Preußen und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 8. Aug. Die preußische Regierung hat sich in den letzten Tagen mit den Beschwerden rechtsgerichteter Kreise gegen die re- publikanische Organisation „ReichsbannerSchcoarz- Rot-Gold" beschäftigt. Wie roir hören, hat sich die preußische Regierung dahin entschieden, daß irgendein Anlaß, gegen das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" einzuschrerten, nicht vor- liegt. Soweit diese Organisation dafür eintrete, die Reichsverfassung zu schützen und für den neuen Staatsgedanken in Deutschland zu Dirken, feien ihre Bestrebungen zu fördern. Auf der anderen Seite aber müsse hervorgehoben Verden, daß irgendein Zusammenhang zwischen dieser Organisation und den amtlichen preußischen Stellen nicht besteht. Die preußische Regierung Verde auch offiziell an den Veranstaltungen dieser Organisation nicht teilnehmen, während es bfcn Mitgliedern der preußischen Regier rag frei» ^gestellt ist, als Politiker mit dieser Organisation Sn Verbindung zu treten und ihr anzugehören.
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. Reichswehrsoldaten vor dem Staatsgerichtshof. Waffendiebftähle für Kommunisten.
Cin Zwischenfall zwischen dem Senats- Präsidenten und den Verteidigern.
Leipzig,?. Aug. (Wolff.) Die heutige Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof zum Schuhe der Republik bezieht sich auf Waffendiebstähle bei der Potsdamer Reichswehr. Zu verantworten haben sich 10 Angeklagte, von denen vier, zwei Unteroffiziere-, ein Gefreiter und ein Schütze, zur Zeit der Straftaten beim Potsdamer Truppenteil des Ints.-Rgts. 9 bzw. Reiterregiment 4 dienien. Angellagt sind ferner der Maurer Karl Fiedler, der Bootsmann Kurt Großmann und der Arbeiter Wilhelm Schatz, sämtlich aus Potsdam, die dieangeclagten Soldaten, die Unteroffiziere Ludwig Burkhardt und Max Mehlhorn, Gefreiter Paul Krause und Anterofsizier Karl Fehling veranlaßten, im Oktober und Rovember 1923 Waffen und Spreng st offe aus Heeresbeständen für die kommunistische Partei zu beschaffen, wobei sie sich der Vermittlung der angeklagten Brüder Franz und Gerhard Fvackmann. beide Gärtner aus Potsdam, bedienten. Außerdem ist die Ehefrau Bertha Burkhardt wegen Beihilfe angeklagt. Weiter ist ein O b e r g e f r e i- t e r an den Straftaten beteiligt. Er hat in der ^Untersuchungshaft seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht. Die Verhaftung der Angeklagten erfolgte im Anschluß an die Entdeckung hes Waffenlagers bei dem Angeklagten Fiedler. Zur Verhandlung sind etwa 20 Zeugen geladen. Vor dem Eintritt in die Verhandlung wurde das neue Mitglied des Staatsgerichtshofes, Reichsgerichtsrat Hettner, vereidigt. Hierauf brachte Rechtsanwalt Sam ter für den Angeklagten Großmann einen Ablehnungsantrag gegen den Vorsitzenden, Senatspräsident Riedner, wegen seiner Haltung in Königsberg ein. Er führte aus, Riedner habe sich als Vorsitzender des höchsten Gerichts in abfälliger Weise gegen die Partei ausgesprochen, der Großmann angehört, indem er in bezug auf die einer kommu- nistischen Iugendvereinigung von einer gleichen russischen Vereinigung gestifteten Fahne von einem „russischen Fetzen" sprach. Diese Beschimpfung des Symbols der kommunistischen Partei müsse jeder Kommunist als Faustschlag ins Gesicht empfinden. Weiter habe der Vorsitzende die Sihungspolizei nur gegen die der kommunistischen Partei angehörenden Zuhörer, z. D. gegen den Laicktagsabg. Dr. Metzer und auch gegen ihn selbst ausgeübt. Rechtsanwalt H e r z f e l d schloß sich dem Ablehnungsantvag an. Daö Gericht lehnte den Antrag ab. Hierauf wurde in die Vernehmung der Angeklagten eingetreten, siebter erklärt, Mitglied der kommuni st i- schen Partei zu sein, er habe sich aber von den
Neuaufrollung der Regierungsfrage im Reiche?
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 8. Aug. Don demokratischer «nd sozialdemokratischer Seite wird behauptet, daß in den Kreisen des Zentrums und der Deutschen Volkspartei gegenwärtig die Reigung bestehe, nach der Lösung der außenpolitischen Probleme die Verhandlungen mit den Deutsch nationalen über die Regierungsfrage im Reiche wiederaufzanehmen. Rach der Verabschiedung der Ausführungsgesetze durch den Reichstag würde der Eintritt der Deutschnationalen in die Reichsregierung gesichert sein. Don maßgebender Seite der Deutschen Vvlkspartei wird uns hierzu mitgeteilt, daß diese Besorgnisse der Linksparteien hauptsächlich auf parteipolitische Gesichtspunkte zu- rückzufüyren seien. Wenn sich die Möglichkett , einer Einigung zwischen den Deutschnationalen und 'den gegenwärtigen Regierungsparteien über die Errichtung einer BürgerblockLegierung im Reiche ergeben sollte, so würde man das auf feiten der .Deutschen Volkspartei lebhaft begrüßen. Auf der anderen Seite aber hänge es von der deutsch- nationalen Reichstogsfvaktion ab, ob sie bereits unmittelbar nach der Lösung der außenpolitischen Frage Wert daraus legen werde, in neue Verhandlungen über die Regierungsfrage im Reiche einMtreten.
Die kommende Reichstagstagung.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 8. Aug. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, wird der Reichstag im Falle des Zustandekommens einer Einigung in London in der Zeit um den 18. Aug. herum seine Tagungen wieder aufnehmen, um die deutschen Ausführungsgesehe zum Sachver- stä-ndigen-Bericht zu verabschieden. Die deutsche Delegation dürfte gleich nach ihrer Rückkehr mit den Parteiführerrn des Reichstages in Fühlung treten, um die parlamentarische Lage so schnell rvie irgend möglich zu klären. Man hofft, daß esmöglichsein wird, die Entscheidung im Reichstag bis spätestens 10. September dur chzu fü hr en.
Arbeiten der Partei zurückgezogen, oa er sich an die Saarmünder Chaussee ein Siedlungshaus gebaut habe.
Der Angeklagte Mehl Horn, der in der Voruntersuchung zugegeben hatte, daß er Gewehre entw endet und über die Mauer der Kavalleriekaserne geworfen habe, erklärte sodann, er habe diese belastenden Aussagen nur gezwungen gemacht, weil man ihm nichts zu essen gab. Auch hatte er Angst vor dem Kriminalkommissar Staatsanwaltschaftsvat Gysae. Eines Morgens antwortete ihm der Staatsanwattschaftsrat auf seinen „Guten Morgen'-Gruß: „Für Sie wäre es das beste. Sie würden gleich an die Wand gestellt." Als der Angeklagte nach wiederholten Vorhaltungen über seine widerspruchsvollen Aussagen auf den angeblichen Drohungen des Staatsanwaltschaftsrats GY ae beharrt, macht der Vorsitzende Senatspräsident Riedner eine Bemerkung, die nicht verständlich ist und sagt am Schluß etwa, es wäre vielleicht auch besser, Sie wären an die Wand gestellt worden. Die Worte lösen lebhafte Bewegung aus. D i e Rechtsanwälte Dr. HerzfeldundSam- t er packen sofort die Akten zusammen. Als Herzfeld eine Erklärung abg.'ben will, entzieht (hm der Vorsitzende das Wort mit der Bemerkung, hier würden keine Erklärungen abgegeben, sondern nur Anträge gestellt. Herzseld icill den Saal verlassen, wird aber vom Vorsitzenden zurückgehulten. Samter gibt hierauf eine Erklärung ab, daß er infolge der Worte des Vorsitzenden sein Mandat als Verteidiger niederlege. Herzfeld schließt sich dem an. Beide Verteidiger verlassen den Sitzungssaal. Der Vorsitzende gibt nunmehr bekannt, daß er vorhin sagte. Wenn Sie das wirklich getan hätten, die Beschaffung von schweren Waffen und Munition zur Vorbereitung des Hochverrats, dann wäre es vielleicht gerechtfertigt gewesen, daß Sie an die Wand gestellt würden. Weiter teilt er mit, daß die Verhandlungen bis zum Rachmittag vertagt werden sollen, um neue Verteidiger von Amts wegen zu bestellen. Der Verteidiger Rechtsanw. Dr. Döring äußert jedoch Bedenken hiergegen, da neue Verteidiger so schnell nicht zu bestellen seien. Infolgedessen wird die Verhandlung bis zum Freitag vertagt.
Kommunistisches aus 1 aller Welt.
Die Schweiz sperrt deutsche und französische Agitatoren ein.
Wie aus Genf gemeldet wird, sind der französische Kommunist Gilbert und der deutsche Komm unist Thomas in Zürich bzw. Schaffhausen verhaftet worden. Das scharfe Vorgehen der schweizerischen Behörden gegen ausländische Kommunisten ist darauf zurückzaführen, daß man in der Schweiz erfahren hat, es würden von russischer kommunistischer Seite zur Zeit besondere Ansttengu.igen geinacht, um in der Schweiz eine starke Propagandatätigkeit zu entfalten.
Bulgarien inr Kamps gegen die Bolschewiken.
Sofia, 7. Aug. (WTB.) Der Minister des Innern Russew empfing1 die a u s lä n di- schen Pressevertreter und führte etwa folgendes aus: Die bulgarische Regierung hat trotz der bereitwilligen Mitarbeit der Bevölkerung große Schwierigkeiten, mit dem bolschewistischen Terror fertig z u we r- den, da die bolschewisttschen Agitatoren im Besitz großer Mittel sind. Diese Agitation bildet eine gemeinsameGefahrfüralle Balkan st aaten. Die Dobrudscha ist voll von bolschewistischen Agenten, die mit den Kommunisten in Bulgarien z isammen- arbeiten. Es würde sich daher ein Zusammengehen zwischen Rumänien und Bulgarien empfehlen. Bulgarien hat kein stehendes Heer was die Bekämpfung der kommunistischen Gefahr aus eigener Kraft sehr erschwert.
Der polnisch-russische Grenzkamps.
Warschau, 7. Aug. (WTB.) Die Zahl der während der Verfolgung der Sowjetbanden bei Stolpcy gefallenen Polizisten und Soldaten beträgt 14. In den Strahenkämpfen in Stolpcy wurden nach den letzten Berichten 10 Zivilpersonen getötet. Das Ministerium des Aeuhern wies den polnischen Geschäftsträger in Moskau drahtlich an, wegen des Angriffes von bewaffneten Sowjetabteilungen auf die Stadt Stolpcy zu intervenieren. Gleichzeitig wurde bei der Sowjetgesandischaft in Warschau eine Verbalnote der polnischen Regierung in dieser Angelegenheit überreicht.
Die Wirtschaftskrise im Ruhrgebiet.
Die Verbände des Baugewerbes haben einstimmig die Stillegung aller Betriebe des Hoch-, Beton- und Tiefbaues in Rheinland-Westfalen beschlossen. Von Mittwoch, 13. August, ab soll die Arbeit auf allen Bauten und Arbeitsplätzen des Hoch», Beton- und Tiefbaues vollständig rühm.
Beginnende WiederhersteLlung des Rechtszustandes in der Pfalz
München, 7. Aug. (WTB) Dem Vernehmen nach ist es gelungen, die Freilassung sämtlicher Pirmasenser Gefangenen zu erreichen. Es sind dies 44 Personen. Gegen weitere 60 Personen war ein Verfahren eingeleitet worden. Auch dieses wurde niedergeschlagen, so daß im ganzen 104 Personen außer Verfolgung gesetzt wurden.
Rach einer Meldung aus Berlin ist der Pfälzer Regierung neuerdings von der Interalliierten Rheinlandkommission eine Aste mit 1116 Aus- gewiesenen überreicht worden, denen die Rückkehr erlaubt worden ist. Auf der Liste befinden sich auch solche Pfälz-er, die seinerzeit wegen Abwehr der Seperatistenbewegung ausgewiesen worden waren, darunter der Polizeiinspettvr Rothaus aus Pirmasens.
Polnische „Vlutausfrischung" in Frankreich.
M y s l o w i tz , 7. Aug. (WTB.) Gestern ist von hier der 100. Transport polnischer Arbeiter nach Frankreich abgegangen. 3m letzten Jahre sind insgesamt 45 544 polnische Auswanderer nach Frankreich abtransportiert worben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 8. Aug. 1924.
Vorzeichen von Gewittern.
Don jeher war in allen Ländern die Wissenschaft wie die Laienwelt stets darauf bedacht, Gewittererscheinungen mit einiger Sicherheit vorher zu erkennen, die in so fühlbarer Weise mannigfach in die Erlebnisse des Alltags einzugreifen vermögen. Ein einziges hefttges Gewitter tonn die Ernte eines ganzen Jahres vernichten, kann äleberschwemmungsnot und Feueischaden Hervorrufen und — kann auch den schönsten und gemütlichsten, unter günstigen Vorzeichen begonnenen Ausflug völlig verderben. Was den letzteren Punkt anbetrifft, so kann man sich gegen allzu unliebsame äleoerraschungen a>enigstens teilweise schützen, wenn man die gewitterdrohenden Vorzeichen kennt und sich entsprechend einrichtet, sobald man sie wahmimmt.
Einige von dielen Vorzeichen sind allgemein bekannt. Die charakteristische, drückende Gewitterschwüle, die meist verbunden mit Windstille ein» tritt, h.tt jeder schon oft empfunden. Es ist beachtenswert, daß die Schwüle bei betedtem Himmel weit unangenehmer empfunden wird, als bei sonnigem Wetter. Viele Leute spüren es bckannt- lich auch an allerhand rheumatischen und andern Empfindungen an ihrem Körper schon lange vorher, wenn „ein Gewitter in der Luft liegt '. Aus Hitze, Schwüle und Windstille allein kann man aber noch keine sicheren Schlüsse ziehen: sie könn:n, wenn sich etwa plötzlich ein frischer Wind erhöbt, ganz von selbst, d. h. ohne elektrische Entladungen, wieder verschwinden. Gesellt sich aber zu jeien andern Vorzeichen ein eigentümlicher, weißer Dunstschleier, der das Blau des Himmels matt und glanzlos erscheinen läßt, sind die Wolken- konturen selbst verwaschen und türmen sich die bekannten Kumuluswolken unbestimmt auf einer farblos-düsteren, nebelhaften Wolkenbasis aus, so darf man mit großer Sicherheit aus ein Gewitter rechnen. Damit ist freilich noch nicht gesagt, daß die elektrischen Entladungen nun gerade über dem Berbachtu ngspunlt selbst zur Entfaltung kommen worden: sie können auch irgendwo in der älm- gegenb niedergehen und äußern sich dann in weiterem älmkreis nur durch eine fühlbare Abkühlung und vielleicht durch einen tüchtigen Gewitt-erwind, ohne daß es jedoch zu Regen, Donner und Blitz kommt. Immerhin wird man gut tun, wenn jene Vorzeichen zusammentreffen, sich auf ein Gewitter vorzubereiten, dessen Ausbruch in den nächsten Stunden mindestens sehr wahrscheinlich ist.
Ein Zusammenballen schwärzlicher Wolkenmassen am Horizont, aus denen sich die bekannten, prachtvollen Weißen Häupter der Ku- lumuswolken wie ferne Schneegebirge emportürmen, deutet noch keineswegs immer auf ein bevorstehendes Gewitter. Oft wird das herrschende schöne Wetter dadurch gar nicht beeinflußt, oft kommt es auch zu kurzen, unbedeutenden Regenfällen, die jedoch bald wieder dem schönen Wetter und der Sonne den Platz räumen. Aus der Schwärze der Wolken darf man jedenfalls nicht, wie es viele Menschen unwillkürlich tun, auf die Schwere eines bevorstehenden Unwetters schließen: oft genug kommt es vielmehr vor, daß Wolkenmassen am Horizont durch den Kontrast zum hellen Sonnenllcht in den fürchterlichsten Gewitterfärbungen erscheinen, die aber beim Räherkommen immer Heller werden und sich schließlich als durchaus harmlose Gebilde entpuppen und weder elektrische Entladungen, noch auch nur Regen in sich bergen. Um daher zu entscheiden, ob eine verdächtige dunkle Wolkenmasse von gutartigem oder bösartigem Charakter ist, muß man wieder auf besondere Kennzeichen achten. Sind die Wolkenränder klar und scharf, so ist nicht viel zu befürchten, sind sie aber unklar und verwaschen, so ist Regen mit Sicherheit, bei sonst herrschender Schwüle usw. ein Gewitter mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Fliegen aber vor der Stirn der Wolken mässe weiße cirrusartige, aufwärtsgebogene Wolken- sehen wie flatternde Fahnen daher, so hat man es zweifellos mit einem Gewitter zu tun, dessen Ausbruch auch meist nicht mehr lange auf sich warten läßt.
Sehr zuverlässige Anzeiger von Gewittern sind auch Barometer und Wetterkarte. Man kann gan® allgemein die Regel aufstellen: Bei steigendem Barometer gibt es keine Sommergewitter. Vielmehr pflegt jedem Gewitter ein oft langes und sehr langsames Fallen des Barometers vor- aufzugehen, das sich gelegentlich selbst über mehrere Tage erstrecken kann. Bei großer Unruhe des Barometers gibt es keine Hihegewitter, was ja auch selbstverständlich ist, da diese gerade durch möglichste Windstille und Ruhe der Atmo- sphäie bedingt und begünstigt werden. Läßt somit eine aufmerksame Beobachtung des Barometers schon recht sichere Schlüsse zu, ob man mit der Möglichkeit von Hihegewtttem zu rechnen hat oder nicht, so vermag das Bild der abendlichen Wetterkarte in vielen Fällen noch zuverlässigere Anhaltspunkte für den laufenden und für den folgenden Tag zu gewähren. Wenn nämlich die barometrischen „Isobaren", die die Wetterkarte aufweist, und die meist in großen, schön geschwungenen Bogen ober in geraden Linien über das Bild der Landkarte dahinlaufen, unvermittelt an verschiedenen Stellen wunderliche Schnörkel, kleine, sackartige Ausbauchungen aufweisen, so weiß der Wetterprophet, der sich vorsichtigerweise sonst höchstens zu der oft verspotteten' Prophezeiung „Reigung zu Gewittern" oder „Gewitter nicht ausgeschlossen" versteigen kann und darf, daß er diesmal ausnahmsweise getrost melden kann: „Gewitter sehr wahrscheinlich". Jene Säcke in den Isobaren stellen kleine Teildepressionen dar, die über weite Landstrecken dahm- schreiten und überall zu ausgedehnten Gewitterphänomen Veranlassung geben. Wer die Wetterkarte und das Barometer, die „Zeichen des Himmels", und die mannigfachen physiologischen Wirkungen der „Gewitterluft" aufmerksam beobachtet und einige Hebung in der Beurteilung hat, der wird sich kaum jemals unvermutet von einem Gewitter überraschen lassen, denn so launisch und unberechenbar diese Wetterphänomene auch sind, so sind sie doch an gewisse Gesetze und Regeln gebunden, die man zu wetter- prognostischen Zwecken trefflich zu verwerten vermag.
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* Preußische Maßnahmen gegen kommunistische P f l i ch t w i d r i g k e i t e n in den Gemeindeparlamenten. Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge weist der preußische Minister des Innern anschließend an einen früheren Erlaß über die Verpflichtung der Stadt-(Gemeinde)verordneten die preußischen Kommunalbehörden noch darauf hin, daß in dem
Talle, wo Stadt- oder Gemeindeverordnete zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung durch Handschlag abgelehnt oder später durch ausdrückliche Erklärung oder sonstiges Verhalten zu erkennen gegeben haben, daß ihre Verpflichtung nicht ernstlich gemeint sei, dje nachträgliche Bekundung der Willensänderung besonders eingehend auf ihre Ernstlichkeit zu prüfen sein wird. Aus dem Inhalt der Erklärung selbst muß mit voller Klarheit hervorgehen, daß der betreffende Verordnete die von der Zentrale der K. P. D. als Instruktion für die neugewählten kommunistischen Gemeindevertreter usw. herausgegebenen Anweisungen, die zu seinen Pflichten in schärfstem Widerspruch stehen, ablehnt oder verwirft. Sollten sich Stadt- oder Gemeindeverordnete ungeachtet ider Abgabe einer derartigen Verpflichtung oder Erklärung nicht an sie halten, können sie ihr Mandat nicht ausüben und an den Sitzungen nicht Bteilnehmen. Die Beschlüsse oder Vertretungen, wobei die von der Mandatsausübung ausgeschlossenen Personen trotzdem mitwirkten, sind wegen Gesetzwidrigkeit zu beanstanden. Gegebenenfalls ist die Auflösung der Gemeindevertretung beim Innenminister zu beantragen.
*’ E i n unzutreffendes Dementi gegen den „Gießener Aiize-iger". In der gestrigen Ausgabe des Friedberger „Oberhessischen Anzeigers" fühlt sich eine „maßgebende Seite" berufen, unseren Bericht über den Vorfall in der Familie Dergk in Lang-Göns, den das Friedberger Blatt in seine Spalten übernommen hatte, als „sehr stark übertrieben" zu bezeichnen und in gewissen Punkten zu dementieren. Wir können dieser „maßgebenden" Seite nur erwidern, daß ihr älrteil durchaus unmahgeb- l i ch und oberflächlich ist: unmaßgeblich, weil diese „maßgebende" Seite über Dinge urteilt, die sie nicht selbst gesehen, sondern jedenfalls nur vom Hörensagen kennengelernt hat, und oberflächlich, weil die „maßgebende" Seite gegen Behauptungen vorgeht, die in unserem Bericht gar nicht ausgestellt waren. Was wir über den fraglichen Vorfall berichtet haben, entspricht vollständig den amtlichen Feststellungen der mit dieser Sache dienstlich befaßten Amtspersonen: es ist also unanfechtbar. Die „maßgebende" Seite des „Oberhessischen Anzeigers" hätte besser geschwiegen, denn ihre Stilübung in jenem Blatte ist so wenig wert, wie die vielen unzutreffenden Erzählungen, die in manchen Bevölkerungskreisen über den Vorfall herumgetragen werden und vor denen wir gleich gewarnt haben.
** Zu der Derf af sungs feier am Montag abend im Stadttheater wird im An
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zeigenteil unseres heutigen Blattes vom Kreisamt eingeladen. Man beachte die Anzeige.
*• D i e Reichswehr hat gestern morgen unsere Stadt verlassen, um auf dem Truppenübungsplatz Münsingen an mehrwöchigen Hebungen in größerem militärischem Verbände teilzunehmen. Die Rückkehr der Garnison ist erst gegen Ende September zu erwarten.
’* Militärkapellen und parteipolitische und ähn l i che Veranstaltungen. WTB. meldet: Um zu verhindern, daß das Spielen von Militärkapellen für politische und sonstige Sonderzwecke mißbraucht wird, ist ihnen in jedem Falle das Spielen in Uniform bei allen Veranstaltungen von Organisationen, Vereinen und Bünden untersagt, deren Mitgliedschaft den Heeresangehörigen auf Grund der §§ 36 und 37 des Wehr^setzes untersagt ist.
BornoNzen.
— Tageskalender für Freitag. V. H. C. Gießen: Monatsversammlung, 81/2 älhr im Eisenbahnhotel. — Rundfunkhaus, Löberstta^: 81/2 älhr: Buntes Programm.
— Der Evang. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag einen Familienausflug nach Wetzlar. (Siehe Anzeige.)
Landkreis Giehen.
O Wieseck, 7. Aug. In einer der letzten Aächte wurde in den Laden des Bäckermeisters Pausch eingebrochen. Die Diebe stahlen zehn Tafeln Schokolade und aus der Laden- kasse, die sie in raffinierter Weise öffneten, 15 Mk. Kleingeld. Gewisse Anhaltspuntt? deuten darauf hin, daß die Einbrecher mit den örtlichen Gepflogenheiten sehr gut vertraut sind.
J) Lich, 7. Aug. Der G edächtnistag für die Gefallenen am vergangenen Sonntag ist hier in ähnlicher Weise, wie anderwärts, begangen worden. Gr wurde eingeleitet dicch feierliches Glockengeläute in der 3eit von IF/s bis 12 ilhr, woran sich ein 2 Minuten langes allgemeines Schweigen anschloß, ilm l3/4 ülhr versammelten sich die sämtlichen hiesigen Vereine und der Stadtvorstand aus dem Schloßplatze, um unter Vorantritt der Fahnen geschlossen an dem Festgottesdienst teilzunehmen, in dem Stiftsdechant Lenz eine zu Herzen gehende Gedächtnisrede hielt, die umrahmt war von Gemeindegesängen und Gesangsvorträgen des Gesangvereins „Cäcilia". An den Gottesdienst schloß sich eine öffentliche $ rauer feier an dem Kriegerdenkmal an, das zu Ehren der Toten mit Blumen und Kränzen reich geschmückt war Daselbst fand eine kurze eindrucksvolle Feier statt, in deren Mittelpunkt eine Ansprache stand und die verschönt war durch Trauergesänge, die die hiesigen Gesangvereine gemeinschaftlich vortrugen.
Kreis Friedberg.
fpd. Bad-Rau heim, 7. August. Ein Deutsch-Amerikaner stellte die Mittel zum Wiederaufbau des einstigen römischen Wachturmes auf dem Winterstein zur Verfügung. Der massige Turm, mit dessen Aufbau bereits begonnen wurde, mißt acht Meter im Quadrat und wird etwa 12 Meter hoch. Mit der Ausführung der Bauten wurde Bauunternehmer Mörschel- Friedberg betraut. Von dem römischen Wachturm aus verständigte sich die römische Besatzung durch Zeichen mit den Wachtürmen auf dem Hausberg, dem Johannisberg und mit dem Kastell Kapersburg.
sf. Friedberg, 7. Aug. Auf Einladung deS Beigeordneten Dr. Leuchtgens fand gestern abend im Ratskeller eine öffentliche Versammlung statt, welche sich mit dem Plan der Errichtung eines städtischen Saalbaues beschäftigte. Der überaus zahlreiche Besuch, an welchem alle Stände, Berufsarten, Vereine und politischen Parteien beteiligt waren, gab den besten Beweis für das allgemeine Interesse, welches man in der ganzen Bevölkerung dieser Sache entgegenbringt. Der ® in beruf er legte in seinem Referate alle Gründe dar, die die Errichtung zur zwingenden Rotwendigkeit machen. Schon der frühes Bürgermeister Stahl hatte während seiner Amtstätigkeit ein Preisausschreiben erlassen, welches
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