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, Der Ieppelin-Iubel in Süddeutschland.

München. 16. Oft. (SU.) Die Ankunft des -3. R. Hl in Amerika wurde in München begeistert begrübt. Die Hauptstraßen der Stadt waren mit schwarA-weiß-roten und blau-weißen Fahnen ge­schmückt. Auch das Rathaus hatte geflaggt. In Karlsruhe läuteten sofort nach der glück­lichen Landung des Z. R. III in Lakehurst die Kirchenglvcken und auf dem Rathausturm wurde eine Flagge gehißt. Das war das Zeichen für die sogleich einsetzende Beflaggung der Stadt durch die staatlichen und städtischen Be­hörden sowie durch viele Privatleute Der Rat der Stadt Leipzig hat der Freude über den Ozeanflug des Z. R. III durch die Be- f lag g un g des Rathaus turmes sowie anderer städtischer Gebäude Ausdruck verliehen und fordert die Bürgerschaft auf, seinem Beispiel zu folgen.

Sn Stuttgart loste die Meldung von der Landung des Amerika-Lustschiffes in allen De° völkerungskreisen lebhafte Freude und Begeisterung aus. Den ganzen Sag über, na­mentlich aber in den Rachmittagsstunden, als die Ueberfliegung von Boston und Reuyork bekannt wurde, griff das Publikum mit einem wahren Heißhunger nach den in immer neuen Auflagen erscheinenden Extrablättern und Zeitungen. Als­bald nach dem Eintreffen der Rachricht von der glücklichen Landung in Lakehurst waren zahlreiche Privachäuser in den Hauptgeschäftsstraßen be­flaggt.

Eine Kundgebung des Hessischen Landtags. (Don unserer Darmstädter Redaktion.)

Darmstadt, 15. Oft. Während der heu­tigen Sitzung des Hessischen Landtages richtete Präsident Adelung die nachstehende An­sprache an die Abgeordneten: Soeben kommt die Meldung, daß das große Unternehmen, da5 die ganze Welt in Spannung hielt, gelungen ist. (Lebhafter Beifall.) Das deutsche Zeppelinluft­schiff hat auf seinem Flug über das Weltmeer Amerika erreicht. (Bravo.) Es überfliegt soeben die großen Städte der Ostküste. Es han­delt sich hier um einen bedeutenden Abschnitt .in der Geschichte der Menschheit (Beifall). Der Menschengei st hat einen großen Triumph errungen über die Kräfte der Ratur. Uns erfüllt es mit besonderem Stolz und besonderer Freude, daß es deut­scher Erfindungsgei st und deutsche Satfraft waren, die dieses gewaltige Werk zum Gelingen brachten, das allen Menschen zum Segen gereichen wird. .(Lebhafte Zustimmung,) Sch bin überzeugt, in eimnütigemSinne des Hauses zu handeln, wenn ich den kühnen Pionieren der Technik

die stolze Freude und die herzlichen Wünsche des Hessischen Landtags

zum Ausdruck bringe. (Stürmischer Beifall.) An den Führer des Luftschiffes Dr. Eckener wurde nachstehendes Telegramm gesandt:

Dr. Eckener Z. R. III

Lakehurst

U. S. A.

Hessischer Landtag hat mit begeisterter Freute (oeben Kunde von der glücklich vollbrach.ea Groß­tat der Ueberquerung des Atlantik im Luftschiff aufgenommen. Hessische Dolksvertre- tung sendet namens des Hessenlandes Schien und all -Shren Mitarbeitern, den kühnen Pionieren deutschen Geistes und deutscher Sechnik Dank und Grüße. Möge neues Glück aufblühen aus Lchrem Werke für die Menschheit. Der Prä­sident des Hessischen Landtags: Adelung.

Weitere Glückwünsche,

Berlin. 16. Oft. (WSD.-Funkspruch.) An­läßlich der glücklichen Ueberfahrt des Z. R. III haben Glückwunschtelegramme an den Führer des Luftschiffes u. a. gesandt: Die württem- bergische Staatsregierung, die bayerische Staats­regierung, die deusschnationale, die Zentrums- und die demokratische Fraktion, der Reichsverband der deusschen Sndustrie, der Deutsche Sndustrie- und Handelstag, der Verein deutscher Sngenieure. die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftschiffahrt. **'2'--1 ; ] '

Gegen die Zerstörung der Zeppelinwerft.

Äwe deutschnationale Anfrage an die Neichsregierung.

Berlin, 16. Oft. (SU.) Die deutschnatio- aalen Abgeordneten Schmidt-Hammer, Srevira- nung, Gras Westorp und Quaah haben folgende kleine Anfrage im Reichstag eingebracht: Rach Pressemeldungen soll Frankreich, auf über­holten Vertragsbestimmungen fußend, die Zer­störung der Friedrichshafener Zep­pelinwerft, der Schuppen und Modelle ver­langen. Die Erfüllung der französischen Forde­rung würde nicht nur eins der größten Kulturwerke nutz - und zwecklos ver­nichten, sie wäre auch gleichbedeutend mit Kapital und Materialzerschl.igung, deren Sinn­losigkeit in der gegenwärtigen weltpolitischen Lage besonders kraß hervortritt. Zeppeline können im jetzigen Stadium des Grohlustschisfbaues nicht mehr als Kriegsfahrzeuge angesehen werden. Sie dienen den großen Interessen von Verkehr und Wirtschaft. Das Zeitalter des Weltluftverkehrs hat begonnen und kann weder der Widerstandskraft deutscher Sngenieure noch der Qualitätsarbeit deutscher Arbeiter ent­behren. Was gedenkt die R e ichs reg ieru n a zu tun, um Deutschland die Zeppelinwerft zu erhalten und zugleich eine Milderung der engherzigen internationalen Luftverkehrs­bestimmungen zu erreichen?

Frankreich und der Zeppelin. Der Feldzug der Pariser Presse für die Zerstörung der Zeppelin-Werke

in Friedrichshafen.

Paris, 16. Oft. (SU.) Die Ankunft des Zeppelin wurde gestern nachmittag 4 Uhr in Paris bekannt. Die Abendblätter bringen die Meldung mit großen Ueberschriften Offenbar hat die Ankunft in allen Kreisen großen Eindruck hervorgerufen, um so mehr tefre.n- den muß es daher, mit welcher Hartnäckig­keit die Pariser Presse in direkter ober mdi- refter Form immer wieder das Shema der Z e r -

ftörung Der Zepperrnwersi in Fried­richshafen zum Ausdruck bringt. Rlian hat es offenbar mit einem wohlorganisierten Feldzug zu tun. zu dem die Zurückhaltung, die sich die englischen Blätter in dieser Frage auferlegen, in krassestem Gegensatz steht.

Der heutige Leitartikel derTemps", der zu UnrechtDie politische Krise in Deutschland" be­titelt ist, ist ein typisches Beispiel für die fran­zösische Presse Campagne. So schreibt das Blatt u. a.:Die gesamte deutsche Presse, sowohl die links-, wie auch die rechtsgerichtete, versucht das Publikum für die Amerikareise des Zeppelin zu be­geistern. Offenbar gilt es, eine Strömung zugunsten der deutschen Luftschiff­fahrt aus rein politischen Gründen hervvrzurufen. Man plant die Schaf­fung großer internationaler Luft- Verkehrswege zwischen Europa und Süd­amerika und zwischen Afrika und S n d i e n. Auf die Einbildungskraft des Publikums versucht man mit der Möglichkeit zu wirken, daß Deutsch­land die Luftschiff-Konstruktion für die gesamte Melt in die Hand nehmen wird und selbstverständ­lich versucht man, hier ein Argument zugunsten der Streichung des Paragraphen des Versailler Ver­trages vorzubringen, die die Zerstörung der Riesen- Luftschiff Halle in Friedrichshafen besttinmt.

Es soll der Eindruck erweckt werden, daß durch die Riederlegung der Werft in Friedrichs­hafen der Entwicklung des gesamten Luf ts chif f ahrtwes ens überhaupt ein verhängnisvoller Schlag versetzt würde, so daß die verbündeten Mächte im allge­meinen Snteres e darauf verzichten müßten, d's diesbezügliche Besttmmung des Versailler Ver­trages in Deutschland zur Anwendung zu bringen. Es handelt sich hier offenbar um ein Ma­növer, auf das man nicht hereinfallen sollte." Das Blatt fährt fort: Wenn man von der Zer­störung der Werft in Friedrichshafen vorläufig

Abstand genommen lyahe. >o sei oas tediglicy nur deshalb geschehen, um den Dau des von Amerika bestellten Luftkreuzers zu ermöglichen; es könnte aber unter keinen Umständen die Rede davon fein, daß eine solche Sache den Deutschen länger überlassen w rd.

Sn dieser Frage muß der Versailler Vertrag feinem Geist und Buchstaben nach voll und ganz zur Anwendung gebracht werden. De. Feldzug, ter zugunsten der deutschen Luftschiffahrt anläßlich der Reise des Z. R. III nach Am rika unternommen wird, solle nicht über die wa hre n Probleme hin- wogtäuschen. Die einzige Frage, d.e auge.ibl.ck- lich von Wichtigkeit ist, betrifft die politische Orientierung, die Deutschland einschlägt. Don dieser- Frage hängt allein die Zukunft des euro­päischen Friedens ab, alles andere sind Abschweifungen.

Das Interesse in England.

London, 15. Oft. (WTB.) Die englischen Zeitungen bringen ausführliche Berichte über die Ankunft des Z. R. III in Amerika. Die Reise des Luftschiffes über den Atlantischen Ozean wurde vom Publikum mit dem größten Snteresfe verfolgt. Das Gelingen des Wagnisses wird in der Presse der Geschick­lichkeit des Piloten und den Schöpfern des Luftschiffes zugeschrieben. Die Heldentat ruft natürlich die Leistung des bri­tischen Luftschiffes R. 34 in Erinne­rung, das über den Atlantischen Ozean hin- und zurückfuhr. Die Hinreise wurde damals in 108 Stunden zurückgelegt. Auf der Rückkehr nach England fuhr R. 34 aber weit schneller, so daß er auf dem Flugplätze von Pulham 75 Sttm- den nach feiner Abreise von Amerika gelan­det ist.

Die Negierungskrisis vor der Lösung?

Das Zentrum für Ne ^ierungserweiterung. Die Demokraten sagen wohlwollende Neutralität zu.

Berlin, 16. -Oft. (SU.) Sm Reichstag trat am Mittwoch vormittag 11 Uhr der Vorstand der Zentrurnssraktion zu einer Sitzung zusammen, an der auch Reichskanzler Marx teilnahm. Vertreter des Zentrums haben sich inzwischen nut den demokratischen Führern in Verbindung gesetzt und aus den Besprechungen feststellen müssen, daß der gestrige Zentrumsbeschluß eine Aenderung der Haltung der Demo­kraten nicht herbeiführen werde. Diese sind weiter der Meinung, daß chre Beteiligung an der bürgerlichen Koalition nicht möglich fd.

Die Entschließung der demokratischen Fraktion hat folgenden Wortlaut: Die demokratische Frak­tion hält daran fest, daß die gegenwärttge Krise ohne Rot her auf beschworen wurde und daß schwer­wiegende Gründe der Außenpolitik ein Bei be­halten der jetzigen Regierung erfor­dern. Die Regierung hat die Pflicht, sich vom Reichstag die Zustimmung für die Fortführung der bisherigen Außen- und Snnenpolitik geben zu lassen und darf erst dann abtreten, falls wider Erwarten der Reichstag sie dazu zwingt. Entsprechend den bisherigen Beschlüs­sen vermag die Fraktion eine einseitige Er- toeiterung der Regierung nach rechts nicht mit ihrer Verantwortung zu decken.

Das Zentrum hat seine neuerliche Frak- tionssihung vertagt.

Als äußerlichen Grund für die Vertagung wird angegeben, daß Reichskanzler Dr. Marx im Hinblick auf die vielen Verhandlungen, die er im Laufe des gestrigen Sages geführt hat, nicht mehr in der Lage war, sein ausführliches politisches Referat zu halten. Aus parlamentari­schen Kreisen erfährt die SU. ergänzend, daß man in Zentrumskreisen die Lage für so weit geklärt hält, daß die Entscheidung zugunsten eines Regierungseintritts der Deutschnationalen als ge­fallen betrachtet werden könne.

Sm Laufe des gestrigen Sages hat nach einer in­ternen Vorstandssitzung der Zentrumsfraktion eine eingehende Besprechung zwischen dem Z e n - trumsfraktionsvorstand und Dr. Marx stattgefunden, in der ebenso wie in der vorhergehenden Kabinettssihung die Frage einer eventuellen Auflösung des Reichstags oder der Erweiterung der Regierung eingehend besprochen wurde. Sn der Kabinettsfit- gung war die Frage der Auflösung als nicht akut betrachtet worden. Die Zentrumsfraktion tritt heute früh 11 Uhr erneut zusammen, ebenso öie Fraktion der Deutschen Dolkspartei. Die Haltung der Demokraten

Berlin, 16. Oft. (SU.) Gegenüber anderen Auslegungen der oben mitgeteilten demokratischen Entschließung wird von demokratischer Seite dar­auf hingetr-iesen, daß im Wortlaut der Ent­schließung nichts liege, was zu der Annahme veranlasse, daß die Demokraten sich schließ- lich doch noch an einer nach rechts erweiterten Regierung beteiligen und ihre Minister darin lassen würden. Auch Reichswehrminister Geß -- l e r, von dem verschiedentlich gemeldet wurde, er werde als Fachmini st er auch einem nach rechts erweiterten Kabinett angehören, hat erklärt, daß, wenn die Fraktion aus der Regierung ausscheide, er selb st verständlich auch aus scheiden würde. Sm übrigen wird die demokratische Frak­tion, wie die Selunion erfährt, einer neuen Regierung keine Opposition auf jeden Fall ansagen, sondern erst ihre Zusammensetzung und ihr Programm abwarten und dann von Fall zu Fall entscheiden. Außenpolitisch werde U® u n terstühen, wenn sie die bisherige Außenpolitik fortsehe, und innerpolitisch werde sie f re i e Hand behalten.

. Trotzdem glauben m hre e Dlät er, daß trotz Fraktionsbsschlu ter Sem "träte i noa) nicht das lebte Wort in der Frage

der Regierungserweiterung nach rechts gesprochen worden sei. DerVerl. Lokalanz." erklärt, in rechtsstehenden parlamentarischen Kreisen rechne man mit der Wahrscheinlichkeit, daß das Zen­trum mit der Volkspartei und den Deutschnatio­nalen auch ohne aktive Teilnahme der Demokraten in eine Koalition geht Für dese Auffassung sei die Erwägung maßgebend, daß die Demokraten nicht faeib ichtigen. in eine grund­sätzliche Opposition zu der kommenden Reg e ung zu treten, vielmehr in den meisten sachlichen Fra­gen vor allem in der Außenpolitik eine Bürger- block - R e g i erung unterstützen den. Auch dasBerl. Sagebl." betont, daß die Demo­kraten der nach rechts erweiterten Re­gierung keine Schwierigkeiten be­reiten würden, wenn die Autenpolitik unter der Kanzlerschaft von Marx sich auf derselben Linie wie bisher bewegen sollte Falls eine Re­gierung ohne Demokraten zustande kommen sollte werden, wie das Blatt hervorhebt, die beiden demokratischen Minister Gehler und Hamm nach ihren gestrigen ausdrücklichen Erklärungen in der Fraktion von ihrem Amte zurück treten.

Hessischer Landtag.

(Von unserer Darmstädter Redaktion.)

Darmstadt. 15. Oft. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10 Uhr. Abg Dr. Greiner (Kom.) richtet eine kleine Anfrage an die Regierung über die Bezüge, die der e h e- rnalige Grohherzog vom hsssischen Staate erhält. Ministerialdirektor Schäfer legte dar, daß die Bezüge des Grobherzogs in der Art wie die Beamtengehälter festgestellt würden; gegenwärtig erhalte der ehemalige Groß- Herzog monatlich 6257 Mk.

Das Haus tritt hierauf in die Dagesord-- nung; als erster Punkt steht darauf eine Regie­rungsmitteilung über

die Rechtsverhältnisse des Patronats

in der ausgeführt wird, daß die hessische Ver­fassung die Aufhebung und Ablösung der Pri- vatpattonate durch ein beso nderes Gesetz bis spätestens 31. Dezember 1924 verlangt. Bei den Vorarbeiten für den Gesetzentwurf seien Zweifel darüber entstanden, ob das Kirchenpatro­nat überhaupt zum Gegenstand einer (an- desgesehlichen Regelung gemacht werden könne. (Art. 137 der Reichsverfassung.) Es soll über diese Angelegenheit eine Entscheidung des Reichsministeriums herteigeführt werden Diese Entscheidung sei aber nicht bis zum 31 Dezember 1924 zu erwarten.

Abg. D. Dr. Diehl (Dtschntl.) wünscht, daß dem gegenwärtigen Zustand ein Ende berei­tet werde, er sei unhaltbar, die evgl. Kirche habe das größte Entgegenkommen gezeigt. Abg Reiber (Dem.) verlangt ebenfalls Beschleuni­gung der Angelegenhett, fordert aber, daß bis zu dem Zeitpunkt der endgiltigen Regelung die Sn- Haber der Schulpatronate keine Präfen- tationsrechte ausüben dürsten. Aba D Sh:. Diehl (Dtschntl.) tritt dieser Forderung ent- fdMeöen entgegen. Es widerspreche jedem Rechts- gesuhl, wenn man den Snhabrr eines Rechtes an bflsen Ausubung verhindere. Man könne wohl ein Gesetz kurzerhand beseitigen, das sei em revolutionärer Gedanke, aber wenn man sich auf ?en ^^Esb oben stelle, müsse man unbedingt dem Snhaber emes Rechtes dessen Aus- ubung zu gestehen. Der Ausschuß spricht m feinem Bericht lediglich die Ditte aus, von ter Regierungsantwort zur Patronatsfrage Kenntnis zu nehmen; dies geschieht.

Das Haus stimmt sodann einer Regierungs­vorlage zu, die u

@runJ)I^9cn für die Fertigstellung, Wetterführung und Neuerrichtung von Bauten

schafft Für die Ferttgstellung von Bauten sind rund 4'/,. Millionen Mark erforderlich, einschließ' (ich ter für 1925 vorgesehenen.

Es werden hierauf mehrere k l e i n e r e D o r- l v. g e n in Übereinstimmung mit den Aus­schußanträgen erledigt.

Abg Dr. Werner (Dntl.) richtet eine Äleme Anfrage an die Regierung über den Holzhieb in hessischen Wäldern d irch den Himmelsbach-Konzern. Ministe­rialdirektor Schäfer erwidert, daß die hessische

Regierung bereit sei, Feststellungen hierüber wachen zu lassen und das Ergebnis dem Hause mitzuteilen.

Der Antrag des Abg H o f m-a n n-Seligen­stadt und Genossen über

die Drotpreise

entfesselt eine längere Diskussion Allgemein wird Klage geführt über die h hen Bro!p.eise. Der Antrag des Ausschusses, der eine Rachprü - fung der Bro tp reis-Kalkulation und verschärfte Rah.ungsmiltetkontiolle bor» schlägt, wird angenommen.

_ ,®a3 5)aug nimmt hierauf in erster und in otoeiter Lesung die Regierungsvorlage über de r Entwurf eines Gesetzes zurAbänderungdes Land tags Wahlgesetz es vom 16. z

an neue Gesetz ist in seinen wesent­lichsten Besttmmung en dem Reichstagswa HIge e) angeglichen. Abg Dr. Werner (Deutschnat) beantragt namentliche Abstimmung über eine i Antrag auf Herabsetzung der Zahl der Land tags Mandate von 70 auf 60. Da hierfür die Anwesenheit von zwei Drittel der Abgeordneten notwendig ist, wird darüber Don­nerstag abgestimmt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. Oft. 1924.

Verpachtung des Hardtßofes an die Landes-Universität.

Die Stadt Gießen hat den Hardthof, ten sie kürzlich erwarb, im Umfang von über 500 Morgen an die Landes-Universität für die Zwecke des Landwirtschaftlichen Sn- stituts verpachtet. Einen Seit des Gesamt­geländes, der in der obengenannten Morgenzahl nicht enthalten ist. hat sich die Stadtverwaltung für ihre eigenen Zwecke Vorbehalten. Der Pacht­vertrag mit der Landes-Universität läuft auf 18 Sahre. Es ist beabsichtigt, in dem oberen Seile des Hardthofes das Snstttut für Tier­zucht einzurichten, der untere Hof und das Guts­land soll der Pflanzenbauabteilung dienen. Rach den Pachtbedingungen übernimmt die Pächtertti (die Landes-Universität) das lebende und tote Snventar des Vorbesitzers einschl. ter Ernte- Vorräte zu dem Preise und den Bedingungen, die sich aus den entsprechenden Abmachungen zwischen dem Vvrbesitzer und der Stadt und der sachverständigen Abschätzung ergeben. Wie das Ministerium im Finanz-Ausschuß tes Landtages mitteilte, beziffert sich die erforder­liche Summe auf 1 7 1 9 3 8 M k., die auf dem Wege des Staatskredits verfügbar gemacht wer­den muß. Der Finanzausschuß bewilligte den Kredit.

Damit ist ter Pachtvertrag perfekt geworden. Zugleich ist damit nun auch die leidige S ch i f f e n b e r g f r a g e, die vor etwa zwei Soh­ren die Gemüter in Wallung brachte, endgül­tig erledigt, da jetzt unserem landwirtschaft­lichen Snstttut auf dem Hardthof das Arbeitsfeld zur Verfügung steht, das man seinerzeit auf dem Schiffenberg zu finden glaubte. Sm Snteresfe un­serer Landes-Universität und vom Standpunkt des bürgerlichen Gemeinwohls aus kann man die jetzige Regelung nur begrüßen.

Bornotizeu.

Sageskalende rfürDonners tag Städttheater: 6i/2 Uhr:Der Fremde", hierauf: Der zerbrvchene Krug". Deutsche Vollspartei: 8i/o Uhr: Gewerbehaus, Mitgliederversammlung Rundfunkhaus, Löberstraste: 8.30: Chorwerke, 1011: Blaskvnzeri ter Frankfurter Oper. Lichtspielhaus, Mihnhvfflr.:Mädchen, die man nicht heiratet". Astoria-Lichtspiele:Luft­piraten".

Wettervoraussage.

Tagsüber noch schwach bewöllt, trocken, strich­weise dunstig, in höheren Lagen leichte Rachtfrost- gefahr.

" Pachtpreisregelung in 1 924 und hessische Landeskirche. Man teilt uns mit: Durch Ausschreiben vom 15. September hat das Landeskirchenamt angeordnet, daß künftig für die verpachteten Besoldungsgrundstücke der Pfarreien die Friedensgoldmarkbeträge von den Pächtern zu bezahlen sind, sofern nicht im Satire 1923 oder 1924 abgeschlossene Verträge mehr bestimmen. Bei allen Reuverpachtungen im laufenden Sahr sind die Friedenssätze fast immer erreicht, häufig so­gar überschritten worden. Darum ist die Verord­nung des Landeskirchenamts eine durchaus ge­rechte. Ueberdies stehen ja sämtliche landwirtschaft­lichen Erzeugnisse auf Friedenspreis, viele sogar darüber. Wo in diesem Sahre außergewöhnlicher Schaden durch besondere Unwetterkatastrophen entstanden ist, wird mit Milde verfahren werden. Zu ter angeführten Maßnahme zwingt auch die Finanzlage der Kirche. Diese wird bei der Lan­deskirchensteuer wohl einen Ausfall von an­nähernd einer Million erleiden. Denn das Veran­lagungsverfahren ermöglicht wohl in Fällen be- onterer Härte eine Herabsetzung, nicht ater eine Heraufsetzung, wo eine offenbar zu niedrige Einschätzung vorliegt. Einen wei­teren Schaden von mindestens V* Million Gold­mark muß die hessische Landeskirche infolge des Wegfalls ihrer Kapitalzinsen buchen. Will die Landeskirche ihren Verpflichtungen auch nur not­dürftig nachkommen, so darf sie nicht auch noch bei den Pachten einen neuen erheblichen Ausfall er­leiden.

RDD. Eisen bahnseitige Gepäckbe- örderung für Luftreisende. Vom 16. Oktober ab soll die Beförderung tes Gepäcks der Flugzeugreisenten ohne Vorlage von Fahrkarten versuchsweise auf ten Reichs bahnst recken zuge­lassen werden. Die Annahme wirb auf Gegen - tönte des 2teisebedarfs und auf srnhsstens teei Sage vor dem Flugtage gegen Vorlage des Flug- cheins beschränkt. Die Abfertigung ist auch von und nach anderen St.rtion.en als ten Ausgang?- und Ankunsts- Flughafen zulässig. Der Gepäck­abfertigungsschein soll in allen seinen Seilen ten VermerkLustreife" tragen. Während hinsicht­lich Verpackung, Beförd.mng und Ausli f rung die Besttrnmungen für Reisegepäck maßgebend sein ollen, erfolgt die Frachtterechnung nach dem Expreßgut-Sa rif.

Von den hessischen Landwirt- chaftsschulen. Der ordentliche Lehrgang 1924/25 an den hessischen Landwirtschaftlichen Schulen wird am Montag, 10. Rovember, eröff­net. Der Unterricht dauert bis zur Karwoche und wird auf Grund eines für sämtliche Landwirt- chaftliche Schulen einheitlichen Unterrichtsplanes in 34 Wochenstunden erteilt. Der aefamte Unter-