Die Vantiger.
Roman von Hermann Stegemann.
6. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Sie atmete tief auf, fie wiegte sich auf ihrem Sitz und spürte plötzlich kns Verlangen zu singen. Er war stolz auf ihre schöirr Stimme und hatte sie in Stuttgart ausbilden lassen, und seht hätte sie gern eins der dunklen, herben Drahmslieder gesungen, die er nicht verstand, von denen er be- bauptete, sie kämen wie auf Geistersohlen daher, doch sie brachte es nicht über sich aufzustehen und in das Musikzimmer h.nüberzugehen, sondern sah wie gebannt und wendete die Äugen nicht von seiner allmählich zusammengesunkenen Gestalt.
Aber dann überkam sie plötzlich, unversehens, ohne dah sie gewußt hätte, warum, ein erdrückendes Gefühl der Einsamkeit, der Sehnsucht, und alle zärtlichen Empfindungen wurden von einem Schwall wilden Verlangens nach eigenem Erleben verschlungen. Er sah und schlief, und sie sah und starrte ihn feindselig an, sah die Adern- stränge auf seiner Stirn und aus seinen Händen, sah die Tränensäcke unter seinen faltig gewordenen Libern, sah den schlaffen Zua um den leicht- geöffneten Mund. Jählings rih sie den eisernen Haken vom Kaminrechen, dah das Gestell klirrend auf die Fliesen stürzte und stieh ihn wild in den weihgewordenen Aschenhaufen des ausgebrannten Feuers.
AlS Schaufel und Zange zu Doden klirrten, schlug der Vaumeister die Augen auf. Aber die Tochter wurde um ihre böse Lust betrogen. Er erschrak nicht, fuhr nicht in die Höhe, bot kein klägliches Schauspiel, sondern war auf einen Schlag er selbst und sagte lachend:
„Ich träumte, eine Drücke fei eingestürzt, und das ist mir doch noch nie geschehen."
„Es ist über die Abendzeit," antwortete Ens mit tonloser Stimme. Als er sich langsam erhob, trat sie scheu von ihm wog
Er achtete nicht darauf, sondern legte den Arm um ihre Schultern und sagte:
„So komm, sonst reut mich das Erwachen"
Sie erschrak über den Doppelsinn, von dem er nichts wuhte und drängte sich plötzlich wieder kindlich an ihn, aber sie bewahrte eine scheue, schreckende Erinnerung an diesen Tag, und hat die Dämmerstunde vor dem Kamin nie vergessen.
Reu-Runs war eine Schöpfung Gottfried Dantigers. Er h.itte das Gelände erworben, als es noch in der Urgestalt von Matten und Kieshügeln jenseits des wilden Wassers schlummerte. Er hatte soviel Leben im alten Runs geweckt, so viele Techniker, Handw.'rkslcute und Arbeiter hin- gezogen, dah das alte Weichbild zu eng geworden war, und mancher, der zu Wohlstand gelangte, sich aus den düsiecm Gassen unter dem Felskopf nach dem Sonncnsleck im Mattengrün sehnte. Da hatte er zu äuherst am Hügelrand, wo das Tal
sich gegen Westen wieder hebt, eine Reihe von kleinen Häusern ausgesät und am Knick der schwarzen Runs, die aus dunklen Duschwäldern lautlos hervorschieht, um sich plötzlich lärmend von der 5<ieäbant ins Geröll des Talweges zu stürzen und der biausenden Runs zu'.ustreben, eine Kesselschmiede erbaut, deren dröhnende Hämmer das Echo weitentfernter GLckenlöne vorläuschten.
„Das sind meine Glocken," hatte der Daumeisler trotzig ausgerufen, als die Frommen, die in der allen Talschaft noch mächtig waren, im Rat den Dau einer Kirche für Reu°Runs forderten, um der reicheit alten Kirchgemeinde die Armenlasten des Arbeiterquartiers zu ersparen. Doch das Arbeiterviertel war bald noch weiter gen Westen' geschoben worden, und zwischen Len Duschwäldern und dem Dett der weihen Runs war ein Villenviertel entstanden, auf das Lorenz Dantigers Haus vom Hang eines abgetragenen Kieshügels stattlich herabschaute.
Wenn der Daumeister über die neue steinerne Drücke schritt — es geschah selten genug —. um seinen Sohn in der „Sonnhalde" auizusuchen, war es ihm jedesmal leid, dah das alles schon geplant und gebaut war. So groh war die Lust gewesen, mit der er einst den Kampf um diese Anlage ausgefochten hatte.
Auch heute nahm die Erinnerung an die Kämpfe um Reu-Runs von ihm Besitz. Er tarn aus dem Unterland, hatte schwere, aufreibende Wochen hinter sich, wuhte, dah der Dau der Stütze rüstig fortschritt und das neue Dah'projekt
die Gemüter schon lebhaft erregt», und bot dem Herbstwind, der im klaren Sonnenschein von den Dergen blies, wohlig die Drust. Richt in sieben Hahren, sondern in sieben Monaten hoffte er den Dehörden, dem Volk und der Finanz seinen Plan aufzuzwingen. So günstig lagen in diesem' gesegneten Hrhre die Voraussetzungen zu kühner Tat. Drausende Unternehmungslust ging durchs Land, und Dantigers Schiff trieb mit geschwellt ten Segeln vor dem Wind.
Er war auf dem Wege zu seinem Sohn, der sich in den Mooren der Leberau am Fuh des Wolfenberges ein tückisches Fieber zugezogen hatte und hustend zu Drtt lag.
Als der Daumeister das Gartentor öffnete und zwischen leuchtenden Astern und dunklen Lvr- beerbüschen hindurchschritt, überfiel ihn plötzlich die Sehnsucht nach seiner Klause am älntersee. Wieder einmal alles vergessen und im Kreise guter Freunde und schöner Frauen das Glas heben und das Leben umarmen, ehr es unter beit Händen zerrinnt! Roch einmal das Gefühl stockender Dlutfülle im Wein begraben, das Hirn ausräumen und ein Weib umfangen, um die Sehnsucht nach dem Desitz des Köstlichsten zu stillen und sich darin zu verjüngen!
Er atmete tief, sog den feuchten Herbstbuf! in die Lungen, lächelte des leichten Schwindel« anfalls, der iht vdr wenigen Tagen nach durch- arbeitetet Rächt einen Augenblick aus dem Stand geworfen hatte, und stieg rüstig die Treppe empor.
(Fortsetzung folgt.)
Bekanntmachung.
Der durchbrratene Voranschlag der Gemeinde Lindenstruth für Rj. 1924 liegt vom 20. bis 26. l. Mts. auf unserem Dureau zur Einsicht der Interessenten offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4131D
Lindenstruth, den 18. Mai 1924. Bürgermeisterei Lindenstruth. Saturn.
Lindenplatz
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Heute Montag letzter Tag
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Marta, seine Tochter
Hanni Weise
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Außerdem:
Professor Heins Lehensrettoog
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Ab morgen Dienstag, den 20. Mai bis einschl. Donnerstag, den 22. Mais
Ende des vorigen Jahrhunderts in der kleinen nieder österreichischen Stadt St Othmar
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. Paul Hartmann . . Hanni Weise . Holger-Madsen Elisabeth Bergner . . . Hans Leiter .....Dr. Jockl . . . Harry Halm
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Johannes Freudhofer, Aktuarius im Stift St. Othmar..........Jakob Feldhammer
Mathias Freudhofer, Lehrer an der Kloster
schule .......
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Schneider Zitterbart . . . . Magdalena, seine Tochter
Filmschauspiel in 6 Akten von Hermann Kienzl und Holger-Madsen Nach der gleichnamigen Oper von Wilh. Kienzl Regie: Holger-Madsen
Aufnahmeleitung: Max Wogritsch. Künstlerische Ausstattung: Botho Höfer. Photographie: Fr. Fuglsang
Personen-Verzeichnis:
Engel, der Justitiae des Stiftes St. Othmar Heinrich Peer
Helena ».Teil
Die Zerstörung Trojas
Man versäume nicht, die im Theatereingang ausgestellte Nibelungen-Reklame zu besichtigen
Täglich 724 Uhr geöffnet
Beginn täglich 4.00,0.50,8.30 Uhr
Palastlichtspiele
Die dominierende Lichtbildbühne Gießens
Bekanntmachung.
Beim Stadtbauamt liegen Verdingungsunterlagen für Lieferung von Dachziegeln offen. Submissionstermin Samstag, den 24. Mai 1924, vormittags 10 Uhr. Näheres siehe Aushängekästen. 41386
Giehen, den 17. Mai 1924.
Stadtbauamt Giehen. I. V.: No ld.
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Bekanntmachung.
3n dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs und Berggrundbuchs für die Gemarkung Rüddlngshausen beginnt die Anmeldungsfrist am 10. Juni 1924, die Frist endigt am 10. September 1924.
Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der Anmeldungsfrist zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Ortsgerichtsvorstehers zu Rüddingshausen und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden.
Homberg (Oberhessen), den 14. Mai 1924.
Hessisches Amtsgericht. 4120O holz - Submifsionsverkaus. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll folgendes Holz auf dem Submissionsweg verkauft werden:
Kiefernstämme 3. Kl., 3 Stuck 2,47 Fstm., 18 Stück 4. Kl.. 14,18 Fstm., 54 Stück 5. Kl.. 17,35 Fstm.,- Fichtestämme 1. Kl., 1 Stück 0,98 Fstm., 2 Stück 2. Kl., 1,76 Fstm., 5 Stück 3. Kl., 4,74 Fstm.; Fichtestämme 4 Kl., 5 Stück 3,23 Fstm., 5a Kl. 8 Stück, 2.65 Fstm., 5b Kl. 109 Stück. 22,46 Fstm.; Fichtederbstangen 1.-2. Kl., 6 Stück, 0,57 Fstm.; Gschestämme 6.Kl., 2Stück 0,18Fstm.; Eschederbstangen 1. Kl., 5 Stück 0,41 Fstm.
Das Holz ist mit Rinde gemessen, der Kaufpreis ist nach Klaffen und pro Festmeter anzugeben. Die Offerten sind ver- schloffen bis Freitag, den 23. Mai, nachmittags 2 Uhr auf unterzeichneter Bürger- meisteret einzureichen, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet.
Die Kaufbedingungen werden vor der Eröffnung bekanntgegeben.
Annerod, den 17. Mai 1924.
Hessische Bürgermeisterei Annerod.
____________Horn.________41190
Der Voranschlag der Gemeinde Lang- Göns für 1924 liegt vom Mittwoch, dem 21. d. M, ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich erhoben werden. Es ist die Erhebung einer Umlage be° schloffen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Lang-Göns, den 17. Mai 1924. Bürgermeisterei Lang-Göns.
Müller. 4115D
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Grüntngen für 1924 liegt von Montag, dem 19. d. M. an eine Woche lang auf dem Bureau der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es soll eine Umlage erhoben werden, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Erüningen, den 17. Mai 1924. Bürgermeisterei Grüningen.
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