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ipcrtct wird. Nach wie vor ist die Bergarbeiter- schäft bereit, zu der tariflich zu Recht bestehen­den Arbeitszeit von sieben Stunden unter Tage und acht Stunden über Tage zu arbeiten. Sie wird durch die allem Recht widersprechende Aus­sperrung seilens der Bergbauunternehmer an der Ausübung der Arbeit behindert. Dec Volks- gesamlheit erwächst aus diesem Vorgehen derHnler- nehmer unermeßlicher Schaden. Auf die Unter­nehmer allein fällt die Verantwortung zurück. Ruhrbergleute! Verantwortungslose Ele­mente sind an der Arbeit. Die überall im Ruhrbergbaurevier auftauchenden Sendboten der K. P. D. versuchen, die gewerkschaftliche Disziplin zu untergraben. Die Beauftragten der Union £>er K. P, A. treten in offener und versteckter Form an euch mit der Aufforderung heran, Plünderungen und Gewalttätig­keiten auszuüben. Dieses Vorgehen erhöht die Gefahr der Zertrümmerung unserer Abwehrfront. Kameraden! CS gilt, in dem uns aufgezwun­genen Kampfe auSzuharren, gewerkschaft­liche Disziplin zu üben und nur den An­weisungen der unterzeichneten Organisationen zu folgen. Rur so ist die Gewähr gegeben, daß die Ruhrbergarbeiterschast in Ehren und ungebrochen aus diesem schweren Konflikt herausgehen kann.

Kritische Lage im Saarrevier.

Saarbrücken, 17. Mai. (Wolff.) Rachdem die Röchlingwerke 3000 Arbeitern das Ar- beitsverhältnis gekündigt haben, hat nun­mehr auch die unter französischer Aktienmajorität stehende Dillinger Hütte durch Anschlag ver­kündet, daß die Aktionäre es ablehnten, in Zu­kunft weiter mit Zuschüssen zu arbeiten und daß deshalb alle Arbeiter zum 1. Jani g e kündigt seien. Darauf legten die Arbeiter die Arbeit sofort nieder. Wie verlautet, soll auch die Elektrizitäts- und Wasserversor­gung bedroht sein. Die Belegschaft der Dil­linger Hütte umfaßte insgesamt 8000 Mann. Auch auf den übrigen Eisenwerken des Saargebiets ist die Lage sehr kritisch, so daß noch weitere Arbeiterentlassungen zu befürchten sind.

Der Schiedsspruch in der Metallindustrie.

Mannheim, 18. Mai. (Wolff.) Das hier zur Beilegung des Konfliktes in der Metallindu­strie zusammengetretene Schiedsgericht fällte in Abwesenheit der Vertreter der Metallindustrie folgenden Schiedsspruch: 1. Die Arbeit wird in allen Betrieben der Metallindustrie sofort wie­der ausgenommen. Maßregelungen dürfen beiderseits nicht vorgenommen werden. Die Wie­deraufnahme des Arbeitsverhälnisses gilt als Fortsetzung des früheren. 2. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt auf der Grundlage des Schlichterschiedsspruches vom 14. April 1924. 3. Mit Wirkung vom 26. Mai erhöht sich der bisherige Ecklohn von 55 auf 60 Pf., >die übrigen Lohnstufen richten sich danach im Sinne der bisherigen Hebung.

Ein Aufruf der Ausgewiesenen.

Berlin, 18. Mai. (Wolff.) Der Reichs- Verband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr erläßt folgende Kundgebung: Die am Fuße des Otzberg versammelten Mit­glieder des ReichSverbandes der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr stellen vor aller Welt fest, daß über 1 30000 wegen Erfüllung ihrer vaterländischen Pflichten von HauS und Hof Vertrie­bene nach Jahr und Tag noch immer von der Heimat verbannt sind, und daß über 1200 Gefangene aus gleichem Grunde in Gefängnissen schmachten, obgleich der passive Widerstand von der gesamten Bevölkerung des besetzten Gebietes längst aufgegeben ist. Sie for­dern die gesamte gesittete Welt auf, dahin zu wirken, daß die Ausgewiesenen m ihre Heimat und Wohnstätten, sowie zu ihrer Berufstätigkeit » u r'ü ck k e h r e n können und die Gefangenen f ne i g e l a s s e n werden.

Das Urteil im Separatiftenprozeß.

'Stuttgart, 19. Mai. (Priv.-Tel.) 3m ztyeiten Separatistenprozeh vor dem süddeut­schen Senat des Staatsgerichtshofes wurde der 22jährige Karl Drüggemann aus Franken­thal wegen DeteUigung an dem Sturm auf das Kurhaus in Langenschwalbach zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 500 Gvldmart Geldstrafe verurtellt

Der deutsch-russische Konflikt.

Berlin, 17. Mat. (WB.) 3n der Ange­legenheit Dozenhardt sind noch 6 Mitglieder der Familie 216 mann, alles Verwandte der Ge- Uebten Bvzenhardts, fest genommen worden. Außer den bemerkens werten Schriftstücken, die bei Lehmann und Dozenhardt gefunden wurden, hat die Polizei der Geliebten Bvzenhardts 30 ame­rikanische Dvlla rs abgenommen. Dieses Geld war der Rest eines Dollarbetrages, den Dozen­hardt wenige Tage nach seiner Flucht von der Kasse der russischen Handelsvertre­tung durch Vermittlung Lehmanns erhalten hatte, dem er eine unterschriebene Quittung zur Vorlage bei der Kasse der Handelsvertretung mit- gegeben hatte.

Die Oelsunde bei Celle.

Die in der Lüneburger Heide seit einigen Jahren vorgenommenen Bohrungen haben zu dem Erfolg geführt, dah ein Oellager von etwa 300 000 Kilogramm Leistung pro Tag gefunden wurde. Der Fund wurde mit Hilfe des Schermuly- schen Polarisators getätigt, die ausführende Ge­sellschaft _ift die Deutsche Ordöl, deren Kurse eine beträchtliche Hausse auf der Berliner Börse erlebten, zumal man damit rechnet, dah tnt Laufe des Jahres noch weitere Oellager gefunden wer­den. Hm sich die Bedeutung dieses Oelfundrs klar zu machen, der in der Tagespreise meist ohne Kommentar besprochen wurde, ist es notwendig, wenigstens einige Ziffern der heutigen Erdöl­gewinnung anzusühren. So betrug z. D. die Welt- Produktion an Petroleum 1916 61,8 Mill. Tonnen. Amerika gewinnt täglich gegenwärtig etwa 1 885 000 Barrels, Rumänien hatte im Dezember eine Ausbeute von 130 000 Tonnen Rohöl. Die Entdeckung von Oellagern von 200 oder 300 Ton­nen pro Dag ist feine Seltenheit, so wurden dieser Tage in Rumänien eine Quelle von 200 Tonnen Lagesleistung, in Amerika gleichzeitig mehrere rufgeschlossen.

Der Oelfunb in der Lüneburger Heide, der bis tefct der größte in Deutschland ist, darf also vor- yiufig nicht überschätzt werden. Doch ist wohl anzu-

Amerika und Rußland in China.

Moskau, 18. Mai. (Wolff.) Rach eingetrof- fenen Meldungen richtete die amerikanische Re­gierung an die chmesche Regierung eine Rote, wo­rin sie diese vor der Anerkennung der Sowjetrepubliken warnt, da solche zu internationalen Verwicklungen führen würde. Wie man sich erinnert, hatten vor zwei Monaten der Vertreter der chinesischen Regierung, Li-Wan, und der Dowjetgesandte in Peking, Karachan, ein Abkommen Chinas mit den Sowjetrepubliken ge­troffen, wodurch die Sowjetunion von China de jure anerkannt wurde und die Sowjetregierung auf alle Begünstigungen in China verzichtete. Der Ver­trag betraf aber auch wirtschaftliche und politische Interessen anderer Großmächte, weshalb die chinesische Regierung auf den Protest Amerikas, Englands, Frankreichs und Japans die Ratifi­zierung des Vertrages abgelehnt und of­fiziell die 216reife Karachans aus Peking nach­gesucht hatte.

Die Verhandlungen wurden aber inoffiziell in Moskau und Peking fortgesetzt.

Runmehr wäre nach dieser von anderer Seite noch nicht bestätigten Meldung die Regierung der Ver­einigten Staaten neuerdings in Peking eingeschrit- ten. Steklow nennt die amerikanische Aktion eine deispielloseHnverschämtheit. Die In­tervention Amerikas gehe noch viel weiter als die diesbezüglichen Roten Frankreichs. Die fran­zösische Regierung habe nur gegen die Hebergabe der ostchinesischen Dahn an ihren legalen Eigen­tümer protestiert. Die amerikanische Regierung je­doch verbiete China unter Androhung inter­nationaler Komplikationen die de jure-Anerken- nung der Sowjetunion. Das habe noch nie irgend­eine andere Regierung getan. Bisher sei es Frankreichs gewesen, das im Fernen Osten am feindselig st en gegen Sowjetrußland auf getreten sei. Amerika beweise nun, daß es an Stell» der geschlagenen Regierung des nationalen Blocks treten wolle.

Kleine politische Nachrichten.

Der gestern in Breslau veranstaltete D e u t s ch e T a g ist bis auf einen unbedeutenden Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Stahl­helmleuten, bei dem die Polizei die Ruhe bald wieder Herstellen konnte, ohne Zwischenfall verlaufen. Die Feier selbst war auf den Gactm des Versammlungslokals beschränkt und blieb der Oeffentlichkeit verborgen.

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Der Polizeipräsident von Berlin hat auf Grund der Verordnung über den zivllen Aus- nähmezustand SieRote Fahn e vom 17. Mai bis 14. Juni verboten. Das Verbot wird dar­auf gestützt, dah die Zeitung eine gesetzwidrige Aendecung der verfassungsmäßigen Staatsform anstrebt und diese Bestrebungen in den letzten Zeitungsnummern unter Anreizung zu Gewalt­tätigkeiten ausdrücke.

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Anläßlich des Besuchs des französi­schen Flottengesch waders im pol Ni­schen Ostseehafen Gdingen fanden zwi- schm französischen und polnischen Offizieren gegen­seitige Besuche statt, hieraus begab sich em Teil der französischen Offiziere mit 2ldmiral Jolivet an der Spitze nach Danzig und von dort nach Warschau. Das französische Geschwader ver­läßt am Montag Gdingen, um sich nach Libau, Reval und Helsingfors zu begeben.

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Der tschechoslowakische Minister des Aeußern D e n e s ch bestätigt dem Giornale d'Jtalia den baldigen 2lbschluß eines Separatvertrages zwischen Italien und der Tschecho­slowakei, der gewisse Punkte der Friedens- Verträge von St. Germain, Trianon und Reuillh erneut bekräftigen und entwickln wer'oe. Der Außenminister begab sich gestern zum Vatikan und besuchte den Kardinalstaatssekretär Caspari.

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3n Paris ist der 2krtei6iger von Kut el Amava, General T o w n s e n d. in der Wohnung seiner Schwiegermutter, bei der er zu Besuch weilte, unerwar.et gestorben.

Jur Straßenbahnfrage in Gießen.

3m Anschluß an unsere Ausführungen zur Gießener Straßen bahnfrage (Rr. 104 vom 3. 5.) geht uns aus unserem Leserkreise eine Zuschrift zu, aus der wir folgende Sätze wieder­geben:

Cs ist unverständlich, weshalb man immer noch zögert, den vielfachen Wünschen der Ein­wohnerschaft entsprechend den Betrieb der Straßenbahn wieder aufzunehmen. Sollte tat­sächlich. wie verlautet, die Bahn bisher auch in normalen Zeiten mit Hnterbilanz gearbeitet haben und die Stadt nicht mehr in der Lage sein, die aus diesem Grunde nötigen Zuschüsse der Bahnverwaltung weiterhin zur Verfügung zu stellen, so müßten nach dem Beispiel der Stadt Marburg den Werkstätten der

Straßenbahn produktive 2( e b e n - betrieb e ungegliedert werden, aus de­ren Heberschüfsen die Fehlbeträge Der Straßen­bahn gedeckt werden könnten. Der Stadtverwal­tung ist gegebenenfalls ein Studium der Mar­burger Einrichtungen dringend zu empfehlen. Außer dem Berufs- und Geschäftsverkehr, dem im Sommer wieder zunehmenden Fremdenver­kehr und dem beträchtlichen Verkehr nach dem Kaser nenviectel. den Provinzial-Heilanstalten und der Siedelung, erfordert auch der umfang­reiche Friedhofsverkehr die baldigste Wieder­aufnahme des Straßenbahnbetriebs. Gerade der letztere Verkehr hat ein Anrecht auf größte Für­sorge der Stadt. Rachdem man einmal den Reuen Friedhof so weit vor die Stadt hinaus verlegt hat, muß man auch den zahlreichen 3n- teressenten die Möglichkeit geben, ohne großen Zeitverlust an Beerdigungen teilnehmen und die Gräber ihrer Verstorbenen pflegen und häufig besuchen zu können. Besonders ist hier Rück­sicht zu nehmen auf die vielen älteren und kran­ken Personen sowie die Kriegsbeschädigten, die den außergewöhnlich weiten Weg zum Friedhof zu Fuß nicht mehr zurückzulegen vermögen. Die 3nbetriebnahme der Bahn würde aber auch Vorteile in sozialer Hinsicht bieten, da ein zahl­reiches Personal wieder Beschäftigung fände, wodurch zweifellos Ersparnisse an anderen Stel­len des städtischen Haushalts, insbesondere bei der Erwerbslosenfürsorge, sich erzielen ließen." Der Hinweis des Einsenders auf die pro­duktiven Reben betriebe in den Marburger Strahenbahnwerkstätten hat uns veranlaßt, in Marburg Erkundigungen einzuziehen. Es hat sich dabei herausgestellt, daß das Marburger Elek­trizitätswerk eine größere Werkstatt besitzt, die sich mit Reparaturen von elektrischen Maschinen und ähnlichem befaßt und Eisenkonstruktionen für elektrische Hochbauten herstellt. Bei der Errich­tung dieser Werkstatt hat man gedacht, daß die Mehreinnahmen der Werkstatt zum Ausgleiche et­waiger Mindereinnahmen anderer Betriebe dienen sollen. Weiter wird in der Auskunft hervorgeho­ben, der Strahenbahnbetrieb Marburgs fei nicht zum mindesten dadurch aufrechterhalten worden, daß das Personal dieses Betriebs bereit war, sich den Verhältnissen anzupassen, sowohl in bezug auf Arbeitszeit, wie auch auf die Lohnhöhe. Das einsichtsvolle Verhalten des Personals habe nicht wenig mit dazu beigetragen, daß der Betrieb durchgehalten werden konnte. Heute erhalte sich die Bahn wieder vollkommen selbst.

Die Marburger Verhältnisse sind u. E. beach­tenswert und zugleich lehrreich. Die Frage eines produktiven Rebenbetriebs in der Straßenbahn- Werkstatt könnte wohl auch hier einmal geprüft werden. Wenn dieser Rebenbetrieb ohne D e ° nachteiligungunseresheimischenGe» w erb es und ohne allzu großen Aufwand von Geldmitteln für die Einrichtung geschaffen werden kann, dann möchten wir ihn empfehlen. Grund­sätzlich möchten wir im Hinblick auf die sehr hohen steuerlichen und allgemein-wirtschaftlichen Bela­stungen des Gewerbes eine Schmälerung s e i° ner Verdien st möglichkeitunterallen HM ständen vermieden wissen, denn einmal ist die Stadt u. E. nicht dazu da, ihren Bürgern das Brot zu beschneiden, und zum andern wäre eine solche Wirtschaftspolitik auch kurzsichtig, weil sie ja nur die Steuerkraft weiter Devölkerungs- kreise schwächen würde, ohne auf der andern Seite einen entsprechenden Vorteil zu erzielen. 11. E. können für einen solchen Betrieb nur bie Ar­beitsgebiete in Betracht kommen, die heute von ortsfremden Großbetrieben aufgesucht werden. Datz große Reuanschaffungen von Maschinen einfttoeilen für uns unmöglich sind, geht schon aus der Fi­nanzlage hervor. Sehr zu beherzigen ist schließlich noch das, was über die Arbeitszeit- und Lohn­verhältnisse den Marburger Straßenbahnern nach« gerühmt wird.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 19. Mai 1924.

Chemisches Untersuchungsamt für die Provinz Oberhessen.

Aus dem Täfigkeitsberichtfür 192 3 ist zu ersehen, daß Verfälschungen von 'Rahrungs- und Genußmitteln noch immer häufig vorkommen. Don 2365 untersuchten Rährungs- und Genitz-- mittcln unterlagen 443 der Beanstandung. Beson­ders die wichtigsten Lebensmittel, tote Milche Butter, Käse und Mehl wurden am häufigsten! verfälscht.

Don den im Verkehr erhobenen Milch­proben wurden 19 Prozent wegen Verfälschung oder Minderwertigkett beanstandet und zwar 119 Proben wegen Wa se .zusahes, 175 Proben we ea Entrahmung, 2 Proben wegen Wasserzusatzes btt gleichzeitiger Entrahmung, 42 Proben wegen Min- bcEtoertigtcit. Der Fettgehalt der Milch betrug durchschnittlich 3,35 Prozent. 3n zäh reichen Ful­len mußte Butter wegen eines übermäßig ho­hen Wassergehaltes beanstandet werden. Ver­schiedene alsvollsett" in den Verkehr gebrachte Käse (Edamer, Camembe 1) besaßen einen unter 40 Prozent liegenden Fettgehalt. Bei Würsten würd'. häufP ein übermäßiger Wasser,zusah so­wie die Verwendung von Michl festgestellt. Sehr zahlreich waren die Verfällchungen von Mehl.

nehmen, daß die geologische Untersuchung der so unscheinbaren Lüneburger Heide bezüglich der verborgenen Bodenschätze noch manche Heber» raschung bieten wird. Die Ziffer von 9000 Tonnen pro Monat ist so em beträchtlicher Anfang, daß man mit Recht auf die weiteren Hnter- suchungen gespannt sein darf. Vielleicht ist die Lüneburger Heide in kurzer Zeit dank ihrer Bodenschätze vom ärmsten zum reichsten Land ge­worden, das ebenbürtig dem Lande der Kohle zur Seite steht, denn die Bedeutung des Erdöls ist ständig im Steigen begriffen als Ersah für Kohle zur Krafterzeugung (Gasolin, Benzin), als Leucht­öl und Schmieröl. Wie sehr Deutschland im Bezug dieser Stoffe vom Ausland abhängt, war im Kriege zu erkennen, und es ist an und für sich ein genug tuendes Gefühl, daß endlich auchDeutsch- land stärker in die Reihe der Erdöl gewinnenden Länder einrückt. Eine richtige Erdölindustrie, wie sie m den Vereinigten Staaten zu finden ist, kann sich allerdings erst dann entwickeln, wenn die Produktion em noch höheres Matz erklimmt, so daß nut großzügigen Mitteln, Röhrenleitungen, Tankanlagen, Tankwagen der Absatz erleichtert wird, während sich gleichzeitig die Industrie in der Rähe der Gewinnungsstätten ansiedeln kann, um die Gewinnung und Verarbeitung auf einer billigen Skala zu ermöglichen. Sollte sich die Weiterentwicklung so gestalten, wie man hofft, so wird frch rn Deutschland ein weiteres 3n°

dustriezentrum entwickeln können, wie man das auch in anderen Ländern erlebt hat. 2Tber wir wollen den Verhältnissen nicht vorgreifen, sondern den Erfolg weiterer Hntersuchungen abwarten, denn manche Hoffnung hat sich als trügerisch erwiesen, was wir allerdings in diesem Falle nicht glauben.

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Die Eröffnung bcr Südwcftdeutfchcn Kunstausstellung.

DieSüdwestdeutsche Kunstausstellung Darm­stadt 1924, die von hessischen, badischen und toürt» tembergischen Künstlern beschickt worden ist, wurde am Samstag im städtischen Ausstellungshause auf der Mctthildenhöhe mit einer Ansprache von Bür­germeister Mueller eröffnet. Dieser bedauerte es lebhaft, daß aus der Rheinpfalz kein Künstler mit einem Werke vertreten sei. Das Programm der Ausstellung mußte aus finanziellen Gründen beschräntt werden, so daß nur Künstler aus Den obengenannten Ländern zur Beteiligung auf­gefordert worden sind. Die Ausstellungsmöglich- keiten sind in diesem Jahre gering; Die Darm­städter Ausstellung ist übrigens das einzige grö­ßere Hntemehmen dieser Art in Süd Westdeutsch­land Ein Gesamtüberblick über die Leistung Der Aussteller läßt wesentliche Hnterschiede zwischen Den Drei Gruppen erkennen; es ist dies nicht allein

2lls garantiert rein üerraujte Weizenmehle ent­hielten größere Mengen von Gersten- oder Rog« genmehl. Ki vjelen Fällen war das Mehl weil über Den vorgeichriebenen Ausmahlungsgrad aus- gemahlen oder von Hnkrautsamen nicht ausrei­chend befreit. Verunreinigungen des Mehles durch Mehlwürmer, Mehlmotlen und Mehlmilben wur­den wiederholt sestgestellt. 3n einem Fälle war Weizenmehl durch Zusatz von 32 Prozent Gips verfälscht. 3n einem Brote konnte der Rach^ weis erbracht werden, Daß bei Herstellung des­selben alte Brotreste mit verbacken worden waren. Verschiedene Backpulver und Vanillin- z u ck e r erwiesen sich als minderwertig. 3hr Ver­kauf wurde unterbunden. Bei Cssigproben bildete zu geringer Säuregehalt oder nicht de-> Harierte künstliche Färbung Grund zu einer Bean­standung. Hnter Der Bezeichnung Zimtpuldei wurde häufig gepulverter Zimtbruch, dessenAroma nur gering ist, im Derköhr angetroffen. Brannt­weine und Liköre besaßen vielfach nicht der vorgeschriebenen Alkoholgehalt. Eine Anzahl Brunnenwasser wurde wegen Zuflusses jauchehaltiger Stoffe als ungeeignet für Trink zwecke bezeichnet. 3n verschiedenen Rährungs- und Genußmitteln (Obstwein, Buttermilch, Zwei- schenhonig), Die bei dec Verarbeitung mit ver­zinkten Gegenständen in Berührung gekommen waren wurden erhebliche Mengen von Zink nad)p ^gewiesen.

Außer den Hntersuchungen von Rährungs- und Genußmitteln in Ausübung der amtlichen Rahrungsmittelkontrolle wurde das Hnter- suchungsamt noch häufig von Gerichten und anderen Behörden, sowie Gewerbetreibenden in Anspruch genommen. Es mußten Leichenteile und sonstige Objekte auf die 2lnwesenheit von Giften untersucht werden. 3n einer Haferflocken- fuppe wurden größere Mengen von Ar senil festgestellt. Bei verendeten Tieren konnte durch den Rachweis von Strychnin in denselben Pie Todesursache festgestellt werden. Bei den tech- schen Hntersuchungen handelte es sich hauptsäch­lich um Hntersuchungen von Rohstoffen, Zwischenerzeugnissen und Fertig­waren der Industrie, sowie um Prüfung ver­schiedener Betriebsmittel.

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Vorläufige Gewerbesteuer für die Provinz und für den Kreis Giesien.

Der Provinzia laus schuß hat Die Er­hebung einer vorläufigen ® eine r he­ft euer für das Ri. 1924 in Hohe von Vig des staatlichen Steuersatzes für die Provinz Oberhessen beschlossen. Die Steuer wird mit den Einkommensteuervorauszahlungen und Der staatlichen Gewerbesteuer fällig und ist von Den Cewerbesteuerpslichtigen gleichzeitig mit diesen Steuern an Dem für Deren Zahlung maßgebenden Termin bet der Finanzkasse (Hnterer Hebstelle) zu entrichten. Die Zustellung eines Steuerbescheids erfolgt nicht. Btt nicht rechtzeitiger Zahlung er­folgt Mahnung unD Beitreibung auf Kosten des Schuldners.

Für den Kreis Gießen hat der Kreis- ausschutz ebenfalls die Erhebung einer vor­läufigen Gewerbesteuer für das Rj. 1924 in Höhe von V8 des staatlichen Steuersatzes beschlossen. Für Die Erhebung dieser Steuer gel en Die gleicher Bestimmungen, wie für die Einziehung der Pro­vinzialsteuer (wie oben mitgeteilt).

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** Die Auszahlung des Gegen» wertes für kleine Stücke Gold­anleihe. WTD. meldet: 3m Publikum ist die Annahme verbreitet, daß die Auszahlung des Gegenwertes für die bei den Reichsbankanstalten zur Einlösung eingelieferten kleinen Stücke Gold- anleihe längere Zeit auf sich warten lassen würde. Demgegenüber sei Darauf hingewiesen, Daß von der Reichsschuldenverwaltung für die unverzüg­liche Prüfung der eingehenden Stücke auf ihre Echtheit alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen wurden. Stockungen im Prüfungsgeschäft sind daher ausgeschlossen. Hnmittelbar nach Feststel­lung des Prüfungsergebnisses werden den Reichs­bankanstalten Die zur Auszahlung des Gegen­wertes erforderlichen Beträge überwiesen. Es ist damit zu rechnen, daß in der Regel in etwa 8 bis 10 Tagen Der Einlieferer von Goldanleihc den Gegenwert erhält. Bei kleinen Beträgen <bis 50 Mark) und in sonstigen geeigneten Fällen zahlen Die Reichsbankanstalten sogleich bei Der Einreichung der Goldanleihestücke Den Gegen­wert aus.

" Keine Ausreisegebühr bei Rei» sen nach Danzig Dem Ver.ehmen nach ge­nehmigte das Reichsfinanznnnisterium mit Rück­sicht Darauf, D<ß von Dem Freistaat Danzig ein Einreisevisum nicht verlangt wird, Daß Reisen nach Dem Gebiet Der Freien Stadt Danzig von Der Ausreisegebühr befreit bleiben. Die deutschen Landesfinanzämter erhielten demgemäß Anwei­sung. D>en Hnbedenk.'ichteitsaermerl mit dem Zu­satz über die Gebührenfreiheit für Reisen nach Dem Gebiet der Freien Stadt Danzig zu versehen.

** Das amtliche Fernsprechbuch für den Oberpostdirektionsbezirk Darmstadt wird demnächst neu aufgelegt. Die Vorarbeiten hierzu werden am 1. Juni abge­schlossen. Bis dahin sind Aenderungen der Ein­tragungen bei der zuständigen Fernsprech-Der-

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dem Hmstand zuz u sch reiben, daß jede Gruppe von besonderen Kunstrichtern beurteilt worden ist son­dern es findet hier auch wohl Die Kunsttradition des Landes ihren Ausdruck. Der ErPressionismas ist fast ganz verschwunden, Die Malerei ist wiedei ruhiger, abgeklärter und sachlicher geworden. Sehr reichhaltig ist auchl die Graphik vertreten, Dagegen Die Plastik nur mit wenigen Werken,

-tz

Mengelberg in Pariö.

Der Amsterdamer Tonkunstchor und das Eon» certgebvuve-Orchester unter Bettung von Wil­lem Mengelberg sind nach Paris gekommen, um im Theatre des Champs-Elysees eine Ausfüh­rung der Bachschen M a 11 h äu s p a s s i on und Der 1. und 9. Symphonie von Beethoven zu veranstalten. Durch diese Veranstaltung werden seit Dem Kriege zum ersten Male große deutsche Werke in deutscher Sprache aufgeführt. Bei Der Sonntag nachmittag stattgehabten ersten Auffüh­rung Der Matthäuspassion erzielte Die hollän­dische Künstlerschar einen unbestrittenen Erfolg. Heute abend werden Bsethovens 1. und 9. Sym­phonie aufgeführt. Hnter Den Solisten sind zu nennen Die Damen Roordewier-Redding- gius und 3lona Durigo, sowie Der Berliner Tenorist Jakob Hrlud und der Bassist Denvs.