Ausgabe 
9.7.1924
 
Einzelbild herunterladen

flut ent.

ft*«;

SS*

30 S ^«eve Ä? 'HM, drllfleischi« K 2J- ö*E

pK^auen^ne, Karttitoiouf rchger ebrchwd.

ttenbötfe, ^cikihemnartt a>it 1 ltäckr, teufte in» iüi Der pruhisch» ti eine crlalib guU tiu'en. 68 notierten: W märt 125 513 8UZ, Arltergerste. ' 123-133, Ä l 1S^-21,Z5, Dei- 1.40, W 225-230 * 19-20, Edne 12-13, W6M12 MLn 12-13, ßu»

l. selb 13^0-14,50, ~/P. TwlLchMM

.rat bei englis-en Dr. Hermann Lrvh ah .Der vlttlchaftS- Teilung In Dem«

<A-' ki

) »)

[Z der Leipzigeü na (Verlag 3- 3 I 3niMll der wieder m Dimmer |d in Zeichnung vm Lteven er? besuchte chinesilche und Kigt Sin schöM ist .Der Flirt des , SoriM öem etne )«n mich &n ift H-ltüchtstv-

Plauderei von i&i Frau und ihr enen Beiträgen sind ta die Deubelebung in Shnüus. eine al4 nen und em AM ruhben* mit schvM et Aebirgswrll- Sa chl von MiMU falen, die am 5^ feiert Ferner eine 2unneß25 Äe eine

die die Dckmfl oa »ungen ausdW^z lefirßuftlW $ uhält die nmgen,

ibetfl MB *! ,U<L.

tu lN

gehen- 54991

Ar. Ü59

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter

Monats-Vezugspreir:

2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt. Fernspre ch-AnschlüYe: für die Schriftleitung 112; für Verlag und

Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach­richten: AnzeigerGieße».

poftschecktonto:

Frankfurt a. M. 11686.

K4- Jahrgang

GietzenerAnzeign

zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlichS, auswärts 10 Goldpfennig; für Re. Klame-Anzeigen v.7vmm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/o Auf. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzei^ßkteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Müwoch.y. Juli 192<

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummerbis

General-Anzeiger für Gderheffen

vrml mi» Verlag- vrShl'sche UmverfilSts-Buch- and Steindrackerei B. Lange in Metzen. Schristleltung und Geschäftsstelle: Lchulstratze 7.

London und Deutschland.

Es gibt eine erhebliche -Zahl deutscher Zeit­genossen, die Sachverständigengutachten, Londoner Konferenz und alle ähnlich gearteten Ereignisse grundsätzlich ablehnen. Aus einem berechtigten Mißtrauen und aus der nur allzu begreiflichen Tleberzeugung heraus, daß letzten Endes auch diese Geschehnisse nur eine wertere Etappe auf dem Wege der restlosen Versklavung Deutsch­lands sein werden. Tlnd es gibt ebenso im Lager unserer Gegner eine erhebliche, an lärmendes und diktatorisches Auftreten gewohnte Zahl von Zeitgenossen, die in Sachverständrgrnbericht und Londoner Konferenz günstigenfalls nur eine lästig empfundene Störung des Verlaufs ihrer. letzten Anstrengungen zur Erreichung des Kriegs- xiels sehen, das Besitzergreifung unserer wirt­schaftlichen Hilfsquellen, Eroberung der strategisch wichtigen Gebiete, Festsetzung auf beiden Rhein- ufern heißt. Es ist also an sich nicht erstaunlich, daß der gesamte Plan der Sachverständigen hef­tigster Gegenwehr in beiden Lagern begegnet, eine Tatsache, die geeignet ist, feine Tendenzen und Auswiikungsmöglichkciten von vornherein zu ver­schieben und zu zerstören. Tlmso notwendiger ist es, unbekümmert um den lauten und in seinen Be­gleiterscheinungen übertrieben ^hitzigen Kampf der ©egncv und Verteidiger des Planes eine klare Stellung zu den Tlrsachen und Folgen zu nehmen.

Der Sachverständigenbericht ist nichts an­deres als die zwangsläufige Folge unsere pas­siven Wider standes vom vergangenen Zahle. Der Zweck dieses moralischen Kampfes des Kabinetts Cuno und der gesamten Rhein- und Ruhrbevölkerung war viele Zeitgenossen sind allzu vergeßlich der Welt das Volks- und völkerrechtswidrige Tlnrecht der französischen Ge­waltmaßnahmen und die Tlnersüllbarkeit der irr­sinnigen Reparationsbestimmungen des Versailler Diktats vor Augen zu führen. Schon die englische an Frankreich und Belgien gerichtete Bote vom 11. August 1923, die sich vollkommen die deutschen Argumente zu eigen machte, bewies, daß das moralische Ziel trotz aller ungeheuerlichen Ver­luste erreicht war, und nur der propagandistisch unglaublich ungeschickte Abbruch des Kampfes, be­sonders die Panikreden des Herrn H i l f f e r - ding, haben diesen Erfolg äußerlich in sein Gegenteil verkehrt. Immerhin zeigt das Zustande­kommen der Sachverständigenkonferenz und die Annahme ihres Gutachtens durch sämtlicheMächte. da ßder passive Widerstand nicht vergebens ge­leistet worden ist, denn die Sachverständigen er­kennen die Notwendigkeit der Wiederherstellung und Erhaltung der wirtschaftlichen und damit auch der politischen Souveränität der deutschen Regierung in den besetzten Gebietsteilen an. Tlnd sie haben sich bemüht, manche Zweideutigkeiten des Versailler Diktats bezüglich der Reparations­leistungen und der Mittel zu ihrer Erpressung dadurch aus der Welt zu schäften, daß sie an die Stelle des politisch-wirtschaftlichen Diktats mit seinen Sanktionen und sonstigen Gewaltmah­nahmen die kaufmännische Behandlung der Reparationsfrage zu sehen versuchten. Die Lon­doner Konferenz soll, nachdem die grundsätzliche Zustimmung der in Frage kommenden Mächte erfolgt ist, die Bestimmungen festlegen, durch die eine vertragliche Grundlage für die Durch­führung des Sachverständigenberichtes geschaften wird.

Selbstverständlich besteht, da wesentliche Teile des Vertrags von uns Leistungen verlangen, die in dem Versailler Diktat nicht angegeben sind, an sich kein Zwang für eine deutsche Regierung, ohne im voraus festgelegte und durch die K)n- ferenz garantierte Zugeständnisse bezüglich um­fassender Herstellung des Status quo ante die ver­änderten schweren Lasten des Londoner Abkom­mens zu übernehmen, zumal die französische Re­gierung nicht einmal die völlige Wiederherstel­lung der durch Versailles in den Grenzen des deutschen Reiches geschaffenen Lage zugestehen will. Andererseits ist der Ruf nach der zur Zeit möglichen Befreiung vom Drucke des Feindes im besetzten Gebiete so laut, sind die militärischen, politischen und wirtschaftlichen Zwangsmittel der Franzosen und Belgier so bedeutend, daß zu be­fürchten ist, daß der sicherlich sehr kümmerliche Sperling des Vertrags der Londoner Konferenz von der deutschen Regierung der Befreiung ver­heißenden Taube auf dem hohen Dache des Han­fes ihrer' Hoffnungen, Erwartungen und Vor­aussetzungen vorgezogen werden wird. Denn und das müssen wir auf Grand der Erfahrungen der letzten Tage betonen auch London wird gegenüber dem machthungrigen, bis an die Zähne gerüsteten und sein Prestige" verteidigen­den Frankreich nicht die geschlossene Phalanx der Mächte zur Wiederherstellung desR e ch t s zustan- bes bilden, die so leicht gegenüber dem wehrlosen Deutschland zwecks ^ststellung vonVerfehlun­gen" hergestellt ist. Wenn Macdonald im engli- schen Dlnterhaus schon in die Verteidigungsstellung gedrängt wird, nur weil er denMut" hat, die Anwesenheit deutscher Vertreter in London, die von Rechts wegen die Hauptpersonen sein mühten, für notwendig zu halten wenn das ganze Kabinett Herriot zu wackeln beginnt, weil fein Führerverdächtigt ist, elftem jenseits des Irrsinns von Versailles liegenden, halbwegs ver­nünftigen und auch uns annehmbar erscheinenden Gedanken der friedlich-schiedlichen Schlichtung von Streitigkeiten mit Deutschland nicht schroff abge­lehnt zu haben und wenn zur Rettung dieses Kabinetts Herriot die gewagtesten diplomatischen Kunststücke versucht werden müssen, dann haben wir Deutschen wahrhaftig keinen Grund, von Lon­don viel Gutes zu erwarten.

Trotzdem werden wir alles tun müssen, um jan Vorteilen und Fortschritten gegenüber dem ge- .gegenwärtigeni unhaltbaren, Zustand zu erzielen^

Die Pariser Friedensverhaudlungen.

Kundgebungen bei der Ankunst Macdonalds. Die Beratungs- punkte. Ein Friedensbekenntnis Herriots.

Macdonald ist in Paris eingetroffen und von der Pariser Devöllerung mit Friedens­wünschen begrüßt worden. Es ist gleichgültig, ob diese Kundgebung in einer geschickten Regie ihre Tlrfache hat Tatsache ist, daß sie in Paris möglich war. And das ist immerhin schon etwas. Bezüglich des Verlaufs der Bespre­chungen, die heute früh fortgesetzt werden, sind wir auf die Kombinationen der Pariser Morgenpresse angewiesen. Immerhin dürfte die nachstehende Meldung über die Beratungs­punkte den Tatsachen entsprechen. Ebenso ver­langt eine Drahtnachricht Beachtung, nach der Ministerialdtrektor Perretti della Rocca in Kürze von der Leitung der politischen Ab­teilung des französischen Außenministeriums zu- rücktreten werde. Dieser Rücktritt des Mit­arbeiters Poincarös ist umso wahrschein­licher, als er der Mitarbeiter des Protokolls von Chequers war, das bekanntlich zur Veranlas­sung zur Absendung der Macdonaldschen Mit­teilungen an die eingeladenen Regierungen gab. Macdonald hat noch kurz vor seiner Abreise, nach Paris im englischen Anterhaus erklärt: Wir nahmen das Protokoll der Unterredungen, das von Aebersetzern abgesaßt worden war, als r i ch t i g cm. In dem Schreiben, das den Zusam­mentritt der Konferenz mitteilte, war nicht em ein­ziger Punkt enthalten, der nicht in diese Unter* redungen eingeschaltet war und worüber die Ver­treter der französischen Regierung nicht voll unter­richtet wurden."

Rachdem also der Sündenbock für den Zwi­schenfall gefunden ist, dürfte der letztere in Paris heute aus der Welt geschafft werden.

Der Friedensbote mit dem Oelzweig.

Paris, 8. Juli. (WTB.) Der englische Pre­mierminister Macdonald ist in Begleitung des Staatssekretär im Foreign Office Sir Eyre Crowe seines Kabinettschefs Oberst Waterhouse und seines Sekretärs Selby um 4 Uhr nachmittags in Paris eingetroffen. Er wurde am Bahnhof vom Ministerpräfidenten Herriot und mehreren Mi­nistern empfangen. Beim Verlassen des Bahnhofs wmrde der Premierminister von einer viel hun­dertköpfigen Menschenmenge mit dem RufeEs lebe der Friede!" empfangen. Diese Kundgebung machte sichtlich starken Ein­druck. Die beiden Ministerpräsidenten begaben sich sofort nach dem Quai d'Orsay. Bei seiner Ankunft in Boulogne hat der englische Premier­minister einem Vertreter des LokalblattesTele­gramme" gegenüber seine freundschaftlichen Emp­findungen für Frankreich zum Ausdruck gebracht und erklärt, er komme als Friedensbote und bringe denOelzweig" mit. Er hoffe, daß durch seine Besprechung mit Ministerpräsident Herriot wichtige Ergebnisse erzielt werden würden.

Die ersten Besprechungen.

Paris, 8. Juli. (WB.) Das Ministe­rium des Aeuhern teilt mit:

Premierminister Macdonald und Mi­nisterpräsident Herriot haben in Anwesenheck des englischen Botschafters in Paris, LordCre- we, des ständigen Staatssekretärs im Foreign Office, Sir E h r e C r v w e, des OberstenW a t e r- house, des Sekretärs des englischen Premier­ministers Selby, des Ministerialdrrektors am Quai d'Orsay, Per etti della Rocca, des Ministerialdirektors Seydoux, des ehemaligen französischen Vertreters im Sachverständigenkomi­tee, Parmentier, und des Kabinettschefs Her­riots, Bergery, um 51/2 Uhr heute nachmittag im Kabinett des Ministerpräsrdenten ihre Unter­handlungen, ausgehend von der Besprechung von Chequers, wieder ausgenommen und bis 8 Lchr abends fortgesetzt.

Paris, 9. Juli. (WB.) Im Anschluß an bte gestern abend um 9 Uhr 15 aufgenommene zweite Beratung in der englischen Botschaft ist folgendes Communiquä ausgegeben worden:

Die Unterredung zwischen Macdonald und Herriot hat um 9 Uhr 15 in der englischen Bot­schaft wieder begonnen. Die Verhandlungen wa­ren erst um 1 Uhr 35 heute vormittag beendet.

Die Berhandlungspnukte.

Paris, 9. Juli. (WTB.) DerQuotidien" schreibt: Die Verhandlungen, die das Gepräge großer Herzlichkeit getragen hätten, hätten sich fast ausschließlich auf vier Hauptpunkte bezogen: was möglich ist. Wir können uns einerseits den Luxus einer schroffen Ablehnung des Sachverstän­digengutachtens nicht gestatten, das auf die Vor­schläge der Cuno-Regierung und die von Deutschland während des passiven Widerstandes erhobenen Forderungen zurückzuführen ist. Und wir können andererseits nicht freiwillig aus einem Kampfe ausscheiden, den letzten Endes Geist und Vernunft gegen Militarismus und Imperialis­mus um den Frieden führen werden. Denn daß London den Beginn und nicht das Ende dieses

1. Unter welchen Bedingungen wird Deutsch­land zur Konferenz vom 16. Juli hinzu- gezogen werden? Werden die Alliierten ihm das Protokoll ausdrängen »der wird Deutschland das Recht haben, über dessen- Bedingungen zu diskutieren?

2. Werden Frankreich und Belgien, um die Sicherheit der französischen und belgischen Truppen im Rheinland zu garantieren, eine Kontrolle auf den strategischen Dahnen behalten?

3. Welche Maßnahmen muß Deutschland im ein­zelnen treffen, damit der Sachverständigen­plan offiziell als in Kraft befindlich erklärt und dementsprechend das Ruhrgebiet wirtschaftlich geräumt werden kann?

4. Welches Organ wird die etwaigen Verfeh­lungen Deutschlands feststellen?

Frankreich hält eine Absetzung der Reparations- kommission für ausgeschlossen, aber es möchte Amerika, an dessen Kredit man appel­liere, die Möglichkeck belassen, seine Stimme geltend zu machen. Das französische Me­morandum, das gestern im Ministerrat an­genommen wurde, galt als Ausgangs­punkt für die ganze Unterhaltung.

Herriots Bekenntnis zum Frieden.

Paris, 9. Juli. (WB.) Ministerpräsident Herriot hat gestern abend nach den Bespre­chungen im Quai d'Orsay auf einem Bankett der "Universitätsgruppo für den Völker­bund eine Rede gehalten, in der er unter an­derem ausführte:

Seine Anwesenheit auf diesem Bankett sei ein Friedensbekenntnis, ein Bekenntnis zu gemeinsamen Idealen. Man habe während des Krieges die Menschen aufgefordert, alles zu opfern, was sie besitzen und was sie lieben. Diese Opfer seien nicht vergeblich gewesen. Viele unter denen, die die Anhänger des Völlerbundes bekämpften, vergäßen heute den Schwur von ge­stern. Er für seinen Teil setze seine Ehre darin, ihn zu respektieren. Bis jetzt sei nichts geschehen, um die Versprechungen wahr zu machen. Wenn die Toten sich aus ihren Gräbern erheben könn­ten, würden sie den Lebenden zurufen:Umsonst!" We nn man auch weiterhin nichts tue, so bedeute dies in Kürze den Krieg. Gewissen Einschüchterungsdersuchen und gewissen Drohungen gegenüber werde er zur Stelle sein.

Wir wollen, so schloß Herriot, Europa die feste Grundlage des Friedens verschaffen. Wir wol­len die Unabhängigkeit jeder einzelnen Na­tion und den Frieden sämtlicher Nationen.

Im Verlaufe seiner Rede bestätigte Ministerpräsi­dent Herriot nochmals, daß er sich im September zur Versammlung des Völkerbundes nach Genf begeben werde.

Dem Bankett wohnte auch Kammerpräsi­dent Painlevö bei, der in seiner Ansprache auf forderte, die allgemeinen Interessen vor die individuellen zu stellen.

Mussolini geht nach London.

Rom, 8. Juli. Nach dem über den heuttgen Ministerrat ausgegebenen amtlichen Cornmuniquö äußerte sich der Ministerpräsident über die englisch-f ranzös ische Meinungs­verschiedenheit hinsichtlich derAus- führung des Dawesberichtes, der als einziger Punkt auf der Tagesordnung der Londoner Konferenz stehe.

Mussolini erllärte, es sei nicht ausgeschlossen, daß er an der Londoner Konferenz teilnehme. Seine Beteiligung werde von den Umständen und von der diplomatischen Lage abhängen, in der es in den nächsten Tagen zur Klärung kom­men werde.

Kampfes darstellen wird, dürfte kaum zu be­zweifeln fein. Aufgabe der deutschen Regierung wird es sein, von Anfang an eine Stellung einzunehmen, die dem Willen, der Ehre und den berechtigten Ansprüchen des deutschen Volkes ent­spricht. Die Wiederkehr der Zetten, in denen man mit Palliativmittelchen den kranken Weltwirt­schaftskörper heilen wollte und in denen Willkür und Unvernunft auf Kosten Deutschlands die Triebkräfte allerTaten und Geschehnisse" waren, kgmi und muß von ihr verhindert werden.

Bayern und der Sachverständigenbericht.

Bayerns Bedingungen für die Zustimmung zum Dawesbericht.

München, 7. Juli. (WTB.) Wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sprach der bayerische Ministerpräsiden 1 Held bei der Konferenz der Ministerpräfi­denten der Länder mit der Reichsregierung in Berlin die Zustimmung Bayerns zum Sachverständigengutachten unter folgenden Voraussetzungen aus:

1. Cs fei zu erwirken, daß,die Zoll­grenze am Rhein beseitigt und die Wirtschaftseinheit des Deutschen Rei­ches vollständig wiederhergestellt werde; (

2. die Annahme des Sachverständigengut­achtens dürfe keinerlei Anerkennung des im Versailler Vertrag enthal­tenen Schuldbekenntnisses in sich schließen. Die Kriegsschuldfrage sei im Gegen­teil amtlich aufzurollen;

3. die Gefangenen seien frei zu geben und den Ausgewiesenen müsse die Rückkehr in die Heimat gesichert wer­den;

4. alle widerrechtlich besetzten Gebiete, also Pas Ruhrgebiet sowie das Düsseldorfer und Duisburger Sanktionsgebiet, seien zu räumen;

5. inlängstensvierIahrensei die deutsche Zahlungsfähigkeit durch ein unparteiisches, neutralesSchiedS- gericht erneut zu prüfen und die Größe der Reparationsschuld innerhalb des gleichen Zeitraumes spätestens endgültig festzu- legen.

Bezüglich der Ei send ahn frage machte der bayerische Ministerpräsident die Zustimmung Bayerns von dem Ergebnis der demnächst in München beginnenden Ver­handlungen mit dem Reiche ab­hängig.

Italienische Anklagen gegen Frankreich.

Rom, 8. Juli. (Wolft.) Der unter dem Pseudonym Rasttgnac schreibende, Mussolini nahestehende Senator Morello führt in derTribun a" bei Besprechung der franzö - 1'i sch-englischen Meinungsverschie­denheiten aus, die im Versailler Vertrag enthaltene Klausel über die Militärkvn- trolle lasse sich nicht mit der Freiheit eines Volkes mitten im Frieden vereinigen. In Ver­sailles habe man vergessen, die Auswirkung ge­wisser moralischer Forderungen zu berechnen, wie man auch die Folgen einer Ueber- treibung auf wirtschaftlichen und finanziellen Ge­bieten, sowohl für Europa wie auch für Deutsch­land, ganz übersehen habe. Es werde nie ge­lingen, ein Volk in eigenem Lande mitten im Frieden zu entwaffnen. Frankreich habe damals die Gelegenheit, einen sicheren Frieden mit Deutschland zu 'schließen, vvrübergehen lassen. Frankreich habe Revanche gesucht statt Frieden und könne den Frieden nun nicht mehr finden.

Der Schutzzoll-Gesetzentwurf serttggestellt?

DerVorwärts" will von unterricht t e t e r Seite erfahren haben, daß der Entwurf eines Schutzzoll-Gesetzes bereits fer­tig g e st e l l t sei. Der Entwurf greife auf den Zolltarif von 1902 zurück, der 1906 mit Ver­tragssätzen in Kraft trat. Er sieht u. a. auf den Doppelzentner im DerttagStarif eine Be­lastung für Roggen von 5 Mark, für Wetzen von 5,50, für Malzgerste von 4., ^Futter- gerste von 1,30 und Hafer von 5 Mark vor. Durch Verordnung von 1914 wurde dieser Ta­rif suspendiert. Dazu trat 1922 eine Entschlie­ßung, daß die völlige oder teilweise Wieder­herstellung nur durch gesetzgeberischen Akt vorzunehmen ist. Die Entscheidung über den Entwurf bleibt also, so bemerkt der Vor­wärts, dem Reichstag überlassen.

Kommunistisches.

Einer Meldung aus Berlin zufolge wurde der Führer der kommunistischen Fraktion im Stadt­parlament Dverr erneut verhaftet und in das Linkersuchungsgefängnis eingeliefert.

Polnische Unverschämtheit.

Berlin, 8. Juli. (WB.) In den letzten Tagen sind in der polnischen Presse, beispiels­weise in der WarschauerRzespospolita" v)»i 3. Juli offiziöse Mitteilungen über eine von der polnischen Gesandtschaft in Berlin pst