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nr. 87

Erscheint täglich, außer Sona, und Feiertag», mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter

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Erster Blatt

(74. )ayrgang

Stettag, u. April I92f

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oherhessen

Druck vnd Verlag: vrühl'sche Universitatr-Vuch- und Sfeinörtiderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Sesch^ftrstelle: Zchufttraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer du zum Nachmittag vorher ahne jedeDerbindlichKeit Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Dreiteörtlich8,auswärts 10 Goldpsennig; für Re- Klome-Anzeigen o 70n m Breite 35 Goldpfennig, Plvtzvorschnst 20", Auf. schlag. - Derantwortlich für Politik u. Feuilleton: Or. Friedr. Wilh Lange; für den übiigen Teil: ErnstDlumschein;fürden Anzeigenteil . Hans Beck, sämtlich in ©iefjen.

Hugo Sünnes f.

Berlin. 10. April. (WTD.) Hugo StinneS ist heute abend 8.30 Ahr bei vollem Bewußtsein gestorben.

Der R e! ch s k a n z l e r sandte FrauCtin- neS folgendes Telrg amm: Sief jetoert erfahre ich soeben von dem schweren Verlust, den Sie, gnädige Frau, und Ihre Kinder du^ch Len Lod Ihres auch von mir hochgeschätzten Gemahls erNtten haben. Mit Ihnen trauern weite Kreise deS deutschen Volkes, die in dem Verstorbenen mit Recht einen entschlosse­nen und weitsichtigen Führer auf wirtschaftlichem Gebiet verehrten. Zu früh wurde er Ihnen und dem Vaterlande ent- it frn. Tlamens der Re'.chSiegierung spreche ich Ihnen aufrichtige und herzliche Teilnahme aus.

Der Verstorbene wurde am 12. Februar 1870 in Mülheim a. d. Ruhr geboren. Sein Bildungsgang war der in den Krei en der rhei­nisch-westfälischen Industriellen übliche. Er verlieh Ostern 1888 das Realgymnasium seiner Vaterstadt mit dem Reifezeugnis, absolvierte die Berliner Bergakademie und war längere Zeit auf der ZecheWiesche" als Bergmann sowie in den Kessel-, Maschinen- und Brikett- anlagen praktisch tätig. Ostern 1890 trat er in die Firma Matthias StinneS ein, an der er zunächst mit einem Fünftel beteiligt wurde. Im Jahre 1893 gründete er eine eigene Firma und leitete nebenher die Stinnes-Zechen in Essen, die er rasch technisch und kaufmännisch reor­ganisierte. Seit dem Jahre 1903 nahm Hugo StinneS bereits eine führende Stellung im Kohlensyndikat ein.

Gelegenheit zur vollen Entfaltung seiner organisatorischen Fähigkeiten bot sich Hugo StinneS erst in der Nachkriegszeit, als die rheinisch-westfälische Grohindustrie vor die Aufgabe gestellt wurde, die ihr nach» dem Verlust ihrer Werke in Lothringen und Luxem­burg verbliebenen Produktionsmittel zu neuen Einheiten zusammenzufassen. Die Deutsch- Luxemburgische Bergwerks- und Hütten 2I.-G. hatte durch den Versailler Vertrag einen grosten Teil ihrer Rohstoff­basis verloren und auch diejenigen Werke eingebüstt, die Zwischenfabrikate Herstellen. Mit den verhältnismästig geringen Mitteln, die Deutsch-Lux als Entschädigung für diese Verluste zuflossen, wurden, da für Neubauten keine ausreichende Zeit vorhanden war, eine Reihe bestehender Unternehmungen angekauft. Daneben wurden sehr wichtige Interessen­gemeinschaften mit dem Stahlwerk Brüning- yauS, der Friedrich Thomöe Ql. G. in Wehrdcn und anderen Gesellschaften geschlossen. Noch fehlte aber die ausreichende KohlnbasiZ. Hier begegneten sich die Sicherungsbestrebungen von Deutsch-Lux mit dem Wunsche der G e l - senkirchener Bergwerks A.G. (Kir­dorf), die ihre Verfeinerungsbetriebe durch den Versailler Vertrag verloren hatte und auf den Stand von 1904, d. h. denjenigen einer reinen Zeche, zurückgeworfen wurden. Bei den Verhandlungen zwischen beiden Werken muhte psychologischen Momenten in kluger Weise Rechnung getragen werden. Es be­deutete für Emil Kirdorf ohnehin schon ein grohes Opfer, dast er durch die Verhältnisse genötigt wurde, sein Lebenswerk mit einem anderen zu verknüpfen. Die Selbständigkeit von Gelsenkirchen wie von Deutsch-Lux wurde deshalb grundsätzlich gewahrt und den wirt­schaftspolitischen Notwendigkeiten durch Ab­schluß eincS IntcressengemcinschastsvertrageS auf 80 Jahre Rechnung getragen. Dieser Vertrag betont aber ausdrücklich, daßdie Wirkung einer Verschmelzung im Rahmen dec verbürgten Einheitlichkeit möglichst erreicht werden" sollte. Diese Einheitlichkeit wurde sichergestellt durch die Gründung derRHein- El b e - U n i o n G. m. b. H. in Düsseldorf, in deren Hände die zentrale Geschäftsführung gelegt wurde. In geschäftlicher Beziehung setzte nunmehr ein inniges Hand in Hand ar­beiten zwischen Deutsch-Lux und Gelsenkirchen ein. Man gestand sich gegenseitig Befugnisse zu, die sonst nur die Folge einer Fusiyn zu sein pflegen. Der Prvduktionsplan wie die Finanzvolitik und die Betriebsführung wur­den einheitlich festgelegt. Selbst für den Fall der Bilanzaufstellung und Gewinnverteilung wurden feste Abkommen getroffen. Damit war defactv ein Konzern geschaffen, der die Produküon von Kohlen, Erzen, Eisen, Stahl, Fvrmeisen, Blechen, Rohren, Werkzeugen, Schrauben und Nieten, Eisenbahnmaterial, Land- und Wasserfahrzeugen in sich verei­nigte. Ende 1920 wurde der Rhein-Clbe- ilnlon von bankmännischer Seite Hugo Herz­feld in Berlin, ein Paket Aktien des Bochu­mer Vereins für Bergbau und Guststahlfabrikation A. G. en geboten. Es bestand die Gefahr, daß diese Aktien von valutastarken Ausländern erworben werden konnten. Sie wurden zunächst von einem

Ausland und Sachverständigenbericht.

Die Behandlung der Gutachten vor der Neparationskommission. Die Anhörung Deutschlands.

Paris, 11. April. (WTD.) Minisier- pra'i^ent Poincare wird heute vormittag mit lem f anzö ifchen Dele i rtra in 7e: Depa- ra ion^kommi s on Lons Darthou verhan­deln. Um 3 Ahr nachmittags findet die erste offiziöse Sitzung der Delegierten der Reparationskommission statt, in der die erste Aussprache über den Sachverstän- digenbericht erfolgen soll. Nickt nur Louis Darthou, sondern auch der englische Delegierte Dradbury werden über den Standpunkt ihrer ReLirrunoen Bericht erstatten können, denn letzterer trifft heute vormittag von Lon­don hier ein. Auch, der zweite belgische Dele­gierte G u t t hat inzwischen mit tem belg schen Ministerprä identen Lheunis konferiert. Cs ist also, nach LemPetit Par sien", nicht aus­geschlossen, daß die offiziöse Sitzung m eine offizielle umgetoante't und dast nsicht- lich der zu verfolgenden Prozedur ..^leicht schwn heute irgendeine Entscheidung getroffen wird. Das Blatt ist aber vorsichtig und meint, das sei nicht wahrscheinlich, weil der italienische Lelecierte zweifel­los verlangen werde, daß nichts entschieden wird, bevor er nicht nach Rom gereist sei, um mit Mu plini zu verhandeln.

TerTemps" schreibt, die Do schlüge der Sachverständigen fielen zum Teil in den Zu- st5n'.i kei Säereich ter Rcpa ationskommi s on, zum Teil in den der alliierten Regierungen. Es handele sich als) zunächst darum, sie in Lie­ser Beziehung voneinander zu srudern. An­schließend sri die Entscheidung darüber zu tref­fen, ob Vertreter Deut'chlandS gehört werden und wann diese Besprechungen, die der Temps" bereits als wahrscheinlich betrachtet, stattfinden sotten. Anter Berufung auf Artikel 234 deS Versailler Vertrages schreibt der Temps" sogar, daß die Reparationskommif- sion dieAnhorungdeutscherVertre- t e t, bevor sie sich über Len Lack verständigen­plan ausspreche und ihre Vorschläge zwecks Abonde ung der ZahlungsmoLaliiatrn für die nächst:u Jahre Len in e a li'e t n Regierungen unterbreite, nicht unr ein könne.

Keine Verschiebung der deutschen Entscheidung.

Berlin, 11. April. (Pridat-Telrgr.) Das ZR eichskabinett w'rd sich heute in einer Sitzung mit dem Gutachten der Sachverständigen beschäftigen. Wie mehr.re Blätter m tteilen, toirö die deutsche Regierung die Losung^d:r mit den Sachverständigenber'.ch en zu amme chängenden Fragen nicht etwa bis nach den Neu­wahlen verschieben. D'.e Auffassung, dast es im Interesse der deutschen Politik liege, einer Aufforderung der Repara tion I kommi, sion um Stellungnahme zu den Sachverständigengutachten seitens der deutschen Regierung sofort zu ent­sprechen, werde der »Voss. Ztg." zuiolge auch von den großen Wirtschaftsverbänden ge­teilt, die in den nächsten Tagen ebenfalls zusam­menkommen werden, um über die Gutachten zu beraten.

Amerikas Ansicht.

London, ll.Aprl. (WTD) Einer Reuter­meldung aus Neuyork zufolge sind die ameri­kanischen Blätter der Ans'cht, dast das Gutachten der Reparationsfachckerständigen den Weg zu einer friedlichen Regelung weise und Deutschland zugleich die Möglichkeit biete, finan­ziell und wirtschastl'ch auf die Beine zu kommen. DieReuyork World" schreibt, der Bericht könne zum Ausgangspunkt eines allgemei­nen Aebere inkommens genommen wer­den. Der Erfolg dieses Planes hänge von einer Anleihe ab, deren größter Teil in Amerika und Großbritannien gezeichnet werden müsse.

Die amtlichen Kreise

sind nicht geneigt, ein Urteil über den Bericht abzugeben, bis sie Zeit gefunden haben, ihn im einzelnen zu prüfen. Man macht aber keinen Versuch, die Hoffnung der amerikanischen Re-

Grostbank-Konsortium und dann von der Sttnnes-Gruppe übernommen, so daß die Rbein-Elbe-Anion durch diesen Erwerb, vor allem ihre Kohlengrundlage und ihre Stahl­produktion weiter ausbauen konnte.

Eine der grandiosesten Kombinattonen kam aber noch im Jahre 1920 durch den 3n- teressengemttnschaftsvertrag mit dem Sie- menS-Schuckert-Konzern zustande. Das neue Gebilde firmierte von da abSie- mens-Rhein-Clbe-Schuckert-Anion".

Der Vertrag mit SiemenS-Schuckert dehnte den Einfluß des bisherigen Stinnes- Kirdorf-Konzerns auf eine große Anzahl von Produktionszweigen aus, die ihm bisher fer­ner gestanden hatten. Von der Glühlamve bis zur Anterar'indbahn''nlage echtreckt sieb das i i k t Sg blei derSieme is-Schuckert-Werke. Außerdem sind die zahlreichen Beziehungen

| zu ElektrizitätS- und GaSgesellschaften, Klein­

gierung zu verhehlen, daß der Plan von den alliierten Reg erringen annehmbar gefunden und darin eine Lösung des europäischen Problems entdeckt wird. In amtlichen Kreisen wird in diesem Zusammenhänge an die Newhavener Rede des Staatssekretärs Hughes im Jahre 1922 erinnert, in der er erklärte, daß, wenn die Mächte zu einer Verständigung über den Sachver­ständigenplan gelangten, die Wege ameri­kanischer -Hilfsbereitschaft nicht ver­fehlen könnten, sich hoffnungsvoll zu öffnen.

Die meisten Kreise schienen die

Annahme durch Deutschland

zu ertoarten, nicht nur, weil eine Ablehnung die Periode der D.moralisierung tedängevii to:ri>e, sondern weil schließlich innerhalb des Deutschen Reiches die Überzeugung du.chdrIngen w:rde, daß die Grundlage, auf d.w der Plan aufgebaut sei, befriedigend sei. Die Aebereinstimmung unter den Alliierten könne zwar nichtals voll­ständig gewährleistet angesel.et tre.&en, man dürfe sie aber mit einiger Zu.erficht er­warten. Cs sei auch nichit zuuiel gesagt, wenn man erkläre, daß der Einfluß der Ver­einigten Staaten in diskreter Weise in dieser Richtung angewendet werden würde, wenn es möglich sei.

Das britische Echo.

London, 11. April. (WTD.) Der außm- politisch fast of.istos zu nennendeManchester Guardian" bezeichnet den Dettcht te: Re­parations-Sachverständigen als eiten ,6-^i.itt in der Richtung auf das Ziel. Die Z u st i m m a n g Deutschlands sei wesentlich, weil te. Plan Vorschläge umfasse, die vollkommen außer­halb des Vertrages liegen. Die wesent­lichste Bedingung sei jedoch für Deutschland, daß seine Verpflichtungen in erfüll­barem Maße festgesetzt we ben. Dir Lö­sung selbst mässe von Macdonald und Poincarä in persönlichem Zusa mm en wirken aus­gearbeitet werden.Daily Graphic" schreibt, eine Konferenz am runden Tisch müsse stattsinden, an der die Vereinigten S t a a - t e n teilnehmen müßten. Deutschland müsse ge­hört werden. Es sei die Quinte! enz des Dawes- Berichts. daß kein Plan Erfolg haben könne, der von Deutschland für unmog ich oder ungerecht angesehen werde. Deutschland sei heute weit tra­niger fähig zu zahlen, als 1923.Daily Standard" erklärt, der gesamte De.ächt ie; Tawes-Kcmmisston gründe sich aus die 'Annahme, daß die ftskalische und wirtschaft­liche Autonomte des Reiches wieder- hergestellt werde.

Frankreich nm fwie alle anderen, endliche den Tatsachen eegenükeetrctrn.

Unter der ^'eberschrift®ir neue H-vstnung" füh t i L2 imes' x u3 lie Sach>erstäi.dtg nb - lU/e wiese i . cue pr-ktisa,e Vor.chläge für die Lösung jener äußerst schwierig-u Probleme auf, die l«n Frieden störten und die Regelung ge» föhrdeten, die als las Ergebnis te3 grölen Äliege« ter Geschichte erziclt wurde. Di". Es en; ter Berichte sei. taj sie -Tu opn e.rdlich die Hoff­nung geben. Die Veröffeettlichu g ter B r chte sei ein Ruf an lie Regierungea der Völker all1 r in Betracht kommend.n Länder, eine neue An­strengung zur Erz elung einer w'.rllichen Rege­lung zu machen. Die Beteilignn; von Ameri­kanern, sei es auch nur in inoffi iel e. (5 gen- schift, sei von aur>er. rrantli.fer Te eittrnj und werl-e ihre vcÜ'e Wirkung haben, w.n r tie euro­päischen Völker ein Gefühl für die Größe dieser neuen Angel.^enheit hätten.

Die bevor sich enden Wahlen in Frankre'ch und Deutscbland könnten im Hinblick auf zeitlrei- lixe Mißverständnis; zu Verzögerungen führen.

Di->se Verzögerungen t:nnten andererseits aber Eclegenhei't zur vollen Wür.ngung der Beteu­rung der Berichte gedev Es sei jetzt dringend notwendig, taß die Völker im Westen Europ.'s sich grm-.infam bemühten, tue bemcr.en Stoerte Ge­lege heit. eine wi r kliche Regelung zu erzielen, nicht verloren gehen lassen, denn es werde trieb- leicht die lebte Gelegenheit sein, um den Frieden zu gewinnen.

Die »Daily Chronicle" schreibt, die

und Straßenbahnen, Lieberlandzentralen, Kraftwerken usw. zu berücksichtigen.

Dom Konzern der Siemens-Rhein-Elbe- Schuckert-Anion sind zu trennen jene zahl­reichen Gesellschaften, die zur Zusammenfas­sung rein stinneSscher Interessen gegründet wurden. In der Dachgesellschaft Hugo StinneS G. m. b. H. laufen alle jene Faden zusammen, die StinneS mit einer großen An­zahl von Kohlenzechen. Handels-, Schiffahrts­und Tronsportunternehmungen, Metall- und Maschinenfabr.ken, Holz- und Zellstofffabtt- ken und sonstigen inländischen Anternehmun- qen verbinden, unter donen wiederum die E r d ö l i n t e r e s s e n (Hugo St mnes-Rie- beck-Montan- und Oelwerke A.G.) von be­sonderer Bedeutung sind. Sehr viel sind in der Oeffentlichkeit die Beteiligungen des StinneS-KonzernS an ausländisch en Un­ternehmungen, z.B. Oesterreichische LNvine

Sachverständigenberichte schienen die ganzen auf sie gesetzten Hoffnungen zu rechtfertigen. Das Blatt fragt, ob Frankreich diese Berichte ebenso wie den Bericht des britischen Schatzamtes im Jahre 1922 verwerfen werde. Damals wollte Frankreich nicht wirkliche Reparationen, es wollte Sicherheiten, die Vernichtung Deutschlands und erhöhte Annexionen.

Sei Frankreich inzwischen klug geworden?

DerDaily Expreß" führt aus: Di» Augen der Welt seien auf Deutschland und Frankreich gerichtet, sogar der blindeste deutsche Führer würde kaum für die Verwerfung des Gutachtens eintreten. Roch wicht ger als die Auf­nahme der Berichte in Berlin sei die Haltung des Quai d'Oftay. Die wirtschaftliche Freiheit dcs deutschen Gebietes bedeute die Aufgabe der zum Ruin führenden französischen Ruhrpolitik.

Das ArbeiterblattDaily Herald" sagt, die älnaufrichtigkeit der Mächte, die denVer« sailler Vertrag gemacht haben, habe seit Jahren die .Wiederherstellung Europas verzögert, der törichten gefährlichsten Kriegsgeist aufrechterhal­ten und die allgemeine Rot vergrößert. Unter den heutigen trag.schen Umständen und angesichts der iDedingung. daß die Franzosen das Ruhr­gebiet räumen sol'e r, vielleicht unter Zurücklassung von einigen Soldaten an e.nigen Plätzen, scheme es, als ob alle Parteien gut beraten sein wür­den, den Sachverständigenplan zu prüfen Es dürfe jedoch nicht, wie dieses mit anderen Plänen der Fall war, der Leutfchrn Regierung wie eine Pistole vor den Kopf gehalten wer­den Diese mL.ffe eingeladen werden, ihre Ver­treter zu entsenden, um den Plan zu erwägen

DieWestminster Gazette" schreibt: Wenn die Gelegenheit, die ftch jetzt biete, nicht er­griffen werde, so werde das Reparationsproblem aller Wahrscheinlichkeit nach niemals gelöst werden. Das Blatt kritisiert an den Dorschläger, der Sachverständigen daß sie die Summe, dte Deutschland nach Ser Periode Erholung von 45 Jahren an die Alliierten zahlen soll, über­schätzt haben und daß der Plan keineGrenze für die Zeit ober den Betrag drr deutschen Ver­pflichtungen feststellt. Auch müsse zuerst eine große Reihe politischer Schwierigletten befeittgt werden, bevor ausländische Kapitalisten eine so­fortige Anleihe von 40 Millionen Pfund für Deutschland zeichnen würden. Diese Mängel feien jedoch nicht grundlegender Art. Es liege in bei Hand der alliierten Regierungen, die Berichte bei Sachverständigen zur Grundlageeinesend« gültigen praktischen Reparations­planes zu machen

Der Schrei nach Garantien.

Paris, 10. Apr l. (Prioat-Tel.) Da» ,Journal des DebatS" nimmt erst b.nite entschieden Stel unq ?u ter TereffentÜchmg der Sachverstandigenberichte. Der Plan^ schreibt das Blatt, sei unr unvollkommen, weil er Sank­tionen zwar anführe, aber nichts vorsehe, um deren Durchführung zu sichern. Aller­dings seien die Sachvevsläntzigen nicht dafür zu­ständig gewesen, ein System von Sanktionen zu o.ganisieren Sie hatten den Auftrag gehabt, eine Enquete durchzuführen, deren Ergebnis zu gew'.s'en Entschließungen führen sollte. Sache der Reparationskommission, die die Reg'erung ver« trete, sei es, diese Entschließungen gründlich zu prüfen und wenn sie sie anneh.ne, sie mit den ih rzu Gebot estehenden Mitteln ins Werk zu setzen Der Haupteinwand, der sich natürlich in jedem französischen Kopfe einstelle, wertze durch bie von den Sachverständigen pr:klam e.t2 Tat« fache hervorgerufen, daß der Erfolg deZ Planes von der Loyalität, dem grundlegenden Prin­zip aller Konvention, abhängig sei.

Dis heute hatte die INoyalitat und Lie Heu­chelei Deutschlands sich feinen Zwang angetan. Es frage sich wie die Folgen dieser Haltung für die Zukunft vermieden nx-rDcn sollen; bas sei der heikle Punkt. So schwierig ind^s en dir Tlufgabe auch sein möge, man müsse mutig an sie Heran­gehen. Rach den Feststel'.ungen der Sachverstän­digen könnten die alliierten Regierungen ihre jlnterflüüung b>i der in Kraftsetzuni h -es Plams von größter Mäß ganz mit den wünschens . e ten

Montangesellschast erörtert worden. Diese Be­teiligungen hatten in der Hauptsache den Zweck, vorhandene deutsch-ausländische Wirt­schaftsbeziehungen zu festigen, neue anzubah­nen und den sich um Hugo StinneS gruppie­renden inländischen Unternehmungen Stütz­punkte für das Auslandsgeschäft zu sichern. In vielen Fällen läßt sich aus der Entste­hungsgeschichte dieser Gründungen nachweisen, daß sie gerade noch im rechten Moment er­folgten, um die deutsche Wirtschaft vor dem Verlust werwcller Auslandsbeziehungen zu schützen. Daß dies sehr oft mit verhältnis­mäßig geringem Aufwand von effektivem Ka­pital und vorwiegend durch geschickte organi­satorische und verhandlungstechnische Mo­mente erreicht wurde, war nicht zuletzt das Verdienst von Hugo StinneS selbst und seinen klug auSgewählten Mitarbeiterp