5te Zahl Der Wahlmännerstimmen beträgt nach den neuesten Feststellungen:
Coolidge 379 Lawes 139 Lafollette 13.
3m Sena t erhielten die Republikaner 50, die Demokraten 41 und die Farmer 2 Mandate. Liese Mehrheit der Republikaner ist aber nur nominell. Ins Repräsentantenhaus sind 241 Republikaner, 190 Demokraten und 16 Radikale gewählt worden.
Eine Partei Millerand.
Scharfe Kampfstellung gegen Herriot
Paris 6. Rov. (WB.) Hier wurde eine Qta» tional-Repriollkanische Liga geg undet, deren Vorsitzender der ehemalige Präsident der Republik, M i l l e r a n d, ist und deren Vorstand angehören die ehemaligen Minister Francois M a r s a l, dann Le Trvquer, Maginot, Louis Marin, R e i b e l. 3n dem Programm der neuen Partei heiht es: Das Ruhr gebiet, das nur nach Mahgabe der deutschen Zahlungen hätte geräumt werden sollen, sei auf der Londoner Konferenz «rifgegeben worden. Alle Trümpfe, dieFran^ reich in der Hand gehabt habe, seien verkauft worden. Frankreich besitze keine Pfänder mehr, um feine Forderungen zu garantieren, und dabei vermisse man noch das Versprechen der Regelung der interalliierten Schulden. Die jetzige Regierung sei gezwungen, den Forderungen der Sozialisten zu folgen. 3n jedem neuen Tage beuge man sich immer mehr den Bedrohungen der revolutionären Elemente. Die Rational-Republikanische Liga wolle einen Frieden, der nicht nur auf Hoffnungen und Illusionen, sondern auf wirklichenGarantien aufgerichtet sei. Man wünsche die Stärkung des Völkerbundes, aber man dürfe den Blick für die Realitäten nicht verlieren. Die Republik könne nicht das Monopol einer Partei fein; sie müsse allen Bürgern offen stehen, die die Gesetze respektieren wollten. Für diese Republik fordere man die Franzosen zu einem Kampfe gegen die Demagogie, die Revolution und die Anarchie auf.
Herriot und der Vatikan.
Paris, 7. Rov. (WTB. Funkspruch.) Rach dem „Matin" hat sich der päpstliche Runtius Ceretti durch folgende Stelle in der von dem Kultusminister Francois Albert gegen die klerikalen -Uebergrif.e gerichteten Rede verletzt gefühlt: „Wir haben die sonderbare äüebeiraschung erlebt, zu sehen, wie der Vertretereiner ausländischenMachtaus der gewohnten Reserve herausge- treten ist indem er am Katholischen Institut das Wort ergriffen hat."
Der Direktor der politischen Abteilung am Quai d'Orsay, Laroche, hat sich zu dem Runtius begeben und ihm dargelegt, daß die in der Ansprache des Kultusministers enhaltene Anspielung auf eine frühere Rede des Monsignore Ceretti nicht als eine Auslassung gegen einen diplomatischen Agenten zu verstehen sei. Zudem habe der Runtius nicht in seiner Eigenschaft als Vertreter des päpstlichen Stuhls, sondern als r e l i - giöserRednerzu Gläubigen gesprochen. Die französische Regierung bedauert, dah Monsignore Ceretti sich von der Ansprache des Kultusministers getroffen fühlte. Der Runtius hatte bar- duf eine Unterredung mit Herriot. Wie am Quai d'Orsey erklärt wird, kann der Zwischenfall als erledigt gelten.
Wie der „Matin" erfährt, beabsichtigt die französische Regierung nicht, die Beziehungen zum Vatikan völlig abzubrechen. Die französische Regierung wird voraussichtlich nach dem Vorbild Amerikas einen Beobachter nach dem Vatikan entsenden.
Aus den Geheimakten von Versailles.
Die Militärkontroüe.
Der „Hann. Kurier" b.fastt sich in seinen Veröffentlichungen aus den Geheimakten der Versailler Friedenskonferenz mit der Militärkontrolle, 'welche der deutschen Heeresverwaltung untersagt hat, irgendeine Bestellung von Kriegsmaterial vorzunehmen, ohne dah sie sie vorher den Verbündeten Regierungen mitgeteilt habe und die Bestellung von den Alliierten gutgeheihen worden sei. 3n der Sitzung des Obersten Kriegsrates vom 17. März 1919 stand dieser Entwurf zur Beratung. Präsident Wilson sagte: „Das wird nicht der Friede sein, was wir da schufen, sondern das würde eine bewaffnete Gewaltherrschaft der Alliierten sein und meine Regierung wird niemals zustimmen können, eine Abmachung dieser Art anzunehmen. 3ch selbst würde, wenn ich es annähme, meine Befugnisse, wie sie in der Verfassung der Vereinigten Staaten festgelegt sind, überschreiten. Rach ihm ergriff Lloyd George das Wort und sagte, dah diese Bestimmung eine Klausel sei, die eine ewige Quelle der Unruhe sein werde und eine Erniedrigung für alle Länder. Sie würde uns andererseits nicht die Sicherheit geben, die wir wünschen. Rach meiner Lleber- zeugung bildet diese Bestimmung eine sozusagen dauernde Beleidigung und erfüllt andererseits den Zweck, den wir uns vorgesetzt haben, nicht. Denn wenn die Deutschen sie nicht erfüllen wollen, so werden sie es einfach unterlassen, uns die verlangte Mitteilung zu machen. Marschall Fach erwiderte darauf, dah die Kontrolle einen doppelten Zweck verfolge. Zunächst solle sie die Ablieferung oder Zerstörung, die Deutschland im Friedensvertrag auferlegt werde, Überwachen und sichern. Sobald diese Bedingung erfüllt sei, würden diese Funktionen und die darauf eingesetzten Kommissionen auf- hören. Für die Ueberwachung der Ausführung anderer Friedensbedingungen seien keine besonderen Organe vorgesehen, sondern diese Kontrolle mühte nach seiner Meinung, wie in normalen Zeiten, durch die Militärattaches und ähnliche Organe ausgeübt werden. Wenn aber der Oberste Rat in den in Rede stehenden Bedingungen eine unnötige Demütigung des Feindes erblickt, so habe er nichts dagegen, wenn sie w e g b l e i b e.
Der Kampf um die Beute.
3n Paris sind die Finanzsachverständigen aller am Reparationsproblem interessierten En- lentestaaten zusammengetreten, um einen Schlüs- f e l zur Verteilung der aus dem Londoner Abkommen sich ergebendenEin- vah men zu finden. Die Beratungen gestalten
sich aber äutzerst schwierig, da jeoer Staat für sich die höchsten Summen herausschlagen möchte. Ein Streitfall ist bereits wegen der Einnahmen aus der Ruhrbesetzung entstanden. Fran k- r e i ch behauptet nämlich, die Besetzung sei nach dem Wortlaut des Vertrages nötig gewesen und wäre im Interesse aller Alliierten unternommen worden. Infolgedessen konnten Frankreich und Belgien sich die Kosten der Besetzung von den Ruhreinnahmen abziehen. England und Italien dagegen vertreten gerade den entgegengesetzten Standpunkt, so dah also schon hier genügend Stoff für ausgedehnte Diskussion gegeben ist. Der Hauptkampf steht aber noch bevor, wenn die alliierten Mächte an die Verteilung der Reparations - Einnahmen Herangehen werden. Aber auch in diesem Falle meldet sich das Nimmersatte Frankreich bereits und verlangt Bevorzugung seiner Ansprüche. Originell ist es übrigens, dah man sich schon seit langem um die Verteilung der Beute streitet, obwohl alles dafür spricht, dah Deutschland niemals imstande fein wird, die ungeheuren Lasten, wie sie im Londoner Abkommen niedergelegt find, abzutragen.
Die bessarabische Frage.
Paris, 7. Rov. (TU.) Rach einer offiziellen Meldung der „Epoca" wird Italien den Vertrag über Bessarabien nicht unterzeichnen. Cs leiste der Welt durch seine Nichtunterzeichnung einen groben Dienst, denn an dem Tage, an dem diese Konvention in Kraft tritt, werde Ruh- land sicherlich Rumänien den Krieg er- t-täten. Der russische Gesandte Rakowski erflärte, dah die Sowjetregierung niemals auf die Volksabstimmung in Bessarabien verzichten werde. Sie soll stattfinden, sobald dis rumänischen Beamten und Soldaten Bessarabien verlassen werden. Rakowski fügte noch hinzu, dah 53 Prozent der Bevölkerung Bessarabiens nicht rumänischer Herkunft seien und dah sich selbst die dort lebenden Rumänen der Einverleibung Bessarabiens durch Rumänien widersetzen.
Wiederbeginn des Bürgerkrieges in China. Cine Aktion gegen den Kaiser. — Ein
Bündnis Feng.
London, 6. Rov. (Täl.) Die Regierung hat den gesamten kaiserlichen Besitz übernehmen wollen. Der kaiserliche Palast wird streng bewacht. Der unmündige Kaiser ist mit der gesamten mandschurischen Familie in den väterlichen Palast im westlichen Stadtteil übergesiedelt. Die Vertreter der Republik haben die Insignien des Kaisers verlangt und ihm ein neues Abkommen aufgezwungen, worin die Verringerung der grohen Hofhaltung vorgesehen ist. Ferner soll die bisher gezahlte Lebensrente im Betrag von 4 Millionen mexikan. Dollars auf 500 000 Dollar herabgesetzt werden. Die öffentliche Meinung vermutet hinter der Regierungsaktion gegen die kaiserliche Familie die Hände des Sowjetvertreters in Peking ober Sunjatans. Ob es sich um einen Raubyug gegen die in der Kaisersdadt aufgehäuften Schätze handelt oder ob die Wiederherstellung der Monarchie durch Tschcmg tso lin verhütet werden soll, ist unklar. Der Kaiser hat starke englische Reigungen.
Das Hauptquartier das Generals T s ch i h i - chynan, des Militärgouverneurs der Provinz K i a n g t s u, hat ein Commumque veröffentlicht, demzuf lge deP.ovnzenF ft rng,Hug cig Scheust, Schoutung, Hacre, Nyanshwei, Kiangsi, Tschara- arand, und Siangnova sich zusammengeschlossen haben, um (Senetal 3 e n g, der jetzt in Peking und Tientsin in vollem Besitz aller Machtmittel ist, sowie seinen Verbündeten Marschall Tschang tso lin vereint zu bekämpfen. Zwei gemischte Brigaden werden sofort entsandt, um den Kampf gegen de Ans Partei erneut aufamehmen. Die chinesische Marine- stativn an der Schantungküste erklärt sich gleichfalls f ü r W u p e i s u und wird den neuen Feldzug gegen Peking unterstützen.
Die Sowjet-Propaganda in Zentralasien.
London. 6. Rov. (Tül.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph' berichet über die antibritische Propaganda und die Sowjetpläne in Zentralasien. Die Sowe> propaganda breitet sich vom Pamir-Plato bis östlich in die Gebiete von Afghanistan aus. E i n- zelne kleine Sowjetrepubliken seien dort von der Moskauer Regierung auf nationalen Stamm esgrund gebildet worden. Der Russenfanatismus gegen die Europäer im allgemeinen und gegen die Engländer im besonderen werde aufgepeitscht. Die meisten flehten Sowjetstaat en liegen im Gebiete der Transatlantischen Handels Wege.
Aus aller Welt.
Die Hilfsaktion für die Wasserschäden am Rhein.
Duisburg, 7. Rov. ($11.) Das Hochwasser ist bei einer Pegelhöhs von 7,61 Meter zum Stillstand gekommen. Die Stadt hat in den überschwemmten ©traben einen regelmäßigen Kahndienst eingerichtet, der Personen und Lebensrnittel befördert. Auch die Polizei fährt auf F oben und Kähnen umher. In den Geschäftshäusern der unteren Deckstrabe steht das Hochwas er in den Laden räumen. Die von dem Hcchwns'er des Rheins und seiner Nebenflüsse verurs ch en Schäden lassen sich noch nicht in vollem Umfang übersehen. Eine genaue Feststellung wi-d er t nach Ablauf des Wassers möglich sein. Die Rnchs- und Staatsbehörden sind petzt damit beschäftigt, sich über den Umfang der Katastrophe zu unt .tr chten. Nächste Woche f.nbet eine Konferenz mit den Behörden der Provnz statt. Inzwischen hat der Oberpräsident die besonders in Mit.'eidensch ft re* zogenen ©.bete am Rhein und an der Mosel besucht. um sich für die bevorstehenden Ver^and- lungen mit den Reichs- und Staatsbehörden! persönlich einen Ueb rblick zu verschaffen Dabei soll an eine Beteiligung der Kommunalver- bände, insbesondere des Prrvinzinlverbandes der Rheinprovinz gedacht werden. Die preubifche Staatsregierung hat dem Oberpräsidenten für oie erste Hilfeleistung telegraphisch Mit el zur Verfügung g »stellt. D e Reichsregierung toirb sich in ihrer heutigen Kabinettssitzung gleichfalls mit ben notwendigen Massnahmen zur Hilfsaktion beschäftigen
Aus Stadt uns Land.
©leben, den 7. November 1924.
Hessen und die Reichskurzschrift.
Richt weniger als achtzehn Jahre hat es gedauert, bis eine Bewegung, die weite Kreise im deutschen Rorden und Süden entzweite mit einem Einheitsgedanken ihre Krönung fano; es ist dies das Streben nach einer Reichskurzschrift. Von den vielen Kurzschriftshstemen in Deutschland sind es nur zwei, die gröbere Anhängerzahlen aufzuweifen haben, das System Gabelsberger und das System Stolze-Sch.ey. Oftmals schien es, als ob alle Bemühungen, zwischen diesen beiden zu einem Uebereinkommen zu gelangen, vergeblich wären. Vor dem Weltkriege war bereits eine Reichskurzfchrift im Entwurf fertiggestellt, aber die nach dessen Beendigung erneut mit den Vorarbeiten betrauten Unterhändler haben gewissermaßen ihre Augae wieder von vorne beginnen müssen. Die neuen Bemühungen haben jejt zu der Reichskurzsch.i t geführt die einen Ausgleich zwis che n de n Systemen Gabelsberger und Stolze- Schrey darstellt, und zwar so, das) die Mit- lauter im wesentlichen dem erstgenannten, die Selbstlauter mehr dem zweitgenannten System
entnommen sind.
In den Richtlinien des Reichsministeriums zur Einführung der Eiiiheitsluz chcäft heitzl es: „Spätestens am 1. April 1926 ist in allen öffentlichen höheren und Handelsschulen und, soweit möglid), auch in sämtlichen anderen Schulen die Einheitskurzschrift als Pflicht- oder Wahlfach einzufüh en. In anderen Systemen als in der Eiichntskurzschrift darf Unterricht in den Schulen nicht erteilt werden . . . Alle Beamten und Angestellten sind darauf aufmerksam zu machen, dab nach Ablauf einer gewissen, nicht allzu lang zu bemessenen Frist im Be- hördenwesen nur noch die Einheitskurzschrift verwendet werden wird.
Die hessische Regierung hat bereits im Landtag die Erklärung abgeben lasse«, dab die staatlichen Stenographielehrer- prüfungen nicht mehr nach dem System Ga- belsberger, sondern nur noch in der Einheitskurzschrift abgehalten werden. In Darmstadt hat dieser Tage der hessische Kammerstenograph und Dozent für Stenographie an der Universität Heidelberg Winkler einen Vortrag über die kommende Einheitskurzfchrift gehalten. Winkler war früher Anhänger Gabelsbergers und Geg: er einer Einheitskurzfchrift: er erklärte jedoch dab er jetzt auf anderem Standpunkt stehe und dab Widerstände gegen die Einheitskurzschrift zwecklos wären. Das Landesamt für das Bildungs- Wesen bemüht sich ebenfalls, die neue Kurzschrift einzuführen.
Dis jetzt interessieren sich für die Frage der Einheitskurzschrift nur die stenographischen K eife. Der Deutsche Stenographenbund Gabelsberger hat auf einer Tagung in Eisenach seinen Vereinen empfohlen, sich auf die deutsche Einheitskursschrift umzu st eilen. Die Dehörden werden in nicht allzuferner Zeit die Beherrschung der Einheitskurzschrift verlangen, daher wird ftch die Beamtenschaft mit der Frage ebenfalls befassen müssen. Es ist Wohl kein Zweifel, dab die Reichskurzschrist sich auch in der Privatwirtschaft durchsetzt und dab namentlich die kaufmännischen Bureaus und die Fabrikbetriebe gleichfalls zur Verwendung der Einheitskurzschrift übergehen. In den hessischen Schulen wird voraussichtlich schon von Ostern ab die Einheit s ku rz schrif t als Unterrichtsfach eingeführt. In Erwartung des sieghaften Vordringens der Rrichskurzschrift haben schm eint- e hessische Stenographenvereine Unterrichtslurse in der neuen Schreibweise eingerichtet. (Man vergleiche unsere gestrige Mel ung aus Schlitz. Die Red.) Es ist sehr wahrscheinlich, dab die Einführung der Einheitskurzschrift ein Aufblühen des ganzen Kurzschriftwefens herbeiführen wird.
Wie aus unserem heutigen Anzeigenteil hervorgeht, wird die Reichskurzschrift auch bereits in unserer Stadt gelehrt, und zwar in Tages- und Abendkursen, die die Hansa - Handelsschule I. Kunzelmann eingerichtet hat.
Neuer Weg im Kampf gegen die Wohnungsnot.
0 Der Gründunasausschub der W o h - nungsfürsorgeaesellschaft für Hessen lädt zu einer Besprechung auf kommenden Freitag in die Aula der Landesbaugewerkchule in Dar rn- stad t ein. Der Gesellschaftsvertrag, der zur Beratung steht, sieht u. a. folgendes vor: Die zu gründende Gesellschaft m. b. H. soll den Namen „Hessische Wohnungsfürsorgegesellschaft" führen. Der Sih ist Darmstadt, der Geschäftsbereich ist der Freistaat Hessen. Der Zweck der Gesellschaft ist darauf gerichtet, der minderbemittelten Bevölkerung gesunde und zweckmäbig eingerichtete Wohnungen zu billigen Preisen zu verschaffen. Die Tätigkeit der Gesellschaft ist eine gemeinnützige. Der Gegenstand des Geschäftsbetriebes der Gesellschaft ist die Förderung des Baues und der Einrich*ung von Wohn- und Heimstätten in Klein- und Mittelhäusern, allgemein die Unterstützung der Wohnungsbedürftigen. Die Gesellschaft wird ihre Aufgaben in engster Zusammenarbeit mit den zur Förderung des Kleinwohnungswesens und Kleingartenbaues berufenen Behörden, Körperschaften, Vereinigungen zu losen suchen, und zwar unter unmittelbarer Beteiligung der beteiüaten Berufsstände und des gesamten Baugewerbes. Das Stammkapital der Gesellschaft soll 100 000 Gm. betragen. Dem Aufsichtsrate gehören u. a. ständig an: ein Vertreter des zuständigen Ministeriums, ein Vertreter des Verbandes der Bauvereine in Hessen, ein Vertreter des Gewerkschaftskartells, ein Vertreter des Heimstättenamtes der Beamtenschaft in Hessen, ein Vertreter des Deichsbundes der Kriegsbeschädigten.
Bornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater, 71/2 Uhr: „Der Fremde": hierauf: „Der zerbrochene Krug". — „Die Wanderer", (Siebener Rads.-Ges von 1898: Monatsversamm- lung. — Verein Rudersport, 81/9 Uhr im Boots- Hause: Generalversammlung. — Volkshochschule: Vorlegungen. — Hess. Dilderbühne: „Die Macht der Finsternis".
— Deamten-Kreiskartell (Sieben- Land. Morgen, Samstag, nachmittag im Kat hol. Vereinshaas Protestversammlung. Näheres in der gestrigen Anzeige.
— Matthäusgemeinde. Man schreibt uns: Am Sonntag, 9. Rovember, abends 8 Uhr, spricht auf dem Gemeindeabend der Matthäus-
gemetuuv m Der Viadtttrcye der verarmte Volks- schriftsteller und vortreffliche Redner Heinrich Raurnann über die Frage: „Wer ist nun dein Gott?" Wer Raurnann vor zwei Jahren auf dem damaligen Gemeindeabend der Matthäusgemeinde gehört hat, weih, dah er die seltene Gabe hat, über die tiefsten Fragen des Lebens in vollendeter Plastik und aus reichster Lebenserfahrung zu reden. Gesangliche Darbietungen bereichern den Abend: Gäste sind herzlich willkommen. (Siehe heutige Anzeige.)
— Turnverein von 1 846. Man schreibt uns: Am Samstag begeht der Turnverein von 1816 in seinen Räumen das in den Mitglieder- kreisen so sehr beliebte Winterfest. Sieben turnerischen Aufführungen aller Abteilungen findet ein nettes Theaterstück, ausgeführt von Mitgliedern des Vereins, auf der neuhergerichteten Bühne statt.
Wettervoraussage.
Wenig Aenderung der herrschenden Witterung *
*’ Der Provinzialausschuh der Provinz Ober Hessen hält morgen, Samstag. vormittags 9 Uhr beginnend, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Dieben eine öffentliche Sitzung ab, in der verhandelt werden: Die Klage des August Möser zu (Sieben gegen das Kreisamt Dieben wegen Versagung eines Wandergewerbescheins: die Beschwerde des Heinrich Schneider zu Giehen gegen den Bescheid des Kreisamts (Sieben wegen Versagung der Erlaubnis zum Handel mit unedlen Metallen: die Klagen der Fa. Sondermann & Bücking in Alsfeld, Frhr. Riedeselschen Rentkammer in Lauterbach, Fa. Iohs. Krömmelbein II. in Lauterbach, Fa. Grünzweig & Hartmann in Ludwigshafen gegen den Kreis Lauterbach wegen Heranziehung zu den Unterhaltungskosten der Kreisstrahen des Kreises Lauterbach: ferner die Klage der Firma Goldhagen-Quarzitwerke m. b. H. in Ziegenhain gegen den Kreis Alsfeld wogen Heranziehung zu den Unterhaltungskosten der Kreisstraben des Kreises Alsfeld.
** Den ununterbrochenen 5ern« sprech dienst in (Sieben betrifft eine De kanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders aufmerksam machen.
** Theaterzüge der Diebertalbahn. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die Direttion der Diebertalbahn hat in dankenswerter Weise an drei Tagen, nämlich Sonntag, Dienstag und Freitag, einen späteren Zug mit Abfahrt von Gießen um 10 Uhr 10 Min. abends eingelegt, der den Bewohnern des Bieber- tales an diesen Tagen den bequemen Besuch der Theatervorstellungen ermöglicht. Es ist zu wünschen, dab die betreffenden Züge stark benutzt werden. Die Einrichtung tritt ab 15. Rovember in Kraft.
0 Kredit-Hilfsaktion für Beamte. Dem Beispiele des Reiches und Preubens folgend, haben sich, dem Vernehmen nach, eine Reihe von Ländern bereit gefunden, der Deutschen Deamten-Genossenfchaftsbank in Berlin gegenüber zur Beschaffung von Personalkredit für die Beamtenschaft die Bürgschaft zu übernehmen. Eine Belastung der Etats des Reiches oder der Länder ftndet durch diese Hilfsaktion nicht statt. Die Dürgschaftsübernahme hat lediglich den Zweck, der Beamtenzentralbank die Beschaffung von Mitteln für Darlehnszwecke an notleidende Reichs- und Länderbeamte zu erleichtern.
* * Am Montag Reichsbank-Gold- noten. Die Ausgabe der neuen, auf Reichsmark lautenden Reichsbank-Goldnvten erfolgt bereits am Montag.
* * Derufsschulunterricht und Arbeitszeit. Anläblich eines E'mzelfalles, bei dem die Industrie- und Handelskammer die Verlegung eines Derufsschulunterrichts auherhalb der Arbeitszeit gefordert hat, erklärte der preubische Minister für Handel und Gewerbe, dab er dem nicht 3 u 3 u ft immer vermöge. Die Erfahrung habe gezeigt, dab junge Leute nach Beendigung ihrer regelmäßigen Arbeitszeit im allgemeinen nicht in der Lage sind, dem Unterricht mit Ruhen zu folgen. Es sei sehr erfreulich, dab gerade die Groyindustrie immer mehr dazu übergehe, der Ausb ldung ihrer Facharbeiter erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen und unter erheblichen Aufwendungen vorzüglich eingerichtete Wcrlschulen zu schaffen. Das gleiche gälte für die Reichseisenbahn, die ein vorbildliches Werkschulwesen entwickelt habe. Der Minister verk unt. wie der Amtliche preubische Pressedienst mitteilt, keineswegs, dab sich aus der gegenwärtigen Wirtschaftslage besonders grobe Schwierigkeiten ergeben, de nur überwunden werden können, wenn Unternehmer und Arbeiter ihr Bestes leisten. Aber diese Anspannung darf nicht soweit gehen, dab Raub aa der Volkskraft eintritt und die notwendige Erziehung des Nachwuchses unterbleibt. Die schulärztlichen Erhebungen des Vollsw hstahrtsnrni'ters zeigen, in wie erschreckendem Mabe bfe Widerstandskraft der Jugend durch die Entbehrungen der Kriegszeit und der Nachkriegszeit geschwächt ist.
* * Jugendgericht bei jedem Amtsgericht. Das Hess. Ministerium der Justiz hat eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der es u. a. heißt: Für die Verhandlung und Entscheidung der zur Zuständigkeit der kleinen Jugendgerichte gehörigen Strafsachen wird bei jedem Amtsgericht ein Schöffengericht (Jugendgericht) gebildet. Diese Bekanntmachung tritt mit dem 1. Januar 1925 in Kraft.
Goldene Hochzeit. Morgen, Samstag, 8. November, feiern der Mehgermeister G g. Möhl und Ehefrau Mathilde, geb. Busch, das Fest der goldenen Hochzeit.
• * Personalien. Durch Entschliehung des Ministeriums für QI beit und Wirtschaft wurden die nachgenannten Landwirtschaftsrefe endare zu Landwirtschaftsassessoren ernannt: Dr. Otto Günther zu Lich, Richard Pabst zu Friedberg und Otto Schönheit zu Lauterbach.
* * Sportfonderz üge. Die Deutsche Reichsbahn wird in diesem Winter Sportsonder- züge mit günstigen Hin- und Rucksahrzeite.i. u. a. nach dem Riesengebirge, nach dem Harz, Thüringen sowie nach Bayern mit Anschlub nach dem Olllgäu, dem bayerischm Hochlande und Tirol nach Art dec Ferienfonderzüge fahren. Die Fährst reisermäbigung für diese Züge beträgt 33V.-. Prozent der normalen Frhrpre.se.
* * Obst- und Gartenbau. Man schreibt uns: Um dem Bedürfnis nach Belehrung über die vielfachen und verwickelten Fragen, welche die Kultur der Gartengewächse täglich bringt, nachzukommen, hat die Volkshochschule Giesten eine Vortragsreihe über die Kulturpflanzen der Hei-


