Die Bantiger.
Roman von Hermann Stegemann.
24 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Da kam am Abend daraus der Befehl zum Abbruch des Strecks. Bantiger hatte unter Aufopferung seiner persönlichen Interesse.! die Wiederaufnahme der Arbeit erzwungen. Aber der kalte Herbslregen, der, vom Wind getrieben, über den Wolfenberg flog und in gurgelnden Bächen von der Flanke des Gebirges rann, machte die Arbeit zu schwerer Fron.
Der Regen hielt an.
„Es ist Zeit, bah ihr nach Runs zurückkehrt," sagte Lenz zwei Lage später nach dem Abende!sen.
„Ich möchte lieber hierbleiben,"> erwiderte Ens ruhig, während Yvonne dankbar nickte.
Lenz lächelte nicht. Er hörte aus dem Ton ihrer Stimme, dah sie nicht an Pometta dachte.
„Der Vater kommt morgen für drei Tage hierher," entgegnete er einlen.end. „Er will dabei sein, wenn wir die grohe Ausschachtung mit Eisenblerrden auskleiden. Pometta ist schon lange im harten Gestein, wir machen wieder normale Fortschritte und die Rordmannschaft ist sogar weit im Dorsprung, aber vom Eidenmoos druckt es doch stärker, als ich dachte. Dicht dahinter ist eine ganze Quetschschicht in Bewegung gekommen."
Er zerdrückte seine Zigarre, während er sprach, schien aber sonst ganz ruhig.
Als der Baumeister etntraf, hatte er nur Sinn für den Dau. Er fuhr mit in den Tunnel und kroch mit Pomettas Mineuren bis' zu den Bohrmaschinen. Sein Lederzeug triefte, das Wasser sackte ihm in die Schuhe, aber nichts focht
ihn an. Er war wieder der harte, Eifer und Schwertz heischende Herr und griff selbst zu, als ein übervoll mit nassen Gesteinsbrocken beladener Karren umstürzte und die Gleise verschüttete.
„Das bihchen Wasser," lachte er verächtlich, als es ihm breiig über die Fühe quoll. „Mir reicht's bjs zum Kinnl"
Er machte kein Hehl daraus, dah ihn die Beilegung des Streiks viel gekostet hatte, aber er forderte keine Teilnahme und trug die Last mit dem Dewuhtsein, dah er nicht anders handeln konnte. Er war seiner so sicher wie je, und diese Sicherheit übertrug sich auf alle, die mit ihm waren.
Lenz hatte einen Brief Jörgs erhalten, dem er von den schwierigen Tunnelarbeiten und der wachsenden Verantwortung erzählt hatte. Er fand keine Zeit, die lange Epistel des Bruders mit Andacht zu lesen. Jörg sah noch am Ragne- fjord, hatte indes das Malen in neckerwachter Selbsterkenntnis wiederum aufgegeben und schien wieder einmal mit der Welt fertig und mit sich selbst zu Ende zu sein.
„Wenn ich ein Achter wäre, was ich auch nicht bin, schrieb' ich ein Heldenlied. Drüben, über dem Fjord, liegen die verwitterten, vom Feuer zerfressenen und vom Schwamm überquol- lenen Trümmer eines alten Hofes. Aber ein Stück Weg ist abgestürzt und der Berg hängt vornüber. Ich seh ihn in der Spiegelung des WasserS bis in die kleinste Falte. Man kann nicht mehr hingelangen.
„Ich möchte hin.
„Die Brandstätte lockt mich. Ein Köhler hat mir erzählt, dah sie von einem Hof herrühre, der erstürmt und verbrannt worden sei, weil der
Hofherr die Kleinhvfner geschunden habe. Er fei mit seiner Tochter darin geblieben, und das Mädchen habe keine Gnade genommen, sondern sei freiwillig mit ihm gestorben. Das ist ein Stoff, aber mein Dichten ist matt wie meine Farben, und ich hab' keine Phantasie.
„Das Mädchen ist die Ens, so schlecht arbeitet meine Einbildungskraft. Oder ist's Sehnsucht, Heimweh — ich könnte mir denken, dah ich am Rande hinginge, bis der Fjord zu mir heraufgreift und ich in seinem grünen Wasser kühle Ruhe fände. Du kennst diese Stimmung aus alren Briefen, aber der Weg lockt mich, und ich glaube, die Ens bliebe auch mit ihm im Balkenhaus. Er lag schon von einem Beil tödlich getroffen, da stand sie noch auf der Schwelle und scheuchte die Bedränger, indem sie rief: „Er lebt noch, ihr könnt ihn nicht fällen!" Da legten sie Feuer an die Vorhalle und verbrannten die Lebendige mit dem Toten."
Lorenz Bantiger hatte nur diese novellistische Episode in sich aufgenommen und ertappte sich dabei, dah auch er den beiden, die da trotzig zugrunde gegangen waren, die Gestalt des Vaters und die Züge seiner Schwester lieh. Er zeigte Ens den Brief nicht, und das Schreiben geriet rasch in Vergessenheit, denn der Kampf mit dem Berg litt keine Beschäftigung mit airderen Dingen.
Es ging vorwärts.
Am dritten Tag dachte der Baumeister an die Abreise. Yvonne begann zu packen.
Ens blieb still und verschlossen, aber ihr Auge hing an dem Dater und mied Pometta. Die Fahrt und der Kuh schienen aus ihrem Gedächtnis gelöscht, und Giovanni wagte nicht, sie
Daran zu erinnern, um den Bann mcyr zu vr«yen.
„Wir fahren evst gegen Abend," sagte der Baumeister, als er aus dem Bureau tarn und sie zu Tische gingen.
Sie waren allein.
Lorenz war mit der zto?ii«n Schicht einge» fahren. Es war ein klarer, kalter Tag. Im Kamin brannte ein Wurzelklotz.
Als sie sich setzten, wurde der Baumeister noch einmal ans Werktelephott gerufen. Er kam nicht wieder.
Rach einer Weile stand Ens auf und ging nach ihm fragen. Sie fand ihn nicht. Sie streb aus älnruhe und ausweichende Antworten. Er fei zu den Maschinen, nein, itV<Wß Tunnelbauhütte gegangen. Sie blickte in den Hof hinunter. Dort war gröbere Hast als sonst. Ein Automobil mit der Rotkreuzflagge am VerLeck schob sich schwerfällig die Rampe hinunter. €512.trat an das kleine Fernrohr, das am Fenster des Bürcaus angebracht war und auf die Tunnelöfsnung zielte.
Als sie sich wieder aufrkHkete, war sie schnee> weih im Gesicht. Einen Augenblick stand sie regungslos, keiner Bewegung fähig, dann stürzte sie hinaus. Sie fragte nicht, sie wußte, dah etwas geschehen war, sie tfU den Ledermantel an sich der schon zur Fahrt. bereit lag, und eilte hinnnter. Der Zweisitzer des Arztes schob über den Hof, als sie die 'Sprtreppe hinabflog. Sie winkte, und ihre Erscheinung wirkte so Gehorsam heischend, dah der Wagen hielt. Run flieg sie ein, setzte sich ttdfen den Arzt, der vergebens Lur Umkehr mahnte, und fuhr mit ihm zu Tal.
(Fortsetzung felgt)
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Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Göbelnrod für das Rechnungsjahr 1924 liegt vom 12. Juni 1924 ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer der unterzeichneten Bürgermeisterei offen. Während dieser Zeit können Einwendungen dagegen schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden. Es ist die Erhebung .einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben.
Göbelnrod, den 7. Juni 1924.
Hessische Bürgermeisterei.
Weber. 47990
Bekanntmachung.
Die Voranschläge der Gemeinde Allen- dorf a. d. Lda. für die Rechnungsjahre 1923 und 1924 liegen von Freitag, den 13., bis einschließlich Donnerstag, den 19. Juni 1924, auf dem Rathaus zu Allendorf a. d. Lda. während unserer Dienststunden zur Einsichtnahme offen. Innerhalb dieser Frist können bei uns Einwendungen schriftlich oder mündlich zu Protokoll vorgebracht werden. (Es Ht die Erhebung von Umlagen be- schlossen, zu denen auch die Ausmärker herangezogen werden.
Allendorf a. d. Lda., den 10. Juni 1924. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda.
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Jugendliche haben nachmittags ermäßigten Eintritt
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Die Tragödie von Mayerling. 6 Akte.
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