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Zrettag, 13. Zuni 1924
1?4- Jahrgang
Erstes Blatt
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Rheinland und Reparationen.
Don Richard P o s s e l t.
In der jüngsten Zeit sind bei den verschiedensten Gelegenheiten von Verantwortlicher deutscher Stelle Aeußerungen getan worden, die klar erkennen lassen, daß die jetzt wieder mit der Führung des Reiches beauftragte Regierung ihre Politik in Einklang zu bringen versucht mit den Forderungen und mit den Interessen der besehtrn Gebiete. Ihr Schicksal hängt jetzt wesentlich davon ab, welche Auslegung und welche Anwendung das Sachverständigengutachten finden wird. Heber dieses Gutachten ist sehr vieles geschrieben und manches geredet worden. Das Kernstück des Sachverständigengutachtens liegt für die Mehrheit des deutschen Volkes in LenDoraussetzungen.die die Sachverständigen zur Durchführung ihres Planes ausgestellt haben. Da sie, wie sie erklären, sich nicht mit politischen, sondern lediglich init wirtschaftlichen Fragen zu befassen Chatten so umschrieben sie diese Voraussetzungen mit den Worten „Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands". Was darunter zu verstehen war, konnte an sich nicht zweifelhaft sein: die Wiederherstellung des Rechtszustandes, den der sogenannte Versailler Vertrag für die besetzten Gebiete geschaften hatte. Dieser- sieht lediglich zur Garantie der Durchführung der Deutschland auferlegten Pflichten die Besetzung eines bestimmten, genau umgrenzten Gebietes links des Rheins vor und läßt in keiner seiner Bestimmungen,eine Heberschreitung dieser Grenzen zu. Den Desatzungstruppen und -behör- Len sollte nach den Bestimmungen dieses Vertrages keinerlei Recht zustehen, in die Vrrwal- ung einzugreifen oder irgendwelche Maßnahmen zu treffen, die das normale wirtschaftliche und Verwaltungswesen nach irgendeiner Richtung hin beeinflußte, es sei denn, daß die Sicherheit der Besatz ungstruppen gefährdet war. Hm die Interessen bet .an der Besetzung teilnehmenden Mächte zum besten der Truppen, nicht etwa zum besten iigendwelcher politischen.über wirtschaftlichen Ziele der betreffenden Staaten zu vertreten, wurde gleichsam als Vermittlungsstelle zwischen De- satzungsbehörden und deutscher Verwaltung in den besetzten Gebieten die Rheinlandkommission eingesetzt "Diese war als kleine nur wenige Köpfe umfassende Behörde gedacht, die im öffentlichen Leben der besetzten Gebiete nach keiner Seite hin Heiwortreten sollte.
Hnd wie ist es ganz anders gekommen. Die Rheinlandkxommission umfaßt heute über 1300 Köpfe, sie hat einen Derwaltungsapparat aufgezogen.' der geeignet wäre, das ganze Gebiet in Verwaltung zu nehmen, sie hat den Desatzungsbe- «hörden Befugnisse eingeräumt, die sich mit der Derwaltungshoheit des Reiches und der Länder nicht im geringsten vereinbaren lassen. Es war zweifellos ein Fehler auf deutscher Seite daß man nicht von Anfang an diesen bald erkennbaren Zielen französischer Durchdringungspo- lit ik entgegentrat und auf Durchführung der vertraglichen Bestimmungen energische bestand. Heute ist dieser 2lppaiat, den das seitherige Frankreich mit voller Heberlegung und in bestimmter Absicht geschaffen hat, kaum wieder auf die Grenzen zurückzuführen, die ihm gezogen sind. Heute kämpft Deutschland um die Wiederherstellung eines Zustandes, die der deutschen Derwaltungshoheit in den besetzten Gebieten wenigstens einigermaßen gerecht wird, kämpft um die Beseitigung eines Desatzungssystems, das Frankreich während des Ruhrkampfes an Rhein und Ruhr aufrichtete und das, wie kürzlich noch ein verantwortlicher Minister es treffend bezeichnete, aus dem Rheinland eine Reparationskolonie machte. In diesem Kampf — das Wenigste, was uns auf Grund vertraglich festgelegten Rechts zusteht — kommt uns das Sachverständigengutachten zu Hilfe. „Wiederherstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands" — eine vorsichtige Bezeichnung für das Verlangen die militärischen Kolonrsations- methoden und Annexionsabsichten Frankreichs am Rhein einzudämmen. Es sind nicht Deutschenfreunde, die dieses Verlangen gestellt haben, sie wollten nichts als Sachverständige fein, die das Reparationsproblem auf der Basis wirtschaftlicher Vernunft lösen wollten. Wenn sie trotzdem diese Forderung stellten so beweist das, wie sinnlos und naturwidrig die Militärmächte am Rhein Vorgehen um das Gegenteil von dem zu erreichen, wöhin das Ziel der Reparatronsbestimmungen von Versailles zielte.
Wenn man der Logik der Pfänderpolitik der Poincars und Millerand nachgehen toollte, dann mühte man zu der Auffassung kommen, daß die Besetzung rheinischer Gebiete ein Normalzustand ist, der mit der Reparation nicht das Mindeste zu tun hat, und daß Garanteriesicherungen seitens der Ententemächte erst dann ergriffen werden könnten, wenn Deutschland nach der Ansicht der Ententestaaten mjt seinen Reparationsverpflichtungen im Rückstand geblieben wäre. In Wirklichkeit war die Besetzung deutscher Gebiete innerhalb bestimmter Grenzen eben als Garantie vorgesehen für die Durchführung der deutschen Reparationsleistungen. Bei loyaler Auslegung dieser Bestimmungen durch die Entente hätte längst ein Teil dieser Besatzungen zurückgezogen werden müssen, da Deutschland tatsächlich feinen Verpflichtungen selbst nach Auffassung der Entente- ftaatert nachgekommen ist.
Erneut hat Reichskanzler Dr. Marx in seiner Regierungserklärung die Frage des Guiach- tens in den Vordergrund geschoben. Mit vollem Recht. Das deutsche Volk sollte sich in seiner Gesamtheit endlich darüber klar werden, daß es -u inneren Streitigkeiten solange keine Zeit und
Kamps um die französische Präsidentschast.
Gegeneinander innerhalb des Blocks der Linken.
Rückführung von Rhein- und Ruhrgefangenen aus französischen Gefängnissen. - England wirbt in Berlin für den Beitritt zum Völkerbund.
Paris, 12. Juni. (Wolff.) Hm 2 Hhr nachmittags sind die fünf Gruppen, die zum Kartell der Linken gezählt werden, zu einer Beratung zusammengetreten. An der Abstimmung zur Bestimmung eines Kandidaten für die Präsidentschaft der Republik haben 475 Deputier e und Senatoren teilgenommen. Das Ergebnis der Wahl ist folgendes: Kammerpräsident Pain- l e v e 306 Stimmen, Senatspräsident D o u m e r- g u e 149 Stimmen, Poincare eine Stimme, weiße Zettel 19.
Eine Delegation der Gruppen der Linken hat nach Beendigung der Versammlung der linksstehenden Kammer- und Senatsgruppen, in deren Verlauf keine,Einigung über den Kandidaten des Blocks der Linken für die Präsidentschaft der Republik erzielt wurde, eine Demarche beim Senatspräsidenten Doumergue unternommen um ihn zu ersuchen zugunsten Painlevös a if die Kandidatur zu verzichten. Dou- mergue erwiderte, er habe keinen Verzicht auszusprechen. denn er sei bei der vorbereitenden Abstimmung kein Kandidat gewesen. Doumergue '{jabe hinzugefügt, wenn er einen reaktionären Kandidaten aufstellen würde, dann übernehme er die Verpflichtung, im Falle, daß er in die Minderheit gebracht werde, zugunsten des republikanischen Kandidaten zu verzichten, wenn dieser die meisten Stimmen erlangt habe. Rach der Hnter- rebung, die mehrere führende Mitglieder der zum Block der Linken gehörenden Parteien mit dem Senatspräsidenten Doumergue gehabt haben, 'hat sich eine Delegation, bei der sich Her ri) t und Driand befanden, zum Kammerpräsidenten Painlevä begeben, um das Verlangen zu stellen, er möge im Hinblick auf das Ergebnis der 'heutigen Vorabstimmung auf seine Kandidatur für die Präsidentschaft der Republik verzichten.
Hm 7.50 Hhr hat eine neue Sitzung des Kartells der Gürten stattgefunden, in deren Verlauf die Antwort bekanntgegeben wurde, die Pain - leve der Delegation gegeben hat. Er hat sich bereit erklärt, feine Kandidatur für den Kongreß zurückzuziehen unter der Bedingung, daß auch Se- natspräsibent Doumergue sich angesichts der Benennung eines britten republikanischen Präsi- bentschaftskandidaten zurückzieht. Eine Delegation hat sich zum Senatspräsidenten Doumergue begeben, um ihm von der Absicht PainlevesKennt- nis zu geben und ihn zu fragen, was er zu tun gedenke. Die Delegation besteht aus den Abgg. Painleve, Driand, Thomson, Paul Boncourt und dem Vorstand der demokratischen Linken.
Rachdem Senatspräsident Doumergue sich bereit erklärt hat, seine Kandidatur für die Präsidentschaft zurückzuziehen, haben die zum Kartell der Linken gehörenden Parteien beschlossen, die
Kandidatur Painlevs aufrechtzuerhalten. Die sozialistische Kammergruppe wird ebenfalls für Painleve stimmen. Rach der Abstimmung über die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl und nach Mittellung des Ergebnisses durch Senator Bienvenu-Martin wurde die Sitzung der Linksfraktionen von Kammer und Senat aufgehoben. 3m Anschluß daran sind die Vorstände der einzelnen Fraktionen zusammengetreten.
Hm 10,30 Hhr wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Die Vorsitzenden der linken Gruppen der Kammer und des Senats haben beschlossen, am Freitag, 13. Juni, 1,30 Hhr im Kongreßsaal in Versailles eine Vollversammlung abzuhalten. Diesen Beschluß deutet das führende Blatt des Linksblocks, das „Oeuvre", wie folgt: In Versailles werde heute der Kampf in Gang kommen, da alle Anstrengungen, eine einheitliche republikanische Kandidatur zu verwirklichen, gescheitert seien. Pain- l e v 6, der von der Vollversammlung der Linksfraktionen aufgestellt worden sei. werde Dou- merguye gegenüberstehen, der zwar offiziell seine Kandidatur nicht aufgestellt habe, aber sich geneigt erklärte, dem Ruf seiner Freunde zu folgen. Hnter den letzteren seien die Parlamentarier aus dem Süden ganz besonders regsam. Reuerdings sei auch noch von einem dritten Kandidaten die Rede, der unter Hmständen in Erscheinung treten dürfte, von einer Persönlichkeit, die in der vergangenen Legislaturperiode eine Rolle gespielt habe.
Kurz nachdem dieses Kommunique ausgegeben worden war, wurde seitens des Vorsitzenden der demokratischen Linken, des Senators Bienvenu
kein Recht hat, solange fast ein Fünftel des deutschen Volkes ohne Hnterschied der Partei sich in der Gewalt eines annexionslüstemen Gegners befindet. Erst Freiheit aller Deutschen innerhalb der Grenzen des Reiches, bann Ausbau des deutschen Reichsbaues nach dem Willen des Volkes, nicht nach dem Willen einzelner Parteien. Reichskanzler Dr. Marx hat den Ententemächten klar und deutlich gesagt, daß Deutschland das Sachverständigengutachten als Ganz.s angenommen hat und gewillt ist, diese seine Zusage in vollem Hmfang und ohne Vorbehalt einzuhallen — immer vorausgesetzt, daß aus diesem einheitlichen Ganzen nicht ein Teil, nämlich die Voraussetzungen der Sachverständig n, herauigenommen wird. Wenn die Reparationskommission auf Grund der Annahme des Gutachtens durch
Martin folgendes mitgeteilt: Die Vorsitzenden der demokratischen Linken des Senats, der Radikalen, der sozialistischen Linken und der sozialistisch-republikanischen Fraktion der Kammer haben unter dem Vorsitz von Bienvenu Martin eine Sitzung abgehalten. Sie haben Kenntnis genommen von dem Ergebnis der Vorabstimmung, bei der P a i n l e 6 306 und Senatspräsident Doumerg ue 149 Stimmen erhalten hat. Rach der Abstimmung hat der Senatspräsident Doumergue spontan erklärt, er wolle seine Ka ndidatur zurückziehen, wenn dies angesichts eines dritten Kandidaten nötig erscheine, und sich jeder Maßregel anschließen, die die republikanische Pflicht empfehle. Schritte, die bei Senatspräsident Doumergue von dem Vorsitzenden der republikanischen Gruppen, die an der Abstimmung teilgenommen Haden, unternommen worden sind, haben trotz eindringlicher Vorstellungen ihn nicht dazu veranlaßt, die gemachten Vorschläge anzunehmen. Doumergue erklärt, er würde nicht Kandidat auf dem Kongreß in Versailles sein, aber er glaube, auch dort das Recht zu haben, seine Freunde zu verhindern, für ihn zu stimmen. Infolgedessen hat die Versammlung beschlossen, daß P a i n l e v e der e i n z i g e K a n- didat der republikanischen Disziplin sei.
Was die Möglichkeiten eines
dritten Präs.bentschafts-Kandibaten
anlangt, so schreibt das „Petit Journal", man habe von dem radikalen Senator S a r r a n t gesprochen, dem Bruder des Kolonialministers im ersten Kabinett Poincarss. Er habe Rein gesagt Run werde von Senator Bienvenu und Re - miuld gesprochen. Ein Blatt weist auch durch Veröffentlichung einer Photographie auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Georg Lehgues hin.
Die „Sre nouvelle" spricht von einem Manöver des Rationalen Blocks und veröffentlicht darüber folgende Aeuherung: Wie man auf Grund von Mitteilungen von zuverlässiger Seite feststellt, sind in der demokratischen Linken der Kammer die Abgeordneten Reibel und Flaudin offen für die Kandidatur Doumergues eingetreten und haben ihre Freunde gebeten, doch sämtlich für Doumergue zu stimmen. M a g i n o t sei der gleichen Ansicht, meint aber, die Gruppe solle ihre Karten erst im Augenblick der Abstimmung ausspielen. Es ist nicht logisch, daß die Jünger Millerands sich einem ehemaligen Ministerpräsidenten von 1915 anschließen, der die Verhandlungen Poincares und De 1 cassesin Ruh- land zum Abschluß gebracht, der die Ruhrpolitik gebilligt und der unmittelbar vor den Wahlen sich bereit erklärt habe, auf die Einladung der Union für wirtschaftliche Interessen zu erscheinen? Muß man überdies noch daran erinnern, daß Mi Iler and, ehe er sich zum Rücktritt entschloß, mehrere Unterredungen mit Doumergue hatte, über die die große Presse ein Besorgnis erregendes Schweigen bewahrte?
Die Micum-Verttäge.
Düsseldorf, 12. Juni. (WB.) Die heutigen Verhandlungen mit der Micum sind ergebnislos zu Ende gegangen. Die weiteren Besprechungen sind auf Sonntag vormittag festgesetzt toorben.
Zum Ablauf der Micumverträge am kommenden Sonntag schreibt der „Temps": Am vergangenen Montag habe die deutsche Regierung durch Vermittlung ihrer Botschaft in Paris und ihrer Gesandtschaft in Brüssel der französischen und der belgischen Regierung eine schi-iftliche Mitteilung gemacht. Sie habe im wesentlichen auseinandergesetzt, daß
die Ruhrindustriellen die Drennstofftieferun- gen nicht mehr finanzieren
könnten und daß das Reich nicht in der Lage sei, diese Lieferungen zu bezahlen, da ßsie aber durchaus geneigt sei, in Verhandlungen mit Belgien und Frankreich einzutreten, um unmittelbare Abmachungen herbeizuführen. Unter den provisorischen Lösungen, die die deutsche Regierung vorgeschlagen habe, befindet sich auch eine, die jetzt in Rachrichten aus Berlin erwähnt wird. Die Brennstofflieferungen sollten hiernach mit Hilfe
Deutschland verlangt hat, daß Deutschland nunmehr alle Maßnahmen trifft, die die Annahme des Gutachtens mit sich bringt, dann durfte und muhte der Kanzler jetzt von der Entente verlangen, daß auch von ihrer Seite aus alle Maßnahmen getroffen werden, die in dem Gutachten als notwendig bezeichnet sind, um die deutsche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Dazu gehören Wiederherstellung der wirtschaftlichen und finanziellen Einheit des Reiches und im Geiste dieser Forderung die Rückberufung aller Vertriebenen, die Freiheit aller Gefangenen — die Wiederherstellung des Zustandes, den der Versailler Vertrag vorsah, um von Deutschland weitreichende Leistungen zu verlangen. Die wirtschaftliche und finanzielle Einheit kann aber nicht wiederhergestellt werden, solange sich noch Gebiete
des Ertrages derVerkehrssteuer finanziert werden.
Die gegenwärtige französische Regierung habe sich mit der Forderung begnügt, daß der Vertrag zunächst für den Augenblick im Ruhrgebiet bestehen bleibt, bis nach Bildung eines neuen französischen Kabinetts Beschluß gefaßt werden könnte. Andererseits möchte man in Paris wissen, was die belgische Regierung denke, beim Belgien sei die gleiche beutsche Mitteilung zugegangen, unb es sei ebenso an den Operationen im Ruhrgebiet interessiert wie Frankreich. Es wäre verfrüht, über die von der deutschen Regierung vorgeschlagenen Kombinationen oder über irgendeinen anderen Punkt, ■ der an den sachlichen Kern der Debatte rühre, eine Ansicht auszusprechen. Man könne heute nur dem Wunsch Ausdruck geben, daß die Drennstoff- lieferungen nicht unterbrochen würden und daß die neue Periode, in die man eintrete, nicht mit einer Krise im Ruhrgebiet beginne. Uebri- gens betrachte man in Paris die jetzige Haltung Der deutschen Regierung nicht als ein Anzeichen schlechten Willens, und die neue französische Regierung, deren guter Wille sicher sein werde, verdiene es, bah sie überall eine Hilfe finde, die den ihr bevorstehenden unverdientes Schwierigkeiten angemessen fein sollte.
Erleichterungen für Rhein- und Ruhrgefangene.
Berlin, 12. Juni. (WTD.) Die seit geraumer Zeit schwebenden diplomatischen Verhandlungen über das Schicksal der in französischen Strafanstalten, insbesondere.in Saiat Mar- tin-de-R6, festgehMenen
42 Rhein- und Ruhrgefangenen haben zu dem vorläufigen Ergebnis geführt, daß zunächst einmal, und zwar noch im Laufe dieser Woche, diese Gefangenen in Gefäng» nisse des besetzten Gebietes zurück- gebrächt werden. Gleichzeitig werden sechs wegen politischer Delikte verurteilte Franzosen aus den deutschen Gefängnissen entlassen. Es ist zu hoffen, dah diese Maßnahmen die Einleitung zu der endgültigen Befreiung aller Rhein- und Ruhrgefangenen bilden werden.
England wünscht unseren Beitritt zum Völkerbund.
London, 12. Juni. (WTD.) Der politisch» Beobachter des „Daily Telegraph" schreibt, di» Anstrengungen der britischen Diplomatie seien im Augenblick dahin zusammengefaßt, di« deutsche Regierung von der Rotwendigekit eind sofortigen deutschen Antrages um Aufnahme
in den Völkerbund
zu überzeugen. Dies werde gewünscht angesichts der Pläne Macdonalds, die Völkerbunds Versammlung im August-September zu einer histo. rischen Gelegenheit zu gestalten, in deren Verlaus entscheidende Schritte unternommen werden sollen um eine
allgemeine Befriedung in Europa zustande zu bringen. Dies könne nicht erreicht wev den, wenn Deutschland sich weigere, dem Völkerbund beizutreten. Don seiten Mussolinis fe die Versicherung eingegangen, dah er Macdonalds Anstrengungen in Genf unterstützen und persönlich an der Versammlung teilnehmen werde.
Ein Ausbruch der englischen Beklemmung.
London, 12. Juni. (WB.) Sir John Simon erklärte in einer Rede, die er in Wales gehalten hat, es gäbe eine große Ration in Europa, die offenkundig die im Friedensvertrag niedergelegten Grenzen überschreite und sich in einem anderen Lande ohne Recht und nur nach eigenem Gutdünken festsetze.
Diese sehr- ernste Tatsache werde dadurch noch ernster, wenn man sich vergegenwärtige, das diese Hngesetzlichkeit ohne wirksam« Protesteder Mächte andauere. Man hab« gehofft und geglaubt, dah der Weltkrieg zl
in der Gewalt französischer und belgischer ®en<t rale befinden, und solange französisch» unb bei« gische Militärs in das Wirtfchafts-, Verkehrs' und politische Leben des Gebietes widerrech lictz eingreifen. Also Räumung des Ruhrgebietes Räumung des Brückenkopfes von Düsseldorf, Räumung des Badener Gebietes, Riederlegung aller widerrechtlich auf deutschem Boden errichteter Zoll- und Derkehrsschranken. Wenn biete Forderungen erfüllt sind und in versöhnlicher Wei'« durchgeführt werden, dann sind die Voraussetzungen geschaffen, die eine nutzbringende Lö unz Der Reparationsfrage auf Grund des Sachvev ständigengutachtens im Rahmen der in dem Ver. sailler Diktat vorgesehenen Ausdehnung gewährleisten.


