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mutigen oeS ÄonfotOatea unv der Vertrag mt8 den Evangelischen Landeskirchen mit den Vor- schriften der Reichs - und Landesverfas­sung in Einklang au bringen sind.

Die durch die Widerstände gegen das Konkor­dat und die Staatsverträge mit den evangeli­schen Kirchen geschaffene parlamentarische Lage in Bayern wird in parlamentarischen Kreisen als kritisch beurteilt. Für dasKon- kvrdat werden vorauLs.ch'ltch die Bayeri­sche Dolkspartei, der Bauernbund und die Zentrumsabgeordneten der freien Vereinigung geschlossen eintreten. Sollten die Deutschnationalen nicht zu einer ge­schlossenen Stimmabgabe für das Konkordat und die Staatsverträge gelangen, so wäre die An­nahme der Verträge stark in Frage gestellt. Für den Fall der Ablehnung des Konkordats und der Verträge mit den evangelischen Landes- tirchen rechnet man in parlamentarischen Kreisen damit, daß die Bayerische Dolkspartei ihre Mi­nister aus dem Kabinett zurückziehen würde. Da eine Regierungsbildung ohne die Bayerische Dolkspartei unter den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnisfen als unmöglich erschei­nen muh, wäre damit eine Lage geschaffen, die zwangsläufig zur Selbstauflösung des Landtags führen müßte.

Eine scharfe Ablehnung haben das Konkordat und die Staatsverträge aus der evangelischen Landeskirche auch in einer Versammlung der Münchener evangelischen Gemeinde gefunden. Die evangelische Landessynode wird erst am nächsten Dienstag zu einer entscheidenden Be­ratung über die Staatsverträge zusammentreten. Von ihrer Beschlußfassung hcknA aber wesent­lich die Stellungnahme der deutschnationalen Fraktion ab, ohne deren Zustimmung eine An­nahme der Staatsverträge im Landtage mit der notwetrdigen Mehrheit ausgeschlossen wäre.

Kleine politische Nachrichten.

Auf Anordnung des russischen Gesundheits- tommifsars in Moskau, Dr. S e m a s ch k e, wurde Trotzki unter strengster Bewachung nach dem Kaukasus gebracht. Kriegsminister wird sein bisheriger Stellvertreter P j r u n j e.

Staatssekretär Frhr. Ago v. Mal Hahn wird zum Botschafter in Washington in Aussicht genommen. Seine Geschäfte werden von Ministerialdirektor v. Schubert weitergesührt.

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Der Danziger Dollstag hat gestern den Senatspräs.denten und d e b sher g n sechs Senatoren wiedergewählt. De fr ieStelle des Senators des Innern wurde durch Dr. W i o r z i n S k i neu beseht.

Aach einer Meldung aus Washington haben Amerika. England. Beigen, F-ankr.ich, I.pan. Italien und die Riederlande durch en.' in Peking überreichte Rote die vorläuf.ge R.g.erung Chinas anerkannt.

Aus Kairo kommt die Meldung, daß Zag- lul Pascha an Lungenentzündung er­krankt ist. Die Pflege hat eine englische Kran­kenschwester übernommen.

Der Reichspräsident hat an den Dun- Ldespräsidenten von Oe st erreich, Hai- nisch, nachstehendes Telegramm gerichtet: Mit aufrichtiger Freude begrüße ich Ihre Wieder­wahl zum Bundespräsidenten und übermittele ^hnen zugleich namens des deutschen Volkes herzlichste Wünsche für eine glückliche Amts­führung zum Segen Oesterreichs.

Rußlands Wiedereintritt in die Weltwirtschaft.

Don unserem V-Sonderkorrespondenten.

Moskau, im Rovember 1924.

Aachdem vor kurzem die Union der Sowjet­republiken auch von der französischen Regierung offiziell anerkannt worden ist, und da bestimmte Anhaltspunkte für eine im Laufe des Jahres 1925 zu erwartende Anerkennung durch die Ver­einigten Staaten von Amerika gegeben sind, stehen der Wiederaufnahme regulärer, durch Der- träae fest geregelter Handelsbeziehungen Ruß­lands zu den übrigen Gliedern der Weltwirt­schaft eigentlich keine grundsätzlichenBe- denken mchr im W.'ge. De Annullierung des englisch.russischen Vertrags durch Baldwin vermag hieran nicht viel zu ändern, da die Anerkennung de jure unberührt' und der Weg für neue Verhandlungen offen bleibt. Die Verhandlungen mit Japan wegen der Erdöl­vorkommen auf Sachalin sind in den Hauptfragen bereits zu einem Abschluß gekommen.

Den Eckstein der neu zu errichtenden Drücke für die Wiederaufnahme der Beziehungen Ruß-' lands zur Weltwirtschaft wird aber der deutsch-russische Handelsvertrag bilden, über den zur Zeit in Moskau verhandel wird. Der Führer der deutichen Delegation, Mi- nisterialdireltor Exzellenz von Körner, ist ein alter erfahrener Spezialist auf dem Gebiete der Handelsverträge, von denen die irt den Jahren 1904/1906 abgeschlossenen und auch frühere, fast alle unter seiner Mitwirkung zustande kamen. Allerdings ist nicht zu verkennen, daß die jetzigen Verhandlungen in vieler Hinsicht völlig neuartige und bisher nirgends gekannte wirt- schafts- und staatspolitische Ver- haltnisse zu berücksichtigen haben. Es ist die außerordentlich schwierige und komplizierte Frage der dauernden Zusammenarbeit zweier einander direkt zuw verlaufend r Wirtschallssysteme zu losen. Es gilt, eine Basis für wirtschaftliche Be­ziehungen zwischen einem Privatkapitalistisch orientierten Staatswesen und der Sowjetwirt- schaft zu schaffen. Die Auslandpresse folgt dielen Verhandlungen mit gespanntester Aufmerksamkeit von ihrem Ausgange die Inangriffnahme ähnlicher Verhandlungen durch eine Reihe ande­rer Staaten abhängt.

Bisher waren die deutsch-russischen Verhand­lungen von freundschaftlichstem Geiste und vom Bestreben, alle Schwierigkeiten zu überwinden getragen. Es ist zu hoffen, daß diese Tendenz anhalten wird. Dor Weihnachten wird man aller­dings wohl über die Erörterung allgemeiner ^ra- gen kaum hinauskommen. Rach der Weihnacht | pause wird man an die Verhandlungen über De­tails Herangehen. Hierbei werden sich vielleicht eher Schwierigkeiten ergeben, da man natürlich auf russischer Seite scharf darauf achtet, daß das System der Sowjetwirtschaft, insbesondere das Außen Handelsmonopol, nicht durch De- I

stlmmungen der Handelsverträge von außen her durchlöchert wird. Für Deutschland besteht nach den bisherigen Erfahrungen im Handel mit der Sowjetrepublik eigentlich kein Interesse an einem Abbau des Außenhandelsmonopols, da dieses ja gerade der russischen Regierung die. Möglichkeit gab, bei der Verteilung von Aus­trägen und Konzessionen (bei sonst gleichen De»- dingungen) die deutsche Industrie dem Gei st e des Rapollovertrags e n t = spre ch e n d zu bevorzugen. Dies ist nur bei der jetzigen Konzentration der Ein- und Aus­fuhr, nicht aber bei völlig freier Auftragsertei­lung durch zahllose Einzelwirtschaften möglich, ganz abgesehen davon, daß in letzterem Falle die Gewährung längerer Zahlungsfristen und Kredite in Frage käme, wobei Deutschland sicher sehr leicht gegenüber den Amerikanern usw. ins Hin-' tertreffen käme.

Immer wieder taucht natürlich die Frage auf, ob in i t Rußland gegenwärtig überhaupt Geschäfte möglich | n b da ja dieneue ökonomische Politik" seit Ende 1923 durch eine schärfere Betonung des staatswirt» schastlichen Prinzips abgelöst wurde. Im inner- russischen Wirtschaftsverkehr ist die wirtschafts­politische Kursänderung zweifellos sehr deutlich fühlbar geworden. Als ich im Herbst 1923 in Moskau war, sah man allerorten neu:s wirt­schaftliches Leben erwachen und bereits eine ge­wisse private Unternehmungslust sich regen. Die inzwischen eingetretene Bekämpfung des Privat­handels wirkte wie ein Reif in der Frühlings- nacht. Im Handelsverkehr mit dem Auslande ist diese Kursänderung jedoch nicht so sehr fühlbar geworden. Die Außenhandelsziffern sind, beson­ders auch im Verkehr mit Deutschland (trotz des bekannten Konflikts im Mai 1924) kräftig ge­stiegen und würden Wohl noch stärker angewach­sen fein, wenn die deutsch-russischen Beziehungen nicht monatelang getrübt gewesen wären. Selbst­verständlich würde die Aufnahmefähigkeit des russischen Marktes bei etwas freierer Gestaltung des inneren Warenaustausches wohl eine größere fein. Jede staatliche Bewirtschaftung wirkt eben lehr leicht verlangsamend und gestaltet den Umsatz schwerfälliger. Bisher hat man sich in Rußland nie gescheut, aus Fehlern gewisse Leh­ren zu ziehen, und es ist sehr wohl möglich, daß die Rückkehr zur ausschließlichen und starren Staatswirtschaft nicht mehr als ein Versuch bleibt. Der Wiedereintritt Rußlands, in die Welt­wirtschaft kann wohl durch internationale Ver­träge borbereitet und erleichtert werden, die Schritte zum Weltmarkt wird die Sowjetrepublik jedoch auf ihren eigenen Beinen tun müssen. Sie wird dabei die ganz selbstverständ­liche Erfahrung machen, daß man auf natür­lichen Beinen besser marschiert als auf höl­zernen.

Der Haarmann-Prozeß.

Hannover, 10. Dez. (TA.) Der Andrang zu den Verhandlungen bleibt unverm nd rt star. Zu Beginn der heutigen Sihuna werden 26 Zeugen aufgerufen. Die Zeugin Frau Engel erklärt auf Befragen des Vorsitzenden, bah sie bei Haarmann öfter Verk.hr von jungen Leuten beobachtet h .be. Er sei auch oft mit jungen Leuten weggegangen. Auf eine Feige des Vorsitzenden, was die Zeugin sich e g.mttich dabei gedacht habe, baß Haarmann immer junge Leute gehabt habe, erwidert die Zeugin, Haarmann habe ihr ge­sagt, er habe öie Beobachtung der Ob­dachlosen am Bahnhöfe. Da er b nWeg nach dem Präs.dium nicht immer machen wolle, ließ er die jungen Leute immer gleich bei sich. Die Zeugin Elli Schulz w ll Grans nicht immer im Zimmer Haarmanns g.f hen haben.

Aus die Aufforderung des Vorsitzenden an Haarmann, zu erklären, von welchen Pe^onen die 5 Schädel stammten, die Haarmann behauptet, nicht umgebracht zu haben, erklärt Haarmann, durch seine Hand seien sie jedenfalls nicht gegangen. Er habe die von ihm stammenden Schädelkaputgeklvpft". Haarmann fordert Grans auf, fein Gewissen zu erleichtern, worauf Grans entgegnet, er habe die Wahrheit gesagt und brauche fein Gewisse nnicht zu erleichtern.

Bei der Vernehmung des Ehepaares Wit­ze!, der Eltern des ermordeten Robert Wihel, kommt es zu erregten Szenen. Der Zeuge Witzel richtet heftige Vorwürfe gegen die Polizei. Sie habe sich mit der Entdeckung des Mordes selbst den Lorbeerkranz aufsetzen wollen. Wihel sei wiederholt auf der Polizei ge­wesen wegen seines vermißten Sohnes. Trotzdem sei es möglich gewesen, daß noch fünf wei­tere Morde geschehen konnten. Es fei un­erhört. daß sein Sohn unter den Augen der Polizei von so einem Lumpen umgebracht wurde. Für diese Vernehmung waren besondere Vor­sichtsmaßnahmen getroffen. Die beiden Zeugen wurden vor der Vernehmung zwangsweise nach Waffen durchsuchll

Oberstaatsanwalt Dr. Wilde stellt gegenüber umlaufenden Gerüchten fest, daß Haarmann nach der ersten Vernehmung des Zeugen Witzel am 25. Juni niemanden mehr um­gebracht hat.

Die Oeffentlichkeit wird bann bis auf weiteres ausgeschlossen.

Es wurden verschiedene Fürsorgezöglinge vernommen, bei denen es sich hauptsächlich uri die Frage handelt, ob Haarmann seine Opfer gefesselt habe. Zeuge Kreß behauptet mit aller Bestimmtheit, daß Haarmann ihn gefesselt dann aber wieder entfesselt habe, da er ihm die dafür versprochenen 50 Mark nicht vorher geben wollte. Haarmann stellte einen solchen Vorfall entschieden in Abrede. Ein weiterer Zeuge be­hauptet gleichfalls, daß Haarmann.ihn habe fes­seln wollen.

2luf eine Frage des Vorsitzenden an den Zeugen Wittkowsky, ob er einen jungen Mann mit einem Rohrgeslechtkoffer bei Haarmann gesehen habe, erwiderte der Zeuge:3a. Als ich bann nach etwa 14 Tagen wiederkam, bot mir Haarmann den Koffer zum Kauf an. Haarmann erklärt dazu: In der Zeit durfte Wittkowsky meine Wohnung gar nicht betreten, weil ich ihn hinausgeworfen Ne- Auf die Frage des Verteidigers, ob das richtig sei, antwortete Wittkowsky:Rein. Ich

£0 000 Mk. geliehen fjabe und Wi^^d" 2 nicht z u r ü ck g eb e n. wird etmnV"*fltng dann fort. Das

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oaraut auf Donnerstag vormittag 9 Uhr vertagt. |

Haftbefehl gegen Wittkowski.

Hannover, 10. Dez. (TU.) Gestern ist gegen Wittkowski, der von Haarmann schwer be­lastet wurde und sich bann selbst ft eilte, auf Grund der Tatsachen von der Staatsanwalt­schaft der Haftbefehl wegen Mordver­dacht erlassen worden.

Aus aller Welt.

Das Projekt eines ZeppeUnfluges nach dem Nordpol.

Friedrichshafen, 10. Dez. (TU.) Ueber das in der letzten Zeit in der Presse erörterte Pro­jekt eines Zeppelinfluges na chdem Rordpol er­fährt dieTU." von zuständiger Stelle, daß bis jetzt noch von keiner Seite an den Luft­schiffbau Zeppelin wegen des Baues eines Luft­schiffes zu dem genannten Zwecke herangetreten worden ist. Au chist in Friedrichshafen nicht be­kannt, welche Kapitalien etwa zu diesem Zwecke zur Verfügung stehen. Es besteht wohl kein Zweifel, daß die ganze Angelegenheit, die übri­gens ein altes und neuerdings wieder ausgefrisch­tes Projekt des Grafen Zeppelin ist, in dessen Verfolg er seinerzeit die Spitz- bergen fahrt aussührte, erst dann in ein end­gültiges Stadium treten wirb, wenn die erforder­lichen Kapitalien dafür vorhanden sind und wenn eine über die notwendigen Erfahrungen im Luftschiffbau verfügende Stelle wie die Zeppelingesellschaft um ihre Mitwirkung angegangen wird.

Der transatlantische Luftverkehr.

London. 11. Dez. (WTD. FunkspruchH Daily Telegraph" meldet aus Reuyork, eine Gruppe von wohlhabenden Ge­schäftsleuten habe beschlossen, in Verhand­lungen einzutreten mit dem Zwecke, inDcutsch- land gebaute Luftschiffe zu erwer­ben, die für den transatlantischen Handelsverkehr geeignet feien. Dem stehe gtoar die betreffende Bestimmung des Versailler Vertrages entgegen, aber man glaube, daß big Zeit gekommen, sie a b z u ä n d e r n. Die an dem Plan interessierten Personen hätten Schritte unternommen, um die Unterstützung des Staatsdepartements bei der Eröffnung von Verhandlungen mit dem Dmschafterrat in Paris sich zu sichern, bei dem die Entscheidung über diese Frage liegt. Die englische Regierung plant die Errichtung eines Lufthafens bei Wood -rd zur Durchführung des transatlan­tischen Flugzeugverkehrs. Man nimmt an, daß die Arbeiten im kommenden Frühjahr zu Ende geführt fein werden.

Eröffnung der Deutschen Automobil- Ausstellung.

Berlin, 10. Dez. (TU.) In Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden des Reiches, der Länder und der Stadt Berlin, sowie der führenden Männer der einschlägigen Industrie­zweige wurde heute vormittag 11 Uhr die Deutsche Automobil-Ausstellung in den beiden Riesenhallen am Kaiserdamm eröffnet. Der Vor- sitzende der Ausstellungsleitung und Vizepräsi­dent des Automobilllubs von Deutschland, Kon­teradmiral a. D. Rampold, erklärte, hier solle durch die Tat gezeigt werden, was Deu.schlands Technik leistet, was deutsche Hande, Arme und deutscher Geist zu leisten imstande seien. Er hoffe, daß die Ausstellung jeden Besucher von den gewcltigm Fortschritten überzeugen werde, den die Deutsche Automobilindustrie und alle mit ihr zusammenhängenden F Viikations- und Wirtschaftszweige genommen hätten.

Els Jahre verschollen!

Der 11 Jahre im fernen Osten verschollen gewesene deutsche Forscher Oskar Iben- Zeller wird am 8. Dezember mit dem Dampfer ..Tr'.er" in Hamburg eintreffen. Er hatte im F:bruar 1913 im Auftrage der Völle muffen Le pzig und Hamburg sowie des Berlages Ph.fipp R.clam jun.. Lllpzig, eine Expedition angetreten, die ihn zu den Burjaten in der Umgebung des Baikalsees, sodann in das Stromgebiet der mittleren und unteren Lena führen sollte. Rachdem ein Jahr lang sein Untern hrnen pro- grammäßig verlls und vi?lle sprechende Samm­lungen nach Deutschland b för.ert worden waren, brach der Krieg aus und mit ihm für den Forscher eine Reihe von Mißgeschicken. Ge- angennahmm, Intern erungen und Deffchleppun- gen sowie Krankheiten füllt n die nächsten Iahte aus. 3m Auftrage eines Amerikaners drang er bis zur Lenamündung vor. Als Delegierter der Kriegsg fangenen weilte er in Wladiwostok. Rach dem Abtransport der- letzten Kriegsgefan­genen begann er einen Fellhandel in Ola. Sein Weg führte ihn weiter bis Gischiga an der Rord- astecke des Ochotsllschen Meeres, wo er seiner Habseligkeiten beraubt wurde und auf chine- ilck) en Boden flüchtete. Anfang des Jahres 1924 traf die erste Nachricht von ihm wieder in Europa ein. Er wirb feinen Wohnsitz vorläufig in Leipzig aufschlagen, um, bevor er wieder auf neue Fahrten geht, fein Lagebuchmaterial zu ichten.

Ettie schwere Bluttat in Hamburg.

Hamburg, 11. Dez. (WTD. Funkspruch.) Gestern abend wurde hier der 40 Jahre alte Kaufmann Fritz Westfeld verhaftet. West- eld hat eine Frau Heinemann, ihre 21jäh- rige Tochter und ihren 17sährigen Sohn durch Messerstiche schwer verletzt. Die-Tochter ist bereits im Koankenhause gestorben, während der Zustand der Mutter und des Sohnes be- orgniserregend ist. Der Kaufmann Westfeld er­klärte dem Polizeibeamten, daß er ..seine Pflicht getan" habe. 3n seiner Wohnung liege ein gewisser Daliska, den er ermor­det habe. Kriminalbeamte fanden in der Woh­nung den 35jährigen Thoma; Daliska auf. West- eld hatte ihn am Vormittag ermordet. Er be­gab sich bann in das Geschäft der Frau Heine­mann. Westfeld stand mit der F im lie Heinemann in Geschäftsverbindung. Der eemo bete Da.iska war ber Bräutigam des Fräulein Hariet Heine­mann. Der Mörder sprach seine Befriedigung boruber aus, daß ihm seine Rache gelun­gen sei.

Englaud im 3ict>ei.

eöit 24 Stunden herrscht in London und in ganz Südengland so starker Rebel, wie man es jeit Jahren nicht erlebt hat. In den gestrigen Mittagsstunden war es unmöglich, auch nui zehn Schritte weit zu sehen. Die meisten Privatautomobile sind von der Straße verschwun­den und 1300 Automobilomnibusse haben den Verkehr eingestellt. Tausende von Arbei- tew und Angestellten konnten ihre Arbeitsstätte rechtzeitig erreichen. Mehrere Unglücks- falle haben sich ereignet, darunter ein Zu­sammenstoß zwischen zwei Automobilomnibussen, wobei 14 Personen verletzt wurden. Der Rebel ist so dicht, baß er auch in di e Häuser ein gedrungen ist. Im Unterhause mußten die Abgeordneten mit Fackeln in die Ab- ft t mmungsräume geführt werden. Aus allen großen Plätzen und an bedeutenden Stra­ßenkreuzungen brennen große Accetylenllo.mmen

Ein bhantaN-lcheS Iubilä'vn.

Je e.ü mte.in De a I. nelhon-Rach. in ©tdtigo.i e )u)icnciu Roman ,,<»4j<i t,, - ich e n" von A:chard Voß erreichte soeben die Riesenauflage von einer halben Million. Die 500 OOO Exemplare des Buches s nd, aufeinander gelegt, viermal so hoch als die Zugspitze und zweieinhalbmal so hoch als der 'Montblanc.

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Am Tamischbachturm im Gesäuse in ©teier* mart ist von den österreichischen Bundesbahnen in 1350 Meter Höhe die erste Station erbaut worden, die die Entstehung von Lawinen be­obachten soll. Die Station ist, wie Dr. Drexler in derUmschau" mitteilt, mit Wetterbeobach­tungsinstrumenten und Schneepegeln gut aus­gerüstet; sie befindet sich an einer wegen ihrer Lawinengefahr besonder-s gefürchteten Stelle. Die Beobachtungen werden durch Kabelleitung an die Talstation Hieflau wettergegeben und von dort der Zentral-Wetterwarte in Wien gemel­det. Wenn Gefahr droht, kann der Dahnver- kehr in dem gefährdeten Gebiet eingestellt wer­den. Man wird dann Versuche machen, durch Ablassen von Teillawinen größeren Schaden zu verhüten.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 11. Dezember 1924.

Vorfreude.

Mein kleiner Reffe wartet auf Weihnachten. Er hat sich ein ganzes Weihnachtsmärchen zu­sammengedichtet, das aus wenig Wirklichkeit und viel Erinnerung besteht. Sobald sich jemand mit ihm abgibt, fängt er an zu erzählen und zu fragen und Wünsche zu äußern, die er auf seinem kleinen Herzen hat. Ich bin überzeugt, daß alles hernach gar nicht so schön ist, wie ei in der Vorfreude war.

Wir armen Großen! Es geht uns nicht besser. Auch wir machen uns ein Märchen zu- recht und leben in der Freude, daß die Wirklich­keit bann so werden soll, wie wir es erträumt haben. Jeder Mensch trägt in seiner Brust die Sehnsucht nach einem Ideal, das er vor den Augen anderer hütet. Wenn er davon redet, bann ist es nur in Andeutungen und weil ihm das Herz übergeht. Auf die Dauer kann man es ja doch nicht für sich selbst behalten. Und es hat so großen Reiz, wenn man umschreibend mit je­mand von einem Lieblingswunsch sprechen bars, ohne baß der andere den wahren Zusammen­hang ahnt.

Der Volksmund sagt, baß Schadenfreude die reinste Freude sei. Das ist nicht wahr. Die reinste Freude ist die Vorfreude. Es ist viel angenehmer und schöner, sich auf eine Sache zu freuen, als übe r eine Sache, denn die Dinge der Wirklichkeit lassen immer etwas zu wünschen übrig und sind ja doch meistens anders als sie sein sollten.

Solange man etwas ersehnt und nicht besitzt, solange trägt es den Schmelz der Unberührtheit an sich. Man kann es mit seinen Gedanken um­spinnen, in Musestunden vor sich ausbreiten, sich selbst in dem Liebreiz, den es ausstraht, spiegeln und wie ein Kind darauf freuen, weil niemand, wer es auch fei, diese Freude zu stören vermag. Die Vorfreude ist dein Eigentum: hier bist du schöpferischer Mensch, gestaltest und schaffest dir eine Well für dich. Mag diese Welt auch klein fein, aber du bist es, ber ihr Seele und Leben gibt.

Solange jemand sich von Herzen auf eine Sache freuen kann, hat er ein Stück vom Kinde in sich gerettet. Wenn er bas verloren hat, dann gehört er ber harten Wirklichkeit an, dem Raume, in bem sich die Dinge stoßen. Mütter, die sich mit ihren Kinbern a u f etwas freuen können, finb ein wunbervolles Geschenk bes Himmels an Phantasie, Beseelung unb stillem Glück: tote arm finb jene anderen, die die Fragen des KinbeS mit barschen Worten abschneiden unb so nüchtern sagen:Stell boch nicht immer so viel Fragen, du wirst ja sehen, wie die Puppe ausfieht, wenn bu sie in der Hand hast!"

Du wirst ja sehen, zartbesaiteter Mensch, wie bas Leben ist, wenn du es gelebt hast! Schor war daran nur, daß bu glaubtest, eS könne feint Enttäuschungen geben. Es gab Enttäuschungen und wird ewig Enttäuschungen geben, aber deine Lebensfreude und deine Sehnsucht, das war doch dein heiligster Besitz, den dir auch nicht das Wissen rauben kann, daß hernach alles anders geworden ist.

Es bleibt schon dabei, die Vorfreude ist die reinste Freude! Ha.

Gtcftcner Wochernnarktpreise

am 11. Dezember 1924 (Handlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 230240 Pf., Matte 40, Käse 70, Wirsing 8-12, Weißkraut 6, Rot­kraut 1215, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10. Spinat 40, Unter-Kohlrabi 6, Grünkohl 20 Rosenkohl 50, Feldsalat 100, Zwiebeln 15, Meer­rettich 40100, Schwarzwurzeln 4050, Kar­toffeln 5, Aepfel 1220, Birnen 1015, Gänse 100, Rüsse 65, Eier Stck. 1820, Blumenkohl 150.

Wettervoraussage.

Leiter Rachifrost, stärker bewölkt, ftellen- weise Rebelbildung, durchweg trocken.

Bornotizen.

Tageskalender für Donners­tag. Stadttheater: 6»/iHoheit tanzt Walzer". Schwimmverein: 8l/2 Monatsversammlung im Hotel Kohler. Stadtkirche: 5 und 8 Uhr Film­vorführung: Martin Luther. Oberhey Gesell­schaft für Ratur- und Heilkunde: 81/« Hörsaal des Chemischen Instituts (Ludwigstr.) Hauptver-