Fmer grvyen ^eJmtnoerung Der Rüst u n g e n sichren werde. Tatsächlich ober feien heute in Europa eine Million Bajonette mehr als 1914 vorhanden
und es gebe jetzt LI-Dvote in der Gröhe von Kreuzern. 3um ersten Male in der Weltgeschichte habe es die Demokratie in ihrer Macht das Schicksal der Welt zu bestimmen.
Die französischen Umtriebe in der Pfalz.
_ Ludwigshaf en, 12. Juni. (WTB.) Einer der Führer der separatistischen Rheinischen Ar- berterpartei namens Messer teilte in einer am 6. Juni abgehaltenen Versammlung der Sonderbündler mit, daß ein höherer Beamter des französischen Provinzdelegierten in Speyer nach Paris gefahren sei, um bie Unter ftütjung für die Separatisten zu erbitten. Diese Aenßernng des Separatistenführers paßt durchaus zu der Mitteilung, die der frühere Pressechef der sogenannten autonomen Regieruna, Schmitz-Eppe r, in einem Einladungsschreiben zu einer Separatistenversammlung machte, die am 27. April in Reustadt abgehalten wurde. Darin hieß es, daß
die Rheinlandkommission den Separatisten jeglichen persönlichen und vermögensrechtlichen Schutz zusichert und die Justizbehörde der Pfalz entsprechend verpflichtet
habe. Die Annahme, daß die beiden Mitteilungen der Separatistenführer richtig sind, wird dadurch bestärkt, daß General d e M e tz auch nach Abschluß des Speyerer Abkommens den Pfälzer Separatisten feinen Schutz angedeihen läßt, wie seine beiden Roten beweisen, die er im Falle der beiden Separatisten Helffrich Vater und Sohn an die pfälzische Kreisregierung gerichtet hat, und durch die bezweckt werden soll, den Separatisten zu zeigen, dah sie nach wie vor von General de Metz geschützt werden.
Vom deutsch-belgischen Schiedsgericht.
Genf, 12. Juni. (Wolff.) Der heutige zweite Derhandlungstag vor dem deutsch-belgischen Schiedsgericht im Prozeß des belgischen Staates gegen deutsche Lebensversicherungs- gesellschaften war ausschließlich den Plaidoyers der Advokaten dieser Versicherungsgesellschaften, nämlich des französischen Anwalts Gaye und des Berliner Professors P a r t s ch gewidmet. Gegenüber der belgischen These, die trotz der Auflös.mg aller belgischen Versicherungen die einfache Auszahlung sämtlicher rechnungsmäßiger Reserven in belgischen Franken verlangt, betonten die Vertreter der deutschen Gesellschaften, daß auf Grund des Versailler Vertrages den Belgiern lediglich derjenige Anteil am Vermögen der deutscher Gesellschaften hingegeben werden könnte, der auf die belgischen Versicherungen entfiele und daß die deutschen Versicherungsgesellschaften, ganz abgesehen von der Schädigung, die sich durch die Wegnahme ihres Geschäfts in Belgien erlitten hätten, nicht noch wesentliche Teile ihres aus deutschen, neutralen und sogar alliierten und assoziierten Versicherungen gebildeten Vermögens an den belgischen Staat ausliefern könnten. Die Plaidoyers dauern fort
Vorbereitungen zur amerikanischen Präsidentenwahl.
Cleve land, 12. Juni. (Funkspruch.) Rach 26stündiger Beratung hat der Konvent der R e - publikanischen Partei gestern abend eine Kundgebung für die Präsidentenwahl fertiggestellt. Die Kundgebung befaßt sich unter anderem mit Fragen des Weltschiedsgerichtshoses, der Auhenpolitik, der interalliierten Schulden und der Einwanderung. Zur Frage des Prohibitons- gesttzes nimmt die Kundgebung keine Stellung.
Artikel über den Weltschiedsgerichtshof soll, wie verlautet, von Coolidge selbst verfaßt fein. Die außenpolitische Stellungnahme Amerikas, die am ausführlichsten behandelt wird, wird dahin bestimmt, dah die Vereinigten Staaten an der Lösung der grohen internationalen Probleme mit arbeit en sollen, ohne jedoch ihre Selbständigkeit preiszugeben. Zur Frage der interalliierten Schulden erklärt die Kundgebung, dah eine Streichung der Schulden aus wirtschaftlichen und moralischen Gründen nicht in Betracht komme.
Coolidge ist vom republikanischen Konvent zum Präsidentschaftskandidaten nominiert worden.
Rach einer Havasmeldung aus Cleveland hat Senator Bo rah es abgel ehn t, für die stellvertretende Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu kandidieren.
Die Bantiger.
, Roman von Hermann Stegemann.
26 Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Der Baumeister kam.
Lorenz drückte ihm stumm die Hand.
„Was soll ich jetzt mit dir anfangen? Latz dich zu Ens tragen und gesundpflegen," knurrte er und strich ihm über das verklebte Haar.
Dann wandte er sich zu seinem Sohn.
Swei Stunden aus, Lenz, bann los ich dich ab. Einen von uns müssen sie immer vor sich sehen. Kommt der Gerettete zum Be° wuhtsein, kann er sich verständlich machen, so erfahren wir vielleicht, wie es hinter dem Bruch aussieht. Ich bring' den Bericht und lös' dich ab.'
„Es ist recht, Vater," antwortete der Sohn und ging zu seinen Leuten, während der Baumeister mit steifen Gliedern den Förderkarren bestieg, um den Berg zu verlassen
der Kg graute, kehrte der Baumeister Zur Anglucksstätte zurück. Er hatte zwei Stunden geschlafen und stand wieder aufrecht In den Schuhen. Er brachte gute Kunde. Der Gerettete hatte ausgesagt, daß die anderen Luft und Raum hätten, denn der Bruch sei hart über ihm aufgesprungen, als er schon einige Meter von ihnen entfernt.gewesen sei. Der erste Schub habe ihn unter den gefüllten Eisenkarren geworfen, und so sei er mit dem Leben davongekommen, da Po- metta ihn hevauSgeholt habe, ehe er erstickt fei.
Da fetzten fie das Rettungswerk mit verdoppelter Spannkraft fort.
Der Baumeister aber sagte zu seinem Sohn:
Ministerkrise in Litauen.
Kowno, 12. Juni. (WTB.) Der Präsident der Republik hat die Demission des Kabinetts Galvanauskas angenommen. Die bisherige Regierung ist mit der Fortführung der Geschäfte bis sur Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt worden.
Der Ausstand in Albanien.
Paris, 12. Juni. (WB.) Rach einer Havas- meldung aus S k u t a r i (Albanien) hat die regierungstreue reguläre Armee vorgestern abend Tirana ohne Widerstand wieder eingenommen. Der Oberbefehlshaber hat Anweisung gegeben, Ahrneb Bey, der sich mit einer Anzahl Anhänger geflüchtet hat, fest- zunehmen. Dis zur Bildung eines neuen K a- bine11s, das sich in Skutari einzurichten gedenkt, sind drei Obersten mit der Leitung der Geschäfte beauftragt worden. Aus Durazzo wird die Ankunft von zwei englischen Kriegsschiffen gemeldet. Ein englischer und ein amerikanischer Torpedobootzerstörer liegen bereits feit mehreren Tagen im Hafen von Durazzo.
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Die Arbeitszeit in Deutschland.
Genf, 12. Juni. (WTB.) Heute trat zur Vorberatung der internationalen Arbeitskonferenz der Derwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts unter dem Vorsitz des sranzöstschen Regierungsvertreters Fontaine zusammen. Bei der Beratung des Berichtes des Direktors des Arbeitsamts, in dem auf die Beunruhigung hingewiesen wird, die in verschredenen Ländern durch die
, I Mehrarbeit in Deutschland hervor gerufen wurde, ergriff der deutsche Regie» rungsvertreler, Ministerialrat Lohmann vom Reichsarbeitsministe rum das Wort, um darauf aufmerksam zu machen, daß eine derartige Beunruhigung über die zu lange Arbeitszeit anderer Länder auch in Deutschland heftete, und führte hierfür Beispiele aus der Industrie an. Als dann der polnische Regierungsvertreter seinerseits die Schwierigkeiten erwähnte, dre für Polen aus der Mehrarbeit in Deutschland entstünden, führte der deutsche Regierungsvertreteo aus, daß a>enn Deutschland auch das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag nicht ra» tifizrert habe, es doch am Grundsätze des Achtstundentages f e st h a l t e, und die Abweichungen, die nur auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen f nb, einen vorübergehenden Charakter haben.
Im übrigen seien die deutschen Gewerkschaften! durchaus in der Lage, sobald die Umstände das möglich machen, sich selbst für die stritte Anwendung des Achtstundentage; .einzasetz.m, Soweit er das aus den ihm vorliegenden Tarifverträgen ersehen könne würden außerdem die äi e b c r ft u n » den bezahlt, und in verschiedenen Industtten, so in der Glasindustrie, der Duchdruckerei und im Bergwerks betrieb werde der Achtstundentag weiter durchgeführt.
Abänderung des Reichswahlgesetzes.
Berlin, 12. Juni. (WB.) Das Reichs - kabinett hat den Entwurf zur Abänderung des Reichswahlgesetzes gmrehmigt. Es hat beschlossen, den bereits früher gerte')m-:gten Entwurf einer Rovelle zum Reichswah'gefeh (Wahlreformnovelle), welche die D i l d u n g k l e i- nerer Wahlkreise vorsieht, nunmehr beim Reichsrat einzubringen. Die Rovelle sieht außerdem vor, dah die Parteien sich an den Kosten des Stimmzettels beteiligen, um so die mißbräuchliche Ausnutzung des amtlichen Einh^itsstimmzettels, der sich im übrigen nach Auffassung aller Kreise vorzüglich bewährt hat, bei künftigen Wahlen auszuschalten.
Tie Frage der Auslandsreisegebühr wird in einer Sondersitzung des Kabinetts zu Beginn der nächsten Woche besprochen werden, da sie nicht au trennen ist von der W ä hr u ng s- und Kreditfrage, die im Zusammenhang hiermit durch den Präsidenten der Reichsbank eingehend bargelegt wird. Fiskalische Absichten werden bei der Frage der Aufrechterhaltung der Ausreifegebuhr wie bisher vollkommen außer Betracht bleiben.
Noch keine neue Regierung in Bayern.
München, 12. Juni. (Wolff.) Die auf heute verschobene interfraktionelle Sitzung, in der zwischen Vertretern der Bayerischen Dolkspartei, der Deutschnationalcn, sowie des Bauernbundes einerseits und Völkischen Block andererseits die Frage der Koalittons- bUbung weiter besprochen werden sollte, ist
Jetzt geh zu deiner Frau. Ich will dich nicht mehr sehen, bis acht Stunden um sind. Der Tessiner Ist bandagiert und guter Singe. Die @nd war bei ihm und hat ihm übers Haar gestrichen. Aber da war er schon gewaschen und gebürstet. Run liegt er still und schluckt Brom."
Lenz ging und Gottfried Bantiger hielt noch einmal acht Stunden aus.
Als der Sohn zurückkehrte, stützten zwei Leute den Baumeister, denn er konnte nicht mehr allein geben, und sank mit einem unterdrückten Stöhnen auf den Danksih, den sie ihm auf dem Förder- Hähnchen eingerichtet hatten.
Am dritten Tage war der Einbruch von allen Seiten abgeriegelt, das Wasser gebändigt und die eingebrochene Schicht so getrocknet, daß sie ihr zu Leibe gehen konnten.
Aber vergebens hatte Lorenz die Arbeit zeitweise unterbrechen und alle Geräusche abstellen lassen, um auf ein Lebenszeichen der Abgeschnitte- nen zu lauschen. ES blieb still hinter dem riesenhaften Schutthaufen wie in einem Grab.
Ser Baumeister hatte seine körperliche Schwäche überwunden. Er gab sich nicht gefangen, und als die Aufsichtsbehörde mit billigen Verhaltungsmaßregeln und Vermahnungen aufrückte, al£ im Derwaltungsrat gegen ihn gehetzt wurde und die Presse gegen ihn a ufstand, t>erf)ärtete er noch mehr und schrieb, schrie, spie ihnen seine Verachtung ins Gesicht. Er überschrie damit die Selbstvorwürse, die sich in ihm regten, und schlug sie zu Boden.
rr öer dritte Tag sich neigte, vergaß er aüe« über der Rettung der Verschütteten. Er hatte am liebsten selbst Hand ans Werk gelegt.
a d g e 1 a g i wvroen, nacyoem ver Völkische Block erklärt hatte, daß er an den Besprechungen nicht mehr teilnehmen werde. Die Initiative zu weiteren parlamentarischen Verhandlungen über die Frage der Koalitionsbildung hat jetzt wieder die Bayerische Volkspartei übernommen. Unter dem Vorsitz des Abg. Held werden morgen die Führer der bisherigen Koalittonsparteien, nämlich der Bayerischen Dolkspartei, der Deutschnationalen und des Bauernbundes zu neuen Besprechungen zusammen treten.
Die deutschnationale Landtagsfraktion veröffentlicht eine Erklärung über den plötzlichen Abbruch der Koalitionsbesprechungen und über den Stand der Regierungsbildung, in der betont wird, daß nach der ersten Mitteilung des Völkischen Blocks angenommen werden mußte, dah er grundsätzlich gewillt fei, sich an der Regierungsbildung ernstlich zu beteiligen. Die Verantwortung für den jetzigen ablehnenden Schritt des Völki - scdenBlocks müsse einzig und allein ihm überlassen werden.
Die Frage der Eisenbahnerlöhne
Berlin, 12. Juni. (WTB.) Heute nachmittag fanden zwischen dem ReichSver- kehrSMinisterium und Vertretern der Eisenbahner-Gewerkschaften Besprechungen statt, in denen die Forderungen der Gewerkschaften auf eine Lohnerhöhung und anderweitige Arbeits- zeitrege lung überreicht wurden. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Antwort des ReichSderkehrsministerS wird in einer für morgen vereinbarten erneuten Zusammenkunft mitgeteilt werden.
Wie das „Berl. Tagebl." hört, hat die Zuspitzung des Konfliktes zwischen den Cifenbahnerorganisationen und dem Reichsverkehrsministerium zu einer Intervention der Gewerkschaften geführt. Die Spitzenorganisationen aller Richtungen halten heute vormittag eine Besprechung mit den ihnen angeschlossenen Eisenbahnerorganisationen ab, in der eine Beilegung des Kon-, fliktes versucht werden soll.
Ein Prozeh mit politischem Hintergrund.
Stettin, 12. Juni. (WTB.) Am 16. Juni beginnt in Stettin die Hauptoerhandlung gegen drei ehemalige Angehörige der preußischen Schutzpolizei, die ungesagt sind, Ende März 1922 in Hamborn den belgis chen Leutnant Graff getötet zu haben. Dem Prozeß kommt deshalb besondere Bedeutung za, weil über die Urheberschaft des Mordes nod)> völliges Dunkel besteht. Die deutschen und belgischen Gerichte halten ganz verschiedene Persönlichkeiten für die Ar Heber des Mordes. Das belgische Militärgericht in Aachen verurteilte seinerzeit wegen dieses Mordes den Polizeileutnant Reinhardt and fünf weitere Angehörige der Schutzpolizei in Hamborn zum Tode. Das Urteil wurde später in l e - bensläng liches Zuchthaus umgenxrndelt. Die Verurteilten befinden sich zur Zeit im belgischen Zuchthaus in Löwen. Irn Gegensatz zu dem belgischen Urteil sind die deutschen Anklagebehörden der Ansicht, daß nicht die vom belgischen Gericht Verurteilten die Sätcr sind, sondern deutscherseits werden die ehemaligen Angehörigen der Hamborner Schutzpolizei Ka ws, Schwirrat und Eng eie r, die im Stettiner Geiichtsgefängnis in Untersuchungshaft sitzen, für die Täter gehalten.
Kleine politische Nachrichten.
Rach Rücksprache der beteiligten Kreise mit dem Regierungspräsidenten in Arnsberg ist nunmehr entschieden, dah der deutsche Tag in Siegen am Samstag und Sonntag im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen' doch statt- findet. Zur Teilnahme erscheinen bestimmt Exz. Ludendorff, General Albrecht von Below und General Hutier.
Der sozialistische 3lbg. Ma t tevttr, ein Führer der Opposition in der italienis che n Kammer, ist seit Dienstag abend aus Rom verschwunden. Dlättermeldungen zufolge wurde er in einem Auto entführt. Die Behörden stellen lebhafte Rachforschungen an.
Rach einer Blättermeldung aus Prag wird die dortige deutsche Universität ihre Absicht, nach Reichenberg überzusiedeln, aufgeben, da der Hochschuletat für das neue Hahr eine Reihe von Neubauten für die deutsche Universität vorsieht.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. Juni 1924
Kleinsparer und Sparkassenguthabeu.
Durch die Festsetzung der Reichsbank, wonach die Rentenmark gleich 1 Billion Papiermark gilt, und durch die dritte Steuernotver- vrdnung, nach der das Reich den Zinsendienst für die Kriegsanleihen einstellt, ist, so wird in einer kleinen Anfrage im Preußischen Landtag ausgeführt, der Masse der kleinen Sparer alles genommen, was sie sich in jahrzehntelanger Arbeit erspart hat. Die Anfrager führen weiter aus, daß die Sparkassen derjenigen Städte, die Sachwerte in Waldbesitz hätten, mit Leichtigkeit den Verpflichtungen ihren Sparern gegenüber nachkommen könnten. Aus die Frage, was das Staatsministerium zu tun gedenke, „um die Reichsregierung zu veranlassen, die soziale Ungerechtigkeit zu beseiti- gen“, erteilte der preußische Minister des Innern nachstehende Antwort:
„Die dritte Steuernotverordnung sieht tt den §§ 1, Ziffer 9, und 7 eine A u fwe rtun g der Guthaben bei öffentlichen oder unter Staatsaufsicht stehenden Sparkassen vor. Die näheren Bestimmungen über Bildung und Verteilung der Teilungsmasse sowohl, als über einen etwa vom Schuldner zu der TeilungS- mässe zu leistenden Beittag sind den Landesregierungen überlassen. Bei Erlaß der in Vorbereitung befindlichen preußischen Ausführungsbestimmungen wird geprüft werden, ob und in welchem Umfange die rechtlich als Schuldner der Sparkassenguthaben zu betrachtenden Gewährleistungsverbände der öffentlichen Sparkassen entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zu Bei- trägen werden herangezogen werden können.“
Von hessischen Ausführungsbestimmungen ist bisher noch nichts bekannt geworden.
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Milderung der Hundesperre.
Das Kreisamt Gießen gibt im neuesten Amtsverkündigungsblatt folgendes bekannt: Rachdem in Hessen neue Wutfälle nicht festgestellt worden sind, ordnen wir mit Zustimmung des Ministeriums des Innern für den Kreis Gießen an, daß dieHunde entweder ohne Maul- korb an der Leine oder mit Maulkorb unter gewissenhafter Überwachung frei umherlaufen dürfen. Wir weisen die Hunde- besiher darauf hin, dah die genaue Befolgung der Vorschriften erwartet wird, da die Gefahr keineswegs beseitigt ist. Bei Richteinhaltung der abgemilderten Bestimmungen ist wieder mit einer Verschärfung au rechnen. Die Maulkörbe müssen das Beißen sicher verhindern können. Riemen, die dem Hunde um die Schnauze gelegt werden, genügen der Vorschrift nicht. Besonders haben wir Anlaß/ in den Landgemeinden auf strenge Einhaltung der Bestimmungen zu drängen.
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** Gesperrt. Vom Polizeiamt wird un8 geschrieben: Anläßlich der am 14. und 15.3uni stattfindenden Gießener Ruderregatta wird der Feldweg am Bahndamm vom Dootshause der Gießener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Ederstrahe (Bahnüberführung) am 14. Iuni für die Zeit von 5 bis 8 Ähr nachmittags und am 15. Iuni für die Zeit von 8 bis 12 älhr vormittags und von 2 bis 8 Uhr nachmittags für den Durchgangsverkehr gesperrt.
** Der Gießener Arbei t smarkt hat sich in den letzten Wochen ersreulicherweise etwas günstiger gehalten, als der Arbeitsmarkt in manchen anderen Plätzen von der Größe and in der Rachbarschaft unserer Stadt. Zur Zeit werden hier nur noch etwa 80 Vollerwerbslose unterstützt, eine im Verhältnis zur allgemeinen Wirtschaftslage nicht besonders große Ziffer. Kurzarbeit ist gegenwärtig in unserer Stadt nicht vorhanden, jedoch dürfte in einigen Tagen ein hiesiger Großbetrieb sich gezwungen sehen, infolge Auftragsmangels and ungenügender Kapitalstärke zu Vorratsarbeiten wieder za der verkürzten Arbeitszeit überzugehen. Der städtische Arbeitsnachweis ist schon jetzt dem von der Stadt Offenbach beim Mi- nifterium für Arbeit und Wirtschaft gestellten Antrag auf Wiedereinführung der Kurzarbeiterunterstützung beigetreten, um hierdurch Hilfsmittel für die durch mangelnden Verdienst in Bedrängnis kommenden Arbeiter verfügbar zu machen.
** Oberhessischer Geschichtsverein. Am nächsten Sonntag, dem 15., werden in Fr ied-
Manchmal war ihm, als wäre er nicht mehr der Unternehmer, nicht mehr Gottfried Bantiger, der Baumeister, sondern der Dantiger-Gvtti von Runs, der mit dem Christen-Sepp Steine gesprengt und Kalk gegraben hatte, und die da drinnen im Berg feine alten Kumpane. Er aß mit den Arbeitern in der Kantine, er biß ihren Tabak, er spuckte, fluchte, lachte und riß sie zu unerhörten Anstrengungen mit.
Es war am spaten Abend des dritten Tages.
Lorenz Bantiger befahl noch einmal, zu horchen, ob sich hinter der Schuttwand nichts rege. Alles schwieg. Die Maschinen waren abgestellt. Rur das Tropfen des Wassers von der Decke und das Zischen der Kohlenfadenlampen störten die Stille. Aber auch diesmal blieb die Tiefe stumm. Kein Ohr', kein Mikrophon fing einen Hall aus dem Innern des abgequetschten Stollens.
Lenz lieh Klopftöne geben und befahl, die ganze Schuttwand abzutasten, ünb bai geschah's, daß ein Mineur, der sich in der Zimmerung emporgearbeitet hatte und ganz oben zwischen Hangendem Fels und herausgequollenem, längst festgewordenem Schwemmsand hockte, behauptete, er höre den dumpfen Aufschlag in der Tiefe arbeitender Spitzhacken.
Lorenz Bantiger flieg selbst ins Gebälk und kr-och zu ihm hin. Als er nichts hörte außer dem harten Fall erdbeschwerter Tr-opfen, wühlte er ein. Loch zwischen Fels und Bett und schob sich so weit vor, dah er das Ohr an den gewachsenen Stein pressen konnte. So lag er eine Weile und lauschte.
Als er herabstieg, brannte fein blasses, ab» gemagertes Gesicht wie von innen erleuchtet, und
er trat zu dem Baumeister und sprach so laut, daß die Llmstehenden jedes Wort verstanden:
-Ich hab' ihr Zeichen deutlich vernommen. Sie leben, fie rufen uns."
Da lachte der Baumeister fein altes befreiendes Lachen. Er konnte keinen Befehl geben, konnte nicht sprechen, aber er lachte und wies mit ausgestreckter Hand auf den Schuttwall, und Hauen und Stemmeisen brachen im Schwung neubelebter Arme in den tückischen Grund. Alles kam ia Bewegung.
Rur der alte Arzt schien unzufrieden. Er rückte seinen Sauerstoffapparat zurecht und sagte leise zu Lenz:
„Der Paumeister zwingt's, aber wir wollen die Lebenden erst zählen, wenn wir sie hier auf den Schrägen legen.“
„Sie meinen?" forschte Lenz gefbannt und fühlte, wie ihm etwas kalt über das erhitzte Gesicht fuhr.
Der Arzt zuckte die Achseln.
„Wir sind noch lange nicht bei ihnen, unL Hunger, Mangel an Luft, ganz abgesehen davon, dah doch mehr als einer ganz verschüttet sein kann — na, wir werden ja sehen. Luft und Rah- rung, wenn wir ihnen die zuführen könnten, dann könnt' ich mitlachen."
Die Worte wühlten sich in das grübelnde Hirn des Sohnes und frallteit sich darin fest, und als der Morgen graute und die Arbeit nur langsam rückte, weil immer wieder gesperrt und verkeilt werden mußte, kam ihm ein rettender Gedanke.
(Fortsetzuno folat)


