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18.8.1924
 
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Montag 18. August 1924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Tberheffen)

Zweites Statt

Rr. 139

Aus dem Reiche der Frau

Die Flucht aus der Ehe

der Rücknahme ihrer Verwaltungen rn den be- sehten Gebieten in der Lage zu sein, dort alles wieder in den richtigen Gang zu bringen. Soweit diese Betriebsmittel im laufenden Betrieb nicht erforderlich sind, sind sie der Wirtschaft im Ein­vernehmen mit der Reichsbank und großenteils durch deren Hand wiederum zur Verfügung ge­stellt worden. Von einer Thesaurierung kann also hier nicht die Rede sein.

Was die Ansammlung von Devisen bei der Reichsbank anlangt, so übersieht die Kritik vielfach, daß bei dem Llebergang der Geschäfte Ker deutschen Währungsbank auf die neue Gold- jwtenbank die Reichsbank verpflichtet sein wird, Ke im Iahre 1923 in den Verkehr gebrachten

augenblickliche, verKveifelte geschäftliche Lage darf nicht dazu führen, die Reichsftnanzwrrtschast zu Anrecht in den Ruf derPlusmacherei auf Kosten der Wirtschaft zu bringen. Don ^r Auf­rechterhaltung des Gleichgewichts der Relchssinan- zen hängt auch heute noch die Aufrechterhaltung der deutschen Währung und damit schlechterdings Leben und Sterben des überwiegenden Dmlc^ des deutschen Volkes ab. Die deutsche Wirtschaft

Dollarschahanweisungen einzulösen und deshalb genötigt ist, dementsprechende Beträge in De­visen zu diesem Zweck bereitzu stellen. Denn auch diese Devisen nicht in der Wirtschaft umlaufen, so zirkulieren dafür die gleichwertigen Dvllar- schahanwetzungen. Es kann also auch hier keines­wegs von einer Lhesaurierungspolitik gesprochen werden.

Die Deurrruhtgung der Wirtschaft über die

Das drastische Dolkswort, das die Ehe mit einer Mausefalle vergleicht, in die Ehelustige nicht rasch genug hinein und wenn drin, nicht rasch genug herauskvnrmen können, scheint durch die zunehmenden Ehescheidungen unserer ^age ganz besonders bekräftigt zu werden. Die lehte Sta­tistik die Anfag Iuli ds. Is. erschien, gibt darüber geradezu erschreckende Auskunft. Erschreckend in» sofern, als bei der noch immer nicht sinkenden Eheschlietzungsziffer, angesichts dieser Statistik des Rcichsamtes, von vornherein mit einer späteren Scheidung eines grvhen Prozentsatzes dieser Ehen gerechnet werden muh. .

Den Dolkswirtschafller wie Volksfreund gtei- chermahen muh diese Tatsache mit schwersten Be­denken um das ungehinderte Gedeihen unseres Volkes erfüllen. Richt nur, dah ungezählte frohe Hoffnungen beider Eheschliehenden ost für immer vernichtet und dadurch wertvolle scelrsche Kräfte und Energien bei beiden Geschlechtern zwecklos vergeudet werden, sondern auch im Hinblick aus die Kinder aus diesen Ehen. Selbst bei gröhter Schonung durch eine liebevolle Mutter oder Am- solchen Vater wird doch nicht gänzlich verhütet werden können, dah ihrem noch kindlich unreifen Verständnis Kenntnis von Dingen vermittelt wird, , die weit über ihr Begriffsvermögen h,nausgehen

Die Sehnsucht nach langem Haar

Der Bubikopf ist auf den Aussterbeetat gesetzt. So groh noch vor kurzem Derlangmi deo Modedame war, in einer möglichst kurzaeschnMe- nen Frisur zu prangen, so herh ist seht die Sehn- such dieser selben Damen, den Schmuck ihrer langen Haare wieder zu erlangen. Paris^ Haarkünstler plaudert in einem französischen JHmtc aus, dah die Modedamen von dem kurzen Haar nichts mehr wissen wollen, und dieselbe Entwick­lung vollzieht sich in den anderen Landern: nmn sehnt sich nach der wallenden LoKn^^^.,^ eben noch so gering cMete.

zahlt der Figaro,haben sich entschlossen, chre Töchter während der Sommermonate in der stillen Einsamkeit eines LandaufenthZltcs zu bewahren, damit sie nicht durch ihre aus der Mode gekom- menen Bubiköpfe unliebsam auffallen. Die also den Freuden der Geselligkeit entrissene Schone gibt sich während dieser Zeit ganz k^r ebenso <m- strengenden wie spannenden Beschastigimg hin, chr Haar möglichst wachsen zu lassen. TaMgltch be- trachten sie die Fortschritte, die ihr Haarwuchs macht, und sparen nicht an Mitteln, um thn zu beschleunigen. In der Zeit, in der das Haar halb- lang ist, ist es so schwer zu frisieren und srehtso hählich aus, dah die Dame sich rn dieser fassung wirklich vor ihren Vevchlrern nicht lassen kann. Alle Hoffnung wird auf den^E gefetzt. Da soll das Haar svwett fern, dah es wieder feiner Trägerin als Schmuck ment

barl überzeugt feta. Sah bei 2nk^ttl<chang internationalen Gutachtens m schneller .w Abbau der Fracht entariic und eine Rcugestaltimg des Steuersystems möglich wurde wenn die wich­tigsten, steuerkräftigsten und verkehrspolitiich er- qiebigsten Gästete des Reiches wieder m den Kreislauf der deutschen GütererZeugung und des deutschen Verkehrs eintreten könnten.

teren Damen fühlen, dah sie nun wieder ehren Lebensinhalt haben, und die jungen i>erzichten auf Tanzen und Tennisspielen. wenn sie in emer Wählerversammlnng sprechen können. Die Blatter veröffentlichen Ratschlage für das beste Auf­treten der politischen Frau, solche Gebote lauten r B Benutze nie eine politische Versammlung, um Deine besten Kleider zu zeigen. - Ziehe Dich nicht wie eine Zirkusreilerin an und trage kerne Perlenketten um den Hals, mit denen Derne Finger beim Sprechen spielen. Trageemen möglichst kleinen Hut. denn die grohen Zedern wirken komisch bei heftigen Kopfbewequngem - Sprich nicht zu der ersten Reihe sondern halte die Augen auf die hinteren gerichtet. Lies kerne Rede ab, sondern lerne sie auswendig.

Kauz,in der Welt behält der recht, der am lautesten schreit." ~ n

Warum singt denn die kleine Rachttgall nicht" mehr?" fragte der Wind rn der nächsten Rächt. Da erzählten ihm die Baume, was sie gestern abend erlebt.

Ola warte," sagte der Wind,dem Kauz will ich es besorgen." ...

Haltet euch fest," rief er den Daumen decke ^ine Zweige, Fliederstrauch, über das Rest der kleinen Rachttgall."

And mit Brausen brach er hervor. Die Baume sausten die weihen Fliederblüten neigten sich, der uralte Turm ächzte, stöhnte.So mag ich es gern," krächzte der Kauz. Merals er Mrade aus seinem Gemäuer hervorkriechen wollte, um Lyjp xu singen, gab es einen Krach, der Satte Turm stürzte zus ammen. Schreimd entfloh der Kauz, fort über den Fluh, fern in dm Wald.

Run kann ich aufhören, sagte der Wmd und "duckte sich hinter die Hecke.

Die Vacht ward sttll und llar. Die N^er- blüten richteten sich auf Die Däume lauschtem. Auf dem blühendsten Zweige sah die kleine Rachtigall und sang ihr* Lied!

RaimundsVerschwender" in Esperanto.

Aus Wien wird uns geschrieben: Ueberall flattern jetzt die grünen Esperanto-Fahnen. Der Weltkon greh der Esperan list in dieser Stadt und ein Hauch von Weltversoh- nung und Weltverständigung weht vom Kahlm- berg Zamenhofs Erfindung wirit wie eine ^Wendigkeit, wie Selbstverständliches, langst Sg Gebetenes. Die Wiener Strahlungen radebrechen cspercmtistffch, haben ihreHetz an

Die Kunst.

Don Lisa Honroth-Loews.

Der alte Turm stand dicht am Flusse Zu fenwn Füßen breiteten sich Hecken von wildem Flieder. In ihnen nistete die Rachtigall.

Allabmdlich. wmn die silberne Kühle vom Flusse heraufzag und die Rächt mit gönnen Augen durch die Bäume am Wasser hindurchsah, begann die Rachtigall zu singen: berauscht vom Duste des weihblühenden Fliederstrauches, be­rauscht von Wärme. Frühling und Sttmennachb 6te sang und ihr Lied floh über das Wasser ** Ota^gan/- flirte £r

WsiLerstrauch und deckte seine weihen, dustendm Dolden über sie. .,,

Singe, Heine Rachtigall, rauschten bu Daumesinge uns dein Lied. Wir kennen dm Gesang' all der bunten Vögel, die am ^age über uns Einfliegen und in unserm Zweigen >voMM- Run aber schlafen sie alle. Rur deine suhe Stimme durchströmt die Rächt. Singe, kleine Rach­tigall. Und unsere Zweige sollen nur leise atmen, damit wir deinen ©cfang nicht stören."

Singe, Heine Rachtigall," sagte der Wim> hinter der Hecke.Siehe, ich fahre durch alle Lande, ich kenne den Ruf der Wüstenvögel und die goldei»m Kolibris im Urwalde. Aber nichts liebe ich so M>r, wie deine silberne Stimme in der kLacht.

Was für ein Getue," sagte krächzend der Zdauz, der im Turm über dem Fliedergebusch triftete,welch ein Getue um so etn biß-chen Stimme. Wenn es noch etwas Besonderes wäre. Ober das ist ja ein solches Gepiepse, dah sogar lDje Bäume nicht einmal rauschen dürfen, nur

Für die Küche.

Gefüllte Kartvf selrr FwrstgiMe Ltt- toffein werden mit einem Kuchenlosfel ausge^M wITmit folgender Maste «riütrt. Z^sich-n wrich- gedünstete Zwiebeln gibt prika geriebene Semmel, Petersilie, etwas Mus tat und seht dann die gefüllten Äartoffetn neben- einander in einen Tiegel in dsn «ta- viertel mit Wasser b^ech, langsinn weich ftedM läht. Dann hebt man sie hemuS, bereitet von v«: Brühe eine kräftige S^fsohe undri^et buK um die Kartoffeln gegossen, mit d^n an. Dieses Gericht schmeckt bei sorgsamem Abwürzrn öte ein Fleischgericht. . .. ..

Bayerischer Kuchenmichel mit Heidelbeeren. V2 Psirnd MAI, 2 0^

eine Prise geriebene Muskatnuß, zwei Eßlöffel heiß ausgelösten Sühstofs, einen gE^Henen Tee­löffel Backpulver und Vs Liler Milch ve^uirlt man zu dicklichem Teig, den man in eine gefettete Auflaufsoim gießt. Run füllt EV^Pfund ge> lesene gewaschene und gu^ abgetropfte Heidel beeren hinein und läht den Kuchenmichelb« guter- Oberhitze V. Stunde backen. Gr schnackt warm und kalt gleich vorzüglich and gibt mit emer gebundenen Suppe vorweg, eine sättigende nahr­hafte Mahlzeit. ..... n.lf

Gebräuntes Hammelfleisch a Schweizer Art. Das im Spätsommer gaiy besonders saftige Hammelfleisch kocht man mit reichlich Wurzelwerk, dem nötigen Salz und eurem Teelöffel Appels verdickter Würze weich. Das entbeinte Fleisch wird ur Slmchmahige SttiÄ geschnitten, mit etwas Milch befeuchtet, w Semmelmehl gewendet und von allen werten mit Fett angebraten. Das Kochwasser gibt man untei ganz steif und trocken, nur nnt Wasser ausge* aucltenem Reis, daß es ein dickliches Gemüse wird und reicht Fleisch -und Reis mit Tomaten- sohe. _ _

einer grausamen Vergewaltigung ihres südlichen Platt zu romanisch ungewohntem Vokalreich tum. Da und dort steht irgendeine Veranstaltung im Zeichen des grünen Esperantosterne^ Die inter­essanteste aber war doch die Aufführung des lieben alten Raimundschen Wener DolkSstuckes in der Esperantensprache.La Malspcurulv heißt

Der Verschwender" in der Weltsprache. Es wcw sesielnd das Lautbild der Weltsprache auf sich wirken 'zu lassen. Da stellte sich vor allem heraus, dah Esperanto nicht von Dialektbefangenheit be­freit Manchem Wiener Schauspieler sah. auch wenn sie sich esperanttstisch gebärdeten, der Wiener Dialektschelm im Genick, ein anderer Dar­steller kam auch auf den Flügeln Zamenhofs nicht aus der Enge seiner tschechischen wprach- heimat hinaus. Gin schönes, reines Esperanto sprach nur die Darstellerin der Fee Eheriltane Frau Starke-Overbeck, die eigentliu) aus machen stammt und also sicherlich mit Dlal eit Hemmun­gen beschwert sein müßte. Die cttuttsche win, el- lung die man bald zu dem frembartig Elmgen* . den Text gewami. ließ alle Dialettabßchittie- rungen grell in den Vordergrund treten, uno das berühmte Hobellied, mit dem AnfangDa streiten sich die Leut herum" klang sehr wienerisch, mcch e die ^ebersetzung auch in die flüssig unwnui schen Worte gegossen fein: »Dis Putas vcl feftc son fin / Da homvj inter si Stt>lt:g as recepw« sin / Kai mem ne seias Pli.' F wt rrle-Qver

deck hat übrigens schon in Rurnberg zum vor jährigen Kongreß die Sifsiih im ,Rathanta sag uls" gespielt. Sie ist begeiferte Anhän­gerin der We Zamenhofs und dient ihr m^r : Welt. In drei Monaten har sie Die Owache

: vollkommen erlernt. Ihre Kunst ^d orel zur

: Propagierung des Esperanto und seiner welv l umspannenden Idee 6eitragen.

damit man « hört.

Mek arohe Künstlerin. Ein bißchen DKnd, em bißchen^Regen, schon ist sie stumm. Die anÖCTn wemi es auch mit d^en Gesang nicht weit her ist, sie singen doch waiigsens am Saae wie es sich g5>ort, und schweigen De? Rachts. wenn unsereins singt. Diese

Rachtigall aber muß mit mir Wettlingen, brauche ich Fliederduft und Mondesglanz? sÄs

daß der Wind sich versteckt und die Zweige still find? Ich bin doch aus anderem Material. Ie

ÄS Em'Ä

Rächt hineinschallte.

Sei sttll du abscheulicher Kauz! sagten me Bäume, verscheuche uns nicht die kleineRach- ttgall. Ist es nicht genug. dah du uns im Herbste die Ohren vollschreist? Sei sttll und laß die Rachttgall singen."

Warum soll ich still fein." s^.^?auz höhnisch,sie kann ja mit nur wettesingen.

Ich glaube, unsere Stimmen paffen nicht ganz zueinander," meinte

Rachtigallwomit ich aber keineswe^ Ihre Kunst herrschen will- Rur. .^?^^^so bedenken wollen, ich fti^e ja ohnehin nur fo kurze Zeit. Bald brüte ich, und dann ist es aus Sie aber geben, soviel nur begannt üt, das ganze Jahr hindurch Konzerte, ©onnen Sie nur, ich bitte herzlich, diese weniger warmen 2kachte. Ülnd sie begann wiedermn ihr Lied.

Der Kauz statt aller Antwort, sperrte seinen Schnabel auf' und schrie fteittsiHlich, DochtigaN Sitten* un

Die A>nkurrenz bin ich los. daa,m der

wird, völlig wahren.

Die amerikanische Frau im Wahlkamps.

Die Amerikanerin spielt in dem bevorstehen­den Wahlkampf um die Präsidentschaft mre her­vorragende Rolle: sie dürfte die Gnffchellnrng bringen, wenn auch nicht als Wähler, so doch als Wahlagttatvrin. Die Amerikanerm hat sehr viel mehr Zett für Politik als der Mann. Ist sie reich, so hat sie alle anderen Vergnügun­gen und Sensattonen erschöpft und stürzt sich mit Leidenschaft in die Aeberraschungen und Auf­regungen einer Wahlkampagne. Gehört sie der Mittelklaffe an, so hat sie auch nicht viel rm Haushalt zu tun, da die arbeitsparenden Me­thoden in Küche un£> Wohnung durchgefuhrt snw. Der amerikamsche Mann dagegen hat wenig Zeit für die Polittk, und wenn er tagsüber von i/g9 morgens bis 6 ülhr abends gearbeitet hat, dann will er seine Ruhe haben und kümmert sich wenig darum, wer Präsident wird. Die Ameri­kanerin hat daher auch ihre eigenen politischen Ideale und läßt sich von dem Manne wenig beeinflußen. Die Frauen der republikanischen wie der demvkvattschen Partei lassen sich als Redne­rinnen ausbilden, und es ist ihre liebste Be- schäfttgung, im eleganten Kraftwagen von Wähler zu Wähler zu fahren und sie mit allen Mitteln her Verführung von den Vorzügen ihrer Partrn zu überzeugen. Diese Polittkerinnen laden sich zu Tees und Versammlungen ein, bei denen eifrig gestritten wttd: sie werfen unzählige Flugblätter und Aufrufe auf den Straßen ab und suchen alles in das politische Fieber hineinzureißen. Die äl°

Bei eingehendem Studium dieser Zahlen ist nun leicht festzustellen, daß die dichtbevölkerten und sozial besonders unyünsttge, wirtschaftliche Verhältnisse aufweisenden Länder auch die tvch- sten Prozentsätze der Eh.'scheidungslustigen stellen. Wie überhaupt die ungünstigen wirischaMichen Derhälwisse, obenan die entsetzliche Wvhnungs- nvt, unzweifelhaft die Hailpttriebseder für Die Mehrzahl aller Ehescheidungm bilden. Richt ener­gisch genug können deshalb alle interessierien Kreise unseres Dolles, allem voran die großen Frauenvereinigungen, darauf bringen, daß Dietern Grundübel duvch ein großzügiges Wohnungsbau­programm, unter Heranziehung aller nur irgend­wie verfügbaren Mtttel, in absehbarer Zeit ein Ende bereitet wird. ®-

Der männliche Einschlag in der kommenden Herbstmode.

Die Mode wird strenger mit jedem Tag, man "weih nicht, was noch werden mag, Jo mochte man bezüglich der Herbstneuheiten, Die die Mode den Frauen zugedacht hat, das bekannte Fruh- lingslied variieren. Es tritt immer auffälliger in Erscheinung, daß die Frauenkleidung in öuneb- mendem Maße einen männlichen Einschlag erhalt. Die Sportkleidung, die aus praktischen Grarnden knapp, streng unb zweckmäßig ausgestattet ist, scheint Derartigen Anklang bei der Frauenwelt ge­funden zu haben, daß sich nun die Modeschöpfer beeilen, auch der gesamten anderen Kleidung Dicfc Linie zu verleihen. Sakkvjacken von mäßi^rWeite. mit 4 Taschen am Vorderteil, zwei am Schoß, zwei rechts und links auf der Brust, Reverskragen nnt doppeltreihigem Schluß des Vorderteils, ch^nrsett- arttge Westeneinsähe mit Umleg tragen, gebausch­tem Plastron oder schmal und exatt verschlungenem Dindeschlips, flotte Armfchleifchen, ja selbst Man­schetten, herrenmäßig zufammengeknopft mit unb ohne Umschlag und schließlich als eigenartigste unter allen Reuheiten: ein zhlrnderarttger, seiden- glänzender Herbsthut, vervollständigt die knapp anliegende, ganz herrenmähig gehaltene Herbst- Strahenkleidirng der Frauenwelt, an ber Deretnjelt sogar der Rock zweiteilig gearbeitet ist. also rohren- artig wie ein recht unförmiges Beinkleid je ein Dein umkleidet, vom Rücken her jedoch durch eine breit ftolaartig herabfallende Rockbahn am Saum durch Dieiplomben beschwert, gedeckt wird. Da­durch will die Mode etncrfeitS bei knapftem, völlig korrektem Sitz, der Trägerin die erwünschte Bewe­gungsfreiheit verschaffen, dabei aber auch die ge- rade korrekte Linie, die auch im Herbst vorherrschen

Der Stand der Reichsfinanzen.

Von unterrichteter Sette wird uns fol­gendes geschrieben:

In gewiffen Kreisen der Wirtschaft wttd ge­flissentlich die Meinung verbreitet, als ob das -Reid) im Gelbe schwömme und burch eine rigorose Anziehung Der Steuer- unb der Tarifschraube das Betriebskapital der Privatwirtschaft abzapfe, wäh­rend es in den eigenen Kassen über Gebühr flüssige Mtttel ansiunmle.

i Die auherorbeiitlich hohe Belastung der Wtttschaft durch Steuern und tarifliche Gebüh­ren der Derkehrsinstttute ist gewiß nicht zu be­streiten: sie ist auch auf die längere Dauer nicht tragbar und das gerade ist ja einer Der wichtig- ftea Gründe, der uns gezwungen hat. auf den Bo­den des Sachverständigen-Gutachtens zu treten, da Jrie deutsche Wirtschaft und das Deutsche Reich unter der Fortdauer des gegenwärtigen Kriegs­zustandes an Rhein und Ruhr überhaupt nicht weiterbestehen können. Die Meinung aber, daß dem Reich überflüssige Geldbeträge zur Ver­fügung stehen, ist irrig. Bei den letzten Verhand­lungen über die Verbesserung der sozialen Ver­sicherungen und Beamtengehälter hat der Reichs- sincmzminffter im Haushaltunge<iusschuh des »Reichstags den schlüffigen Beweis geführt, dah durch Die erfolgten Bewilligungen fänttliche im Deichs haushalt verfügbaren Mittel restlos aus- «braucht werden unb dah die Kassenlage kaum bis zum 1. Oktober 1924 balanciert werden kann.

Vielfach wird geglaubt, daß die Zurückziehung der Heinen Stücke der Goldanleihe von 1923 aus dem Verehr ein Beweis für in der Reichs- kaffe vorhandene üleberschüsse darstelle. Diese klei­nen Goldanleihestücke sind von vornherein, wie im Herbst 1923 auch Der Oeffeiitlichkeit erklärt wurde, lediglich eine Art Rotgeld gewesen mit dem Zweck, als^ld nach Ausgabe der Rentenmark wieder aus vux, __ ty. _____ .

dem Verkehr .zurückgezogen zu werden. Da die un2) Dft geradezu verheerend auf ihr Gemuts- Reichsgoldanleihe von 1923 irgendwelche reale und Seelenleben einwirken müssen. Sind Dod) Sicherheiten nicht hinter sich hat, wie dem Ver- Ehebruch, DoppebeHe unb widernatürliche Idcht kehr in wachsendem Maße bekannt geworden ist, fa>ute ^e am meisten vorkommenden Eheschei- so mußte durch das Verbleiben dieser Goldanleihe- ^g^grünbe. Zeder derselben in seinen vielfachen stücke im Verkehr eine inflationistische Wirkung I Auswirkungen auf die davon Betroffenen von auSgelöst werden und das Reich muhte aus diesem vernichtender Wirkung. .

Grunde die im Herbst 1923 übernommene Ver- Die gleichen SchuSdelllte waren fterlich im psiichtung die Heinen Goldanleihestücke aus dem Jcchre 1913, das vergleichsweise in der Statistik Verkehr zu entfernen, so schnell wie möglich er- Deichsamtes angezogen wird, mit 4810 Pw- füllen Es hat die Goldanleihestücke zur Dezah- ^nt ebenfalls schon Scheidungsgrunde. Ab«: im hing von Verpflichtungen verwandt, die es ein- 3^1-e 1922 kamen auf die gleichen Delikte fchon Bfen muhte Es hat also nicht aus den eingehen- 53 32 Prozent, ein Beweis dafür, wie verhäng- den Steuern üleberschüsse gesammelt, um gewisser- P uisvvll auch in dieser Hinsicht Der Krieg die all- maheii aus ülebermut die kleinen Goldanleihestücke gcmcbxe Volksmoral unterwühlte. Seltsamerirreise aus dem Deriehr zu ziehen. ist böswilliges Verlassen im Iahre 1913 mit 8,01

Was die angeblich so hohen Guthaben Prozent ungleich öfter der Grund zur t.hesche'.dung des Reiches und der Länder bei der Reichsbank gewesen, wie im Iahre 1922, wo nur etwa ^61 a^la^ w ffl es gewiß richtig, dah eine Reihe Prozent der Ehescheidungen auf Grund di^ von Gemeindeverwaltungen heute durchdieWert- Verfehlung erfolgten. Wer die Stattsiit gcht aud> beftänbiafett, der eingehenden Steuergelder ver- über die Dauer der Ehen, bie in der Z^t von bältnismäßig günstig gestellt sind. Bei den Län- 19131922 zur Scheidung kamen, sehr wertvolle bern unb beimReich liegen diese Dinge anders. Aufschluffe, ülnzweifel^st ckt durch Di!« Reich ist genötigt gewesen, ganz erhebliche pah viele allzurasch und unüberlegt ^er zu^ge^ um das^ieg'en^der Wirtschaft Kricgs- und Rachkri^sehen am wenigsten^stm^- des besetzten Gebietes zu verhrnbern. Gerade den hielten, als die schwttm^n wiris^Michen der Wirtschaft sind diese Verhält- hältnisse auch nicht annähernd den gestellten Er-

verirmllichen Besprechung des Steueraus- stens 24iahriger Ehen, m denMsur Scheidui^ gW es-ä "sa*.s.iss. säää ss

süsäü« «K» ä&wS uember 1923 tnar tm Dergtod» W d°m Umfrag teils wo«

ber beiden groben Betriebsverwaltungen ganz Knegsunterstutzung, die den Stauen oer ocri^s- unb tofot^öeifen mnhi-n beib= unt^ teilneömet g^It tourben n«6 tato m t«n Zurückstellung notwendigster Anschaffungen sich Hasen der Ehe drangteii^er bis dahrnftlr^re Wisreichende Bettiebssonds aus den laufenden teilweise noch m Wetterlag. Wurkren d^ Xm6men famrndn, um ihren täglich^ Der- in diesen 3 Juhom vorM^W^ 5 l°Ia^ee Winsen genüsenI

ten&t. Die 21,9 Prozent von Ehen, die nach einer Ehedauer von 1015 Iahrcm und die 12,2 Prvzensi bie nach einer solchen von 1520 Iah- ren ^schieden wurden, sprechen beredt^ genug von. Am höchsten unter allen Einzellandern des Reiches steht Hamburg mit 183 Proz«tt auf 100 000 Einwohner, ihm folgt B re m e n mitl27,7, Schleswig-Holstein mit 71, ber grciftaat Sachsen mit 701, Anhalt mit 64,9, die Provinz Sachsen mit 64' die Rheinprovinz mit 52,1, Meck enburg mit 448 Mm mit 43,2 D-tY-rn 405. -ffiurttrnn- berg 34 5 Hessen 34,2 und Ol^nburg rnttder nisdrigsten Ziffer mtt 33,6 Ehescheidungshauftg- keiten unter obiger Einwohnergoyt.