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Präsidenten der-Republik und der PrS- der Kammer und des Senates an Stelle

" keimen Abstimmung, sowie endlich das Koalttivnsrecht für sämtliche Be­amte.

Die Pariser Finanzminister- Konserenz.

Paris, 18. Oki. (TL.) Der

meldet aus Brüssel, daß die belgische Regierung mit den Vorbereitungen für die Konferenz der alliierten Finanzminisler, die während der Lon­doner Konferenz beschlossen wurde und i m Ä o - vember in Paris stattfinden soll, be­schäftigt ist. Die französische, italienische und belgische Regierung haben ihre Sachverständigen beauftragt, vorher in einer besonderen Kon­ferenz, am 27. Oktober, in Paris folgende Fragen zu erledigen:

1. Die Regelung der Ko st en der Ruhr- Besetzung sowie die Reparationen und Ein- kürrste aus der Besatzung. Es bestehen pro­visorische Abmachungen zwischen Frankreich und Belgien über die Frage, doch sind bis jetzt die Einnahmen noch nicht für die Repko gut­geschrieben worden.

2. Erneuerung und Revision deS Abkommens vom 11. 3. 22 zwischen den alliierten Finanz­ministern. Es handelt sich hier in erfter Linie um die Regelung der Desatzungskosten im Rheinland.

3. Regelung verschiedener Fragen über die Anwendung des Dawesplanes. Es sollen alle Zahlungen genau bestimnrt werden, die als eigentliche Reparationszahlungen gelten ,und diejenigen, die Deutschland nach dein Ver­sailler Vertrag sonst noch zu leisten hat.

4. Die Regelung der ersten deutschen ^Zahreszahlung in Höhe von 1 MillicnHe Goldmark unter den Alliierten.

Der Generalagent vor derRepko

Paris. 18. Okt. (TU.) Die Repko hat gestern den Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Owen Y v u n g, entgegengenommen. Owen Voung erörterte das Budget für den Monat Oktober. Be­kanntlich beträgt die erste Iahreszah- lung nach dem Dawesplan eine Milliarde Goldmark. Zahlungen jeder Art, die der Ver­sailler Vertrag Deutschland auferlegt, müssen den Iahres- und Monatszahlun- gen untergeordnet werden. Es handelt sich hier um alle Reparationszahlungen und Besatzungskosten. Kompensationen usw. Die Repko beschäftigte sich dann mit der Aus­arbeitung des Reglements für den G e n e - r alrat. In dem Rat sind der General­agent für die Reparationszahlungen, die drei Kommissare für die Bank, die Eisenbahn und die Einkünfte Deutsch­lands, die als Garantien für die Repko gel­ten, ferner die beiden Treuhänder für die Industrie- und Eisenbahnobligationen ver­treten. Der Rat soll dem Generalagenten bei der Zusammenarbeit mit der Repko behilf­lich sein.

Die Räumung Limburgs.

Limburg, 18. Olt. (TA.) Die französischen Posten werden am 19. Oktober aus Eschho - fee n zurückgezogen. Am 23. Oktober wird die Stadt Limburg geräumt. Nachdem inzwi­schen die bisher beseht gewesenen Orte des K r e i - <ed Limburg von der französischen Besatzung fee r l a s s e n worden sind, wird ab 23. Oktober der Kreis Limburg wieder zum unbesetzten Gebiet gehören.

Hessischer Landtag.

Die Notlage

der hessischen Landwirtschaft.

(Don unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt, 17. Okt. Auf der Tagesord­nung steht der Gesetzentwurf über die Entschä­digung für die an ansteckender Gehirnmarkentzün­dung gefallenen Pferde. Abg. Hahn (D. V.-P.) schildert die Ursache der Krankheit sowie die Krankheitserscheinungen und teilt mit, daß i n Ober Hessen viele Pferde eingegan­gen sind. Der Redner erläutert die hauptsächlich­sten Bestimmungen des Gesetzes, namentlich die über die Entschädigung. Die Vorlage wird mit einigen redaktionellen Aenderungen ange­nommen.

Auch der Entwurf eines Gesetzes über das 2 i e g e n f ch a f t s k u t a st e r Ka cftergefe-) wird im wcsentttch^n in der Fassung der Regierungs­vorlage in beiden Lesungen angenommen. Das­selbe geschieht auch mit dem Gesetzentwurf über die Abmarkungen.

Runmehr werden die bekannten, von den ver­schiedenen Parteien gestellten Anträge über die Notlage der Landwirtschaft und die Ernte­schäden

beraten. Abg. Hahn (D. Vp.) sch'ldert die Schä­den, die durch die diesjährige Regenpeciode in Hessen verursacht wurden. Er erwähnt die Steuer­stundungen und weist darauf hin, daß ganz Oberhessen als Notstandsgebiet er­klärt worden sei, in Starkenburg und Ober- hessen nur bestimmte Gebiete und nur unter ge­wissen Bedingungen. Die Finanzämter hätten die Erhebungen gemacht; sie hätten innerhalb 24 Stun­den von den Bürgerme.stereien Auskunft verlangt. Eine regelrechte Schätzung der Schäden habe gar nicht stattgefunden; von einzel­nen Stellen seien nur die Aeberschwem- mungsschäden, von anderen nurdiedurch Regen verursachten berücks chtigt worden. Die Taxationen seien vielfach sehr willkür- l i ch gewesen. Eine Gemeinde, die denselben Scha­den wie eine andere habe, fei z.D. ganz an­ders eingeschätzt worden. Als die Schätzungen vorgenommen wurden, habe man überhaupt den ganzen Schaden noch gar nicht übersehen können. Beim Ausdrusch habe sich gezeigt, daß viel Getreide nicht mehr keimfähig ist; infolge­dessen sei der Schaden höher als früher an­zusehen. Die Kautelen, mit denen die Reichs­oorschriften umgeben sind, mühten in den Pro- oinzen Rheinhessen und Starkenburg fallen; die hessische Regier mg solle di.s in Berlin durch- etzen, so da.) allen hessischen Gemeinden die Steuerst undungen zuteil würden.

Abg. Engelmann (Soz.) bringt die Steuerstundung im Zusammenhang mit den hohen Getreidepreisen. Es würde viel Getreide zurückgehalten.

Abg. Dr. von Helmolt (Bauernbund) weist darauf hin, daß

das Getreide in Oberhessen kaum, auch nicht zu reduzierten Preisen, zu verkaufen

sei; von einer Zurückhaltung könne nicht die Rede sein. Man wäre in Oberhessen sehr dankbar, wenn Abg. Engelmann für das Getreide Abnehmer fände.

Abg. Blank (Zentr.) bemerkt, das) an den hohen Getreidepreisen nicht die Landwirtschaft schuld sei. Wenn nod> ungedroschenes Getreide, daliege, so sei oft die Arsache, dah die Dresch­maschinen nicht zur Stelle seien und nicht genügend schnell ausgedroschen werden könne.

Abg Glaser (Bauernbund) macht auf die groben nachträglichen Schäden aufmerksam, weil das Getreide feucht eingebracht wer­den muhte.

Finanzminister Henrich erklärt in längerer Rede, dah über die Notlage der Landwirtschaft und über die Notwendigkeit der Abhilfe alle Parteien einig seien. Der Redner kommt dann auf die Steuerstundungen zu sprechen und verliest eine Reihe von Ziffern über die Ster ereinkünfte der letzten Monate in Hessen; er meint, man könne nicht mit einem Mehr an Eingängen be­stimmt rechnen, denn man wisse nicht, wie die wirtschaftliche Zukunft sich gestalte. Im ganzen sei gegenwärtig die Finanzlage nicht als un­günstig zu bezeichnen.

Es sprachen dann noch Abgeordnete des Zen­trums, der Demokratie, der Sozialdemokratie, der Kommuinsten und ter einzige deutschvolkl'che Ab­geordnete des Hauses, Hauck. Der Antrag des Ausschusses geht dahin, die Regierung zu ermäch­tigen, die zur Linderung der Notlage erforder­lichen Kredite inHöh>edon9 Millionen Mark flüssig zu machen uni> die dazu porliegeirden Anträge für erledigt zu erklären. Der Antrag wird einstimmig angenommen.

Ferner wird ein Antrag Glaser (Bauern­bund) angenommen dah auch Starkenburg und Rheinhessen als Notstandsge­biete zu betrachten seien. Bei der Ab­stimmung über einen Antrag Dr. Greiner-Roth (Kom.), dah bei der Kreditverteilung Klein­bauern hinzugezogen werden sollen, stimmten die Parteien der Rechten dagegen. '21^9. Hauck weist darauf hin, dah hier Wohl ein Irrtum vorliege; er verlangte daher eilte nochmalige Ab­stimmung. Der Präsident lohnte tieZ ab, da dies nicht dem Brauch des Hauses entspräche.

Die demokratische Landtagsliste für Oberhessen.

Darmstadt, 17. Okt. (Eigener Bericht.) Die von der Demokratischen Partei für die hessischen Landtagswahlen aufgestellte Provinzliste für Ober­hessen beginnt mit den Herren Ministerialdirektor Urstadt-Gießen, Dr. Büchner-Darmstadt, Amtsgerichtsrat T h u r n - Lauterbach.

Die Nichtlinien für die Aufwertung.

Keine Berücksichtigung des spekulativen Besitzes.

Berlin, 17. Okt. (TU.) Der Unteraus- schuh des Aufwertungsausschusses des Reichs­tages erörterte die Richtlinien, die er dem Ple­num des Aufwertungsausschusses als Antwort auf die vier von ihm gestellten Fragen zur Weiterbehandlung vorlegen will. Abgeordneter Emminger (Bayerische Volkspartei) bean­tragte Richtlinien, wonach unter anderem eine Verzinsung der Reichs- und Staats­anleihen trotz der schlechten Finanzlage des Reiches möglich erscheint, wenn sie sich auf die Verzinsung von selbst gezeichneten, von infolge Zwangs zur mündelsicheren Anlage erworbenen oder infolge langen unverän­derten Besitzes ihnen gleichzustellenden Stücke beschränkt. Im übrigen habe es bei dem § 16 der dritten Steuernvtverordnung, die die spätere gesetzliche Regelung vorbehält, wann und in welcher Höhe der Zinsendienst für Reichs- und Staatsanleihen aufgenommen werden soll, sein Bewenden. Eine Berücksichtigung fpe - kulaiioen Besitzesa.f Kosten der deapchen Steuerzahler mässe unter allen Umstän­den vermieden werden.

Der Fall Loeb.

Auseinandersetzungen im Thüringischen Landtag.

Weimar, 18. Okt. (TU.) Im Plenum W Thüringischen Landtages wurde am F -eitrig der Fall Loeb erörtert. Die Begründung des die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses for ernden Antrags der Sozialdemokraten hatte de. F nanz- minifler der ehemaligen sozialdemokratischen Re­gierung, der sozi ildemokcati che Abgeordnete Hartmann, über omm n So ne A sf hrun en waren en: V rtei ig ng d n au der Trib ne den Verhandlungen folgendei Loeb und eine Anklage gegen d n geg nw .rt ge i F n n m'ni er Dr. v. K l ü ch t z e n e r. Währen -> d e Ausf üh­rungen Hartmanns von den Bürger, chen inhig angehört wurden, mußte der jeh ge F n n? Minister bei der Begründ ing de: van de- Re­gierung gegen Lo b ge r if men Maßh neu und bei der Bekanntgabe einiger Ergebnisse fc? Re- Vision schwerste Zwischenrufe Je? So ial- demokraten über sich ergehen lassen Der Tumult war te üveii'e so stark, dah der Präsident e » klärte, die Sitzung bei Fortd u>r des St ndalS ausheben zu inü Jen. Dusche ene Ordnungs­rufe wurden erteilt. Die vom Fin ngrnini'etz bekanntgcg b neu R s-ltate der Reo sion to'rm für Loeb sehr belastend. Die Stell:ng- nahme der Rech spart ien fand ihr n R ed rschlc g in einer von dem vol spartet ichen -21bge rbn teil Dauer- Sondershausen v. r lese non E fiä ang in der es heißt. ..Mit Staunen und stets w chsender Entrüstung h.ben wir Kenntnis g n^mmen von dem, was Herr Loeb mit den Pflichten des Leiters einer Staatsbank für vereinbar gehalten hat Wir fin'* über­zeugt, dah das Lano Thüringen dem Ausgang des Prozesses, den Herr Loeb gegen den ^ta t anstrengen w ll, mit allwgro te - R he enb~egerr- sehen kann. Ganz unveständl ch ist es uns, w e man die Gesetzlich eit und Laut rkett der Maßnahmen des F aanzministers auch nur einen Augenblick in Zweifel ziehen kann. Der M.nifter hat nach wie vor unser volles Vertrauen.

Dr. geigners Überführung tn eine andere Strafanstalt?

Dresden, 17. Oft. (TU.) Der frühere Mi­nisterpräsident Dr. Zeigner, der zu 3 Iahren Gefängnis verurteilt wurde, verbüßt bekanntlich feine Strafe immer noch im Landgerichts­gefängnis Leipzig. Nach den Strafvoll­zugsbestimmungen find Strafgefangene, die zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt wer­den, in den Stvafgefängnissen Zwi cka u und Bautzen unterzrbringen. Diese Bestimmungen würden auch für Dr. Zeigner Anwendung finden müssen. Es schweben zur Zeit Verhandlungen, den Strafgefangenen Dr. Zeigner eventuell aus dem Landgerichtsgefängnis Leipzig in eine der ge­nannten Strafanstalten überzuführen.

Ein Mißtrauensvotum gegen den Bremer Senat.

Bremen, 18. Oktober. (T. 11.) Ein sozial­demokratischer Miß trauensan trag gegen den Senat wegen seiner Haltung in der Schuhzollfrage ist gestern in der Sit­zung der Bremer Bürgerschaft mit 69 gegen 40 Stimmen angenommen worden. Für den Antrag stimmten die Sozialdemokraten und die Kommunisten, die drei Haus­besitzer, fast alle Mitglieder der Deutsch­nationalen Volkspartei, die Deutsch- völkischen bis auf einen und drei Mitglieder der Deutschen Volkspartei.

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Die Kämpfe in China.

London, 18. Oktober. (WTD. Funkspruch.) Times" berichtet über die Kämpfe m Kanton, daß nach der Ueberwältigung der Freiwilligen- Derbände der Kaufleute durch die Truppen Su- nyatsens MordtatenundPlünderungen eingesetzt hätten. Mindestens 1000 Kaufläden seien zerstört worden. Der Schaden werde auf 5 Millionen Pfund Sterling geschäht. Reuter beiächtet ferner aus Schanghai: 5000 Qliarm des geschlagenen Tsekiang-Heeies hätten sich an der Bahnlinie eine Viertelmeile von der nordöstlichen Grenze der internationalen Niederlassung entfernt verschanzt und es abgelehnt, sich zu ergeben.Daily Mail" will aus Mukden erfahren haben, daß Wu - P e i - F u fein Hauptquartier auf einem Kriegs­schiff im Hafen von Tfchinwantav aufgeschlagen habe. Am Donnerstag hätten 30 Flugzeuge Tschangtsolins eine große Anzahl lOOpsündiger Bomben abgeworfen. Die Kriegsschiffe Wu-Pei-Fus seien darauf unverzüglich in See gestochen. Zwei von ihnen feien jedoch getroffen worden und brennend gesunken.

Amerika und Rußland im Eismeer.

Paris, 18. Okt. (WTB. Funkspruch.)Chi­cago Tribüne" meldet aus Äeuhork, daß es möglich sei, daß die Regierung der Bereinigten Staaten sich der formellen Besetzung der Insel Wrangel im nördlichen Eis­meer durch die Sowjets widersetzen werde. Obwohl man ursprünglich annahm, daß die in Frage kommende Insel eine britische K o l on ie sei, habe sich jetzt nach einer Meldung aus Nome in Alaska herausgesteltt, daß sie den Vereinigten Staaten gehöre. Ein russischer Transport hatte kürzlich von der Insel Besitz ergriffen.

Gin bewaffnetes russisches Transportschiff hat die amerikanischen Kolonisten von der Insel Wrangel vertrieben und dort die rote Flagge gehißt.

Die Marokkokämpse.

L o n d o n, 18. Ott. (LU.) Nach einerTimes"« Meldung aus Tanger versuchen die Spanier durch Unterhandlungen mit den Stämmen den freien Abzug der Truppen im Lager Sok-Elk- Kham is nach dem Beni Arvs-Gebiet zu erreichen. Etwa 4000 Soldaten und eine große Menge Zivi­listen find hier eingeschlofsen. Die inzwi­schen von Arsila zur Entsetzung dieses Lagers ab- gesandten Abteilungen kommen nur langsam vor­wärts. Die Verhandlungen sind bisher fehlge­schlagen, da die Stämme die bedingungslose U ober gäbe aller Vorräte an Artillerie und Waffen fordern. Der Zugang zu dem Lager wird von starken feindlichen Kräften besetzt ge­halten.

Die Wahabiten in Mekka.

Der Aufstand der Wahabiten in Arabien hat nunmehr zu einem vollen Erfolg geführt: König Hussein hat das Hedschas verlassen, und die Wahabiten sind in Mekka- ein gezogen. Wenn es sich lediglich um eine Rauferei Der Eingebore­nen handeln würde, so wäre dieser Vorgang absolut unbedeutend. Da aber König Hussein unter dem Schu he Englands stand und als englischer Beauftragter die heilige Stadt Mekka verwaltete, b'deutet seine Vertreibung einen s ch we ren Schlag für das englische Ansehen im Orient. Zwar haben es i>ie Engländer bisher in Arabien so gehalten, sich nicht in die inneren Streitigkeiten der einzelnen Stämme cinzumischen. Da aber hier aus dm Stammessehdm eine Gefahr für Englands An­sehen geworden ist, wird man sich in London doch Wohl etwas eingchmder mit d e er ganzen Angelegenheit befassen müssen, zumal de Lage sowohl östlich als auch westlich Arabiens, näm id) in Mesopotamien u d in Aegypten k i- neswegs günstig für England ist Da der An­führer der Wahabiten eiroei gr ßen Einfluß aus die arabischen Stämme ausäbt und obendrein noch mit England in Unfrieden lebt, wird es Wohl eines militärischen Ein­schreitens b.dürfm, um die unruhigen Ara­ber wieder zur Ruhr zu bringen.

Die englisch-türkische Spannung

Angora, 18. Ott. (Havas. Funkspruch.) Die Lage an der Irakfront ist unverändert, doch sollen am 14. Oktober englische Flugzeuge Cherani überflogen und Bomben abgewor- f e n haben. 2 Frauen feien verwundet worden. KemalPascha, erklärte, die ganze Welt müsse wissen, daß die türkische Nation ihre Rechte zu verteidigen wisse, die ganze Nation werde sich wie ein Mann erheben, wenn auch nur ein Zoll des Landes bedroht würde. r Der kleinste Eingriff in die Rechte des Landes werde als eine schwerwiegende Beeinflussung der Na­tion empfunden werden.

Wettervoraussage.

Zeitweise heiter, etwas wärmer, Morgen­nebel, trocken.

Aus aller Welt.

Amundsens Nordpolslug.

Christian ia, 18. Oft. (WTB. Funkspr.) Leutnant Larsen hat lautSjöfart Stidende" im Auftrage der Luftschiffahrts-Vereinigung sich nach London begeben, um eine Unterst üt- zungsaktion zugunsten des Polar­fluges Amundsens zu organisieren. Amundsen hatte den Flug bekanntlich auf- gegeben. Wie das Blatt feststellt, steht das englische Luftfahrtministerium der Angelegenheit mit Wohlwollen gegenüber. Es verlautet, daß eine englische Z ei t u n g s g r up p e sich da­für einsetzen werde. Eine amerikanische Filmgesellschaft soll 75 000 Dollar für die Filmairfnahme des Polarfluges geboten haben. Larsen ist jetzt nach Berlin abgereift, um über den Ankauf von Flugzeugen zu ver­handeln.

Dr. Eckener zum Dr.-Ing. ehrenhalber der Stutt­garter Hochschule ernannt.

Stuttgart, 17. Oft. (TA.) Der Senat der Technischen Hochschule Stuttgart hat Dr. Eckener den Dr.-Ing. ehrenhalber verliehen. In der Begründung dieser Ehrung heißt es u. a.:Dem erfolgreichen Führer derAmerikafahrt in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Luftnavi- gatton und seiner erfolgreichen Bestrebungen der weiteren Verfolgung der Ziele des Grafen Zeppelin."

ShenandoahE ta Stur».

Neuhvrk, 18. Okt. (TU.) Das ameri­kanische LuftschiffShenanooah" befindet sich nach einer drahtlosen Meldung aus Kalifor­nien in einem schweren Sturm auf dem Rückflug nach der Ostküfte von Ame rika.

Transportardetter-^tretk te Köln.

Köln, 18. Okt. (TU.) Nach dem die Arbeitsniederlegung im Transport- und Spedttionsgewerbe fast alle einschlägigen Be­triebe in Köln erfaßt hat, wurde in zwei großen Versammlungen der Transportarbeiter der allgemeine Streik im Kölner Transport- und SpedittonSgewerbe beschlossen. Der Be­trieb ruht von gestern ab vollständig.

Die Einführung der Einheitskurzfchrift.

Berlin, 18. Oft (TU.) Rach den Mory«° blättern wurde im ReichSministerium des Innern gestern über die Ginhettskurzschrift eine Kon­ferenz abgehalten, an der Vertreter aller Reichs- ressorts und Länderregierungen teilnahmen. Dve Konferenz hat beschlossen, spätestens am 1. April 1926 in allen öffentlichen höheren und Handelsschulen und soweit mogllch auch to sämtlichen anderen Schulen die GinhettSkurzschrist als Pflicht- oder Wahesach einzuführen.

Eisenbahnunfall bei Freiburg i. Dr.

Freiburg i. Br^ 18. Okt. (TA.)Gestern vormittag fuhr bei starkem Nebel ein von Mühlheim kommender Personenzug auf dem Freiburger Hauptbahnhof auf die letzten Wagen des auf dem ersten GeleiS haltenden Basel Frankfurter Schnellzugce auf. Die Stirnwände des Speise­wagens wurden eingedrückt Drei Per­sonen vom Küchenpersonal wurden verletzt

Der Erzbergermörder anSgewiesen.

Budapest, 17. Okt. (TU.) Der Ober­stadthauptmann hat die Entscheidung getrof­fen, daß Schulz-Förster nicht nach dein Zuchthaus gebracht wird, sondern von Krimi« nalbeamten morgen Samstag an die G ren z^ geführt und dort seinem Schicksal überlas­sen wird.

aus Stabt und Land.

Gießen, den 18. Oft. 1024.

Erntedankfest.

Im letzten Iahrzehnt ist baS Erntedankfest bei uns nicht mehr mit der stillen Freude gefeiert worden, die dieses Fest früher auszeichnete und sich tn mancherlei Bräuchen, in dem geschmückten Erntewagen, im Erntereigen und im Blumen­schmuck der Kirche kund tat. Nur mit schwerer Mühe konnte während des Krieges die Ernte ge­borgen werden, die rüstigsten Emtearbeiter fehl­ten, nicht immer war der Ertrag zufriedenstellend. Viel verhängnisvoller ist jetzt, daß sich zwischen den einzelnen Berufsständen, namentlich zwischen der landwirtschaftlichen Bevölkerung auf der einen und der Stadt- und Industriebevölkerung auf der anderen Seite, ein Gegensatz herausgebildet hat. Der Deutsche versteht den Deutschen nicht mehr. In bäuerlichen Kreisen nimmt man oft an, daß der Stadtbewohner und der Industriearbeiter sehr leichte Arbeit verrichte, tn Saus und Braus lebe und in allen erdenttichen Genüssen schwelge. Da, wo die Häusermassen sich dicht aneinander schließen und die Fabrikschornsteine rauchen, sieht man in dem Bauer nicht selten den hartherzigen, geizigen Mann, der selbst aller Sorge enthoben ist, aber seine Mitmenschen hungern Läßt, indem er seine Erzeugnisse zurückhält, bis die Not der an­deren ihm die höchsten Preise zuführt. Irrtum ist auf beiden Seiten. Der Stadtbewohner, ob er nun Kaufmann ober Handwerker, Beamter ober Arbei­ter ist, kämpft jetzt einen schweren Kampf um bas Dasein. Höchste Arbeitsleistungen werben von ihm geforbert, seine Ersparnisse sind in alle Winbe zer- ftattert, er muß froh sein, wenn er bas Allernot- wenbigste zum Lebensunterhalt gewinnt. Mit ihm verglichen ist ber Bauer ein König; benn er wal­tet auf eigenem Grund und Boden, hat keinen Mangel im Aeußeren und weiß nicht, was Ar- beitswsigieit bedeutet. Aber es wäre doch tö­richt, das Dorf als die Stätte ungetrübter Lebens­freude anzusehen. Mit schwerer Mühe ringen un­sere Landleute dem Boden seinen Ertrag ab, Män­ner, Frauen und Kinder müssen sich dabei pla­gen, mancher wird alt vor der Zeit, weil die schwere Scholle, weil der steinige Boden seinen Rücken krümmt und ihm die Beweglichkeit der Glieder raubt. Sehr schwer ist es, für einen land­wirtschaftlichen Betrieb geeignete Arbeitskräfte zu bekommen, und dann die Fehlschläge, die eine Folge ungünstiger Witterung sindl Das tritt in diesem Iahre in die Erscheinung, da die Regen­fluten zur Zeit der Getreideernte so viele Hoff­nungen vernichtet haben. Glaube niemand, daß