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vienrtag, 8^ M 192-
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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begreift.
L
die
bleibt.
Keine Verschiebung der Konferenz.
Die Entspannungs-Aktion.
Macdonald reist nach Paris. — Aufklärung im Unterhaus. — Der Friedenswille Herriots. — Keine Verschiebung des Termins.
Eine halbamtliche deutsche Erklärung.
Berlin, 7. Juli. (WTD.) Eine Washingtoner Meldung besagt, daß der amerikanisch- Botschafter in Berlin Houghton im Wersten Haase Lahmgehend Bericht erstattet habe, Last. Deutsche land erkläre, die durch das Sachverständigengut- achten notwendig gewordenen Gesetzentlvur,e nutzt m den Reichstag bringen zu können wenn es nicht vorher bezügliche der Räumung des Ruhrgebiets Sicherheiten habe. Die amerikanische Regierung t^afre aus diesem Grunde beschlossen, einen Schritt in Berlin zu unternahmen.
Die „Zeit", das Organ des Außenministers Stresemann, erfährt dazu, Last, der angekün- drgte Schritt Amerikas nicht erfolgt ser und daß der amerikanische Botschafter mit der Auffassung der deutschen Regierung Völlig vertraut sei. Deutschland habe die Ausarbeitung ber Gesetze und ihre parlamentarische Erledigung wie die Teilnahme an der Londoner Konferenz nicht an die Bedingung geknüpft. Latz es Sicher-
Perfide Taktik.
Der Deutsche, trotz deS verlorenen Krieges ioielleicht immer noch der beste Europäer in Kultur. Kunst und Wissenschaft, ist und bleibt ein Stümper in der Diplomatie. Er hat es noch nicht heraus, daß jene merkwürdigen Zwischenfälle und Quertreibereien auf der Ententeseite den einzigen Zweck verfolgen, ihn bei dem Kuhhandel der nächsten Reparationskonferenz im Preise zu drücken, ihm wieder ein neues Bündel auf die alten Lasten zu häufen, ihn überhaupt so klein und mürbe wie möglich zu machen. Tritt da am letzten Tag der vorigen Woche im Meisten Hause zu Washington ein geheimer Rat zusammen, an dem sich auster dem Präsidenten Cvlidge und dem Staatssekretär Hughes Der amerikanische Botschafter in Berlin, H o u g h° ton General Dawes und Handelsminister Hoover beteiligten. AlleS wohlmeinende Staatsmänner, die das beste der europäischen Wiederauferstehung wünschen, weil sie auch dem Amerikaner im groben Austausch des Weltmarktes Vorteil brächte. Die Herren beschließen, die Regierungen Europas wissen zu lassen, es sei die LleErzeugung des Staatsdepartements der Vereinigten Staaten, dah der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas von der baldigsten Anwendung des Dawesgutachtens abhängt. Also ein energischer Wink Amerikas an Europa, sich zu beeilen.
Was hat die alliierte Presseprvpaganda daraus gemacht? In London und Paris wird der Wink mit süßsaurer Miene entgegengenommen. Was wissen denn diese Yankees vom englisch- 'französischen Gegensatz? Also leiten wir den Blitz iouf den deutschen Michel ab. Der mutz den Puff --vertragen können. Flugs wird in London, ver- nrullich hinter dem Rücken Macdonalds arnd unter Beihilfe erfahrener Franzosenfreunde und Pvincaristen die Sache fol- aendermasten umftisiert: Der amerikanische Rip- penstost ist ganz beso n ders f ür—Deu ts land bestimmt. Äe Berliner Regierung wird einen Haupt-Rüffel erhalten. Denn in Washington ist man aufs unangenehmste berührt von den kategorischen Forderungen, die Dr. Strese- mann aufgestellt haben soll. Er soll auf Anfrage aus London erklärt haben, er könne die Vorlage der drei DaweSgesetze im Reichstag überhaupt erst in Erwägung ziehen, wenn die Alli- ierten sich bezüglich der Räumung des Ruhr- gebietes eindeutig gebunden hätten. Ein amerikanischer Botschafter in London, wahrscheinlich der Botschafter Kellog, habe das Wort von einer „größenwahnsinnigen Obstruktionstaktik Berlins" fallen lassen. Kellog hat das natürlich nicht gemeint. Wenn er so etwas wirklich ge- äustert hat, dann doch nur, weil man den üblichen Irrtum von Deutschlands „schlechtem Willen" in ihm erzeugte. 3 n .
Aber die Intrigue geht weiter. Das Londoner Außenamt soll die Bockigkeit der Berliner Diplomatie zum Anlab genommen haben, um am Quai d'Orsay in Paris ein gutes Wort für Deutschland einzulegen: Man möge doch der deutschen Regierung ein paar entgegenkommende Eröffnungen machen. H e r r i o t habe darauf erwidert, seine innerpolitische und parlamentarische Stellung sei seit Cheguers derart, verschlechtert, dah er nicht daran denken könne, vor der Londoner Konferenz irgendein öffentliches Entgegenkommen zu zeigen.
Die reine, unumstöstliche Wahrheit ist vielmehr folgende: Die deutsche Regierung hat keine Kategorischen Forderungen aufgestellt. Sie hat insbesondere die Räumung des Ruhrgebiets nicht in Beziehung zur Vorlage (sondern nur zur Durchführung) der Dawesgesetze gebracht. Die Verzögerung der Vorlage ist nicht etwa durch deutsche Obstruktion verschuldet, sondern durch den Zwist der Alliierten untereinander in der Fvage der Industrieobligationen, was ja durch die Abberufung des französischen Ko-mmissionsmitgliedes Descamps offenbar geworden ist. Der amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton, der zur Zeit in Washington weilt, ist von diesen und den sonstigen Kulissengeheimnissen der Entente genau unterrichtet. Man darf auch nicht glauben, dah die Quertreibereien aus Amerika kommen. Sie kommen aus London und Paris. Und dahinter stecken die Anhänger Pvincarüs, die den leitenden Staatsmännern Macdonald und Herriot noch vor der Londoner Konferenz ein Dein stellen und den deutschen Derhand- lungsgegner möglichst klein halten wollen. Es ist perfide Taktik, die dem Deutschen nicht liegt und die er deshalb me recht
Was die „Französischen Dokumente zur Sicherheitsfrage" lehren?
Don Bernhard Schwertfeger.
Das französische Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten hat sich veranlaßt gesehen ein besonderes Gelbbuch mit den Urkunden über die Verhandlungen betreffend die Sicherheitsbürgschaften gegen einen deutschen Angriff herauszugeben. Runme^hr liegt, im Verlage der Deutschen Derlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin, eine deutsche Ausgabe des für unsere ^heutige Stellung in der Welt und für unseres zukünftige Politik Frankreich gegenüber sehr wichtigen Gelbbuches vor. zu der Professor Hermann Oncken, München, eine Einleitung geschrieben hat. S-
Die Dokumente umfassen die Zeit vom 10. Ja- < nuar 1919 bis zum 8. Dezember 1923. Sie beginnen mit der berüchtigten Rote des Marschalls Foch an die Bevollmächtigten der Mächte vom 10. Januar 19 19. Gerade diese Rote hat für deutsche Leser das höchste Interesse. Sie ist für Frankreichs Politik an Rhein und Ruhr mastgebend geworden.
Foch behandelt in seiner Rote vom 10. Ha- \_ nuar 1919 die Frage der Westgrenze Deutschlands unter dem Gesichtspunkt der militärischen Sicherheit der Alliierten und assoziieren Mächte. Das Deutschland von 1914 bezeichnet er zunächst als das Ergebnis einer andauernden Arbeit von 150 Jahren, die von Friedrich H. begonnen, von seinen Rachfolgern methodische fortgesetzt worden sei und schließlich zur Derpreu- hung Deutschlands geführt habe. „Von 2lnfang an haben die Hohenzollern die preustrschr Macht auf einem übermähigen Militarismus begründet. Dieser Militarismus drückte sich namentliche in dem Unterhalt eines Heeres von einer im Verhältnis zur Devölkerungszahl ungewöhnlich großen Stärke aus. Eine selbstsüchtige Monarchie habe sich, ständig auf eine starke Ansto- kratie gestützt und sich immer nur auf ihre unstreitige militärische Äeberlegenheit. also auf dir Gewalt, berufen. Mit allen Mitteln habe man, auch durch, die Volksschule, einen deutschen Geisteszustand zu schaffen gewußt, wonach Macht unbedingt vor Recht gehe. Deutschlands Ideal und Daseinsgrund fei die Wellbeherrschung zum Ruhender Deutschen. So sei die „unwiderstchliche, allgemeine, blinde Schilderhebung von 1914 beim Aufruf Wilhelm kl." zu verstehen.
Mit grober Sorge betrachtet nun Marschall Foch die deutschen noch vorhandenen Kraftquellen. Die Reichseinheit ser durch den Fortfall der kleinen Fürstentümer noch gesteigert und Deutschland bleibe noch für lange Zeit, bis zu einer völligen Wandlung seiner Politik und ferner Weltanschauung, eine furchtbare Dro. hung fürdieZivilisation.Deshalbgebiete die elementarste Vorsicht den alliierten Ratronen eine Gesamtheit von reinen Abwehrmastnahmen und grundlegenden Dorbereitungsregeln. Deutschland müsse in die Unmöglich, keit verseht werden, einen neuen Eroberungskrieg zu beginnen sein Programm der Herrschaftdurch Waffengewalt wieder aufzunehmen.
Welche Mittel scheinen ihm nun hierfür an- gezeigt? Während eines großen Teiles des Welt- krieg es 'habe Rustland eine beträchtliche Anzahl deutscher Kräfte gebunden. Jetzt sei fern Schicksal für lange Jähre ungewiß, und WestEopa tonn5 nur auf seine eigene Macht zählen. Eine zahlen- mästige Tleberlegenheit gegen Deusichland ser nicht vorhanden, denn östlich des Rheins „wrrd stets eine deutsche Bevölkerung von 64—75 Millionen Staatsangehörigen fitzen, die durch das natürliche Band der Sprache und somit des Denkens geeint ist und die auch Gemeinsamkert ihren Interessen verbindet." Belgien, Luxemburg. Elsast^ Lothringen und Frankreich zusammen zahlten aber nur insgesamt 49 Millionen. Rur durch ulnter- stühung seitens überseeischer Länder könne dieser Unterlegenheit abgeholfen werden. Dre Westmächte müßten daher zu ihrem Schuh alle von der Ratur gebotenen Mittel benutzen. Dre Vatu r hat nur eine Sch ranke, über den Weg des einbrechenden Feindes gezogen: den Rhein. Ermußben.utztund umstritten und darum schon im Frre- de n beseht und befestigt werden. Ohne diese grundlegenden Dorsichtsmastnähmen bleibt Westeuropa öhne jede natürliche Grenze und steht wie früher den Gefahren eines feindlichen Einfalls offen, der noch gewaltsamer werden kann. Ohne diese Dorsicht werden »die friedlichen Jn» dustrieaeqenden Rordwesteurvpas unmittelbar von der zerstörenden Flut des Barbarentums überschwemmt, dem kein Damm Halt gebietet. ;
Foch entwickelt sodann dre Rotwendrgkett,, Deutschland am linken Rheinufer (Sintrtttd- pforte, jeden Wafsenplah. jede Landeshoheit undi damit jede Möglichkeit zu nehmen, wie rm Jahre. 1914 rasch in Belgien und Luxemburg ernzu-, fallen, die Rordseeküste zu erreichen und England zu bedrohen, die natürlichen Derterdrgungs- j linien Frankreichs. Rhein und Maas, ^ umgehen, Rordsranireich zu erobern und genen siarrü vorzubnngm. Zar Begründung F-rdrrun. gen stellt er die brutale Geschrchtsluge die er durch die Einbeziehung der Koalllionsmachk ein wenig erträglicher zu wachen versucht dr-s Mächte hätten rn der Dergangenhert noch, nu eme^ französischen Dokumente zur Sicher-, heitsfrage. Deutsche DerlagsgEllsch^t für Polr-^ tif und Geschichte m. b. H., Berlrn 1924.
keine Ersetzung des Versailler Vertrages sein. Die Konferenz vom 16. Juli hätte den besonderen Zweck, festzulegen, wie der Dawesbericht in Wirksamkeit gesetzt werden könne, Um das zu erreichen, brauchen wir die deutsche Unterschrift. Und um die deutsche Unterschrift zu erlangen, müssen deutsche Vertreter irgendwo empfangen werden, damit sie ihren Ramen unter die Dokumente sehen.
Macdonald schliestt seine Ausführungen:
Wir sollten in Zukunft versuchen, von Deutschland etwas mehr als lediglich eine legale Urkunde zu erlangen. Die Zeit ist für uns gekommen, um von Deutschland eine Urkunde und eine Unterschrift der Verpflichtungen zu erlangen, die wirklich durch eine moralische Verpflichtung auferlegt ist und nicht nur durch Zwang.
Ein Wertvolles sranzöstsches Zeugnis für das Besetzungsregime.
In der Generalversammlung der französischen Handelskammer in Köln hat der Vorsitzende Raussei in einer Rede u. a. erklärt: „er habe sich! während seines Aufenthaltes in Paris bei den berufendsten Persönlichkeiten über die Bedeutung der Reuorientierung der ftanzösischen Politik unterrichtet und die Ueberzeugung gewonnen, dah die Entspannun g mit großen Schritten näher komme. Vor allem werde die Initiative der Handelskammer nicht mehr durch die zahllosen Kontoollmahnahmen gestört werden, die jede Entwicklung hemmten. Man kehre, mit einem Wort gesagt, zu dem Besehungsregime zurück, wie es vor dem Januar 1923 bestanden habe, unter dem die Handelskammer sich gebildet und das Geschäft ihrer Mitglieder sich frei entwickelt habe. Mit groher Befriedigung erblicke er in der Rückkehr zu den vertragsmähigen Desehungsverhält- nissen die Bürgschaft dafür, dah gleichzeitig mit den französischen Kaufleuten und Industriellen auch die deutschen Geschäftsleute ihre alte Betriebsamkeit wieder aufnehmen werden. Großen Wert lege er auf die Feststellung, dah die Mitglieder der französischen Handelskammer in ihren geschäftlichen Beziehungen endlich wieder die Garantien des internationalen Rechtes geniehen würden. Das durch Ausnahmebestimmungen verschärfte Besetzungsregime habe dem Anspruch einer normalen Auffassung von Gerechtigkeit nicht genügen können: der Gang des Geschäftes sei dadurch ernstlich durchkreuzt worden, denn man könne nicht gerade behau p- len.dahderelementarsteRespektvor dem internationalen Recht im Rheinland knd im Ruhrgebiet unter dem gegenwärtig en Regime gesichert gewesen s e i.“ \
Diese austerordentlich treffende Charakterisierung des bisherigen ftanzösischen Besehungsre- gimes durch einen Franzosen selbst, kann nur mit Genugtuung begrüßt werden, einerseits als ein wohl kaum anf^stbares Zeugnis für die Berechtigung der deutschen Forderungen nach durchgreifender Aenderung dieses Regimes, andererseits aber auch als ein wertvolles Anzeichen für die wachsende Einsicht gewisser französischer Kreise und für die beginnende Entspannung, von- der Rousset selbst in seiner Rede gesprochen hat.
Herriots Appell an den Geist des Friedens.
Köln, 7. Juli. Herriot gab dem Pariser Vertreter der „Kölnischen Volkszeitung" nach einer Unterredung eine eingehende Au f - zeichnung für sein Blatt, worin es heißt:
Die größte Wohltat, die die Menschen wünschen können, ist der Friede. Rach den großen Erschütterungen, die die Völker in ihren Instinkten verwirren, die alle Formen der Gewalt entfacht und furchtbare Krisen hervorgerufen sMben, kann der Friede nur wieder bei uns ein- kehren durch einen kühnen und ausdauernden Willen aufgeklärter and entschlossener Geister, die gewappnet mit dem Geiste der Aufopferung, unerschütterliche sind in ihrer Geduld. Diese Geister müssen sich bewußt bleiben, dah sie nicht arbeiten für einen Tag. der vorübergeht, sondern für die Zukunft,
Pans, 8. Juli. (WTD.) Rach einer Ha- vasmeldung aus Brüssel wird in im allgemeinen gutunterrichteten Kreisen versichert, daß von einem Aufschub der geplanten interalliierten Konferenz und der Verlegung des Tagungsortes nach Brüssel in keiner Weise die Rede fet
des Versailler Vertrages überschreiten. Es sei selbstverständlich, daß bei der endgültigen Losung des Entschädigungsproblems alle „Sanktionen" aufgehoben werden müßten, die bisher wegen angeblicher Richterfüllung verhängt worden sind Auch im Kabinett herrsche in diesen Punkten nicht die geringste Meinungsverschiedenheit.
Sichtbar zur Stärkung der Stellung Herriots hat sich Macdonald zu einem Schritt entschlossen, der mit Recht Aufsehen erregt: Er begibt sich Heute auf Wunsch Herriots nach Paris, um die Mißstimmung aus der Welt zu schaffen, die seine Mitteilung an die Empfänger der Einladungen für die Londoner Konferenz in Frankreich hervorgerufen hat. Es ist nicht unsere Aif- gabe, zu untersuchen, ob diese Mitteilung der nach englischer Ansicht wichttgsten Grundlagen der Konferenz an die Unterzeichner des Versailler Diktats unter Ausschluß Frankreichs taktvoll und geschickt war oder nicht. Eines hat der Sturm der Entrüstung, der sich in Paris erhob, mit für uns erfreulicher Deutlichkeit gezeigt, dah der gute Wille zu einer tatsächlichen und praktischen Aenderung der bisherigen Methoden gegen Deutschland nur in verhältnismäßig kleinen Kreisen Frankreichs vorhanden ist. Es war zum mindesten zweifelhaft, ob die für heute vorgesehene Attacke Pvincares im Pariser Senat nicht den Auftakt zum Sturz des Kabinetts Herriot dargestellt hätte. Dies zu verhindern und den Poincoristen den Wind aus den Segeln zu nshmen. dürfte des- ihalb der vornehmste Anlaß zur Pans-Reise des britischen Premiers gewesen sein. Vor feiner Abfährt hat Macdonald im Unterhaus die Angriffe gegen die Regierung zurückgewiesen. Er 'fyat nicht nur erklärt, er würde es keinem Mießmacher auf irgend einer Seite des Kanals gestatten, die günstigen Aussichten für eine Verständigung zwischen Frankreich und England zu zerstören, sondern er !hat auch klar und eindeuttg betont, daß die Herstellung eines Friedens mit Deutschland, der auf moralischen, freiwillig übernommenen und nicht durch! Diktat und Zwang erzielten Verpflichtungen beruht, sein Ziel und die Aufgabe der Londoner Konferenz ist. Gleichzeittg ^hat Herrwt in einer Unterredung mit dem Vertreter der „Köln. Volksztg." an den Willen zum Frieden und an die Geister appelliert, die über dem Lärm der politischen Friedensstörer stehen.
Ohne Zweifel ist der gute Wille der gegenwärtigen Leiter der Geschicke Englands und Frankreichs durch diese Mahnahmen und Aeuheru.- gen aller Welt sichtbar dargestellt worden. Ob mit Erfolg, werden die nächsten Tage zeigen. Die Pariser Blockpresse beglettet nach den uns vorliegenden Aachrichten die Unterstühungsattion Macdonalds mit hämischen Bemerkungen. Sie erinnert an die Unsicherheit der Mehrheit, über die Herriot verfügt, und verlangt die parlamentarische Auseinandersetzung zur Klärung der Lage. Diese Auseinandersetzung dürfte morgen beginnen. Don ihr wird es abhängen, ob der gute Wille der beiden Ministerpräsidenten in die Tat umgeseht werden kann. Die Aussichten dafür sind vorläufig noch wenig günsttg.
Macdonalds Fahrt nach Paris.
London, 8. <)uli. (WTD.) 3m Unterhaus teilte Macdonald mit, daß er heute nach Paris reisen und am Mittwochabend wieder nach London zurückkehren wolle. Der Besuch erfolge auf DorschlagHer- riots. Macdonald betonte nochmals, daß der in der Presse entfachte Entrüstungs- sturm jeder Begründung entbehre.
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Macdonald wird auf seiner Reise nach Paris, dem „TempS" zufolge, von dem S t a a t s se kre - tär Sir Ehre Crowe begleitet fein. Der Bericht von t>er Ankunft des englischen Premier- mmisters, der sich sofort um 4 Uhr vom Dahn- Hof zu Herriot begeben wird, hat in den Wandelgängen des Senats, wie Havas berichtet, Anlaß zu Erörterungen gegeben. Die Interpellationsdebatte, die für Heute angeseht war, und in deren Derlauf Senator Poincarö eine lange Rede halten sollte, ist verschoben worden.
Macdonald im Unterhaus
London, 7. Juli. (WB.) Im Unterhause erflärte Macdonald, die Angriffe, die gegen die britische Regierung gerichtet würden, weil sie angeblich verjuche, die Reparationskommission auszuschalten, seien ungerechtfertigt. Die Regierung habe sich im Augenblick nicht mit dem Vertrag von Dersailles, sondern mit dem S ach - verständigengutachten zu befassen, das Deutschland einige Der Pflichtungen auferlege, die außerhalb des Versailler Vertrages ständen. Gr boife, bafe wenn ein Uebereinkommen über das Sachverständigengutachten erreicht werden könnte, es durch ein Uebereinkommen zwischen d e n A l - liierten ergänzt werden könnte, damit die Alliierten, falls Deutschland nach Annahme des Gutachtens gegen dieses absichtlich ve^tohe, die Alliierten zueinander stünden und Deutschland verantwortlich machten. Aber wer, fragte Macdonald, würde entscheiden, ob Deutschland absichtlich gegen das Gutachten verstößt? Das Uebereinkommen würde wohl ein Zusatz, aber
Hellen für die Räumung des Ruhrgebiets und der Sanktionsstädte haben müsse. Es habe keinen Zweifel daran gelassen, da ßdie Erfüllung dieser Forderung für die Durchführung des Sachverstan- digenberichts von entscheidender Bedeutung sei. Deutschland könne unmöglich zugemutet werden, auch in politischer und militärischer Hinsicht Lasten länger zu ertragen, die die Grenzen


