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Aussprache wurde Wiederaufrollung der Entschädigungsfrage verlangt.

Ganz besonders reichhaltig und wissenschaft­lich hoch bebeutfam waren die Vorträge in der in e d i z i n i s ch e n Abteilung, in denen die b:* i iten Bekämpfet der Schlafkrankheit in Dt. Fischer und Dr. Kudicke, über Tsiypanosomen und Spirxhätosen, andere SaH- v.rständige, die Prvfossvven Rüge und Fülle- Born, über Amöbenruhr und Wurmkrankheit sprachen. Stabsveterinär Richters berichtete üb:-- Bekämpfung der Rinderpest in Afrika.

Dr. Lotz sprach über die deutschen Schulen in Deutsch-Südwestafrika und Prof. Moritz über die Pflege des kolonialen Gedankens bei der Su- g:nd. t^sandtschaftsrat Dr. Seelheim bericht tote über die deutsche Auswanderung.

In brr geographischen Abteilung wur­den folgende Dorträge gehalten: Praf. Mild- brad: Der älrwald von Kamerun: Dr. Reck: Die Ausgrabungen der Tendagura-Expedition: Prof. Säger sprach über seine Forschungen in Südwestafrika unb Prof. Fehrman n über Reu­guinea. Diesen Dorträgen schlossen sich Besich­tigungen des Botanischen, Geologischen und Zoologischen Museums sowie der Geologischen Landesanskalt an.

Der Abrüstungspakt.

Erklärungen Beneschs zu den Genfer Verhandlungen. Genf, 17. Sept. (WB.) Benesch, der Präsident des Zwölfer-Komi-ces, das das Sch eds- und Sanktionsshstem der Resolution Herriol-Mac- donald auszuarbeiten hat, machte den Pressever­tretern folgende Angaben über das vorgesehene Protokoll: Es handelt sich um ein System, in dem das Schiedsverfahren und die Sicher­heit miteinander verkirüpft sind und das später" durch eine Abrüstungskonferenz ergänzt wird. Der Entwurf, den ich ausg xrrbritet h.be, besaht sich zunächst mit dem Schiedsverfahren. Hier wird aber noch das Ergebnis der Arbeiten des Ersten Unterausschusses, an dem diese Frage überwiesen wurde, abgewartet, die wir dann in Einklang mit dem ganzen System bringen werden. Der zweite wichtigste Punkt sind die Sanktio­nen, deren Handhabung und Umfang in meh­reren Artikeln geregelt wird. Diese Sanktionen sollen in den Rachnen des Dvlkerbundspak.es in seiner vollen Bedeutung eingereiht werden. Dabei ist weiter vorgesehen, daß die einzelnen Länder den Rat vorher über dir Streitkräfte ver­ständigen können, die sie ihm gegen einen An­greifer zur Verfügung stellen können.

Die Sanktionen gegen den Angreifer dürfen seine politische Unabhängig­keit nicht anlasten: jedoch muh er dir K o - ft en des gegen ihn geführten Sankt io nskrieges bezahlen. Der Schluhteil des Projektes ist der Abrüstungskonferenz gewidmet, bei deren Einberufung der Rat eine entscheidende Rolle spie­len wird. Grundsätzliche Schwierigkeiten sind nicht mehr zu erwarten. Aick eine Frage, ob der Grund­satz der Svnderabkommen in das Projekt ausgenommen worden ist, erklärte Benesch auswei­chend, dah- diese Fvage in seiner Wendung über die Möglichkeit, dah gewisse Länder den Rat über ihre Streitkräfte vorher verständi- g e rt, können, beantwortet sei. Rähere Auskünfte hierüber verweigerte Benesch. Sn unterrichteten Krisen wird hierzu erklärt, dah die Svnderabkom- men als Friedensgarantie mindestens bas zuI vollständigen Verallgemeinerung der in dem Projekt vorgesehenen Verpflichtungen bestehen bleiben.

3m Zeichen der Abrüstung

Großkampfschiffe oder Flugzeuge für Amerika?

London, 17. Sept. (Woflf.) DieDaily 2IT(rir berichtet aus Reuyork, der Erfolg der Weltflieger habe den Präsidenten Coolidge davon überzeugt, dah der Wert der Groß- kampfschiffe in künftigen Kriegen beschränkt sein werde. Rach einer Snformation, die das Weihe Haus gestern ausgab, begünstigte der Präsident nicht die Bemühungen, die auf eine Erhöhung der Marinekredite hinzielten. Gestern abend sei der Marinesekretär, der mehrere Reden zugunsten eines gröheren Flottenprogramms gehalten hat, nach Washington berufen worden, um die Lage mit dem Präsidenten zu besprechen. Dieser habe erklärt, dah er geneigt sei, den Flug­zeugen den Vorzug vor den Großkampfschisfen zu geben. Rach einer Exchangemeldung beabsich­tige Coolidge, Sachverständige zu befragen, ehe er Millionen für zwecklose Rüstungen ausgeben werde.

Das niederländische Kriegsmini­sterium plant für 1925 die Anschaffung von 12 schnellfliegenden Aufklärungsflugzeugen und 16 Aufklärungsflugzeugen für die Artillerie. Die Kosten für jeden Apparat werden sich auf 33 000 bzw. auf 24 000 Gulden, belaufen.

Die Völkerbundsfrage in London nicht erörtert. Berlin, 17. Sept. (WTB.) DerSoztal- demolraiifche Parlamentsdlenst" veröffentlicht eine Erklärung Lord Parmoors, wonach Lord Par- moor am 10. August in seinem Landhaus mit den deutschen Delegierten, dem Bot­schafter St Ham er und Herrn Murray eine private Aussprache über den Völ­kerbund und die Bedingungen für Deutschlands Eintritt hatte. Gegenüber dieser Darlegung des Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes" stellen wir fest, dah auf Grund der einmütigen Erklä­rungen des Reichskanzlers, des Reichs außen - ministers und des Reichssinanzministers keinem der Herren, die am 10. August bei Lord Parmoor waren, etwas von einer Unterhaltung über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bekannt ist. Sm Gegenteil druckten die deutschen Delegierten bereits am 11. August abends in London in einer Aussprache ihr Erstaunen aus, dah diese Frage von Parmoor nicht berührt wurde. Sn einer Depesche, die am 11. August abends an das Auswärtige Amt über die Londoner Verhandlungen abging, wurde daraufhin besonders betont, dah die Frage des Völkerbundes bei der Zusammenkunft mit Par­moor nicht erwähnt wurde.

Aufhebung der Zollgrenze.

Düsseldorf, 18. Sept. (Havas.) Rach einem Erlah des kommandierenden Generals wird in Ausführung des Londoner Protokolls vom 21. Septemter mitternachts ab die Zollgrenze

un der Ost grenze des besetzten Ge­biets aufgehoben werden. Von dieser Stunde an wird die im nichtbesetzten Gebiet in Kraft be­findliche Gesetzgebung und Tarifierung für die gaben aller Art, die durch die interalliierten Dienststellen im besetzten Gebiet erhoben werden, in diesem Gebiet in Kraft treten.

Die ©effnung der Gefängnisse.

Aachen, 17. Sept. (WTB) Gestern abend trafen die wegen des Sabotageakts bei H och - fe l d seinerzeit zum Tode verurteilten und später zu lebenslänglichem Zuchthaus be­gnadigten politischen Gefangenen, Graf, Keller, Schultze, Ringenberg und Lorbeer, von Löwen kommend, auf dem hie­sigen Bahnhof ein. Bei demselben Transport be­fanden sich auch die zu langer Zuchthausstrafe ver- uriellten Mentzel aus Stolberg und R e u - haus aus Machen: fie wurden hier sämtlich in Freiheit gesetzt.

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Aus der Abteilung des Zweibrückener Gefängnisses, in der sich die politischen Gefange­nen aus dem Ruhrgebiet befinden, sind heute 25 Männer entlassen worden, darunter der Landwirtschaftslehrer der Anilinfabrik G o e r - ged, der bekanntlich zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden war, und der Polizeiinspektvr Gottfried ebenfalls aus Ludwigshafen, dem 20 Sahre Zwangsarbeit zu­diktiert worden waren. Sn der pfälzischen Abtei­lung der Anstalt befinden sich noch 17 politische Gefangene, die der Amnestie noch nicht teilhaftig geworden find.

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Wie derMainzer Anzeiger" berichtet, ist der vom Kriegsgericht in Wiesbaden am 29. Suni 1923 zu zwei Sahren Gefängnis verurteilte Duchdruckereibesiher Karl d ' A n g e l o auf Be­fehl des kommandierenden Generals der Rhein­armee aus dem Amtsgefängnis Osthofen ent­lassen worden.

Der Saarkonflikt.

Neue Vermittlungsversuche der christlichen Gewerkschaften.

(Eigener Snforrnationsdienst.)

Berlin, 18. Sept. (Drahtmeldung.) Die Lage, die durch die Stillegung der Röch- lingschen Werke und den aus diesem An­laß erfolgten Austritt der Sozialdemo­kratie aus der saarländischen Ar- beitsgemeinsch ast entstanden ist, wird nach der Ansicht aller maßgebenden politischen Kreise mit jedem Tage unhaltbarer. Mit schwerer Besorgnis verfolgt man die Taktik der fran­zösischen Regierungskommission, die erfolgreich be­müht ist, einen Keil in di e Saar b evö lke- rung zu treiben und das Wirtschaftsleben völlig zugrunde zu richten. Auf Anregung des Vor- ftaribed der christlichen Gewerkschaften und der Zentrumspartei des Saargebiets wird demnächst ein letzter Vermittlungsversuch der christlichen Gewerkschaftskreise im Saargebiet erfolgen, der auch von den leitenden Zentrums instanzen nach­drücklich unterstützt werden wird. Man wird Röchling nahelegen, in vaterländischem Snter» esse weitere f inanzielle Opfer zu brin­gen und den Betrieb wieder aufzuneh­men unter Verzicht auf die angekündigte Lohn­kürzung von 25 Prozent. Die Ar bei t erschaf t soll sich ihrerseits bereit erklären, den Acht­stundentag vorläufig außer Kraft zu sehen, wogegen die auSgefPerrten Arbeiter restlos wieder eingestellt werden sollen. Die Sozialdemokratie soll dann den Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft rückgängig ma­chen. Daneben wird sich die Reichsregie­rung bemühen, auf diplomatischem Wege über Paris eine Herabs ehung der K ohlen­preise zu erreichen, die in erster Linie die Krisis bei den Röchling-Werken hervorgerufen hat. Es erscheint vorläufig fraglich, ob bei der tiefgehenden gegenseitigen Erbitterung mit einem baldigen Erfolg der Vermittlungsaktion gerechnet werden darf. Man glaubt jedoch, daß die Ar­beiterschaft allmählich selbst einsehen wird, dah sie nur die Geschäfte der französi­schen Regieiungskommission besorgt und daß sich bei einer Herabsetzung der Kohlen­preise die Arbeitsbedingungen so gestalten wer­den, dah eine Weiterführung der Betriebe mög­lich ist.

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Die Rechtsbewegung in Bayern.

Verhaftung völkischer Persönlichkeiten in München.

München, 17. Sept. (Korresp. Hoffmann.) Am 16. September wurden auf Grund einer ge­richtlichen Anordnung bei einer Reihe von Mit­gliedern der OrganifationFrontring" wegen des Verdachts der Fortsetzung verbotener Organi­sationen Durchsuchungen durch die Polizei­direktion München vorgenommen. Das Ergebnis der Durchsuchungen führte zur Festnahme- von 6 Personen, von denen eine alsbald wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Die übrigen Festge­nommenen, Oberleutnant Brückner, Leutnant Oswald, Dr. Meiding, Oberleutnant von P r o s ch und Hauptmann K r a u h e r wurden zunächst in Hast behalten. Sie werden nach Ab- schluh der Vernehmungen dem Gericht überwie­sen. Oberleutnant Brückner ist beschuldigt, mit einer gewaltsamen Aktion gedroht zu haben, falls Hstler, v. Kriebel und Dr. Weber nicht nach sechsmonatiger Strafverbühung freige­lassen werden.

Zu den Verhaftungen bemerkt die Korrespon­denz der Bayerischen Volkspartei: Die Verhaf­tung von Mitgliedern der OrganisationFront­ring" lenkt das Augenmerk der Oeffentlichkeit neuerdings auf die trotz der erlassenen Verbote nicht aufgegebenen Bestrebungen einzelner Par­teien, 1 illegale Kampftruppen für parteipolitische

Zwecke

zu schaffen. Das Eingreifen der Polizei läßt den Schluß zu, daß es sich hier um eine Organisation handelt, in der eine Fortführung der ver­botenen und angeblich aufgelösten völkischen Kampfverbände zu erblicken ist. Dah von dieser Seite ein Putsch in Bayern geplant sei, hält die Korrespondenz für unrichtig, es sei jedoch Wachsamkeit geboten. DerFront­ring" sei keine auf Bayern beschränkte Organisa­tion. Er habe seine Verbreitung im ganzen Reich. Bestätige sich der Verdacht der bayeri-

1 q3en Gerichtsbehörden, daß es sich hier um Fort­setzung einer verbotenen Organisation handelt, so werde angesichts der Tatsache des Vorhanden­seins einer Reichs organifation b.-.mit zu rechnen sein, daß sich auch außerbayerische Ge­richte, in- diesem Falle der Obetreichsan- walt, mit der Angelegenheit befassen dürften.

Mussolini redet zum inneren Frieden.

Neapel, 17. Sept. (Wolff.) Mussolini hielt gestern hier eine Rede, in der er u. a. ausführte, er habe den festen Willen, allen national gesinn­ten Stalienern den inneren Frieden zu bringen. Doch müsse die Opposition ihrerseits Entgegenkommen zeigen. Die Opposition könne selbstverständlich nicht erwar en, in derselben Weise wie die Faschistenpartei behandelt zu wer­den: doch dürfe sie auch nicht altes Gute ver­leugnen, was der Faschismus gebracht hat. Sn der äußeren Politik habe seine Regierung Erfolge buchen können, so in der Frage von Fiume, des Dodekanes und des Subalandes. Se.ae Absicht fei eine friedlich?, mit nationale.' W.'tde gepaarte Politik ohne Rücksicht auf unnütze; ala- damisches Gerede. Mu'solini kündigt: zum Schluß an, daß noch Ende dieser Woche ein wichtiges Abkommen mit einem Grenzstaat abgeschlossen werde.

2lHer Welt.

Erdbebenkatastrophe in Armenien.

Konstantinopel, 18. Sept. (Habas.) Eine Depesche aus E r z e r u m teilt mit, baß ein heftiges Erdbeben viele Dörfer ernstlich beschädigt hat. Die Eisenbahnlinien und der Telegraphenverkehr find z e r st ö r t worden. Die Bevölkerung lagert auf den Feldern. Rach letz­ten Meldungen handelt es sich um eine Kata­strophe, der Hunderte von Dörfern zum Opfergefallen sind; Hunderte von Menschen­leben seien zu beklagen, der Sachschaden sei eben­falls bedeutend.

Der Schuh der Presse.

Wegen des Anschlags gegen die soziald:mo- kratische Zci ungVolkswilte" in Münster wur­den die b iben einer rechtsradikalen Organisation angehörenden Angeklagten Schreiber und Kückelhaus zu je fünf Sahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht beschloß, <ii Gnaden­gesuch zu befürworten, damit die Zuchthaus­strafe in eine Gefängnisstrafe umgetoanbIt und die Strafe ermäßigt wird.

Blutvergiftung Michael Dohnens.

Berlin, 18. Sept. Der bekannte Bariton der Berliner Oper. Kammersänger Michael Dohnen, hatte sich am Montagabend bei einem Gastspiel in Hamburg einen rostigen Ragel in den Leib gestoßen. Gestern machte sich bei ihm ein so starkes Fieber bemerkbar, daß er ins Hamburger Krankenhaus geschafft und dort sofort ope­riert werden mußte. Es stellte sich heraus, dah er sich eine Blutvergiftung zugezogen hatte. Das Befinden B v h n e n s. der gestern nach Berlin transportiert wurde, ist besorgniserregend.

Schwerer Anfall auf der Bühne.

Während der Generalprobe zu Carmen stürzte jm Berliner Zirkus Busch eine Postkutsche von der oberen Bühne auf die darun­ter befindliche sechs Me er tiefe Plattform. Der Wagen begrub drei Personen unter sich die be­trächtliche Verletzungen erlitten.

Explosion in einer Lackfabrik.

Sn dem Laboratoriumsraum einer Lackfabrik in Aussig ereignete sich eine schwere Explosion. Das zweistöckige Fabrikgebäude wurde f a st vollständig vernichtet. Ein benachbartes Gebäude ist dem Einsturz nahe. Sechs Per­sonen wurden schwer verletzt.

Ende des Wiener Metallarbeiterstreiks.

Sn einer Konferenz der Betriebsräte und Obmänner wurde der Antrag des Streikkomitees, den Vereinbarungen der beiderseitigen Par­teien die Genehmigung zu erteilen, angenom­men. Damit ist der Metallarbeiterstreik nach einwöchiger Dauer beendet.

Schwerer Taifun in Japan.

Ein Taifun hat in vielen Teilen Sapans äleberschwemmungen hervvrgerufen. Etwa 100 Menschen sind umgefommen. Sn einem Ort des Distrikts Saitama werden 300 Personen vermißt. 40000 Häuser stehen teilweise un­ter Wasser.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 18. Sept. 1924.

Der Milchgenuß.

Daß die Milch zu den ersten und besten Rahrungsnritteln zählt, ist bekannt. Es ist in der Tat erstaunlich, zu sehen, wie rasch mitunter durch den regelmäßigen Genuß guter Milch das Kör­pergewicht vermehrt und zugleich das Krasige- sühl gehoben wird. Das geschieht zum Beispiel bei schwächlichen, sonst gesunden Personen, die durch angestrengte Arbeit, durch Aufregungen und Sorgen herabgekommen sind, mehr noch aber bei abgemagerten Kranken oder bei solchen, die sich nach längerer Krankheit auf dem Wege ver­zögerter Genesung befmben. Setzt, wo die Zwangs­wirtschaft für Milch gefallen und wieder reich­lich Milch vorhanden ist, verordnen sich viels selbst eine Milchkur, folgen willig dem Rat eines Arztes, zur Kräftigung täglich ein bis zwei Liter Milch zu trinken.

llnd doch Wirch vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen, der Ruhen einer solchen Milchkur vielfach überschätzt. Mit wahrem Opfermut schlürft man täglich eine Zeit lang die vorgesetzte Menge Milch. Doch bald tritt das Gefürchtete ein: man empfindet einen allmählich steigendes Widerwillen gegen das weichliche Getränk, und man fühlt sich bereits nach dem ersten Glase ge­sättigt. Schließlich genügt oft schon der bloße An­blick des anfangs fo viel gerühmten Rahrungs- mittels, um ein Gefühl des Widerwillens her­vorzurufen. Vielfach trägt hier nicht selten die Art bei, in der die Milch genossen wird, indem man ein Liter sozusagen mit einem Male herab­gießen will. Läßt man sich dagegen bei dem Milchtrinken Zeit, etwa in der Vteise, wie em Besucher des Stammtisches nur nach and nach in aller Gemütlichkeit seine zwei bis drei kleinen Schoppen Bier trinkt, so wird der gefürchtete Zu­stand nicht so leicht eintreten. Beeinträchtigt wird die an sich gute Wirkung der Milch meist auch- noch dadurch, daß die Menge der übrigen gut bekömmlichen Rahrungsmittel herabgesetzt wird.

'-i>as <jweamayigire roare vayer icyon. roenu man in gesunden wie in kranken Tagen die Milch stets nur in kleinen Portionen über den ganzen Tag verteilt und sie zwischen den Mahlzeiten, zum Frühstück, nach dem Mittagessen, zum Vesper, vor dem Schlafengehen zu sich nähme.

Eine andere Frage aber ist, ob es nicht vielleicht geratener ist, in den Fällen, wo sich einer für längere Zeit einer Kräsiigung unter­werfen will, den Milchgenuß aus ein beschei­denes Maß zu beschränken. Es ist sicher, daß man durch den Genuß fester Rahrungsmittel eine wesentliche Zunahme des Körpergewichts oft leichter erreicht als durch den allgemeinen starken Milchgenuß. Es kommt letzten Endes bei dieser Art Linkerernährung nicht so sehr darauf an, was man genießt, sondern wie­viel man genießt. Die starke Aufnahme von Milch führt früher oder später zu einer wesent­lichen Einschränkung der übrigen Rahrungsmittel, wobei zu berücksichtigen bleibt, däß,---um dem Körper eine gewisse Menge von Rahrstoften zuzusühren, an Milch ungleich mehr erforder­lich ist, als an einer ebenso nahrhaften gemischt festen Kost, die etwa aus Fleisch, Ei, Käse und Brot besteht. Durch ihren reichen Gehalt an Wasser bewirkt die Milch rasch das Gefühl der Sättigung. Will man sich aber dauernd bei Appetit erhalten, so muß man gerade die ein­zelnen Mahlzeiten möglichst klein bemessen, da­für aber alle ein bis zwei Stunden etwas genießen.

Dabei ist besonders wichtig der Morgen- imbitz. Gerade in der Frühe ist der Magen am leistungsfähigsten. Die erste Mahlzeit sollte daher so nahrhaft wie möglich fein.

Gießener Wochenmarktpreise

am 18. September 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 220 Pf., Matte 35, Käse 4060, Eier Stück 15, Wirsing Pfd. 12 -15, Weißkraut 810, Rotkraut 12-15, gelbe Rüben 810, rote Rüben 810, Spinat 30, RömiischLohl 10, Bohnen 25, Blumenkohl Stück 50100, Salat- gurten 1050, Cinmachgurken 4, Endivien 1020, Ober-Kohlrabi 5, llnt er-Kohlrabi Psd. 6, Doma* ten 2033, Zwiebeln 1520, Lauch Stück 510, Meerrettich Pfd. 60100, Sellerie Stück 2050. Kürbis Pfd. 8. Pilze 15, Kartoffeln 5, Failäpfel 35, Aepfel 1015, Dirnen 415, Dro.nbce en 50, Preiselbseren 85, Zwischen 1012, Mira­bellen 25, junge Hahnen 103, Suppenhühner 90, Rüsse 50.

Vornotizen.

Tageskalender für Donners­tag: Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Jackie Coo- gan". Hessische Bilderbühne:HorridoI" Astoria-Lichtspiele:Brigantenliebe".

, Der Männer-Turnverein ver­anstaltet nächsten Sonntag ein Vereins-Wett- turnen, verbunden mit einer Familienzusammen- funft im Philosophenwald. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, vorwiegend westliche Winde, Temperaturen wenig verändert, vereinzelte Riederschläge.

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* Personalien. Durch Ent'chließung d.S Ministeriums der Sustiz sind zu Gerichtsassefsoren ernannt worden die Referendare: Dr. Georg E i h e r aus Saargemünd, Dr. Erich Hans K a - den aus Hochheim, Kr. Wiesbaden: '5>r. Karl Engisch aus Gießen: Paul S c r i b a aus Darm­stadt: Dr. Ernst Herz aus Bingen: Dr. Svh.mr Phil. G i e h l e r aus Ri.der-Mötlen: Dr. Ludwig S ch a a d aus Erfelden in R.; Karl Lang aus Lang-Göns: Dr. Richard Jacob aus Alssild: Dr. Friedrich Freund aus Sarmftabt; Erich Klein aus Alzey; Dr. Hans Kowarzik aus Rordhausen: Dr. Wilhelm Kalbfleisch aus Gelnhausen; Karl Christtan Lauteschläger aus Darmstadt: Dr. Hartmut Funk aus Main;; Georg Svseph Adolf ©über aus' Mainz; Dr. Paul Kantzenbach aus Darmstadt: Theodor Meixner aus Darmstadt.

* * Allgemeinverbindl ichk e11serklä- rung des Manteltarifs und der Ge­haltssätze im Gießener Kleinhandel. Man schreibt uns: Laut Mitteilung des Reichs­arbeitsministers vom 8. September 1924 ist der zwischen Lern Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Deiband, Gewerffchaftsbund der Ange­stellten, Zentralverband der Angestellten einer­seits und dem Verein der Detaillisten, Verband Deutscher Detailgeschäfte der Textilbranche, Schuhverband der Lebensmittelhändler, Verband für Herren- und Knabenkleidung, Verein der Schubwarenhändler anderseits abgeschlossene Manteltarif mit Wirkung ab 1. März 1924 und die ab 1. April vereinbarten Gehaltssätze für allgemein verbindlich erklärt worden. Alle kauf­männischen Angestellten in Gießen, soweit sie im Kleinhandel beschäftigt sind, sind damit seit dem 1. April 1924 nach dem zwischen den wirtschaft­lichen Verbänden der Arbeitgeber und Angestell­ten vereinbarten Gehaltstarif zu bezahlen. Das Dienstvechältnis der Angestellten im Kleinhandel richtet sich mit Wirkung ab 1. März nach den Desttmmungen des Mantettarifvertvages.

* * Die Obst Versteigerung des Krei- fes Gießen sindet vom 19. bis 29. Septem­ber statt. Räheres im heutigen Anzeigenteil.

* * Die Preu h. -Süddeutsche Klas - fentotterie beginnt am 10. Oktober eine neue Ziehung^ Man beachte die heutige Anzeige.

Reisen in die Rordi sch en Länder. Mehr noch als vor dem Kriege bilden heute dte Rordischen Länder. Dänemark, Rotwegen, Schwe­den und Finnland einen der stärksten Anziehungs­punkte für das ins Ausland reisende deutsche Touristenpublikum. Um diesen begrüßenswerten Verkehr zu erleichtern, hat die R o r d i s ch e Ge­sellschaft Abkommen mit Hotels in den Ror- difchen Ländern getroffen auf Grund deren den Mitgliedern der Gesellschaft erhebliche Rabatte eingeräumt werden. Es sollte deshalb niemand, dar beabsichtig^ die Rordischen Länder als Ge­schäfts- oder Vergnügungsreisender zu besuchen, versäumen, zuvor Mitglied der Rordischen Gesell­schaft zu werden. Sebe nähere Auskunft erteilt die Hauptgeschäftsstelle der Rordischen Gesell­schaft, Lübeck, Dreitestr. 12.

V. H. C. Unter reget Beteiligung (93 Per­sonen) unternahm am Sonntag der V. H. E. Gießen seine Septemberwanderuna nach dem öst­lichen Teil des Taunus. Von Dad-Rauhsim ging Der Weg über den Sohannisberg, w) der Dor mehreren Sahren entdeckte und freigelegte Signal­turm aus der Römerzeit bLsichtigt wurde und man auch einen schönen Blick auf die reizvoll ge' legene Badestadt genoß. Der Weitermarsch führte am Fvrsthaus Winterstein, wo Friihsiücks a t ge­halten wurde, vorbei, auf schönen Waldwegen nach dem Römerkastell Kapersburg. Sn dankens­werter Welle ht-r^e sich Prof. Helmke bereit