Einzelbild herunterladen

^Donnerstag, 18. September (92$

fir. 2?o Erstes Blatt

V4- Zayrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderheflen

I

Druck uud Verlag: vrühl'fche Untverfitätr-Vuch- und Stcinöruderet R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Gefchäftrftelle: Zchulftratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichlreit

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mn, Brette örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne Klamc-An'ieigen v 70mm Breite 35 Goldpscnnig, Platzvorschrift 20°/, Auf­schlag. - Verantwortlich fürPolitik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschcin; fürden Anzeigenteil: Hans Sedi, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monals-Vezuarpreir:

2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-Anschlüsse: für di« Lchriflleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach- richten: LnzeigerGiehen.

Postscheckkonto: grenffurt a. M. 11686.

Die

des

Wer diese Mehrheit ist nur

die

zum ' Zentrum.

tat den ihr

Dte dmi mfr

Die Tätigkeit des Sparkommissars (Eigener Informationsdienst.)

In der Deutschnativnalen Partei dauert Krisenstimmung bedauerlicherweise fort.

Mitte Oktober zu rechnen ist, Hachen in den parla­mentarischen Kreisen einige Beunruhigung her- vorgerufen. Wie wir hören, beabsichtigen dre maßgebenden Führer der Regierungspar­teien, insbesondere des Zentrums, darauf 'hinzuwirken, daß der Wiederzusammentritt des Reichstages s p ä t e st e n s z u m 5. o d e r 6. O k - tob er erfolgt, da die ungeklärte außenpolitische Lage das baldige Beisammensein des Parla­mentes erforderlich macht. Man hat den Ein­druck, daß gegenwärtig starke Kräfte am Werk sind, die auf eine möglichst lange Hinaus­schiebung Les Parlaments hrnarbeiten, um

Der Zusammentritt des Reichstags.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 18. Sept. (Drahtmeldung.) halbamtlichen Mitteilungen, wonach mit Wiederzusannnentritt des Reichstages nicht

werden. Bor allem stößt man ^.ich oi dem ver­schleierten Eingeständnis, Laß Ne Zu st i m mung der Minderheit der Fraktion zu tei Gut- achtengesctzen tatsächlich mit Billigung eines Teiles der Parteileitung er­teilt wurde. In diesen Kreisen wird erklärt, laß Dr. Stresemann trotz der Rückzugs man rv.r seines offiziellen Organs scheinbar c dMUg t»r dem Reichskanzler Dr. Marx kapituliert heiba uch daß es für die Drutschnativnale Volkspartei h'. ße, einen m o r a l i s che n Se l b st m o r d zu begehen, wenn man sich werter an die Per'vn Dr. Strese- manns klammerte. Was jetzt die Partei allein noch reiten lömrr, sei eine entschlo;senr und rück­sichtslose Führung, eine taktische Annähe- rung an die Rationalsozialistische Freiheitspartei und die systematische De- kämpfurrg der Londoner Gesetze und je . er Regie­rung, die nicht unzweideutig die Front gegen Demokraten und Sozialdemokraten einrehme.

Die gestrige Erklärung dcr Parteileitung im eigenen Lager nicht voll befriedigt. In oppositionellen Kreisen sieht man in . mehr einen Versuch, die unhaltbar gewordene La^e nach außen hin zu retten, und glaubt nicht an den tatsächlichen Willen zu einer entschlossenen ut.i> rücksichtslosen Opposition für den Fall, daß die Versprechungen auf Beteiligung d?r Deut ch nationalen an der Reichsregierung nicht gehalten

für den Bürgerblock.

wenn wirklich erne Mehrheitskoalition sich brlden läßt, die gemeinsam arbeiten will und kann. Wenn aber den Deutschnationalen, die bereit sind, dazu mitzuhelfen. von ihren eigenen Parteifreunden, öffentlich bescheinigt wird, daß sie ihr Vettrauen nicht mehr besitzen, dann wird die Voraus­setzung dafür, d. h. eine sichere Mehrheit hinter der zu bildenden Reichsregierung, in Frage g e st e l l t.

Wir meinen daher, das alles sollte man sich in den Reihen der Deutschnattonalen jetzt sehr ruhig und nüchtern überlegen. Die Kritik, die dort an der Taktik und an dem Verhalten der eigenen Partei geübt wird, mag noch so recht haben. Richt darauf kommt es in der Politik an, ob das was man sagt und tut, an sich richtig ist, sondern darauf, was das, was man sagt und tut, für politische Folgen hat.

Zahlenmäßige Schwächung der für dir Samm­lung der staatserhaltendrn Reihen in erster Linie in Frage kommenden Parteien und damit Gefähr­dung oder Zerschlagen dieses Zusammenschlusses überhaupt, muß dazu führen, mit oder ohne Reichstagswahlen der Sozialdemokratie, sei es unter Wirths, fot es unter Scheidemanns oder unter anderer Führung, wieder die Vor­machtstellung in die Hände spielen, die sie in den ersten Jahren seit 1918 in den Händen hatte. Will man das im deutschnationalen Lager, dann kann der bisherige W^ weitergegangrn werden. Will man das, wie wir überzeugt sind, nicht, dann ist es höchste Zeit, daß dieser falsche Weg sofort verlassen wird.

Stresemann und dieDeutschnationalen. Die Bemühungen um den Bürgerblock. Die Opposition bei den Deutsch- nationalen.

(Eigener Informationsdienst.)

Der deutsche Kolonialkongreß

Deutschlands Recht auf Kolonien.

die Regelung der Regierungsumbildung, insbesondere also die Frage der Hinzuziehung der Teutschnationalen zur Regierungskoaliäon außerhalb des Parlaments zu lösen. Dadarch würde jedoch nach Meinung der führenden Zen- trumspvlitiker die innerpvlittsche Verworrenheit nur noch erhöht werden. Die Umbildung der Reichsregierung könne nur d arch di eReichs­tagsparteien selbst b:trieben werden, dir zu prüfen hätten, unter welchen Vorn issctzungen eine Regierung des Dürgerblockes überhaupt ge­bildet werden kann.

Berlin, 18. Sept. (Drahtmeldung.) hohen Kosten, die für das Bureau unb_ die Tätigkeit des Sparkommissars im Etat aufgeführt worden sind, haben in politischen Kreisen allge­mein Rufsehen erregt. Die Kosten des Sparkom­missars betragen die Hälfttz der Kosten des ge­samten Ernährungsministeriums. Auf verschie­dene Anfragen hin hat nun das Reichsfinanzmini­sterium mitteilen lassen, daß diese Kosten n u r einmal seien und durch die nutzbringende-

Auf falschem Wege!

(Ein Wort zur Krisis der Deutschnattonalen. Dr. Stresemanns Arbeit

tigkeit des Sparkommissars in allen Ressorts durchaus als werbende Kosten anzusehen seien. Es sei durch die Tätigkeit des Sparkommis- sars eine solche Vereinfachung herbeigeführt worden, daß ganz beträchtliche Erspar­nisse erzielt seien. 3m übrigen werde der Sparkommissar demnächst ab gebaut wer­den, und bereits im nächsten Etat werde sich die- ser Posten nicht mehr befinden.

Der Derwaltungsrat der Reparationsbank.

Paris, 17. Sept. (WTB.) In der gestrigen Sitzung der Reparationskommiision sind zu Mit­gliedern des Derwaltungsrats der Bank für die deutschen Industrieobligationen ernannt Word:, der Franzose de Peyster und der Belgier Frerichs die beide bis jetzt dem Finanzdienst der Repkv angehörten sowie der Engländer Dudley Ward. Der Agent für die Repara­tionszahlungen Owen D. B o u n g, der Kom­missar für die zu Reparationszweck.m vorbehal­tenen Einnahmen Mac Fadyean, der Treu­händer für die Eisenbahnobligationen Dela­croix und der Treuhänder für die Ind istrie- Obligationen Rogara haben heute mit B rui n4 (Holland) und dem Kommissar für die Reichs- eisenbahngesellschaft Lefövre (Frankreich) eine neue Konferenz abgehalten. Sie haben sich mit Organisativnsf ragen beschäftigt und den Belgier Denis, der bis jetzt im Generalkommissariat der Reparationslommission beschäftigt war, zum Generalsekretär bei dem Agenten für die Reparationszahlungen Owen D. CQoung ernannt Denis reift heute nach Berlin ab.

schwach. Splittern von den Deutschnationalen jetzt Teile nach rechts ab, dann verschwindet sie; bann würde das Ziel, eine bürgerliche Mehr­heitsregierung zu bilden, nur noch erreichbar sein, wenn auch die Demokratische Partei sich beteiligt. Die Führung der Demokraten aber will, so weit wir sehen, diese Zusammenfassung der staatserhaltenden bürgerlichen Parteien, also eine bürgerliche Mehrheitsregierung, nicht. Daß aber die Art, wie jetzt noch deutschnationale Organisationen, Zeitungen und Einzelpersonen in der Ocsfentlichkeit den Kampf gegen andere Deutschnationale führen, die Gefahr einer Absplitterung von den Deutschnationalen za den Rationalsozialisten mit sich bringt, wird nie- manb bestreiten können. Uns scheint daher, daß es dringend im allgemeinen Staatsinteresse und im beionderen bürgerlichen Interesse liegt, daß diese Entwicklung vermieden wird. Der Weg. den die Kreise der Deutschnationalen be­schreiten, die auch jetzt noch in weitester Oefsent- lichkeit den Kampf gegen die sog.Jasager" und zugleich gegen die Parteien, die bereit sind, mit ihnen zufammenzuarbeiten, also gegen die Deutsche Voltspartei und das Zentrum, _ führen, zer­schlägt die Möglichkeit, die dringend erwünschte Zusammenfassung der staatserhaltenden bürger­lichen Kräfte herbeizuführen.

Hinzu lemmt noch ein Zweites. Rachdem durch die Haltung der De rtschnationalen Reichs- lagsfraktion und durch die Derhandl ingen zwi­schen ihr einerseits, der Deutschen Volkspartei und dem Zentruni andererseits zunächst außen­politisch der Weg für eine Zusammenfassung dieser Kräfte geöffnet worden ist. wird es jetzt besonders im Hinblick auf die bekannten Kräfte im linken Zentrumsflügel nicht immer ganz leichter Verhandlungen bedürfen, um das innenpolitische Ziel zu erreichen. Glau­ben die Deutschnationalen, die diejenigen in ih en Reihen in der Oeftentlichkeit herabsehen, die für diese Verhandlungen ganz gewiß m erster Linie in Frage kommen, daß sie damit ihren Unterhänd­lern ihre Ausgabe erleichtern? Wir glauben das nicht. Wir fürchten vielmehr, daß sie durchs ihr Verhalten denen in die Hände spielen, die, wie etwa der frühere Kanzler Wirths innerlich dieser ganzen Entwicklung ablehnend gegenüberstehen. Der Einwand, der von dieser Seite erhoben werden wird, liegt ja doch auf der Hand. Zweck und Sinn hat der Eintritt der Deutschnattonalen in die Regierung nur dann,

Berlin, 18. Sept. (Dvahtmeldung.) Mi­nister Dr. Stresemann, der nach wie vor das Vertvauen der deutschvolksparteilichen Führer be­sitzt, steht, wie wir hören, in ständiger Füh­lungnahme mit deutschnativnalen Politikern, um an dem Zustandekommen einer Regierung des Bürgerblockes zu arbeiten. Gegenüber den Widerständen im Zentrum hält Dr. Stresemann auch an der Auffassung fest, daß die Hinzuziehung der Deutschnationalen zur Reichs regierung eine unbedingte Rot­wendigkeit sei. Inzwischen sind bereits ein­gehende Vorbereitungen innerhalb der Deutschen Volkspartei getroffen worden, um noch gegen Ende dieses Monats die Verhandlungen mit den Deutschnattonalen und mit dem Zentrum über die Frage der Bildung der Regierung des Bürgerblockes aufzunehmen.

In Berlin tagt seit gestern der vierte deutsche Kolonialkongreß, der erste nach dem Kriege, der erste ohne Vorhandensein deutscherKolo-- nien. In einer Reihe von Vorträgen im Großen Hörsaal der Berliner Universität geben frühere Gouverneure, Forschungsr.isende, Generale und Stabsärzte ein anschauliches Bild dessen, was Deutschland in seinen Schutzgebieten an Kultur­arbeit geleistet hat und was es heute noch l e i st e n könnte, wenn man ihm das wider alles Völkerrecht geraubte Gut zurückgäbe.

Wir wollen wie alle diese verdienstvollen und nun zum größten Teil ihres Wirkungskreises be­raubten Männer möglichst sachlich bleiben. Die koloniale Frage ist keine Parteifrage, sondern eine Existenzfrage des deutschen Volkes. Versailler Vertrag nahm uns unter nichtigen Vor­wänden den blühenden Kolonialbesitz weg. Die neutralen Völker wurden mit dem Schlagwort be­trogen, daß Deutschland unwürdig sei, das Werk der Zivilisation an den Eingeborenen auszu­üben, daß Deutschland seine Kolonien nur aus- beute, sie militarisiere und die Häfen als Stützpunkte für Unterseeboote ausbaue Alle diese Behauptungen verfliegen in Richts vor dem Lichte der Wahrheit. Was man Deutschland damals mit Unrecht vorwarf, trifft heute auf diejenigen Regierungen zu, die jene Lügen und Märchen er­fanden, um ihren Raub zu beschönigen.

Wer militarisiert denn heute Afrika? Rie- mand anders als Frankreich! Wer unter­hält starke Kriegshäfen in Rord- und West­afrika? Frankreich! Frankreich verleiht den Ein­geborenenBürgerrechte", nicht aus idealen Grün­den, sondern um sie zur militärisch en Dienstpflicht zu pressen, em un­geheuer gefährliches Unternehmen, das sich früher oder spater an der weißen Rasse bitten che n muß. Und was tut England? Was tut Belgien? Rach britischen Berichten und nach dem Zeugnis der Dominions-Primierminister ist das ehemalige Deutschostafttka ungla iblich zu­rückgegangen. Die Missionsschulen wur­den geschlossen und keine neuen errichtet. Seuchen, vor allem die Schlafkrankheit, nehmen unbeimlich überhcmd, obwohl die deutsche Wissen­schäft mit ihrem neuen MittelBayer 205 rettend eingreifen könnte, wenn man sie zuließe. In den Teilen, die an Belgien (Kongostaat) gekommen sind, dasselbe Bild. Die Schlaf­krankheit breitet sich aus, der Viehbestand geht rapid zurück, die Plantagen zerfallen. Im herrlichen kleinen Samoa mit seiner liebens­würdigen intelligenten Bevölkerung ließ der Mandatar Reuseeland sorglos die Grippe einschleppen, so daß ein Viertel der Einwohner hinweggerasft wurde. In Togo, das von den Franzosen auf das traurigste her unter gewirt­schaftet wurde, hat der Hauptverwalter und Liquidator wegen übler Sachen Selbstmord ver­übt. In Reuguinea imb Ozeanien sind alle Pflanzungen verwahrlost und verfallen. In Südwestafrika hat man die Diamantgruben, früher die größte Einnahmequelle der Kolonie, geschlossen. In den öffentlichen Schulen darf nur englisch oder böerisch gelehrt werden. Immerhin geht es dort noch leidlich, weil man die Deutschen nicht vertrieben hat.

Wir wollen mit diesen Anklagen nicht etwa dartun, daß andere Völker, insbesondere die Eng­länder'mit ihren sahrhundert.alten Erfahrungen keine kolonisatorischen Fähigkei ei besäßen. Aber England wie Frankreich und Belgien haben be­reit s ein so riesiges Kolonialgeb.ei, daß sie für dessen Verwaltung und Bewirtschaftung kaum die nötigen Kräfte aus ihrer eige­nen Bevölkerung aufbringen. Deutschland aber hat noch die geschulten und bewähttrn Kräfte für die koloniale Tätigkeit. Sie liegen hier brach. Deutschland tonnte ein Heer von Kvlvni-

Man kann eS verstehen, daß nach der Ab­stimmung im Reichstage am 29. August in den Reihen der Mitglieder und Anhänger der Deutsch­nationalen DoVpartei zunächst eine gewisse Er­regung herrschte, die hier und da übereilte Handlungen ausgelöst hat. Allzu unvor­bereitet waren diese Kreise durch die Zukttrnmung der Hälfte der deutschnattonalen Reichstagsfrak­tion zum Cisenbahngeseh und damit de facto ^u -den Londoner Vereinbarungen vor eine völlig neue Situation gestellt. Rachdem aber nun­mehr einige Zeit vergangen ist, muß man er­warten, daß ruhige Ueberfegung alle weiteren Schritte und Handlungen bestimmt. Leider ist das bisher nicht der Fall. Unentwegt fahren viel­mehr führende Blätter, wie dieDeutsche Tages­zeitung" und dieDeutsche Zeitung" und große Landesverbände, wie der Deutschnationale Lan­desverband Hamburg, Pommern, Thüringen usw. fort, den Kampf gegen dieJasager" und gegen dieschwache Parteileitung" öffentlich weiterzuführen, nicht zu reden von dem, was Provinzblätter und Gruppen und Einzelpersonen der Deuttchnationalen Dolkspartei sich an öffent­licher, herabsetzender Kritik leisten. Wenn es sich dabei nur um eine rein innere Parteiange- legenheil der Deuttchnationalen Dolkspartei han­delte, hätten wir keinen Anlaß und auch kein Recht, uns damit zu beschäftigen. Es geht aber bei dieser Haltung eines Teiles der Deuttch­nationalen nach unserer Ueberzeugung um mehr, als um eine innere Parteiangelegenheit der Deuttchnationalen. Warum?

Was wir in Deutschland feit Jahr und Tag brauchen ist eine auf eine einigermaßen homogene Mehrheit des Reichstag es gestützte Reichs regierung. Weder eine Minderheitsregierung, wie wir sie seit Rovember 1923 haben, iwch eine Mehrheitsregierung, wie etwa die der großen oder kleinen Koalition, in der ein Teil die staatlichen Interessen nach inter­nationalen staatSzerst örenden Klafsenkanipf- ibeen und die wirtschaftlichen Fragen nad). so- zialistischen Grundsätzen führen will, der andere aber nach staatserhaltenden na­tionalen Ideen und privatwirtschaft­lichen Grundsätzen Bann auf die Dauer eine erfolgreiche Außen- und Innenpolitik treiben. Die Bildung einer in sich einigermaßen homogenen Mehrheitsregierung im Reiche ist also die Auf­gabe dec Gegenwart. Die zahlenmäßige Grund­lage zu ihrer Lösung ist im Reichstage vor­handen, wenn d i e Parteien zusammenge hen, die anerkennen, daß es noch so etwas wie ge­meinsame bürgerliche und natio­nale Interessen gegenüber den sozialistisch- internationalen Interessen gibt. Selbst wenn die Demoiraten, wie wir '.ach der Haltung chres Führers Koch annehmen müssen, sich nicht mehr zu diesen Parteien rechnen, bleibt eine solche Mehrheit von den Deutschnationalen bis

sten aussenden. Heute ist die deutsche Aus­wanderung so groß, wie sie feit 39 Jahren nicht gewesen ist. Die Bevölkerung des heutigen eingeengten Reichsgebietes ist um fast zwei Fünf tel größer als die des Reiches von 1834, das mit der Erwerbung von Lüderih seine Kolonial-- Politik begann. Mit den wiedererlangten Äoli- nien könnte Deutschland sich erholen und d.v furchtbaren Lasten des Dawesgutachtens wirklich abtragen. Warum beschäftigt sich der Völker­bund nicht mit der Angelegenheit? Gebt uns Deutschen unsere Schutzgebiete zurück, dann habt ihr das, wovon in London und Genf soviel ge­redet wurde: den Frieden und den Wieder­au f bau.

Die Kongretztagung.

Um den Ehrenpräsidenten des Äctt- gresses, den Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, ehemaligen Gouverneurs von Togo, halten sich Mittwochvvi-mittag alle führen­den Persönlichkeiten der früheren deutschen Ko­lonialverwaltung im Auditorium Maximum der Berliner Universität versammelt. Tlach Eröffnung durch den Ehrenpräsidenten begrüßte der Rektor der Universität, Prof. Roethe, die Versamm­lung. Rach ihm führte der Präsident des Kongres­ses, Gouverneur Dr. Seih aus. daß ohne Kolo­nien Deutschland seine nationale Selbständigkeit nicht wieder erlangen könne, da es sonst nicht im­stande fei, seine Bevölkerung zu ernähren. Dann spräch der frühere Gouverneur Schnee über die Mandatspolitik, die vollkommen verfehlt fei. Die Ansicht wurde von dem evangelischen und katholischen Missionsvertreter sowie von dem früheren Medizinalreferenten der Kolonialverwaltung. Prof. Eteudel, bestätigt; insbesondere sei die ärztliche Versorgung der frü­heren deutschen Kolonien viel schlechter als vor­dem Kriege. Am Rachmittag sanden Sitzungen der verschiedenen Unterabteilungen des Kongresses statt.

In der Abteilung 1 für koloniale Poli­tik sprach Ministerialdirck vr z. D. Meyer - Gerhacd, Berlin, über das Thema:

Südafrikanische Politik

unter Bezugnahme auf Deutsch-Südwest afrika» wo* bei er zu dem Schlüsse kam, die Deutschen in dem ehemals deutschen Südwest würden weise han­deln, wenn sie als Mandatsland die zugestandene Selbstverwaltung annehmen und der Zwangsein- bütgerung in die Südwestafrikanische Union nicht widerstreben würden. Der Ausbau der Selbst­verwaltung sei weitgehend zu fördern und eine Vertretung von Südwest in Parlament und Regierung abzu lehnen. Die Stärkung der deutschen Wirtschaft dort durch deutsches Kapital sei dringend zu wünschen. In einem Referat über die Südseepolitik betonte der frühere Gou­verneur von Samoa Dr. Schulz- Ew e r t h , in der Südsee habe die deutsche koloniale Tätigkeit die absolute Richtswürdigkeit der kolonialen Schuldlüge mit ganz besonde­rem Rachdruck bargetan. In der Abteilung für Kolonialwirtschaft betonte der Vorsit­zende F uchs -Berlin, die deutschen Kolonialwirt- schaftter und Pflanzer würden niemals den je­dem Völkerrecht Hohn sprechenden Raub durch die Entente anerkennen. Syndikus Dr. Hartmann sprach über die Form der Ueberseeges ell- schäften, wie sie der jetzt der Regierung vor­liegende Entwurf vorsieht. Es wurde eine Ent­schließung angenommen, in der für die neu zu bildenden Auslaittg ststschaflei g f rfc t wird Bewegungsfreiheit hinsichtlich der Or­ganisation, Kapitalbeschaffung und Währung, in der sie balancieren, ferner Ermäßigung der öffentlichen Lasten und Steuern. In der