Nr. 85
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Erster Blatt
U4. Jahrgang
Mittwoch, y. April 1924
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Der
ahlfieg Mussolinis.
Schwere Niederlage der Sozialisten.-Das faschistische Parlament.
Rom, 9. April. (WTD.) Die neue Kam- mtr wird sich folgendermaßen zusammensetzen: 375 Abgeordnete der Regierungspartei, 40 Abgeordnete der Itattmisch-rn Dollspartei (Popolari), 17 Liberal-Demokralen, 12 Mit- £1 eter der konstitutionellen Opposition, 11 Demo-Svzraiisten, 7 RepuNkane?» 4Mit- olieder der nationalen Minderheiten (Deutsche und Slawen), 3 Mitglieder der Bauernpartei, 2 Sarden, 25 Sozialdemokraten, 22 Maximalisten, 17 Kommunisten. Bei den Wahlen am 6. April verloren die Italienische Volks- Partei 66 Sitze, die Sozialisten 57, die Maximalisten 18 Sitze, die Kommunisten gewannen 4 Sitze, die Republikaner 1 Sitz. Die Slawen und die Deutschen verloren je 2 Sitze. Formell gehören der Minderheit auch. 19 Fascisten und Liberale an, dir auf der Aegierungsliste keinen Platz gefunden haben, die aber mit der Regierung stimmen. Es steht also fest, daß Musfo- lini über eine überwältigende Mehrheit in Montecitorio verfügt, die seine innere und feine äußere Politik r L ck h a l t l o s unterstützen und jeden Versuch parlamentarischer Auflösung seitens der Sozialisten und der Popolari vergeblich machen wird.
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Mussolini erklärte, er sei mit dem Resultat sehr zufrieden. Die Wah'.urnen hätten eine klare Antwort g^eten. Riemand könne mehr an der wahren Stimmung der Ration zweifeln. Tie Erwartungen der Fascisten feien übertroffen. Die fascistischr „Tribuna" sagt, das Ergebnis sei ein Beweis für die Geschlossenheit und die gesunde Vernunft des italienischen Volkes. Wähleird alle Völker ringsum von schweren Krisen heimgesucht seien, zei§.> nur Italien seine feste Gesundheit, seine Vaterlandsiieoe und seinen Wirllichkellssinn. Das „iSiornale dItalia" weist auf die grobe Arbeitsfähig'eit und die Letensliaft der kommenden Kammer hin. Die ve>- Mfunggmüfiigen uno monarLr.iilchen Kräfte stellten eine überaus grojj« Mehrheit im Lande dar. die Bevölkerung fei dem Sozia! smus feindlich gesinnt und verlange Die Erhaltung der bestehenden sozialen und polit sch:n C irr.ch- tuncen.
Der „(Sortiere d'Italia" erwartet, daß der Wahlausfall sehr zur Herstellung des inneren Friedens im Lande beitragen toerte. Der großartige Beweis der Zustimmung, den das Lan) der Regierung gegeben hnve, werde dieser er.auben. sicheren Schritts auf ihrem Wege weite r- 8 u geben. Die Kammer wer^e das Arseien einer Körperschaft von unbestre töarer Kraft und Autorität genießen, und dadurch werde die w iL re Sicherung tes versaf u gsmäß gen LexnZ e l ich- tert werden. Die Wahlen it.cn einen Dewtts caaBXÄäMKseaöjBsieaeEaKsiÄuiMijTaEeMiacMi
Den der politischen Erziehung des italienischen Volkes und von seiner auirichtigen
Billigung deS Mu.solmischen Regiments gegeben. Das Blatt wirft die Frage auf. we die oppositionellen Parteien sich die 1.0 Mandate teilen werden, die durch das Wah g.setz den Minderh.'itsparteien Vorbehalten bl.Len. An erster Stelle würden die Popolari und die drei sozialistischen Gruppen krmmen. wahrend die Demokraten sich mit dem Rest der Mandate zufrieden zu geben hätten. Die „Ioea Razionale" nimmt die Wahien zum Ailaß, Mu - sc-lini nicht allein als den Führer der Mehrheit, f entern als den Führer der gegenwärtigen Generation zu feiern. Das Blatt sagt, das Ausland wisse jetzt, daß, Italien fa)ci- stisch ist, und daß
die allgemeine Politik sowie die Außenpolitik i Mu'solinis ganz Italien hintrr sich habe.
Es stehe jetzt endgültig fest, daß Mussolini, der Fascismus in Italien ganz un> gar eins seien. Das bedeute den Tod des Sozialismus und der Feinde der Station. Von H ute ab werde Italien noch freier und noch jugendlicher sein; seine inneren Feinte seien zu Paaren getrieben. Der oppositionelle „Mondo" fordert die demokratischen Parteien auf, ohne ©ntmutigurg in ihrem Kanlpse fortzusahren, um das Land aus den Weg der Freiheit und des normalen Lebens zurückzuführen.
Der Eindruck in Paris.
P a r i s, 8. April. (Priv.-Tel.) Der Ausgang der italienischen Wahlen hat den Franzosen keine Lleberraschungen gebracht, da mit einem Sieg ter Faszisten gerechnet wurde. Aber in einigen Blättern wird vorausgesagt, daß die Situation durch eine saszistische Mehrheit im italienischen Parlament ein anderes Aussehen gewinne Die diktatorische Macht Mussolinis würde vermindert werden, wenn einParlament aus seinen Anhängern die Init.ati.en des Führers kontrolliere. Mussolini habe diese Eirwicklung wahrscheinlich vorausgesehen und es sei mit Interesse abzuwarten, wie er sich jetzt mit dieser Kammer abfinten werde. Die „Oournce Industrielle" sagt, daß noch niemals ein Diktator einen Ausgleich mit der Deilassungsmählgen Volksvertretung gefunden habe. Es wäre ein Wunder, wenn Mussolini mit der fast unlösbaren Aufgabe fertig würde.
Anszistiscbe Gewalttaten in Bozen.
Innsbruck, 8. April. (WTB.) Rach einer Dlättermeldung aus Bozen sind der ehemalige Bozener Bürgermeister Perathoner und ter frühere Abgeordnete Reutt-Ricolussia von Faszisten überfallen und schwer miß- haadelt worden. Reutt-Ricolussin hatte e n Plakat entfernt, das den deutschen Kandidaten Baron Sternbach beschuldigte, während des Krieges als österreichischer Statthalter in ll&ine Bilder uno Kunstgegenstände gestohlen zu haben. Daraufhin stürzten sich die Faszisten auf Reutt- Rirolussi und den ihn begleitenden Perathoner. Beide haben schwere Verletzungen erlitten. Die Tnentiner Präfektur versprach, nach den Schuldigen sahnten zu lassen.
Helft Danzig!
Der Versailler „Friede nSverttag" Hal auch die alte gutdeutsck>e Stadt Danzig vom Mutterlande loSgerissen und einen Streifen neupolnisches Gebiet, den soienannlen „Polnischen Korridor", zwischen das Reich und die Stadt geschoben, eine Regelung, die sie also gleich hart trifft wie die Provinz Ostpreußen. charter aber als Ostpreußen wurde auf Polens Wunsch Danzig vom Schicksal getroffen; es wurde von Deutschland politisch auch völlig abgetrennt und wurde ein „autonomes" Slaatögebilde. Ein Kompromiß, das die Köpfe der Entente fanden, da sie einesteils dem deutfck)en Feind den wichtigen Ostseehafen nicht lassen wollten, andererseits aber die rein deutsche Stadt auch nicht gut Polen zusprechen konnten. Doch auch heute hat Polen noch lange nicht die Hoffnung auf eine frühere oder spätere Besitzergreifung der Stadt aufgegeben, und erst kürzlich sprach der DolkerbundSrat Polen das Recht zu, Danzig zu seiner Munitionsbasis zu machen. Unö das trotz aller Gegenwehr der vergewaltigten Stadt. Wutschnaubend mußten die polnischen Gewalthaber allerdings kurze Zeit vorher mitansehen, wie sich Danzig von der bisherigen konsularischen Bevormundung durch Polen freimachte.
Schwer ringt nun das kleine, trotz alledem deutsche Staatsgebilde um seine Existenz gegen den mächtigen, von Frankreich gestützten Gegner. Besonders erschwert wird die Lage der Hafenstadt dadurch, daß ihr natürliches Hinterland Im Besitz Polens ist, das jederzeit durch seine Ausfuhrpolitik einen nicht zu unterschätzenden Druck auf die wirtschaftlichen und damit auch politischen Verhältnisse Danzigs ausüben kann. Polen sucht denn auch bald im Guten, bald im Dösen Danzig in seine Gewalt zu bekommen, und neuerdings fordert die nationalistische Presse Polens sogar eine Boykottierung des Danziger Hafens, um die Stadt für die polnischen Wünsche gefügig zu machen.
Erschwert wird weiter die Lage Danzigs durch feine Is olierung vom Mutterland. Polen läßt kein Mittel unversucht, um die beiten auseinanderzuhalten. Da der Weg nach Danzig durch polnisches Gebiet führt, ist ihnen das auch nicht allzu schwer. Zwar hat Polen sich dazu verstehen müssen, auf die seither von Den nach Danzig Reisenden einzu- holente Durchreiseerlaubnis zu verzichten, doch erhebt es dafür von den reichsdeutschen Reisenden eine Visumgebühr von 1 00 Goldmark, einen Betrai, der außerordentlich nachteilig auf den Geschäftsverkehr und besonders auch auf den Reiseverkehr der großen unbemittelten Volksschichten Deutschlands einwirkt. Außerdem ist die Beschaffung eines polnischen Visums alles andere als leicht.
Als einzige unmittelbare Verbindung zwischen dem Reich und Danzig bleibt bisher der Seeweg, auf Den Polen keinen Einfluß hat and der Denn auch stark benutzt wird. Immerhin ist diese Verbindung nicht ausreichend und läßt die Danziger Bedürfnisse und Wünsche nur ungenügend besr edigt. Es muh daher nach tote vor von Polen, bzw. Dem Völkerbund als Dem „Schutzherrn" Danzigs, gefordert werden, daß zumindest die gleichen Reisemögl'chkeiten nach Danzig wie nach Ostpreußen (Korridorzüge) gegeben werden. Das deutsche Streben muh aber vor allem darauf gerietet sein. Den polnischen Disumzwang zu beseitigen.
Rur Durch rege Beziehungen und gute Verbindungen wird es auf die Dauer möglich sein, dem deutschen Danzig fein Deutschtum zu erhalten. Aber auch nutbann Dürfen wir auf eine schließliche Wiedervereinigung Danzigs mit Dem Mutterlande Höffen.
Die Wahlergebnisse in Bayern.
München, 9. April (WTB) Rach ten 0-l.rläusigen amt (ich en E.mttte ungen ve t Lt ich die Zahl ter bei ter Laadlagswahl abdedeten n Stimmen folgendermaßen:
Bayerische Dolkspartei 919 537 (1920 1 C59 523), Völkischer Black 491 826 (b.stand 1.20 noch nicht), Verein. Sozialdem. Partei 433 821 (106 861), Bayerischer Bauernbund 207 422 (235 435), Kcmmunisten 203 017 (48 636).
Vereinigte nationale Rechte 197 509, Deutsche Dolkspartei 5635.
Datronalliberale LandespartEi 29 416 (Ne e drei
Parteien erhielten 1920, da zu einer Partei zufammengefchlossen, 305 082),
Christlich-Soziale Partei 22 929, Gruppe Kratoftel 19 480, Liste Stühler 11 929, Heimattreue Koburger 7833, Mittelstandsbund Südgau 6825 (diese fünf bestanden 1920 nrcht),
Deutscher Block 73 818 (206 312),
Deamtenpartei Rückert 4504 (1920 noch nicht), äl. S. P. 2393 (346 442)
Miete rlisle 399, Republikanische Partei Den shtands 285 (M.fe zwei bestanden 1923 noch nicht).
Rach einer amtlihen De ana machuna ermo;• lichen die bereits te ann'g geteren Zahlen über das Ergeb äs ter Landtags wählen noch fein genaues Bild über die Zusammensetzung des künftigen Landtages Zunächst hat der KroiZwaylleii-e. daZ Er ebniZ zu prüfen und mit ten K eistvahlaus chas e r die Ergebnisse in ten Wählt.ei e r für die Regierungsbezirke entsprechend sestzustetten.
Die neue württembergische Negierung.
Stuttgart, 8. Avril. (WB.) Bei ter Wahl des neuen Staatspräsidenten wurden 39 weiße und 50 gültige Zettel abgegeben, davon 48 für Staatsrat Rau, de r bishe. gen De.weser des Arte ts- und (Srn’"ibrunjs.mi i e riums. Staatspräsident Rau er lär e, ec ha e sich bisher dem parteipolitischen Cexm fe nje» h Itea und sich nur seinen Aemtern gewidmet. Sein Psi chtbewußtsein g.biete ihm. feine K ast In ten Dienst der neuen Aufgabe zu stellen, d e der Augenblick erfordere. Er sei zur Annahme bereit. Hierauf gab er feiner Dereh.u ig für ten bishe ngen Staatspräsidenten Dr. von Hie der und seiner Hochachtung für sein Wissen und fein Können Ausdruck, das er to i beend seiner Am s- führung restlos in ten Dienst des Staates gestellt habe. Er dankte seinem Vorgänger sowie dem früheren Finanzminister Schall.
Er berief sodann zu Ministern die bisherigen Minister Bolz und Deyerle,
die neben ihm Platz nahmen. Der Staatspräsi- tent teilte ferner mit, daß Minister Bolz das Iirncn- und das Finanzministerium ütemebme, Minister Beherle tes Justizministerium, er selbst das Arteits- und Ernährungsministerium sowie das Ministerium für Kirche und Schulwesen. Das neue Ministerium werte alle Eni- fcheiduiwen 1 weitt Zagender politischer Deteu-
möglich, b is nach den Wahlen
zurückzust ellen und sich nur au' die Führung ter laufenden G schatte b.schränken und sich leiten lassen von ten Forterunger ter Gesetzmäßigkeit. Sachlichkeit und Geehtget. Es we te mit allem Rachdruck Die Staatsau!ori äl wah.en und die Ordnung gegen alle Angriffe schützen. (Beifall.) Hie auf i timte Lan'tagsprä- fi-e.it Walter Dem bishe 'g.n Staatsp.äsi en- ten Dr. v. Hieter auf das herzlichste und sprach tem neuen Staatspräsidenten die testen Glückwünsche für sein ehrenaol.es Amt aus.
Nmerikamsche Dentschlandhilfc.
H a rn b u r g, 8. April. (WB ) Das Central Relief Committee in Reuyork hrt neuerdings durch seine Hamburger Ter retung eine u m- fangreiche Lebensmittelsendung an Milch und Mehl an bedürf ige deutsch.' Insti u e, Hospitäler. Heime usw. zur freien Verteilung ge° bracht. Im g-nnzen tourb n an 21 deutsche Städte, und otoar Berlin. Hamburg, Münchm. Halle. Leipzig. Dresden, Fran f irt a. M.. Breslau, Königsberg. Rürnderg. Hannover, Karlsruhe Elberfeld, Barmen. Kassel. Magdeburg. Braunschweig.S utt- gart, Kiel, Bielefeld und Dirmstadt 8700 Kisten mit Milch und 3350 Sack Mehl verteilt. A ß.'rtem wurden der Pfalz 1800 Sack Mehl zugewiesen.
Die amerikanische Schadenersatzansprüche.
Pa r i S . 8. April. (Wolff) Rach einer M l- dung tes „Reuyork Herald" aus Washin annulliert die Entscheidung tes gemischten Ausschusses für die Regelung ter Schadenersatzansprüche einen großen Teil fer Ansprüche gegen Deutschland mit einem Federst r ich. Zahlreiche versenkte Schiffe hatten zuzegeb'.ner- rnaßen MunitionanBord. In jedem Fall2. in dem Deutschland bieen Tatbestand nachwei en kann, fcl t ter amrriCani che Schater.ersatza.nspruch unter die erwähnte Entscheidung Die gemisch'e Kommission hat übrigens im Lause ihrer einjährigen Amtstätigk it 57 Opiern ter terfenflen „C u f i t a n i a" insgesamt eine Mil ion Dollar Schadenersatz zugesprochen, was die erste gr ii- bare Entscheidung auf diesem Gebiete darstellt.
Die Verhandlungen mit der Micum.
Düsseldorfs. Aprill (WTD.) In den heutigen Verhandlungen mit der Micum, die von 3 bis 6'/z Ahr dauerten, erklärte die Sechser-Kommssjion des Tergbaulichrn Vereins, daß die durch das Abkommen mit der Micum uLernommenen Verpflichtungen nicht weiterhingetragen teerten können.Der Ruhrbergbau verkenne nicht dir große Bedeutung der Frage, daß, die Arbeit im Ruhrgebiet nach dem 15. April möglichst störungslos teeitergeführt werde. Die Sechser- Kommis ion erklärt sch deshalb für die Zechen bereit, vir Sachliefrrungen auch über den 15. April hinaus fortzusetzen, wenn die fina n- zlellen Möglichkeiten hierfür geschaffen wurden. Dir Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis. Es soll am Freitag erneut verhandelt werden. Die Sechser-Kommiss.on ist unmittelbar nach Schluß der Verh-andlangen nach Berlin gereist, um der Reichsregierung über die Verhandlungen Bericht zu erstatten
Der Sachverständigenbericht^
Berlin, 8. Olpnl. (WTD.) Das amtliche Wolsfburrou macht zu ten Angaben tes „Qltaiin“ über den Sachverständigenterlcht folgende Anmerkung: Der Auszug des „Malin" entspricht im allgemeinen ten bisher aus der Presse bekannt gewordenen allgemeinen Grundlinien tes Ausbaues des Sachverständigenterichles. Ob die Einzelheiten richtig sind, muß abgewartet werden, bis der ganze Bericht selbst amtlich oorliegt, was binnen ein oder zwei Tagen der Fall fein wrrd. Cs Dürfte sich empfehlen. bis dahin in der Beurteilung des Sach- verständlgenberichts
größte Zurückhaltung
zu üben. Voreilige Urteile über Einzelheiten fonn» ten zu einer Irreführung der Oefsentlichllit führen. Ein zutreffendes Urteil ist nur bei vollständige! Kenntnis aller Einzelheiten und nach genaue« Vergleichung der einzelnen Bestimmungen miteinander möglich Rur dann kann sich die Oefsent- lichkeit ein Gesamtbild von tem Sachverständigenbericht machen. Don besonderem Interesse sind die Andeutungen am Schluß über die Konver» t i e tu n g ter in Deutschland aufgebrachten Barbeträge in fremder Währung. Die Mitteilungen hierüber sind zwar nicht flar. lassen ater daraus fchli.hen. daß Dte Sachverständigen erkannten. Laß es sich giertet um die wichtigsie Frage ter ganzen Reparationsregelung handelt. Man wird diesem Kapitel nach tem Vorliegen tes Ge» samtberichts daher besonderes Augemnerk zu schenken haben.
In unserer gestrigen Wiedergabe deS „Matin"berichts ist das Kapital der Gölte emissionsbank mit 4 Milliarden, also 4 Millionen Aktien zu je 1000 Mark richtig- zusteilen. /
Die Wahifreiheit im besetzten Gebiet.
Berlin, 8. April. (WTD.) Das französische Ministerium des Aeuhern hat tem deutschen Botschafter in Paris auf dessen Demarche wegen Sicherung der Wahlfreiheit im besetzten Gebiet ein Schreiten zugeben lassen, in tem es u. a. heißt: Indem das Ministerium tes Aeußern ten Empfang des Schriftstücks bestätigt, gestattet es sich, die deutsche Botschaft darauf hinzuweisen, daß die französische Regierung, wie sie schon wiederholt erklärt hat. nicht beabsichtigt, sich in i n n e r- deutsche Angelegenheiten zu mischen und demzufolge auch nicht zur nächsten Wihl Stellung nehmen will. Daher sind nach Ansicht ter Regierung ter Republik die in dem Aide- Memoire des deutschen Botschafters aufgeworfenen Fragen zwischen ter interalliierten Rhein- landkomniifsion oder tem französisch-belgischen Kommando einerseits und ten örtlichen deutschen Behörden Andererseits zu regeln. In diesem Zusammenhang, gestattet sich die französische Regierung die deutsche Regierung daraus hinzuweisen, daß der Oberkommissar in Koblenz und der tommanbierente General der Rheinarmee geneigt sind, alle Maßnahmen zu treffen, um die Wahlhandlungen nicht nur zu ermöglichen, sondern auch zu erleichtern unter ter einziger Bedingung, daß die öffentliche Ordnung nicht gestört wird und daß die Sicherheit bei Desatzungstruppen gewährleistet bleibt.
(Einigung mit den Eisenbahnern.
Berlin, 9. April. (Priv.-Tel.) Rachdem gestern in den Beratungen mit den Eisenbahnarbeitern in ter Lohnfrage eine Einigung erzielt worden war, haben auch die weiteren Verhandlungen im Reichsterkehrsmmisterium zu einem beide Teile befriedigenden Abschluß geführt. Die Forderung des Deutschen Eiseenbahnerverbandes, daß de ausständigen Eisenbahnarbeiter nicht gemaßregelt würden, wurde anerkannt. Es ist daher mit Sicherheit an* zunehmen, daß im Laufe des heutigen Tage- die Teilstreiks im Reiche ihr Ende finden.
Unruhen in Ludwiststtafen.
Ludwigshafen, 8. April. (WB) Heut« früh kam es wieder zu Ansammlungen von Frauen der Ausgesperrten der Ani-


