Wirtschaft.
^ie Kohlenproduktion in Hessen.
Die monatliche Statistik der Kohlenproduk- tion teS Dollsstaates Hessen weist für den Monat 3 ult 1924 folgende Zahlen nach: An Roh- boaunkohlen wurden gefördert 50 654 Tonnen, vertäust wurden davon 14 423 Tonnen; der größte Teil der Rohkohle wurde weiter verarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwe- leveiprodukten erzeugt: 3805 Tonnen Draun- kohlend rikctts, 2439 Tonnen Raßpreßsteine. ' Linier Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Mvnatsschluh absatzfähig: 15 837 Tonnen Rohkohlen. 4745 Tonnen Briketts, 3585 Tonnen Rahprehsteine, zusammen 24 167 Tonnen Draurrkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 194 230 Goldmark.
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• Zur L age dcks Ruhrkohlenmark- t e s. Die Absatzverhältnisse haben sich im Monat Juli derart ungünstig gestaltet, daß Feierschichten in größeren: Umfange vor genommen werden müssen. Der effektiven Einschränkung der Förderungen ist nun auch ein formeller Beschluß der Derkaufsorganisation gefolgt. Augenblicklich sind keinerlei Anzeichen dafür vorhanden, daß der "August eine Besserung in den Marktverhältnissen bringen wird. Der Kohlenmarkt wird indes in der Hauptsache bestimmt von der Lage der Industrie. Hier verschlechtern sich die Absatzmöglich-- keiten täglich. Der Juli war einer der schlechtesten Monate, namentlich für den Eisenmarkt. Der August gestattet vorläufig keinen Ausblick auf ver- inehrten Kohlenverbrauch. Dieser Umstand eröffnet für den Arbritsmartt der Zechen keine Hoffnungen. Im Hausbrandmaterial ist das Geschäft sehr schlecht. Das Angebot ist außerordentlich dringend, zumal, da fortgesetzt neueKohlen firmen als Begleiterscheinung des gelockerten Syndikats auftreten. Die Verbraucher von Hausbrandmaterial begrün» den ihre abwartende Stellungnahme mit der Wahrscheinlichkeit von weiterer Ermäßigung der Preise. Die Preispolitik des Syndikats begegnet selbst in den Kreisen der Zechen einer scharfen Kritik. Die Ermäßigung der Preise ist viel zu spät gekommen, als daß sie belebend auf das Geschäft wirken könnte. Hier trägt zu der schlechten Marktlage mit bei, baf) die Gisenbahnverwaltung mit ihrer Tarifpolitik nur Stückwerk liefert. Im Verkehr der Ruhrkohle mit Holland macht sich übrigens auch die Konkurrenz der Reparationskohle bemerkbar. Die Franzosen haben mit Schiffen der enteigneten Rheinschiffe eine eigene Reederei gegründet, die auch in Holland, u. a. in Rotterdam, Filialen eingerichtet hat. Diese suchen einen erheblichen Teil des Hollandverkehrs an sich zu riehen. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, ist die Stimmung zugunsten der Verlängerung des Syndikats nicht die beste. Reue Anträge auf Ermäßigung der Kohlentarife sind gestellt worden.
* Die Siegerländer Gruben im Juli. Im Monat 3uli hat sich die Lage in der Siegerländer Industrie und den Dillgruben nicht gebessert. Die Detriebseinschränkunge.i haben sich sogar vermehrt, so daß ab 1. August nur noch ,30 Pnoz. der Arbeiter beschäftigt werden. Die Lage der Gruben wird sich, wenn auch die Preise für Eisen herabgesetzt sind, nicht bessern, solange die Absatzkrtse nicht definitiv behoben ist.
* Julius Berger Tiefbau A G.. Berlin. Die a. o. G.-V. genehmigte die Goldmarkbilanz sowie die anderen Punkte der Tagesordnung. Das Aktienkapital wird von 70 Mill. Mark auf 3,5 Mill. Goldmark im Verhältnis von 20:1 umgestellt. Die Vorzugsaktien von 5 Mill. Mark werden sämtlich eingezvgen. Der Auftragsbestand im In- und Auslande ist als günstig an» Kusprechen. Die Aufträge sichern Beschäftigung noch bi^ins nächste Jahr. Es ist daher unter Vorbehalt auf ein gutes Ergebnis zu hoffen.
' Die Lage der o b e r s ch l e s i s ch e n Industri e. Infolge des ungenügenden Absatzes der deutsch-oberschlesischen Steinkohlenindustrie haben sich die Vorräte auf den Halden in noch nie dagewesener Gröhe vermehrt. Deshalb wird auch bei den fiskalischen Gruben das Einlegen von Feierschichten für die kommende Zeit in Erwägung gezogen. Der Koksabsatz in Deutsch-Oberschlesien rst im Juli bedeutend zurückgegangen. Auch die Koksnebenprodukten-Jndustrie leidet unter Absatzschwierigkeiten, namentlich was Ammoniak und Teer anbetrifft. Der Benzolabsatz bewegt sich in normalen Bahnen. Die Rachfrage nach Roheisen ist imIusi unbefriedigend g w sen. DiePreite bewegen sich weit unter den Gestehungskosten. Von den 15 Hochwfenwerken des Reviers sind nur sechs in Betrieb. Der Zinkexport war im Juli ungenügend. Speziell ins Deutsche Reich wurde weit weniger Rohzink ausgeführt als zur gleichen Vorjahrs- *eit. Auch die Rebenprodukte der Zinkindustrie fanden nur schleppend Absatz.
• Skoda Werke A.-G, Pilsen. Die Skoda- werke haben neuerdings russische Aufträge auf
Lieferung von Slfenbaynmaterial tm Gesamtwerte von mirchestens sechs Millionen Tschochenkronen erhalten und wurden außerdem beauftragt, ein Elektrizitätswerk in Krasnojarsk zu errichten.
• Die französische Handelsbilanz. Die französische Einfuhr aus dem Auslande stellte sich ii: den sechs ersten Monaten dieses Jahres auf 17 869 043 000 Franken gegenüber 13 360 128 000 Franken in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die 2bisfuhr hatte einen Wert von 18 907 049 000 Franken gegen 12 310 695 000 Franken im gleichen Halbjahr von 1923. Die Einfuhr aus den französischen Kolonien hatte einen Wert von 2 003 613 000 Franken gegenüber 1299 296 000 Franken im vorigen Jahre; die Ausfuhr nach den Kolonien betrug 2 375 251000 Franken und 1838 168 000 Franken im ersten Halbjahr von 1924 bzw. 1923. Von England wurden in dieser Zeit für 2 485 871 000 Franken Güter eingeführt, gegenüber 2 632 342 000 Franken im Jahre vorher, aus den Vereinigten Staaten für 3 016 088 000 Franken, gegen 2 245 748 000 tm Jahre vorher. DK französische Misfuhr nach ®ngknti> belief sich auf 4 109 812 000 Franken gegenüber 3 013 058 000 Franken im erst en Halbjahr 1923, nach Deutschland auf 2 106 910 000 Franken, während es im vorigen Jahve nur 493 840 000 Franken waren.
Kunst und Wissenschaft.
Schloßmuseum in Dahreuth.
Man schreibt uns aus Bayreuth: Das Reue Schloß in Bayreuth war seit dem Brand von 1753 nicht mehr zugänglich. Später nach dem Wiederaufbau waren verschiedene Behörden darin untergebracht und nun ist es zu einem großen Museum umgestaltet worden. Zweiundzwanzig Räume des Mittelgeschosses sind im Wvhnstil der Epoche möglichst getreu wiederhergestellt worden. Im Erdgeschoß wurde eine Gemäldegalerie und eine geologische Sammlung untergebracht, im Obergeschoß hat das städtische Museum Platz gefunden.
Schnelligkeitsrekvrde von Bakterien.
Man hat jetzt die Geschwindigkeit festgestellt, mit der sich die kleinsten Lebewesen, die Bakterien, foritewegen. Wenn wir hören, daß einer dec schnellsten Bakterien, der Erzeuger der Cholera, in 1 Sekunde den 22. Teil eines Millimeters zu- rücklegt, oder daß die Schwärmsporen einer niedrigen Pflanzenart in 1 Sekunde einen Weg von 1 Millimeter machen, so erscheint uns das als ein rechtes Schneckentempo. Trotzdem entwickeln diese Lebewesen eine geradezu erstaunliche Geschwindigkeit. Wir müssen nämlich die Schnelligkeit ihrer Fortbewegung in Beziehung zu ihrer Fortbewegung in Beziehung zu ihrer Körper- Körpergroße setzen. So ergibt sich, daß die Sporen sich in 1 Sekunde um das 60fache und die Cholera-Vibrionen um das 45fache ihrer eigenen Länge fortbewegen. Das sind aber geradezu ungeheure Geschwindigkeiten, wie sich an einigen uns geläufigen Beispielen verdeutlichen läßt. Ein Schnelläufer legt in einer Sekunde etwa? Meter, also das vierfache seiner Eigenlände, zurück, liniere besten Schnellzüge, die mit 80—90 Kilometer Stundengeschwindigkeit fahren, legen in der Sekunde etwa 25 Meter zurück, also nur den vierten Teil ihrer Eigenlände. Ein Auto von 3 Meter Länge kann in 1 Sekunde etwa 30 Meter fahren, also das Zehnfache seiner Länge. Rennpferde, die in einer Sekunde eine Strecke von 16 Meter durchlaufen, bewegen sich reichlich um das fünffache ihrer eigenen Länge fort. Diese Geschwindigkeiten, die wir im täglichen Geben als sehr bedeutend bezeichnen, find aber gering im Vergleich mit der Fortbewegungsschnelligkeit der Schwärmsporen und Bakterien, die also Geschwindigkeitsrekorde aufftellen.
Buntes Allerlei.
Heiliger Dureaukratismus!
Die 1. Mannschaft des Fenerbacher Fußballvereins war bei dem Verein für Deltogungsspiele Saarbrücken kürzlich zu einem Wettspiel verpflichtet worden. Die Württemberger hatten sich aber irrtümlicherweise nur mit Pässen für das Saargebiet versehen, sv teift sie bei ihrer Ankmtst im Zweibrücker Bahnhof von der französischen Gendarmerie festgenommen und über 10 Tage in Haft gehalten wurden. Einem der Spieler, Eisenbahnsekretär bei der Stuttgarter Reichsbahndirek- tron, wurde bei seiner Rückkehr eröffnet, daß er seinen Urtaub um 1 1 Tage überschritten (I) und für diese Zeit seines Dien st ei n- kvmmens verlustig gehr (!) oder sich diete Zeit auf den Jahresurlaub anrechnen lassen müsse, da die im § 14 des R.G.D. geförterten besonderen Enischuldigungsgründe nicht vorhanden seien. Rur dem Eingreifen des volks- parteilichen Reichstagsabgeordneten Dickes ist es zu danken, daß ter Beamte, dem schon durch seine Festhaltung reichlich Unannehmlichkci ton entstanden waren, vor einer Kürzung feines Geholtes
bzw. feines Urlaubs durch den unyetmkichen Herrn Bürokratismus bewahrt blieb.
Die deutschen Schiftsneubauten seit dem Kriege.
Der Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte hat in dem geringen Umfang, ter unserer Wirtschaft heute gesteckt ist, seine Vollend:ng gefunden, und damit ist eine Grundlage für d:e Wiedergewinnung ter deutschen Seegeltung geschaffen. Außer den Reubaaten wurden zahlreiche an die Entente ausgelieferte Handelsschiffe zurückgekaust. Einen Ueberblick über diese Reubauten von 1919—1923 gibt „Werft, Reederei, Hafen". Die deutsche Handelsmarine umsaßte Mitte 1920 672 671 Tonnen, Mitte 1921 717450, Mitte 1922 1 687 408, Mitte 1923 2 590 073. Die größte Zahl ter auf deutschen Werften im Dau befindlichen Schüsse wurde 1921 mrt 1,071 Mull. Tonnen erreicht. Im Jahre 1922 war die Schiffs- bmdätigTeit erheblich geringer als im Vorjahr, doch wurde tn diesem Jahr infolge der Auf- träge von 1921 die größte Zahl von Schiffen ter Rachkriegszeit fertiggestellt. Die Durchschnittsgröße ter im Jahre 1923 fertiggestellten deutschen Seeschiffe war etwas geringer als im Vorjahre; die Dampfer aber waren größer, nämlich 3100 Tonnen im Durchschnitt gegen 2900 Tonnen 1922. Die Motorschiffe waren durchschnittlich bedeutend kleiner, nämlich 2671 Donnen gegen 4262 Tonnen. Im allgemeinen zeigte sich ein Anwachsen ter Dampf- und Motorschiffe auf Kosten ter Segelschiffe.
Der Omnibus als Kinderwiege.
Wieviele Kunter brüsten sich damit, das „Licht ter Welt" am soundsovielten erblickt zu haben. Einer eingehenden unb genauen Prüfung hält diese Behauptung nur fetten stand. Meistens ist es nur das Licht einer 20-, vielleicht 50terzi- gen Glühbirne gewesen, das einer Gasflamme, vielleicht war es auch nur das Licht einer Petroleumlampe oder sogar Wachskerze, und das wird dann alles in Bausch und Bogen „Licht ter Welt" genannt. Da verdient einer ter jüngsten Engländer eher diesen — übrigens recht zweifelhaften — Ruhm; denn er hatte sich als Geburtsort die belebteste (Straße Londons ausgesucht. Seine Mutter saß im Omnibus, tey gerate die Regentstreet hinauffuhr, 'und an diesem Zeitpunkt fühlte er das unwiderstehliche Verlangen, zurr Welt zu kommen. Und er kam. Mitten in dem Lärm, Getöse und ©ebränge der Weltstadt befand sich nun auf einmal ein neues Menschchen. Ehrerbietig machten ihm alle Mtt- fahrenten im Omnibus Platz. Sie stiegen aus und ließen ihn mit feiner Mutter allein durch die Regentstreet zum nächsten Krankenhaus fahren.
Diergeruch als Entlassungsgrund.
Als ein energischer Vorkämpfer des Alkoholverbots erweist sich der Automobillönig Henry Ford, der unter seinen vielen Tausenden Arbeitern eine strenge Kontrolle eingeführt hat. In allen Fabriken, Werkstätten und Bureaus hat er die folgende Bekanntmachung anschlagen lassen: „Don jetzt an wird es jedem Mann seine Stellung kosten, ohne daß eine Entschuldigung oder Ausrede angenommen wird, wenn sich in feinem Atem der geringste Geruch von Dier, Wein oder Alkohol findet, oder wenn an seiner Person oder in seinem Heim irgendein alkoholisches Getränk gefunden wird. Die Regierung fordert den verstärkten Kampf gegen den Alkohol. So weit es unsere Organisation angeht, wird diese Verschärfung des Verbots auf das Unnachsichtlichste durchgeführt werden."
Türkische Mobilisierung gegen Insekten.
Die türkische Regierung hat in Adana in Kleinasien, wo es vier Dcrumwvllspinnereien gibt, die Bevölkerung mobilisiert und zwar zu dem Zwecke, daß sie die Insetten vernichten soll, die die Baumwollernte und damit den Wohlstand des Landes bedrohen.
Weintrauben als Diehfutter.
In Südafrika herrscht ein solcher Ueterfluh an Weintrauben und Rosinen, daß man sich entschlossen hat, diese Früchte in getrocknetem Zustand als Futter für das Rindvieh zu verwenden. Aus fünf Pfund ftischer Weintrauben wird ein Pfund getrockneter her gestellt, und 100 Pfund getrockneten Weins kosten nicht mehr als 5 Sh. Die südafrikanischen Farmer können, wie aus Kapstadt berichtet wird, kein billigeres Viehfutter auftreiten.
Büchertisch.
— Die Ueberlieferung ter Lebens geschichte Buddhas ist von Legenden umsponnen, wie das Leben jedes großen Religivnsschöpfers. Rirgeads aber hat sich die Dolksphaniasie zügelloser gestaltet als gerate in Indien. Interessant ist es nun, den Ausführungen Dr. L. Lang zu folgen, die er in fernem soeben bei ter Franckhscheu 'Der- lagshandlung in Stuttgart in ter bekannten
Der Alte arss Topper.
Roman von Hanns t>on Zvbeltih.
39. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Lentulus hat den betten oft genug von des Königs deffiziler (Situation gesprochen. „Sa nehmet hoalters an, ich wär' Seine Majestät. Da kommt von Süd her einer, ter will mich würgen, das sein meine alten Kameraden, die Oesterreicher, ilnö von Ost her kommt einer, ter will mich totschlagen, das sein die Russen; von Westen marschieren die windigen Franzosen mttsamt den Hallodris, den Reichsvölkern, und wollen mir an die Gurgel; und im Rorten machen sich die Schweden mausig. Da soll ich mich wehren. > Da wehr' sich einer! Schlag' ich dem einen über den Schädel, fallen mich die anderen an. Gvtt's Blut — ja — nun unser König wird schon Rat wissen."
Die Prüfungen, schien's. wollten kein Ente nehmen. Im Juni wurde ter tapfere Fouque, Friedrichs Freund, den er den preußischen Leonidas nannte, in Schlesien vom Laudon attackiert, fiel selber in Feindes Hand, und sein ganzes Korps ward in achtstündigem, blutigem Kampf vernichtet, fünfzehn Bataillone; nur sechzehn Schwadronen konnten sich durchhauen. Damit stand Schlesien dem Feinde offen, konnte auf Breslau marschieren, konnte dorten den Russen die Hand reichen
Tas feste Glatz fiel, Laudon belagerte wirklich die schlesische Hauptstadt. Doch da kommandierte ein Mann, ter nicht mit sich reden lieh. War ter General Tauentzien, von dem einmal sein Sekretär, ein gewisser Gvtthold Ephraim Lessing, der nachher zu den großen Dichtern der Ration zählte, geschrieben hatte: «Wäre ter König so unglücklich gewesen, feine ganze Armee unter einem Baume zu versammeln, General
Tauentzien hätte sicher mit unter diesem Baume > gestanden.' Schätzten gewalttge Rosinen im eige- I nen Sack, die Oesterreicher, liehen ihm sagen: wenn er nicht kapitulierte, würde nach ter Einnahme das Kind im Mutterleibe nicht geschont werten. Woraus er erwiderte: seine Preußen seien nicht schwangere Weiber. So hielt sich Breslau, bis Prinz Heinrich ter m ter Renmark gegen die Russen gestanden, zum Entsatz heran- rücken konnte.
Run endlich — ter Hochsommer war gekommen mit schwebender Glut — rührte sich ter Cunctator, ter Dann, aus seinem Lager, zog gen Westen, nach Schlesien; ein wenig getrennt ton ihm Lach, mit einem anderen Heeres teil. Dachten, sich mit Laudon zu bereinigen. Wollten dann eine Dataile riskieren und dem König völlig ten Garaus machen.
So marschierte auch Friedrich westwärts, spähte scharf nach einer Gelegenheit, einen Gegner einzeln anzufallen. Lagerte am 14. August bei Ltegnitz, hob sich am Abend von dannen, um nicht in ter Mausefalle im Tal überrascht zu werten, ließ sein Heer in ter Rocht auf ter Höhe rasten. — Lag hinter Pfaffendorf am Feuer, das die Pagen schüren geholfen, in seinen Mantel gewickelt, sah in die Sterne. Der alte Zieten hielt Wacht mit seinen Husaren.
Lind ha kam Fortuna. Wie die Glücks- brrngerin sv oft knnmt, ganz unerwartet.
Sprengt ter Husarenmajor Hundt heran: „Wo ist ter König?"
Der Lentulus, der Pirch, ter Zabeltitz sind gleich hoch.
„Der Feind marschiert in großen Massen heran, ton Osten herauf!"
Hallo! Auf eine Attacke D-rmis hat man gerechnet, doch das kann nur ßaufcxn sein. Fassen.
greifen, festhalten muh man das Glück, wo es sich bmit. Die Gaule heran! In den Sattel! Abarm! Wer lagert zunächst?
Da stehen schm die Grenadierbataillone Rathenow und Rimschewsky; auch eine schwere Batterie ist parat. Vorwärts — marsch! Der König — ter König ist an ter Spitze. So nah ist ter Feind, daß gleich die Gewehre knattern und die Kanonen brüllen. Wollt' uns der Lauten überfallen, jetzt haben wir das Prävenire! Drauf und ran!
Er wehrt sich, er zeigt ferne Pranken. Durch Rächt und Dunkel brausen seine Reiter vor. Die Knockow-Dragoner, die Prinz Heinrich-Kürassiere werfen sie zurück. Er bringt sein Fußvolk in Schlachto'ddnung. Aber unaufhaltsam stürmen die Preußen vor. Kurze Zeit schwankt der Kampf. Laudon setzt sein zweites, sein drittes Treffen ein. Vergebens. Richt hilft ihm heut die Zahl: zwei- unddreihigtaufend gegen zehntausend Mann Da ist das Regiment Prinz Ferdinand, da sind die Regimenter Wetell und Altbraunfchweig, da ist das dritte Bataillon Garte unter dem löwen- mutigen Möllendorf — die lassen sich nicht lumpen. Und da ist — Hut ab — das Regiment Anhalt-Dernburg, einst des alten Dessauers. Das hat etwas auf dem Kerbholz, hat etwas gutzumachen. Hat vor Dresden, ein paar Wochen erst ist's her, die Ungnade des Königs auf sich gezogen; Offizieren und Unteroffizieren nahm er die Hut treffen, den Burschen die Bandlitzen, die Tambours durften den Grenad'ermarsch nicht mehr schlagen. Sie schnaubten Wut, afwe, tont Obristen bis zum letzten Mann tm Gliete. Mit dem Bajonett fallen sie die österreichischen Reiter an, stürzen sich auf die Infanterie. Es hilft tes nichts, wackerer Laudon, du mußt sudlet Mußt zehntausend Tote, Blessierte, Gefangene lasten.
Sammstmg „Wege zur Erkenntnis"' erfchtmenW» Buche „Buddha und Buddhismus (Grundpreis geh. 1,20 Mt, geb. 2 ML) veröffentlicht. Dr. Lang, der Buddha und Näa» Lehre eingehend erforscht hat und bei ter Dev» öffentlichimg seines Buches von L. Antendvand, ter selbst längere Zeit im Lande DuddhaS wellte, unterstützt wurde, behandelt in knapper, habet aber nichts Wesentliches beiseite lassender Form Buddhas Leben, die Buddhalegente, die Lehre des Buddha, seine Ordensregeln, die attbuddhi- stische Literatur, die Kunst des Buddhismus, feine Ausbreitung in Asien und auch im häutige* Westen.
— Dr. Wilhelm Köppers: Untet Feuerland-Indianern. Eine Forschungsreise zu den südlichsten Bewohnern der Erde mit und im Text und 1 Karte. (Strecker & Schröter, Stuttgart. Geh. 4,50 Mt, Lbd. 6 Mk.) KopperS M. Gusinte. Mit 74 Abbildungen auf Tafeln gibt tiefste Einblicke in das Seelenleben eineS wahren Urvolkes. Gr konnte an ter Jugendweihe und an Festen teilnehmen, die noch kein Fremder gesehen hat, über Aberglaube, Mythologie, die Ausbildung der Medicimänner viel unbekanntes hören und sich manches Märchen erzählen lassen und aufschreiben. Aber das erstaunlichste Ergebnis dieses Eindringens in ur- weltliches Denken, Tun und Treiben ist doch die Entdeckung eines ausgebildeten alten Ein- gottglaubens und einer altruistischen Sittenlehre, die auf einer so hohen (Stufe steht, daß i&te Angehörigen ter heutigen „Kulturvölker" vor diesem feit Darwins einseitigem Bericht als religionslose und kannibalisch verschdenen „Ratur- Volk" teschämt die Augen senken muffen.
— Die Tragödie des ParacelfuS, Ein Jahrtausend deutschen Leides, von A France-Harrar. (In Halbleinen geb. 9 Mk. Verlag Walter Geifert, Stuttgarr/Hell- bronn.) Wie ein erschütterndes Drama rollt sich die Giftmordtragödie ter deutschen Seele auf, Vergangenheit. spiegelt modernste Probleme wieder, int Widerschein des Einst erblickt man Lösten» gen, die auch die unfern werten müssen, soll unser Volk noch eine Zukunft haben und „dÖrtsche Kultur" etwas Eigenes und Anderes fein als Abglanz und geborgter Flitterkram. Das Buch ist viel mehr als ein Lebens- ober auch nur ein Zeitbild, so interessant auch jene Zeit der großen Shphilisepitemie, ter ausllingenden Pest, des Endes ter gotischen Menschen und der duntel geheimnisvollen Welt der Zauberer und Gold- köche an sich auch gestaltet ist. Es ist «hier ein für all2mal gezeigt, was „deutsch sein" heißt und auf welchen Wegen für jeden von uns einzelnen und für uns als Volk -Untergang und Aufstieg liegen. (
— Das Testament Friedrichs des Großen. Friedrich der Große gehört zu den großen Führern unserer Ration. Der Geist des Pflichttewußtseins und der GerechtiAeit, den er selbst besessen und dem er nachgelebt hat, ist ein Erbstück, das wir uns neu erwerben müssen, trenn wir vor dem Urteil der Geschichte bestehen wollen, und nirgend hat sich dieser ernster, schlichter und ergreifender ausgesprochen als in dem Testament, das der König mit eigener, sorgsamer Hand im Jahre 1769 niederschrieb. 2ut geworden, war er aus dem Kampf der sieben Jahre zurückgekehrt. Mehr als einmal hatte er, ter immer Gift als letztes Heilmittel bei sich trug, ten Tod als Freund und Erlöser empfunden. Gr hatte die Richtigkeit aller Güter erkannt, selbst die des Ruhms, an dem sein junges Herz gehangen hatte. Run teilte er sein persönliches Gut an die Seinen auf, der erste Fürst, der Staats- und Privatvermögen streng unterschied. Ater auch in diesem, nur für seine Verwandten bestimmten Dokument, offenbart sich sein philosophischer Geist, seine brennende Vaterlandsliebe, sein fühlendes Herz. Der Volks verban d der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H. Berlin W, auf dessen ausgezeichnete Bucherscheinungen wir schon des öfteren hin- gewiesen haben, bringt in Form eines unverkäuflichen Werbebändchens, das er seinen Mitgliedern für die Werbung eines neuen Mitgliedes kostenlos zur Verfügung stellt, zum ersten- jnat dieses Testament, herausgegeten von Friedrich von Oppeln-Dronikowski, mit feinsinnig gewählten Menzelschen Zeichnungen geschmückt, in originalgeteeuer Wiedergabe hercmS und zwar genau so, wie es Friedrich der Große auf einen preußischen Stempelbogen nieterge* schrieben hat.
Kronz-Drog. August Noll, P. J. Blöbs, Drog. Georg
Wallenfels, Drog. 0. WinterhoIL 4146c
Das war ein Sommermorgen, als die Sonn« auf ging über dem Dlachfeld! Als die SiegeS- trophäen gezählt wurden. Als ter König, strahlenden Auges, von Truppe zu Truppe ritt! Hatte oft genug in trüben Monden geklagt: sein Fußvolt sei nicht mehr das alte, unbesiegbare; heut nahm er's zurück Stand da, in Linie aufmarschiert, das Regiment Anhalt, das so Hari ge- schmähte. Rahm Friedrich seinen Hut ab: „All eure Ehrenzeichen sollt ihr toieter haben und meinen königlichen Dank dazu!" Trat ter eisgraue Flügelmann ter Leibkompagnie vor — Fan sei hieß er, hatte noch unter dem Dessauer gedient: „Ich danke Eurer Majestät im Ramen meiner Kameraden, daß Sie uns unser Recht wieder geben." Sagte ter König: „Ihr seid brave Bursche." Darauf ter Facher: „Wie sollten wir nicht? Wir kämpfen für die Religion, für Euch und das Vaterland." Die Soldaten umdrängten jubelnd Friedrichs Pferd: „Run sind^Eure Majestät doch wieder unser gnädiger König!" Ihm ater schossen die Tränen in die Augen. IInb bei Page Zabeltitz sah, wie er feine Prise Contenance nahm und daß ihm die Brocken auf die Uniform rollten, und dachte wieder: der Rock mühte endlich einmal in Mutters Waschtrog. Mittags, kaum daß er einen Löffel Warmes im Leite gehabt, nahm er sein Crayon, kritzelte auf ein Blatt Papier, das er dem Eichler, dem Kabinetts rat, abgctettclt: .Viktoria! Heut Haben wir's tenen gezeigt, ten Oester reichern, nu kommen die Russen an die Reih'. Hab' mich brav gehalten, hat der König gesagt. Ist auch gar nicht schlimm gewest, ist zu schön solch ein oieg. Ihv sollt auch Ihr, hoff' ich, batte Ruhe haben im Lande. Ich bin ter gnädigsten Frau Mutter untertänigster Sohn Kaspar.'
(Fortsetzung folgt.)


