Nr. 136 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Donnerstag, \2. Mi 1924
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aus den besetzten Gcbreten an Rhein und Ruhr . rund
füllt, di; von dem Empfänger selbst noch garnicht richtig gesehen oder empfunden worden war.
Wer recht zu schenken versteht, braucht keinen Wunschzettel zu suchen und stellt nie die so oft gehörte Frage: „T£>aä wünschst du dir? ' Er geht auch nicht erst im letzten Moment in die Läden um einzukaufen. Wer recht zu schenken versteht' erkennt die Wünsche anderer aus kleinen unbeabsichtigten Reu Herungen, oft aus einem einzigen Mick. Er beobachtet mit dem Auge der Rächsten- liebe. Sein Interesse entdeckt da, daß so manches fehlt, was gut gebraucht werden könnte. Ec no= tiert dies in seinem Herzen und in seinem Kopf und schaut sich, sobald es ihm möglich ist, nach den Gegenständen um, die er als Geschenk gewählt, nicht erst dann, wenn die Geschäfte überfüllt von Käufern und leer an Waren sind. Warum kann ich nicht ebensogut im Hochsommer ein Weihnachtsgeschenk und im April eine Geburtstags- gäbe für den Oktober besorgen, wenn ich weiß, was ich schenken will? Ich kapr i es nicht nur ebenso gut, sondern sogar besser, weil ich geduldiger bedient werde, größtenteils mehr Auswahl vorhanden ist und ich wenn kfji nicht das Richtige finde, Zeit genug habe, mich in Ruhe danach in anderen Geschäften umzusehen.
Sehen können, wählen können, das heißt, es mit Liebe und Verständnis zu tun. Das ist das A und O des Schenkens.
Aber auch, wie man schenkt, ist von großer Bedeutung. So zu geben daß der Beschenkte dir Freude des Schenkenden durchfühlt, daß jener dadurch sich selbst gleichsam als der Gebende erscheint — es braucht ihm das nicht bewußt zu Werden — weil er dem anderen das Glück, das Hochgefühl verleiht, schenken zu dürfen, ist rechtes, wahres, wohltuendes Schenken, And wirklich ist j« oer richtig Schenkende im Grunde seiner Seele beglückt und froh. Auch den andern fühlen zu lassen, daß e8 so ist, löst in dem Beschenkten ein viel größeres Maß der Freude und Zufrieden
mit der durchgeführten Wiederseßhaftmachung im deutschen Mutterlande abgefunden. Abgesehen von den Vertriebenen aus den besetzten rein deutschen Gebieten an Rhein und Ruhr, die täglich ihrer Rückkehr harren, lebt bei dem weitaus größten Teil aller Vertriebenen der heiße Wunsch fort, in Zukunft einmal wieder zurückkehren zu tonnen’ Mag der Augenschein den Feinden den Triumph lassen, durch rigorose Maßnahmen in wenigen Zähren die ihnen durch Diktat gewordenen Gebiete
Die GeschM ist ob 12* Don 3-9116« fltöfmet- l» abenöS vollij schlossen.» Der Doch
Die Vertriebenen
Von Dr. Rudolf Meier.
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Hals, sondern auch bereits als Ohrringe, fo klein wurden sie angefertigt. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Ahr in Paris modern. Sie wurde zu einem Teil der Hoftracht, und jeder vornehme Herr, jede elegante Dame mußte eine Ahr besitzen. Aber es war streng verpönt, in Gesellschaft nach der Ahr zu sehen, denn dies galt als ein Zeichen dafür, daß man sich in der Gesellschaft langweilte, ihn trotzdem neugierigen Leuten die Möglichkeit zu geben, unbemerkt festzustellen, wie spät es sei, brachte ein erfindungsreicher ilßr® macher an den Ähren erhabene Ziffern und deutlich fühlbare Zeiger an, so daß der Besitzer durch Ab tasten des Zifferblattes in der Tasche die Zeit herausbekommen konnte. Lange Zeit hat man sich damit geplagt, U&ren herzu stellen, die im Finstern sichtbar waren. Bevor die im Dunkeln leuchtenden Zifferblätter erfunden wurden, kam man auf die merkwürdigsten Einfälle. So verfertigte ein Mitglied der französischen Akademie de DU- layer eine Ahr, die er direkt über seinem Kopf am Bette befestigte. An Stelle der Zahlen befanden sich in der Ahr kleine Räpfe, die mit 1'2 verschieden schmeckenden Flüssigkeiten gefüllt waren. Wollte Villaher in der Rächt wissen, wie spät ^s sei, so fuhr er mit dem Finger an dem Zeiger entlang und steckte ihn dann in den Raps, auf den der Zeiger zeigte. Dann kostete er die Flüssigkeit, und wenn er Zimt schmeckte, war es 3 Ahr, wenn er Zucker auf der Zunge verspürte, 4 Ahr usw. Aber leider wurden die Flüssigkeiten manchmal durcheinandergemischt, und dann konnte er sich nicht auskennen. Die Repetieruhr, die die Stunden und Minuten schlug, wurde zuerst in England gemacht und blieb auf dem Kontinent lange ein Geheimnis, bis Karl II. von England Ludwig XIV. eine solche üf)r zum Geschenk machte . Der Sonnenkönig übergab die Ahr einem geschickten Ahrmacher namens Carme, der sie zerlegte und damit in den Besitz des Geheimnisses kam, worauf die französischen Repetierubren die englischen verdrängten
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gen eine vorläufige Anterkunfk zu geben, eine zweckmäßige Verteilung der Massen über das Reich durchzuführen und durch Beschaffung endgültiger Wohnung und Arbeit auf die Wiedereingliederung der Vertriebenen in das innere deutsche Wirtschaftsleben hinzuwirken.
Richt unerwähnt bleiben dürfen die großen Herrnkehrlager, deren Einrichtung sich nicht umgehen ließ, als es dem Roten Kreuz an vorläufigen Anterkunftsmögllchkeiten fehlte. Trotz des gewaltigen Zustroms sind diese Massenunterkünfte, die der Verwaltung eines besonderen Rrichskorn- mrssars unterstanden, nicht über insgesamt rund 35 000 Köpfe Gesamtbelegung angewachsen. Mangels verfügbarer Mittel werden die bedauerns- werten Insassen dieser Lager jetzt (das heißt bis zum 1. Juli 1924) durch rein schlüsselmäßige Verteilung über die einzelnen Länder und Provinzen verstreut.
Rur der kleinere Teil der unmittelbar Betroffenen hat sich mit den gegebenen Tatsachen,
zwecke der deutschen Wirtschaft im Laufe der Zeit insgesamt für 500 Mill. Kredite zur Verfügung stellen kann. Ebenso.wenig wie von dieser Seite bcrr Finanzpolitik des Reiches eine Gefahr für die Mark zu befürchten. Es muß anerkannt werden. baß. die Regierung mit größter Energie ihren Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen versucht hat. Tatsächlich hat das Reich in den letzten Monaten sogar Aeberschüsse heraus' wirtschaften können, die sie zur Tilgung ihrer Schulden verwendet hat: die Reichsschulden einschließlich^ der vom Reich ausgehenden Rentenmarkwechsel haben sich, infolgedessen von 2 280 Millionen auf rund 1 925 Millionen verringern tonnen. Ob allerdings die Steuereingänge in der nächsten Zeit in dem bisherigen Ausmaß an» halten werden, ist fraglich. Man bars nicht übersehen, baß die meisten Steuern bisher aus der Substanz genommen werden mußten, und daß mit dem Verschwinden der Substanz natürliche auch die Steuereingänge sich verringern müssen. Außerdem sind bisher eine Menge einmalig erhobener Abgaben eingegangen (insgesamt ungefähr 6 bis 1 Prozent des Gesamteinkommens), die in Zukunft in Wegfall kommen werden. Schließliche ist auch noch zu bedenken, baß durch. Reparationsleistungen ein nicht unerheblicher Fehlbetrag entstehen
Richt so günstig liegen die Aussichten der Marr vom wirtschaftlichen Gesichtepuntt aus gesehen. Hier ist der Amstand bedenklich daß wir m s h r e i n s ü h r e n als a u s f ü h r e n.’Wic sind deshalb genötigt, zur Deckung der Einfuhr unsere (allerdings sehr zusammengeschmolzenen) Auslandguthaben heranzuziehen oder durch langfristige Auslandkred-ite die Einfuhr zu finanzieren, oder aber durch Verkauf der deutschen Zahlungsmittel uns die benötigten Beträge zu verschaffen. Alse diese Methoden wirken währungsschwächend, zumal wir über Erträgnisse aus Mitteln, die im Ausland angelegt sind, kaum noch verfugen, daher in der Hauptsache durch Verlauf von Mark die Einfuhr bezahlen müssen. Das darf jedoch wegen der damit verbundenen Währungszerrüttungsgefahr nicht geschehen. Es sind vielmehr zwei andere Wege vorzuziehen. Der eine besteht in der rücksichtslosen Dr o ss e- I u n g aller unnötigen Einfuhr. Daß dies sehr gut möglich ist, ergibt sich daraus, daß dl? Gesamtausfuhr nur die Hälfte derjenigen von 1913 beträgt, die Gesamteinfuhr dagegen zwei Drittel. Allein die Textilindustrie, die im Zahoe 1913 für 500 Goldmillionen mehr aus- als ein- führte, hat in den Beiden ersten Monaten dieses Jahres ungefähr für 200 Goldmillionen mehr an Rohstoffen eingeführt als sie an Fertigfabrikaten arisführ-te. Dieser Zustand ist unhaltbar. Außerdem ist zu versuchen, die Ausfuhr möglichst zu fteigern. Das hängt nicht zuletzt davon ab, daß mit allen nur irgendwie anwendbaren Mechoden eine stärlere Steigerung der Arbeitsleistung des einzelnen und in der Wirtschaft im ganzen durch- zusehen versricht wird.
Die Großhaudelsmdexziffer.
Die auf den Stichtag vom 10. Juni berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ergibt gegenüber dem Stande vom 3. Zuni (110,4) einen weiteren Rückgang um 1 Prozent auf 114,2. Von den Hauptgruppen sanken Lebensmittel von 100,9 auf 99,4 oder um 1,5 Proz., darunter die Gruppe Getreide und Kartoffeln von 87,8 auf 86,0 oder um 2,3 Proz., Industriestoffe von 151,1 auf 150,6 oder um 0,3 Proz., davon die Gruppe Kohle und Eisen mit 144,7 unverändert. Inlandwaren gaben von 108,7 auf 107,5 oder um 1,1 Proz. nach, Einfuhrwaren von 166,8 auf 166,2 oder um 0,4 Proz.
*
• Amerikanische Kredite f ü*r die deutsche Wirtschaft. Reuhorter Bankkreise, die an dem kürzlich gegründeten Syndikat zur • Aebernahme von 5 Millionen Dollar Akzeptkredite beteiligt sind, geben die Aebernahme von 1 Million Dollar deutscher Handelswechsel bekannt, die von den industriellen Konzernen auf deutsche Banken gezogen wurden. Die Wechsel haben eine Laufzeit von zwei bis drei Monaten.
- Wie die „Magdeburgische Zeitung" von zu-
Zusammen: rund 1 985 OOODeutsche.
Gin automatisches Sicheinfügen dieser Massen in den innerdeutschen Volkskörper war natürlich bei dem spontanen, unvorhergesehenen Auftreten der einzelnen Wellen nicht möglich,. Dis verantwortlichen Reichs- und Landesregierungen mußten eingieifen. Eine Fürsorge für die Vertriebenen, eine geordnete Anterbringungsaklion im Interesse des Reiches selbst wurde notwendig.
Da charitative Aufgaben zunächst die hervor-- springendsten waren, so wurde die Ausübung der amtlichen Dertriebenenfürsorge mit Eintreffen der ersten Flüc^linge in die Hand des deutschen Roten Kreuzes gelegt. Das Rote Kreuz hat das ihm gewordene Mandat bis zu einem gewissen Abschluß, das heißt bis zu Der im Rahmen der allgemeinen Sparmaßnahmen durchgeführten Einstellung der amtlichen Fürsorge für die Grenz- lanfroertrtebenen, durchgeführt. Seine Hauptaufgaben waren, den sich zu Zeiten auf monatlich über 20 000 Köpfe belaufenben Reuankommlin-
Die Kunst des Schenkens.
Einer der shmpathischsten Züge am Menschen Ift der Wunsch, andern eine Freuds zu bereiten. Dieser Wunsch äußert sich u. a. im Schenken. Woht beinahe jeder hat diesen Wunsch, aber nicht jeder besitzt die Kunst zu schenken. Kunst zu schenken? Za, freilich. Richtig schenken ist eine Kunst.
Zum richtigen Schenken gehört Herzenstakt und Herzenswärme, gehört ein sich Cinfühlen- können in die Bedürfnisse und Wünsche anderer. TBer das nicht versteht, wird niemals recht und feiten das Rechte zu schenken wissen.
Der Wunsch, andern wohlzutun, andere zu beschenken, äußert sich, wenn er wirklich tief und wahr ist, natürlich unabhängig von besonderen Gelegenheiten. Allgemeiner Brauch ist das Schenken aus Anlaß von Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Festen: zu einer ganz verbreiteten Sitte, ja zu einem Rausch, zu einem Paroxismus, einer Orgie des Schenkens ist es bei uns zu Weihnachten geworden. Gerade da hat man oft Gelegenheit, ?u sehen, wie unverständig, ja wie lieblos von vielen Geschenke besorgt werden. In Eil» wird für den oder jenen das erste Beste — es ist wohl das erste, aber keineswegs immer das Beste — gekauft. „Es kann ja umgetauscht werden!" An- befümmert lyn Bedürfnisse oder Wünsche desjenigen, der beschenkt werden soll.
Ist es rührend, wenn ein Kind fein liebstes Spielzeug der Mutter oder einem kleinen Freunde schenkt, so ist es wirklich gar zu kindisch gedacht, wenn ein Erwachsener etwas, was er selbst schön ober wünschenswert findet, jemandem bringt, dessen Lebensweise, dessen Stand, dessen Bedürfnisse von den seinen ganz verschieden sind.
Der' Wert des Geschenkes liegt nicht in feinem Preise. Ein ganz kleiner, an sich wertloser Gegenstand kann für den Beschenkten großen ideellen Wert besitzen weil er eben mit Liebe und Verständnis gewählt ist, oder weil er eine Lücke aus-
bei Ostmark .... rund 800 000 aus den abgetretenen Gebieten
Oberschlesiens . . rund aus Roroschleswig, Eupen-Mal- mebt) und dem Hultschiner Ländchen ..... rund
heil aus als eine gleichgültig erwie'ene Aufrnerck- famfeit. Geradezu verletz m) aber wirken mürrisch gegebene Geschenke, Geschenke, denen man das Schenkenmüssen, die Verpflichtung anmerkt. Wer nur so zu schenken vermag, sollte es bleiben lassen.
Wer gern und freudig gibt, hat zumeist auch den Chic zu schenken, es in netter äußerer Form zu tun. Hübsch verpackt in buntes ober weißes Papier, mit einen Bande zierlich gebunden oder mit ein paar Blumen geschmückt — fo offenbart schon die «äußere Form das Gefühl, aus dem heraus gegeben wird, und den Wunsch, Freude zu bereiten.
Ein wenig Zeit, ein bißchen Rachdenken und viel Liebe! Dessen bedarf es. um recht zu schenken.
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vorsichtigen Bewertung der wirtschaftlichen Verhältnisse doch klar und dringend die b a l d m o g ° lichsie Wiederingangsehunq der Bahn wünschten. Man geht wohl auch nicht fehl, wenn man zu der Mehrheit in diesem Falle die sozialdemokratische Fraktion mitrechnet, deren Wortsühier in seiner EtatreLe allerdings die Straßenbahnivage überhaupt nicht berührt hat: unsere hier ausgesprochene Annahme gründet sich auf die Erwägung, daß die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs neue Arbeitsmöglichteiten erschließen wird — sei es nun bei der Bahn selbst oder in den Verwaltungszweigen, denen die früheren Straßenbahner jetzt wieder den Rücken kehren und anderen Leuten Platz machen würden wozu die Sozialdemokraten ihre Zustimmung sicherlich geben werden.
Die Vorfragen, deren Klärung die Stadtverwaltung abwartcn will, sind in der Generaldebatte im Hintergrund geblieben. Ihnen wird jetzt wohl der Finanzausschuß, dessen Haushaltsberatungen morgen beginnen, seine Aufmerksamkeit scheiiken müssen. Wir vermuten, daß es sich hierbei neben den Lohn-, Arbeitszeit- und betriebstechnischen Angelegenheiten vor allein um die Frage handeln türfte, ob die Festigkeit unserer Währung erhalten bleiben wird. Der Stadtverwaltung muß man zwar volle Anerkennung dafür zollen, daß sie mit der größten Vorsicht an diese wirtschaftliche Aufgabe herangeht, man muß aber doch auch erneut den Wunsch aussprechen, die löbliche Vorsicht nicht zu weit zu treiben. Wenn man die politische Lage betrachtet, von deren Gestaltung ja die entscheidende Einwirkung auf unser Wirtschaftsleben ausgeht, so muß man auch bei vorsichtigster Bewertung der politischen Tatsachen, frei von jeglichem über das gebotene Maß hinausgehenden Optimismus, doch feststellen, daß mancherlei kleine Ansätze zu einer Erleichterung bed Druckes auf uns vorhanden sind Diese günstigeren politischen Möglichkeiten strahlen natürlich wirtschaftlich stützend auf unsere Währungsverhältnisse aus. Freilich, eine absolute Gewähr für die Festigkeit der Mark kann heute niemand geben, ein gewisses Risiko wird immer bleiben. Aber unter genau den gleichen Bedingungen muß ja auch unsere ganze Wirtschaft heute arbeiten, und hier sind doch wahrhaftig .überaus oft Entscheidungen erforderlich, die_ in ihrer finanziellen Tragweite sehr erheblich über das Maß hinausgehen, um das es sich bei unserer Straßenbahn handelt Mutig zu- packender Antemehmungsgeist, kaufmännischer Wagemut durfte doch aber um so leichter feSn, wenn mau sich bei seiner Betätigung sagen kann, daß es sich bei dem Gegenstand des Unternehmens um eine Sache handelt, von der man gute Entwicklungsmöglichkeit für die Stadt erwarten kann, und für die man im Rotfalle noch städtische Mittel zur Verfügung hat. Also auch die finanzpolitische Vorfrage, die wir vermuten, kann u. E. der Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebs heute nicht mehr als unübersteigbares Hindernis ent» gegenstehen, und wenn die Stadt für eine Straßenbahn, die nicht fährt, 20 000 Mk. Zuschuß auf- bringen will, so dürfte die Beschaffung von wei°
Der 400. Geburtstag der Taschenuhr.
Es ist schwer zu sagen, wann die erste Taschenuhr fertig wurde: wir wissen, daß ihr Ersinder, der Rürnberger Peter Hele, schon im Zahre 1511 bas erste seiner „Rürnberger Eier" den staunenden Ratsherren vorführte. Aber wirklich in Gebrauch genommen ist diese deutsche Erfindung erst ein Zahrzehnt später, und es ist daher nicht unberechtigt, wenn englische Blätter jetzt den 400. Geburtstag der Taschenuhr feiern. Die „ tragbaren Ähren", die wegen ihrer Herkunft und ihrer runden dicken Form den Ramen „Rürnberger Eier" führten, waren eine sehr gewichtige Last für den glücklichen Besitzer, und nur wenige Auserlesene konnten einen solchen kostspieligen Zeitmesser bei sich führen. Anter ihnen war König Franz I. von Frankreich, der auf seine Taschenuhr sehr stolz war. Gegen Ende des 16. Zahrhunderts wurden die Ähren kleiner: sie wurden damals in kostbar verzierten Gehäusen getragen, die manchmal sehr merkwürdige Formen hatten und durch ihre Gestatt von Totenköpfen und Särgen an die Vergänglichkeit alles Irdischen erinnern sollten. Die Damen trugen diese Ähren nicht nur an Bändern um den
Heute ab 8.30
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teren 10 000 ober 15 000 Mk. für eine Dahn, die to i e b e r f ä h r t Wohl auch nicht unmöglich sein.
Lolalwirtschaftttche Erwägungen sprechen so- garbafiir, die Bahn m o g l i ch st sch n e 11 wieder in Oßetlieb zu sehen. In den Sommermonaten werden wir viele Gäste aus allen Teilen des Reiches m unserer Stadt haben, die sich natürlich um- sehen wollen. Diese Leute werden auch bereit sein manchen Groschen für die Bequemlichkeit des Straßcnbahnfahrens auszugeben. Der neue Sportplatz hinter dem Schützenhaus, an dem zur Zeit tüchtig gearbeitet wird, dürfte demnächst auch fertig werden und dann allsonntäglich das Ziel von Hunderten von Sportfreunden sein die zweifellos gerne 15 ober 20 Pf. opfern werden, wenn sie sich bamit den immerhin nicht unbeträchtlichen Fußmarsch ersparen können. Auch von einer regen Veranstaltungsfolge auf der Liebigshöhe kann die Straßenbahn manche gute Einnahme erwarten ganz xu schweigen von dem früher schon und zweifellos auch künftig sehr ansehnlichen Zuspruch unserer Garnison zur bequemen und schnellen Straßenbahnverbindung. Das sind immeryin nicht unbeträchtliche Einnahmemöglichteiten auf nur einer Strecke der Straßenbahn, und manche Am- stande sprechen dafür, daß auch die andere Strecke noch allerlei einbringen dürfte. Freilich wird ein Teil der hier gezeigten Einnahmequellen seine besonders starte Ergiebigkeit nur in den Sommermonaten und allenfalls noch zu Anfang des Herbstes haben. Ruht man diese Zeitspanne durch den Verkehr der Straßenbahn aus, bann toirö man den finanziellen Vorteil erzielen, versäumt man diese Möglichkeiten durch die wertere Hinauszögerung der Betriebswiederaufnahme, dann wird eben die Rechnung am Schlüsse des städtischen Haushaltsjahres ein weniger erfreuliches Aussehen zeigen.
Einige Worte muß man in diesem Zusammenhang noch zu den Aeußerungen des demokratischen Redners bei der Generaldebatt e im (Stabt- Parlament sagen. Er meinte, bet Mittelstand habe fein Geld mehr zum Straßenbahnfahren, kleine Entfernungen werbe er lieber laufen, um bas Geld zu sparen. Die Ansicht, daß kleine Entfernungen Wohl eher gelaufen, statt gejahren werden, ist an sich nicht unrichtig, aber früher dürfte bas wohl auch schon meist so gewesen fein. Entfernungen aus bei Stadtmitte ober aus bem Bahnhofs- viertel bis zum Schühenhaus ober bis zum Friedhof werden aber auch die Angehörigen des Mittelstandes sicherlich lieber fahren als laufen, denn beim Fahren sparen sie Zeit und Körperkräfte demgegenüber 15 Pf. Fahrgeld nicht in Betracht' kommen. Obwohl er ja viel verloren hat, wird der Mittelstand u. G. immer noch 15 Pf. für eine Straßenbahnfahrt aufbringen können. Zunr Mittelstand gehören ja doch nicht nur die natürlich bedauernswerten Kleinrentner, sondern auch die Geschäftsleute, die Beamten und Angestellten und )ie Angehörigen unserer Garnison, die doch alle- ämt über Einkommen verfügen wenn auch meist etwas vermindert gegenüber der Vorkriegszeit, und deren Kaufkraft doch nxß nicht so auf dem letzten Loch pfeift, wie es narb der demokratischen Aeußerung den Anschein haben könnte. Trotz einer ganz vereinzelt stehenden Ansicht wird also die Stadtverwaltung nach wie vor auch den Mittelstand als zahlungskräftigen Faktor in die Straßenbahn-Rechnung mit einstellen müssen.
Wirtschaft.
Zur Stabilisierung der deutschen Währung.
Wenn man vom politischen Gesichtsspunkt einmal absehen will, sind für die Beurteilung der Aussichten der Währung folgende finanzielle und wirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend:
Zweifelsvhne hatte die Reichsbank dadurch, daß sie im ersten Quartal dieses Zahres den Rv- tenumlauf aus das Fünffache vom Dezember 1923 brachte die Gefahr einer neuen Inflation herauf b schworen Schon die Möglichkeit einer neuen Inflation brachte aber eine weitere Gefährdung der Marck in Gestatt der za Sicherungszwecken erfolgten Käufe von Devisen: diese Devisenanmeldungen betrugen im März rund das 4- bis 5fache der jetzigen. Durch die völlige Amstellung ihrer Politik hat die Reichsbank bie en Gefahrenpunkt für die Währung glücklich überwunden. Ihre Tätigkeit geht jetzt dahin, durch die straffe und rücksichtslose Kontingentierung der Krebste und Roten keine zusätzliche Kaufkraft zu erzeugen, da diese die Gefahr einer neuen Inflation zweifelsohne in sich schließt. Anterstützung findet die Reichsbank durch die Gründung der Golddiskontbank, die allerdings nur für Ausfuhr
2US eine der traurigsten Kriegserschernungen setzte mst Beginn des Völkerringens eine Bewegung ein. die später als Kriegsfolgeerschernung wuchs, nie vorausgesehene Ausmaße annahm, und die heute — fast sechs Zahre nach, Kriegsende! — noch nichlt ihren Abschluß gefunden hat: Der Zustrom der durch direkte und indirekte! , , -------
Zwangsmaßnahmen feindlicher Mächte aus jahre- ent germanisiert zu haben. Das innere Verbundenlangem Wirkungskreis, von jahrzehntelang be- [em mit den Kolonien, der Ostmark und den an= wohn ter eigener Scholle vertriebener Deutscher in I beren uns entrissenen Gebieten lebt fort bleibt das Mutterland. In der deutschen öffentlichen unauslöschlich in den Herzen der Vertriebenen, Meinung wirb diese Vertriebenenbewegung, die ^ie einst als deutsche Kulturträger zu neuer Pio- m ihrer Gesamtheit zwei Mrllionen Menschen verarbeit berufen fein werden, umfaßt, bet weitem noch nicht genügend gewür- ----
ötgt. Beispiellos als Symptom unserer Ohnmacht und Schwäche, als Symptom der Gewaltpotttik unserer Gegner, ist sie ein entscheidender Faktor in der Gestaltung der inneren deutschen Wirk- WlvQvalo
schäft geworden. Kurze amtliche Mitteilungen r . c m
über den augenblicklichen zahlenmäßigen Stand Sau8fKittd,CBor=
der Ruhr-Verdrängken. Berichte von der macht- t924 tzA der Oberbürgermeister u. a.
vollen Kundgebung der Kolonialdeutschen in Der- € .. rt’ ,,in Angelegenheit der W jeder- lin. eine Meldung, wie die von dem kürzlichen n“£t9 6 6 r i>cr (Straßen^
Beschluß des polnischen Sejm, sämtliche noch im ^^rwattung zunächst eine
polnisch gewordenen Teil Oberschlesiens verblie- ?bwartende Hawrng ernnehmen. bis etnrge V o r° benen Deutschen auszuweisen, sollten zu denken flefuitben haben Diesem
geben, 0 Standpunkt der Stadtverwaltung ift bie demokra-
Rüchteme Zahlen geben am besten ein Bild in ber @e-
von dem Umfang der seit Kriegsbeginn in das * JxlT Haushaltsvoranschlag durch den
innere Deutschland gestromten Vertriebenenwellen Sprechers utteingeschrantt beigen-eteii,
Was diese Zahlen für einen wirtschaftlich a?= ötoei andere Redner, die allem schon die
schwächt«!, Ätisch SnM unter ^gebeue^n I Mehrheit des.Hauses hinter sich haben, bei aller Lasten zusammenbrechendqn Volks körper bedeuten wtrb jeder ermessen können. Man denke nur an den Wobnungs- und Arbettsmarkt.
Rach den vorhandenen amtlichen Unterlagen und — wo diese fehlen — naeß vorsichtigen Schätzungen berufener Stellen ergibt sich folgendes Gesamtbild:
Dem Deutschen Reiche' sind seit Kriegsbeginn an Stert eichenen zugewandert: aus dem Auslande und den Ko
lonien ......rund 800 000 Deutsche
aus Elsaß-Lothringen und dem
©aargebiet .... rund 175000 aus den abgetretenen Gebieten


