Ausgabe 
12.6.1924
 
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ständiger Seite erfährt, ist es durch Vermittlung der DevisenbeschaffungsfteNe möglich geworden, von fünf amerikanischen Großbanken Kredite zur Finanzierung des Zuckerexports von 1924/25 in der Höhe von mehreren Millionen Dollar zu erhalten und zwar bis zum Höchstbetrag von zehn Goldmark für den Zentner Zucker, der vom Reichswirtschaftsministerium für die Ausfuhr frei­gegeben wird.

* Deutsche Effekten- und Wechsel- bank Frankfurt«. M. Zn der Diianzsihung wurde beschlossen, der auf 30. Juni 1924 anb& räumten o. G.-D. vorzuschlagen, den Aeberschuß der Papiermark-Dilanz per 31. Dezember 1923 in Höhe von 275 260 500 702 Millionen Mk. v-)r- zutragen, also von der Verteilung einer Dividende abzusehen.

* Dingwerke A.-G. Nürnberg Der Aufsichisrat genehmigte die vorgelegte Papier­markbilanz für 1923 und beschloß, der auf den 2. Juli einzuberufenden G.-V vo.zuschlagcn, von der Ausschüttung einer Dividende Abstand zu rrehmen und den ausgewiesenen Reingewinn von 623 931 Billionen Mk. auf neue Rechnung dor- zu tragen. Gebäude, Maschinen, Einrichtungen und Beteiligungen stehen wieder mit 1 Mk. zu Buch, alle übrigen Altiven erfuhren die übliche vorsich­tige Bewertung. Die für den 1. Januar 1924 o.ufzustellende Goldmarkbilanz soll einer später einzuberufenden G.-B. vorgelegt werden.

Wachs ende Stick st offerzeugung. Die Stickstofferzcugung ist nach dem Bericht des Slickslvffsyndikates nach Wiederinbetricbnahme Les Werkes.. Oppau im Mai gegenüber dem Vor­monat gestiegen. Die Nachfrage hat nachgelassen, war aber unter Berücksichtigung der Jahreszeit gut. Die eittgelaufenen Aufträge tourten prompt erledigt.

Konkurs, Aeber das Vermögen der Frma Taunus-Möbel-Zndustrie G. m. b. H. in Dornholzhausen bei Homburg d. d. H. wurde der Konkurs verhängt.

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

(In Billionen Mark auSaedrückt. BuenoS-AireS, London, Neu- K Japan. Rio de Janeiro für eine Einheit, Wien und apest für 100000 Einheiten, alles übrige für 100 Einheiten.)

Telegraphische Auszahlung.

(Ohne Gewähr.)

10. Juni

11. Juni

Rcparl.

Amtliche

Geld

Notierung Briet

Amtliche Geld

tarier 111 Briet

10.

11.

Amst.- Rott

156,6',

157, 9

156,61

157,39

voll

voll

Brss./Intro

18,20

19,-0

18,65

16,95

voll

voll

Gbriftioma.

56,56

58,81

56,: 6

56,64

voll

voll

Kopenhagen

70,57

70,93

70,57

70,93

voll

voll

Stockholm .

110,-2

111,28

110,72

111,28

von

voll

öelfineforS.

10,47

10,53

10,47

10,53

voll

voll

Italien. . .

London. . .

18,20

18,30

18,20

18, E0

voll

voll

18,055

18,145

18,055

18,145

voll

voll

Neuyork . .

4,14

4,21

4,13

4,21

voll

voll

Pons. . . .

20,95

21,05

21,85

21,95

voll

voll

Schweiz . .

73,52

73,88

73,52

73,88

voll

voll

Spanien . .

t6,11

56,39

65,86

56,14

voll

voll

Wien in D-- Sest- abfleft.

5,89

5,91

5,89

5,91

voll

voll

Prag . . . .

12,195

12,255

12,22

12,2a

voll

voll

Budapest. .

4,59

1,345

4,61

4,59

1,345

4,61

voll

voll

Bu^n.-AireS

1,355

1,355

voll

voll

Bulgarien

2,59

3,01

2,985

2,985

voll

voll

Japan . . . Rio de ftan-l

1,665

1,675

1,665

1,675

voll

voll

0,425

0,4-5

0,425

1,435

voll

voll

Dclirad . .

Lissabon . .|

4,99

5,01

4,94

4,96

voll

voll

11,97

12,03

11,72

11,78

voll

voll

Banknoten.

(Ohne Gewähr.)

Berlin, 11. Juni

Geld

1 Brief

Repare.

Amerikanische Noten.....

Belgische Noten........

Dänische Noten........

Englische Noten. .......

Französische Noten ...... Holländische Noten ...... Italienische Noten......

Norwegische Noten......

Deutsch Ccfterr ,aioo Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten......

Schweiz Noten.......

Spanische Noien.......

Tschechoslowakische Noten . .

Ungarische Noten.......

4,19

18,65

70,12

17,99 21,85 155,86

18,05

53,0

5,94

1,74

110,92

73,17

55,51

12,12

4,i9

4,21

18,75 70,48 18,09 21,95

158,64 18,1 5 56,34

5,86

1.76

110,98 73,63 56,89 12,18

4,21

voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll voll

Berliner Börse.

Berlin, 11. Juni. (Wolff.) Die Verkäufe, -bis jetzt täglich an der Börse erfolgen und die in der allgemein herrschenden Geldknappheit sowie r in offenen oder stillen vorhandenen Zahlungsver­legenheiten einzelner Firmen ihre Arsache haben, ziehen täglich weitere Kreise. Da durch die an­

haltenden Kursrückgänge die Deckungen für ge­währte Kredite aufgezehrt werden, gesellen sich zu ihnen freiwillige und erzwungene Glattstellungen. Hierzu kamen heute noch große Abgaben der Spe­kulation, da wieder allerhand Gerüchte von be­deutenden Zahlungsverlegenheiten hier und aus­wärts umliefen, über die aber ebensowenig etwas Bestimmtes zu erfahren war wie auch über die bei großen führenden Gesellschaften angeblich be­stehende Notwendigkeit einschneidender Zusammen­legungen des Aktienkapitals bei Aufstellung der Goldmarkbilanz. Am meisten betroffen waren wie­derum die verhältnismäßig noch hoch im Kurs stehenden Montan- und Industriewerte, die Ein­bußen von 1 bis vereinzelt 4 Billionen Prozent erlitten. Stärkeren Schwankungen unterlagen die Berlin-Karlsruher Industrie-Aktien, so Ludwig Loewe, die per Saldo 7 bzw. 8 Billionen Prozent verloren. Bei anhaltenden geringen Schwankun­gen bekundeten die Kurse auf einem ermäßigten Stande dann eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Das Geschäft hielt sich auf allen Gebieten in sehr engen Grenzen. Am Geldmarkt ist die leichte An­spannung der letzten Tage anscheinend bereits wie­der behoben. Bei der Devisenfestsetzung zeigte sich erneut verringerter Bedarf, so daß der Reichs­bank die Aufrechterhaltung der vollen Zuteilung bei Devisen und Banknoten mühelos möglich war.

Dorfen kurte.

Rranffurta *Ul.|

Berl'n

ün Billionen Prozent

') Dom RuctzahlunLZ'recL.

Datum:

5°/j Deutsche Reichßanleihe . 4% Deutsche Reichsanletye . 378% Deutsche Reich sänket he 3°/. Deutsche Reichsmleibe . Deutsche Svarpramienanleihe 4% Preußische Konsuls . . . 4° o Hessen...........

3/«% Hessen 3°/» Helsen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll. Schay-Anweting.')

4% Zolltürken

5% Gvldmcxikaner

-Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pnvat-Bank. Darmst. und Nanonaldank . Deutsche Bank.........

Deutsche Bereinsbank .... Diseonto Commandit .... Metallbau!...........

Mitteldeutsche Creditbank . . Oesteireichische Creditanstalt. Westbank............

Bochumer Guß........

Buder.iS............

Caro .............j

Deutsch-Luremburg......

Gelsenkirchener Bergwerke. . Haroener Bergbau......

Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln.....

Laurahütte...........

Oberbedarf......

Pbönir Bergbau.......

Nyeinstahl......... .

Nie bell Montan........

Tellus Bergbau........

Hamburg.Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd.....

Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......

Anglo-Cont -Guano.....

Badische Anilin........

Chemische Mayer Alapia . . Goldschmidt..........

Gries! eimer Eleetron . . . . Höchster Farbwerke Holzverkohlung.....

Rütgerswerke.........

Scheideanstalt.........

Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann...........

Mainkraftwerke........

Schuckert Siemens & Halske......

Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren.......

Heyligenstaedt.........

Meguin.............

Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Per. Union A.-G........

Schuhsabrik Herz Sichel Zellstoff Waldhof.......

Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . .

SO)lufj

Schl u fiir a

Schluß- stu »

Schluß fbt-A

1J. 6.

11 >.

10. 6.

11.5.

0,067

0 0 5

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.

0, 65

0/00

0,70

6,188

0,190

0,62

0 6,0

0,690

0,6. 5

0,0 0

0,0 6

0,115

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0,195

0,190

0,190

_

4,2

4,2

4,2

4,2

73,40

73,2

73,4

73,2

3,65

3,13

3,65

3,13

40

40

37,75

38

_

17,9

13,1

3,65

3,4

3,5

3,37

6,75

5,S

6

5,9

7

6.87

7

7

0,480

0,40 J

7,65

7,2

7,6

7

11

11

1,2

1

1.1

1

0,375

0,350

0,37

0,300

0,300

0,425

0,35

39,1

37,65

7

7.6

8

6,75

8,75

8,2'

8,75

7,8

36,25

34

36,5

34

40

36,25

39,1

37,17

46,25

48, b

47,37

6,26

6,25

6,5

5,6

10,25

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9.1

3,75

3.87

3.75

8,6

9

7,5

8

7,13

20,5

19

19,65

19

17

16,25

17,25

16,75

33

31

32,75

30,5

1

1.1

18,8

18,75

18,75

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4,2

2,65

4

3,75

7,1

6

2

1.8

2

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8,6

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11,75

11,5

11,65

11

1

-

8

6,75

8

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8

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8,2

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8,75

8

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7,75

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10,5

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.

26,5

26,25

26

24

31

34,5

38,26

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6

5

6

5

2,9

2,6

2.7

2,^5

2

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M, 11. Juni. Tendenz: Baisse. Der heutige Dörsentag kann als ein

schwarzer Tag allerersten llcangeS bezeichnet wer­den. Die Flucht auf dem Effektenmarkt hat heule einen noch größeren Umfang angenommen. Anlaß dazu waren die neuen finanziellen Schwierigkeiten in Berlin, die durch die Geschäftsaufsicht über das Bankhaus Herzer in Berlin zum Ausdruck kom­men. Don Berlin aus wurden dann auch immer wieder neue Liquidationen vorgenimmen, denen sich auch die hiesige Spekulation anschlvß. B)n den Vorgängen in Frankreich, die jetzt endlich zur Demission Millerands geführt haben wurde keine Notiz genommen und der Markt blieb hiervdn vollkommen unberührt. Die Spekulativ hat durch die fortgesetzten Abgaben in Effekten jetzt noch größere Kapitalien freibekommen, die nunmehr auf dem Geldmarkt arbeiten sollen. Dadurch ist auf dem Geldmarkt eine weitere Herabsetzung des Zinssatzes eingetreten. Monatsgeld wurde mit 2i/i Prozent, tägliches Geld mit 2-> Prozent pri Mille gegeben. Das Effcktenang >bvt war schli h- lich so groß, daß die Kurse ganz gewaltige Ab- striche erfahren muhten, wenn nur ein Teil des Angebots untergebracht werden sollte. Die Ver­luste verteilen sich in gleicher Weise auf alle Gebiete besonders aber aus den Montanmarkt, wo vor allen Dingen die oberschlesischen Werke stark abgenommen wurden. Vom freien Verkehr ist das gleiche zu berichten. Api 13/4, Decker-Stahl 21/4. Becker-Kohle 37s, Drown Deveri 1, Entre­prise 30, Krügers hall 27s. Petroleum 81/4, Ufa 27s Auf dem Devisenmarkt konnte sich der fran­zösische Frank, nachdem die Krise mit Millerand durch den Rücktritt des Präsidenten b endet ist, etwas Scholen; er notierte gegen London 83.

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 11. Juni. Infolge der scharfen Prcissteige.ungen an den amerikanischen ® et verte» Märkten ist naturgemäß eine Erhöhung der cif» Forderungen von drüben eingetreten; da aber die zweite Hand noch mit billigeren Offerten im Markte war, hat die bisherige Leblosigkeit Im Hantel mit Auslandsget.eide angchalten. Das­selbe war auch mit I'nlandgetreide der Fall, denn das Mohlgeschäft hat sich noch nicht gebessert; und für Rohprodukten fehlt daher die Kauflust. Roggen war für Mitteldeutschland gefragt. In Gerste waren die Umsätze ganz belanglos. Hafer war in gutem Material gesucht, in gelber Ware vernachlässigt. Es notierten je 1000 Kilo: Weizen, märkischer 147 bis 151 (stetig), Roggen, märkischen 129 bis 135 (stetig) Braugerste 148 bis 154 (stell), Futtergerste 140 bls 147 (still), Hafer, märkischen 126 bis 133 (behauptet), Raps 250 (still); je 100 Kilo: Weizenmehl 21,50 bis 24 (still), Roggen- mehl 19 bis 21,25 (still), Weizenkleie 8,70 brs 8,80 (stetig). Roggenkleie 9 bis 9 10 (stetig), Vrk- toriaerbsen 18 bis 20, kleine Erbsen 14 bis 15, Futtererbsen 12 bis 13, Peluschken 10,50 bis 11, Ackerböhnen 13 bis 14, Wicken 10,50 bis 12, Lu­pinen blau 9,50 bis 10, Seradella alt 13 bis 13 50, neu 11 bis 13, Rapskuchen 9 bis 9,20, Leinkuchen 12, Trockenschnihel 6,40 Mark.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurta. M., 11. Juni. Getreide ohne Sack. Weizenmehl, Roggenmehl und Kleie mit Sack. Es notierten je 100 Kilo: Weizen, Wetterau 16,50 bis 16,75, Roggen 14,75 bis 15,25, Som­mergerste für Boauzwecke 16-bis 16,50, Hafer, inl. 14,7 5bis 1525, Weizenmehl, südd. Spezial 0 26,50 bis 28.25, Roggenmehl 22,50 bis 23, Wei­zen- und Roggenkleie 8,50 bis 9 Mark.

Büchertisch.

Der blutrote Strom. Roman aas der Zeit eines Titanen. Von Otfrid von H a n ft e l n. (In der Sammlung Der .Abenteuer- Roman". Gebunden 3 Gm. (Stuttgart, Deutsche Derlagsanstalt.) Der$itan ist Dschingizz Khan, der gewaltige Mongolenkaiser, ter sich ein Reich eroberte vom Schwarzen bis zum Ehinesi- schen Meer. Die Gestalt diesesUebermenschen" bildet den geistigen Mittelpunkt des großzügigen, farbenprächtigen Gemäldes aus der Geschichte Zentralasiens, das ter Verfasser vor uns ent­rollt. Die dramatisch bewegte Handlung fessell den Leser ebenso tote die abwechselnden Bilder aus bet mächtigen Dergwelt und den fruchtbaren Ebenen Asiens, aus der so hochentwickelten Blütezeit des islamischen Kultur, die Dschrngizz Khan in Staub und Asche warf. Der Gegensatz zwischen Buddhismus und Islam spielt in dem Schicksal der Hauptfigur des Buches eine ent­scheidende Rolle. Haustein hat mit diesem Ro­

man ausS neue seine starke Begabung für Bert historischen Roman bewährt.

F. O. Dilse, Gottes Mühlen. Roman. Verlag Dr. Cysler u. Eo. A.-G. in Berlin SW. 68. Geh. 3,50, geb. 5 Mk. In die ersten Pariser Gesellschaftskreise führt die Handlung, zeigt Kul­tur" ter moralisch und physisch in ter Auflösung begriffenenGroßen Nation", die durch die immer zunehmende Durchsetzung mit dem Blut ihrer neuen Brüder", jener afrikanischen Neger Horden, aud> als Rasse gerichtet ist. Wir erleben, wie durch wachsende Gegnerschaft des übrigen Europa dem französischen Volle endlich die Augen über die Katastrophenpolitik seiner Regierung geöffnet werten, wie es die Schuldigen vor ein neues Revolutionstribunal zieht, während gleichzeitig das vereinte Europa zum endgültig vernichtenden Schlag gegen Frankreich ausholt.

(In einem Dell ter Auslage wieder holl.) Die Pariser Presse zum Sturz Millerands.

Paris, 11. Juni. (WD.) Zum Rücktritt tes Präsidenten Millerand schreibt das Echo de Paris": Die Botschaft Millerands, die in einem so edlen Tone gehalten und so frei und ohne jede nebensächliche Sorge sei, sei viel mehr als ein Akt von persönlicher Bedeutung. Sie sei eine hohe Lektion ter kommenden Politik, in ter einzig das mit dem Schicksal ter Gesetze und ter verfassungsmäßigen Garantien verbun­dene Nationalgefühl vorherrsche. Die Linke hätte das nicht begriffen. Äe Konsequenzen des Rück­tritts würden rasch in Erscheinung treten und sich inner-, wie außenpolitisch austoirken. Jetzt sei der Weg für die schlimmsten Forderungen ter Ex- tremistem und für die schlimmsten Kapitulationen ter Radikalen Partei, die sich an Händen und Füßen gebunden ausgeliefert habe, frei.

DasPetit Journal" schreibt: Die gest­rigen Vorgänge hätten, so deutlich man sie auch voraussehen konnte, einen wahrhaft dramatischen Charakter gehabt, und die Kammer habe, wenig­stens während eines großen Teiles ter Sitzung, ein Schauspiel von wahrer Größe gehabt.

DasOeuvre" sagt: Auf die Spitzfindig­keit von Geschäftsordnungspolitikern und Advo­katen, die für mildernde Umstände plädierten, habe die Mehrheit mit einer Tat geantwortet: die Weigerung, mit einem gegen den Willen des Landes konstituierten Ministerium in Verbindung zu treten. Ruhig, würdevoll, entschlossen habe die Linke den Sieg davongetragen. Sie habe ge­stern die Verteidigung der Republik gesichert und die Verfassung garantiert. Die Legislaturperiode habe einen guten Anfang genommen.

DieSie nouvelle" schreibt: Millerand geht, nachdem er alles getan hat, um zu bleiben. Wersen wir keinen Stein ihm nach. Stellen wir allgemein fest, daß die Abstimmung In Senat und Kammer ein prachtvolles Beispiel republika­nischer Disziplin war. Schlagen wir dieses jäm­merliche Blatt ter Geschichte um, das von ter Herrschaft tes Nationalen Blocks so gefüllt ist. und beschäftigen wir uns mit den PÜnen von morgen.

Weitere Verschärfung zwischen Amerika und Japan.

London, 11. Juni. (WD.) Die »Daily Expreß" berichtet, daß die Anu f r i e de n heit in Japan über die amerikanische Ein- wanderungsbilldrohenbeGestalt an» nehme. Ernste Folgen würden vom japa­nischen Dvtschafter in Washington, Hanihara, vovausgesagt, wenn ter Wortlaut der Note der amerikanischen Regierung auf den Protest ver­öffentlicht werde. CBeridjte aus Tokio zeigten, dasß das japanische Auswärtige Amt ernstlich über die Lage beunruhigt sei. Die Amerikaner bekundeten eine ge­wisse Nervosität, und wer eS ennägluSen könne, verlasse Japan ohne Verzug.

MLKUMWU Pelzen, Möbeln, Gardinen, Tepvichen usw. tötet sicher, ohne die Sachen anzugreisen,

Dr. Weinreichs Mottenäther. Seit über 20 Jahren vorzüglich bewährt. In Apotheken und Droaerien erhältlich. 3904s»

Pbarmakon A.-G., Frankfurt <u M.

Die Santiger.

Roman von Hermann Stegemann.

25 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

^Es ist nichts, ein Heiner Geschiebebruch hin­ter den Mineuren. Ein paar zerschlagene Köpfe und gequetschte Finger. Da, sehen Sie, das Wasser läuft wie immer."

Sie schwieg, blickte gar nicht hin, sprang am Tunneltor, das sich schon zur vollen Höhe aufgemauert über ihr weitete, aus dem Gefährt, schwang sich auf die Plattform eines Wagens ter Förderbahn, auf ter Dutzende ton Arbeitern mit Pickeln und Hebebäumen gedrängt standen, und fuhr mit ihnen in den hallenden Derg.

Die Rammen teuren abgestellt, aber alle Pum­pen arbeiteten, und die großen Ventilatoren jag­ten die Luft in mächtigen Stößen vor sich her. Aber die Fahrt ging nicht weit. Ens, die zwi­schen die Arbeiter gedrückt stand, sah sich plötz­lich angerufen.

Was tust du da? Das ist nichts für dich. Wir werten schon fertig werden mit ter Sach! Kehr' um, Ens, und wart' draußen. Geh, Ensl"

Agnes erblickte den Vater im flackernden Licht unter toimmelnten Schattengestalten, sah das knochig gespannte Gesicht des Bruders, ter sie gar nicht gewahr tourte, obwohl sein Dlick die Leute auf dem Wagen zählte, sah Pometta, ter, von ihr abgewandt, zwei Rotten zur Hilfeleistung einteilte, und sie fühlte sich fremd, hilflos und so schwach an Willen, daß sie wortlos gehorchte. Sie Wetterte auf den aussahrenden Gegenzug und ließ sich stumm zurückführen. Aber ihre Dlicke hafteten an dem Vater, an Lenz, an dem ge­

spenstischen, von Schlagschatten zerrissenen und ausströmenten Dämpfen verzerrten Dilte, bis es als klein uni> kleiner wertendes Rund in der Tunnelröhre hinter ihr erlosch

Der Daumeister hatte ihr keinen Dlick mehr gegönnt. Er stand mitten im Kampf um das Leben ter Mineure, die vorn im harten Gestein faßen und durch den Einbruch einer Schwamm­schicht von ter Außenwelt abgeschnitten waren.

Pometta war gerate auf dem Wege zu ihnen gewesen, als ter Einbruch erfolgte. Beinahe laut­los wälzte Jid) die aus Geröll, Schwemmsand und vertorftem Erdreich gebackene Masse plötz­lich vor ihm herab. Er sprang zurück, riß den Kärrner beiseite, der dicht vor ihm zu Boden geschlagen wurde, und sah sich dann von stürzen­dem Balkenwerk und riesenhaft schwellendem Erd­teig vom Stollen getrennt.

Als Gottfried Dantiger erschien, war der Einbruch schon in den ausgeschachteten Tunnel getreten, und immer noch quoll es klatschend aus der Tiefe nach. Erdbrei tvälzte sich kniehoch über die Gleise und deckte die ganze Breite ter Sohle, braunes Wasser gurgelte im Geschiebe, eingedrückte Eisenblenden und abgeknickte Balken lagen zwi­schen Gesteinsbrocken und Schwemmsand verkeilt vor dem abgequetschten Stollen.

Der Baumeister fand seinen Sohn schon im Kampf mit dem entsessellen Element und über­zeugte sich rasch, daß Lorenz dem Anheil ent­schlossen begegnete. Er stützte die Zimmerung, richtete ck-Träger und Rundhölzer auf und riß mit Pickel und Schaufel eine Furche in den Erd­teig, um dem Wasser Abfluß zu verschaffen.

Pometta war schon zweimal ins Dalkengewirr geklettert und hatte sich Schultern und Knie blutig

geschunden, ohne mehr als zwei Meter Raum zu gewinnen.

Der Baumeister rief ihn zurück.

Es nützt nichts, Pometta, wir müssen war­ten, bis sich alles gesetzt hat."

Meine Leute sind drin," antwortete der Tes­siner und flieg zum dritten Mal ins Chaos.

Ein Bauführer, sieben Mineure und drei Erdarbeiter lagen verschüttet.

Es hat sie nicht erdrückt," sagte ter Ober­ingenieur zu Dantiger,sie sitzen so sicher im harten Gestein, wie der Fuchs im Bau. Nur die Röhre ist verstopft."

Wenn daS Wasser sie nicht ersauft und wir binnen drei Tagen zu ihnen gelangen, soll's gelten," entgegnete Dantiger ruhig.

Daraus wußte niemand etwas zu erwidern.

Das Rettungswerk ging seinen mühsam schlli- chenden Gang.

Es wurde Abend. Kreidiges Azethlenlicht stach in die Verwüstung, unaufhörlich saugten die Pumpen Wasser und Schwemmsand an sich, in vascher Folge wechselten die Mannschaften, damit keine Ermüdung aufkam. Lorenz Dantiger ver­schmähte Ruhe, Speise und Trank. Er leitete die Arbeiten mit verbissenen Zähnen. Der Dau- meister, der um des Beispiels willen unerschüttert aushielt, aber aus der Hand und trank, hatte ihn noch nie so gesehen. And mitten in all dem, was auf, ihn einstürmte er wußte, daß der Dau weniger gefährdet war als elf Menschen­leben, und daß seine eigene Lage nahezu ver­zweifelt tvar, fand er Zeit, sich zu sagen, daß Lorenz seinen Mann stand, erlabte er sich an dem Gedanken, daß fein Sohn in diesem Kampfe über sich Hinaustouchs.

Es war alles geschehen, einen Anfall zu ver­hüten, aber die Tücke tes Gesteins hatte alle Vorsicht zu schänden gemacht und die Erdmänner hatten Recht behalten. Doch nicht dort, im sie Gefahr gewittert hatten, fontern an einer ande­ren Stelle war das schwimmende Gebirge einge- brvchen und hatte sich wie ein Kropf entleert. And nun hieß es die Zähne zusammenbeißen, wie sein Junge tat, und dem Anding ins Auge sehen.

Gegen Mitternacht ließ Pometta sich noch einmal fortreißen und drang an der Spitze ter Erdarbeiter durch eine Zyste des Einbruchs ins Innere der Staumasse.

Da riß Lorenz dem Capo, der mit dem Horn neben ihm stand, das Instrument aus der Hand und fließ hinein, daß ter Don sich grell überschlug

Die Arbeiter warfen sich zurück, aber ter Tessiner hörte den Warnruf nicht. Er war an einen Karren gefloßen, sah im Irrlichtschein feiner Brust lampe einen nackten Arm und ein verzerrtes Gesicht au stauchen, griff zu, packte den Mann, ter halb unter den Karren gedrückt lag, und krallte sich an ihm fest. Er zog ihn mit über­menschlicher Kraft zu sich herüber, riß ihn in dem hohlen Raum der Dresche zu und ließ ihn auch dann nicht los, als plötzlich das Erdreich schwer nachsackte und beide begrub.

Doch der Nachsturz setzte sich rasch, und eine Viertelstunde später legten die Arbeiter die Ver­schütteten bloß. Pometta war noch bei Bewußt­sein. Er hatte eine Drustquetschung und einen Bruch des linken Vorderarmes babongetragen.

Einen," flüsterte er, als Lorenz sich über ihn beugte, und lächelte dabei.

(Fortsetzung folgt.)

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PAQ&MEN Ö PFG,!

PÄCKCHEN <p.