Deutscher Reichstag.
Berlin, 12. März. (Privat-Telegr.) 3m Reichstag wird der Gesetzentwurf über die AuSVrSguraneuerRetchssilber münzen. der vom ArSschuh dahin geändert worden ist, daß nur <5in=, Zwei- und Dreimarkstücke geprägt werden sollen, angenommen.
Vs folgt die zweite Beratung des Reichs- poK-Finanzgesetzes. Mit diesem Gesetz wird die Reichspost, ähnlich wie schon die Reichsbahn, zu einem selb ständigen Unternehmen gemacht, das ein Unternehmen des Reichs bleibt, aber in seiner Vermögensverwaltung durch - aus vom Vermögen des Reichs getrennt ist. Der Reichspostminister behält die Leitung des Unternehmens, ist jedoch dabei an die Mitwirkung eines Derwaltungsrais gebunden.
Der bayrische Gesandte v. Preger verweist auf seine Ausführungen im Reichsrat und erklärt, Bayern halte an seinem Rechte aus den früheren Staats oerträgen fest. Es könne die Vorlage nicht annehmen und werde alle staatsrechtlichen Mittel dagegen anwenden. Gesandter Hildenbrand schließt sich für Württemberg dieser Erklärung an.
Die Vorlage wird hierauf mit großer Mehrheit in zweiter Beratung angenommen. Die Schlußabstimmung wird auf morgen vertagt.
Abg. Schulz - Bromberg (d-ntt.) begründet einen Antrag seiner Freunde, wonach unter Aenderung des Art. 180 der Reichsverfassung
die Neuwahl deS Reichspräsidenten gleichzeitig mit der Neuwahl des Reichstags
ftattfinden soll. Jetzt vollziehe sich im deutschen Volk ein politischer Umschwuna, und es wäre bedenklich, wenn an der Spitze des Reiches noch länger ein Mann aus der früheren Periode steht, den eine tiefe Kluft von den In diesem Jahre zu wählenden neuen Reichstag trennen toürbe.
Reichsminister des Innern Dr. Jarres gibt dazu folgende Erklärung ab: Der Herr- Reichspräsident hat im Laufe der Jahre 1921/22 wiederholt darauf gedrängt, daß die in der ursprünglichen Form in der Weimarer Verfassung unbefristet vorgesehene Neuwahl des R ichs Präsidenten alsbald vo- genvmmen werde. Die Wahl wurde zunächst aufgeschoben, weil die Mitwahl Oberschlesiens noch nicht möglich war. Als dann die neuen Grenzen Oberschlesiens feststanden, wurde in voller Aebereinstimmung mit dem Herrn Reichspräsidenten der 3. Dezember 1922 als Wahltag in Aussicht genommen. Aus diesem hohen Hause entsprang jedoch nachträglich der dringende Wunsch die Neuwahl zu verschieben. Die fünf Parteien des Hauses brachten ein Initiativgesetz ein, wonach der von der Nationalversammlung gewählte Reichspräsident sein Amt biszum 3 0. Juni 1925 führen soll. Das Gesetz wurde am 7. Oktober 1922 mit seh? großer Mehrheit als verfassungsänderndes Gesetz angenommen und zwar in der Form, daß es der Verfassung selbst emvrrleibt wurde. Seitdem find keine Hmftänbe hervorgetretrn, die plötzlich eine Aenderung notwendig machen könnten. ®ana besonders ungeeignet erscheint die Verbindung Der Wahl des Reichspräsidenten gerade mit den Reichs tags Wahlen. Nach der Reichs Verfassung soll der Reichspräsident beim R ichstage gegenüber eine unabhängige und selbständige Stellung einmehmen. Er soll dem Parteigetriede und dem Parteikonflikt entrückt werden. Aus diesem Grunde ist seine Wahlperiode anders b e ft i m m t als die des Reichstages. Der Reichspräsident soll auf sieben Jahve, der Reichstag aber nur auf vier Jahve gewählt werden. Die Reichsregierung bittet darum, dem Antrag die 3uftbnmung zu versagen.
»Der deutschnatt-male Antrag wird sodann mit grober Mehrheit ab gelehnt. Das Haus vertagff sich auf Donnerstag.
Dor der Reichstagsauslosung.
Berlin, 13. März. (Priv.-Tel.) Wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, wird es heute zur Auflösung des Reichstags kommen. Auf der heutigen Tagesordnung stehen außer der dritten Lesung des Golddiskontbankgesetzes nur »och kleinere Vorlagen, die in kurzer Zeit erledigt werden dürsten. Man hofft bereits um 2 Ahr mit den Schlußabstimmungen ferttg zu sein. Die Reichsregierung wird dann die von den Sozialdemokraten und Deutschnationalen be- anttagte Spezialdebatte über die Notverordnungen a b l e h n e n, und der Reichskanzler wird den Reichstag auflösen.
Gärung in der Deutschen Dolkspartei.
Berlin. 13. Marz. (Priv.-Tel) In Beilin traten eine Reihe führender Persönlichkeiten der Deuttchen Votkspartei zusammen, die den Är-üren ber Schwerindustrie und dem rechten Flügel der Partei angehö'en. Don Abgeordneten nahmen an der Besprechung u. a. Quaah, Sorge, Vogler, Pieper, Adams, Ma - rehki, Bauermann und F hr. v. Getaner teil. An der Politik, welche die Partei unter der Führung Strese manns befolgt hat. wurde scharfe Kritik geübt. Es wurde alsdann die Gründung einer n a t i o n a (11 b e - raten Vereinigung der Deutschen Volks- Partei beschlossen.
Dem Programm nach soll die Vereinigung yNe Parteimitglieder sammeln, die in nationaler, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht an den Grundsätzen der alten nationalliberalen Partei festhrrsien wollen, insbesondere soll die Partei eine straffe, nationale, antimarxistische Politik mit Anschluß nach rechts befolgen.
Die Vereinigung betont, daß sie nicht die Absicht habe, innerhalb der Partei eine Sonderar u p p e zu bilden, dah die Gründung vielmehr den Zweck verfolge, diejenigen Kreise, die sonst nach rechts absp' ingen würden, in der Partei zu halten Das „B. T." nennt die Neügründung eine Art Palastrevolution gegen Stre - femann ähnlich wie sich vor 15 Jahren die schwermdustrie!len Kreise gegen den damaligen Parteiführer Bassermann zum Attliberalen Rerchsverband zusammengeschlossen haben. Eine Vorst andssihung der Deutschen Dolkspar-
r tet, die auf Samstag, den 15. März, einberufen ist, soll Klärung der Lage schaffen.
Die hessische Sonberfteuer vom b boulen Grundbesitz.
Darmstadt, 12. März. (Priv.-Tel.) Das Presseamt desStaatsmrnrsiermms eilt ml.: In d^r 3. Steuernotverordnung ist dorgeschrieben, dah die Lander unb Gemeinden eine Mietsteuer oder als Ersatz dafür eine von der gewöhnlichen Grundsteuer getrennt zu haltende Steuer vom bebauten Grundbesitz erhe >cn. Der dem Sonderausschuß des hessischen Landtags zur Zeit zur Beratung vorliegende Gesetzentwurf sieht auf Grund dieser Reichsvorfchrift für das Rechnungsjahr 1924 die Erhebung einer Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz vor. Die Steuer ist von dem Hauseigentümer zu entrichten, der aber berechtigt ist, sie auf die Mieter u m z u l e g e n. Wenn der ersatzpflichtige Mieter eine iln erstützung als Sozialrentner, Kleinrentner oder Erwerbsloser auf Grund gesetzlicher Vorschrift bezreht ober aus der öffentlichen Wohlfahrtspflege unterstützt wird, ist der auf ihn entfallende Steueranteil auf Antrag zu erlassen. Auch ist allgemein vorgeschrieben, dah eine Ermäßigung oder ein Erlaß der Steue- dann eintreten kann, wenn sie für den Ersatzpflichtigen eine besondere Härt« bedeuten würde. Die Steuer soll monatlich mit 5 Pf. von 100 Mk. Steuerwerk erhoben werden. Sie belastet den Mieter — je nach dem Verhältnis der Friedensmiete zu dem Steuerwerk des Hauses — mit etwa 10 bis 12 Proz. der Friedensmiete. Tritt hierzu noch eine Gemeindesteuer in gleiche- Hohe, so beträgt die Gesamtbelastung des Mieter ' 20 bis 24 Proz. der Friedensmiete. In ähnlicher Höhe soll die Mietsteuer auch in anderen Ländern erhoben werden. Die vom 1. April ab zu erhebende Steuer unterscheidet sich von der im Februar erhobenen Staatssteuer vor allem dadurch, dah sie nicht vierteljährlich, sondern monatlich erhoben wi d. Dadurch wirv vermieden, dah die Mieter künftig wieder in einem Monat so schwer belastet werden, wie dies infolge der einmaligen Zahlung des fälligen Viertelsahresbetrags im Februar geschehen muhte. Da zufällig in den Februar auch noch die Erhckung der Brandversicherungsbeiträge lmit 6 Pf. von 100 Ml. Steuerwerk) siel, so muhte der Mieter in diesem Monat an staatlichen und kommunalen Mietsteuern und Brandversicherungsbeiträgen insgesamt 26 Pf. von 100 Mk. Steuerwert tragen gegenüber einem künftigen durchschnittlich n ®efamtbc.rag von höchstens 11 Pf. monatlich
Die gusiändigkeit des Völkerbundes.
Genf, 12. März. (WTD.) Der Völter- bundsrat beriet in getyimer Sitzung über di« durch den Korfukonflikt aufgeworfenen Fragen der Zuständigkeit des Völkerbundes bei internationalen Kyirslikten Trotz des strengen Geheimnisses, mit dem die Beratungen umgeben waren, kann darüber folgendes mit geteilt werden:
1. Die Frage, ob der Völkerbundsrat, wenn er bei einem Streitfall von einem Mitglied des Völkerbundes angerufen wird, vor jeder Prüfung des Falles beschließen muh, ob dieser Fall wirklich auf Grund des Artikels 15 des Paktes zu einemBruchführen kann, wird verneint. Der Rat kann selbst jederzeit den Ernst des Falles würdigen und sein Vorgehen regeln.
2. Wenn bereits eine andere Lösung auf Grund des Schiedsverfahrens ober Gerichtsverfahrens im Gange ist, hat der Rat die Prüsiiag bei Streitfalles zu verweigern.
3 Andere Ausnahmen für die Zuständigkeit des Rats als die vn Artikel 15 des Paktes vorgesehenen sind nicht zuzulassen, vor allem ntcht die üblichen Vorbehalte an den Schiedsverträgen. Es wird hier noch der Wunsch ausgesprochen, dah der Rat auf intern ationaleSchiedsver- träge und regionale Abkommen Rücksicht nehme.
4. Tie Frage, ob
Zwangsmaßnahmen,
die nicht als Kriegserklärung gedacht sind, mit Artikel 12 und 15 des Paktes vereinbart werden können, wird dahin beantwortet, dah nach den Mmpünbei und dem Charakter der betreffenden Maßnahmen der Rat selbst zu entscheiden habe, ob die Zwangsmaßnahmen beizubehalten oder ein- zustelleit sind.
5. Bei auf seinem Gebiet begangenen politischen Verbrechen trägt ein Staat nur dann die Verantwortung, wenn er nicht die notwendigen Vorbeuaungs- und Strafverfolgungs- mahnahmen ergreift. Der öffentliche Charatter des Ausländers und die ^Imstande seines Aufenthalts auf dem Tatgebiet machen jedoch dem betreffenden S'aat e r h ö h te W a chs a m ke i t zur Pflicht. — Nach längerer geheimer Beratung über diesen Text wurde feine Annahme durch den Völkerbund beschlossen, aber den einzelnen Mitgliedern das Recht zugestanden, in der öffentlichen Sitzung Vorbehalte zu machen, ohne, wie endgültig festgesetzt wurde Erklärungen abzugeben.
Auf Grund dieser geheimen Sitzung dürfte in öffentlicher Sitzung der Text des Iuristenkomitees unter gleichzeitiger Abgabe von verschiedenen Erklärungen a n g e n o m-m e n werden.
Kleine politische Nachrichten.
Wie die „Voss. 3tq.“ hört, ist wahrscheinlich nicht iptt einer Erhöhung der (Beamten- belüge um 20. Proz. zu rechnen, sondern nur mit einer Erhöhung der Grundgehälter um 10 Proz. und einer weiteren Erhöhung des Orts- Zuschlages, so daß die gesamte Aufbesserung etwa 15 Proz. des jetzigen Gehalts betragen durfte. Es sei anzunehmen, daß die neuen Sähe bereits am 1. April in Kraft treten.
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Im Oppauer Werl d r D bischen Anisin- u-'d Sodafabrik explodierte heute morgen um 'M2 Uhr eine Gassammelleitung und ein dabei befindlicher Kühler. Als ülrsache wird die überhastete Abstellung angegeben, wodurch sich Gasgemische bildeten, die zur Entzünduiw kamen. Ferner ist heute in dem Werk ein Braun- kohlenbunker in Brand geraten. Infolge der Einstellung der Notstandsarbeiten kann der Brand wegen Wassermangels nicht gelöscht werden. Die heutigen .Unfälle werden zu langwierigen Störungen bei der späteren Wiederaufnahme des Arbeitsbetriebes führen.
Amerikanische Bankiers unter Führung des Hauses Morgan haben einen Kredit von 100 Millionen Dollar an die Bank von Frankreich bewilligt
<ju Den Metdunge.i über Kreottver Handlung«. Frankreichs in London erfährt der Finanzmit- arbdter des Manchester Guardian, es handele sich um einen Akzept-Kredit von 5 Millionen Pfund Sterling. Der Kredit, an dem sich eine Reihe führender Londoner Banken und Finanzhäuser beteilige, laufe 12 Mo-ate. Er werde durch in London hinterlegte Bonds der Anleihe für die nationale Verteidigung gedeckt und von der Dank von Frankreich garantiert.
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Der „Daily Expreß/' will von einer Regelung des seit 1870 zwischen dem Papst und der italienischen Regierung be tehenden Streites wissen, deren Bedingungen folgende seien: Die italie.rische Regierung überlässt dem Vatikan den gesamten vatikanischen 5)u.;el und baut auf eigene Kosten e.nen Palast oder eine Reihe von Häusern jur Unterbringung des Ka rd i- nalkoltegiums. Der Heilige Stuhl übergibt der itasie.tischen Regierung die augenblicklich zerstreut liegenden Wohnungen der Kardinäle.
Ans Jerusalem wird gemeldet, daß der oberste Rat der Muselmanen dem Der- l etcr der Reuteragentur bekannt gegeben habe, daß das Kalifat dem König Hussein unter der Bedingung angeboten worden sei daß die,er sich bem he, allen Ländern ara5if..,er Sprache eine unabhängige, verfassungsmäßige Regierung zu geben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. März 1924.
Die Ncichs-Tenernngsziffer.
Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (E.-nährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den 10. März 1924 auf das 1,06 Dillionenfache der Vorkriegszeit. Sie ist gegenüber der Vorwoche unverändert geblieben.
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Entziehung der Erwerbslosenunter- ftützung bei Verweigerung längerer als achtstündiger Arbeitszeit.
Dem Erwerbslosen, der die Arbeitsaufnahme wegen einer auf Grund der Arbeitszeit-Verordnung vom 21. Dezember 1923 durchgeführten Verlängerung der Arbeitszeit ablehnt, ist die Er- werbslosenunterstützung zu entziehen. Der Erwerbslose darf nur solche Aroett ablehnen, die ihm nicht zugemutet werden kann. Mehrarbeit auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen kann dem Erwerbslosen aber selbstverständlich zugemutet werden. Im Weigerungsfälle hat er die Konsequenzen, nämlich die Entztehung der Erwerbs- lofenunterstützung, zu tragen. In diesem Sinne hat sich der Reichs-arbettsminister in einem Bescheid ausgesprochen, der in der Nr. 68 der „Mtt- teilungen des Deutschen Industrieschuhverbandes" veröffentlicht ist.
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"DieGießenerPfalz-'UndRhein- fpenbe. Als Schluß,umme der Sammlung am Gießener Pfalz- und Rheintag wurden gestern 213 Mk. an die Zentralstelle nach! Berlin geschickt. Der Gesamtbetrag der hiesigen Spende beziffert sich danach, nach Abzug der Unfoften, auf 4213 Mk.
** Eine interessante Entscheidung fällte der Provinzialausschuß m Darmstadt. Die Firma Benz u. Co., Mannheim, hatte gegen den Beschluß des Kreisausschusses Heppenheim Beschwerde eingelegt, weil sie für das Jahr 1922 und 1923 wegen übermäßiger Benutzung der Kreis-- strahen zu den Kreisstraßeirunterhaltungskosten mit 28 Kubikmeter Hartstemschotter herangezogen werden soll. Der Provinzialausschuß wies die Beschwerde kostenfällig ab.
*’ Preußen und die Stahlhelme im P r i v a t b e s i h: W. T. D. meldet: Mehrfach trugen, wie der amtliche Preußische Pressedienst aus einer Verfügung des preußischen Innenministers mitteilt, Mitglieder von Vereinigungen bei öffentlichen Veranstaltungen Stahlhelme als Kopfbedeckung. Im Einvernehmen mit bem Reichsfinanzminister Werst der preußische Innenminister darauf hin, daß Stahlhelme, die nicht xur zuständigen Ausrüstung der Reichswehr gehören, als Kriegsgerät verschrottet und daher auch aas dem Privatbesitz abgeliefert werden müssen. Die Po- sizeibehörden werden angewiesen, Stahlhelme, die sie im Besitz von Privatpersonen, insbesondere bet Versammlung;n und Umzügen antreffen, sicherzustellen.
** Die Literarische Gesellschaft bot ihren Mi'gsiedern und Freunden mit dem gestrigen Abend, der dem deutschen Rhein gewidmet war, einen ganz erlesenen Genuß. Dr. Erich D r a ch, Lehrer für Vortragskunst an der ülniversität Berlin, brachte in formvollendeter Weise Stücke aus Werken deutscher Schtiftsteller älterer und neuerer Zeit, deren Heimat der deutsche Rhein ist, zu Gehör. Der Vortragende verstand es meisterhaft, fein Organ den verschiedensten (Stimmungen anzupassen, galt es nun dem frisch-fröhlichen Jagen in dem Odenwald, dem Röcheln des todwunden Recken Siegs ied im Nibelungenlied, oder der zar en Schilderung hinreißender Liebe zwischen Tristan und Isolde, aus des Meisters Gottfried v. Straßburg unvergänglichem Werke. Gerade Erich Drachs Vortrag zeigte, welche ungchobenen Werte in diesen Meisterwerken aus der Blütezeit altdeutscher Dichtkunst schlummern. — Zum Vortrag kamen bann noch u. a. das humorvolle „Im Kloster Eberbach" Wich, wchüfers, Clemens Brentanos geisterhaft gespenstische^ Lorelei, Leo Sternbergs „Das gerettete Deutschland", ein Bekenntnis zur deutschen Heimat. Den Abschluß bildete der hinreißende Vortrag von Nikolaus Beckers „Sie sollen ihn nih habeir, den freien, deutschen Rhern". Reicher Beifall dankte dem Vortragenden, dessen Kunst feine Hörer so in seinen Bann gefesselt hatte.
*'* I m Tienste der N ä ch st e >r l i e b e. Einige geraußveichr Stunden bereitete der Wartburgverein gestern abend den Patienten und Patientinnen der Nervenheilstätte von Medrzmalrat Wagner. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Lich tbildervortrag: „®ine Reise ins Polar- gebiet". Prachtvolle Naturaufnahmen, wozu Ober» fteuerfeiretär H. Klemmrath die Erläuterungen gab, zogen an den Augen der Zuhörer vorüber und fesselten diese wegen der hervorragenden Schönheit und Schärfe der Bilder in hohem Maße. Die von einem Patienten gesprochenen Dankeswvtte am Schluß des 'Abends zeigten, welche große F eutze man damtt den Kranken gemacht hatte. Es ist dies bereits das viertemal, daß der Wartburgverein dazu beiträgt, den Kranken die Abende angenehm zu verkürzen.
"'DputfcheVol'Spllri«' Am MonraA vereinig:e sich eine große Zahl der weiblichen Mtt- glieber der D. B. P. im Restaurant Hindenburg zu einer Gedenkfeier für die Königin Luise. Frk Clara Birnbaum gab ein ausgezeichneter Charakterbild dieser edlen Frau, die in einer Zeit lebte, die an Schwere der unfern gleichtommt. Duette und Sologesänge von Frau S ch u ö t und Frau Ziep rechc, begleitet von Frau Roloff. und Rezi-atirnen von grL Lerch trugen dazu bei, die Feier außerordentlich stimmungsvoll zu gestalten.
Bornoti,;cir.
— TageskalenderfürDonnerstag. Lichtspielhaus, Mrhnhosstraße: „Das alte Gesetz" — Palast-Lich spiele: „Zirkus Nelly". — Astorra- Lichrspiele: Ein großes Lustsplel-Programm.
— Lichtbildervortrag im Wartburg v e r e i n. Der vom Wartburgverein vor kurzem angekündigte Lichtbilderoortrag des Norddeutschen Lloyd „Eine Reise ins Polargebret" findet am lommenden Samstag, den 15., und Sonntag, den 16., jedesmal abends 8 Llhr, im Gemeindehaus Kirch- traitze 9 statt. Der Dortrao ist auch Nichtmitgliedern zugänglich. Der Natur- OeTuerein macht feine Mitglieder ebenfalls auf diesen Dortrag aufmerksam. (Näh. siehe Inserat ^
- Der Handwerkerbund, t> b e : Gewerbeverein halten morgen, "Freitag 812 Uhr im Gerwerbehaus eine QHi gHeberber sammlung ab, in der insbesondere die Satzunger des neu zu gründenden Hess. Gewerbeverbands beraten werden sollen.
— Reichsbund der Ausgewiesenen Morgen abend Versammlung. (Siehe Anzeige.)
— -Heber die Tätigkeit der Bahn hofsmifsionen findet morgen abend ein Vortrag statt. (Näheres in der Anzeige.)
St'cttr rvornu »- r-" v
Geringe Abschwächung des Nachtfrostes, tags milde und meist heiter, trocken.
Lartdkreis Gicßen-
GL. Grvßen-Buseck, 11. März Zu Ehren der Bewohner der besetzten Gebiete fand am Sonntag ein Abendgottes dien st statt in beim Prof. H. Schmidt- Greßen eine tief durchdachte Predigt hielt. Schülerchöre und Posaunenvorträge verschönten die Feier. — Zur Pflege kirchlicher und volks.tümlicher Musik wird hier in Kürze ein Posaunenchor ins Leben treten. — Aus Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Landjugendbundes sprach Volksschriftsteller Naumann in einer vaterländischen Feier über „Jugend und Heimat".
ri. Lich, 12. März. Die hiesige Schule veranstaltete in der Turnhalle einen Eltern- a b e n d. In Vertretung des erkrankten Rektors begrüßte Lehrer Schneider die Versammlung und gab dem Wunsch Ausdruck, daß der Abend dazu dienen möge, das Band zwischen Schule und Elternhaus fester zu knüpfen. An den Darbietungen Les Wends waren alle Schulkinder, von den kleinsten bis zu den Konfirmanden, beteiligt. Lieder, Gedichte, turnerische Dorfiih.ungen und dramatische Szenen folgten aufeinander. Besonderen Beifall fanden die Vorträge in ober- hessischer Mundart und die Aufführung von ^Hänsel und Gretel", mit der der Abend schloß
Kreis Büvingen.
gn. Dauern heim, 10. März. Gestern fand hier der Vertretertag des Sängerbundes Geiß-Nidda und ilmgegenb unter Leitung des Bundesvorsitzenden Lehrer Lenh von Geißi-Nidda statt. Sämtliche Bundesvereine — 8 an ber Zahl — waren vertreten; außerdem fanden sich nvch eine große Zahl Sänger und Sangessreunde ein. Es wurde festgestellt, dah noch allerseits reges Intereffe am Bund und an der Pflege des Gesanges vorhanden ist. Wie im vorigen Jahr in Ober-Widdersheim, so s)ll in diesem Jahr in R a n st a d t ein Wertungssingen veranstaltet werden, vorgesehen ist hierzu .der 25. Mai. Jeder Verein singt einen selbst- gewählten und einen aufgegebenen Chor. Es sollen diesmal zwei Werter die Chöre beurteilen. Ein im vorigen Jahr aus der Zeit ber Not Deutschlands geborener Chor soff als Massenchor von den annähernd 300 Sängern borgetragen werden. Der Gesangverein von Dwiernheim verschönte die Veranstaltung durch eine Reihe gut borgetragener Chöre.
)( Herrn Haag, 12. Märg Dom herrlichsten Wetter begünstigt, fand am Montag in unserer wiederhergestellten Kirche das dtesiährige Dekanatsmiffionsfest des Dekanates Büdingen statt. Cs war ein erhebender Anblick, als am frühen Morgen trotz Werktag die Gemeindeglieder von Vonhausen, Lorbach und Diebach den Berg heraufgepilgert kamen und so zahlreich das Gotteshaus füllten, daß der letzte Platz beseht war. Im Festgottesdienst, der durch Pvsaunenchor, Schülerchor und Gemeindegesang festlich umrahmt war und in dem der Ortsgeistliche den Altardienst versah, hielt Pfarrer Kahn von Ortenberg über das Pauluswort „Gott will, daß allen Menschen geholfen werde" die Festpredigt. In der NachversammluTrg um i/23 Ufjr begrüßte Pfarrer Adam die Gäste. Dekan S ch ä- f e r dankte den Gemeinden für die hervorragende Gastfreundschaft, Missionar S p a i ch führte die Festgemeinde auf das Missionsfeld und rief die Gemeinden! zu neuer Missionsliebe und -Arbeit auf, Pfarrer Kahn sprach als Vertvauensmann das Schrlußwort. Die Kollekte erbrachte 198 GM. Nach dem Gottesdienst waren die auswörtigen Teilnehmer, wie am Mittag, nochmals Gäste ber Gemeindeglveder in den verfchietzenen Dörfern und Gutshöfen und wurden ebenso li.benswürdig, wie sie am Vormittag abgehvlt worden waren, wieder mit Wagen an die Bahn gebracht.
Kreis Schotten.
wg. S ch o t t e n 13. März. Irn hiesigen Krers- amtsgebäude fand üiefer Tage eine Besprechanc ber Verweter der im Kreise bestehenden Organisationen des Roten Kieuzes und des Alice- Fuauenvereins statt. Beide Körperschaften organisierten sich zu bem Kreisverband des Ro - ten Kreuzes, wie es die neuen Satzungen des Hessischen Roten Kreuzes vorschreiben. Der neue Kreisverband wird geleitet von den Vorsitzenden der vier im Kreise vorhandenen Zweigvereine vom Roten Kreuz und von zwei Vertrauensdamen des Alice» F auenvereins. Den sürsorge ischen und vottshyg'eirifchen Ausgaben wird er feine Hauptarbeit widmen.
Hessen-Nassau.
fpd. Frankfurt a M, 12 März. Gro^e s p t» ritistisch'Schwindelsihungen be Ite die K cknrmalprlizei bei einer Frau Löffler in ber Höhenst.aß: auf. Die Frau wohnt mit einem ehemaligen Baumeister zusammen, hat aber als


