Nr. 167
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Erster Blatt
N4- Jahrgang
8reuag, 18. Juli 1924
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Kampsordonnanzen.
Als eine der ersten selbstverständlichen Voraussetzungen, die sich ans dem Sinn und Geist des Sachverständigengutachtens ergeben, muh bekanntlich die Wiederherstellung vertraglicher Zustände im altbesehten Gebiet angesehen werden. Es ist a.n Lieser Stelle schon oft und eingehend klargelegt worden, dah zu dieser von Deutschland erwarteten Wiederherstellung vertraglicher Zustände unbedingt auch die Rücknahme sämtlicher von der Rheinlandkommission während des Ruhr- kampses erlassenem Ausnahmeverordnungen gehört, also jener Verordnungen, die weder im Friedensvertrag noch im Rheinlandabkommrn eine Rechtsgrundlage finden. Man saht diese Art Verordnungen gewöhnlich unter dem Ramrn „Kampfordonncmzen" zusammen und unterscheidet Labei zwischen den Ausnahmeverordnungen, die direkt von der Rheinlandkommission für das alt-
besetzte Gebiet und den Ordonnanzen, die von den Militärbehörden, hauptsächlich von General Degoutte, für die neubesetzten Ruhr- und Sank- lionsgebiete erlassen worden sind.
Untersuchen wir zunächst die Rechtsgrundlage. Rach Art. 3 des Rheinlandabkommens besitzt die interalliierte Rheinlandkommission die Befugnis zum Erlaß von Verordnungen mit Gesetzeskraft, soweit dies „für die Gewährleistung dÄ Hinterhalts, der Sicherheit und der Bedürfnisse der Besahungstruppen nötig ist". Schon bis zum Ruhreinbruch hatte die Rheinlandkom- mission mehrfach über den vertraglichen Sinn und Zweck dieser Bestimmungen hinaus Verordnungen ergehen lassen, die, ohne einen Zusammenhang mit den militärischen Zwecken der Besetzung zu haben, tief in das politische und wirtschaftliche Leben des besetzten Gebietes eingriffen. Rach dem Ruhreinbruch hat sie — unter ständiger Ausschaltung des englischen Vertreters — eine unendliche Reihe solcher Verordnungen erlassen und dabei nun auch formell davon, abgesehen, diesen eine auf dem Rheinland- abwmmen beruhende rechtliche Grundlage zu geben. Zn einer großen Zahl von Verordnungen ist lediglich die Bemerkung enthalten, daß sie erlassen seien „auf Grund von Weisungen, welche gewisse Oberkommissare von ihren Regierungen infolge der von der Reparationskommission festgestellten absichtlichen Verschlungen Deutschlands erhalten haben". W ;» .
Die Kampfordonnanzen der Rhernlandkom» Mission entbehren also jeder rechtlichen Basis. Um so dringender muh die Aufhebung dieser in geradezu unerhörter Weise die deutsche Wirtschafts- und Derwaltungs- einheit zerstörenden Ausnahmebestimmungen gefordert werden. Wie weit dieser Eingriff in das deutsche wirtschaftliche und politische Leben geht, wird vielleicht am besten beurteilt werden können, wenn wir einige der wichtigsten und ein- schneidendslen Ordonnanzen uns nochmal ins Gedächtnis rufen. Da ist zunächst die Ordonnanz 132, welche die Beschlagnahme der Kohlensteuer im besetzten Gebiet anordnet, dann die Ordonnanzen 133 und 134, in welchen sich die Be- satzungsbehörden das Recht anmaßen, die deutschen Zolleinnahmen und die Einnahmen aus den Staatsforsten des besetzten Gebietes zu beschlagnahmen. Es folgt dann die berüchtigte Ordonnanz 136, die die für die deutsche Wirtschaft katastrophale Einführung der Zollgrenze zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet enthält. Alle diese vier Ordonnanzen greifen aufs schärfste auch in die Finanzhoheit des Reiches und der S taaten ein. Mehr das Privatleben derBevölkerung selbst trifft die Ordonnanz 130, in der die Besahungsbehörden den Raub der deutschen Privatwohnungen in unbegrenzter Ausdehnung organisieren. Die Ordonnanzen 140 und 156 hinwiederum greifen aufs schärfste in die deutscheRechtspflege ein, indem sie allen Personen, die entgegen den deutschen passiven Widerstandsbestimmungen die Besahungsbehörden auch .weiter unterstützt haben, also vornehmlich dem landesverräterischen Separatistengesindel, den Schutz der Rheinlandkommission gegen alle gerichtlichen Verfolgungen von deutscher Seite gewähren. Einen Eingriff in die deutsche Verwaltungshoheit stellt die Ordonnanz 144 dar, die die vollgültige Amtsenthebung der ausgewiesenen Beamten verfügt. Es folgen die berüchtigten Ordonnanzen 140 und 150, die mit der in ihnen verfügten Einführung der Eisenbahnregie die deutsche Verwaltungshoheit zerreiße n. Außerordentlich schwerwiegeiid ist auch die Ordonnar^ 205, „betreffend gewisse Maßnahmen bezüglich der deutschen Behörden", in dec die Rheinland- kommission sich das Recht anmaht, den ganzen schriftlichen Verkehr der deutschen Behörden zu kontrollieren und die Stellen der deutschen Verwaltung ohne Ruct- spvache mit der deutschen Regierung mit ihr genehmen Beamten zu besehen. ,,
Das sind nur einige Beispiele, allerdings die wichtigsten, aus der großen Anzahl lener A ° nahmebestimmungen, die seit dem Sommer 1923 von der Rheinlandkommission unter gröblichster Mißachtung der bestehenden Vertrage erlassen worden sind. Dabei ist iellistverstandlich z achten, daß nicht die Rheinlandkommission in ihrer Gesamtheit, sondern mellt nur der französische und belgische Vertreter es waren, von denen die Ordonnanzen gusgi g - Schon dieser Umstand allem macht die erlassenen Ausnahmebestimmungen rechtlich ungut *19, ganz abgesehen von dem klaren W o r t:Ia u tbet Verträge, in denen auch der gerissenste Vechts gelehrte keinen Paragraphen finden durfte der den unerhörten Rechtsbruch der sogenannten Kampfordonnanzen legalisieren konnte.
Der erste Arbeitstag in London.
Französisch-englische Gegensätze. — Die französisch-belgischen Räumungs- Etappen. — Um die Eisenbahnregie.
Schon die Tatsache, daß man in London gezwungen war, von einer Vollsitzung der Koa- erenzteilnehmer abzusehen und den gebildeten >rei Ausschüssen die Austragung der Meiningen zu überlassen, beweist, toi» stark im Grunde die Gegensätze sind, die zwischen der Ansicht der britischen Regierung sowie der amerikanischen „Beobachter" und den französischen Absichten bestehen, dem Datoesplan alle Wirkungsmöglichkeiten zu nehmen, die nicht mit dem „Pre- ’lige“ und den Ansprüchen der französischen Gewaltpolitiker in Einklang zu bringen sind. Diese Gegensätze treten auch in den Berichten aus London und Paris offen zutage. Z'war ist die Welt vorläuftg auf die Kombinationen mehr oder minder tendenziös gefärbten Presseberichte angewiesen, aber sie geben immerhin ein Bild der Lage, wie sie sich in den verschiedenen Köpfen darstellt. Die franko-belgischen Ruhrabenteurer führen darnach einen verzweifelten Kampf um eine möglichst in ihrem Sinne zu gestaltende Anwendung des Sachverständigenberichtes. Die untenstehenden Meldungen über die französischen und belgischen Vorschläge bezüglich der Verzögerung der Ruhrräumung und der Beibehaltung eines Teils des.Regiepersonals — natürlich zur Sicherung der ständig bedWhtenRiesenarmee im besetzten Gebiet — sprecheinWände. Doch ist die Zuversicht in den Pariser Zeitungsredaktionen nicht sehr groß. Zumal eine Reihe amerikanischer Bankiers in London eingetroffen ist, die nach zuverlässigen Meldungen ihre Teilnahme an der Deutschland zu gewährenden Anleihe von der völligen Einstellung des militärischen Willkürregiments im Ruhr- und Sanktivns- gebiet abhängig machen. Kennzeichnend für diese Stimmung der Pariser Pressesind die Auslassungen des gestrigen „Courn, des Debüts", das erklärt daß Macdonald mit der größten Loyalität von der Welt den Sachverständigenplan für ein Ding an sich betrachte, und einzig und allein auf die Mittel zu seiner Anwendung bedacht sei, während die übrigen Gläubiger Deutschlands sich zwar auch gemeinsam bemühten, den Sachver- ständigenplan zu verwirklichen, ihn ab:u als Mittel zur Regelung der Repavationsft'age betrachten. Die englischen Delegierten liehen den Versailler Vertrag mehr oder weniger bewußt aus dem Spiel und konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf die Aussichten der von den Sachverständigen vorgeschlagenen Kombinationen. Man verwahre sich dagegen, den Versailler Vertrag beeinträchtigen zu wollen, aber man würde sich leicht darüber hinweg trösten, daß die Artikel über die Reparationskommission ein toter Buchstabe blieben, wenn die 800-Millionen- Anleihe gezeichnet würde. Ratürli.ch setzten die Deutschen hier noch einen Trumpf drauf: Die 800-Millionen-Anleihe würde es ihnen ermöglichen, gleichzeitig 400 Millionen in die Hand zu bekommen, um dir Leistungen an chre Gläubiger auf unbestimmt» Zeit au vertagen unter Vorwänden, dir sie leicht finden würden. Der ganze Gewinn der Operationen würde also in ihre Taschen gehen. Weder die Belgier noch die Franzosen könnten sich diese Auslassung zu eigen machen. Sie stünden auf dem Standpunkt, daß jede Schwierigkeit, die sich anläßlich der Durchführung des Sachverständigen- planes ergebe, im Rahmen des Versailler Vertrages gelöst werden müsse, d. h. dadurch, daß man den Gläubigern Deutschlands Mittel an die Hand gebe, sich Bezahlung zu verschallen. Die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit dürfe kein Ziel, sie müsse ein Mittel fein.
Tie bisher erfreulich starke Haltung der Engländer gegenüber den französischen Verwas- serungsversuchen unterstreicht auch der Londoner Star" Er erklärt der britische Premierminister bestehe auf Deutschlands wirtschaftlicher und fiskalischer Einheit, was notwendigerweise die null' türisch- Räumung dos
Es wird sich bald erweisen, ob das Gewicht der englischen Freundschaft und des amerikanischen Geldes mehr Wirkung hat als die „Autorität' der Reparativ nskvmm iss i o n , deren Vorsitzender bekanntlich Herr Darthou. der Freund und Helfershelfer P v i ncar e s, ist.
jedenfalls dürfte eine Terliner Meldung den Tatsachen entsprechen, daß die deutsche Regie- runa keine Verschiebung der klaren Grundlagen des Sachverständigenplanes annehmen und unterzeichnen wird.
Die Kommissionen.
Wie wir bereits in einem Teil der gestrigen Ausgabe des „Gieß. Anz." mitteilten, -virden drei Kommissionen gebildet deren Aufgabe es ist die strittigen Probleme für die Beratung in bm Vollsitzungen der Konferenz vorzubereiten. Der erste dieser Unterausschüsse sott die Fragen dec Feststellung von „Verfehlungen und der Verhängung von Sanktionen bearbeiten dw zweite Kommillion berät über die Wiederherstellung der deutschen ^Hoheit und die Aushebung dec Pfänder, der dritte Ausschuß behandelt die Übertragung der deutschen Zahlungen.
Die britische« Mitglieder
der drei Ausschüsse sind folgende:
1. Ausschuß: Schahsekretar Snowden, Sir Hohn Fischer vom Foreign Office, W II» liain, juristischer Vertreter in dec Reparations
kommission, und Sir Otto Riemeher vom Schatzamt.
2. Ausschuß: Sir Josiah Stamp vom Sachverständigenausschuh, Sir Ehre C r o w e, permanenter Unterstaatssekretär im Foreign Office, Sir Warren Fisher und Philips vom Schatzamt.
3. Ausschuß, Sir Robert Kindersley vom Sachverständigenausschuß und Roß vom Schatzamt.
Die französischen Vertreter
sind nach Havas: ।
1. Ausschuß: Ministerialdirektor Pere11i della Rocca, Chef des Kabinetts des Außenministers D e r g e r y , Generalsekretär der französischen Delegation bei der Reparationskommis- sivn Aron, Rechtsbeirat der französischen Delegation bei der Reparationskommission Lyon.
2. Ausschuß: Direktor in der Wirtschaftsabteilung im Quai d'Orsay Seydoux, Rechtssachverständiger Fromageot, Oberst Guitry und Oberst W a l l n e r vom Generalstab des Kriegsministers Rollet.
3. Ausschuß: der eh malige französische Vertreter im Sachverständigenkomitee Parmen- tier, Direktor des Kabinetts des Finanzministers Duisson und Defreyguter vom Referat für Deutschland im Finanzministerium.
Der erste „Arbeitstag".
London, 17. Juli. (WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" berichtet über die gestrigen Verhandlungen der Konferenzausschüsse u. a. folgendes:
Die zweite Kommission, deren Vorsitzender Sir Eyre Crowe ist, wurde gestern während ihrer Verhandlungen, die jedoch nur kurz gewesen sind, von Macdonald ausgesucht. Die Franzosen brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, die wirtschaftliche Einheit Deutschlands wieder herzustellen und diese Wiederherstellung nicht zu verzögern. Sie werden heute^ein Memorandum vorlegen, das von Seydoux über die Frage der wirtschaftlichen Räumung entworfen worden ist. Wie verlautet, wird darin vorgeschlagen, dah diese Räumung in zwei oder drei Stadien stattsinden soll. Die erste Etappe der Räumung soll erfolgen, n a ch- dem der Reichstag die notwendige Gesetzgebung ang enommen hat, die zweite, nachdem die neuen Körperschaften und Kontrollen des Dawesplanes errichtet worden sind .
Alles, was bei der Ruhrbesehung unternommen worden ist, wird registriert werden, ebenso alles, was abgeschafft oder abgeändert werden muh. Das Eisenbahnproblem wurde nicht berührt. Was nun die Schwierigkeiten bezüglich der Aufbringung der Anleihe von 40 Millionen Pfund Sterling, bevor die wirtschaftliche Einheit wieder hergestellt worden ist, anbelcuigt, so könnten sie dadurch umgangen werden, dah die Anleihe bedingungsweise von den Bankiers vorher gezeichnet, jedoch nicht ausgegeben wird, bevor diese Wiederherstellung eine vollendete Tatsache geworden ist. Der amerikanische Bankier Lamont habeeine längere Unterredung mit dem französischen Finanzminister Clementel über diese Frage gehabt.
In französischer Beleuchtung.
Paris, 17. Culi. (WTB.) Der Londoner Berichterstatter des „Temps" meldet über die Arbeiten in der 3. Kommission (Sachtteferungen und Konvertierung), die Kommission scheine sich nicht so sehr mit der Konvertierung als vielmehr mit den Sachlieferungen beschäftigt zu haben. Cm übrigen scheine in der hierzu angezogenen Stelle des Pariser Beschlusses vom 9. Juli der französische von dem englischen Tert mehrfach abzuweichen. Gestern abend um 7 Uhr habe die 3. Kommission ihre Arbeiten als s o gu t wie beendet betrachtet. Sie schlage vor, das Sy st em der Sachlieferungen aufrecht zu erhalten, wie es bis jetzt gehandhabt wurde, wobei nur die Interessen der Mächte berücksichtigt würden, und zwar mit Hilfe von Verträgen, die von der Reparationskommission selbst unterschrieben würden.
Dem „Cntransigeant" geht aus London folgende mit Vorbehalt aufzunehmende Meldung zu: Gestern abend sei erklärt worden, dah in der Kommission für die Frage der deutschen Verfehlungen vollste Einigung erzielt worden sei. Vielleicht sei diese Behauptung etwas voreilig gewesen. Die Kommission habe heute vormittag über einen französischen Text von Peretti della Rocca und dem Kabinettschef Bergery verhandelt. Darin werde de Ernennung des amerikanischen Delegierten in der Reparationskommission durchdas Haager Sch iedsg erich t vorgeschlagen.
Rach dem Berichterstatter sott aber noch ein zweiter französischer Vorschlag zur Frage der Verfehlungen eingebracht werden. Von dem Ausgang der Te: Handlungen über den französischen Vorschlag werde der Erfolg oder dec AbbruchderKonferenz abhängen. Sei eine Verständigung möglich, so werde die Konferenz zu einer neuen Vollsitzung zusammentreten. In diesem Falle könnten wa hr- scheinlich am Montag die Deutschen
gehört werden. Der gute Wille sei auf beiden Seiten sichtlich vorhanden, aber die englischen und amerikanischen Forderungen seien so kategorisch und gingen so weit, daß es für Her- riot schwierig sei, sie anzunehmen. - <
Französisch-belgische Plänemacherei.
Räumung des Ruhrgebiets in langen Etappen.
Paris, 18. Juli. (WTB.) Ein französischbelgischer Plan zur Wiederherstettung der deutschen wirtschaftlichen Einheit im Ruhrgebiet wird heute der zweiten Kommission vorgelegt werden. ■ Dieser Plan sieht nach dem „Echo de Paris" sehr zahlreiche und ziemlich lange Etappen vor.
Die Belgier schlagen vor, die Entscheidung der Repko hinsichtlich der Plazierung der Anleihe abzuändern. Rach ihrer Ansicht müsse es genügen, wenn die englischen, amerikanischen und anderen Bankiers die Verpflichtung übernehmen, die Anleihe zu plazieren.
Nur teilweiser Abbau der Ersenbahn- regie.
Rach dem Sonderberichterstatter des „Journal" in London sieht ein französisch-belgischer Plan vor, die Eisenbahnen im befehlen Gebiet, das heißt, einige der wichtigsten Linien du rch3000alliierteEisen bahnerbewachen zu lassen. Der Berichterstatter steht voraus, daß dieEngländerWiderspruch gegen diesen Vorschlag erheben werden.
Der Londoner Berichterstatter des „Temps' meldet hierzu, es fei gestern nicht über die Eistn- bahnfrage verhandelt worden. Diese scheine aber der Gegenstand einer längeren Unterredung ge- toefen zu fein, die Herriot und Theunis batten. Der französisch-belgische Plan für die Lösung dieser Frage gehe, wie man annehme, dahin, daß diefranzösisch-belgische Regie aufgehoben und die alliierte Kontrolle unsichtbar gestaltet werde. Auf den für die Versorgung der Truppen unerläßlichen Strecken soll aber eine Anzahl Arbeiter und Techniker zurückgelassen werden, die im Falle eines deutschen Streiks oder von Unruhen einen einigermaßen regelmäßigen Dienst aufrechterhalten könnten.
Ein Memorandum der Reichs- regierung.
Berlin, 18. Juli. (WB.) Der Londoner Korrespondent des sozialdemokratischen Parlamentsdienstes teilt Einzelheiten aus dem Memorandum mit, dah hem englischen Ministerpräsidenten von der R e i ch s r e g i e r u n g am Mittwoch überreicht worden sein soll. Hierzu wird uns vor unterrichteter Seite mitgeteilt, daß, wie es selbstverständlich ist, die deutsche Regierung Gelegenheit genommen hat, sowohl den englischen als auch den übrigen alliierten Regierungen ihren Standpunkt in den verschiedenen zur Diskussion stehenden Fragen auseinanderzusehen. Die Mitteilungen des sozialdemokratischen Parlamentsdienstes geben von der Stellung mhme dec Reichsregierung kein richtiges Bild.
Forderungen des Internationalen GerverÄ- schaftsbundss.
Bei der am 15. Juli in Amsterdam abgehaltenen gemeinsamen Beratung des Bureaus des Internationalen Gewerkschaftsbundes und des Bureaus der Internationale wurde eine Resolution einstimmig angenommen, in der u. a. erklärt wird, daß die Durchführung des Sachverständigenplanes heute die einzige unmittelbare Lösung des Reparativnspro- b l e m s s e i. In dec Resolution wird ferner die Aufhebung der Besetzung des Ruhrgebiets, einschl. Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg, sowie die Aufhebung der wirtschaftlichen Besetzung gefordert. Auch wird verlangt, daß Deutschland von der Konferenz in London eingeladen werde.
Generalagent Owen Toung.
Paris, 18. Juli. (WTB.) Der Sonderberichterstatter des „Petit Journal" will erfahren haben, Owen Q3dung werde die Stellung eines Generalagenten nurfiu drei Monate übernehmen, und zwar unter dem Beistand eines Mitarbeiters, der nach ihm den Posten endgültig übernehmen werde. Owen Voung habe in Amerika zu große Interessen, um auf die Dauer seinen Wohnsitz in Europa nehmen zu können.
Wofür das zerstörte Frankreich Geld hat.
W i e n, 17. Juli. (WTB.) Das Achtuhr. Abendblatt meldet, daß Vertreter eine, französisch - belgischen Finanz- gruppe mit der jugoslawischen Regie-


