Ausgabe 
14.11.1924
 
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Die Unruhen in Spanien.

D4eihration in Spanien ist ernsier, oB man zuerst annahm, ober doch, nicht so ernst, baß man schon jetzt mit der Möglichkeit bedeutender inner» politischer Erschütterungen rechnen könnte. Die .Madrider Regte, u.g, d. h. die Diktatur, hat nach wie vor oie Macht fest in den Händen, sie ist aber doch in den letzten Lagen einer b großen Anzahl von Verschwörungen auf die <5^ur g.» kommen, daß sie sich verailaht sah, die Zensur nicht nur zu verschärfen, sondern auch ein all­gemeines Einfuhrverbot französi­scher Zeitungen zu erlassen. Dieses Ve bot war um so notwendiger, da die französische Presse jeden noch so geringfügigen Vorga rg in Spanien sensationell Esbauschte und so unter der spani­schen Bevölkerung eine un-nötige Beunruhigung hervorries. Kenner der spanischen Verhältnis,e stehen auf dem S-tandpunkt. baß die Ereignisse in Barcelona noch- nicht einmal ei ei Ver­gleich mit den Meutereien um d.e Jahreswende 1922/23 aushalten, daß cs sich hier lediglich um kleinere unbedeutende Verschwörur.- gen handelt, wie sie während der letzten SM^e in Spanien fortgesetzt aufgeweckt worden sind. Ein Uebergveifen der Bewegung auf das Militär, besonders auf die in Marokko siebenden For­mationen, ßkilt man für ausgeschlossen.

Der Kampf gegen die Anarchisten. Pari«, 14. Rov. (TU.) Die Blätter me[- ben neue Verhaftungen spanischer Anarchisten. In einer Pariser Dorstadt ist ein Anarchist sestgenommen worden, der einen Revolver bei sich trug. Spanische Revolutionäre, die Über Paris, Marseille, Doulogne und Or­leans versuchten, die spanische Grenze zu er- reichen, sind vor deren Ueberschreiten nach dem Innern Frankreichs abgedrängt worden. Der Korrespondent derDaily Expreß" schreibt: Trotz der überaus scharten Zensur beginnt man all- mähl ch klar zu sehen. Die Erklärung beg Königs Alfons, in der er behauptet, daß er die Diktatur angenommen habe, um den Bürgerkrieg zu vermeiden, findet keinen Glauben mehr. 3n Katalonien gäbe es einen großen Teil van Truppen die im Begriff seien, d i e Front zu wechseln. Die Befreiung des Generals Derenguer, der bekanntlich eine Festungsstrafe verbüßt, stehe bevor. Troy der Hinrichtungen die in Barcelona erfolgten, scheine doch die A u f st a n d s b e we g u n g nicht unterbunden zu sein. Zahlreiche Sozialisten, Republikaner und Liberale sind in Barcelona, Saragossa und Madrid verhaftet worden. Am letzten Montag und Dienstag wurden 152 Per­sonen ins Gesängnis gesetzt. Die reaktionären Elemente behaupten, daß die Diktatur wei­ter bestehen müsse, da sonst der Sturz der Monarchie unvermeidlich Ware.

Schwere Kämpfe in Marokko.

Madrid, 13. Rov. (WB.) Bei der Räu­mung des Gebiets an der Mündung des Lau- Flusses fand unter der Mitwirkung von Flie­gern und Kriegsschiffen ein harter Kampf zwischen Spaniern und Marokkanern statt. Auch in der Umgebung der Straße Tetuan Tanger .greifen die Marokkaner erneut an. 3n einem Regierungsdekret wird mitgeteilt. daß die wegen aboelaufener Dienst».it am 15. November zu ent­laßenden Truppen infolge des Feldzuges in Ma­ro«) vorläufig weiter unter den Waffen zu.bleiben haben. Die diesjährige Rekrutenaus- MBmng werde beschleunigt, damit die alten Trup­pen a b g e l ö st werden röimten.

Die Wiener Kabinetts- Krisis.

Seipels innerpolitrsche Schwierigkeiten

Wien, 14. Rov. (TU.) Der Bundeskanzler Seipel hat bei der Reubildung der Re­gierung noch gewisse Schwierigkeiten zu über­winden. Die hauptsächlichsten liegen auf dem Gebiete der Finanzverfassung sowie der Reform der Verwaltung der Länder. Dr. Seipel wünscht auch, daß das Budget un­bedingt vor dcm 1. 3anuar vom Rationalrat verabschiedet werde und daß die mit dem Genfer Vereinbarungen zusammenhängenden Vor­lagen ebenfalls vom Rationalrat zeitgerecht ver­abschiedet werden. Dr. Seipel hat gestern eine Besprechung mit den Sozialdemokraten, die ertlärten, daß sie vn Falle, einer Wiederher­stellung der Regierung Seipel in ihrer Opposition verharren würden und keinen Grund hätten, von ihrem Staickpunkt ab­zugehen. Die größten Schwierigkeiten liegen in dem stillen Kampf der Bundesregierung mit den Landes - Hauptleuten. Die Sozial­demokraten ihrerseits verlangen vor allem, eine Erhöhung der Arbeitslosenunter­stützung, während die Landesverwaltungen für die Erweiterung ihrer autonomen Rechte eintreten und u. a. auch für die Gen­darmerie eine größere Autonomie verlangen. Die Verhandlungen mit den Großdeutschen sind bereits abgeschlossen. Der morgige Tag und der Montag werden dazu benutzt werden, die Ver­handlungen zu Ende zu führen Sollten sie ein günstiges Ergebnis haben, so dürfte amDlens- tag d i e Wiederwahl Seipels erfolgen. Man nimmt an, daß die Zusammensetzung der Regierung die gleiche bleibt.

Der britisch-russische Konflikt.

uerlicher 03 er«

entscheiden, ob der e 1 <b e Grund- )u(bigungen hatte.

zUMndlung der vorigen erklären, das; sie

Eine Rede Chamberlains.

London, 14. Rov. (WTD Funkspruch.) D<r Staatssekretär des Aeuhern, Chamberlain,

sagte in einer Rede in Glasgow, die vorige Re­gierung habe die Angelegenheit des Sinowjew- vriefes iv '<; Rachfolgern in einem sehr k11 Zustande ßin ter (af­fen. ®lne von Premier selbst entworfene, und späternoch^.^^cher abgefaßte Rote sei rtxübergeben worden, in des Bruches nicht

nur alter, Wnd-rn «uch "

pfli 6) t u n fle " »."^nlliL wurde. Rachdcm die Ucbergabe und T I V &je cc ^olc vrr, anlaßt war, fei nie r

Dr^nier-Rl'Ni'ter ' cge n fa g e n sür Mc rhobenen 0

Von dem neuen Kabinett sei unverzüglich ein Ausschuß eingesetzt worden, um die Angelegenheit zu untersuchen. Auf Grund des Berichtes dieses Ausschusses werde die Regierung beschließen, welche Aktion sie für angemessen erachte.

Die konservative Partei betrachte ihren über­wältigenden Sieg weder als einen Triumph noch als eine Ermutigung zur Rückkehr zu einer reak­tionären Polittk. Di eWahl der konservativen Partei bedeute, daß sich das Volk von der Revolution abgewandt habe. Die neue Regierung will sich allen Ernstes den wirklichen Schwiericsteiten der Ration und dem sozialen Fortschritt widmen.

Forderungen der britischen Industrie.

London, 14. Rov. (TU.) 3n der Vereini­gung der britischen HandeMammer erk arte Stan­ley Mashin, daß die englischen Geschäftsleute heute besonders für Sparsamkeit emtre en müßten. Das Land leb über feine Mittel. D e vom Handel zu tragenden Lasten können darnach beurteilt werden, daß heue die ©infommten- steuer 16 Pfd. pro Kopf der Bevölkerung be­trage gegenüber 4 bis 5Vs vor dem Kriege. Durch eine Ermäßigung der Einkom­mensteuer würde sich die Regierung im tret testen Maße Vertrauen erwerben und d.e Unter«

faal verlassen und sich in die Wandelgänge begeben. Darauf hätte eine allgemeine Schie­ßerei eingesetzt und der Sitzungssaal hätte sich entleert. Als Polizei und Militär eingetroffen seien, hätten sie die Kammer und die benach­barten Straßen verlassen gefunden, während zwei Abgeordnete tödlich verletzt dagelegen hätten.

Hessen unddie Reichsbahn Die finanzielle Auswirkung des lieb er= gangs der Staatsbahnen auf das Reich Darmstadt, 13. Rov. (Eigener Bericht) Man begegnet in letzter Zeit in der Oefsentlich- keit häufig der Frage, ob der U e b e r g a n g der Staatseifenbahnen auf das R eich für Hessen wirklich so vorteilhaft gewesen sei. Da ist es von 3ntereffe, von wohlunterr chteter Seite Genaueres über die finanzielle Auswirkung des Uebernahmevertrages zu erfahren.

Bekanntlich sind die Sbaatseisenbahnen 1920 auf das Reich übernommen worden. Der Ueber- nahrnepreis betrug damals 635 Millionen Mark, 270 Millionen mehr, als das Anlage­kapital, das auf 415 Millionen festgesetzt worden war. Die Zahlung des Uebernahrnepreifes er­folgte durch Uebernahme von nom. 538 Millionen Hess. Staatsschulden, dis

Vom 15. bis 30. November bezieht man den Gießener Anzeiger nebst den Beilagen Gießener Familienblätter

Heimat im Bild Gießener Hochschulblätter für 1 Mark

nebst 10 Pfennig für Trägerlohn, in Gießen durch die Trägerinnen, auswärts durch die örtlichen Zweigstellen.

nehmungSlust fördern. Don wefentl'cher Bedeu­tung wäre die Einführung dL 1-Pennh-P o st - t a r i s s. Der Verband verwerfe den Plan eines Handelsvertrages mit Ruh and Die nrue konservative Reg erung müsse al.es tun, was in ihren Kräften stehe, um zu verhin' ern, daß die 3ndustrie durch die Haltung getoif ec Rationen, z. D. Deutschland, wo die Arb.-iter täglich 10 Stunden arbeiteten, zugrunde gerichtet tourte.

Eine Volkszählung im kommenden Jahr.

Berlin, 14. Rov. (Priv.-Tel.) Wie Wir hören, wird es für erforderlich gehalten, für die Bedürfnisse des Reiches, der Länder und der Gemeinden auf dem Gebiete der Verwal­tung, der Wirtschaft, der Sozial- und Kultur­politik eine allgemeine Volkszählung durcyzuführen, die mit einer Berufszäh­lung sowie einer landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieb s z ä hl u n g verbunden werden soll. Die erforderlichen Mit­tel sollen im Haushaltsplan des Reichswirt­schaftsministeriums für das 3ahr 1925 vorge­sehen werden.

Keine Beschlagnahme deutschen Eigentums in Italien.

Rom, 14. Rov. (T. U.) Die italienische Re­gierung hat auf dem ihr aus dem Versailler Ver­trag Anstehenden Recht auf Beschlagnahme deut­schen Eigentums verzichtet. Die Agentur Volta meint hierzu, dieser Schritt sei eine große politische und wirtschaftliche Bedeutung und bilde eine Sympathiekundgebung g genüber Deutschland und ein glückliches Vorzeichen ,ür die demnächst beginnenden deutsch-italienischen Han- delsve.tragsverhandlungen. Der Beschluß der ita­lienischen Regierung werde der 3nvestierung deutschen Kapitals in 3lallen sehr förder­lich sein und die Handelsbeziehungen zwischen bei­den Ländern beleben.

Die Industrie zu den Steuer­ermäßigungen.

Berlin, 14. Rov. (Wolff.) Der Reichsvrr- band der- deutschen 3ndustrie und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände haben die Forderung ausgestellt, daß die Umsatzsteuer, die Luxussteuer und ähnliche <5; euer arten noch mehr ermäßigt werden müssen. Die Einkommen- und Körperschaftssteuer müsse nach Ablauf des 3ahres 1924 richtig veranlagt werden. 3m Jahre 1925 dürsten die Vorauszahlungen nicht mehr in der bisherigen Art erhoben werden.

Elsatz-Lothringen.

Paris, 14. Rov. (WTB. Funkspruchi.) WiePetit 3ournal" meldet, hat Ministerpräsi­dent H e r r i o t dem Bureau der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelcgt, der vom 1. 3anuar 1925 ab die Aufhebung des General­kommissariats für Elsaß-Lothringen vor­sieht. Das Generalkomm-ssanat W'* in eine Genei.alverwaltung umjetoenb I, bie un­mittelbar dein Jil i ii i |t e r p r u ) i o e n t e n unter ft eilt wird. Das Kommissariat für Schule und Kultur wird verbleiben. Der be- rvtenbe Ausschuß für Elsaß-Lothringen wird durch ein Dekret aufgehoben werden.

Parlamentarische Sitten in Mexiko.

Paris, 13. Rov (WTB.) Havas meldet aus Mexiko über Zwischenfälle, die sich gestern in bei Kammer ereignet haben. 3m Verlaufe derDcb.ttr hätten s ch die Arge rdnetenSilla nti> Altamarino gegenseitig beschimpft und schließ- l lich mit dem Revolver m der Hand den Ditzungs-

mit 463 Millionen in Rechnung gestellt wurden, so daß das Reich heute dem Lande noch über 220 Mill onen schuDtt. Diese Restforderung unterliegt der späteren Auswertung: für die Zeit des Bestehens der gegenwärtigen Eisenbahn­gesellschaft ist sie durch entsprechende Beteili­gung des Landes an 3,25 Milliarden Aktien­kapital der Gesellschaft gesichert. Durch den er­folgten Uebergang der Eisenbahnen auf das Reich ermäßigten sich (1. April 1920) die hessi­schen Staats icchulden auf etwa 14 Millionen Mark.

3rPtoischen hat sich der Schuldenstand Hessens (nach dem Gvldmarkwert für die Zeit ihrer Begebung gemessen) um kaum 3,5 Millionen Mark erhöht.

Aus aller Welt.

Eine Ehrung für Dr. Eckener.

Reu York, 14. Rov. (TU.) Z. R. 3 wird bekanntlich am Sumstag einen Probeflug machen und bei dieser Gelegenheit Reuyork besuchen. Da auch Dr. Eckener am Samstag mit dem Damp­ferColumbus" Reuyork verläßt, soll das Luft­schiff zu Ehren des Abreisenden über dem Hafen kreuzen und den Dampfer aus dem Hafen hinaus begleiten. Rach einer Mitteilung des Marineamts soll dieS h e n a n d o a h" im nächsten 3ahr den Stillen Ozean über­fliegen. Sie wird dabei den Weg von San Diago nach Hawaii nehmen.

Amerikanische Flugpläne.

Washington, 13. Rov. (Deuter). Das Aeronautische Bureau hat einen Vertrag auf Lie­ferung eines Flugbootes al-geschlossen, das fähig feit soll, einen Flug von den Ver­einigten Staaten nach Honolulu aus­zuführen. Wie verlautet, würde das Flugboot, wenn es die an es gestellten Erwartungen er­füllt, als Muster für den Bau eine; Spezial- hl l f s f l o t t e verwandt toerten, die von einer Operationsbasis bis auf eine Entfernung von 2503 Meilen unabhängig st in würde. 3n ame i- kanischen amtlichen Ko.Isen glaubt man, bag en solches Flugboot in der Lage wäre, die Erde zu umfliegen, ohne daß Drennstofs von Schiffen ausgenommen werden müßte.

Gefängnis für Funkräuber.

München.13. Rod. (WB) Das Amtsge­richt in München ernannte am 12. Rovember in einem Falle un&efugter Errichtung ei e Funkan lag e auf eine Gefängrisstva e v n 14 Tagen. Eine große Anzahl von Pro en, d e Fu'ka l -gen chne vorberi e Ce ehmiguni e r ch- teten, wurde zur Anz ige gebracht 3H > Aon.» teitung steht in der näch'teu Zeit in Aussicht.

Ein politischer Mord in Brüssel?

Parts, 14. Rov. (TU.) Der bekannte Ge­werksschaftsführer und Vorsitzende des kxüUfchrn Glasarbeiterverbcrndes, Gilles, ist Mittwoch abend in Brüssel ermordet worden. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Man glaubt, daß es sich um einen politischen Ra che- akt handelt. Mehrere Tausend A beiter sind gestern vor dem Hause ihres toten Führers vor-- beigezogen. Außerdem haben sie beschlossen, bis Montag in den Streik zu treten.

Der Erzberger-Mörder nach der Türkei ob»

Berlin, 14. Rov Der Erz'terger-M'r'ter Förster-Schulz wurde nach der Türkei a-bge chobe.i.

Der literarische Nobelpreis.

nn ckd o l -w 13 Rov (WB) Die schwedische 2nabemte hat dem polnischen Schriftsteller Wla­dyslaw R e y m o n t wegen seines Werkes D i e Bauer n ben diesjährigen Robelpreis für Lt- teratur verliehen.

Wettervoraussage.

Stärker bewöllt, Winde auf |üt liche Richtung drehend, Rächt temperaturen naheuu 0. aber an­steigend, meist trocken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 14. Rovember 1924.

Frostbeulen.

Die Zeit der Frostbeulen ist wieder mal ge< kommen. Schon im Herbst, wenn die Quecksilber­säulen, dem Rullpunkt zu, sinken, beginnt es bei den unglücklichen MenschcmkinLevn, die mit diesem Uebel beladen sind, in Fingern und Zehen zu zwicken, zu jucken und zu stechen. Der Stiefel übt einen lästigen Druck aus, und das Gehen durin wird vielfach zur Qual. Kommt man aus dem Freien in das erwärmte Zimmer, so macht sich in den Fingern ein Gefühl schmerzhafter Span­nung bemerkbar. Bisweilen brechen die rotge» schwollenen, bläulich verfärbten Hauterhebungen aus. Es entstehen tiefe Risse, die ungemein schwer heilen. Großen Einfluß darauf hat oie Beschäfti­gung, und besonders derjenige, welcher häufig mit kaltem Wasser oder mit scharfen, reizenden Flüssigkeiten zu tun hat, wird an den Händen von Frostbeulen geplagt. Bekannt sind ja"'die säst, regelmäßigen Frostbeulen an den Händen von Kaufmannslehrlingen, tt>ie viel mit Herurgslake in Berührung kommen, bei Spülmädchen, Metzgern usw. Auch allzu enges Schuhzeug und feft_ an­liegende Lederhandschuhe führen dadurch, baß sie den Blutkreislauf in den in Mitteidenschaft g: zogenen Körperteilen hemmen, leicht zu Frost­beulen und Erfrierungen. Hat jemand einmal unter Frostbeulen zu leiden gehabt, so stellen sie sich in der Regel eine Reihe von Fahren, bald früher, bald später immer wieder als unge­betene Gäste ein. ' r *

Wie behandelt man run Frostbeulen und wie beugt man ihnen vor? EineS der geb äuchlichsten und zugleich wtek amsten Mittel be. bere tZ be­stehenden Fr stbeulen ist die regelmäßige ab end liche Anwendung h ißer Hand* und Fuß.'öde-, denen etwa zwei Eßlöffel voll Essig ,-ug setzt wer. en. Auch h iße Tanninbäder ein Teelö f l Tanninpulver ouj ein Liter Wasser wer en empfohlen. Die gleiche Wirkung haben H.m - und Fußbäder, die in manchen Gegenden als Hausmittel bekannt sind, in dem heißen Wa.scr von Pellkartosfeln. Statt h ißer Wa'serbäo.r leisten bisweilen auch heiße Sa b er. be ondsrs bei Frostbeulen an den Händen, gu e Dienste. Ebenso haben kräftige Waschu igen mit rei cm Spiritus, sowie auch Einpinselu g en mit Jod­tinktur eine günstige Wirkung. 3n re e.er Zeit werden von den Aerflen auch eleftvi ' Bäder, namentlich bei Frostb ulen an den Füßen, rer- ordnet, denen man nochrühnt daß ri: ciien viel stärkeren Dlutumlauf .tts infache leiße Fu b.i e h rv r ufen. Daß man b i ter Bit ung of e er Wunden und Einrisse einen ersah cnen Arzt zu Rate ziehen soll, ist felbstve.-stänölich.

Auf jeben Fall ist es zweckmäßig, Hände und Füße vor dem Verlassen der Wohnungi mit einer Lanolin- oder Kampfersalbe leicht ein­zufetten. Damit ist zum Teil bereits die Frage beantwortet, wie man den Frostbeulen vorbeagt, wobei zu berücksichtigen ist. daß Vorbeugens^ Maßnahmen auch sonst meist vernünftiger und wirksamer sind als solche, die später bestehende Uebel und Schäden beseitigen sollen. Eins dr. wichtigsten Dorbeugungsmlttel liegt in der Ab­härtung während der wärmeren 3ahreszeit, in falten Waschungen und Abreibungen und bei be­trächtlichem Senken der Temperatur in der Warmhalttlng der gefährdeten Stellen. Für die­jenigen, bei denen sich eine Berührung mit kalten und nassen Gegenständsn nicht vermeiden läßt, ist von besonderer Wichtigkeit, daß sie nachher Hände urrd Füge recht trocken und warm halten. Enge Stiesel und Lederhandschuhe müssen streng vermieden werden. Schuhtoerk, Strümpfe und Handschuhe sollen weich und bequem fein,

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** Di e Einwohnerzahl unserer Stadt. Bei ter Persoi.e..standsaufnahm' vom 10. Oktober ds. 3s. tour.e.i hier 33 9^0 | d' e Einwohner gezählt, wozu roch 12.0 SttUreut n h'.nzul.mmen, so Laß sich eine gegenwärtig.' Ge- samteinto hnerzahl von 35 130 erq bt. Don den 33 930 ständigen Bürgern entfallen 16192 auf das männliche, 17 738 ouf das weibliche Ge chte ' t. Die Auszühlu g rach Konfes i nen wird z i ein m späteren Zeitpunkt erfolgen. Bei tei Volk zäh lung am 8. Oktober 1919 wurden hier 32 820 Personen elnschl. Studenten gezählt.

< Die Deutsche Glocke am Rhein. Die hiesige Eisenbahnstation passierte gestern eine für den Kölner Dom bestimmte Glocke. Sie ist als Ersah für die seinerzeit für Kriegszwecke abgelieferte Kaiserglocke bestimmt, wiegt 25 Tonnen, also 500 Ztr., und Hal die Höhe von 3 40 Meter. Das Klöppelwerk allein hat ein Gewicht von 30 Zentnern. Die Lieferfirma, Gebr. U l - rich in Apolda, brauchte zur Fertigstellung ein 3ahr. Die Glocke ist ein Kunstwerk deutschen Könnens und deutscher Tatkraft. Sie ist aus Roh- gaiß hergestellt und wurde in der Glockengießerei Die Deutsche Glocke am Rhein" genannt; sie hat nach dem Befund der Abnahme-Kommission einen majestätischen Klang, der 4 Minuten nachhallen soll. Die Glocke ist, tote die übrigen dazugehörigen Domglocken, auf C gestimmt, während die alte Glocke auf cis gestimmt war. 3m oberen Teil sind die Ramen des Domkapitels in großen Buchv staben eingegossen, während auf den Uachen wei­ter unten zu lesen steht:

St. Peter bin ich genannt, Schütze das Deutsche Land, Geboren aus deutschem Leid, Rus ich zur Einigkeit."

2.St. Ursula bitte für uns." 3.König der Herrlichkeit, komm Christus in Frieden." 4.St. Gereon bitte für uns." Ein tragisches Geschick wollte es, daß der Verfertiger der Glocke, Herr Ulrich, kurze Zeit nach deren Abnahme an einem Herzschläge verstorben ist. Für den 2lb- iransport der Glocke in Llpolda war ursprüng­lich ein größeres Fest vorgesehen, das jedoch we­gen des tragischen Todesfalls unterblieb. Die Glocke, die am Heiligen Abend zum erstenma' ihre eherne Stimme ertönen lassen soll, wurdr von der Gattin des Entschlafenen noch mitBlu­men vorn Grabe des Heimgegangenen geschmückt.

* Universitäts-Gottesdienst. Am nächsten Sonntag, 16. Rov., findet IP/i Uhr in der Reuen Aula (Goethestraße) der Universität als erster in diesem Semester ein Universitäts- Gottesdienst statt, zu dem jedermann freien Zu­tritt hat. Die Predigt hält Prof. Dr. Frick.

* Die Biebertal bahn verkehrt von morgen ab nach einem neuen Fahrplar, der eite to sentliche Verbessern g ter Zu folge bringt. Vlan beachte die Bekanntmachung in unfetem heutigen Anzeigenteil.

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