Die Türkei zur ßage.
London, 16. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die .Times" meldet aus Konstantinopel: Die Besprechungen Chamberlains in Paris und Rom haben die türkische Presse in Konstantinopel sehr beunruhigt. Sie fordert das türkische Volk auf, eine allgemeine Front gegen die Gefahren zu bilden.
Samuel Gompers f.
Reuhork, 15. Dez. (Wolff.) Samuel Gom- perS. der Führer der amerikanischen Arbeiter- Union. ist in San Antonio (Texas) gestorben. Während der letzten Augenblicke war er von einer Reihe von Männern umgeben, die ein Menschenalter hindurch mit ihm zusammen viele Kämpfe der amerikanischen Arbeiterbewegung ausgesochten hatten. Als das Ende herannahte, reichte ihm jeder noch einmal die Hand und sagte Lebewohl. Gompers litt seit einem Jahre an einem Herz- und Rierenleiden.
Man wird sich wohl allmählich daran gewöhnen müssen, bei Beurteilung weltpolitischer Zusammenhänge auch die im Aufkommen begriffene große antibolschewistische Front in Betracht zu ziehen. Als Vorkämpfer einer solchen Front ist Samuel Gompers, der soeben verstorbene Führer der amerikanischen Arbeiter- Union. anzusehen. Seine antibolschewistische Stellung trat erst wieder in den letzten Wochen scharf zutage, als die englische Gewerkschaftsorganisation durch besondere Vertreter die amerikanischen Arbeiter auffordern ließ, sich der Gewerkschaftsorganifation der kommunistischen Internationale an» zufchließen. Die englischen Gewerkschaften haben diesen Anschluß ihrerseits vor drei Wochen durch eine unter P u r ch i l l stehende Delegation in Moskau vollziehen lassen. Damit sind sie vollständig in das Moskauer Fahrwasser geraten und stehen nun, trotzdem Purchill gleichzeitig Vorsitzender der Amsterdamer Ge- werkschaftsinternationale ist, in der Opposition gegen Amsterdam. Die amerikanische Arbeiter- Union dagegen lehnte sich in der Person Gompers entschieden gegen die Vereinigung sozialistischer und kommunistischer Gewerkschaften auf, Gompers war somit in den Augen Moskaus der „größte Hort der sozialistischen Reaktion" Amerikas. Den Bestrebungen der englischen Gewerkschaftsorgani- sationen widersetzte sich auch der Berliner „Vorwärts, worauf zwischen Moskau und der Lmdenstraße ein selten heftiger Kampf entbrannte.
Der englisch-amerikanische Schuldenkonslikt.
Berlin. 16. Dez. (T.U) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Reuyorr, Präsident Coolidge erklärte, er habe nicht die Absicht, eine internationale Schulden-Konferenz einzuberufen oder die amerikanischen Ansprüche auf deutsche Reparationen dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten, noch weniger in die Streichung der Schulden zu willigen. Ebenso hat der Kongreß nicht die Absicht, die deutschen beschlagnahmten Vermögen wieder flüssig zu machen, wie Chamberlains Rote vorgeschlagen hat.
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Estlands Konflikt mit Rußland.
Reval, 15. Dez. (Estnische Telegr.-Agent.) Die estnische Regierung hat an die Regierung in Moskau eine Rote gerichtet, in der gegen die Auslassungen Estland fernlich gesinnter <Ä>wjetblätter. besonders gegen den in der Ler i 'grader „Prawda" vom 11. Dezember veröffentlichten Aufruf der 3. Internationale, der die Revolte vom 1. Dezember verherrlicht und Drohungen gegen diee st nischeRegierung enthalt, Protest erhoben wird. Die Rachricht der „Kraßnaja Swesda", wonach das Oberkommando von Estland an der russischen Grenze eine dreifache Postenkette aufgestellt haben soll, Schützengräben habe anlegen lassen und Truppen zusammengezogen habe, wird offiziell dementiert. Weiter werdNi d e in ausländischen Blättern verbreiteten Gerüchte über den Abschluß eines gegen Rußland gerichteten Verteidigungsbündnisses zwischen Estland. Lettland und Litauen dementiert.
Der Ausstand in Albanien.
Paris. 16. Dez. (T. U.) Laut einer Fournier-Meldung aus Belgrad haben die Aufständischen die Offensive ergriffen und die Städte Skutari und Kroja nach heftigen Kämpfen eingenommen. Sie haben jetzt den Vormarsch auf Rana angetreten. Die Meri- diten haben sich den Aufständischen angeschlossen.
Die Bolschewisten in China.
London, 15. Dez. (WTB.) Zeitungsmel- düngen aus Tokio zufolge soll dort die Meinung verbreitet sein, daß Sun Batsen in Gemeinschaft mit dem christlichen General Feng und dem Gesandten der Sowjetrepublik Kara ch a n einen Staatsstreich plane. Man vermutet, daß Sun Patsen innerhalb der nächsten Tage die Regierung in Peking übernehmen und Karachan mit ihm zusammenarbeiten werde, um eine rote Regierung einzusehen, die dann alle bisher abgeschlossenen Verträge für nichtig erklären würde.
Keine Rücktritts-Absichten Herriots.
Paris, 16. Dez. ($.11.) Am Quai d'Orsay wird auf das allerbestimmteste versichert. Herriot denke gar nicht daran, infolge seiner Erkrankung zurückzutreten. Sein Befinden fei nicht so ernst, als daß er nicht vorübergehend von seinem Zimmer aus die Regierungsgeschäste Frankreichs leiten könnte. Herriot konnte im Verlaufe des gestrigen Vormittags einige Persönlichkeiten empfangen, und zwar den Kriegsminister Rollet, den Handelsminister Reh- naldi. den Ackerbauminister Quenillc und den Abgeordneten Prof. P i n a r b.
gu den deu'sch-sranz'öfischen Wirlschaftsverhandlungen.
Paris. 16. Dez. (TU.) Im Rahmen der deutsch - französischen Wirtschaftsverhundlungen wurden gestern die Probleme der landwirtschaftlichen Zölle wieder zur Sprache gebracht. In verschiedenen Einzslfragen konnte »ine Hebere in st immung erzielt werden. Der ^qgeujatz in der Frage jder Weinzölle ist
jedoch noch nicht überbrückt. Seit den lebten Tagen sind zwischen den einzelnen Mitgliedern der 6eiben Delegationen interne Besprechungen im Gange. Für Ende der Woche ist eine Vollsitzung in Aussicht genommen. Auch die beiderseitigen Sachverständigen der Textilindustrie verhandeln untereinander.
Der Kampf um Seeckt.
Am 17. Dezember wird voraussichtlich die Botschafterkonferenz zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, um sich mit dem großen Fragenkomplex der m i l i t ä r i s ch e n Entwaffnung Deutschlands zu beschästigen. Der „Matin" stellt im Anschluß hieran fest, daß alle bisher verbreiteten Meldungen über deutsche Kriegsvorbereitung:n tendenziös und unwahr seien. Diese Feststellung des Pariser Blattes soll wahrscheinlich den Eindruck verwischen, als ob die Hetzkampagne gegen Deutschland im Auftrage des französischen Kr.egsm.ni- steriums eingeleitet worden sei. Die Wirkung hat sie jedenfalls erzielt, darüber kann auch kein Mat n-Demen:i h nw gtäuschen. Das gleiche Blatt wech weiter zu melden, daß die Dotschafterkonferenz eine sehr „scharfe Rote" nach Berlin richten und die Absetzung des Generals v. Seeckt verlangen w rd. Wir waren uns schon lange nicht mehr im Unklaren darüber, daß F.anlreich mit allen M.t.eln auf die Beseitigung dieses aufrechten und in Deutschland hochgeachteten Mannes h narbe ten w rd. Bleutet das längere Derweilen engl scher Truppen in Köln schon einen Bruch des Versailler Vertrages, so w rd sich Fra: kr ich erst recht nicht scheuen, in die Organ.sation unserer Reichswehr einzugreifen und d.e B.seitigung ihres Chefs zu verlangen. Welchen Weg die Botschafterkonferenz wählen wird, steht zwar noch nicht fest, doch scheut es, als ob man d.n Aufbau unserer Polizei zum Vorwand nahmen will, um das Reichswehrg?bäude zu zerschlagen. Der Kampf um den Chef der Heeresleitung und unsere kleine Wehrmacht nähert sich allmählich seinem Hah.pun.t, dis deutsche V^ll tut gut, sich mit einem derart gen französischen Vorstoß vertraut zu machen und sich auf einen entsprechenden Gegenstoß vorzub reuen.
Noch keine FertrgstMung des Berichtes der
Kontroü-Komm f on.
Paris, 16. Dez. (TU.) Der Bericht der Interalliierten Kontur Ilk^nmission ist, wie gegenüber anderslautenden Pressemeldungen festgestellt werden kann, noch nicht vollständig abgefaßt. Er konnte daher weder in Paris noch in London übergeben werden. Hierbei wird erklärt, daß die Botschafterkonferenz vorläufig von dem Bericht nicht die gering st e Kenntnis hat.
Kommandowechsel in der Reichswehr.
Berlin, 15. Dez. (Wolff.) Am 31. Dezember scheiden aus der Reichswehr aus: General der Artillerie von Derendt, Oberbefehlshaber der Gruppe 1, General der Infanterie Ritter von Woehl, Oberbefehlshaber der Gruppe 2. Am 1. Januar werden ernannt: die Generalleutnants Reinhardt, Kommandeur der 5. Division ^Stuttgart), zum Oberbefehlshaber der Gruppe 2 (Kassel), vonLoßberg, Komm inbeur der 6. Division. zum Oberbefehlshaber der Gruppe l.H ässe (Ernst), Kommandeur der 2. Kavalleriedivision, zum Kommandeur der 5. Division, Frhr. von Ledebur, Infanteriesührer 2, zum Kommandeur der 6. Division, Generalmajor von Kayser, Kommandeur der Kavallerieschule, zum Kommandeur der 2. Kavalleriedivision. (Hessen und die Gießener Garnison gehören zur 5. Division und diese wiederum zur Gruppe 2.)
Die Nutzbarmachung der Nentenbankm-Itel.
Berlin, 15. Dez. (TU.) In der h^ut'gen Kabinettssitzung wurde auf Antrag Ö s R-.ich> min sters für Ernährung und Landwirt chaft der Beschluß gefaßt, daß die bereiten Mittel der Deutschen Rentmbanl für e.ne 11 b rgangszeit bis zum 1. Rovember 1925 durch Vermittlung einer Treuhand st llle an landwirtschaftliche Institute gewiesen werden, um diese M ttel zur geschlichen Errichtung einer landwirtschaftlichen K eä tanstalt für den dringenden Kreditbedarf der Landwirtschaft, wie dies im Rentenbank- und Liqui- dierungsgesetz vorgesehen ist, nutzbar zu machen. D.e V rte lang der Kred.t> Hit an die- jen'-gen Kreditinstitut' zu erfolgen, die in dem infolge der R.ichst7gsiu,lrsang verzögerten Gesetzentwurf über den Geschä.tsverkehr der Ren- tenbanklreditanstalt nach en rin von der Reich - rcg.erung zu g n hm g ndei Verteilungs- plan zug lassen waren. Sobald die Landwi.1- sch.ftllche Kred t.rnslalt err cht t se n wird, gehen die M Le( von der Treuhandgesellschack auf biC Kreditanstalt über.
E:n Steuerüberleitungsgesetz.
Berlin, 16. Dez. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, beabsichtigt das Reichsfinanzministerium dem Reichsrate demnächst den Entwurf eines Steuerüberleitungsgesehes (Gesetz zur Ueberleitung der Einkommensteuer und Körperschaftssteuer in das regelmäßige Veranlagungsverfahren) vorzulegen. Im Rahmen der bevorstehenden Steuerreform ist am dringendsten gerade die Frage, in welcher Weise die im Jahre 1924 geleisteten Einkommensteuer- und Körperschaftssteuervorauszahlungen abgewickelt werden sollen und wie die Regelung für das Jahr 1925 aussehen soll. Die Vorbesprechung über die technische Ausgestaltung des Referentenentwurfs, der den Länderregierungen zur Stellungnahme bereits zugegangen ist, soll kommenden Freitag im Reichsfinanzministerium stattfinden. Auf die Details dieses Entwurfs werden wir in einem Spezialartikel nächstens zurück- kommen.
Traugott von Iagow begnadigt.
Stettin, 15. Dez. (TU.) Der ehemalige Polizeipräsident von Berlin, Dc. Traugott von Lagow. ist begnadigt und aus der Festungshaft entlassen worden. Don Iagow war bekanntlich während des Kapp-PutscheSals Minister des Innern tätig, weswegen er im Jahre 1921 vom Reichsgericht wegen Hochver- rats zu 5 Jahren Festungshast verurteilt wurde. Er hat mithin 3 Jahre seiner Strafe verbüßt.
Der Kampf um das bayerische Konkordat. Die Stellungnahme der Parteien.
München, 15. Dez. (Wolff.) Zum Konkordat und den Verträgen mit den evangelischen Kirchen wurden im Landtag zahlreiche neue Anträge gestellt. Die v ö l k i s ch e F r a k t i o n beantragt die Vorlage einer Hebersicht, in welchen Orten in Bayern und in welcher Anzahl im Jahre 1918 Riederlafsungen von Orden und Kongregationen erfolgten, welche Orden und Kongregationen hieran beteiligt waren und wie das Verhältnis heute ist. Ein weiterer Antrag derselben Fraktion bezweckt die Vorlage einer Heberficht derjenigen Landes- und Kirchengesetze sowie Verordnungen und Verfügungen des Staates und der Kirche, die zu den Bestimmungen des Konkordats in Widerspruch stehen und demnach gemäß Artikel 15 Absatz 2 des Konkordats aufgehoben werden sollen.
Die Landesvorstandichast der Deutschen Demokratischen Partei in Bayern nahm gestern in Treuchtlingen eine Entschließung an, in der u. a. erklärt wird, daß die kirchen» und schulpolitischen ■ Bestimmungen der Staatsverträge und besonders des Konkordats die Gewissensfreiheit, den religiösen Frieden, die nationale Aufgabe des deutschen Schulwesens, die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre auf der Hochschule aufs schwerste bedrohten.
Unveräußerliche Rechte des Staates würden preisgegeben. Die verschiedenen Artikel seien mit der Reichs- und der Landesverfassung schlechthin unvereinbar.
Die ökonomischen Festsetzungen könnten Belastungen entstehen lassen, die nicht abzusehen seien. Das Konkordat könnte nurmit einer Zweidrittelmehrheit des Landtags, vorbehaltlich der verfassungsmäßigen Rechte des Reiches, dem Vertrag die Zustimmung zu erteilen oder zu versagen, beschlossen werden. Aus diesem Grunde kommt der Landesvorstand der Deutschen Demokratischen Partei zu dem Ergebnis, daß das Konkordat a b g e l e h n t werden müsse.
Die in Rürnbecg abgehaltene Sitzung des Landesausschusses der Deutschnationalen Landespartei und des Landesvorstandes der Rationalliberalen Landespartei nahmen Entschließungen an, wonach die Annahme der Staatsverträge durch den Landtag nur unter bestimmten Bedingungen erfolgen darf, die insbesondere an der Sicherstellung des Schutzes der inneren Freiheit der Lehrerschaft, der Aufrechterhaltung der verfassungsmäßigen Rechte des Staates und der Schulgesetze liegen. Zugleich hat die e v. Lehrervereinigung in Nürnberg eine Kundgebung erlassen, die an den Landtag die dringende Bitte richtet, das Konkordat und die Vereinbarungen zwischen dem Staate und den ev. Kirchen abzulehnen.
Der Hauptausschutz des bayerischen Lehre- rinnen-Vereins hat sich dahin ausgesprochen, das Konkordat möge in der vorliegenden Form nicht angenommen werden. Der bekannte Professor Dr. P i l o t y kommt in einem Rechtsgutachten zu dem Ergebnis, daß K o l l i s io n en zwischen Reichs- und Landesrecht späterhin nicht ausbleiben könnten, wenn die Verträge Recht werden sollten.
Der Weihbischof von München, Dr. Duch- berger tritt im Bayerischen Kurier in einem längeren Aussatz den Bedenken der Lehrerschaft Lgegen das Konkordat entgegen. Heute wird nun b i e evange lischeLandes - Synoden- Tagung eine Entscheidung fällen, die für das weitere Schicksal jdes Konkordates ausschlaggebend sein wird. Daß die bayerische Regierung bei der Ablehnung des Konkordates zurücktreten wird, hat übrigens Dr. Held gestern abend im Verfassungs-Ausschuß des bayerischen Landtages noch ausdrücklich betätigt, indem er zugleich auf die nationalen Gefahren des Wahlkampfes hinwies.
Der Haarmann-Prozeß.
Hannover, 15. Dez. (Tll.) D e Montagsverhandlung im Haarmannprozeh b g nnt mit den Vernehmungen im F lle Jäger. Haarmann bestreitet den Mord. Er ist heu^e sehr nervös und anttoort.-t auf keine F age. Cs wird deshalb eine kleine Pause ang.setzt, da Haav- mann den Wunsch äußert, e ne Z girette zu rauchen. Rach einstündiger Pause werden die Verhandlungen w.ed.r aufgenommen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob man jetzt w eder vor- handeln könne, nickt Haarmann m.t dem Kopf und sagt: „Ja, jetzt geht es." Zeuge Arbe.ter Berkhof, der aus der Hast vorg fahrt wird, hat S enger zuletzt auf dem B ch.chof gesehen, wo ihm dieser mitteilte, er sei bei Haarmann gewesen und habe dort geschlafen. Haarmann habe ihm erklärt, daß er ©enget nicht kenne. Darauf sagt Haarmann aus, daß er vor ©enger und Berkhof immer Angst hatte, da sie zu denen gehörten, die sich anboten, um nachher zu „blünöern“. Er sagt bann: „Meinetwegen können Sie mir den F ll ruhig zuschre ben. Mer ich kann nur die W.ch.heit sag.m. Es ist ausgeschlossen, daß ich ©enger umgebracht habe."
2m weiteren Verlaufe gibt Haarmann zu, den Sohn des Lokomotivführers H o g r e v e um» gebracht zu haben. Auch die Ermordung A p e l s gibt Haarmann zu. Der Fall Cock aus Helzen wird von dem Angeklagten weiter 6 e ft r i 11 en. Einige Zeugen behaupten, daß Cock mit Haarmann befreundet gewesen sei. Cock habe oft im Auftrage Haarmanns Sachen verkauft. Den Anzug Cocks will Haarmann gekauft haben. Der Leiter der Erziehungsanstalt in Göttingen wird über die Glaubwürdigkeit des Zeugen Kroß gehört, den er als nicht eidesfähig bezeichnet.
Haarmann
und die Krim nalpolizei.
Hannover, 15. Dez. (Wolff.) Das Polizei- Präsidium Hannover hat der Presse u. a. folgende ^oiiz übermittelt. In der Schwurgerichtsverhand- lung gegen Haarmann wurden mehrere Anschuldigungen gegen die Polizei vor- georacht. Die gegen einzelne Polizei beamte erhobenen Beschuldigungen bilden Gegenstand einer Dlsziplinaruntersuchung, deren Abschluß mit Rücksicht auf den Prozeß gegen Haar- mann noch aufgehoben worden ist. Die Untersuchung erstreckt sich auf fünf Fälle, in denen Kri-- mtnalbcamte nicht pflichtgemäß gehandelt haben sollen.
ES wird ferner festgestellt, daß Haarmann niemals in einem Dienstverhältnis zum Polizeipräsidium stand und niemals als politischer Agent verwandt worden ist. Ferner hatte Haarmann niemals einen Polizeiausweis, d. h. ein Papier, das ihn als Polizeigehilfe legitimierte. Allgemein wird bemerkt, daß in der Hannoverschen Polizei Zuträger aus Verbrecherkreisen (Vigilanten - Spitzel) nur ih dem in allen großen Städten üblichen, tmsächlich unentbehrlichen Umfang verwendet werden. Die Untersuchung ha> keinen Anhaltspunkt dafür ergeben, daß der Verkehr der Kriminalpolizei mit Haarmann über das unvermeidlich notwendige Maß hinausgegan- gen ist.
Aus aller Wett.
Ein Familirndrama.
Graz, 15. Dez. (TU.) In der letzten Rächt ereignete sich in der Ortschaft Reh bei Iudendors in der Rähe von Graz ein furchtbares Familiendrama. Der Villenbesiyer Paul Danners erschoß seine Frau Muth lde, seinen Sohn S.ich und seine Tochter Eva und vergiftete sich darauf. Seinen zweijährigen Sohn Peter lieh er am Leben. Um die Tat ungehindert aus- führen zu können, hatte Danners seine Dienstmädchen und die Dienerin nach Graz i n s Theater geschickt. Als diese nachts nach Hause kamen, fanden sie die Villa versperrt. Herbeigeeckte Gendarmerie brach die Tür auf. Im Parterrezimmer fand man die Leichen der beiden Kinder. Im Salon im ersten Stock lag die erschossene grau, deren Leiche mit einem Teppich bedeckt war. Im Bett fand man die Leiche des Rcktme.sters. Danners lebte sehr zu- rüdgejogen und erfreute sich großer Beliebtheit. In einem Abschiedsbrief schreibt er, dah er aus Schwermut über fein Rerven- leiden die Tat im Einverständnis mit feiner Frau begangen habe.
Schwerer
Unglücksfall beim Wunitionsderschrvtte«.
Berlin, 15. Dez. (WTB.) Aus dem Lagerplatz einer Firma in Lichtenberg, auf dem alte, zum Verschrotten bestimmte Granaten lagerten, explodierte eine Granate. Der in der Rähe beschäftigte Arbeiter Klingenberg wurde getötet. Klingenberg war mit Schweiharbeiten an Eifenbahnrädern beschäftigt, dabei scheint ein Funke auf eine Granate mit einem noch vorhandenen Zünder gefallen zu sein. Einige Spreng- stücke durchschlugen die Dächer der Rachbarschaft.
Schwerer Dauunfall in Köln.
Köln, 15. Dez. (WB.) An dem Hochhaufe, das in der Rähe des Güterbahnhofs Gerön errichtet wird, ist heute nachmittag das Hohlgerüst in Höhe des 15. Stockwerks zusammengebrochen und auf den anstoßenden Gebäudeteil eines Geschäftshauses gestürzt. Die Feuerwehr brachte 5 Personen zum Krankenhaus, von denen zwei bereits ihren Verletzungen erlegen sind. Mit dem Ableben des dritten ist zu rechnen. Zwei Leichtverletzte konnten wieder aus dem Krankenhause entlassen werden.
Gasvergiftung in einem Schulbad.
Berlin, 15. Dez. (Wolff.) Heute vormittag ereignete sich in einer Berliner Gemeindefchule ein schwerer Unfall in dem Dadekeller der Schule Durch ousströmende Gase wurden 20 Knaben betäubt. Der sofort alarmierten Feuerwehr gelang es, die bewußtlosen Ämber sofort wieder i n s Leben zurückzurufen. Achtzehn Kinder wurden soweit wieder hergestellt, daß sie nach Haufe entlassen werden konnten. Zwei liegen noch mit schweren Gasvergiftungen darnieder, sind ober außer Lebensgefahr. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.
Schwere Kesselexplosion.
Breslau, 13. Dez. (WTB) Die „Bresl. Ztg." m ldet aus Reurvde: Auf dem D^inmium Kunzendors (Krei? Reurode) exsto iert? zur Znt, als zahlreich Kinder und Erwach e.te zur Abholung der Mich auf dem Hose w ulten, der Kessel eines Kartoffeldämpfers. Beim Aufschlag auf den Boden flog dr Kessel in die Lull. Dadurch wurde ein Mann sofort getötet und a ch t Kinder so schwer verletzt, daß bi en gm ernste Lebensgefahr f» steht. Man nimmt an, daß m t der Kohle ein Explof onskorper in d e 5 u rung g lang e. D r K fiel wurde mit ungch.urer ©ctoilt aus der Mauer herausgerisfen und auf den Hof geschleudert.
Erdbeben in England.
London, 16. Dez. (TU.) In Corwen wurde gestern mittag 1.22 Uhr ein heftiger Erdstoß verspürt. Zahlreiche Häuser sind ein- gestürzt. Die Einwohner flüchteten auf das freie Feld. Die Erschütterung war von unterirdischem Donner begleitet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 16. Dezember 1924.
Provilizialarrsschußsitzung am 13. Dezember.
Der Klage des Peter Heß zu Gießerr wurde unter Aufhebung des Bescheids des KreiS- amts Gießen vom 28 Oktober 1924 stattgegeben und dem Kläger der nachgesuchte Wander- g e Werbeschein erteilt.
Der Beschwerdeführer Friedrich Engek zu Gießen nahm vor Beginn der Verhandlung seine Beschwerde gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 15. August 1924. durch den ihm die Erlaubnis zum Handel mit Edelsteinen, Edelmetallen und Perlen versagt worden war, zurück.
Klage des Konzertorganisten Adolf Wieder aus Halle gegen den Oberbürgermeister der Stadt Gießen wegen Heranziehung zur Vergnügungssteuer. Die Ortsgruppe Gießen der Max-Reger-Gesellschaft hat nach der am 13. Januar dieses Jahres in Gießen stattgehabten Gründungsversammlung vom 10. 11. Febru r 1924 In der Stadtkirche zu Gießen zwei Konzerte veranstaltet, in denen Orgelwerke und geistliche Lieder von Johann Sebastian Bach und Max Reger vorgetragen wurden. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen hat auf Grund der Steuerordnung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer in der Stadt Gießen vom 7. Januar 1924 für diese Konzerte eine Vergnügungssteuer von 121,50 Gm. erhoben. Konzertorganist Adolf Wieder aus Halle, der bei diesem Konzert mitwirkte, hatte gegen die Steuerheranziehung bei dem Provinzialausschuh Klage im Verwal-
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