Ausgabe 
19.5.1924
 
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Die Vantiger.

Roman von Hermann Stegemann.

6. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Sie atmete tief auf, fie wiegte sich auf ihrem Sitz und spürte plötzlich kns Verlangen zu singen. Er war stolz auf ihre schöirr Stimme und hatte sie in Stuttgart ausbilden lassen, und seht hätte sie gern eins der dunklen, herben Drahmslieder ge­sungen, die er nicht verstand, von denen er be- bauptete, sie kämen wie auf Geistersohlen daher, doch sie brachte es nicht über sich aufzustehen und in das Musikzimmer h.nüberzugehen, sondern sah wie gebannt und wendete die Äugen nicht von seiner allmählich zusammengesunkenen Gestalt.

Aber dann überkam sie plötzlich, unversehens, ohne dah sie gewußt hätte, warum, ein erdrücken­des Gefühl der Einsamkeit, der Sehnsucht, und alle zärtlichen Empfindungen wurden von einem Schwall wilden Verlangens nach eigenem Er­leben verschlungen. Er sah und schlief, und sie sah und starrte ihn feindselig an, sah die Adern- stränge auf seiner Stirn und aus seinen Händen, sah die Tränensäcke unter seinen faltig gewordenen Libern, sah den schlaffen Zua um den leicht- geöffneten Mund. Jählings rih sie den eisernen Haken vom Kaminrechen, dah das Gestell klirrend auf die Fliesen stürzte und stieh ihn wild in den weihgewordenen Aschenhaufen des ausgebrannten Feuers.

AlS Schaufel und Zange zu Doden klirrten, schlug der Vaumeister die Augen auf. Aber die Tochter wurde um ihre böse Lust betrogen. Er erschrak nicht, fuhr nicht in die Höhe, bot kein klägliches Schauspiel, sondern war auf einen Schlag er selbst und sagte lachend:

Ich träumte, eine Drücke fei eingestürzt, und das ist mir doch noch nie geschehen."

Es ist über die Abendzeit," antwortete Ens mit tonloser Stimme. Als er sich langsam erhob, trat sie scheu von ihm wog

Er achtete nicht darauf, sondern legte den Arm um ihre Schultern und sagte:

So komm, sonst reut mich das Erwachen"

Sie erschrak über den Doppelsinn, von dem er nichts wuhte und drängte sich plötzlich wieder kindlich an ihn, aber sie bewahrte eine scheue, schreckende Erinnerung an diesen Tag, und hat die Dämmerstunde vor dem Kamin nie vergessen.

Reu-Runs war eine Schöpfung Gottfried Dantigers. Er h.itte das Gelände erworben, als es noch in der Urgestalt von Matten und Kies­hügeln jenseits des wilden Wassers schlummerte. Er hatte soviel Leben im alten Runs geweckt, so viele Techniker, Handw.'rkslcute und Arbeiter hin- gezogen, dah das alte Weichbild zu eng geworden war, und mancher, der zu Wohlstand gelangte, sich aus den düsiecm Gassen unter dem Felskopf nach dem Sonncnsleck im Mattengrün sehnte. Da hatte er zu äuherst am Hügelrand, wo das Tal

sich gegen Westen wieder hebt, eine Reihe von kleinen Häusern ausgesät und am Knick der schwar­zen Runs, die aus dunklen Duschwäldern lautlos hervorschieht, um sich plötzlich lärmend von der 5<ieäbant ins Geröll des Talweges zu stürzen und der biausenden Runs zu'.ustreben, eine Kessel­schmiede erbaut, deren dröhnende Hämmer das Echo weitentfernter GLckenlöne vorläuschten.

Das sind meine Glocken," hatte der Dau­meisler trotzig ausgerufen, als die Frommen, die in der allen Talschaft noch mächtig waren, im Rat den Dau einer Kirche für Reu°Runs for­derten, um der reicheit alten Kirchgemeinde die Armenlasten des Arbeiterquartiers zu ersparen. Doch das Arbeiterviertel war bald noch weiter gen Westen' geschoben worden, und zwischen Len Duschwäldern und dem Dett der weihen Runs war ein Villenviertel entstanden, auf das Lorenz Dantigers Haus vom Hang eines abgetragenen Kieshügels stattlich herabschaute.

Wenn der Daumeister über die neue stei­nerne Drücke schritt es geschah selten genug. um seinen Sohn in derSonnhalde" auizusuchen, war es ihm jedesmal leid, dah das alles schon geplant und gebaut war. So groh war die Lust gewesen, mit der er einst den Kampf um diese Anlage ausgefochten hatte.

Auch heute nahm die Erinnerung an die Kämpfe um Reu-Runs von ihm Besitz. Er tarn aus dem Unterland, hatte schwere, aufreibende Wochen hinter sich, wuhte, dah der Dau der Stütze rüstig fortschritt und das neue Dah'projekt

die Gemüter schon lebhaft erregt», und bot dem Herbstwind, der im klaren Sonnenschein von den Dergen blies, wohlig die Drust. Richt in sieben Hahren, sondern in sieben Monaten hoffte er den Dehörden, dem Volk und der Finanz seinen Plan aufzuzwingen. So günstig lagen in diesem' gesegneten Hrhre die Voraussetzungen zu kühner Tat. Drausende Unternehmungslust ging durchs Land, und Dantigers Schiff trieb mit geschwellt ten Segeln vor dem Wind.

Er war auf dem Wege zu seinem Sohn, der sich in den Mooren der Leberau am Fuh des Wolfenberges ein tückisches Fieber zugezogen hatte und hustend zu Drtt lag.

Als der Daumeister das Gartentor öffnete und zwischen leuchtenden Astern und dunklen Lvr- beerbüschen hindurchschritt, überfiel ihn plötzlich die Sehnsucht nach seiner Klause am älntersee. Wieder einmal alles vergessen und im Kreise guter Freunde und schöner Frauen das Glas heben und das Leben umarmen, ehr es unter beit Händen zerrinnt! Roch einmal das Gefühl stockender Dlutfülle im Wein begraben, das Hirn ausräumen und ein Weib umfangen, um die Sehnsucht nach dem Desitz des Köstlichsten zu stillen und sich darin zu verjüngen!

Er atmete tief, sog den feuchten Herbstbuf! in die Lungen, lächelte des leichten Schwindel« anfalls, der iht vdr wenigen Tagen nach durch- arbeitetet Rächt einen Augenblick aus dem Stand geworfen hatte, und stieg rüstig die Treppe empor.

(Fortsetzung folgt.)

Bekanntmachung.

Der durchbrratene Voranschlag der Gemeinde Lindenstruth für Rj. 1924 liegt vom 20. bis 26. l. Mts. auf unserem Dureau zur Einsicht der Interessenten offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4131D

Lindenstruth, den 18. Mai 1924. Bürgermeisterei Lindenstruth. Saturn.

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Bekanntmachung.

Beim Stadtbauamt liegen Verdingungs­unterlagen für Lieferung von Dachziegeln offen. Submissionstermin Samstag, den 24. Mai 1924, vormittags 10 Uhr. Näheres siehe Aushängekästen. 41386

Giehen, den 17. Mai 1924.

Stadtbauamt Giehen. I. V.: No ld.

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Bekanntmachung.

3n dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs und Berggrundbuchs für die Gemarkung Rüddlngshausen beginnt die Anmeldungsfrist am 10. Juni 1924, die Frist endigt am 10. September 1924.

Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der Anmeldungsfrist zu geschehen hat, können auf der Amts­stube des Ortsgerichtsvorstehers zu Rüd­dingshausen und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden.

Homberg (Oberhessen), den 14. Mai 1924.

Hessisches Amtsgericht. 4120O holz - Submifsionsverkaus. Aus den Waldungen der Gemeinde Annerod soll folgendes Holz auf dem Sub­missionsweg verkauft werden:

Kiefernstämme 3. Kl., 3 Stuck 2,47 Fstm., 18 Stück 4. Kl.. 14,18 Fstm., 54 Stück 5. Kl.. 17,35 Fstm.,- Fichtestämme 1. Kl., 1 Stück 0,98 Fstm., 2 Stück 2. Kl., 1,76 Fstm., 5 Stück 3. Kl., 4,74 Fstm.; Fichtestämme 4 Kl., 5 Stück 3,23 Fstm., 5a Kl. 8 Stück, 2.65 Fstm., 5b Kl. 109 Stück. 22,46 Fstm.; Fichtederbstangen 1.-2. Kl., 6 Stück, 0,57 Fstm.; Gschestämme 6.Kl., 2Stück 0,18Fstm.; Eschederbstangen 1. Kl., 5 Stück 0,41 Fstm.

Das Holz ist mit Rinde gemessen, der Kaufpreis ist nach Klaffen und pro Fest­meter anzugeben. Die Offerten sind ver- schloffen bis Freitag, den 23. Mai, nach­mittags 2 Uhr auf unterzeichneter Bürger- meisteret einzureichen, wo in Gegenwart erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet.

Die Kaufbedingungen werden vor der Eröffnung bekanntgegeben.

Annerod, den 17. Mai 1924.

Hessische Bürgermeisterei Annerod.

____________Horn.________41190

Der Voranschlag der Gemeinde Lang- Göns für 1924 liegt vom Mittwoch, dem 21. d. M, ab eine Woche auf dem Amts­zimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder mündlich erhoben werden. Es ist die Erhebung einer Umlage be° schloffen, zu der auch die Ausmärker bei­zutragen haben.

Lang-Göns, den 17. Mai 1924. Bürgermeisterei Lang-Göns.

Müller. 4115D

Bekanntmachung.

Der Voranschlag der Gemeinde Grüntngen für 1924 liegt von Montag, dem 19. d. M. an eine Woche lang auf dem Bureau der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Es soll eine Umlage erhoben werden, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.

Erüningen, den 17. Mai 1924. Bürgermeisterei Grüningen.

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