Ausgabe 
15.10.1924
 
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nr. 243 Erstes

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Blatt

17$. Jahrgang

Mittwoch, 15. SMover 1924

General-Anzeiger für Overhessen

vnick und Verlag: vrilhl'sche UniverfilüLr-Buch- und Sfdnörudcrei H. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

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Der Zeppelin vor dem Ziel

ge-

alle national benlenbed in gewisser Hinsicht ver-

dürften sie sich aber Weg befinden, ba Amerikaner sich

Der Rechtsausschuh tagt ohne bürgerliche Abgeordnete.

Berlin, 14. Ott. (WB.) Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Reichstages, Abg. Katz (Komm.), hatte für heute nachmittag eine Sitzung anbcraumt, trotzdem in der letzten Sitzung des Ausschusses die Vertreter der bür­gerlichen Parteien mit Ausschluß der Nationalsozialisten erklärten, daß sieunterdie- sem Vorsitzenden keine Sitzungen mehr abhalten wellen. Heute waren ledig­lich die Sozialdemokraten und die Kom­munisten vollzählig erschienen, außerdem Fa h- ren horst (N.-S.). der sofort nach Eröffnung der Sitzung die Beschlußfähigkeit des Ausschusses an zwei felte. Der Ausschuß trat aber trotzdem in die sachliche Verhandlung über -das Wiederaufnahmeverfahren der Bayerischen Volksgerichte ein. inzwischen hatte Fahrenhorst den Saal verlassen. Der Ausschuß ver­handelte über den k'mnrunisti'chen Antrag, nach dem die vom Reichspräsidenten erlassene Ver­ordnung vom 17. Juni betr. die Reuregelung des Prehrechts aufgehoben werden soll. Die Auf- hchung der Verordnung wurde von allen an­wesenden Aus'chußniitgliedern beschlossen.

Aus dem Aufwertungsausschuh

Berlin, 14. Oft. (Wo'.ff.) 3m Unteraus­schuß des Auswertungsaussä.usses des Reichs­tages wurde die Aus'pvache fortgesetzt übe- die Möglichkeit der Rückdatierung von Auf- Wertungsansprüchen, auch wenn be.eits eine Annahme der Rückzahlung ohne Vorbehalte erfolgt ist. Cm Verlaufe der Diskussion wies Reichsftnanzminister Dr. L u t he r

General Danner zu 20 Jahren Zuchthaus. Oberst Krehenberg vorn Inf.-Regt. 132 zu 5 Jahren Zuchthaus und Major Grimm vom Landwehr-Regt. 99 zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Major Lackmann vom Ins.-Rcgt. 17 wurde freigesprochcn. Die Voruntersuchung dauerte ein Jahr, insgesamt waren 100 Zeugen geladen. Die Verurteilten werden beschuldigt, angeblich am 24. August 1914 in Gettuxilcr den Befehl erteilt zu haben, 100 Zivilisten zu erschießen.

Belgiens Antwort auf das Völkerbundsmemorandum.

Brüssel. 15. Oft. (TU.) ©:ft.rn nachmit­tag 3 Uhr ist unter dem Q3o Jia des Minister­präsidenten Theunis ein Kabineltsrat 8 uom- mengctrctcn Aufzcnminister HuhmanS ve :a-i den Text der Antwort der l-e.giche: R gering auf das Völkerbunds°Memor..n in Si: wurde vom Kabinett einstimmig gutg h ihen. Es rer- lautet, daß ihr Inhalt dem der Roten Frank- reichs und Englands entspricht und sich in der Form ungefähr mit ihnen deckt. Die belgische Antwort wird wahrscheinlich heut" dem Bot­schafter überreicht.

Die Räumung

des besetzten Gebiets.

Berlin. 15. Oft. (Voss Ztg.) Aus Münster wird gemeldet: Ucb^rraschend räumten am Diens­tag die Franzosen den wichtigen Cisenbahnlnolen- punkt FreiheitWesthofen, den die Li­nien FrankfurtHamburg, Hamburg Köln und LeipzigKöln berühren, von ihren Gruppen, nach­dem sie schon vor einiger Zeit ihre Zollbeamten zurückgezogen hatten. Rach einer neuerdings ein- gegangenen Mitteilung des Generals Mar:y ver­schieb t sich der Abzug dec Fianeosen ausD ort- nrundum zwei Tage, so daß die D o r t m u n d e r Zone nicht am 20., sondern erst im Laufe des 22. Oktober von den Truppen ge­räumt wird.

pflichtet fühlen, für die Erhaltung der Friedrichshafener Werft einzutreten. Die Begeisterung in Amerika für Z R. kl! ist so ungeheuer, daß die französischen Chauvinisten schwerlich mit ihrer Forderung durchdringen wer­den. Außerdem ist in den Vereinigten Staaten bereits eine starke Bewegung im Gange, d.e die Erhaltung der Friedrichshafener Werft for­dert, da gerade Amercka die Bedeutung der Zeppelin-Lustichiffe und ihre Zukunft erkannt hat.

Todesurteil

gegen deutsche Offiziere.

Paris, 15. Oft. (TU.) Das Kriegs- gericht des 2 0. Armeekorps Ranch hat gestern wieder deutsche Offiziere in Abwesen­heit zum Tode verurteilt, uhb zwar: Drigadegeneral Klaub, Divisionsgeneral von D e r r e r , Hauptmann G u i ch a r d vom 3nf.» Regt. 170. Oberst Hucce, Hauptmann Fritz und Leutnant Schröder vom Inf.-Regt. 60. Zum Tode wurde außerdem Feldwebel Sennen vom Inf.-Regt. 137 verurteilt. Ferner wurden

Eine Prüfungskommission für den deutschen Bergbau.

Dortmund, 15. Oft. (TU.) Die gestern im Oberbergamt begonnenen Besprechungen zw- schen Regierungsvertretern und Berg­bauinteressenten über die Krise im Bergbau wurden Dirnstagabend zum Abchl ß gebracht. Es wurde eine aus drei Arbeit - gebe rn und Arbeitnehmern begehen!« Kommission unter dem Vorsitz d»-s Reichs- fohlenkommissars gewählt,<x> zunächst prüfen soll, in welchem Umfange bie ,'nllgtt .g en Zechen noch abbauwürdig sind.

Ein späterer amtlicher Funkspruch enthalt fol­genden Bericht:Fahren mit 50 Meilen Geschwin­digkeit, Kurs Sabie Island, das wir 7' gen 1 Uhr früh mitteleuropäischer Zeit zu er­reichen gedenken. An Bord alles wohl."

gen en Verpflichtungen bestehen In diesen F Re ...... " auf einem falschen

Die Entscheidung des Zentrums.

Erweiterung der Neichsregierung nach rechts unter Teilnahme der Demokraten

darauf hin, daß durch das Wiederauf lebenlassen von Forderungen, die durch rechtsverbindliche Ge­schäfte bereits erledigt seien, in die Verhand­lungen des Ausschusses ein neuer Gedanke getragen werde, der sich log sch in keiner Weise in den Aufwertungsgedanken eingliedern Iaffe Vor allen Aufwertungsftagen müßte zuerst das Steuerprvblem und das Finanzausgleichsproblem gelöst werden. Eine Erhöhung der Zins­zahlungen und Hypotheken oder gar eine Erhöhung de r Aufwertung von Hypotheken würde sich beim städtischen Haus- besitz in einer Erhöhung der Mieten aus- toirfen. was gerade jetzt wirtschaftstaktisch falsch wäre. Er warne-davor, in diesem Mo­ment einer allgemeinen wirtschaftlichen Umstel­lung eine Mieterhöhung vorzunehmen. Der Mi­nister bat .schließlich, die Abstimmung solange auszusetzen, bis das Kabinett in einer Regierungserklärung zu den Fragen Stellung nehmen könne. Rach weiterer Aus prache vertagte sich der Ausschuß, ohne eine Abstimmung vor ge­nommen zu haben.

Lakehurst, 15. Ott. (Funksprnch der SU.) Der Korrespondent der Telegraphenunion erfährt, daß sich Z. R. III nach den neuesten Funkmeldun­gen von Bord nach hierher um 9.05 Uhr abends mitteleuropäische Zeit auf 43 Grad Nord und 50,30 Grad West befand. Das Luftschiff fährt im Tempo von 75 Seemeilen je Stunde. An Bord befindet sich a l l e s w o h l. Man nimmt hier an, daß Z.R. lll möglicherweise erstNeu- hork, dann Baltimore, Philadel­phia und Washington passiert. In die­sem Falle ist die Landung in Lake hurst nicht vor morgen nacht 12 Uhr mitteleuropäische Zeit zu erwarten.

Vor der Ankunft.

Heut) ott, 15. ort. (WTD. Funkspruch.) Um 9 Uhr vorm. m. Z. war der Z. R. III 70 Meilen östlich von Boston. Man erwartet gegen 11 Uhr seine Ankunft auf amerikanischem Boden.

Lakehurst in Erwartung.

aieut) ort, 15. Oft. (Kabeldienst der TU.) Die Funkstation in Lakehurst empfing gestern um 10,25 Uhr amerikanische Zeit (4,25 Uhr mittel­europäische) einen Funkspruch von Z. R. lll, nach dem sich das Luftschiff in direktem Kurs auf Lakehurst, 1500 Seemeilen von der Sta­tion, befand. Z. R. lll teilte mit, daß der Flug über Bermuda vermieden wird. Das Schiff fährt 45 Seemeilen in der Stunde. Die amerikanischen Wetterstationen melden gutes Wetter bei schwachem Nordwest. In Lakehurst üben Truppen für den Empfang des Luftschiffes, das heute früh zwischen 6 und 11 Uhr amerikanische (12 und 5 Uhr mitteleuropäische) Zeit dort erwartet wird.

Durch Flieger begrüßt.

Aus Neuyvrk wird gemeldet: Zahlreiche ame­rikanische Flieger drückten den Wunsch aus, Z R. 111 entgegenzufahren. Die Behörden befürchten jedoch, daß sie dem Luftschiff in den Weg kommen könnten, indessen haben einige Flie­ger die Erlaubnis erhalten, aufzusteigen, unter der Voraussetzung, daß sie sich dem Luftschiff auf nicht mehr als 1000 Fuß nähern. 5 Piloten teilten daraufhin ihre Absicht mit, dem Luftschiff das Geleit bis Neuyork zu geben. Rach Meldungen desNeuyork Herald" rechnet man mit günstigen atmosphärischen Bedingungen, Son­nenschein und einer leichten Brise. Ueber Lake­hurst ist ein förmlicher Belagerungszu­stand verhängt Das Rauchen ist streng verboten, sobald Z R. lll in Aussicht ist. Den Automobilen ist es streng unterlagt, innerhalb des Luftschiff­hafen-Gebietes Scheinwerfer zu benutzen. Die Per­sonen die sich an Bord des Luftschiffes begeben, müssen sich mit Gummischuhen versehen. Elektrische Antriebe für Motoren usw. dürfen nicht in Tätigkeit gesetzt werden.

Eine amerikanische Zweigstelle des geppelinbaues.

Friedrichshafen, 14. Oft. (Wolff.) Die Leitung des Luftschiffbaus Zeppelin teilt mit:

Die Berliner Regierungskrifis scheint ihren Gipfel erreicht zu haben. Die Ereignisse über­stürzen sich. Fraktwnsbeschlüsie werden gefaßt, die in wenigen Stunden später schon über den Hamen geworfen werden. Das Zentrum, auch dies­mal das Zünglein an bei Wage, hat einge- (en 11, an den Demokraten hängt nun die Ent­scheidung. Um den Zusammenhang noch einmal M r^apitulieren, war am Freitag der Reichs­kanzler an die Regierungsparteien mit der Frage herangetreten, ob sie einen Fortbest and der gegenwärtigen Regierung oder eine Erweiterung nach rechts ober eine Auf­lösung für das Zweckmäßigste hielten. Die /Vertreter des Zentrums und der Demo­kraten hatten sich, allerdings nur für ihre Per­son, dahin geäußert, daß sie ein Verbleiben -her gegenwärtigen Regierung be­grüben würden. Rach neuen Verhängungen mit Sen Deutschnationalen, in denen sich er» geben hatte, daß die Deutschnativnalen jetzt end­lich bereit waren, die Richtlinien des Kabinetts Mar^-Stresemann ohne Abstriche und Zusätze zu unterschreiben, war Herr Dr. Marx mit diesen reuen Ergebnissen erneut an die Regierungspar­teien herangetreten und hatte sie gebeten, jetzt eine Meinungsäuberung ihrer Fraktionen herbei» zuführen.

Labei war von der Deutschen Volks- Partei unmißverständlich hinzugefügt worden, bal) die Alternative eigentlich hätte anders ge­stellt werben müssen, nach Auffassung der Deut­schen Vollspartei sei eine Fortdauer des be» stehenden Zustandes nicht möglich, wem al o eine Erweiterung des Kabinetts nach rechts nicht tn Frage komme, bliebe nichts anderes als eine Auflösung übrig. Dieser Meinung hat sich auch der Reichskanzler selbst, allerdings in etwas zurückhaltender Form, angeschlossen. Das Zentrum begriff allo sehr wohl, in welche Zwangs­lage es hineingeführt wurde und, um zunächst einmal Zeit zu gewinnen, schützte eS die Tagung der Chiistlichen Gewerkschaften vor, die es ihm unmöglich machte, die Fraktion zusammenzurufen, so daß schließlich ein Aufschub bis zum Dienstag bewilligt wurde.

Die Fraktion trat bann am Dienstag Vor­mittag programmähig zusammen. Allgemein hatte man angenommen, bah es bis in den Nachmittag hinein dauern würde, bis sie zur Klarheit kom­men konnte. Aber schon um 1 Uhr_ mittags war sie fertig. Freilich in einer etwas überraschenden Form. Sie hatte es noch einmal versucht, sich der Klemme zu entziehen und der Fragest e l- lung aus dem Wege zu gehen, indem sie sich in aller Harmlosigkeit für das Fortbest e - hen der gegenwärtigen Regierung aussprach, gerade als ob niemals von einer Verhandlung mit den Deutschnationalen die Rede'gewesen wäre. Das mag sehr klug erdacht fein, jumal toeu da­durch die Gegensätze in der Fraktion uberbruat würden, und wie gerade von dem linken Flügel der Fiaktton hinzu gefügt wird, war dieser Be­schluß einstimmig gefaßt worden. Aber mit solchen Mittelchen kann man die Krisis nun doch nicht mehr kurieren, selbst dann nicht, wenn, wie die klugen Herren das getan haben, ein nicht ver­öffentlichter Zusatz zu der Entschließung art ge­nommen wurde, worin bemerkt war, daß diese Beschlußfassung nur für den Fall gelten sollte, daß die Fortdauer der gegenwärtigen Re­gierung sich nicht als unmöglich er­weise. Die Logik ging also dahin, daß das Zentrum, dem die Demokraten ja eigentlich nur noch als Anhängsel zuzurechnen sind, alles wei­tere von sich auf die Deutsche Volks-' Partei abschieben und abwarten woll. e , ob die Deutsche Dolkspartei nicht doch.vielleicht iimfaile, eine Hoffnung, die sich allerdings un möglich erfüllen konnte.

Die Deutsche Volkspartei hat dem Zentrum diesen Gefallen nicht getan ^lachdem die Dinge soweit gediehen waren, komft- sie unmöglich aus grundsätzlichen wie ah tischen Gründen zurückkehren Sie hat denn auch in einem Frakttonsbeschluß feinen Zweifel dar­über gelassen, welche Folgerungen sieaus: der Haltung des Zentrums werde ziehen müsse . In dem Beschluß heißt es:

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volks- Partei hat in ihrer Sitzung vom 14. Eobervon den Beschlüssen deS Zentrums und der deutsch demokratischen Partei Kenntnis genommen. Sie kann diese nur als eine Ablehnung der^^Zu­stimmung zu einer Rechservefterurft.. regierung auffassen. Die Deutsche nach der Prüfung der hierdurch geschaffenen i.ag einstimmig zu dem Ergebnis gelang a n i b r e1 bisherigen Stellungnahme t cu 3 u Raiten. Sie Voraussetzungen.

dem Zentrum und d-r D^tschdemolrnt.sch-n Pnr- 4ei für die Zuziehung der Deut ^7

Partei nach den Walsahlen aufgesteM wurden sind erfüllt. Sie dorbeh alt »f « M « » « »«e MMmZM

^Zuziehung ist zugleich eine notwendige J l licke Konsolidierung und Par - fam t nta r isch e G e sun d u ng. Die Koalition

der Mitte ist infolge der numerischen Schwäche von einer parlamentarischen Krise in die andere geraten. Ihre Fortführung bietet keine Gewähr ür Dermeidung weiterer Krisen. Die bisherige Koalitionsregierung wird im Gegenteil mit Sicher­heit binnen kurzem zum Schaden der deutschen Außen- und Innenpolitik erneut in parlamen­tarische Verwicklungen geraten. Die Deutsche Dolkspartei hält infolgedessen die Fortfüh­rung der bisherigen Koalitionsre­gierung als praktisch u n m ö g l i ch. Wenn ich aus der beseitigen parlamentarischen Situ­ation eine neue Krise ergibt, die zur Auflösung des Reichstags führt, so trifft nicht die Deutsche Dolkspartei die Schuld. Die An­nahme ihrer Vorschläge würde die Krise vermei­den und eine dauerhafte Konsolidierung der Re­gierung zur Fortführung ihrer Aufgaben ergeben. Don diesem Gesichtspunkt ist die Partei bei ihrer bisherigen Haltung ausgegangen. Aus demselben Grunde hält sie an ihrer Auffassung fest.

Daraufhin bequemte sich das Zentrum in einer am Spätnachmittag anberaumten Frak- tionssihung, ihre Auffassung vom Vormittag einer Revision zu unterziehen. In den Abendstunden wurde folgendes Kommunique verbreitet:

Nachdem die Beibehaltung der gegenwärtigen Regierung, die das Zentrum einmütig gewünscht hat, abgelebt wurde, erklärt die Zentrums­fraktion ihre Bereitschaft, einer Regierungs­erweiterung nach rechts auf dem Boden der vom Reichskanzler aufgestellten Richtlinien zu­zustimmen, falls die Demokraten auch in der Regierung verbleiben.

Ob nun die Bedingung, die das Zentrum an seine Zustimmung zur Regierungserweiterung nach rechts geknüpft hat, daß nämlich die Demo­kraten in der Koalition verbleiben, sich erfüllen wird, hängt von der auf heute nachmittag fest­gesetzten demokratischen Frakttonssitzung ab. Daß die Stimmung innerhalb der demokratischen Reichstagsfrattion keineswegs so einheitlich für Ablehnung der Rechtskoalition ist, wie es eine gewisse Seite großstädtischer Linksblätter wahr­haben wollen, beweist der Austritt wei­terer Bauernführer aus der Demo­kratischen Partei. Der preußische Land­tagsabgeordnete Westermann, die Mit­glieder des Reichswirtschaftsrats Schmidt- Hals und Kartkorp-Westpreuhen, ferner der Reichstagsabgeordnete Dr. Böhme haben ihren Austritt aus der Demokratischen Partei erklärt und sich der Deutschen Volkspartei an­geschlossen. Dr. Böhme, einer der fähigsten Leute der demokratischen Reichstagsftaktion be­gründet seinen Hebertritt in einem Schreiben an dieD. A. Z.", in dem es heißt:

Die Gründe meines Austrittes aus der Demokratischen Partei liegen in der «ibfolut ablehnenden Haltung der demokratischen Presse gegenüber der Erledigung des Z o l l - tarifes. Der Vorstand der Demokratischen Partei ist dieser Presse nicht entgegengetreten. Darüber hinaus hat mich die Einstellung der Demokraten zur Frage einer bürgerlichen Regierung zu meinem Schritt bewogen "

Diese Bemerkungen sollten den Führern der Demokraten doch zu denken geben, wenn sie in ben heutigen Rachmittagsstunden zwischen Rechts- regicrung oder Reichstagsauflösung zu wählen haben Für Neuwahlen ist die Absplitterung we­sentlicher Teile des Bauernbundes kein sonder­lich gutes Omen.

Die von der Presse gebrachte Nachricht, daß di« gesamteTätigkeit des Luftschiffbaus Zeppelin nach Amerika verlegt werden sollte, trifft nicht zu. Die Sachlage ist vielmehr folgende: Der Luftschiffbau Zeppelin hat in den Vereinigten Staaten eine Reugründung ge­meinsam mit der Goodyear-Gesellschaft ins Leben gerufen, die unter dem Namen Goo­dyear-Zeppelin-Corporation den Dau van Luft­schiffen in Amerika aufnehmen soll. Zu diesem Zweck ist geplant, einen kleineren Stab von In­genieuren dahin zu entsenden. Die Fortführung der Arbeiten in den Zeppelinwerken in FriR>- richshafen wird dadurch nicht beeinträchtigt. Ein enges Zusammenarbeiten beider Werften ist vor­gesehen. Dr. Ludwig Dürr wild, wie seit 25 Jahren, technischer Direktor in Fried­richshafen bleiben. Als technischer Leiter der neuen Werft ist der Chefkonstrukteur des Luft­schiffbaus Zeppelin, Dr. Karl Arnstein, vor­gesehen.

Frankreichs Vernichtungspolitik. Seit Tagen sind die französischen Chauvi­nisten. besonders jene, die in der Redaktion des Matin" sitzen, eifrig am Werke, um dem Aus­lande. vornehmlich Amerika, llarzumachen, daß nunmehr die Zeppelin-Werft in Fried­richshafen auf Grund des Versailler Feie» densvertrages abgebrochen merben müsse. Das letzte Zeppelin-Luftschiff habe die Ftiedrichs- hasener Anlagen verlassen, diese hatten also nun­mehr ihren Zweck erfüllt und mühten, wie es der Wortlaut des Vertrages verlangt, von der Erdoberfläche verschwinden. Man muß es den Franzosen lasten, daß sie in Angelegenheiten, die sich gegen Deutschland richten und mit dem Versailler Stiebend'oe trag irgendwie zusammenhängen, sehr rasch und nachdrücklich auf Erfüllung der eingea.m-