Ausgabe 
18.8.1924
 
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Wirtschaft.

Die Lage ans dem Baumarkt.

In Deutschland wurden vor dem Kriege regel» mäßig jährlich 200250 000 Wohnungen neu her­gestellt : jetzt fehlen ungefähr eine Million Woh­nungen. Trotz dieses groben Fehlbedarfes will sich der Baumarkt, nicht beleben. Übereinstimmend wird berichtet, daß die Bautätigkeit fast überall völlig darnieder liegt und daß zur Zeit in der Hauptsache nur solche Bauten betrieben werden, die schon seit langer Zeit angefangen sind. Auch der Eingang von Anfragen, der bis vor einiger Zeit noch verhältnismäßig lebhaft war, hat fast ganz aufgehört. Die Erwerbslosenziffer

Aus der Provinz.

Landkreis Gietzen.

£ Wieseek, 18. Aug. 3n einer auher- o rdentlichen Gemeinderatssitzung, die am DoirnerStagabend statt fand, machte der Bürgermeister davon QEitteihmg, daß der Ge­meinde von der Kommunalen Landesbank in Darmstadt ein langfristiges Darlehen o on 10 000 G vldmark und ein kurz - > fristiges Darlehen von 15 000 Gold­mark zu angemessenen Zinssätzen gewährt wird. Diese Summen werden benötigt für den Schul» Hausumbau. St rasten bauten, Baudariehen usw., 8500 Mk. erhält die Baugenossenschaft zur Rege­lung ihrer Verbindlichkeiten. Angeregt wird, diese Aii Vermittlung von Baudariehen in gröberem Umfange anzu streben, denn nur die Belebung des Dau Marktes kann eine Minderung der Woh­nungsnot herbeiführen. Das Kreisamt schlägt die Erhebung von Kanal gebühren vor. Der Antrag geht an die Daukonnnisfivn, in den -nächsten Sitzung soll hierüber Beschluß gefaßt werden.

Kreis Friedberg.

ff. F r iedborg, 17. Aug. Während die Meisten Städte und Dörfer, bis herab zu den kleinsten, bereits ein Erinnern ng s den kma l für die Gefallenen des letzten Weltkrieges besitzen, ist in dieser Beziehung in Friedberg noch wenig geschehen. Eine früher eingeleitele Sammlung ist durch die Geldentwertung hinfällig geworden. Eine von den Borständen der hiesigen militärischen Vereine einberufene Bersammlung fiel daher auf fruchtbaren Boden und erfreute sich eines guten Besuches. Allseitig wurde anerkannt, daß es eine Dankespflicht gegen die Gefallenen unserer-Stadt und ihre Angehörigen sei, die Sache nun nicht mehr länger aufzuschieben. Es wurde ein Aus- schust von neun Personen gewählt, an dessen Spitze Herr Oberstleutnant Soldan steht, der sich mit den nötigen Bo rarbeiten befassen und demnächst eine gröbere Versammlung einberufen soll. Heute wurde in der hiesigen Stadtkirche der neue Stadtpfarrer Gengnagel, welcher an Stelle des in den Ruhestand getretenen Dekans Kleberger hierher beiu.fen wurde, durch De­kan Bogel von Bruchenbrücken in sein Amt ein» geführt. Der überaus starke Besuch des Gvttes- dtenstes bewies, welches Zn te resse man diesem Ereignis in der kirchlichen Gemeinde entgegen­bringt. Dem neuen Pfarrer geht von seinem bis- herigen Wirkungskreise in Stockhausen der Ruf eines tüchtigen Kanzelredners voraus, welcher Ruf durch die Antrittsrede durchaus bestätigt wurde. Der cvang. Kirchengesangv-evein trug durch Vor­trag einiger Choräle wesentlich zur Berherrlichung des Gottesdienstes bei.

und Nh c indessen.

x Darmstadt. 17. Aug Wie uns das Finanzministerium zu unserer Rotrz über den Berkaus der Marienhöhe mitteilt, wurde diese vom Grostherzog an den Verein für Ge­sundheitspflege E. V., München, Zweigveiein der Missionsgesellschaft der Adventisten, witz Frank­furt a. M. verkauft. Rach längeren Verhand­lungen gelang es der hessischen Regierung, die Marienhöhe von dem Verein im Austausch gegen anderen Grundbesitz zu erwerben und dem Pu­blikum weiter zugänglich zu machen.

HcU Ai-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 17. Aug. Zn zahl­reichen Zeitungen wurde vor einigen Wochen ein Preisausschreiben veröffentlicht, in dem den Einsendern der richtigen Lösung bei Ein­sendung von 2,50 Mk. ein Pfund Pralinen, ein halbes Pfund Milchschokolcche und außerdem ein Preis versprochen wurde. Das Preisaus­schreiben war unterzeichnet L. A. Hermes, Bücke­burg, Haus Falte, Unterwallweg. Jetzt hat sich Arausgestellt, daß das Preisausschreiben der rtzinsie Schwindel gewesen ist. Denn die Adresse des Hermes, der in Bückeburg gar nicht ansässig ist, war eine Deckadresse, an die sich feer Schwindler die ungezählten Briefe mit den Geldbeträgen schicken liest. Rach Empfangnahme der Briefe ist der Schwindler spurlos verschwun­den. Ob der Herr L. A. Hermes nicht noch viele andere Genossen hat?

trr jo grvtz, wie täten zuvor: sie wnD wahrstcheM» lich noch zunehmen, da erfahrungsgemäß mit der fortschreitenden Zähreszeit die Zahl der Bau- auf träge bzw. Bauten immer geringer wird. Zu­folge feer groben Konkurrenz der einzelnen Bau- firmen sind die Preise für Reu- uno Umbauten sehr gedrückt: vielfach kann man von Verlustpreisen reden.

Diese trostlose Lage ist eigentlich merkwürdrg, da die Dau Materialien preise (für Eisen, Holz, Zement usw.) sich nicht unerheblich gesenkt haben. Vielfach kann sogar wo Zwangsverkauf aus Geldknappheit in Betracht kommt, noch beträchtlich unter der an sich schon ziemlich ge­sunkenen Preishöhe gekauft weichen. Auch die Verhältnisse auf dem Grundstückmartt müh­ten eigentlich belebend auf den Baumarkt wirken. Das Angebot von Bauplätzen an ausgebauten ©traben ist zur Zeit ziemlich grob: dasselbe gilt für noch nicht aufgeschlossene Grundstücke und für Zndustrie-Gelände, das teilweise sogar schon mit Dahn- und Wasseranschlust versehen ist. Wenn trotzdem keine Belebung des Daumarktes zu spü­ren ist, so kommt das zunächst daher, dast das An­gebot in fertigen Bauten ziemlich beträcht­lich ist, ein Umstand, durch den der unmittelbare Zwang zum Bauen vielfach in Wegfall kommt. Das Gesagte gilt sowohl für Dillen und Etagen­häuser wie auch für Fabriken, feie stillgelegt wer­den mufften, für Geschäftshäuser, für fertigge­stellte Ladenlokale usw. Beachtlich ist hier, feab das Angebot von fertigen Bauten infolge feer Schwierigkeiten, in der sich Firmen und Privat­personen befinden, wahrscheinlich noch zunehmen wird. Auch feie hohen Löhne (sie stehen zur Zeit an der Spitze feer Löhne) in Verbindung mit der ungünstigen Arbeitszeitregelung machen sich infolge ihrer die Selbstkosten steigernfeen Wir­kung in bezug auf feie Daulust hemmend bemerkbar.

Am größten sind feie finanziellen Schwierigkeiten. Die Beschaffung von langfristigen Hypothekengeldern ist so gut wie unmöglich Zn feen letzten Tagen hat sich zwar eine kleine Er­leichterung gezeigt, praktisch ist sie jefevch kaum von Bedeutung, zumal feie Beleihungsgrenze (höch­stens 1/4 des Vorkriegswertes) diel zu niedrig ist. Es ist nicht anzunehmen, feab feem Hypothekenmarkt bald gröbere Beträge zuflieben werden, da feie Enttäuschung über feie mangelhafte Aufwertung der Hypotlteken, feie immer noch fortbestehenfee Wohnungs-Zwangswirtschaft, dieUn- sicherheit über die künftige wirtschaftliche Entwick­lung usw. die Geldgeber zur Zurückhaltung Der» anfabt. Die Hauszins st euer, die als Ersatz für feie Hypothekenhergabe gedacht war, hat völlig versagt. Dem Bau markt wurde nur ein verhältnis­mäßig geringfügiger Bruchteil feer Eingänge zu­geführt. Mit kurzfristigen Leihgeldern für Bauten sich zu behelfen, ist so gut wie unmöglich, da durch die lange Dauer jeden Baues feie Belastung an Zinsen, Provisionen usw. zu grob werden würde, als feab sich eine Rentabilität ergeben könnte. Aus eigenen Mitteln können feie Bauunternehmer Bauten nur in ganz seltenen Fällen errichten, da gerade bei ihnen die Geldentwertung besonders grobe Verluste verursacht hat. Die öffentlichen Stellen tim zwar manches zur Belebung des Dau­marktes. Die Vorschläge bleiben jefevch in feer Regel Projekte: der Geldmarkt zwingt auch hier, von durchgreifenden Maßnahmen abzusehen.

Alles in allem ist nicht damit zu rechnen, daß auf dem Daumarkt in absehbarer Zeit eine Be­lebung eintritt, zumal die überall einsetzenfee Streikbewegung die Lage weiter verschärft.

Reue Finanz - Transaktionen in Oft- Oberschlesien. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der polnisch-französischen Gruben­gesellschaft, Korfanth, hat neuerdings mit maßgebenden Stellen in Warschau und Paris Verhandlungen angeknüpst, die die Konsolidierung verschiedener Orubert und Hütten zum Zwecke haben. Zn erster Reihe handelt es sich um die VereinigteKönigs-undLaurahütte, deren Betrieb unbedingt weitergeführt wer­den soll.

* Der Wettbewerb um das nord- persische Erdöl. Die persische Regierung hatte 1918 der Standard O il Company die Konzession für das Erdölgebiet in Nordpersien übertragen, sie ihr jedoch wieder aus politischen Gründen entzogen. Run steht die Regierung wie­der diesbezüglich in Verhandlungen mit der S i n- c l a i r Gruppe, zwischen der und der Standard Oil Company deswegen ein harter Kampf ent­brannt ist. Vor einigen Tagen sind Vertreter der Standard Oil Company über Europa nach Per­sien gereift, um den vor der Bestätigung durch den Medshilis stehenden Abschluß mit Sinclair zu verhindern. Es fragt sich, ob ihre Mission den gewünschten Erfolg haben wird, da Sinclair große Summen aufgewandt haben soll, um die maß­gebenden Persönlichkeiten der persischen Regierung für sich zu gewinnen.Royal Datch Shell Company" hatte sich seinerzeit ebenfalls um die Konzession beworben, ohne jedoch angesichts der englanfefeindlichen Haltung feer Perser darin bat geringsten Erfolg zu haben.

Dsr Alis auf Topper.

Roman von Hanns von Zobeltih.

15. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Krusemark nickte.Zst vor der Zeit alt und grämlich geworden, unser Herr. Der Medikus hat auch allerhand Besorgnisse, im Vertrauen gesagt. Als er neulich zur Ader lieb, sei das Blut gar zu dick gewesen. Das gibt Melancholie. AlleS nimmt b:r Herr dreifach schwer, macht sich Gedanken, wo er ehedem leicht darüber weg kam. Dab feie Russen in Berlin gewesen und feie Oester- reicher, feab sie seine schönen teuren Antiken in Ch.trwctendurg zerschlagen haben, er kann's nicht verwinden."

He, Zunker, mein Licht hat einen RäuberI" rief feer graue Hülsen.Wo steckt Er denn mit feer Schere?" Und dann fuhr er verdrießlich fort: Nichts mchr kann man Seiner Majestät recht machen. Gestern hat er mir über mein Regiment Reprochen gemacht ich mag'd gar nicht wieder­holen. Zch hätt' mein Metier verlernt, die Bursche hatten nicht- Disziplin, nicht Subordination, seien verloddert wie feie Pack knechte. Ze nun wir wissens ja alle, die alten sind's nicht mehr, ift junges Gelump, und die Leutnants sein kaum trocken hinter den Ohven. Aber bis dato haben sie doch immer noch angebissen. Wollt' sie auch bringen, die Himmelhunde! Sollen schon beißen! Drauf trink' ich, Messieurs!" und er teerte sein Paßglas in einem Zuge.

Eine Weile war's still im Kreise.

Satz da auch der Oberleutnant von Möllen­dorf im Kreise, stieb aus seiner Tonpfeife mäch- tiee Wolken, fad nachdenklich vor sich hin, meinte

endlich:3a, wo liegen beim feie alten, guten? Auf feen Schlachtfeldern. Wir aber ziehen nun seit langen Zähren im Lande herum, bald in Schlesien, bald in Sachsen, bald in der Mark und sonstwo noch, von Bataille zu Bataille. Zst ja recht so für ein Soldatenherz. Aber die Armee muß schlechter werden von Zahr zu Zahr. Das sieht der Herr, das alles sieht er, und das drückt ihm das Herz ab.

Zst nicht nur das, Messieurs," nahm der alte Eicher wieder das Wort.Zst auch dis grobe Politik. Dab keine von den Puissancen sich von der Koalition gegen Preußen abbeque­men will, dab sie zusanrnverchrlten wie die Kletten. Dabei haben Seine Majestät ihren Sinn für sich. Da steht nichts vom kleinsten Rachgeben drin, nicht um einen Fub breit preußischen Bodens."

Pfui Spinne!" rief Hülsen.Lieber der letzte Mann und feer letzte Täler!"

Das sagen feer Herr General so." Das Blut war Gichter in die Stirn geschossen.Zch bin gewiblich Seiner Majestät getreuester Diener und ein guter Preuße ba^u. Aber man sieht doch bas Land geht ins Verderben, da fehlt denn am End' auch der letzte Taler. Kann oft favo- rabter sein, Chirurgus schneidet ein Glied ab, um feen ganzen Korpus zu retten. So mag auch ein Monarch schweren Herzens ein Teilchen opfern, Somit bas Ganze gewahrt bleibt. Also meine bescheidene Opinron. Auch steh' ich Wohl nicht allein damit. Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich par exemple dürften ganz ähnliche Sen­timents haben

Der Prinz! Sie kannten ihn. Den vorsich­tigen Feldherrn, der nie einen groben Fehler machte, immer fein säuberlich abwog, was zu tun

Buntes Allerlei.

Das Leichenfloß.

Das in Hanoi) erscheinende BlattFvcmce- Zndochine" erzählt von einem furchtbaren Fund, feen ein Zollwächter vor kurzem machte. Auf dem Flub Song Kau sah er bei dem Oertchen Dac Rinh in der Strömung, tangfam zwei Floße aus Bambus heruntergleiten, auf denen die Leich­name einer jungen Frau und eines Manires zu­sammengebunden waren. Der Zollbeamte rief die Bewohner des Dorfes zusammen, um die Floße aufzuhalten und ihre grausige Last ans Land zu holen. Aber alle weigerten sich, Hand anzu­legen, und es fluteten die beiden Leichen weiter den Flub hinab. Dieses Erlebnis, sagt bas Blatt, ist ein B^>eis dafür, baß der alte Brauch der Rache des Ehemannes noch unter der Be­völkerung des oberen Dvngking besteht. Danach hat der betrogene Gatte, der seine Frau mit einem QHaime ertappt, das Recht, feie beiden Schuldigen lebendig auf Floße zu binden und sie bann den Fluß heruntertreiben zu lassen. Riemand darf feen also Bestraften Hilfe bringen, und auch wenn sie bereits tot sind, inub man feie Leiche weiter treiben lassen als Warnung für alle die, die versuchen foimtert, die Ehe zu brechen.

Der philosophische Straßenkehrer.

Daniel O'Brien, der philosophische Straßen­kehrer der Stadt Westminster, ist eine der ge» feiertften Persönlichkeiten feer Londoner Gesät- schäft. Kürzlich war er als Gast zur Hochzeit der Lady Ursula Grosvonor geladen, und jedermann wollte seine geistvolle Unterhaltung genießen. Die­ser merkwürdige Straßenkehrer, her seit ferei» undzwanzig Zähren sein Amt bei Sturm and Regen ausübt, fjat sich in dieser Zeit zugleich eine bedeutende Bildung erworben. Er besitzt eine Bibliothek von 2000 Bänden, die er auch gelesen hat, was man von manchen Bibliothekbesihem, die keine Straßenkehrer sind, nicht sagen fentn. Durch weite Reisen hat er seinen Gesichtskreis ausgedehnt und steht mit vielen bedeutenden Män­nern im Briefwechsel.Zch wählte den Beruf des Straßenkehrers, weil ich gern in freier Lust sein wollte," gestand er kürzlich einem Bericht­erstatter,und ich habe diese Wahl nie berent. Zch konnte ein Geben führen, wie ich es mir wünschte, und mir eine Ausbildung verschaffen, feie mich befriedigt und meinem Dasein einen Sinn verleiht. Die Aufmerksamkeit, die neuerdings auf mich gelenkt wurde, ist mir sehr unerwünscht. Zch Verlange nicht nach Geld und Gut, sondern ich bin 5ufriefeen bei meiner Arbeit und meinem Studium. Als ich voriges Zahr in Oxford Vorlesungen hören durfte, war mir das mehr wert, als viel Gelb. Wenn ich einmal das ©trabenfegen aufgebe, so habe ich genug gelernt, um andere etwas lehren zu können."

Dürre und Uederschwemmung in Indien.

Das südliche Znbien ist gegenwärtig etn Land der tragischsten Gegensätze. Zm nördlichen Teil der Provinz Madras herrscht Hungersnot infolge der anhaltenden Dürre, und es müssen große Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden, um das Volk vor der altergrößten Rot zu retten. Zn den süd­lichen und westlichen Teilen aber sind weite Ge­biete durch Ueberckchwemmungen verwüstet. Der Verkehr ist unterbrochen. Gegen 250 Kilometer Schienenweg sind weggewaschen, so daß die Eisen- Daunen nicht fahren können. Auch feie telegraphische Verbindung ist unterbrochen, und die Regierung ist über die ganze Ausdehnung feer Schäden noch gar nicht unterrichtet. Dabei kommen aus diesen Gebieten immerfort bringende Hilferufe, man möge der abgeschnittenen und des Rotdürftigflen beraubten Bevölkerung Rettung bringen. Der Gouverneur des Gebietes Lord Goschen ist selbst in das Ueberschwemmungsgebiet abgereist und bemüht sich aus anderen Tellen Indiens Vorräte heranzuschaffen.

Mondscheinbäder.

Wer es ermöglichen kann, begibt sich heute in die Bäder. See-, Luft, Licht- und Sonnenbäder genügen anscheinend nicht mehr. Denn in Amerika ist irgendein geschäftskundiger Mann auf den Ge­danken gekommen, Mondscheinbäder zu empfehlen, da das sanfte Mondlicht, die friedliche Stille und die erfrischende Kühle der Nacht auf das ange­griffene Nervensystem des neuzeitlichen Menschen einen besonders wohllätigen Einfluß ausüben soll. Namentlich an der Meeresküste sott der Mond, dessen Strahlen so vielen Menschen gerade das Gegenteil von Beruhigung bringen, das beste Heilmittel gegen Leiden sein. Man braucht nur genügend findig zu sein, um schnell etn reicher Mann zu werden: und dieses Ziel wird unzweifel­haft dieser tüchtige Seelenarzt erreichen, wenn er sich die Kurkosten hoch genug bezahlen läßt. Man kann mir wünschen, daß sich die Kurgäste bei den Mondscheinbädern keinen Schnupfen holen.

DieKinder-Ablage".

DerKinberwagen-Korribor" ist em Raum, der in keinem großen amerikanischen Warenhaus fehlen darf. Sehr wenige Amerikanerinnen haben

und zu lassen, feer aber auch ungern eine blutige Schlacht schlug. Den Prinzen Hendrich, wie ihn feie Bursche nannten, feer immer in her Fronde stand mit dem königlichen Bruder. Sie schwiegen alle. Der Hülsen drehte an seinem Glase. Möllen- feorff dampfte. Wie schwerer Druck lag es auf ihnen.

Ganz still hatte bislang feer Lentulus ge­sessen. Manchmal in ernstem Sinnen, manchmal vor sich hinlächelnd.

Zetzt sprang er so jach hoch, mitten in ihr bedrücktes Schweigen, hinein, baß sie erstaunt auf» schauten. Reckte seine lange Gestalt und rief: Wollen sich feie Herren haft nit feen Kopf zer­brechen! Lassen's nur Seine Majestät sorgen! Was gilt? Eine siegreiche Bataille gilt's!" Er hob sein Glas.Dive le roi! Vivat Fridericus Rex!"

UndVivat Frütericus!" jubelten sie alle. Vivat unser großer König!" Der Hülsen aber fiel Lentulus um den Hals.Muh dich küssen, Drüber!" Hast feen Alb von uns genommen. Wenn feer Alte auch gesagt, ich verstünd mein Metier nicht: durch dick und dünn geh' ich für ihn I Wcrfe's beweisen! Vivat Fridericus Magnus I"

* * *

Mit schwerem Kopf ist feer Zabeltitz die dunk­len Stiegen hinauf in sein Kämmerlein geklettert. Ging ihin alles drunter und drüber. Was er da unten gehört, Gutes und Böses, und dazu die traurigen, elenden Nachrichten von zu Hause.

Der Pirch war noch nicht ba. Vielleicht ar­beitete feer König wie oft bis tief in feie Nacht hinein und dachte gar nicht an> ben müden Pagen, feem im Vorzimmer feie Augen zufallen wollten. Vielleicht war Monsieur Pirch auch auf trgenb»

Pflegerinnen oder Mädchen für ihre 'Babys, denn Dienstboten sind ein kostspieliger LuxaS, feen sich in ben Vereinigten Staaten nur ganz reiche Leute leisten können. Die jungen Mütter müssen also ihre Kleinen mit sich nehmen, wenn sie ausgehen, mb sie machen daher auch ihre meisten Besorgungen, indem sie den Kinderwagen nntführen. Die Warenhäuser haben nun für eine Kinder-Ablage" gesorgt, in der die Babys sicher und unter hygienisch einwandfreien Bedingungen untergebracht werden. DerKinderwagen-Kor» rifeor" befindet sich auf der Sonnenseite fees Warenhauses und wird von einemkinderlieben" Wärter betreut, der ben Müttern, feie ihre Be­sorgungen machen wollen, ben Wagen abnimmt Er gibt der Mutter einen Garderobenschein, aif feem sie bas Kind mit dem Wagen wieder» bekommt, und sorgt bann zärtlich für seine kleinen Schützlinge. Für feie größeren Kinder haben ver­schiedene Warenhäuser in ne lefter Zeit Dach- Gärten eingerichtet, auf denen sie spielen können und in denen sich feie herrlichsten Spielzeige und Turngeräte befinden. Zn feer Nähe dieser Kinder­spielplätze ist die Station für erste Hilfe, in iber geprüfte Pflegerinnen bei plötzlichen Unfällen sofort zur Hand sind.

Büchertisch.

Die ZeitschriftU e b e r f e e v st", Leip­zig, Veickag Z. Z. Arn b, gibt eine neue Sonder- Ausgabe heraus, feie die Aufgabe hat, deutsche Exporteure und Zndustrielle über die Wirtschaft und Technik fees Auslandes zu unterrichten. Das Zuliheft enthält eine illustrierte Darstellung der Ausstellung in Wembley und Hinweise, feie für ' den deutschen Besucher der Ausstellung nützlich sind. Zm übrigen entspricht der Znhalt feem Pro­gramm: er enthält interessante wirtschaftliche Mit­teilungen aus aller Welt und Referate aus tech­nischen Zeitschriften des Auslandes.

Dr. L. F. Clauß: Nordische G lau- bensgestaltung. Erschienen als Sonderdruck feer MonatsschriftDeutschlands Erneuerung", Z. F. Lehmanns Verlag, München. Einzelpreis 0,60 Mark. Es soll nicht heißen zurück zum Heiden­tum, sondern im Gegenteil zurück zum wahren Christentum, wie es Zesus geschaffen hat. Der Verfasser zeigt uns feen Geist des nordischen Glau­bens, wie er in Christus verkörpert war und zum Ausdruck kam und in ben berufenen Trägern eines wahrhaft christlichen Glaubens bewußt oder un­bewußt lebt oder ersehnt wird.

Die Astrologie ist der Schlüssel zur Geistesgeschichte der Menschheit. Will man die Astrologie begreifen und ihren Wert und Unwert beurteilen lernen, so maß man ihre geistesgeschichtliche Entstehung betrachten und sich mit den Grundzügen des modernen astrono­mischen Weltbildes vertraut machen. Diesen Zweck will ein soeben bei feer Franckh'schen Verlags- Handlung in Stuttgart erschienenes Buchteln Werden und Wesen feer Astrologie" von Robert Henseling (Preis geh. 1,20 M., geb. 2 Mk.) bienen, und zwar in einer Weise, wie es bisher noch kein Werk versuchte. Bei aller Kürze und Verständlichkeit feer Darstellung sieht der Leser doch auch das astrologische Weltbill» und System in einer geistesgeschichtlichen Notwen­digkeit und Macht vor sich aufwachsen.

Knut Hamsun: Gesammelte Werke. Sechster Band. Herausgegeben von Z. @anfe­rne i er. Preis geheftet 5 Mk., in Ganzleinen geb. 10 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Der vorliegende sechste Dcmfe von Knut Hamsuns Gesammelten Werten enthält feie stimmungsvollen und mit seinem Humor gesättig­ten Reis^ilfeer aus Kaukasien und der Türkei sowie den meisterhaft erzählten RomanKinder ihrer Zeit". Hamsun durchguert als hochgemuter Poet mit Lachenden Augen jenes Land, in feem das Märchen zur Wirklichkeit geworden scheint. Zn anschaulichem, lebendigem Stil beschreibt -er seine Reise von Petersburg bis zum Schwarzen Meer, viel Erlebtes und viel Erträumtes mit entzückendem Humor zu einem künstlerisch Ein­heitlichen verbindend. Zn den Reisebildern aus der Türkei erzählt bet geniale Dichter nordisch- schlicht, wie er feen Orient gesehen und erlebt hat. Alles echt, greifbar, wahr. Zn dem RomanKin­der ihrer -Seit schildert Hamsun in den verfloch­tenen Schicksalen einer alten, absterbenden Groß- grundbesitzerfamille und eines Emporkömmlings (eine Verkörperung des Znfeustrialismus) feie Menschen einer Uebergangszeit. Der Roman lebt vom Unausgesprochenen: er ist ganz mit Silber» stift geschrieben, eine Zeichnung aus feinstem Strich.

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einer seiner Suiten, hatte etn niedliches Demoi- sellchen zum Karessieren gefunden. Es gab solcher gewiß auch hier. Es gab immer welche, man brauchte nicht mal viel zu suchen.

Ganz wirr war er. Da war feer Sgid, und da war der Herr Großvater. Und fea war der König. Unb ba stand Lentulus und rief Vivat, Da war feer Magister. Hatte ber ihm nicht noch auf bie Seele gebunden, zu allerletzt: vergiß bein Abendgebet nicht. Der Gute, wenn er wüßte. Vielleicht weinte die Frau Mutter auch barum so. Und jetzt war mit einem Male die Frau Pfarrer da, bie kleine zerbrechliche, und neben ihr Ruth

Ruch! Za. . . Ruch. Liebe, liebe Ruth! Aber helfen kann ich dir nicht. Das ist nun mal nicht anders im Feldlager, heute hier, morgen dort, und immer und überall bie hübschen Denroi- sellen, die sich so arg um einen Pagen Seiner Majestät haben. Da widersteh einer, so er erst mal Blut geleckt hat.

Wer wöhl feen Sermon an ben Gräbern in Topper gehalten haben mag?

Da hätt' mein lieber Cajetan Grolich neben sollen. Der versteht's. Der würd' vom Vetter Cgid als bem Starken gesprochen haben unb vom Magister als dem friedfertigen Helden, daß die Herzen gebebt. Hätt' auf gerichtet dabei unb ge­tröstet. Mein lieber Cajetan . . . bist immer noch bös mit mir, seit bu mich in Breslau mit bei Käte, Katrin, Katinka gesehen, auf der Straßen, Arm in Arm? Za, mein lieber Cajetan, recht hast schon. Aber warum sind bie Demoiselles auch so verflucht hübsch und zutulich. Da wehr' sich einer

(Fortsetzung folgt.)