Ausgabe 
13.11.1924
 
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Blatt

V4. Jahrgang

Donnerstag, sZ. November <92^

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick nnd Verlag: vrllhl'fche Univerfilälr-Vuch- und 51eindruckerei R. Lanze in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstral^e 7.

Bneabet von Anze.am für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbOdlichkeit. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich^, auswärts 10 Goldpfennig: für Ne» Klame-Anzcigen o 70mm Breite 35 v oldpfennig, Playvorschnft 20'. Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: l)r. Friedr. Wilh Lange; für den übrigen Teil: LrnstBlumschem;fÜrden Anzeigenteil: Hans Deck, la-'illcb in (Bitten.

Der deutsch-französische Handelsvertrag.

I Für die französische Wirtschaftspolitik war tmb ist bestimmend, daß Deutschland in bezug auf Frankreich sowohl Abnehmer als auch Liefsrant ist. Abnehmer ist Deutsch­land z 2. in sehr starkem Mähe für französische Lu xuSerzeugniste, für bestmunte 21g arprvdukte, für bessere Textilwaren, sowie für diejenigen Singe, die in den früher zu Deutschland ge- w«.enden Gebieten erzeugt weü>en. 3n seiner ? Eigenschaft als Lieferant kommt Deutschland vor­nehmlich in Betracht für Brennstoffe, für che- | mische Erzeugnisse sowie für Maschinen. Anstatt i durch vernünftige Vereinbarungen zwischen den beiderseitigen Industrien Verträge abzuschliesten, I hat Frankreich bisher unter sträflicher Richtach- lung sämtlicher Gesetze der Wirtschaft durch Zwang Deutschland zu veranlassen versucht, so­wohl die von Frankreich benötigten Waren zu liefern, als auch den französischen Warenüber- s schuh aufzunehmen.

Wesentlich war dabei, dah bieter Zwang L weit über dieGrenzen des Versailler S Vertrages hinaus tu chgeführt wurde, dah p gleichzeitig ab~r die Lieferung derjenigen Pro- Lüfte, die im Verteilter Ve trag: vorgeeh.m war, ! nicht oder nurzumTeilver langt wurde. I ES handelt sich hier vor allen Di rgea um die- | jenigen Li.f.rangen, mit deren Hilfe der Wie- I heraus bau der zerstörten Gebiete .4 hätte durchgeführt werden können. Hier hat c4 die französische Industrie fertiggebracht, das) Deutsch lc^nb nut zur Lieferung tereai en L Produkte herangrzvgen werde, die lwi: z. B. Kohlen, Chemikalien) in Frankreich i'ich oder in nicht genügenden Ute gen erzea,t tour e t. Man ging sogar soweit, auch dann die Lieferung u n - £ »möglich zu machen, toenn sie billiger als durch französische Fabtikantea hätte ersogen kön­nen. Die Folg? war, dah ci'ereits der Wieder­ausbau der zerstörten Gebiete in de n eigentl ch » möglichen Mähe noch nicht durchgeführt Wist, während andererseits die französische Staatsschuld in beängstigender Wei e sich vermehr! hat. Dabei wäre es leicht gewesen, die Staatsschuld nicht zu sehr steigen zu la Jen; man hätte die im Uebermaß aus Deutschland heoa-Sgeh^lten Sachlleferunge.i nur zu regu­lären Preisen zu verkaufen brauchen, anstatt sie an die französischen Ab^ehm r halb zu verschenken. Heute liegen die Dinge so, dah die von Deutschland verlangten Repar ttionslie e- rungen überhaupt nicht meß als Wiede auf.au- Icistungen im eigeirtlichen Sinne ke.räch et wer­den, fonbern als Unter ft üfcung für die französische Industrie.

Die Arten des gegen Deutschland ausgeübten Druckes waren verschieden. Beben politischen und militärischen Drohungen wurde vornehmlich die Erricht ungvon Zollgrenzen angewandt, btc eigenartigerweise immer dann aufgerichtct wurden, toenn in Frankreich eine Ab r tri c herrschte. Durch die Art der Tarifterung erreichte man, dah einerseits bre sranz-ö fischen Wa­ren ins brsetzte Gcbiet u n g e h e m m t e r n st r ö - men konnten, während andererseits die Ern» fuhr deutscher Waren nach Möglichkeit erschwert wurde, vor allem dann, toenn sie den Mfranzösischen Erzeugnissen Konkurrenz bereiteten. Außerdem brachte man es durch alle möglichen Mahnahmen fertig d e gnad'- Franksch so auh.rorbent'.ich wich ig: deut che Cttoere 'enin' u- i ftrte vrn der Konku.rrnz am Weltmark. toeitj-ten? rauszuschalten. Die schlimmste Zwangsmaßnahme i trar die Ruhr besetz ung. deren Vertagen aber nach anfänglichen Erfolgen jetzt unftreitbir feststeht.

Gerade diese Erkenntnis hat nunmehr einen weitgehenden Wandel in der französischen Auf­fassung erzeugt, zumal auch Ereignisse, wie der Ausfall der englischen Wahlen, die immer mehr drückende Last der Schuld, die Vernichtung auf Hoffnung auf bald kommende große deutsche Zahlungen usw., den Dernunftsprozeh geför­dert hoben Frankreich trifft nunmehr an­scheinend Vorbereitungen, seinen bisherigenLtand- Duntt der Ausnutzung der Rotlag: unter Anwen­dung wirtschaftswidriger Mahn ahmen durch poü- tifdjen Zwang zu verlassen und zu dem einzig möglichen Prinzip der freien Verein ba - rung zurückzukehren. Ob und wie lange diese Sinnesänderung anhält, ist freilich ein: andere Trage.

Kritische Wendung der Pariser Verhandlungen.

P a r i s, 13. Rov. (511.) DerMalin" mel­let, dah die franko-deutfchen Wirtschafts-Despre- chrngen wegen der Haltung des deutschen Unter­händlers in der Frage der 26prozentigen Aus­fuhr-Abgabe eine kritische Wendung zu nehmen drohen. Die Deutschen, so schreibt das Watt, scheinen die notwendigen Zugeständnisse nicht machen zu wollen, ohne dah es indessen er- fichtlich sei, ob es ihnen auf eine Kompensation ankommen, oder die beabsichtigte R«chstagswahl ins Gewicht fällt. Auf jeden Fall haben die Sach - »erftänbigen ihre Besprechung unterbrochen imb die beiden Regierungen zu einem Mei­nungsaustausch veranlaßt. DerMatin" stellt fest, bah die Zusammenkunft vorgestern am Quai d'Or- stattfand zur Beilegung der verschiedenen Streitigkeiten, aber ergebnislos verlau- ' cn ist. AuchEre Rouvelle" behauptet, dah in en deuffch.französischen Wirtschastsverhandlun- ct eine kritische Unterbrechung eingetreten sei. ' tes Blatt macht den deutschen Unterhändlern den Dorwurs, dah sie der Debatte einen politi­schen Einschlag zu verleihen versuchten und

außer acht ließen, baß es sich letzten Endes doch nur um technische Auseinandersetzungen handle.

Wann die nächste gemeinsame Sitzung der deutschen und der französischen Wirtschaftsdele- galion stattfinden wird, steht noch nicht fest. Die deutsche Delegation hat nach Prüfung der fran­zösischen Wünsche gewisse Rückfragen nach Berlin gerichtet, auf die die Antwort noch aus­steht. 3m übrigen wird von deutscher wie von französischer Seite über die Unterredung, die der deutsche Botschafter von H öf ch mit Herriot am Monta gerbend in Gegenwart der bei­den Delegationsführer hatte, strengstes Stillschweigen bewahrt.

Dawesgutachten und Zolltarif.

Die deutsche Industrie für eine Revision deS Zolltarifs.

Berlin, 13. Rov. (TU.) Auf einet Tagung des Fach-Ausschusses desReichsverbandes der deutschen Industrie" und des großen Ausschusses desDeutschen Arbeitgeberverbandes" sührte der Vorsitzende des.Reichsverbandes der deutschen Industrie", Generaldirektor Dr. Sorge, aus, daß Hoffnung bestehe, daß die Handelsbestim­mungen des Dawes-Gutachtens unter dem Druck der vereinigten Interessen erleichtert werden würden. Die Durchführbarkeit des Dawes-Gut­achtens in seiner jetzigen Gestalt sei auf die Dauer nicht möglich. Fabrikbesitzer G. Müller- Gerlinghaufen sprach über die Han­delsvertragsverhandlungen und über die Zoll­tarif-Revision. Er gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß Deutschland volle Meistbegünstigung unter Beibehal ° t u n g eines mäßigen Zolltarifs zur Verhandlungsgrundlage machen müsse. Der neue Zolltarif müsse schleunigst geschaffen und nötigen­falls durch Kabinettsbefchluh unter Mitwirkung des Rcic^rates noch vor dem Zufammentritt des neuen Reichstages herausgebracht werden.

Die Auswirkung des Londoner Protokolls.

Verkleinerung der Reparations- kommisfion.

Paris, 13. Rov. (T. 11.) Die Reparations­kommission bat in Ausführung des Londoner Pro­tokolls beschlossen, ihre zahlreichen Dienstste.len, zum Teil aufzuheben, zum Teil einzu- schrän ken. Die Kommi sion als solche bleibt weiter bestehen, doch brauchen die Hauptdelegier- ten sich künftighin nicht mehr in Paris aufzuhal­ten. Die Sitzungen werden nur noch in der Form von vorübergehenden Sessionen statt­finden. Den Delegierten wird cme Entschädigung der Reiseunkosten und ein monatliches Gehalt zu- gesichert, das hinter den gegentoär igen Bezügen erheblich zurückbleibt. Die Privat- f e f r c t ä r e der einzelnen Delegierten werden entlassen. Ferner werden der Finanz- und der Wiedergutmachungsdienst aufgehoben. Auch sind noch eine große Anzahl von Verein­fachungen vorgesehen, wozu vor allem das Fort­fällen des Rachrichtendienstes gehört. Der juristische Dienst wird künftig nur noch vier Mitglieder (England, Frankreich, Italien und Bel­gien) umfassen. Die bng ordne en Delegieren be­halten ihre bisherigen B f g niste und werden sich in einem Dnestionsausschaß zusammenschließen, der die Arb-eiten des interalliierten General- fekretariats üb vnimmt un) im Rame t de Kom­mission all: l-ause den Geschäfte erledigt und not­wendige Beschlüsse faßt.

Deutschlands Reparations- Kohlenlieferunyen.

Paris, 13. Rov. (TU.) Die Derteilungs- stelle der französischen Schwerindustrie hat feit Jahresanfang 1924 bis einschließlich Oktober nach ihren Angaben von Deutschland insgesamt 3 510 933 Tonnen an Brennst offlief erringen erhal­ten. Die deutschen Kohlenlieferungen an Frankreich und Luxemburg rverden in der Zeit vom 19. bis 25. Oktober auf 187 200 Tonnen angegeben.

Deutschland und der internationale Luftverkehr.

Die Notwendigkeit einerAenderung der Versailler Luftfahrtbeftimmungen.

Berlin, 12. Rrv (Priv -Tel.)Daily Te­legraph" meldet, dah die beut dje Regierung ent­schlossen sei, den englische n Lus tver kehr über Deu tschland zum Stillstand zu bringen, da es dem englischen Luftfahrtministe- rium nicht gelungen ist, Frankreich zu be­wegen. den von Deutschland geforberci Aende- rungen der Luftfahrtbestimmungen des Beriailler Vertrages zu ustimmen. Dru.sch- land werde nach dem 15. Rov nur noch gestatten, daß solche Flugzeuge deutsches Gebiet überfliegen, die nicht größer und stärker seien als die­jenigen Flugzeug?, die Deutschland selbst bauen darf. Zu dieser Meldung ersah ei de Berliner Blätter, daß sie in die'er Form etwas verfrüht sein dürste, da das Sonderab­kommen mit England über den Flugver­kehr BerlinLondon noch bis Ende 1924 läuft. Außerdem seien die Verhandlungen, die in Paris

über die Frage des deutscher Flugzeugbaues ge­pflogen w.wden, noch nicht zum Achu) gelangt. Die deutsche (Regierung sei jedoch entschloßen, bei einem negativen Ausgang der Der- handlu gen von .hrem Recht Gebrauch zu machen und nur Flugzeuge vom gleichen Aus­maß daS lleberflugin deutschen Gebietes zu ge­statten.

Die Beschlagnahme der Staats­forsten.

Berlin, 13. Rov (Priv.-Tel.) Zur Ab­deckung der Schäden, welch: die Länder Preußen, Bayern, Hessen und OUeiburg durch die Be­schlagnahme der staatlichen Forsten in den besetzten Gebieten erlitten haben, Hal das Reich einen Betrag von 46 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, der nach einem besonderen Vertellungsschlüsfel an die in Betracht kommen­den Staatskassen gezahlt wird.

Deutsche Arbeiter in Frankreich

Paris. 13. Rov. ($11.) In der Kammer be­tonte der frühere Minister für öffentliche Arbeiten Le Trocquer die Zweckmäßigkeit der Ver­wendung deutscher Arbeitskräfte in Frankreich und erinnerte Herriot an bi: nach der Londoner Konferenz gemachte Zusage. Der Berichterstatter äußerte sich zustimmend. Der Minister für öffentliche Arbeiten gab dann die Erklärung ab, dah die Regierung die Heranziehung deutscher Arbeiter zu Weaeausbesferun- gen bereits in Betracht ziehe.

Ein deutsches Ermittlungsver­fahren im Fall Nathusius.

Berlin, 13. Rov. (TU.) Der Ober­reichsanwalt hat auf Grund der bekannt gewordenen Beschuldigungen gegen den General von Rathusius ein Ermittlungsverfahren einge­leitet. Schon jetzt liegen zahlreiche Zeugenaus­sagen vor, aus denen einheitlich hervorgeht, dah General von Rathusius wegen seiner Be­scheidenheit und Anspruchslos ig- keit überall bekannt war.

Belgische Auhenpolitik.

Hymans über die Londoner Konferenz und das Genfer Protokoll.

Brüssel, 13. Rov. (TU.) Der Außenmi­nister Hymans Hai gelten nnchnickag i i b r Kammer ein: l'ng? Erklär*» g über di: Erge :;i se der Londoner Kouserenz u'd über das Londoner Protokoll verlesen. Ec führe aus: Was toä^e geschehen, wenn das Sachverständige gu ach en ge­scheitert wäre? Die Entente w'e zuiam- mengebrochen, Frank eich un) Belgien wür­den sich, von aller Welt isoliert, D^rtl ch- land all.in gegenübecges hen habe'. Was wäre mit den Micurnver.ragen gechehm? Man hätte zu Gewaltmitteln ei e Zuflucht nehmen müssen, was uns den größ en Schw 'rig- keiten ausgetetzi haben wür.e. Oh e Zweifel b ei- bm die Be.räge der Repara ioren, die die Ver­bündeten crhrl en werden, hinter d^n hochge­schraubten Erwartungen zurück, denen sich die Geister nach dem Waffenstillstand Hingabe'. Das neue Budget läßt aber ar die Stelle der Unge­wißheit und der Unklarheit ein stabiles und positives Regime, ein von oli i che' u d finanziellen Garantien umgebenes Shs.em treten.

Hinsich'lich des Genfer Protokolls be­merkte Hymans: Oh e Zweifel be eure ich bah das vom Genfer Protokoll bt> g?r her: Syßem der Schiedsgerich sca feit und der 0a if o en ert nach einer Derständigun z über die Abrüstung in Kraft treten kann. Es läßt sich in der Xat nicht verhehl:n, daß die Frage der Abrüstung die ernstesten technischen Sch vier gleiten bietet und dah eine Lösung die tiefsten und allerschw e- rigsten Vorarbeiten erfordert. Das Gen e Pro­tokoll, so meinte Hymans zus^mmenfos end. sei die Fortsetzung des Londoner Ab­kommens. Rach der Reg lung der Repara­tionsfrage habe man das W:rk der Wiederauf­richtung Europas wie' er for zusctze r und be- Po­litik prak ischer Ve.wirllichung das Ideal h.nzu- zufügen versucht.

Die Nadikalisierung der englischen Arbeiterpartei

Aus London kommen Rachrichten, die den R i h . der durch die englische Arbeiterpartei schon seit längerer Zeit geht, sehr scharf hervortreten lassen. Es liegt nämlich ein Beschluß der Ar­beiterpartei vor. wonach Macdonald mehrere Monate auf Reifen nach Südamerika ge­schickt werden soll. Dieser Beschluß bedeutet eine politische Kaltstellung Macdonalds. Roch deutlicher geht diese Tatsache aus dem wei­teren Beschluß hervor dah Macdonald keine wichtigen Parteientscheidungen treffen soll, ohne die anderen Führer, inSbefonbere Sn ow- ben, betragt zu haben.

Snowden wurde zum stellvertretenden Parteivorsihenden gewählt. Diese Wahl bedeutet ein Programm, nämlich die Radika­lisierung der Arbeiterpartei. Denn Snowden hat sich bereits auf der Londoner Konferenz gegen Macdonald gewandt, besten Kompromiß über die Ruhrräumung er scharf kritisierte, wor­

auf Macdonald in einer Erklärung vor Snowder zurückwich.

Da die Arbeiterpartei auch den Beschluß faßte, die Frage über ein Zusammengehen mit den Liberalen umgehend zu klaren, so rundet sich das Bild von den gegenwärtig in der Arbeiterpartei herrschenden Strömungen. Denn die Hoffnung der Parteieleinente geht dahin, bah bie nächsten Parlaments­wahlen der Arbeiterpartei bereits bie abso­lute Mehrheit bringen werben, so daß fic auf bie Liberalen verzichten kann.

Wenn bie Arbeiterpartei in ihren letzten Deschlüsfen schließlich entschieben gegen den Bolschewismus Stellung nimmt, so spricht sich in dieser Entschließung nur die den eng­lischen Arbeitern längst innewohnende Abnei­gung gegen den Kommunismus und seine Ideen aus. Die Radikalisierung der Partei soll durch die Frontstellung gegen den Kommunis­mus um so fester auf die radikal-sozialistische Linie festgelegt werden.

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird bie Reg e rung Ba lbwin bald vor schweren innerpolitischen Kämpfen fteben. Mac­donalds beschwicht gender Einfluß c-i seine Par­tei ist zwar noch nicht gänzlich geschwunden, aber die Energie SnowdenS wird diesen Einfluß je länger je mehr vermindern.

Ein Arbeiterminister gegen den Klassenkampf.

London, 13. Rov. (TU) Der ehemalige Kolonialminister und Flhrer des Rationaloer­bandes der Eisenbahner, Thomas, sprach gestern im Eisenbahncrverband über Stellung und Auf­gaben der Arbeiterpartei. Bei dieser Gelegen­heit verwahrte er sich schärfsten- gegen die Ge­rüchte, daß ec bei einer Zusammenkunft de- Rationalverbandes der Arbeitg'ber und Arbeit­nehmer eine Rede über den Klassen kpmpf gehalten habe. Er betonte, daß durch den Klafsenkarnpf nichts als Unheil er­reicht werden könne. Sowohl die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber mühten dafür Sorge tragen, daß zwifchen ihnen auf friedlichem Wcge alle Streitfragen gelöst werden. Vorbe­dingung dafür sei, daß jede Seite volle- Ver­ständnis für bie anbere habe.

Amerika und die Sowjets.

London, 13. Rod. (WTD. Funkspruch.) Der Berichterstatter derTimeS" meldet auS Washington, Präsident Eoolidge scheine vor einem Jahre zur Eröffnung von Derhandlungen mit Rußland geneigt gewesen zu fein, habe aber in­folge der Rücktrittdrohung beSStaatS- fetretärs Hughes seine Haltung geän­dert. Die gegenwärtig in Umlauf befindlichen Ge­rüchte über einen Rücktritt Hughes seien daher beachtenswert. Es bestehe Anlaß zu der Annahme, daß das amerikanische Kapital einem Frontwechsel gegenüber Moskau eher geneigt fei, als vor zwei Jahren. Die Sowjet-Regierung habe in ihrer Wirt'chafts- Polikik notgedrungen ihren Wein stark verwä'sern müffen und in Wallstreet die Ueberzeugung ge­boten. dah das amerikanische Geld bald mit guter Aussicht auf gewinnbringende Verwendung nach Rußland gehen könnte.

Eine neue

Abrüstungskonferenz.

London, 13. Rov. (WTB. Funkspruch.) Daily Retos" meldet aus Washington, es werbe jetzt allgemein erwartet, daß Präsident C o o l i d g e in naher Zukunft eine neue Konfe­renz zur Einschränkung der Rüstungen einberufen werde. Rach diplomatischen Sondierungen, die be­reits vorgenommen seien, werde Großbrita- nien den Vorschlag deS Präsidenten unter­stützen. Heber die Haltung Frankreichs und auch Rußlands bestehe einiger Zwei­fel, besonders in Hinsicht auf btc Rüstungen zu Lande.

Frankreich und die Riskabylen.

London, 12. Rov. (TU.)TimeS" ver­öffentlicht aus Tanger eine Erklärung Abv e l K r i m s, worin dieser sagt, daß das Gebiet, das kürzlich von französischen Trup­pen besetzt wurde, sich unter feinem Schuh befände. Er müsse das eigenmächtige Vor­gehen als einen Uebersall in sein Gebiet be­trachten. Der Riff-Führer wäre bereit, mit den Franzosen zu verhandeln, wenn sie davon Abstand nähmen, in die von den Riffleuten betehten Ge­biete einzudringen. Im anderen Falle würden die Riffleute ihr Recht mit den Waffen zu verteidigen wissen.

Die Lage in Marokko.

Madrid. 13. Rov. lWTD FunstvruH.) Der interimistische Präsident des Drrck'oriums, Admival Magaz, crüärte, das Gerücht von der Einleitung vvn Friebensverhand'ungen zwi­schen Spanien und Marokko entbehre jeder ®ruriblage. Spanische Truppen könnt in in der östlichen Maroklozone bie Feinde in einen Hinterha lt locken. Die Verluste des Gegners belaufen sich auf 24 Tote. In der westliche» Zone sind bie Truppen bes Generals Saro bei Fonbak angegriffen worden. Sie ver­loren 4 Tote und 18 Verwundete. Es gelang jedoch, den Gegner zurückzuschlagew

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