Ausgabe 
14.11.1924
 
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Zlr. 269 Erstes

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GießenerFamilienblätter Heimat im Bild.

ü7onat$«D<5Uc$Frti$: 2 (Bolbmaik u. 20 Gold­pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: Schristleittmg 112, Ver­lag undGeschäftbstelleSl. Anschrift für Drahtnach­richten: LnjeigerSieße».

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Statt

Vt. Jahrgang

5rettag, H* November 192$

GietzenerAmeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VniS vnb Verlag: vrühl'sche UnlverfitSt§-Vuch- und 5teindruSerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und GeschSftrftelle: Zchnlskraße 7.

ZeeoUBt hr ZImj<.uc« sLr blt T»ge»n»mmer bis gum Nachmittag vorher ohne ledeDerdindltchbet^ preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« ortlichü, aus wärt« 10 (Bolbpftnaig; für Ne- Klame-Anzeigen o 70.um Breit« 35 Goldpfenma, PiatzoorschNP 20' . Auf­schlag. - Verantwanlich für Dolittk n. Feuillrioiü t)r Friedr Wilh llanqe; für den übrigen Teil: Ernst Blumsch«>n,fürd«n Anzeigenteil: Hans 'tisch, familich im <bi«b«n.

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Deutschlands Außenpolitik.

Das Expose Dr. Stresemanns. Die deutsch-französische Entspannung. Unsere außenpolitische Zukunft.

Die Rede, die Herr Dr. Strefemann nm Soimeritaguormittag in Dortmund gehalten hat, toiro zweifellos eine Beachtung finden, die weit über den Kreis der Partei hinausreicht. Denn, obwohl der Parteiführer vor den Dele­gierten seiner Partei sprach, ist die Rede etwas ganz anderes als der übliche Deschönigungs- und Derteidigungsversuch, den Parteiführer bei solchen Gelegenhriten vorzubringen pflegen, sie ist vielmehr ein großzügiges Expose unserer auswärtigen Lage, ein Rück- blick auf - den Schritt, den wir außenpolitisch im letzten Jahr vorwärts gekommen find, ein Querschnitt unserer Gegenwartsbeziehungen zu den auswärtigen Mächten, und mehr in dem, was nicht In der Rede steht, als in dem, was in Morte gekleidet wird, ein Ausblick in die nächste Zukunft.

Es spricht für die Politik des Außenministers, daß der Paririführer es sich leisten kann, die eigentliche Plattform dieses Exposes, denR e i ch s- t a g, durch das Kremium seiner Parteidelegierten zu ersehen. Und schließlich tritt dr.-ser Erfolg noch deutlicher in die Erscheinung durch die Stadt, in der die Rede gehalten wurde: das befreite Dortmund. Dortmund ist ein Symbol, zugleich aber auch ein Ansporn und eine Mahnung an die Aufgaben, die noch vor uns liegen Dr. Strese- mann hat auf die Mühseligkeit unseres außen­politischen Weges hing?wi:sen, ans dem niemand blendende Erfolge und sofortige Endergebnisse er­warten darf Immerhin: Dortmund ist ei n st a r ° kerSchritt vorwärts. Und Dortmund nicht allein. Der Außenminister hat das Fazit von Lon- bon gezogen, er hat all die Erleichterungen, die Verbesserungen in den Zuständen des besetzten Ge- bictes oufgezählt. um schließlich zu der, wenn auch indirekten, so doch wichtigsten Auswirkung dieser Entwicklung zu kommen, nämlich zu der Feststel­lung einer Entspannung der deutsch- französischen Beziehungen

Dieser Punkt zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze R'de und das gant siher n'cht ohne bofondere Ab icht. Das deutsch-fra-zösi ch: Verhältnis ist nun einmal auch über den Augen­blick hinaus das beherrschende Kern­problem Europas, und die zumhre de Einschaltung Ame ri kas . M: der d utstze Außenm nister mit Monter Ane Fen ung quittiert, ist ein Beweis dafür, daß seine B.'doutnnz auch noch darüber binauSreicht. Geva^e ab:r, w il di: große politisch? £tti: von der Londoner K>n- ferc-z her auf ei ic immer stärke werdend: D - frier u g hi: ausläuft, müssen Slcrng:n um so sorgfältiger beobachtet wer'e.r, wnl durch Klei­nigkeiten nur zu leicht alles we^er über den Haufen geworfen wer en kvnn. Da um Hit der Außer Minister mit abgewogenen Wor en fe Fall RathuIius rrw ibn: und diesen wis e j il als einen Mißgriff untergeordneter Organe b-zeich-et. um so Hern Herriot e re ÄuiÜT? zu bieten, hinter der er d e Anseleg^' h it ohne P-.estig v rlu t in Ord u rg bringe i kann. Man dnrf vielleicht dn: Ansiht sein, daß H rr Dr Stresemann in die'er Frag: rmhi i etwas schärfer Hütte zuracken kön en Mögliäe we e aber Hit feine Bov.icht mit ih e, Grund da.in. daß die Stocku"g in den deutfch-franzö- lilchen W i rtschaftsverhandlungen doch ernsterer Ratu: ist, als mn nah außen hin wahr haben will. 3a der ?Iu'- npolitik pi - len ja oft so viel Fäden durch inarder daß mag »richt gut einen einzelnen davon he aus.zrei'en und gesondert behandeln kann. Daß aber di: Wirtschaftsve-chandlu-gen ge ade mit Fra k eich leicht v.-nstatten gehe, irüv cn, hat w hl iDt vornh::cin numanö erwartet Dns sirr) Di ge, auf denen man unter timftäa er long: Zei si ca muß. eh: man sie zum Ab ch bri gt. We di: stärksten Qleroen hat, macht 'ch.iczlich das Ge^ schäsl. und da wir ja im Januar untere w rt- fchnftSpoliti'ch: Fr:ih it wieder erlangen, so tonn­ten wir schon zuwarten.

Ab r der Auß nm nister h't j-denf l s recht, wenn rr unterst e cht, daß di: Wirtsch f s er Handlungen zwar en sehr bedmtend.w im ne b n doch nur ein Teil des g o'EN Fr g-nkom- plerrs unsere: Aut-enpol tik sind Wie vi lfältig die Probleme sind. div)n lief rn einige 21nc t= tungen über das Siarg:b el ein deutliches Tei- fpicl. Ars dies.n Andc.t ngei k:nn man vi: - le cht schlief n. daß der Aaß-nm nlsteo di: Ab­sicht 61, des Saar-Problem nicht noch zehn 3abr: rahm zu lasen, b s die Ab'tim m ng nach dem Versailler Vertrag ftattfinben muß. sondern es schon bald aafzurvckm und c ne so­fortige Abstimmung zu verlangen Zunächst frei­lich gilt es. auch noch ander: Frigen zu lösen, die int Zusammenhang mit dem Pa l von London zeitlich stärker drangen. Dazu gehört vor at.en Dinge i die Räumung d:r übrigen über ben Versailler Vertrag h naus be tzle.t Gebet: und schl etlich auch di: Räumung der Kölner Zone, die Herr Dr. St es:m-:nn der neue t br ti­schen Reg'erung in al e: Höf ich et so unmi> vers, ünist ch ans Her; legte d tf' Herr Dald- w i n oder sein Au>'enm ni e it» absehbarer Zeit darauf w.rd reagieren fei. . ,

Essen, Duis.u g s.lrorf mnd Köln sind die Probe auf das Erempel. und hieroo^hängt es ab, o'-> der bisherige Teilerfolg der deutschen Desreiungspoirtic sich zu einem Cnd- und Totalerfolg auswachsen, aber auch, vb an bie Stelle der bisherigen europäischen

Spannungen eine Befriedung und die Wieder­anbahnung normaler, wirtschaftlicher Beziehun­gen treten wird. Auch in der Beendigung der Militärkvntrolle hat Frankreich eine Gelegenheit, zu beweisen, ob es, ebenso wie Deutschland, auf das Ziel der europäischen Be­friedung hinzuarbeiten bereit ist.

Wenn alle d.ese großen Fragen ihrer Lösung näher gebracht find, dann wird Deutschland seine Dölkerbundspolitik weiter entwickeln kön­nen. Aber gerade für Deutschlands Stellung im Völkerbund gilt der Schlußsatz der Stresemann- schen Rede, daß alle Völker Anspruch auf Freiheit und gleiches Recht haben. Diesen Anspruch hat der Außenminister heraus­gearbeitet in ebenso deutlicher wie verbindlicher Form, und diese Form ist letzten Endes das Kennzeichen, das das Expose des Außenministers auf ein Riveau emporhebt, das an die Zeiten erinnert, als Fürst Bülow die Politik eines mächtigeren Deutschlands leitete, dessen Bild am Horizonte nicht nur der Vergangenheit, sondern auch unserer Zukunftshoffnungen leuchtet.

Der Wortlaut der Dortmunder Rede.

Dortmund, 13. Rov. (Tti.) Auf der Ta­gung des Zentralverbandes der Deutschen Volks- Partei in Dortmund hielt Reichsausjenminister Dr. Strefemann eine Ansprache über die außen­politische Lage.

Die künftige Geschichtsschreibung wird das Jahr 1924 als das 3ahr bezeichnen, das nach fünfjährigem fruchtlosen Hin und Her den tim - sch wu ng zum Bess eren gebracht hat. Die Stadt Dortmund tarnt, wie kaum eine anders Stadt, diese Entwicklung auS unmittelbarer Er­fahrung bezeugen. Gewiß, die Londoner Konferenz hat nicht alle unsere Erwartungen erfüllt, tim sie aber richtig zu bewerten, dari sie nur als der erste Schritt auf einem Wege betrachtet wer­den. den in unbeirrter Folgerichtigkeit weiterzu­gehen uns die Rotwendigkeit gebietet. Das Ziel der dautschen Außenpolitik kann nur sein, tn ver­trauensvoller und sachlicher Zusammenarbeit mit dem Ausland überall für die wirtschaftlichen und nationalen Bedürfnisse unseres Voltes De ständ- nis zu schaffen und für Deutschland die Stellung wieder zu erringen, die ihm zukommt. Die Welt wird und muh einsehen, daß

ein freies, ungehindertes Deutschland im Herzen Europas eine unerläßliche Voraussetzung zu Fortschritt und Gedeihen aller Völker ist.

Wir schöpfen aus der bisherigen prompten Erfüllung der von der Gegenseite übernommenen Verpflichtungen das Vertrauen, daß auch die in näherer oder ferner Zukunft fällig werdenden Zusagen in derselben Weise erfüllt treiben. Hierzu gehört ferner die Räumung der ouserhalb des Vertrages von Versailles be­setzten Gebiete, also des Restes des Ruhr­reviers und der Brückenköpfe von Düsseldorf und Duisburg. Hierzu ge­hört ferner die vertragsmäßige Räumung der ersten Zone des altbcsehten Gebietes. Dick rechtzeitige Räumung dieses Gebietes wird die erste Probe aufs Erempel fein. Die ver­tragsmäßige Räumung der ersten Zone des alt- besetzten Gebietes ist der vorläufige Abschluß einer Politik, die zu den Londoner Vereinbarun­gen gehört hat, der zu Liebe das deutsche Volk die großen Belastungen des Dawesgutachtens auf sich nahm, weil es der tieberr«lqung war, daß damit auch die Dahn für die loyale Durch­führung des Versailler Vertrages seitens un­serer Vertragegegner zu allen Seiten gewähr­leistet fein müsse. 3n dieser Erwartung möchte ich mich auch nicht durch bedauerliche Zwischen­fälle beirren lassen, wie durch die kürzliche Ver­haftung des Generals v. Rathu- s i u S. 3ch hoffe, daß das französische Vorgehen gegen diesen alten deutschen Soldaten, der v ö l- lig ahnungslos und reinen Gewis­sens von der Erlaubnis der französischen Be­hörde zur Einreise nach Elsaß-Lothringen Ge­brauch gemacht hat, um seiner Pietätspflicht zu genügen, nicht als ein Wiedererwachen von Stimmungen und Tendenzen der Kriegszeit an« gesehen zu werden braucht, sondern nur als Mißgriffe Nachgeordneter Organe, den die französische Regierung alsbald zu- rücknehmen wird.

3m Z stammenhang mft den betetzten Ge- b cten muß ich noch eines anderen deutschen Landstriches ged n'en. der ebenfalls fremder Ge­walt unterworfen ist, ich meine

unser deutsches Land au der Saar. Die Bevölkerung selbst hat, dies können wir ihr n.cht genug danken. d:r Welt offenkundig gemacht, daß an der Saar wirklich nur Deutsche webnen. Fre l:ch diener die Behauptungen vvn 1919, die Bevölkerung sei gemischt, hauptsächt ch dazu, die Abtretung der Kohlengruben zu ermögl chm. D-s war eine wirtschaft­liche Frage, die man etig?gen den deu'schrn Vorschlägen politisch zu tösen v rfuch e Das war der große Fehler von 1919. Heute wäre, so scheint mir, die W lt für oernünftige wirsch ft» lich: Lös.ngen wohl zugänglich.r. Wirtsch f.l ch hat F anlle.ch durch dm B.siy der Saargruben kemeswegs das erlcmat, was es 1919 erhoffte

und politisch gilt dies erst recht. Wer auf diele fünf 3ahre zurückblickt, wird wohl nicht an- nehmen, baß man in weiteren zehn Fahren dem Gefühl der Bevölkerung eine andere Richtung geben könnte. Es wird nichts anderes übrig bleiben als die Probe aufs Erempel £u machen und die Devöllcrung abstimmen zu I" ften. Rur so können wir klare Verhältnisse schaffen.

tinfere Aufgabe ist es, diese Zeit in vollem Umfange für den Ausbau der deutschen Wirtschaft nach allen Kräften auszunutzen. Der Ausbau der deutschen wirtschaftlichen Be­ziehungen mit dem Auslande ist in vollem Gange. Mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Spanien sind Handelsverträge be­reits abgeschlossen, die noch der Genehmigung durch die Parlamente harren. Mit England, Frankreich, Belgien, der Schwei- und der Türkei schweben Verhandlungen und mit 31 a I i e n, 3 apan und Polen steht ihr Be­ginn unmittelbar bevor. Da sich die wirtschaft­lichen Verhältnisse nicht nur bei uns, sondern auch im Auslande geändert haben, müssen neue Wege gefunden werden. Wir wollen zum Teil mit kurzfristigen Abkommen arbeiten. Den leitenden Grundsatz unserer Handelspolttik der Vorkriegszeit, nämlich den der gegenseitigen Meistbegünstigung, können und müssen wir auch fernerhin zur Grundlage unserer Handels­

beziehungen mit dem Ausland machen.

Am 10. Januar 1925 läuft die uns im Vertrag von Versailles auferhgte sonstige Meistbegünsti­gung ab und wir stehen von diesem Zeitpunkt ab wieder als gleichberechtigte Der- handlungsgegner dem Ausland gegenüber. Die Wirtfchaftsverhandlungen werden darüber entscheiden, ob in Europa in den nächsten: Jahr­zehnt en wirtschaftliche Verständigung und Zu­sammenarbeit oder ein wirtschaftlicher Kampf aller gegen alle herrschen wird. Der im Ausland Der­breiteten Vellirchtung, daß Deutschland in Kürze das Ausland mit deutschen Waren über­schwemmen und sich selbst gegen das Aus­land mit Schutzzöllen abschliehen werde, muß ich entschieden en (gegen treten. De u tschland steht bezüglich seiner Ausfuhr weit hinter allen Ausfuhrländern der Welt zu­rück. Ein Vergleich des Außenhandels aller Länder hat ergeben, daß der Wellhandel im all­gemeinen bereits wieder auf 80 Prozent des Welt­handels vor dem Kriege gestiegen ist, daß der deutsche Außenhandel aber nur noch 40 Prozent der Vorkriegszeit beträgt. Deutschland muh noch einen weiten Vorsprung der übrigen Länder ein­holen, um auf den früheren Stand zu kommen. Andererseits müssen wir uns darüber klar fein, daß, wenn wir nach dem Auslande ausfüyren wollen und müssen, wir dem Auslande auch unseren eigenen Markt öffnen müssen. 3ch muß deshalb an alle beteilig'en Kreise den Appell richten, daß sie übertriebene Forderungen zum Schutze ihrer speziellen Interessen zurückstellen.

Mit einigen anerkennenden Worten für das Verdienst Ma.do na.BZ um das Zustandekommen des Londoner Paktes kam Dr. Strefemann dann auf den

Neqicrunqßwechsel in England zu sprechen. 3ch hoffe bestimmt, sagte er, daß wir wenn wir auf diesem Pakte weiter bauen, auch die titrterstühung der neuen Regierung in England finden. Deshalb begrüße ich es, daß der Herr Premierminister Baldwin sich gleich in der ersten Rede seines Amtsantritts unzwei­deutig aus den Boden des Londoner Abkommens gestellt hat. 3n den Ver­einigten Staaten ist der Präsident mit einer sehr großen Mehrheit w ieder gewä h l t worden. Wir können die Entscheidung des ameri­kairischen Volkes auch vom deutschen Standpunkt aus begrüßen, weil sie die Gewähr für die Fortsetzung und Pflege der zwischen den beiden Rationen angebahnten guten Beziehungen bietet. Der neue Reparativnsplan trägt in alle Welt den Ramen eines Amerikaners und auf der Londoner Konferenz hat sich der ameri- konische Einfluß als ausgleichend uni) fördernd erwiesen. 21 [£ es sich dann um die Schaffung der materiellen Grundlage für die Durchführung des Dawesplanes handelte, ist es der ameri» konisch: Anteil an der deutschen Repa­rationsanleihe gewesen, der zuerst auf­gelegt und dann erheblich überzeichnet worden ist. Der Flug des Zeppelins, di.ser Glanz­leistung deutscher Technik und deutschen Wage­muts. hat in beiden Ländern die tieberzeugung vertieft, daß wir berufen find, in friedlicher Zu­sammenarbeit zur Lösung der Kulluvaufgaben der Menschheit beantragen.

Ein schwierigeres Kapitel als die bisher berührten Fragen, so fuhr Dr. Strefemann fort, bildet

die Frage der interalliierten Milltarkontrvlle.

Der einzige Weg zur Beendigung dieser Kon­trolle sei die Zulassung der Generalinspek­tion unterer Rüstungsstandes. Sie ist nun seit über zwei Monaten im Gange. Es find an­nähernd 1000 Besuche vorgenommen worden. Der Minister appelliert an die Einsicht der ver­ständnisvollen Kreise unseres Volkes, ihren Ge­fühlen im Interesse des großen Gairzen, das auf dem Spiel steht, Zügel airzulegen und den Schlußakt der Milttärkvntrolle nicht zu stören.

Deutschland erwartet mtt Fug und Recht, daß mit dem Abschluß der Militärkvnrrvlle diese in ihrer bisherigen Form al- beendet *u be­trachten ist, daß sie auS der Hand der aluimen Kommissionen in Kürz« in die Hand deS 3 61» kerdundeS übergeht und von ihm entsprechend den Bestimmungen des Versailler Verrr-agcs ge­handhabt wird. Die Reichsregierung ist eirlschlos- sen, ihre Schritte für den Eintritt Deutsch- landS in den Völkerbund forrzuseven. Das deutsche Merrwrarrdum hat allerdings an­scheinend doch nicht überall daS 3uierefK* gefun­den. das wir ermattet haben. Rur einige Ollöchle haben bisher geantwortet und auch sie lassen ein genügendes VerstündniS für Deutschlands gr.nz besondere Lage vermissen. Wichtiger aber ais dte Form, die der Genfer Völkerbund für die Gestaltung deS internationalen Geben« gesunden hat, ist der Geist, der dieses Geben beein­flussen muh. Verträge, 2lbinachungvn und inter­nationale Organisationen sind nur daS Gerüst für die Entwicklung der Zusammenarbeii zwi­schen den Völkern. Wachstum und Kraft wird hem internationalen Leben nur gegeben durch das Vertrauen, das die gegeiis<lt,gen Be­ziehungen erfüllt und durch ben aus richtigen VeiständigungSwillen der Rewerungen. Alle Völker haben Anspruch auf Freiheit und gleiches Recht. Richte anderes als btefen An­spruch auf gleiches Recht und Freiheit verlangt Deutschland für sich.

Trendelenburg inBerlin.

Die lliiterbrrrffunft der deutsch- französischen Wtrtschastöverhand« lungen.

Paris, 14. Rov. lTti.) Von zuständiger deutscher Seite wird bestätigt, daß di« fetzig« tinterbrechung In den deutsch-französischen Wirte schafteverhandlungen mit Fragen zusammen hängt, die sowohl in daS Gebiet des HandetsoeiicvgS wie auch in das der Reparationen fallen. Zu diesen Fragen gehört, um etn Beispiel za nennen, daS Problem der Sachlieferungen, das nach dem Versailler Vertrag und bem Duioes- Gutachten zu behandeln ist, ober auch anberjettfl bei den jetzigen Wirtschastsverhandiungen gleich­falls eine Rolle spiell und besonders die Frage der 26prvz. Einfuhrabgabe. Wre lange die Pause dauern wird, läßt sich nicht enrsch<.^n. Die deutsche Delegation bleibt biS auf rod* keres in Paris. Sie steht mtt den DerÜner Regierungsstellen in Verbindung und er­wartet von dort aus neue Weisungen. Staatssekretär T rende len bürg der leter der Delegation, Hit sich zur Berichtei-stattung und zur Entg gen nähme neuer R.ch Linien nach De r» l i n begcb.n. Er will nur einen Tag bort ble den, so daß die Verhandlungen lixihr«Heinlich An­fang nächster Woche Wiede, ausge­nommen werden können. Man hofft in Kief en der deutschen £Bertreter, daß die jetzigen Schwie­rigkeiten bald überwunden sein werden.

Räumung des Darmstädter Gebiets.

Darmstadt, 14. Rod. (TA.) 3n der Rächt vom 15. jum 16. November wird ble elfen- bahnwerk statte der DeutschenReichs* bahnverwaltung zurückgegeben. 3er* ner werden nach einer Meldung der Interalliier­ten Rheinlandkvmmissivn in d-r darauffolgenden Rächt die während deS passiven WiderstandeS neu besetzten Gebietsteile von Darmstadt, Escholl­brücken, Hahn. Gernsheim, und insbetendere der Waldfriedhof Darmstadt und die Waldlolonie am Dornheimerweg wieder unbesetztes Ge­biet.

Ium Fall Nathusius.

Paris, 14. Rov. (Stil ,3ournal^ mellxck aus Lille, daß der De.terdiger des Ohmen te v. RalhusiuS, Ricolai, g?ftem in der st rdt emgetroffen ist. Er begib sich sofort nach fein.-t Ankunft zu dem General und h itte m t ihm eine längere Aussprache Dm Donnerstag vor- mitag teilte der Platztoinmandant Peietz dem General mit, daß sein Antrag aus pro­visorische Haftentlassung, der durch die Vermittlung deutschen Botschafters ge­stellt war, abgelehnt worien ist Gene al v. 2lathufiuS erklärte hieraus, daß e: sich nur in Anwesenheit seims Rechts nw lts äußern irer'e. Gle.chzeitig wurde ihm bedeutet, d. er um 20. Rovember vor dem Kriegsgericht deS 1. Armeebezirks erscheinen wcnse.

Die Reichsliste der Demokraten.

Berlin, 14. Rov. (Priv-Tel des Wolfs- bureaus.) Die Reichsliste der Deutschen Demo­kratischen Partei enthalt alS Spltzenk-indiduten; Frau Ministerialrat Dr. Baeumer, Anion Erkelenz, Dr. Hermann Fischer, Dr. Lud­wig H a a S.

Das Urteil im Herrmann-Prozeh

Weimar, 14. Rov. (Tti - 3m Herrmann- Prozeh wurde gestern das tirieit verkündet. Der Angeklagte, der ehemalige thürlngt che Staals- minifter Herrmann, wurde wegen Un­treue zu 1000 M k. ® e l ü ft r a I e an Stelle von vier Wochen Gefängnis verurteilt, die zu verbüßen find, wenn die Zahlung des Betrages nicht innerhalb eines 3ahres erfolgt. Der Ange­klagte Kunze wurde f r e i g e I p r o ch e n. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Annellagte« Herrmann zur Last.