen, das unschöne und allzu iMenschliche betonen, Schmähworte auf unsere Ge­schichte ertönen fallen, sondern uns zu dem be­kennen, was wir geleistet haben. In unserer Zeit hat man uns so viel genommen, dah wir nicht vuf die Kvaft verzichten tonnen, die aus der Vergangenheit uns zuströmt. Wir wollen die Vergangenheit pflegen um der Gegenwart und ton der Zukunft willen, um aufzubauen und um dein Volke zu helfen zu dem, was ihm gebührt aus inneren Recht. Wir müssen dienen dem Volk, dem zum Reich geeinten Volk gegenüber. Hierzu gehört auch der Dienst der Einzelnen, auch der Dienst in der Familie, der Dienst im Beruf ist Dienst für Voll und Vaterland. Wir müsien fagen:Wir wollen dienen". Dienst ist mir mög­lich, wenn wir uns einordnen in die Gesamtheit! DrZe fefeulet für den Einzelnen aber nicht Ver- didri auf jedes eigene Sein Dienst ist nicht mög­lich wenn man selbst nichts zu gaben hat. Loht unH die Kraft zum Dienen schenken von dem, der sie uns für unser irdisches Leben geben kann, von Gott dem Herrn, der uns die Straft geben möge zum Dienst für das deutsch« Vaterland.

©emcinfam wurde das LiedWir treten zum Beten" gesungen und sodann die Fahnen.lagelung vorgenommen. Als erster tat der Grohherzog die drei Schläge mit den Worten:Beharr­lich k e i t in schweren Zeiten, Treue zum Guten, Zuversicht auf eine goldene Zukimft." Die weitere Ragelung nahmen Vertreter der verschie­denen Regimentsvereine unter kernigen Sinnsprü­chen vor. An die eigentliche Fahnenweihe und das Gebet schloh sich das wiederum gemeinsam gesungene LiedGrotzcr Gott, wir loben dich". Dann wurde die Fahne in die Obhut des Vor­sitzenden des Verbandes der Regimeirtsvercine Exzellenz von Kleinschmitt übergeben. Den Abschluß der offiziellen Feier bildete der Vor­beimarsch der Regimentsvereine und sonstigen Verbände an den Ehrengästen in der Allee zwi­schen dem Springbrunnen und dem groben OrangeriehauS.

Turnen, Sport und Spiel.

Das Fechten

in der Deutschen Turuerschaft.

DaS Fechten, fee ritterliche Kunst, die im deutschen Mittelalter in den groben Fechtergesell- schaflen eine Pflegstätte gefunden hatte, ist mit dem deutschen Turnen untrennbar verknüpft.

Schon Friedrich Friesen, der erste Mitarbeiter des Vaters der Turnkunst, Friedrich Ludwig Jahn, war ein eifriger Fechter. Jahn selbst sagt von ihm:er war ein Meister des Schwertes auf Hieb und Stotz, kurz, rasch, fest, fein, gewalttg und nicht zu ermüden, wenn seine Hand erst das Ersen faßte." Jahn selbst wollte, wie er in seiner im Jähre 1816 erschienenenDeutschen Turnkunst" sagt, auf ein gröberes Werk über die Turnkunst unter anderem die Beschreibung des Fechtens versperren. Jahns Urteil über das Fechten ging dahin, datz er es alseine wesentliche Hauptübung und zur vollständigen Tumbilfemg ganz unent­behrlich" anfah. Wir erfahren, datz es von den Iahnschen Durnerrn nach deutscher Art auf Hieb und Stotz, und links wie rechts, betrieben wurde, besonders als Winterübung und im Sommer in der Zeit zwischen 6 und 8 ülhr vormittags.

DaS Fechten als Leibesübung ist also mit dem BegriffTurnen" untrennbar verbunden. Viel verdankt das Fechten auch Jahns Schüler Eifelen, der 1818das deutsche Hiebfechten" und 1826 einen Abrih des deutschen Stotzfechtens" verausgab. In der Folge finden wir dann immer und immer wieder das Fechten als ^lebungszweig des deut­schen Turnens, und manche der Führer der Deut­schen Turnerschaft haben sich für das Fechten durch Herausgabe von Fechtbüchern eingesetzt.

Das turnerische Fechten hat sich freigemacht von dem studentischen Fechten mit dem Schläger; es ist zur Führung der modernen Fechtwafteitz übergegangen, so datz heute bet allen turnerischen Fechtüferngen und Fechtwettkämpfen nur noch das Fechten mit dem Florett, leichten Säbel und Degen üblich ist. Das Fechten in der Deutschen Turnerschast wird geleitet durch den Fechtaus­schutz der Deutschen Turnerschast, der unter Lei­tung von Stassen (Hanau) steht. In den 18 Turn- kreisen sind die Kreisfechttoarte Leiter des Fecht­betriebes. In einzelnen Gauen sind auch Gau­fechtwarte erwählt. Vielfach sind die Fechter der Turnvereine zu besonderen Fechtabteihingen zu- sammengefatzt, die in ihrer Gesamtheit innerhalb eines Kreises dem Kreisfechtausschuh unterstehen. Es gibt aber auch turnerische Fechterverbände, so den Mär tischen Fechterverband, der das Fechten im Kreise Brandenburg regelt, den Fechterverband der Bayerischen Turnvereine und andere mehr, die die Verwaltung des turnerischen Fechtbetriebes in ihrer Hand halten.

Zur Hebung des turnerischen Fechtens und zum Leistungsanreiz find die Fechter der Deut­schen Turnerschast in verschiedene Leistungsklassen eingeteilt, so dah es auch den Anfängern möglich ist, zu Erfolgen zu gelangen und sich allmählich in die obersten Kamp flössen emporzu arbeiten. Zahlreiche Fechtturniere sinden in allen Teilen des Reiches statt, neben Gau-, Kreis- und Ver- bandsineisterschaften, Mannschaftskämpfen und Schau fechten als Krönung des Fechtens in der Deutschen Turnerschast die Fechttr«isterschaften der Deutschen Turnerfchaft.

Die Leistungen der Fechter ans den Turn­vereinen sind denen der reinen Fechtklubs voll­ständig gleichwertig. Wiederholt konnten Turner bei gern einscha ft sichen Tumberen des Fechtver- bandes mit den Fechtern der Deutschen Turner- schäft hervorragend abschnetden. Ein Tell der besten deutschen Fechter ist gerade aus Turner­kreisen hervorgeganaen, eS fei nur an die Rainen Kasmir, Schön, Thompson, Hoops und andere erinnert.

Fechten und Turnen sind zwei untrennbare Begrifft geworden. Es ist erfreulich, feststellen zu können, dah sich die Entwicklung des Fechtens in der Deutschen Turnerschaft, wenn auch noch nicht auf dem Gipfel der überhaupt möglichen Entfal­tung, so doch in aufft ei genfer Linie befindet, so datz eine weitere Ausdehnung und Verbreitung ebensosehr zu erwarten steht, wie seine organi­satorische und technische Vervollkommnung.

RadfahrerdereinAll Heil" Lang-Göns.

Lang-Göns 18. Aug. Bei der am Sonn­tag. 17. August, stattgefundenen Danner weihe des Radfahrervereins Mainzlar, verbunden mit Preiskorso, erhielt der hiesige Radfahoerverern All Heil" in der KlasseRichtgauvererne" den Ehrenpreis.

Deutscher Wandertag.

Die diesjährige Tagung des Verbandes deut­scher Gebirgs- und Wandervereine findet vom 6. bis 8. September in Hersfeld statt. Die alte schöne Stadt an der Fulda, die durch ihre min fast 1200jährige Vergangenheit ein gutes Stück deutscher Geschichte in sich verDrpert. wird für alle Freunde deutschen Landes und deutscher Kultur ein Anziehungspunkt sein. Der Besuch der Tagung verspricht ein recht guter zu werden.

Der Alle auf Toppsr.

Roman von Hanns oon Zvbeltitz.

46. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

And da ist ja Ohm Christel. Grüh' dich Gott. Ohm. Wie geht's mit fer Blessur? So sieh doch, der Ohm kann ja den Arm heben, ganz hoch, und ruft Divat Fridericus . . .

And Da ist der König, Majestät, auf fern Schimmel, und winkt. Jetzo geht's in die Ba­taille . . . drüben . . . Drüben stehen sie, die Oesterrreicher. . . Wie hat doch der Lentulus gesagt, heut abend: .Was gtt's? Eine sieg­reiche Bataille gilt's! Vivat Fridericus!'

Marzanke! Bursch!"

Zu Befehl, Herr Junker Alarm!"

Ich bin noch so müd, Marzanke"

»Det Helpt nischt, Herr Junker."

Hnb:Vorwärts. Zabeltitz!" vorn andern Bett her. Pirchs lustige Stimnre.Mensch, mutzt du geträumt Huben. Hast ja im Schlaf geredet, wie ein Pfarrrer von fer Kanzel. Auf! Auf! Jetzt gilt's. Patz Achtung, jetzt schlägt Friedrich!"

Die Bataille hat fer König geschlagen, am 3. Dovernber, und der Sieg blieb sein. Aber sie kostete wieder Ströme von Blut, die Schlacht von Torgau.

Aus weitem Ilmgehungsrnarfch, durch Forst und Heide und Schneesturm führt er sein Haupt- Heer gegen des Feindes rechten Flügel, indessen

Sieten, der alte Zieten, mit einem Korps von achtzehn tausend Mann überrraschsnd den linken Flügel angreifen soll. Dieser Zielen, der einstens als Infanteriefähnrich wegen allzu schwacher Stimme beim Kommandieren hatte bimittieien müssen, der dann Ruf und Ansehen feiner Hu­saren begründet, der überall dabei gerne en, bei Prag und Kolin, bei Leuthen und Hochkirch und Liegnitz, der Heine unansehnliche, wortkarge Zie­ten. der so oft gewacht hatte, wenn die anferen schliefen, hat heut zum erstenmal im Leben ein selbständiges Korps.

Im dämmernden QHorgen ist der König aus­gebrochen. Mittag wird's, da stöht er auf leichte Dortruppen des Feindes, wirft sie zurück, steht nun vor fer Hauptstellung Dauns.'Das Per­spektiv fer! Freilich, der rieselnde Schnee macht das Observieren schwer. Aber er sieht doch: in der feindlichen Stellung wogt es hin und her, Wagen fahren auf Torgau ab. Ob Saun, der Zauderer, wohl wieder der Batallle ausweichen und abziefen will? Aehnlich säh's ihm.

Allo schnell und fcfeirf zugefaßt

Vorn Pferde steigt Friedrich, führt selber seine Besten, die Grenadiere, vor, zehn Batfellone. Sturm und Schnee peitschen ins Gesicht, manch­mal ist's so dunkel, dah man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Dann, plötzlich, klärt sich fer Himmel, ttnd 'da Donnern feuifert Kanonen auf die Linie ein, reifen furchtbare Lücken: (Senegal Shburg fällt und Stutterheirn, beide Drigafe- ftlhrer: von den zehn Bataillonskommandeuren fallen achte in wenigen Minuten; der Flügelad­jutant Graf Wilhelm von Anhalt fällt zu Tode getroffen. Der Angrift stockt ... die Grenadiere weichen . . .

Deuyrye Kraftradmeifterschaften.

Dor etwa 7000 Zuschauern gelangte am Sonn­tag auf der 400-Meter-Zementbahn in Breslau- Grüneiche die deutsche Kraftrafeneisterschast des A. D. A. C. in drei Klassen zum Austrag«Di« Meisterschaften tote auch die beiden eingelegten internationalen Rennen, die je über 20 Kilo­meter führten, wiesen eine vorzügliche Besetzung auf. In der Meist erschaftsklasse für Maschinen bis 150 ccm landete Schirm er-Berlin auf Grafe einen schönen Sieg vor W e r h ° Berlin (Hirt) und Ha hn - Lindental (Allgrith). Die Meisterschaft in der Klasse für Maschinen bis 250 ccm brachte insofern eine ^leberraschung, als es dem Kölner Knibbecke auf Allgrtth ge­lang, den vorjährigen deutschen Meister Mül­le r - Düsseldorf (R. S. 11.) sicher zu schlagen. In der schwersten Klasse für Maschinen bis 350 ccm siegte Heinrich Herzogenrath - Köln auf Sun Black Burn nach scharfem Kampf vor San- k e r - Köln (Apex). Die internationalen Rennen für Maschinen bis und über 500 ccm sahen fenj Holländer Svniu s auf Rvtton imb Ruett- chen - Erkelenz auf Handlet) Davison siegreich.

Deutsche Tennismeisterschaften.

Die Austragung der deutschen Tennismeister- schaften in Ha m bu rg hat bisher einen guten Verlauf genommen. Eine erste Entscheidung ist bereits gefallen: v. Kehr li ng - Ra he gewan­nen die Meisterschaft im Doppelspiel gegen La n d- mann-Dernasius. Im Herrenei >izelspiel, dos am Sonnabend die überraschende Riederlage Froitzheims durch Heyden brachte, haben sich aufer diesem noch Landmann und von Kehrling durchgespiell, so datz zwischen ihnen das Ende liegt.

Jniernationaleö Schwimmfest in Wien. Hellas im Wasserball geschlagen. Reue Rekorde Weihmüllers.

Das internationale Schwimmfest im Diana- Bad brachte am zweiten Tag den überraschenden Sieg von Vienna über Hella s -Magdeburg im Wasserball mit 4:3 Bei den Einzelwettfe- toerben stellte Weihmüller einen neuen Welt­rekord auf. Er schwamm 100 Meter in 58,4 Sek. Das Rückenschwimmen über 1000 Meter gewann der Breslauer Dahlem in 1:16,6 vor fern Amerikaner Krüger. Die Staffel 10x331/3 Me­ter gewann Deutschland überlegen gegen Oesterreich. Am ersten Tag hatte Oesterreich die deutsche Meisterschaft im Wasserball-Länderkampf überraschend mit 5:4 geschlagen. Dagegen konnte Deutschland die Länderstaffel und durch Rade­macher das Brustschwimmen überlegen gewinnen.

PreiSwettbewerb der Marineverwaltung für Segelflugzeugmodelle.

Die Marinsartillerte-Inspektion in Wilhelms- hafen fordert zu einem Wettbewerb für Segel- flugzeugmodelle auf, die zu Beschiehu ngs- zwecken Verwendung ftnfen sollen. Zur Deteili- gung sind alle reichsdeutschen Sinnen, Vereine, Körperschaften oder Einzelpersonen zugelassen. Die Rkarineartillerie-Inspektion hat fee Durchfüh­rung der Veranstaltung und Bewertung der Lei­stungen der Bewerber selbst übernommen. An Preisen sind ausgesetzt: 1000 Mark, 500 Mark, 300 Mark und 200 Mark.

Kirche und Schule.

Evaugeüscher Bund.

Die diesjährige ÖanfeÄferfämmfarng des Evangelischen Bundes die 36., findet vorn 6. bis 8. September in Büdingen statt. Die Vor­bereitungen zu einer großen evangelischen Tagung sind im Gang. Der Samstagabend ist Vorveo- sammlungen möglichst mit ortsgeschichtlichen Vor­trägen gewidmet. Am Sonntagvvrmittag sollen in Büdingen und in 22 Orten der Umgebung Festgottesdienste gehalten werden. Llm 3 Ufe fin­det ein Festzug und danach ehre große eoangeh lifche Volksversammlung im Freien statt, die un­ter fern Thema steht:Evangelische Kirche und deutsche Zukunft". Moittag, vormittags, in der Abgeordneten- und Mitgliederversammlung wird der Jahresbericht erstattet (von Pfarrer Derck), vom Vorsitzenden (Pfarrer D. Waih) ein Vor­trag gehalten überDer Evangelische Bund ein Volksbund aller Evangelischen".

Dom Bund enthaltsamer Erzieher.

Eine Jenaer Tagung des Bundes enthalt­samer Erzieher nahm dieser Tage eine beachtens­werte Entschließung an, in der es u. a. heißt:Der deutsche Bund enthaltsamer Erzieher legt ange­sichts der erschreckend wachsenden Alkoholschäfen der Gegenwart, unter denen die Heranwachsende Jugend ganz besonders leidet, den Behörden drin­gend ans Herz, mehr als bisher für eine ent­sprechende Aufklärung und Erziehung in feix Schulen zu tun. Insbesondere mußte die Dov- bilbung der Lehrer selbst der hier Oorliegenfen überaus ernsten Aufgabe in erforderlichem Um­fang Rechnung tragen. Die infolge der lang­jährigen Unterernährung und moralischen Ver­

wilderung der Jugend d rofenfe DegWerattMLSM» nur mit solcher durchgreifenden Gegenwehr fefe hütet werfen.

Kunst und Wissenschaft.

Eine Volksbühne in Darmstadt.

Darmstadt, 18. Aug. (Eigener Bericht.) Im Darmstadt ist unter Mitwirkung der meisten Beamten», Arbeiter- und Angestellten-Verbände sowie fer Volkshochschule die Gründung einer T h eater gemeinde auf der Linie der Volks» bühne beschlossen worden. Ihre Zölle sind 1. Gr» schliehung des Theaters für alle Minderbemittel­ten, gleichviel welcher sozialen Schacht sie im übrigen angehören, 2. Unterstützung des Landes- theaters in fern Bestreben, unabhängig von außen- künstlerischer Rücksicht lediglich fer Äimft zu die­nen und damit fern geistigen und kulturellen Ges amt leben der Ration. Eine Gründungsvev- sammlung findet in den nächsten Tagen statt

Buntes Allerlei.

Der rheinische Oberkommissar als Pvssendichter.

In London findet gegenwärtig eine lustige Pofte,Der Traumkuh", viel Beifall, als deren Vers öfter auf dem Theaterzettel ein Ivshua Jordan erscheint. Man .zerbrach sich zunächst den Kopf über diesen völlig unbekannten Lust­spielverfasser, bis die englischen Blätter herccus- befanien, daß es ein Deckname ist und daß sich da­hinter ein hoher englischer Diplomat verbirgt Lvrd Kilmarnock. Der Lord ist der britische Oberkommissar der Interalliierten Ahetnlandkom- miftivn und auch bei uns nicht unbekannt. Sein Stück wurde zuerst von Mitgliedern der Be­satzungsarmee aufgesührt, irnd als sich seine Schlag­kraft bewiesen hatte, auf die Londoner Bühne ge­bracht.Ich habe ein Pseudonym gewählt," sagte der Lord,weil es mir nicht paffend erfefefart, daß ein Mitglied fer Diplomatie unter fernem eigenen (Hamen als Verfasser einer frivolen Posse erscheint. Ich nenne mich Jordan nach meiner Mutter, die Schauspielerin war." Lord Kilmar­nock, der seit 21 Jahren der englischen Diplomatie angehört, stammt aus einer uralten schottischen Fa­milie und war schon wegen seines guten Humors bekannt, bevor er ihn in seiner Pofte zeigte.

Der konsequente Richter muß in die Tasche greifen.

Ein alter 71 jähriger Rkann stand in Wien wegen eines Diebstahls vor feinen Richtern. Er wurde aber freigesprochen, weil er fee Tat aus übergroßer Rot verbrochen hatte. Die Handlung wäre unter unwiderstehlichem Zwang ausgeführt, ein Mensch, der seit zwei Tagen nichts zu eftev gehabt hätte, besitze gewisfermahen ein natürliches Recht auf die notwendigsten Lebensguter. Obwohl der Delinquent schon ziemlich bejahrt und um­ständlich war, erfaßte er doch recht fcfercH fee ihm günstige Lage. Mit fern vertrauensvollsten Gesicht von fer Welt wandte er sich an den Richter unb sagte:Herr Hoftat, i möchte schön bitten um ein Fahrgeld." Was blieb diesem in der Wiftenschcht fer Logik hochgelehrten Herrn anderes übrig, als fern Bettler das Geld für eine Sttahenbahnfahri auszichändigen. Im übrigen soll er ihm auch noch etwas darüber gegeben haben.

Das Radiogesetz der englische» Kirche.

Das allervbernfe Radio hat sich jetzt auch stark unter fern sonst so fleißigen englischen Kirch­gängern breit gemacht, so daß sich ein Vikar, fer anschedvend sehr schlechte Erfahrungen mit leeren Kirchen gemacht hat, nachdrücklich gegen den Gebrauch des Radio für die Verbreitung und Teil­nahme am Gottesdienst gewandt hat und damtt eine Art kirchliches Rodiogesetz geschaffen hat. Demnach sind die Leute im Anrecht, die da gesund und kräftig sind, bequem am Kamin sitzend und durch Radio dem Gottesdienst beiwohnend, glau­ben, damtt ihrer Pflicht als gute Christen Genüge getan zu haben. Rur kranken und bettlägerigen Menschen sei der Radio-Gottesdienst gestattet.

Entweder Wassertrinken oder ins Gefängnis gehen.

Amerika, das Land, das reich an drastischen Verordnungen ist, hat jetzt als Polizeisttnfe eine Art neuen Schwedentranks ein geführt, fee bei Betrunkenen angewandt wird. Jeder sich deuttich bemerkbar machende Ucbertreter des Trocken- legungsgefetzes wird vom Polizeigericht dazu verurteilt enttoefer 20 große Humpen Wasser auszutrinken, oder für einen Monat ins Ge­fängnis zu wandern. Die Stadt Cleveland die als erste ihren Wasserbedarf für diesen Zweck an gemeldet hat, versorgt jetzt täglich eine Reihe von Personen, worunter sich auch Frauen be­finden, mtt diesem heilkräftigen Getränk, denn die Verordnung sieht vor, daß die Sträflinge 20 Tage hintereinander zur Wasserkur antrete« müssen, um ihren Durst an immer einem Hum- fen Polizeigetränk zu stillen. So amüsant tote fie sich anhört, scheint diese Angelegenheit nuht zu fein, denn es hat sich bereits einer fefl Wasser-Sträflinge nach dreitägiger Anwendung der Kur schleunigst aus dem Storche gemacht.

Soll das werfen wie bei Kunersdorf unse­ligen Angedenkens?

Reue Bataillone vor! Dreizehn des ersten Treffens. 11 nb die Batterien in Stellung, den Sturmlauf zu unterstützen!

Diesmal glückt's bester. Sv scheint cs. ©tnb doch immer noch wackere Bursche, trotz allen Schmähens, avancieren wie auf fern Exerzierplatz, dringen in die feindliche Pofitton, refften sichern

Doch da führt der Daun merkwürdig ent­schlossen heut Reserven zum Gegenstoß vor. Laut jubelt das ,Vivat Qltaria Theresia!' durch das Schneewehen. Mit Kugel und Bajonett drän­gen die Weißröcke die Bläuen von der Höh^ herunter, Reiterei baut nach. Glücklich, wer von den Preußen den schützenden 'Wald erreicht.

Tvut va mal aujourdhui!" stößt der König heraus. Soll's wahrhaftig werden wie bei Ku­nersdorf unseligen Angedenkens?

Endlich endlich ist fee Kavallerie heran. Sie wird gutmachen, was verloren. Hui, wie sie vorjagen, Dragoner, Kürostiere! Die wackeren Bayreuther an der Tete! Wersen die feindlichen Schwa drorren, hauen ins Fuß voll em, daß die Fetzen fliegen . . .

. . . und mästen dennoch zurück vor neuer Lieberzahl

. . . und zurück müssen die elf Bataillone des zweiten Treffens, das Fußvolk, das wieder der König vorführt in eigener Person. Zurück

. . . zurück im Feuer der hundert Kanonen. Sind nur noch Trümmer, die der Wald aufnimmt.

Mttten im schärfsten Kugelregen steht der König. Um ihn werfen die Adjutanten verwun­

det, der Pirch hat einen bösen Streifschuß bekom­men. Auftecht steht Friedrich, aber tiefer Schatten ist auf sein Antlitz gesunken.

Da, plötzlich wankt er und fällt. Grad' noch, daß sie ihn auffangen können. Reißen ihm, auf den Tod erschrocken, den Pelz auf, die Kleider von fer Brust, eine Kartätfchkugel rollt in den Schnee

Der König! Der König!

Alles umbrängt das Gefolge, Offizier, Unter- vffiziere, Bursche: der König verwrmfet! Der König gefallen! ilnfer großer König! Zitternd stehen sie, in heißer Erwartung und Sorge

Gr bewegt sich

Gr schüttelt die Ohnmacht ab.C'est rienft sagt er. Es hat nichts auf sich. Die Kartätsche war zu matt. Ist keine Kugel gegossen für Fried­rich. Aufrecht steht er wieder.Laßt mich!" Meint nur:Hat man je eine gleiche Kanonade gehört?"

Die Dunkelheit des Rovemberafends lag schon auf fern Schlachtfeld. Roch immer aber blitzten Dauns Kartaunen. Die Flammen vom brennenden Süptitz leuchteten herüber.

Die Bataille mutz abgebrochen werden. Viel­leicht zieht Daun in der Rächt ab. Vielleicht Jonunt von Zieten her Sukkurs. Vielleicht vielleicht?

Das mörderische Feuer!vill endlich berfhmt» men. Mit einem Male lodert es von neuem auf. Von Süden dröhnt's her. Wächst und wächst

(Fortsetzung folgt.)