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Nr. 24b Erster

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Blatt

174- Jahrgang

Samstag, 18. ©Höbet 1924

GietzeimAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VrvS nnö Perlag: VrLhl'sche Universttäls-Vuch- vnd Stetnbruderd R. Lange in Sietzen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: ZchuNttatzeT.

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Die deutsch-

Dolksteile untereinander

Das Endstadium der Krisis

Des Kanzlers Verhandlungen mit den Deutschnationalen, nationalen Ministerkandidaten.

gemacht hat.

Wan hat in den Völkerschlachten, die zwar nicht mit dem Blute, wohl aber m t t dem Gel de ber Weltvölker geführt werden, eine -Art Training für künsttge schärfere Aussimmderseb- Rungen zu erblicken. 3m fern en Ost^r suchen sich kne großen Staaten geynfeitig exii Machtposi­tionen h^auszu manöverieven. Auch das angeb­lich jedem imperialisttlchen Krieg abgencig« Sowjet-Ruftland befolgt mit ieiner "Parvfe .China den Chinesen" machtpolitlsche Zwecke. Es tod ftgenau, daft ein geeinigt. futz ferner Nationalität bewufttes chinesisches Doll cris die Tauer keine Foemdhera: chaft an der TTcitu^e des Parsischen Ozeans dulden wird. Wenn dann sowohl Japan unb Frankreich wie auch .Amerika und Sng land vom chinesischen Ter­ritorium weggefegt sein weiden, hat Sowjet-Ruß- land freie 5>anb um seine Welt revolutionären Ideen in die empfänglichen Gemüter der Chinesin einzuträufeln. So läuft die Politik aller im fer­nen Osten interessierten Staaten auf me En t - sachung von Völkerschlachten hmous, seien es nun Schlachten ter einzelnen, -So Lev gegeneinander oder Schlachten der

Der Wahlkampf in England. Wahlreisen. Probeabftimmung im Warenhaus.

London, 17. Ott (WTD) Die Parteien sind fortgesetzt mit der Vorbereitung der Reu- wählen besc^stigt Der konservative Führer Baldwin soll in feinem Wahlkreis Dewdleh lWorrestershrre) von den Liberalen nicht bekämpft werden. 3n affen sieben Wahlkreisen von Sheffield bleiben die Liberalen vom Wahlkampf fern in sechs von diesen werden die Konservativen einen heißen Kampf mit der Ar­beiterpartei zu bestehen haben, während sie in dem 7. auf keine Opposition zu rechnen brauchen. Macdonald verlieh heute Birmingham und setzte seine Reise nach Südwales fort Seinen An- hängern, die in vielen Orten auf ihn warten, muhte er Mitteilen, dah er unfähig sei, wei­tere Reden zu halten, da er schon ganz heiser sei. Der Ministerpräsident scheint im all­gemeinen in den Industriestädten, die er auf ferner Reise von Glasgow her durch Rord- und Mittelengland besuchte, gut empfangen worden zu fern.

Die Liberalen und Konservativen machen

sprechung schon bekannt getootöc.i, dah der Plan, die Erweiterung unter Hinzuziehung un­politischer Minister vorzunehmen, vom Reichskanzler fallen gelassen worden ist. Wie die Telegraphen-Union erfahrt, wird die Situation nach dem Empfang der deutschnationa­len Vertreter in parlamentarischen Kreisen wie­der dahin beurteilt, dah dieKrifevor ihrem Abschluß steht.

Die deutschnativnale Fraktion trat nach Empfang der deutschnationalen Verirrter durch den Reichskanzler sofort wieder zu einer Sitzung zusammen. In parlamentarischen Kreisen verlautet, dah der Reichskanzler den Deutschnatio» nalen 4 Sitze im Reichskabinett zugesagt hat. Di« Beratungen der deutschnationalen Fraktion er­streckten sich auf die Persönlichkeiten, die evtl, von der Fraktion in daS Kabinett zu entsenden seien. Als lünftige deutschnativnale Minister wurden im Wandelgang des Reichstags genannt: Die Abge­ordneten H e r g t und Leopold, der Landtags­abgeordnete von Kries und das Mitglied des Reichsrates für Ostpreuhen Freiherr von Gayl. Aach Informationen brDosf. Ztg." sollen in das Kabinett treten Abg. Dr. H e r g t als D i ö e - kanzler und Innenminister, 2lbg. Schiele als W i r t f ch a f t S m i n i st e r. Obg. LcoPold, der sächsische Draunkohlenindust Neste, als Derkchrsminister. Außerdem würde Graf Kanih das Reichsernährungs- Ministerium behalten.

In einer redattionellen Bemerkung weift die Dosf. Ztg." darauf hin, dah ein ReichSkäbinetl, das sich aus Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei, dem Zentrum und der Bayerischen Dolkspartei zu- sammenseht, mit Unterstützung durch die Wirt- schaftspartei und den Bayerischen Bauernbund auf dem Papier eine Mehr- he i t von neun Stimmen haben würde. Diese habe zur Voraussetzung, dah alle Bänke der Regierungskvalition beseht sind und dah alle An­gehörige der Regierungsparteien auch geschlossen siir die Regierung stimmen. Schon die Stimment­haltung einer kleinen Gruppe von etwa 12 Ab­geordneten würde genügen, um ein solches Kabi­nett zu Fall zu bringen. Aus dieser Feststel­lung ergebe sich, wie sehr entscheidendes Gewicht auf die Haltung der Demokraten gelegt werden müsse, für die sowohl dem genannten Blatt, als auch dem Tageblatt zufolge aller- höchstens eine wohlwollende Reutrali- tat gegenüber der Reichsregierung, keines­falls aber eine offizielle Beteili­gung an der Regierung in Frage kommt.

Die Blätter nennen als mutmaftlichen Reichs­minister noch das Mitglied der Daherischcu Bolls-, Partei Emminger, der das Reichsjustizminllte- rium wieder übernehmen soll. Die Vizekanzler- schast werde nach den Vermutungen der Blätter Hergt, das Reichsministerium des Innern dem deutschnationalen Abgeordneten Frhr. v. Gayl übertragen toetben. Angesichts des erneuerten Beschlusses der demokratischen Frattion, feinem Demokraten die Zugehörigkeit zu einem Kabinett zu gestatten, in dem die Deutschnationalen eine einflußreiche Stellung einnehmen, sind Kräfte am Werk, um trotzdem das Verbleiben des Reichswehrmini st ers Dr. Gehler zu sichern. Gehler selbst erklärte, dah er unbedingt Parteidisziplin wahren wolle

men abgegeben worden. Aach dieser Abstimmung haben die Konservativen in diesem Jahr 57,70 Prvz. gegenüber 52,46 Proz. im Vorjahr, die Arbeiterpartei 27,20 Prvz. gegen 27,31 Prvz. und die Liberalen 15,42 Proz. gegen 20,05 Prvz. erhalten. Der Rest ist zersplittert. Die Konservativen haben nach dieser Probeabstimmung belfere Aussichten als im vorigen Jahr.

Die Dienstpflicht in Frankreich.

Herriot und Nollet vor der Aiuanz- kommission.

Paris, 18. Oft. (T. äl.) In der gestrigen Debatte der Finanz-Kommission der Kammer we­gen der Verkürzung der Militärdienstpflicht ver­breitete sich der Kriegsminister Rollet eingehend über bte Reorganisation der Armee und bemerkte, dah er für die Einführung der verkürz­ten Dienstpflicht sei, dah sie aber erst mög­lich wäre, wenn verschiedene Reformen getrof­fen worden seien. Rach der Ansicht des Kriegs­ministers muh die Territorial-Armee ausgestellt unb ein neues Rüstungs - Programm durchgeführt werden. Das fei natürlich eine keinesfalls schnell zu erledigende Arbeit und man müsse der Regierung Zeit lassen, sowohl die Territorial-Armee und dre Instruk­tions-Truppen zu organisieren, die das jährliche Kontingent ausbilden sollen. Die notwendigen Ar­beiten zur Umgefiattung der Armee sollen in aller­nächster Zeit auf genommen werden.

Ministerpräsident Herriot sprach dann aus­führlich über

die Frage des französischen Effektiv-Destandes in Syrien und Marokko

und gab die Absichten der Regierung in der Orientpolitik bekannt. In Syrien betrage der

Es ist an der Zeit, dah hinter dieser häßlichen Komödie, die sich Umbildung der Reichsregierung nannte, der Vorhang fällt, wollen wir uns nicht mit unserem neudeutschen Parlamentarismus zum Gespött des Auslandes machen. Rach den uns zur (Stunbe vorliegenden Meldungen steht die. sich nun schon durch annähernd sechs Wochen hinziehende Krisis vor dem Abschluß. Rach dem gestern mit­geteilten Beschluß des Zentrums, der dem Reichskanzler freie Hand ließ und ihm als letzten Ausweg den Appell an das Volk empfahl, sah man kaum noch irgendwelchen Ausweg, aus der Sack- gaffc, der an einer Reichstagsauflosung vorbei­führte. Erst die Vertagung der Kabi­nettssitzung auf Freitag lieft geringe Hoff­nung auf ein anderes Ergebnis. Das Kabinett setzte dann am Spätnachmittag des Freitags die Beratungen unter dem Vorsitz des Reichspräsiden­ten fort mit dem Resultat, daß der Reichskanzler am selben Abend aufs neue die Verhandlungen mit den Deutschnationalen auf na hm und diesmal offenbar die Personenfrage in den Vordergrund schob. Soweit zur Stunde bekannt ist, bot der Reichskanzler den Deutschnationalen 4 Mi- nisterportefeuilles an und bat um ihre Vorschläge. Die deutschnativnale Reichstagsfraktion trat noch in gleicher Rächt zusammen und beschloß, dem Kanzler die Reichslagsabgeordneten Hergt und Leopold (d efen offenbar als Wirtschaftsmini­ster), ferner den preuft schen Landtagsabgeordne­ten von Kries und das ostpreuß.sche Mitglied des Re.chsrats Freih.rrn von Gayl zur Auf­nahme in das Reichskabinett in Vorschlag zu bringen. Der Weg zur Rechtskoalition, der gestern schon unheilbar verschüttet schien, ist über flacht also plötzlich doch als gangbar er­kannt, vorausgesetzt, daft inzwischen nicht irgend­eine der Parteien wieder einen der in den letzten Tagen so beliebt gewordenen Umfälle in­szeniert bat.

Wenn man rückschauend diese sechs Krisen­wochen überblickt, wird man fest stellen müssen, daß das parlamentarische System, so wie es die Parteien, die sich demokratisch nennen, wenigstens verstehen, ein klägliches Desastre erlitten HR. Es ist ein arg mißverstandener Parlamentaris­mus und eine seltsame Art von Demokratie,^ den aus den Reichstagswahlen vom 4. Mai als stärkste Partei frcioorgegangenen Deutschnationalen mit allen Mitteln übler Kulissenschieberei den Weg zur Mitverantwortung an den Reichsgeschäften zu verbauen. War es schon gleich nach den Wah­len seltsam genug, dah sich der Reichspräsident nicht entschließen tonnte, aus dem parlamentari­schen Ergebnis der Wahlen die machtpolitischen Folgerungen zu ziehen und die Deutschnationalen als stärkste Partei des neuen Reichstags mit der Regierungsbildung zu beauftragen, so wurde der deutsche Parlamentarismus geradezu zur Absur­dität, als man glaubte, auch noch nach Annahme der Dawesgesetze mit Hilfe der Deutschnationalen mit einer Minder he itsregierung fort- wursleln zu können, sie gleichsam zu einem politi­schen System au erheben. Die Volkspartei allein verschloß sich nicht der unwiderlegbaren Tatsache, dah man wohl in normalen Zeitläuften mit Hilfe einer Mehrheit regieren könne, die sich jeweils nach dem Bedürfnis des Augenblicks aus verschiedenen Parteien zusammenfand, dah aber eine kontinuierliche Politik, für die ja gerade die Linksparteien immer zu kämpfen vorgaben, nicht mit einer parlamentarischen Rückendeckung ohne

zivile Kredit 8,2 Millionen Frank, eine Summe, die als Minimum betrachtet werden könne. Sie Zahl der Truppen beträgt nach den Ang den des Ministerpräsidenten 25 200 Mann, darunter 6500 syrische Soldaten. Dieser Stand soll bis zum 1. Januar 1925 auf 14 100 Mann Hera b- gesetzt werden. Wenn diese Verminderung durchgesühn sein werde, werke Frankreich ösi nach dem Mandat vorgesehenen Trup e, in Sy­rien unterhalten. Herriot betonte weiter, daft es die Absicht der französischen Reg emng sei, die Administration in Syrien, sowri' toic mögsist, den Loka l behörden unter Ansicht Frank- reichs zu überlassen. General Weh gand sei beauftragt, die Steuerfrage in Syrien zu studieren.

Die Radikalsozialisten hinter Herriot.

Paris, 18. Oft. (WTB. Funllpruch.) Im Verlause des in Doulogne für Mer tagenden Parteitages der RadikalfozialistischLn Partei legte der Abgeordnete M o n t i g n y die Politik dm: Regierung Herriot dar. Die Regie­rung, die sich einen ungeheueren Kredit durch ihre Außenpolitik erworben habe, werde von der Mehrheit der Kammer unter­stützt. Dor allem erfahre man, dah der Senat die Amnestie bewilligen werde, die gewisse Tlngerechtigkeiten wieder gutmachen werde, däeber 100 Deligierte erhoben sich in diesem Augen­blick von den Plätzen und riefen:Es lebe Calliauxl" Vor allem sei es erforderlich, auf finanziellem Gebiete halbe Maßnahmen zu vermeiden. Es wurde eine Tagesordnung an­genommen, die Herriot den Dank und das Ver­trauen des Parteitages ausspricht. Fernrn: touret ^fordert, die Einführung der französischen Ge­setzgebung in Elsaß-Lothrlngen, die öftentliche Abstimmung bei den Wablen d-s

Völkerschlachten.

Die Kämpfe in China sind Rachläufer des Weltkrieges. Auch ohne die Feststellungen des ,TimeS"-Koii.efpvndenten in Peking aniftte man, dah Japan und Frankreich die auf­sässigen chinesischen Gouverneure gegen die offi­zielle Regierung unterstützen. Immerhin ent­behrt eS nicht eines gewissen Reizes, zu erfahren, dah kein Dampfer von Marseille nach dem fernen Osten abgeht, ohne Kriegs­material für den mandschurischen Marschall S ch ang tsolin mitzunehmen. Im einzelnen sollen Flugzeuge und Maschinengewehre feft^ftcllt worden sein, die in den ehemals russischen Dalny gelöscht worden sind. Der chinesische Bürgerkrieg ist im Grunde eine Auseinandersetzung zwischen den am Pazifischen Ozean interessierten Mächten. Japan kämpft den groben Kampf gegen die angelsächsischen Machte, und zwar gegen das ungastliche Ame­rika und gegen dfe gleichfalls der japanischen Eimvanderung sehr abholden britischen Dominien Australien und Reuseeland. Frank­reich das sich seit Beendigung des Weltkrieges in einem sich ständig verschärfenden Gegensatz zu England befindet, ist hierbei der natürliche Bundesgenosse Japans.

ES ist nicht anzunehmen, daft Herriot nichts von den Kriegsmaterial-Trernspor en weiß, tte sich ein paar hundert Kilometer südlich Paris von Marseille ab laufend zu vollzi he, scheinen. Werft aber der französische KabinettsHes von der militärischen Unterstützung, d.e den aufständifchen chinesischen Generalen unter der Trik tore ge­leistet wird, so ist sein wohlwollendes Stillschaei- gen mit seinen Genfer Redesloskeln von Anfang September auf keine Weise in Einkla .g zu bringen.

Die Organe der S v w j e tre g ie r u n g und die von ihnen instruierten kommunistischen Blät­ter Deutschlands schreien Zeter und Mordio über die imperialistischen Intriguen, die sich im fernen und im nahen Osten abspielen. Wenn man den Berichten der kaukasischen Sowjetbehörden Glau­ben schenken darf, so war der jüngste Auf­stand der Menschewisten in Geor­gien ein Werk Macdonalds, also eines ManneS, dem die Idee deS WeltfriÄ>ens an­geblich besonders am Heiden liegt. Auch die sonstigenweiftgardistischen^ Komplotte, die sich tn Sowjetruftland ereignet haben, werden be­kanntlich den kapitalistischen Westmächten zur Last gelegt Obwohl eS sich bei diesen Revolten und auch bei dem chinesischen Bürgerkrieg um ver- hältnismäft^ wenig blutige Auseinandersetzun­gen handelt, spielt in ihnen doch der durch den Weltkrieg keineswegs überbrückte Gegensatz zwi­schen den großen Weltvöllern die ausschlagge­bend e Rolle.

Dor 111 Jahren wurde vor den Toren Lew- zigs die Völkerschlacht einer ganzen Reihe europäischer Völker gegen Rapoleon geschlagen. Der Befreiungskrieg gegen den Welteroberer wurde damals mindestens angeregt und finanziert durch das in seiner Weltstellung bedrohte Eng­land Auch im Weltkrieg von 19141918 spielte die Besorgnis Englands, in seiner weltwirtschaftlichen Geltung herabgesetzt zu wer­den eine grobe Rolle. Heber die Kriegsabsichten Petersburger und französischer Staatsmänner sind wir dank der Schreibfreudigkeit der Hauptakteure und dank dem Wahrheitssanatismus der heutigen Sowjet-Machthaber recht gut unterrichtet. Weni­ger deutlich ist die Rolle, die E n g l a n d bei der Anzettelung deS Weltkrieges gespielt hat. Das deutsche Dolksempfinden in den ersten Kriegs- nronaten, welches das Wort prägte: .Gott strafe England", hat zweifellos grundsätzlich das Rich­tige getroffen, wenn es annachm. dah England durch feine wirtschaftspolitische Eifersucht gegen­über dem Deutschen Reiche veoanlaftt worden ist, die Pläne der französischen und russischen Kriegs­hetzer zu unterstützen.

In der Aera der jetzt gestürzten britischen Arbeiterregierung muß man eine Art 5te af t i o n gegen die bisher geübte brutale imperialistische Politik GrotzdrttannienS erbten. Wenn die englischen Konservativen und Ctbe- ralen dem Pazifisten Macdonald immerhin doch beinahe Dreivierteljahre das Regie en erm^g.idjt haben, so ist das vielleicht dadurch zu erttarem daft die beiden klasiischen und dfe Tradition teS britischen Weltreiches pflegenden Purtefentn Der Well den Eindruck verwischen wollten, den Vas Verhalten England- vor, in und nach dem Kriege

estes Programm, den politischen Zufälligkeiten widerstandslos ausgesetzt, getrieben werden kann. Auch der Reichskanzler war mit der Deut- chen Dolkspartei der gleichen Anschauung, dah ein Kabinett einer Ergänzung bedürfe, bevor es wieder vor den Reichstag hintrete und an die Durchführung des Londoner Abkommens gehe.

Es erübrigt sich, hier noch einmal die ver­schlungenen Pfad.' auszuzeigen, die zu dem Er­gebnis dieser Rächt führten; wir haben über die verschiedenen Leidensstatioren dieser Krisis ohnegleichen täglich berieft et Fstg hallen ver­dient einzig und allein der Am stand, daß die Parteien de r Linken w hi lereil waren, mit den Sozialdemokraten sich an e.nen Tisch zu setzen, die die zur Verhandlungsgrund­lage genrmm nen Richtlinienkeineswegs angenommen hat en, sondern cn ihren Ein­tritt in das Kabinett schwerwiegende Bedin­gungen knüpf.en. die ihre Berftand.ungs ercit= schast als rein taktisches Manöver entlarvten. Zentrum und Demokraten fanden lieft aber nicht bereit, mit den Deutschnationalen zusammenzuarbeiten, die sich tem Ka izler be­dingungslos zur Verfügung gestellt ha ten, intern sie seine Richtlinien bedingungslos und ohne Zusätze als Grundlage eines Reg eru gsprv- giamms amu'ftmen. Beide Ltt.kspart ien, Zentrum toi: Dem trat n, sch Uten de De.astung die e ne Zusammenarbeit mit den Deutsch ati-nalen ih ie.i b i gen mußte; beide fürchteten den Gegner im eigenen Lager: Das Zentrum sah die wttde Agitation seines Wrrthslüglls für einen Lrnks- block, die Demokr iten die demagogische Hetze ihrer Großst .dtpre se g gei die Rechtsk alitton Daraus erklären sich zwanglos die vielfachen Umfälle der Zentrums r iktton und die dik tonfdje Taktik der Scmofcaten, die einer k.aren Entschei­dung ausw chen und 'm ihren Drschlüssen sich immer ein Hintertürchen offen l eten

Die Fortsetzung derartiger Methoden führt zur Regiern-ng des Parlamentarismus Eine Aen- derung des b.shrrigen Systems wird zur zwing m- ben Rotwendigkeit, tenn entweder ist unser V lk nicht reif für die Vorzüge des P.nrlamentams- mus oder die Vertreter der Parteien sind es nicht. Eine Riefenfette ohne Ende ist die unausbleibliche Folge, wenn die Parteien nicht einsichtig genug sind, ihre parlamentarischen Methoden einer gründlichen Revision zu unter­ziehen. Rur eine Reform an Haupt und Glie­dern kann hier Abhilfe schassen, wollen wir nicht binnen kurzem von neuem so beschämende Dinge erleben, wie sie die letzten Wochen zeitigten.

Führen die neuen Verhandlungen mit den Deutschnationalen zum Abschluß einer Rechts- foalition, so ist damit der erste Schritt zu dem inner politischen Gesundu>«gsprozeft getan: eine Vereinfachung unseres vielgliedrigen, daher so un­handlichen Parteienapparates durch reinliche Scheidung der Geister und Zusammenfassung zu arbeitsfähigen Koalitionsgruppen.

Der Gang

der Verhandlungen.

Berlin, 18. Ott. (5M.) Der Reichskanzler hat gestern abend um V°7 Ahr die Anterhandler der Deutschnationalen Dolkspartei zu einer Be­sprechung empfangen, die bis 8 Ahr dauerte. Im Reichstag war vor dem Abschluß dieser De-

grofte Anstrengungen, um sich die Stimmender Landwirte zu sichern. Die Liberalen verspre­chen den Pächtern, ihre Stellung dadurch zu ver- besiern. daft sie die P a ch t de d i n g u n g en sicher gestalten und den Landarbeitern Gelegen hell geben wollen, für sich selbst zu bauen. Der konser­vative Führer Baldwin wird sich freute über die Plane äußern, die der landwirtschaftlichen In­dustrie HUfe bringen sollen.

Em bekanntes Waren ha us in London ver­anstaltete ebenso wie im vorigen Jahr eine i .uulucl Probeabstimmung unter der Kundschaft, wobei die einzelnen einzelnen Kunden nach Parteien geson- d e r t abstimmten. Es sind ungefähr 150 000 ©tim-