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Verfasiungsfeier im Reichstag

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" Goldmarkbilanzen. Wie wir vom Finanzamt hören, ist die Frist zur Einreichung der Goldmarkeröffnungsbilanz bis zum 30. September verlängert.

* Apothekerkammer. Die Frist zur Ein­sendung der Stimmzettel für die Wahlen zur hessischen Apothekerkammer endet am la. August.

* Schwimm-Wettkämpfe. Für die Schwimmwettkämpfe des Giehener Schwimmver­eins findet laut Anzeige tm heutigen Blatt ein KartenvorverVauf statt.

EinenSamariter-Kursus ver­anstaltet der Alicefrauenverein. On Anbetracht der hohen Bedeutung einer gut durchgebilde­ten Pflegefertigkeit sei dieser Kursus allen. Bevölkerungskreisen zur Teilnahme empfohlen. Näheres in der Anzeige.

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Nachdem die donnernden Hochrufe verhallt < waren, marschierten die Massen im Scheine von . vielen Tausend Fackeln unter den Klängen des Deutschlandliedes ab.

Die Berliner Sozialdemokratie, > der Ausschuh der Gewerkschaftskvmmis- s i o n von Berlin und ümgegetti) und der All - gemeine Freie Angestelltenbund hat­ten zu gleicher Zeit im Lustgarten und auf dem Schlohplatz eine gewaltige öffentliche Massenkund­gebung veranstaltet.

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Eine große Zahl weiterer Meldungen über ZVcrfassungsfeiern in Karlsruhe, Mann - heim, Frankfurt, Kassel, Düsseldorf usw. liegen vor und geben erfreuliche Kunde von dem würdigen und ungestörten Verlauf der Ver­anstaltungen.

Die Feier in London.

London, 11. Aug. (WTB.) Anläßlich des Verfassungstages versammelte sich heute abend in den Räumen der deutschen Botschaft auf Einladung des Reichskanzlers eine große Zahl deutscher Damen und Herren zu einer einfachen, würdigen Feier.

Reichskanzler Marx

begrüßte die Erschienenen mit einer Ansprache, in der u. a, ausführte:

Der Dag der Verfassung ist der Tag des Ge­dankens an all das, was den Begriff des Vaterlandes in sich schließt. Es ist der Tag, an dem wir inne werden, daß unserem Vater­lande unsere ganze Liebe und Treue gehört, am meisten gerade dann, wenn es durch Schick- salsschläge an Gbanz und Reichtum einge- bützt hat uird Sorge und Not auf ihm lastet. Was die Verfassung mit den Grund­rechten in sich birgt, knüpft an eine bessere deutsche Vergangenheit an.Das deut­sche Volk, einig in seinen Stämmen, hat sich dese Verfassung gegeben," damit war dir Rech'.sgrund- lage gegeben. Hätte sich das Reich aufgelöst in eine Vielheit zusammenhangloser Staatengebilde, dann konnten wir nie und nimmer als geschlossene Einhttt versuchen, neue Woge zu einem neuen Aufstieg zu finden. Für die Verfassung waren nicht Gefühlswerte maßgebend, sondern allein

nüchterne politische Einsicht, vaterländischer Wille, zielbewußte, selbstlose Arbeit und willige Ein­

fügung der Glieder in die Gesamtheit.

In diesen vergangenen fünf Jahren hat Deutschland einen langen Leidensweg zurückgelegt und immer mehr häufte sich das Maß äußerster Bedrückung. Mich würde es bedünken, daß dieses gemeinsame Leid uns fester zusammen- schliehen soll. Denn Einheit macht stark gegen alle Not. In dieser Stunde und an diesem Ort, der Metropole der brittschen Weltmacht, wo über DQltschlands Zukunft

Entscheidungen von größter Tragweite fallen sollen, hegen wir den Wunsch und die Hoffnung, daß bald die Stunde schlagen möge, in der Deutschland in Freiheit und Frieden wieder mit den anderen Volkern der Wett dem Fort­schritt, der Kultur und der Zivilisation dienen kann. Darm wird auch dessen bin ich gewiß, b i e Freude am Reich und seiner Verfas­sung Allgemeingut des deutschen Volkes werden. Auf dem Boden dieser Verfassung wollen wir für Einigkeit und Recht sorgen, damit daraus für uns alle die Freiheit erwachse, die jedes Deutschen tiefste Sehnsucht ist. Es lebe unser liebes deutsches Vaterland!

Die Versassungsseier in Gießen.

Der amtlichen Einladung zu dev offiziel­len Feier des D e r fa s s ung s ta g e s ge° ftern abend im Stahttheater hatten Angehörige aller Schichten unserer Einwohnerschaft und die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden in so großer Zahl Folge geleistet, daß der Theatersaal in allen Teilen vollbesetzt war. Ober» regierungsvat Weicker begrüßte die Festver- saimnlung tm Namen der einladenden Behörde und betonte, dieser Abend solle ein erneuter An­laß zu dem Gelöbnis sein, fest zur Verfassung za stehen. Die Festrede hielt Prof. Dr. Fritzsche. Seine gedankenreichen Ausführungen, die das demokratische und republikanische Prinzip unter­strichen, berührten darüber hinaus viele Fragen und Erwägungen dieser Zeit und der mit ihren Problemen in Zusammenhang stehenden jüngsten Vergangenheit und der geistigen Einstellung un­seres Volkes, sie suchten und gaben aus der Ge­schichte Erklärung und Antwort auf vieles, was gerade bei dieser Feier wieder besonders stark in den Vordergrund des Interesses trat, stellten Verpflichtungen der Bürger gegenüber dem Staate und der Volksgesamtheit auf und formten Wünsche und Hoffnungen äuf eine Zukunft un­seres Reiches unter einem günstigeren Stern, als er dem Heute leuchtet. Die etwa einstündige Rede löste anhaltenden starken Beifall aus.

In den Rahmen dieses Festattes war weiter eine Feier besonderer Art, die Ehrung eines verdienten hessischen Heimatdich­ters, eingespannt. Von Darmstadt war Ministe­rialdirektor Dr. älrstadt erschienen, um dem Dichter Dr. Alfred Dock in seiner Vaterstadt Gießen ein künstlerisch ausgestattetes Diplom zu überreichen, wonach ihm der Georg Büchner- Staatspreis für Literatur verliehen wird. Ministerialdirektor älrstadt betonte in seiner Ansprache, daß der hessische Staat nach Maßgabe seiner Kräfte immer die Kunst fördern werde und daß das Hessenland mit dieser Verlei­hung des Georg Büchner-Staatspreises seinem Dichter Alfred Bock eine wohlverdiente Eh­rung bereiten wolle, die zugleich ein Dankes-- zeichen sei für die reichen Gaben, die des Dichters Kunst dem Hessenvolke und darüber hinaus dem ganzen deutschen Volle beschert haben. Dr._ A l - fred Bock erwiderte in schlichter Weise, für die Ehrung, die sein Heimatland ihm erweise, spreche er seinen aufrichtigen Dank aus. Sein Werk sei mit seinem Heimatland aufs engste verwachsen. Hier konnte er Wesen und Schicksale der Menschen vestqlten. Auch in Zukunft werde feine künst­lerische Arbeit dem Hessenland gewidmet sein, 1 | das uns allen so teuer sei. Das Publikum sperr-

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Dete der Ehrung des Dichters und seinen ein* fachen, dankerfüllten Worten sehr herzlichen Bei­fall.

Instrumentale Darbietungen eines Orchesters leiteten den Abend 1 ein und umrahmten ihn dann in Abwechselung mit gesanglichen Be­reicherungen durch den Dauerschen Gesangverein und den GesangvereinEintracht", dessen Frauen­chor dem Männergefang des Abends eine recht angenehme Sangesgabe hinzufügte. Der gemein­same Gesang des Deutschlandliedes und ein von Ministerialdirektor 11 rstadt ausgebrachtes Hoch auf die Republik bildeten den Austlang der Feier.

Das russisch-englische Abkommen.

Der Triumpf der Sowjet-Negierung.

Moskau, 11. Aug. (WTB.) In einer offi- z teilen Verlautbarung des Auswärtigen Am­tes, welche die Unterzeichnung des Generalver- ver'tiages der Sowjetunion mit England mitteilt, heißt es : , r

Eine Gleichberechtigung der bei­den Wirtschaftssysteme, ohne die ge­regelte Beziehungen zwischen der Socvjetunion und der sie umgebenden kapitalistischen Welt unmöglich sind, wurde bereits als allge­meiner Grundsatz im Jahre 1922 in Cannes aufgestellt, blieb jedoch bisher auf dem Papier stehen. Der Londoner Generalvertrag bringt uns die Verwirklichung einer tatsächlichen Verständi­gung auf Grund der Anerkennung der Errungenschaften der Oktoberrevo­lution als Neuform der politischen Gesell­schaftsordnung und eines neuen Systems der wirtschaftlichen Beziehungen näher. Der General­vertrag legt die Grundsätze zu dem Abschluß von Einzelabkommen mit den britischen Gläu­bigern und ehemaligen Eigentümern fest. Diese Abkommen werden zusammen mit der Gesetzes­vorlage über die Garantie der Anleihe für die Sowjetunion ein Ganzes bilden. Die Sowjetregierung wird bei diesen Verhandlungen konsequent die Rechte und Belange des Sowjetstaates behaupten. Der Generalvertrag schafft die Grundlage für ein neues Verhältnis zwischen der Sowjet­union und der größten kapitalistischen Großmacht. Daher stellt er eines der größten Ereignisse in der Geschichte der Beziehungen der Sowjetrepubliken zu der sie umgebenden kapitalistischen Welt und ein Ereignis dar das eine sehr starke Rückwirkung auf die gesamte Weltlage haben wird.

Die schwarze Landplage.

Höchst, 11. Aug. (Wolff.) Einen Raub- überfall versuchte aestern abend in den hie­sigen Anlagen ein Marvkka ner, der von einem Arbeiter die Herausgabe der Uhr verlangte. Als der Mann erklärte, daß er keine Uhr habe, setzte ihm der Marokkaner das Seiten­gewehr auf die Brust. Nur durch das Dazukom­men von Passanten wurde die Vollendung des Raubüberfalles verhindert.

Von einem französischen Posten erschossen.

Wie aus Trier gemeldet wird, wurde auf den Mattheiser Schießständen der 36jährige Ar­beiter Reinemann von einem französischen Posten erschossen. Der Erschossene, der auf den Schießständen Geschohhülsen sammelte, hat offenbar den Anruf des Postens überhört.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 12. Aug. 1924.

Alte Anstandslehren.

Ster große Gelehrte Erasmus von Rotterdam hielt es nicht für überflüssige für die Heranwach­sende Jugend eine Reihe von Anstands regeln auf­zustellen, die beweisen, daß auch schon in früheren Zeiten das Heranwachsende Geschlecht die Tugen­den nicht mit auf die Welt brachte, und eine erzieherische Tätigkeit für Ettern und Lehrer nicht überflüssig war.

Nicht wenige der Anstandsregeln des Eras­mus beziehen sich auf die Mahlzeiten, und er empfiehlt für die Kinder unter anderem:Dor Tisch soll man sich waschen und die Nägel be­schneiden.Salz soll mit dem Messer genommen werden."Die Ellbogen auf den Tisch zu stem­men, verzeiht man nur Greisen und Kranken." Gegenüber der Auffassung, im Essen mäßig zu sein und lieber denSchmachtriemen" etwas anzuziehen, gibt der große Gelehrte die Anwei­sung:Man kann auch die Gürtel etwas lockerer schnallen." In der «eichen Richtung b-toegt sich der Sinn folgender Regss:Man soll alte Sorge abwerfen: denn beim Mahle darf niemand traurig sein!" Andererseits aber verurteilt er die Ge­fräßigkeit:Wer sich übergeben muh, gehe bei- seit. Nicht das Liebergeben am Tisch ist unan­ständig, sondern: es durch Gefräßigkeit herbeizu­führen!" Bemerkenswert ist. daß man zur Zeit des Erasmus, um 1530, schon die Zahnstocher kannte, zwar nicht aus Holz, sondern aus Feder­kielen oder Hühnerknöchelchen. Ebenso erwähnt Erasmus schon zum Gurgeln weißes Pulver, Alaun oder Salz.

Andere Regeln des großen Gelehrten wenden sich gegen Unarten, die man bei Kindern nicht selten findet. Sie lassen sich zum Beispiel gern an dasSchmutznäschen" erinnern, und hier gibt Erasmus eine Reihe von Anweisungen, die zum Teil etwas derb anmuten, aber auch noch halte häufig am Platze sind:Die Nase soll stets sau­ber fein.Mit dem Hut (!) oder Rock sich zu schneuzen, ist bäuerisch, mtt dem Aermel oder Ellbogen, Sitte ter Wurstmacher."Es ist auch nicht artig, es m" der Hand zu tttn und sie dann am Rock abzuwischen, anständig aber ist es, mit einem Tüchlein und abgewandten Leibes es zu tun.Beim Niesen wünsche man Glück, emp­fiehlt Erasmus, eine Sitte, die sich bis in unsere Zeit erhalten hat, indem man noch oft hören kann daß dem NiesendenGesundheit" zugerufen wird. Im übrigen empfiehlt auch Erasmus schon, sich beim Niesen, Husten und Ausspucken abzu­wenden, auch beim Gähnen die Hand vor den Mund fcu halten.

Aus den sonstigen Anstandsregeln des Ge­lehrten seien noch erwähnt, daß er es für schick­lich hält, sich beim Lachen zu mäßigen und die Hand oder ein Tuch vor den Mund zu halten. Zu sagen:Ich ersticke,ich berste,"ich sterbe vor Lachen", bezeichnet er als dumm. Das gleiche sagt er vom lebhaften Gestikulieren. Mit den Füßen baumeln und mit dem Sessel wackeln, galt auch schon im Mittelalter als unschicklich

Berlin, 11. Aug. (Wolff.) Anläßlich der Derfafsungsfeier im Reichstag ver­einigte sich eine festlich gestimmte Versammlung im Plenarsitzungssaal, der bis zum letzten Platz gefüllt war. Auf den Ministerbänken sitzen der Vizekanzler Jarres, Erster Bürgermeister Petersen (Hamburg), ferner die Reichsminister Brauns, Geßler.Höfle und Hamm, der preußische Minister des Innern Se ve r i n g . der sächsische Gesandte Dr. Gradnauer, außerdem sind viele Reichstags- und Landtagsabgeordnete anwesend. Um 12 Uhr 34 erscheinen in der Di- plomatenlvge der Reichspräsident, den die Versammlung durch Erheben von den Plätzen be­grüßte. Mit ihm nahmen in der Loge der Vize­präsident des Reichstages R i e ß e r , der preu­ßische Ministerpräsident Braun, Rri^smmister a. D. P r e u fj und der Reichsveriehrsminister Oeser Platz. Mit dem ChorgesangWo ist so ein herrlich Volk" von Johannes Brahms leitete der Staats-Domchor unter Musikdirektor Wiede­mann die Feier ein. Daraus gab

der Hamburger Senatspräsident Dr. Petersen

nach einer Würdigung des Geistes der Weimarer Verfassung einen geschichtlichen iteberbhef über > die Schwierigkeiten, die auf dem Wege zur deut­schen Einheit überwunden werden mußten. Er betonte das starke Band der gemeinsamen Sprache und rief den deutsch-österreichischen Brüdern zu, daß einmal auch mit ihnen Ferne Grenzen mehr bestehen werden. Er trat nach­drücklich

für die Beendigung des Flaggenstreites ein. Der geschichtliche Sinn der schwarzrotgoldenen Flagge des alten deutschen Bundesstaates fei die llmfaffung der deutschen Volkseinheit. Er be­zeichnete es ferner alsDerkennungderhi- stvrischen Tatsache, wenn man die deutsche Republik eine Schöpfung des zusammengebrvche- nen Volkes vom November 1918 nenne. Die deutsche Republik fei eine Schöpfung der wie- dererwachenden deutschen Nation vom August 1919. Falsch fei auch die Behauptung, daß sich ein deutsches Nattonalgesühl innerhalb der republikanischen Staatsform nicht in seiner vollen Starke auswirken könne. Der Rednrr dankte dann allen denen, die in Heer und Marine sich in den Dienst der Republik stellten und rief allen .durch Fremdherrschaft und unnatürliche Grenzen vom Mutterlande abgeschnittenen deut­schen Stammesgenosfen zu, daß sie das deutsche Gemeinschaftsgefühl mit seinen unlösbaren Ban­den umschlinge.

Bürgermeister ®r: Petersen schloß die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit dem Ruf:

Es gibt feinen anderen Weg zu natto- naler Freiheit und nationaler Kraft als den durch die deutsche Republik! Die deutsche Repu­blik, geschaffen durch deutschen Willen, deut­schen Geist und deutsches Gemeinschaftsgefühl, möge der Hort des Friedens und des Rechtes fein!

Reichsminifter des Innern Dr. Jarres dankte in Vertretung deS Reichskanz­lers dem Hamburger Senatspräsidenten für die von hoher Staatsauffassung und einem warmen Glauben an das deutsche Voll belebte Fest­ansprache. Die Weimarer Verfassung sei, wie der Festredner mtt Recht betonte, ke in starres G e- Hilde und habe die Möglichkeit, sich vrga- nisch zu entwickeln. Namens der Reichs­regierung erflärte er, daß die Verfassung fiitt allen Mitteln und ohne Rücksichtnahme «gen jeden Versuch gesetzwidriger oder gar ge­waltsamer Aenderung geschützt werden soll. Er erwähnte dann

die Londoner Verhandlungen, die über das Schicksal Deutschlands entscheiden und sprach unter lebhaftem Dank an die deutsche Dele­gation den Wunsch aus, daß es ihrer ernsten und verantwortungsbewußten Arbeit gelingen möge, das Lebenund die Ehre des deutschen Volkes und damit den Frieden der Welt zu sichern. Die Folgen eines freilich verlorenen, aber in Ehren geführten Krie- ges, an dem Schuld zu haben Deutschland nach gewissenhafter Prüfung ablehne, müßten getra­gen werden. Man dürfe aber nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen hoffen, daß die poli- ttsche Einsicht der maßgebenden Regierungen zu einer annehmbaren Verständigung führe. Der Minister schloß mit einem Hoch auf das in der Republik geeinte deutsche Volk, in das die Festversammlung begeistert einstimmte.

Eine Ansprache des Reichspräsidenten.

Berli n, 11. Aug. (WTB.) Die abend­lichen Veranstaltungen des Verfassungstages be­gannen mit einer Abendfeier im Staatlichen Schauspielhaus. Das Haus war mit einer geladenen Gesellschaft, in der mit den obersten Behörden des Reiches und der Länder auch die großen Verbände des Erwerbslebens sowie Wis­senschaft und Kunst vertreten waren, bis auf den letzten Platz beseht. Tausende umsäumten den wei­ten Platz und füllten die angrenzenden Straßen. Als gegen 81/2 Ahr der Reichspräsident die große Freitreppe betrat, wurde er mit vieltau­sendstimmigen Heilrufen empfangen.

Der Reichspräsident

hielt etwa folgende Ansprache:

Bürger und Bürgerinnen! Ich danke Ihnen allen wärmstens für diese Kundgebung und grüße Sie aufs Herzlichste. Ich erblicke in Ihrer Kund­gebung ein Bekenntnis zum bemoErat. Volksstaat, zur Republik und zum Daterlande und zur ent­schlossenen Mitarbeit an der Zukunft unseres Lan­des. Im Anblick der lodernden Fackeln und im Zei­chen des allen deutschen Reichsbanners Schwarz- Rot-Gvld wollen wir geloben, die deutsche Repu­blik zu schützen und, wenn es sein muß, bis zum Letzten zu verteidigen. In den schweren Jahren, die hinter uns liegen, haben die Feinde von außen und innen fortgesetzt versucht, uns zu zerschlagen. Wenn wir trotzdem in diesen Stürmen unsere politische Einheit gewahrt haben, so deshalb, weil diese in her großen Mehrheit des deutschen Dolles fest verankert ist mit dem Staat. Unfere Blicke richten sich heute auch nach London, wo unsere Delegation harte Kämpfe führt, um uns das Leben zu ermöglichen. Indem wir Leu delegierten unsere herzlichsten Grüße zn-

Wettervoraussage

Wolkig bis halb bedeckt, Winde allmählich auf nördliche Richtung drehend und langsam kühler, vereinzelte Regenfälle.

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Landkreis Gietzen.

6u. Burkhardsf elöen, 12. Aug. Der am 16 Juli durch Blitzschlag stark ^beschädigte Kirchturm ist vorige Woche wiederhergestellt worden und vorsorglich mit einem Blitzableiter versehen worden. Wie verlautet, soll auch die schon seit vielen Jahren nicht mehr betriebsfähige Kirchenuhr durch eine neue erseht werden, was von den Einwohnern sehr begrüßt wird.

ri. L i ch, 10. Aug. Der Verfassungs- t a g wurde hier bereits gestern abend durch eine schlichte, aber recht eindrucksvolle Feier begangen. Die ganze Gemeinde versammelte sich unter dem Geläut der Abendglocke vor dem Rathaus. Alle Stände und Parteien ohne Ausnahme waren vertreten. Der ArbeitergesangvereinEinigkeit", der Rothsche Männerchor und der Gesangverein Cacilia" trugen stimmungsvolle Heimatlieder vor. Dazwischen hielt Bürgermeister Völker von der Treppe des Rathauses aus eine Ansprache, die mit einem Hoch aufs deutsche Voll schloß. Der BundFür Haus und Schule" veranstal­tete heute einen Sommerspaziergang auf den Höh- ler. Dort fand eine Zusammenkunft statt mit Ge­sang und einer Ansprache von Stiftsdechant Lenz über die Aufgaben christlicher Erziehung.

ri. N i e d e r b e s s i n g e n , 10. Aug. Der Verfassungstag wurde hier in der Form gehal­ten, daß der Gottesdienst zu einer Heimat- und Sommerfeier gestaltet wurde.

Kreis Büdingen.

*Llnter-Schmitten, 12. Aug. Ab heule erhalten auf der Strecke N i d d aS ch 0 11 e n die Pz. 4183 um 9.46/9.47 vorm. und 4186 (W.) um 1,25/1.26 nachm. in Anter-S chmi tten Aufenthalt.

nz. Geiß-Nidda, 11. Aug. Sonntagabend fand hier die zweite ordentliche Generalversamm­lung der hiesigen landwirtschaftlichen Bezugs- und Absahgenossenschast statt. Die aus 1923 vovgetragene Rechnung wurde gute geheißen und dem Vorstand Entlastung erteilt Nach längerer Debatte legten der seitherige Direk­tor und per Rechner ihre Stern ter nieder. An ihrer Stelle wurden einstimmig gewählt: Wilh. Reinhardt als Direktor und Richard Lud­wig als Rechner. Sogleich wurden nun umfang­reiche Bestellungen auf Kohlen und Dünger aus­genommen.

Kreis Wetzlar.

* Weh lar, 12. Qlug. Am 20. August findet hier eine Rotvieh bullenauktrvn der Herd- buchgesellschafi für das Vogelsberger Rind statt. (Näheres fiepe Anzeige.)

Starkenburg und Rheinhessen.

* Darmstadt, 11. Aug. Gestern nach­mittag stieß aus der Dickenbacher Landstraße ein Motorfahrer mit einem Personenauto zu­sammen. Der Motorfahrer, Ministerialrat Martin Emmerling, erlitt schwere Arm- und Unterschenkelbrüche und Kopfverletzungen. Auch der Besitzer des Autos erlitt Arm- und Kopfverletzungen, feine Frau schwere innere Verletzungen. Alle Verunglückten wurden nach Darmstadt ins städtische Krankenhaus gebracht, wo die Verletzte Emma Marx aus Groß- Gerau gestorben ist. 3n der Stadt wurden zwei Knaben (Radfahrer) an einer Straßen­ecke von einem Automobil überfahren und so verletzt, daß sie in das Krankenhaus überge­führt werden muhten. Trotzdem die Preise für die Mietplätze des Landestheaters wesent­lich höher sind als früher, ist die Zahl der Mieter bereits so groß, daß die Liste in für* -er Zeit geschlossen werden muh, damit noch einige Plätze für den Tagesverkauf übrig bleiben.

Hesien-Nasiau.

ss Marburg, 11. Aug. Mit dem 4. Säger- tag der Vereinigung ehemaliger Jäger und Schützen war diesmal auch die Eröffnung und Einweihung des Jnvalidenh e i m s für Jäger und Schützen verbunden. An eme Be­grüßungsfeier in den Stadtsälen am Sonnabend schloß sich geftern früh auf dem Kämpfrasen em Feldgottesdienst, bei dem Pfr. Eisenberg die Andacht hielt und der frühere Jägerkommandeur, Generalleutnant v. Borries, an die zahlreich herbeigeeilten Jäger eine Ansprache richtete. Nach­mittags zogen diese in geschlossenem Zuge durch bte Stadt nach der am Ortenberg gelegenen frühe­ren Hvffmannfchen Villa, die man, nachdem von einem Neubau Abstand genommen ist, als Jnva- lidenheim eingerichtet hat. Die dortige Feier bei der Oberstleutnant a. D. Freiherr v. Schenk die WeiherÄe hielt, wurde durch Vorträge der Mar­burger Sängervereinigung verschönt. Nach erfolg­tem Rückmarsch in die Stadtsäle schloß sich dort ein sogGrüner Abend" an und nach eingetre­tener Dunkelheit wurde auf dem Kämpfrasen ein großes Feuerwerk abgebrannt und zugleich das Schloß beleuchtet. Die Veranstaltungen fanden heute mit einem Sportfest der TraditivTrskompagnic und einem Preisschießen auf den Dürgerschieß- ständen ihren Abschluß.

Kunst und Wsssenschast

Der Georg-Düchner-Preis.

Darmstadt, 12. Aug. (Eig. Bericht.) Der Georg-Büchner-StaatsPreis für das Jahr 1924 wurde wie schon an anderer Stelle berichtet, für Literatur Dr. Alfred Bock, für bildeirde Kunst dem Darmstädter Maler Thesing Der- * liehen.