Einzelbild herunterladen

Kettag, 8. August 192$

174. zayrgang

Erstes Blatt

reit'i»4 aReise- nfiafbifr

}

Paris in Erwartung.

Don unserem Pariser Mitarbeiter.

Pari». 5. August 1924.

Forderungen Nollets.

Paris, 8. Aug. Der Sonderberichterstatter! desPetit Parisien" glaubt zu wissen, dah heute eine Verhandlung zwischen den deutschen, fran­zösischen und belgischen Ministern über bie Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebietes stattsinden wird. Für diese Verhandlungen sehe man drei bis vrer Tage vor. Der Plan, der gestern durch General Rol­let und Finanzminister Elementes den eng­lischen Ministern unterbreitet worden sei, fordere als Zugeständnis für die militärische Räu­mung die Demobilisierung der Reichs- polizei, also der grünen Polizei sowie Me eventuelle Kontrolle der Entwaff­nung Deutschlands, sowie die Fortset­zung der Besetzung der Kölner Zone durch die britischen Truppen auf Grund einer Art Mandats, das der Völkerbund England übertragen soll.

Paris, 7. Aug. Rach der®re Rouvelle" wurde gestern abend in Kvnserenzkreisen in Lon­don erzählt, dah General Rollet Macdon^d einen P lan betreffend die militärische Räumung des Ruhrgebiets und die Räumung der Kölner Besatzungszvne überreicht habe. Cs sei darin vorgesehen:

1. eine internationale Regelung im Zusammenhang mit der Räumung der Kölner Zone und der Völkerbund würde damit be- traut, sich die Sicherheitsfrage angelegen sein zu lassen;

Daily Telegraph" zufolge herrschte gestern in "amerikanischen Kreisen Optimismus. Staatssekretär Hughes hätte Europa mit der Heberzeugung verlassen, daß alles £ gehen werden

der deutschen Delegation und Herriot eine Eini­gung herbeizuführen. Danach soll Frankreich die endgültigemilitärischeRäurnung zum 31. Dezember 1924 zu gestehen und die Forderung auf weitere Aufrechter­haltung der Besetzung der englischen Zone fallen lassen. Weiterhin soll der Beschluß über die Beibehaltung von 4000 französisch-belgischen Eis en bahnernbei den Ruhreisenbah­nen dahin abgeändert werden, bah lediglich eine vollständig von dem Betrieb der deutschen Eisenbahnen getrennte interalliierte Orgam» fation die Kontrolle über die drei strategischen Linien auszuüben habe und die 4000 französisch-belgischen Eisenbahnarbeiter in Wegfall kom­men Auf der anderen Seite empfiehlt die eng/- lische Regierung der deutschen Delegation ihre Einwendungen gegen die bisherigen

der alliierten Konferenzmächte zum größten Teil zurückzuziehen. Was die übrigen französischen Forderungen auf Kompensationen für die militärische Räumung der Ruhr betrifft, so sollen diese Fragen, soweit sie nicht zur Rege­lung des Sachverständigenplanes gehören, zu­rückgestellt a>erben.

Ur. 185

'Erscheint täglich, außer ! Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter MonatL-vezugrpreis:

2 Goldmark u. 20 Gold- Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech-.Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach­richten: AnzeigerSictzen.

Postscheckkonto: grantfürt a. M. 11686.

Längere Dauer der Konferenz.

London, 7. Aug. (WTD.) Die Adend- presse betont, es sei jetzt klar, dah die Londoner Konferenz länger dauern werde, als ursprüng­lich gedacht war, und dah sie nicht vor Dienstag oder Mittwoch zu Ende gehen könne.

Marx, Stresemann und Herriot.

London, 7. Aug. (WTD.) Der Reichs­kanzler und der Minister des Reicheren Dr. Stresemann haben heute nachmittag 3 /» Hhr den Ministerpräsidenten § er r io t in seinem Ho­tel einen Höflichkeit sbesuch abgestattet, der von Herriot gegen 4^2 Hf)r Aihhotel er­widert wurde.

H a v a s meldet hierzu: ,

Es wird erklärt, daß der Besuch rem for- mellen Charakter gehabt habe. Es liegt auf der Hand, daß sich daran ein M e i n u n g s a us- tausch über die Hauptfragen anschnehen wird, die Frankreich und Deutschland betreffen, und un­ter denen an erster Stelle die militärische Besetzung des Ruhrgebiets steht. An widerer Stelle wird versichert, daß in Kürze eine Ein i- a u n g zwischen den französischen^ und deutschen Sachverständigen über die Modalitäten des S a ch- lieferungsverfahrens zustande kommen dürfte.

Englische Vermittlungs­vorschläge.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 8. 2Iug. Wie wir hören, steht un Mittelpuntt der Auseinandersetzung auf der Lon­doner Konferenz ein Vermittlungsvor­schlag Macdonalds, der bemüht ist, zwischen

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichkeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite 8rtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- klame.Anzeigenv.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20'/, Auf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: R.Friedr.Wilh. Lange; ür den übrigen Teil. Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen.

tebotfe.

ohcrt: Dei^

^ndeiq ln=

lborse.

^fienmarft iva. feinen mlda- Wrüdgänge m

I« 1000 Kilo y rnäd. 137 182. nm 166 bis W 280 bis

M* 21 du 2325 . 10.20, Tiitoiue^ >.50 bis 17, Futter- 13 bts 14, Acker- * bis 16, Shdumh, 1 Rapskuchen ujq msHnitzel 9,50 bis 20, Ätrtoffdflbdai

Dach einer Agenturnreldung aus Washing­ton wird in Finanzwesen mit eurer mten- fine n amerikanis chen un®

nm europäischen Wiederaufbau ge­rechnet falls auf der Londoner Konferenz eure Einigung zustande kommt. Es Verla daß die Federal Reserve Bank den Wechseln der neuen Reichsbank dieselben Vergün­stigungen gewähren mer&e tote der vorläufigen Golddiskontbank, vvv- ausgesetzt daß die Grundlagen gesund seren. Das bedeute toie man annehme, daß dte kunftrge deutsche Währung eine Dollar- and nicht eine Pfundbasis haben solle. Ferner wird erklärt, daß die Federal Reserve Bank dre gleichen Privilegien auch (Ui blanderen europäischen Länder aaszudehnen gedenke und daß die deutschen Eisenbahnobligationen auf einen breiten Markt in den Vereintsten Staaten rechnen Simen.

Ein deutscher Teilsieg in London.

Herabsetzung der wirtschaftlichen Räumungsfriften. Ein Abkommen in der Amnestiefrage. Englische Vermittlungs-Versuche in der Militärfrage.

Wbn

Weil e,l«&n4X üillr, ^'^-8es.

vis «

Senz r

WÄjSS«

s

y

b OffuItiSmU tiM. besonders aber stige Strömung bei nmer toettere >r von der mrteria- ingenen Fchrzehnte b nun viel mi dem le, und Okkultismus die Liim gefangji, ert, einmal aus be­dinge ausgcklän me üanitaterat Dr. rin seit Fchrzehnlen rt auf ben 96 Seiten lismus" (Frtmch- tdttgartl durch das U3, w-M auch der rchlaglichter noch be­llest. dirse Sr° auf Betrug imd auf hoführen lind. Ms- tc ErscheMMg ie3

-Mmchem-Pemtz nieder in hlfwMer czShlimgen des Dich- Ü» drsMrques be it; fennt, weiß ja, tw et seine schönsten S» MenimdbimM«. Me gdungai M>. Win nMm- er noch em

me Äome- Lembs

Mng erleb ! dv brs Gefchik, das uns ZherAichtM-ll die graue Lage «ei

tatter. W?* stets ftifchem und M

tn die Hand l»

MM TOT®'

Die Londoner Konferenz macht trotz der deut­schen Einwände gegen die Anempfehlungen" der Unterausschüsse und ttotz der durch die militärische Räurnangssrage entstandenen heiklen Lage Fort­schritte. Zwar sind wir bezüglich der Einzelheiten .bedauerlicherweise wieder auf französische Mel­dungen angewiesen, aber die erzielten Erfolge 't>ec deutschen Vertreter gewinnen hierdurch in einem gewissen Sinne Bedeutung. Allerdings ist nicht zu verschweigen, dah das vomMatin" ge­meldete und unten veröffentlichte Abkommen in !ber Amnestiefrage, d. h. der Zurücknahme der Ausweisungsbefehle und der Befreiung der Ruhr­kampfgefangenen, in weitesten Kreisen Deutsch­lands, besonders aber im besetzten Gebiet, lebhafte und berechtigte Beunruhigung Hervor­rufen wird. Eine Amnestierung der separatisti­schen Hochverräter würde, wie hier des öfteren ausgeführt wurde, von diesen als eine

nachträgliche Legalisierung ihrer De-

wegung angesehen und dargestellt werden und mufote da die Gesellschaft dieser Hochverräter nach wie vor sich des Schutzes derselben französischen Beamten und Militärs erfreuen würde, im be- ! setzten Gebiete eine neue unhalckare Lage schas- fen Es ist aus diesem Grunde zu erwarten, dah die' Meldung desMatin" den Tatsachen nicht entspricht, zumal seitens der Regierung noch un­längst betont wurde, daß eine Amnestie für Hoch­verräter nicht in Frage kommen könne.

Das wichtigste Problem, die militärische Räumungsfrage, ohne dessen Losung die deutschen Vertreter das Schluhproto- k v l l von Loudon nicht unterzeichnen können, wird leitens der Franzosen noch immer zum Gegen­stand eines Kuhhandels gemacht. Trotzdem es tn Frankreich nicht an Stimmen fehlt, die das Hn° ehrliche und für die Franzosen Entehrende dieses Feilschens einse^n. So nimmt der Pariser Temps" in seinem gestrigen Leitartikel Stellung gegen die Politik des Feilschens um die militärische Räumung des Ruhrge­biets. Glaubt man, fragt das Blatt, daß es für Frankreich vorteilhaft wäre, wenn es sich den widersinnigen, abstoßenden und unzutreffenden Anschein gtifc als wolle es verkaufen, was es im gegebenen Augntosick doch werde herausgeben müs sen? 2^e Kon­ferenz sei zusammengetreten, um die Durchführung des Sachverständigenplanes zu sichern. Wurde der Plan ausgeführt, wie er ausgefuAt werden solle, d. h. als ein unteilbares© an ieä, sv müsse die militärische Besetzung des Ruhrge-

ilebei diese Frage ist ein Abkommen erzielt worden insofern, als für alle noch abzuurteilenden Fälle beiderseits Amnestie gewährt werden soll. (Der Malin" betont ausdrücklich, durch diese Ab­machungen seien die Sepa-ratistenfuhrer gerettet worden.) Was die noch im Gange befindlichen und schon äbgeurteüteu Fälle be­liesse, so ist der deutschen Forderung nachgegeben worden.

4. Sachtteserungen.

Hier bestehen noch ernste Schwierigkeiten. Die deutsche Regierung weigert sich in irgendeiner Weift die Sachlieferungen überdenim Frie - densvertrag vorgesehenen -Zeit­punkt hinaus zu garantieren. Man sucht jetzt nach einer anderen Losung.

5. Transfer.

Auch hier würde eine Kompromiß- | ip r £ Y A C f U. <f> t.

Rach demQuotidien" ist in dieser Frage eine Einigung erzielt worden. Rach diesem Blatte bestehen nur noch zwei S chwue- rigfeiten. Einmal in der Frage der Sach­lieferungen, in der die französische Regie­rung nicht nachgeben kann und nicht nachgeben werde und in Bezug auf die Zahlungen die vor dem 5. Oktober zu leisten sind und tue der Vor­schlag der Alliierten für die wirtschaftliche Räu­mung vorsieht.

öiets aufhören.

Selbstverständlich kommt derTemps zu, der Schlußfolgerung. dah die Auseinandersetzung über die militärische Räumung solange au f ge­schoben werden mühte, solange nicht die durch den Dawesplan zu erzielende Bezahlung der Gläubiger Deutschlands gesichert sei Erne Anschauung, die die Luge auf den Kopf zu stellen versucht, weil sie an sich für Frankrerchunhal- bar geworden ist. 3n London überblickt man sichtbar dre tatsächliche Lage besser denn ^mot hat seinen Kriegsminister Rollet vorg^ »chickt und durch ihn Ma c do na l deinen Plan . reichen lassen, der die tij. Forderungen Ent^ffnimg der Wchupo Beibehaltung der Desatzung t^ Köln dem Völkerbrmdsanhanger ^Maedonald durch den Dorschtag eines

Dolkerbundsmandats an England für die über das Friedensdiktat hinaus zu verlängernde Besetzung Kölns schmackhaft machen soll. Die deutscheni Der tretet dürsten diesen sauberen Plan, der nEs anderes als den verschleierten Beginn derVer völkerbundlichung" der Rheinlande bezweckt-ein immer wieder hervorgeholtes Verlegenhettsproiekt der Franzosen! ebenso ab lehn en, wie den bisher angebotenen Kuhhandel. rr

Auch in England hat man nach allen- bungen nld>t di- Micht. solch- .Kompromiss-" $u unt-rstüh-n. Dl-

Mrfte bCT aUgctnetnen Ans'chtder-ng i lisch-n O-sfentlichk°it Ausdruck s.s>° schreibt. ®ngtan» müsse .auf Frankreich einwirken, oaß es das /^^rg räume, mindestens sobald Dettschland PvatMch Schritte zur Inkraftsetzung des Dawes Planes ' unternommen habe. Hoffentlich werde Herriot e kennen, daß Frankreich verpfichtet sei, Nck schleunigst zurückzuziehen und ohne Verzug Vorschläge zu machen, die für alle ^eue ) annehmbar seien.

M acdonald hat nach einer Meldung un­seres Berliner Vertreters die Vermittleiwolte in dieser heikelsten Frage übernommen. Die Stel­lung, in die Frankreich durch den Verlaus der Kotrferenz gebrüdt ist, und die Verantwortung, die Herriot für ihren Ausgang trägt, dürften auch diese Frage schneller und für uns günstiger losen lassen, als es heute noch den Anschein hat.

Der Sitzungsbericht.

London, 7. Aug. (Wolff.) Der Rat der Vierzehn ist heute vormittag im Arbeitszim­mer Macdonalds im Unterlaufe zusam­mengetreten. Hm 11 älhr traten die durch die deutschen Delegierten erweiterten Ausschüsse zusammen.

London, 7. Aug. (Reuter.) Die neue Sit­zung des Rates der Vierzehn hat um 5 W tn der Totontngstreet begonnen. Die Mitgl.eder ver­schiedener Setagationen haben in einer alnter-

Die Seinestadt zeigt gegenwärtig dn Bild der abgeklärtesten Ruhe, und die wunderbaren Sommertage veranlassen die lebenslustigen Pa­riser, in den Boulevards zu promenieren, die Cafes zu bevölkern und nach Herzenslust zu fla­nieren und zu kokettieren. Wer dieses freundliche, äußerlich harmlos erscheinende Treiben beobachte^ muß den Eindruck haben, als ob man in Paris das furchtbare Leid der letzten zehn Jahre völlig vergessen hat und sich wieder in« den Strudel der gedankenlosen Genüsse stürzt, bte man hier nur allzu zahlreich finden kann. Allerdings am zehnten Jahrestag des Kriegsausbruches gab eS überall große Demonstrationen, und man sah die eigenartigften Erscheinungen des inneren poli­tischen Lebens in Frankreich, das mit dem Re­gierungsantritt Herriots sehr rege geworden ist. Am geräuschvollsten benahmen sich die französi­schen Kommunisten, die ebenso wie ihre Gesin- nungsbrüder in Deutschland nurauf die Fahne Sowjet-Rußlands schwören. Abgesehen aber von diesen mit großem Eifer betriebenen Kund­gebungen merkt man wenig von dem poltttschen Geist der Franzosen. _ _

Auch am Quai d'Orsay geht es fallend still und geräuschlos zu. Man befind« sich in einem Zustand des Abwartens, man ist etwas nervös, und man gefällt sich bann, eme liebenswürdige Duldermiene aufzusetzen, indem man erklärt, Frankreich habe in London die schwer­sten Opfer zu bringen, Opfer, wie sie fett Beendi-- gung des Krieges nicht wieder gefordert worden wären. Von Macdonald ist man enttäuscht, man

redung mit dem Reutervertveter ihrer großen Zufriedenheit über die Art und'Weise der Fortschritte Ausdruck gegeben.

Der Stand der Arbeiten.

Zugeständnisse an Deutschland.

Paris, 8. 2Iug. Heber den Stand der Arbeiten auf der Londoner Konferenz meldet derMatin":

1. Verfehlungen und Sanktionen sowie Zusam­mensetzung der Aepko.

zeigen keine unüberwindlichen Schtoie- rig feiten. Die Franzosen haben das Wort flagrante Verfehlung" definiert, es bedeute: be­absichtigte Verfehlung. Die Denftchen haben jedoch ihre Stellungnahme aufrecht erhal­ten und erklären, daß sie über jede Abänderung des Anhangs 2 Abschnitt 8 des Friedensver­trages gehört werden müsien. Sie werden ihre Forderungen schriftlich niederlegen.

2. Die industrielle Räumung des Ruhrgebiets. Die Alliierten nehmen den Hebergang der lokalen Pfänder in die allgemeinen Pfänder in einer Periode von 60 Tagen von der Auf­gabe der inneren Zollgrenze an vor. Als Schlußtermin für die Räumung war der 15. Oktober festgesetzt, dieses Datum sei auf den 5 Oktober verlegt worden. Schwie­rigkeiten bestehen noch hinsichtlich der For­derung daß Deutschland innerhalb von 40 Tagen die erste Rate für die Annuitäten zahlen soll, die der Dawesptan vorsieht. Die 2llli- ierten haben nunmehr zugestanden, daß innerhalb von 45 Tagen alles, was im Rührgebiet vereinN'chmt wird, an den Generalagenten für die Zahlungen überwiesen wird. Jedoch verlangen die Franzosen und Belgier die Abzugskvsten. Die Deutschen haben diesen Vorschlag ab­gelehnt.

3. Amnestie.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vrvck und Verlag: vrühl'fche Unwerstläts-Vuch- und Ztetndruckeret R. Lange in Stehen. Schriftleitung und GefchSftrstelle: Zchnlstraße 7.

Die militärische Räumung

rungsantrittes Herriots geg<muber d-m Englän­dern ausgesprochen wurden. Aufsallenderweise ist man eher geneigt, freundlichere Worte für Deutsch­land zu finden, als für England, das man be­schuldigt, eine feindselige Politik gegenüber Fraick- reich zu treiben. Gestern spät abends trafen ui Paris die ersten Londoner Meldungen ein, tn denen über das Zustandekommen einer vollstän­digen Einigung unter den Alliierten berubtet oxrb. Die Freunde Herriots atmen erleichtert auf. Ihnen ist ein schwerer Stein vom Herzen gefallen, berat sie sind überzeugt, daß man brat neuen französischen MinisterpräsidMtm als dem Exponenten der französischen Lin^parteien viel mehr zugemutet hat, als jemals einem Poincars zugemutet wurde. Macdonald, so erflaren die Führer der radikalen Linken tn Frankreich, habe wenig Solidarität dem Manne gegenüber gezeigt, der als Wortführer der Verständigung sich die schwere Ausgabe gestellt habe, die Interessen Frankreichs mit dem Friedensprogrannn Mac­donalds in Einklang zu bringen. Die Londoner Konferenz hat immerhin an dem französischen Herrschaftsbewußtsern über Europa bedenklich ge­rüttelt. Hüter Poincarö fühlten sich die Franzosen als unumschräntte Herren über Deutschland, dem sie alle nur erdenklichen Demütigungen auferlegen zu können glaubten. Heute weht ein anderer Wind! Hnd schon zeigen sich die ersten An^ichen der Vernunft, schon müssen auch Männer des natio­nalen Blockes sich mit dem Gedanken txdraut machen bah man in der nächsten Zukunft keine Möglichkeit mehr haben wird, auf Deutschland hLiumz-utveten. Herriot. der zeitweise von den

2. die militärische Räumung des Gefolgschaft PvincareS als ein Mise-

Ruhrgebiets könnte mit gewissen Ga- ra6[T Phantast bezeichnet wurde, ber, um Der rant ien für die Abrüstung Deutsch- Ph^ zu folgen, die Rechte Frankreichs völlig lands erfolgen. preisgeben werde, findet gegenwärtig eure nicht

Der englische Premierminister, sv fügt das ^nf rundliche Stimmung in der gesamten variier Blatt hinzu sei anscheinend nicht recht da- Presse. Man bewundert seine Klugheit Utto sein mit zufrieden gewesen, habe jedoch nichts Beraitttoortungsgefühl, und man kann sich gar dagegen gehabt, dah der Plan der Konferenz nicht genug daran tun, feine Haftung zu toben, unterbreitet toerix. Me auf terJetornfWUtben

I nationalen Interessen Frankreichs beruht habe. (ÄtA Diejenigen, die sich mit der neuen Situa^rn ap-

rte Tinansieue n wollen, behaupten sogar, Frankreich könne

Amerikas. sich jetzt mit Deutschland verständi^n weil die

Renvork 7 Aua Funkspruch In hiesigen deutsche Ration sich nicht ^ör rEhauweft fühto Mtz-AMZ-L L-LZMMPM 2U erwarten steht. __ | Konferenz hat vielen Franzosen die Augen ge­

öffnet und sie sehen lassen, daß England und Amerika absolut nicht daran denken, den fian- zösischen Politikern auf dem Wege zu totem Ziele zu folgen, das die dauernde Riederhaftang Deutschlands anstrebt. Gewiß wird PoincarS jetzt überall gewisse Erfolge erzielen, wenn er den französischen Chauvinisten entgegenruft, die Sicher­heit Frankreichs werde nicht mehr genügend ga­rantiert. Gewiß ist es nicht ausgeschlossen, daß seine Zeit bald toieber kommen nrfri> und er eines Tages wieder die französische Politik diri­giert. Er muß aber damit rechnen, dah die posi- ttsche Einstellung des Franzosen heute viel nüch­terner ist als zu jener Zett, wo es noch wie eine großartige Heldentat aussah, wenn man nur mit dem Gedanken spielte, die fvanzosische Trikolore über das Ruhrgebiet wehen zu lassen. Run ist enbgültig das Ruhrabentauer hqurbiert, und zwar so gründlich, daß man nicht mehr ernsthaft daran denken kann, die Politik Pom- cares als völlig unantastbar hinstellen zu wollen 3n dem großartigen Machtbewuhtsem Frarckreu^ ist eine erhebliche Dresche mrtftanben, was vftl- gut leicht nicht zuletzt für b* Franzosen selbst ganz 1 gut sein wird.

ade'©