Ausgabe 
13.11.1924
 
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Liolittl unv der Faszismus.

Rom, 13. Äov. (WTB- Funkfpcuch.) Der Korrespondent der TurinerStampa" mel­det, daß Giolitti, obwohl er und seine Freunde zur Versammlung der Regierungsmehrheit einge­laden war, nicht erschienen sei, weil er sich nicht zur Regierungsmehrheit rechne. Dagegen stellte Giolitti in Aussicht, den weiteren Kanunersitzungen beizuwvhnen, um von dem Recht der freien Kritik gegenüber dem Faszismus Ge­brauch zu machen. Man glaubt sogar, dah er gegen den Etat stimmen werde und zum Schlüsse auch gegen das Provisorium. Die letzte Maßnahme der Faszisten gegen die Pressefreiheit hätte auf ihn einen starken Ein­druck gemacht.

Neue Zusammenstöße in Italien

Rom, 13. Rov. (WTB. Funkspruch.) Rach demGiornale d'Jtalia" flam es gestern in Me­la g n e bei Brindisi zu einem Zusammenstoß zwi­schen sozialistischen Arbeitern und Faszisten. Die Arbeiter hatten verlangt, dah die Stadt-Kapelle nach demKönigsmarsch auch die Ar­beiter-Hymne spielen sollte. Als dies nicht gewährt wurde, rotteten sich etwa 500 Arbeiter zusammen, zogen in das Städtische Theater, in das faszistische Vereinslokal, sowie in das Lokal der, Rational-Miliz und verwüsteten diese drei Lokale. Militär wurde requiriert und zahl­reiche Verhaftungen vorgenommen.

Vor neuen Kämpfen in China.

London, 13. Rov. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Reutermeldung aus Schanghai liegt bisher keine Bestätigung der japanischen Meldung vor, dah der Diktator von Peking, General Fengyuhsiang geflohen sei, doch bestehen viele Anzeichen, dah Tschangtsolin gegenüber dem General eine herrische Haltung einnimmt. Es ist also unvermeidlich, dah zwischen beiden früher oder später es zu einem Bruch kommen wird. Die Gouverneure der Pangtse-Pro- vinzen kündigen den Kampf gegen Feng- Huh s i a n g und seine Anhänger an. Wu - p e i f u. dessen Armee entwaffnet ist, beabsich- tigt sich mit einigen tausend Mann nach dem QJangtfeial zu begeben. General Feng ist zu Beratungen mit Tschangtsolin und Tuantschihu in Tientsin eingetroffen. Da Tschangtsolin an der Spitze starker Truppenteile ankam. besteht die Möglichkeit, dah die inneren Gegen- tz e s ich we i te r a us w i r ke n werden. Die fernere Entwicklung ist noch nicht zu übersehen. 3n einigen ausländischen Kreisen Pekings zeigt sich Besorgnis wegen dec radikalen Ten­denzen Fengs und des provisorischen Ka­binetts.

Eine Hergt-Rede in München

Rlünchen, 13. Rov. (Sil.) Gestern abend sprach hier dec- Staatsminister a. D. Dc. Hergt über: Schwarz-Wei s>Rot oder Schwurz-Rot- Gvld". Hergt führte aus:Rach dem Ausfall der Maiwahlen hätte die Führung der deutschen Politik an die stärkste Partei, die Deutsch­nationalen, übergeben werden müssen. Diese not­wendige Entwicklung sei gescheitert an dem kläg­lichen Versuch des Reichskanzlers zur Bildung einer utopischenDolksgemeinschaft, an Jbem Verschanzen hinter außenpolitischen Bedenken Vnd daran, dah man das Häuflein Demokraten, F>enen nur der Mut fehle, sich Sozialdemokraten gu nennen, zum Richter über daS Geschick des ^deutschen Volkes gemacht habe. Die Vollsgemein- ffchaft sei eine Utopie, Schicksalsgemein- 5 ch a f t hätte die Parole lauten müssen. Kaum ize hätte sich eine Partei in einem solchen Ge- twissenskonflikt befunden, wie die Deutfchnattonale Dei der Frage: Annahme oder Ab lehnung Ler Dawesgesetze. Heute läge der Konflitt h in t e r der Partei. Heute gäbe es keineOlein- oder Ja-Sager", sondern nur eine Partei, einiger und geschlossener denn je. Run gälte es, eine Revision der Londoner Ab­machungen zu erreichen. Das sei das Ziel dec Deulschnationalen. Durch das gan;e Volk gehe eine Bewegung: die schwarz-rveih-rvte. Diese müsse am 7. Dezember siegen. Burgfrieden muh sein unter allen Parteien, die sich zu diesen Farben bekennen. In dec Erörterung sprach s ch der Okrtreter der deutschen B^Wpnriei, Ex-ellenz

S ch o ch, für einen Burgfrieden und' ein« Waffenbrüderschaft mit den Deutschnationalen aus.

Der Buhtag im Wahlkampf.

Berlin. 13. Rov. (Pciv.-Tel. des WTB.) Angesichts der bevorstehenden Wahlen hat der Präsident des deutsch-evangelischen Kirchenausschusses namens der im Evan­gelischen Bund vereinigten deutschen evangeli­schen Kirchen an die Vorsitzenden sämtlicher poli­tischer Parteien ein Schreiben gerichtet, in dem &ie dringende Ditte ausgesprochen wird dah der Ernst und die Stille des Buh- und Bet- dages sowie des Totensonntages nicht durch Dählerversam mlungen gestört wird.

Die Immunität der Abgeordneten

Verl in, 13. Rov. ($11.) Im Heber- wach u n g s au s s ch u h des Reichstages wurde die Frage der Immunität der Mitglieder dec nach Art. 35 der Reichsversafsung auch nach erfolgter Reichstagsauflösung noch bestehenden

Ausschüsse, das ist des Heverwa<yungS- ausschusses und des Auswärtigen Ausschusses, behandelt. Rach ausführlicher Aussprache stimmte der Olusschuh einstimmig der früher vom Präsidenten L o e b e ausgesprochenen und neuestens in dem Schreiben des Reichstags­präsidenten Wallraf wiederholten Rechtsan­sicht zu, dah die Mitglieder der Ausschüsse ge­mäß Art. 35 dec Reichsverfassung die Immu­nität besitzen.

Der zweite Hermannprozeß.

Weimar, 12. Rov. (TU.) Der am Samstag vertagte Prozeß gegen den früHeren thü­ringischen Innenminister Hermann wurde heute wieder ausgenommen. Der frühere sächsische Iimenminister Liebmann, jetziger Re­dakteur derLeipziger Volkszeitung", erklärte, dah Ministerpräsident Held über die Waffenan­käufe in Thüringen ganz genau unterrichtet gewesen sei. Es habe sich also nicht um verbotene Waffenaufkäufe gehandelt. Als Liebmann im Ro- vember 1923 Innenminister in Sachsen wurde, habe Sachsen vor einer schwierigen innerpolitischen Situation gestanden. Es seien über 1700 unbesetzte Stellen vorhanden gewesen. Deshalb hatte man eine Hilfs Polizei aufstellen wollen, worüber von der Regierung ein besonderer, aber geheim gehaltener Plan ausgearbeitet worden sei. Man habe sich einmal an Hermann gewandt und angefragt, ob Sachsen in Thüringen IDaffen auf­kaufen könnte. Hermann gab die Möglichkeit zu und übernahm es, die Waffen aufzu­kaufen. Heber die Bezahlung sei ebenfalls ge= sprvchcku worden. Der Transport nach Sachsen sollte möglichst unauffällig geschehen. Auf An­weisung der sächsischen Regierung seien die Waffen nach Chemnitz gebracht worden. Das Poli­zeipräsidium habe nichts davon erfahren, da die Polizei nicht zuverlässig erschien. Der Reichswehr habe man ebenfalls feine Kenntnis gegeben. Für den weiteren Verhand-- lrrngsgang tourbe auf Antrag der Verteidigung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.

Rach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit fragte der Oberstaatsanwalt den Zeugen, warum er nicht den Präsidenten der Staats­polizeiverwaltung von seinen Plänen un­terrichtet habe. Liebmann antwortete, daß er dem Herrn parteipolitisch nie recht ge­traut habe. Die spätere Veröffentlichung des Planes in einer bürgerlichen Zeitung beweise, dah größte Vorsicht am Platze gewesen fei. Der Trans­port der Waffen nach Floche erfolgte auf An­ordnung des Zeugen.

Die sächsische Sozialdemokratie gegen Held.

Dresden, 13. Rov. (TU.) In der Kon­ferenz der Landesinstanzen der S.P D. mit der Fraktionsminderhät. di> am Die istag in Dres­den stattfand, wurde eine Entschließung ange­nommen. in dec es heißt: Mit der Ablehnung der Auflösung des Landtages hatten die Mitglieder einen schweren Disziplin- bruch begangen und damit die Verbindung mit dec Organisation eigenwillig und unter be­wußter Mißachtung der Parteige- nosfenschaft gelöst. Die Parteiorganisationen werden ersucht, für die schnellste Abberu­fung der Diszip linbrecher von ihren Abgeordnetenmandaten zu sorgen. Die 23 treiben eine Politik auf eigene Faust. Demgegenüber fordern die Landesinstanzen. dah die Abgeordneten der Sozialdemok.a i che.r Par­tei im Reichstage die Beschlüsse dec sächsi­schen Parteiorganisationen durchführen. Die 2an= des Instanzen der Sozialdemokratischen Partei Sachsens sprechen der Regierung Held das schärfste Mißtrauen aus.

Die Länder zur Beamten« besoldunq.

Karlsruhe, 13. Rod. (T. 11.) In der in diesen Tagen in Berlin abgehaltenen Finanz­ministerkonferenz stellte der badische Finanzminister Dr. Köhler zu der Erklärung des Reichskabi­netts, demnächst eine allgemeineErhöhung der Beamten bezüge vorzunehmen, die Frage, ob es beabsichtigt sei, diese Erhöhung f ü r alle Deamtengr uppen in gleichem Prozentsatz durchzuführen, oder ob man sich entschlossen habe, das bei der Besoldungsregelung im Juni an den Beamten der unteren Besol­dungsgruppen Begangene Unrecht wieder gut zu machen, Baden müsse letzteres unbedingt verlan­gen und es werde einer Regelung, die hier versage, unter keinen Umständen seine Zustimmung geben. Die unteren Gruppen müßten diesmal ver - stärkteErhöhungen erhalten, denn die Rot- lage sei angesichts der verminderten Kaufkraft des an sich schon geringen Einkommens sehr groß. Die Erklärung des QkrtreterS des Reichsfinanz- Ministers, daß man an eine prozentuale gleichmäßige Erhöhung denke, wurde von Baden und eine Reihe anderer Länder als durchausuntragbar abgelehnt. Heber Um­fang und Art der Erhöhung soll in einer demnächst stattfindenden besonderen Sitzung beraten werden. Die Aenderung soll am 1. Dezember erfolgen.

Weltervoraussaqe.

Wechselnd bewöltt, Winde später nach OBeften zurückdrehend, Temperaturen wenig verändert, meist trocken, Morgennebel, strichweise Rächt- f röste.

Aus aller Welt.

vi». Arnstein und 12 Ingenieure nach Amerika.

. Bremen. 13. Rov. (TU.) Dr. Karl Arn» stein, der bekannte Konstrukteur der Zep­pelinwerft und Miterbauer des Z. R. III, wird am Samstag, 15. Rovember, an Bord des George Washing.on" Deutschland verlassen, um sich nach den Bereinigten Staaten zu ' begeben. In seiner Begleitung befinden sich 12 Ingenieure des Zeppettubaues. Gleichzeitig kehrt Dr. Eckener nach Deutschland zurück. Er hat sich bereits von den leitenden Kreisen Washing­tons verabschiedet. Kommodore Steel gab ihm zu Ehren ein Essen, an dem auch der Marine­sekretär W i l b u r g teilnahm. Dr. Eckener tritt am Samstag die Heimreise auf demColumbus" an. Z.A. III wird voraussichtlich am Sams- t a g seinen ersten Probeflug in Amerika machen und wahrscheinlich Philadelphia be­suchen.

Schwere Betrügereien auf dem Mannheimer Arbeitsamt.

Mannheim. 12. Rov. (WB) Am letzten Sonntagnachmittag hat sich der Angestellte les Arbeitsames, Emil Günth r freiwillig de: Po- Haei mit der Selbtb^z.ch^gung gestellt, große Summen aus der Erwerbslosenfür­sorge für sich verbraucht zu Ipben. Rach dem Geständnis des De/raudanten hat er fe t Februar der Karie des Arbeitsamtes nach und nach 81 000 Gel. mack in Beträgen von 34000 Mark entnommen. Rach derArbeiterzeitung" soll Etadtrat Bottger für die CBerunt cu'tng verantwortlich fein, da feit dem letzten h.ilb.n Iaihi eine regelrechte Kon tr o lle nicht durchgeführt worden fei.

Gefängnis für einen jugendlichen Raubmörder.

,,Das Jugendgericht in Halle Verurteilte den 16jährigen Sohn des Fabrikanten Mönkeberg in Zschornewitz, der in der Werkstatt seines Vaters am Lohntage einen Arbeiter du rch H a mmers chläge tötete und dann be­raubte, zur gesetzlichen Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

Die Beulenpest in Indien.

London, 12. Rov. (WTB.) Rach einer Reutermc-ldunq aus Secunderabad ist unter dec dort gen Bevölkerung d.eD.uenp st cnsged vchen. Die Zahl der Toten beläuft sich bereits auf mehr als 4000, unter denen sich auch einige britische Soldaten befinden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. Rovember 1924.

Reklame im Rundfunk.

Run ist es soweit. In wenigen Tagen wird der Rundfunlhorer zw scheu denMeistersingern" undBoheme" mitaichören mässen, daßFaszi­nation" das betörendste Parfüm ist, daß den Kenner nurBork mit Kork' raucht und der wahre Genießer nur Schulzes Rosenlikör trinkt. Wohlgemerkt, das eine nur echt mit Schrägstrichen auf dem i, das andere mir mit Korkmundstück, das dritte mit dem Ramenszug Schulze.

lind das alles wird der Rundfunkhörer mit Geduld anhören, weil er den Anfang von Boheme, diese charakteristischen Disfonan .en P ccin s, nicht versäumen will. Er formte ja abhängen, denf Empfangsappavat ausschaten. Aber, wie gesagt, er läuft Gefahr, sich durch solche E genmächtigkeit um den Genuß der Darbetungen zu bringen. Die Postteklarne G. m. b. H. versteht sich auf das llnternehmergeschäft. Don allen f eben Sendern des Deutschen Reiches wird n 'n tägtichnur ein Viertelstündchen" Reklame gegeben. Den Hörern zumGenuß", der Postrllame G. m. b. H zur sicheren Einnahme einiger Millionen, ih cm reklametreibenden Auftraggeber zum Werbe­erfolg.

Oder sollte es dach nicht ganz so fein? Sollte die Reklame im deutschen Rundfunk denselben Mißerfolg erleiden, wie im amerikanischen?

Keine Besorgnis! Die größten Firmen sind bereits ein Abonnement auf die Rundfunk- Reklame eingegangen. Sie rechnen mit dec für den Deutschen zur Begr f sb zeichnung gewor­denen Lammgeduld. Opponieren? Rein! Der Deutsche ist durch die harte Schale dec Geduld gegangen. Er wird sich nicht, wie der freie Amerikaner, gegen die Rundsunk-Reklame auf- lehnen. Man kann also ohne je^e Besorgnis auf ein Jahr und länger Rundfunk-R.klame abon­nieren. damit die Konkurrenzfirma nicht zuvor­kommt l Eile tut not!

Inzwischen holt der Runds unkhorer von gestern sein gutes alles Grammophon wieder vom Dachboden herunter. Und die F rma, die so stolz ist auf ihreneue originelle, grondiofe Reklame", wartet auf den Werbrerfolg den sie auf diesem Wege jedoch t^um haben wird, allerdings weil eben Ser Radwhirec an seinem Apparat Unterhaltung wünscht, aber keine Reklame! Die Postreklcim gesellschaft als alleiniger Geschäftsmacher a^dieri Millionen.

Die Steuermilderungeu.

Die soeben erlassene zweite Verordnung des Reichspräsidenten über wirtschaftlich not­wendige Steuermilderungen hat auf die am 10. Rovember (Schvnfrist 17. Rovember) und auf die am 10. Dezember (Schonfrist 17. De­zember) fälligen Monatsvvrauszahlun- g c n auf Einkommensteuer und Körper-

f cy a f t s ft e u e r noch keinen Einfluß. Die Mo- natsvorauszahlungen auf Einkommen- undKorper- schaftssteuer im Rovember und Dezember sind demgemäß noch in der bisher vorgesehenen Höhe zu leisten. Tie Ermäßigung um ein Viertel wi.il sich erstmals bei den am 10. Januar 1925 (odjonfrifi 17. Januar 1925) fälligen Monats Vor­auszahlungen aus.

Für die Gewerbetreibenden, die ihre Vorauszahlungen auf Ein tt Minen st rer u.vj K.r Perschaftssteuer für ein Vieclelj hr. und zwar erst nach Ablaus desselben, leisten, wirkt sich dio Ermäßigung um ein Zwölftel bei -. ei am 10. Januar 1925 (Schonfrist 17. Januar 1925) fälligen Vorauszah lungen aus.

Die Landwirtschaft leistet ihre Vov auszahlungen für ein Vierteljahr, aber nid)! erft nach Ablauf sondern in der Mitte de.- selben, alfo für die Monate Oktober, Rovember und D ez-embcr 1924 am 15. Rovember 1924. Da he: ermäßigt sich bereits die am 15. Rovember lSchonfrist 22 Rovember) fällig- To au z -hlu g um ein Zwölftel. (Zu beach en is5"hierbei. < die Einkommensteuer-Vorauszahlung te. Can?. Wirtschaft am 15 Rovember in Obe r h c senallgemein als gestundet gilt, da O er Hessen inf.lge der Ernteichäden als Ro tge b ic ! anerkannt ist. D. Red.)

Der Steuerabzug vom Arbeitslohn ist zur Zeit noch nach den bisherigen Vorfch crf e.i vorzunehmen. Die i i der Te.or'nu g des Re'chs- Präsidenten vorgesehenen Ermäßigu ge: (($.. 5 tung des steuerfreien Lohnbetrages von 53 auf 60 Mk. und Richterhrbung von 20 Pf. rovchen - lich 80 Pf. monatlich) gelten erstmals für i cn Steuerabzug, der für Arbeitsleistungen ini D e - 8 em ber vorgenommen wird. Ein Ausführung?- eclaß wird ergehen.

Die Ermäßigung der allgemeinen Umsatzsteuer von 2 auf 11,2 Proz. und ber erhöhten Umsatzsteuer 'von 15 auf 10 Prozent gilt erst für die Umsätze, die v o m 1. Januar 1925ab getätigt werden. De.n- gemäh sind die Um atzstcuervorauszahlungen, die am 10. Rovember, 10. Dezember 1924 und am 10. Januar 1925 fäll g werden, noch in der bis­herigen Höhe d. h. 2 bzw. 15 Pr->z zu leisten

Schließlich wird noch darauf hi^gewiesen, daß ein Viertel der Vermögenssteuer, deren Satz unverändert geblieben ist. am 15. Rovembe. (Schonfrist 22. Rovember) fällig ist.

Gießener Wochenmarktpreise

am 13. Rovember (Händlerpreife).

Es kosteten: Butter Psd. 210, Käse Psd 75. Wirsing Psd. 8, Weißkraut Psd. 5, Rotkraut Psd. 10, gelbe Rüben Psd. 10, rote Rüben Pfd. 10, Spinat Pfd. 40, Sinter-Kohlrabi Pfd. 5, Grünkohl Pfd. 15, Rosenkohl Pfd. 5060, Feld­salat Pfd. 40, Zwiebeln Pfd. 1215, Meerrettich Pfd. 40, Schwarzwurzeln Pfd. 50, Kartoffeln Pfd. 5. Aepfel Psd. 1020, Birnen Psd. 12. junge Hahnen Psd. 100, Suppenhühner Psd. 100, Gänse Pfd. 100, Rüste Pfd. 60, Eier Stück 18, Blumenkohl Stück 30 150, Endivien Stück 10 bis 20, Ober-Kohlrabi Stück 8, Lauch Stuck 515 Sellerie Stück 1050 Pf.

Borrrotizcn.

Tageskalen der für Donners­tag. Stadttheater, 63/4 ästhr:Münchhausen". Vortrags-Vereinigung, 81 ., Llhr, in der Aula: Lichtbildervortrag über Wilhelm Busch. - Ver­ein für Luftfahrt, 8'Ahr, im großen Hörsaal des Phhsikal. Instituts: Mitgliedeiverfammi i!-g mit Vortrag. Volkshochschule, 8 ilb r, Ober- realschule: Vortrag über Kant. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Liebe der Sultanin". Aftoria-Lichstpiele: Harry Piel inAuf ge­fährlichen Spuren".

Vom Konzertverein wird uns ge­schrieben: In dem am nächsten Sonntag 16. 2>io- vember, stattfindendcn 2 Konzerte m.lsiziect die rheinische Geige in Fcä l in Riele Q u c l i n g. Sie wird hier Werke von Corelli, Bach, Mozart. Rene- und Suk zum Vortrag bringen. Fiäulstn Quelinz gilt trotz ih.-er Iugen) al- ein.' becrits fert ge Künfllecperfonlichkrit. die nicht n.ir ihr Instrument mit Zartheit und sichere.- Kcift be= heri-scht, sondern auch den Glauben erweckt, als spräche ihre Seele unmittelbar zu den Hörern. Die Künstlerin spielt in Gießen zum e.-ften Male, doch hat sie in. anderen Stad en, wie Berlin, München. Heidelberg. Köln. Königsberg, Gens usw. schon mit derartigen Erfolg n felea F ch gefaßt, daß man von ihr sagt:sie fei das weib­liche Gegenstück zu Adost Basch". Die Begleitung liegt in Händen des Herrn Hans Alt mann aus Frankfurt a. M.

Ausdern Stadttheater-Dureau wird uns geschrieben: Georg Kaisers neues Werk Kolportage", das morgen hier zum ersten Male gegeben wird, dürfte zu den gegenwärtig meiftgegebenen Stücken des deutschen Theaters ge» . Horen. Jedenfalls istK o l p o r t a g e das erfolgreichste und zugleich jedermann verständliche Werk des bekannten modernen Dramatikers. In der Aufführung, die unter Spielleitung von Herrn T e l e k y steht, sind in Hauptrollen beschäftigt die Damen Sturmfels, Jüngling, Marcks, Rohr, sowie die Herren Goll, Juhnke, Hoffmann, Baum und Baste.

Di e Seeschlacht am Skagerrak". Für diesem Achtbildervortrag morgen nachmittag und abend in der Reuen Aula macht sich in den breitesten Einwohnerschichten starkes Interesst bemerkbar. In unserem heutigen Anzeigenteil for­dern zahlreiche Vereine ihre Mitglieder auf, den Vortrag zu besuchen.

Gießener Stadttheater. Vortragsabend von Irene Triesch.

Irene Triesch, eine der gefeiertsten deutschen Schauspielerinnen, ist auch in Gießen seit langem feine Pin bekannte mehr. Auch als feinsinnige Interpretin von starkem, dramatischem Schwung schätzt man sie bei uns sell Jahren. Trotzdem hatte die Ankündigung ihres Vortt-agsabends am Dienstag nur recht wenige ins Theater gelockt Rachdem eine ähnliche Veranstaltung Herbert Eulenbevgs vor kurzem schon kaum lebhafteres Interesse gefunden hatte, kommt man rn Ver­suchung, diesen Mißerfolgen grundsätzliche Be­deutung beizumessen, und man wird es nicht er­staunlich finden, wenn Theaterintendanz und Literarische Vereinigung vor derartiger Indolenz entmutigt die Hände in den Schoß sinken lassen. Wir würden das zwar begreifen, aber es auch außerordentlich bedauern. Gießen wvc seither stop, darauf, als Sih der Uni&erfität, als Hauptstadt : Oberhessens, in geistiger Beziehung wett anfpruchs- - voller zli fein als die vielen Prvvinzstädtchmr ' gleicher Gröhe. Sollte es da in dem vegelmäßigen |

Abonnements Vorstellungen fern Genüge finden vhne Interesse für Darbietungen ganz besonderer Art? Trotz allen bitteren Erfahrungen mochten wir der Intendanz Vorschlägen, der Gießener Bür­gerschaft noch einmal Gelegenheit zu einer Ehren­rettung zu geben. Vielleicht wäre das Gastspiel eines prominenten auswärtigem Künstlers hier­für geeignet. Die Güte unseres eigenen Ensembles bietet durchaus Gewähr für eine reibungslose Zusammenarbeit. Sollte auch das nichtziehen", ja dann hätten die Recht, die schon heute be­haupten:Gießen hat mit Operette und Kino genug: ft arte ce geistige Kost verträgt es halt nicht". Aber ein letzter Versuch zur OIufTÜttelung ber Geister sollte doch noch gemacht werden.

Irene Triesch trug im ersten Teil ihres Programms Stücke aus der Bibel vor, die in »,Sw?eslied der Deborah" undSimsvn und Delilck' sie als eine Tragödin großen Stils und eine Sprachgewaltige von dämonischer Kraft zeig- tef£®tarfe Modu lakionsfähigkeit und eine au 6er- des mimischen Ausdrucks offenbarten die Lievesdichtungen aus dem Hohen- tte-) und die Erzählung von Ruch, der lieblichen Moabitin. Die ewige Weish^t der Gleichnisse

Jesu verträgt eigeittlich nur eine ganz schlichte Art des Vortrags: sie sprechen zu sehr durch sich selbst, als daß der Versuch einer dra-matischen Interpretation nicht abschwächend wirken müßte. Aus dem zweiten, unseremllassischen" Dreigesticn Goethe, Schiller, Hölderlin gewidmeten Teil wurdenDie Braut von Korinth" andDer Gott und die Bajadere" vor allem aber die Paria- Trilogie in der dramatischen Gestaltung dec Künst­lerin zu einem Erlebnis von erschütternder Wir­kung. Zu HoelderlinsVolk und Vaterland" und GoethesSeefahrt" fand sie dagegen offenbar nicht die rechte innere Einstellung Auch die herr­lichen Schillerschen RhythmenAn die Freude" mit ihrem feueriprüh'arden, himmelstürmenden Opttmismus tagen dec Künstlerin weniger. Das Publikum zeigte sich für den schonen Abend herz­lich dankbar. -e.

Gilbert: Dorine und der Zufall.

Um eine recht alltägliche Geschichte, die die Herren ©rünbaum und Sterk mit noch nicht einmal viel Witz und echtem Humor zu­sammenkomponiert haben, hat Jean Gilbert eine Operettenmusik gefdyrteben, die schnell po­

pulär geworden ist, trotzdem oder weil sie wie man's nimmt nicht ohne beachtliche Quali­täten ist. Der böse Zufall spielt dem armen heiratslustigen Dorinchen arg mit. Zwar vier Männern verdreht sie den Kopf, aber der Zufall toill's, alle glauben sich genasführt und über* lassen einem eingebildeten Rebenbuhler das Feld. Das geht so drei Akte hindurch, bis schließlich dem Dorinchen dec Geduldsfaden reißt, sie selber einmal Zufall spielt und den Mann am Schopf nimmt, den sie für sich Haden will. Die Regie Herrn Dadekows hatte für ein flottes Spiel und hübsch Kucechtgemachte Dühnenbikdec gesorgt. Dem Orchester Herrn M i s ch e l l s gelang cs zwar, die oft recht lebhaften Schwätzchen des Publikums zu übertönen, machte es damit aber ben Künstlern zum Problem, sich verständlich zu machen. Restlos gelang dies eigentlich nur Fräulern Liebermann: auch Herr Richter, dec für Fritz Schroder in die Bresche gesprungen war, nahm mit einigem Erfolg den Kampf mit dem Orchester auf. Herrn Dadekows liebes- kranker Mathemati^r machte viel Pläsier. Carl Stadis Diener war eine famose Type, ebenso, ber Siebenschläfer Walter' Gvieß manns. -e.