Ausgabe 
7.11.1924
 
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Erscheint täglich, außer Somu und Feiertag».

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Blatt

174. Jahrgang

gttttag, 7. llovember

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnick nn6 Verlag: vrShl'sch« Universitälr-Vlich- and Steintnidtrei n. Lange In «letzen. Schrlstlettung «nd SeschSstrltelle: SchnNNatz« 7.

iBMtM *M &NjC>v<H ftr Me legtseeiRwttr bis |a* Nachmiuag vorher ohne jedeBerdindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlichS, auswärts

10 Goldpfenntg; für Re- Klame-Anzeigen v 70mm Brette 35 Doldpfennig, ^statzvorschrist 20*. Aul- tolag. - Berüntroortlid) Tür Veirtih n. Feuilleton: Dr. Frtedr Wilh Longe; für den übrigen Teil Ernst Blumschein, für den Anzeigenlell: Han» Beck, sämlUch m Gießen.

Der Fall Nathusius.

Ein Kapitel französischer Dersöhnungspolitik.

Die Verhaftung des Generals v. Nathusius lenkt die deutsche Aufmerksamkeit wieder einmal nachdrücklich auf die ungeheuerlichen Zustände, die sich in Frankreich in den sogenannten RechtSverfahren gegen Deutsche ent­wickelt haben. Wir regen uns schon gar nicht mehr darüber auf, wenn irgendein Kriegsgericht mehr oder minder unbekannte Deutsche zu Todes» strafen, und für den Rest ihres Lebens zu Zuchthaus st rasen verurteilt; die ganze Sache kommt uns so lächerlich vor, daß wir sie mit Stillschweigen übersehen. Da es aber mög­lich ist, daß doch einmal ein Deutscher in die Sche­ren des Kriegsgerichts nachträglich hineingerät, wird es jetzt doch an der Zeit, daß Nicht nur die amtlichen Stellen nachdrücklich in Paris Ver - w a h r'ü n g dagegen cinlegen, sondern dah auch die Welt aufmerksam gemacht wird auf die Art, wie auch das Frankreich Herriots noch d a s R echt vergewaltigt. Da tagen irgendwo in den verschiedensten Stellen Frankreichs Kriegsge­richte. Niemand kennt ihr Material, niemand kennt ihre Zeugen, die Angeklagten werden nicht einmal der Form halber verständigt, und dann geht das Urteil wahrscheinlich oft genug gegen Deutsche, die seit Jahren unter der Erde liegen.

Zehn Jahre sind jetzt seit Ausbruch deS Krieg S vrg.ngen, dtefronzrsi chen K i g s.e.ih e hindert das nicht, mu it?r ih? U te le weiter zu sprechen, um dadurch bei ihem eigenen Volke den Glauben cmfrrchtzuerhU en, dah die deut­schen Desatzungstruppen Mordbren­ner, Räuber und Brandstifter getoe n seien. Wie es in Wahrheit damit steht, ze.gt eine Nachprüfung, di? kürzlich vor dem M tzec Kriegsgericht erfolgt ist. Da waren ein deutscher Hauptmann und ein deutscher Leutnant za je zehn Jahren Zuchthaus und zwanzig Jahren Ehrverlust im Abwesmheitsverf. h^n ver­urteilt worden. Nachträglich stellte sich heraus, dah der Leutnant ein Elsässer war, der jetzt in den Diensten der Stadt Hagenau steht. Er stellte sich freiwillig und betri--: das Wiederaus» nahmeverfahren. Mit dem Erfvkg, dah er in der erneuten Verhandlung f . eigesprochen we' - den rnuhte. Die elsässischen Zei.ungen berichten eingehend über diesen mcrhDüri>igen Fall und teilen mit, dah De nunziati onen ohne irgend­welche genaue Arg 'den die H a u p t st ü tz - punkte der Anklage waren. Die Zeugen wühlen von nichts, die einzige Grundlage der Anklage wohlverstanden der Verurteilung in erster Instanz tixv Etappenge chwäh, das unmittelbar nach dem Kriege von Gendarmen aus­geschrieben und im Jnstanzenzuge wci:ergegeben worden war.

Oder ein anderes Bei Piel. Der deutsche Gene­ral v o n Z w e h l ist vor einem Jahr vom Kriegs­

gericht in Amiens zu zwanzig Jahren Zwangs­arbeit verurteilt worden, weil er angeblich ein Dchloh in Monthenault geplündert haben soll, und zwar im Jahre 1918. Das deutsche Reichsgericht hat im März ds. Js. den General freigesprochen, well nicht die ge­ringsten Anhaltspunkte für die Anschuldigungen gegeben seien. Dor fast einem halben Jahr hat General v. Zwehl dem französischen Botschafter in Berlin davon Mitteilung gemacht mit dem Hinzusügen, dah er seit 1915 injenerGegend überhau pl nicht mehr gewesen sei. dah also die Anschuldigung jeder Grundlage entbehre. Die frattzösische Botschaft hat sich nicht gerührt . . .

Das find doch Dinge, die von der deutschen Regierung einmal zur Sprache gebracht werden mühten, ebenso, wie hervorgehvben zu werden verdient, dah die sozusagenritterliche' Nation einem deutschen Offiziec die Einreise­erlaubnis gewährt, Somit er das Grab seines Särwiegervaters besuchen faim und ihn dann auf dem Bahnhof verhaftet, obwohl sie es niemals für nötig gehalten hat, ihn von der Tat­sache seiner Dcru'teilung in Kenntnis zu setzen. Den christlichen Allerieärntag zu einer Zucht­hausfalle auszubauen, das ist eine Leistung, auf die Frankreich wirklich stolz sein kann.

General von Nathusius über seine Verhaftung.

Paris, 7. Nov. (Sil.) Einige Pariser Morgenblätter bring m Äeuherungen d^S Ge 's- rals von Nathusius, der bekanntlich am Mitt­woch abend in die Liller Arrestanstalt überführt wurde, in z. T. phantastisch aufgemacht m Be­richten. Zu einem der beiden Polizei-Inspektoren, die ihn in Metz abholten, soll Gen.-wai von Nathusius demPetit Parisien" zufolge gesagt haben:Ich bin das Opfer eines Ver­sehens und darf versichern, dah ich mir nie- mass das Vergehen zuschulden kommen l eh, welches man mir zur Last legen will Mein? Un­schuld wird sich übrigens sehr bald Herausstellen, und ich H f e, die Me nigen bild wieder?,, s.Heu." COeubrc, das einen Sondm:bericht rstat.e- nach Lille entsandt hatte, meldtt folge.rdeS: v. Nathu­sius ist in einer besonderen Zelle untergebracht, die für ihn eigrns instandges ht wurde. Das Esten wird ihm aus einem nah l egenden Restaurant besorgt, v. Nathusius scheint keineswegs niedergeschlagen zu sein. Zu dem fran­zösischen Beamtm, der ihn nach Waffen durchsuchte, äußerte v Nathus us dah er keine bei sich führe und ihm dec Gedanke an Selbstmord völlig fern li*geIch bin noch zu jung dazu", habe der deutsche General h'nzu-

gefügt. Seinerseits habe der deutsch» Botschaft^-, rat v. Rintelen, der Mittwoch abend in Lille eingefroren ist, eine Erklärung abgegeben, in der cs heitzt, dah lerne Aufgabe darin befiel dem General zur Seite zu stehen und die nötigeZ Entlastungszeugen au-fimdig zu machen Ge tern abend erhielt v. Rintelen die offizielle Genchmt- gung deS Quai d'Orsay. Einsicht in die Akt n des Generals v. NathuftuS zu nehmen Der Bot Ichaftsrat stattete einem der Verteidiger des Generals, Lasa pelle, einen Besuch ab Ile er die stattgefundene Unterredung wird strengstes Stillschweigen gewahrt.

Die Vorgänge in Forbach.

Berlin, 6 Nov (TU.) Zur Verhaftung des Generals v. NathusiuS werden aus einem Briefe der Gattin des Verhafteten an ihren Schwiegersohn noch folgen? - Einzelheit - bekannt: Als der General in Forbach ankam und dort seine Pässe vorzeigte, wurde er sofort verhaftet. Der General war ganz ruhig. Er wurde korrekt behandelt. In Forbach durfte er in einem Gasthaus übernachten, wurde aber von Detektiven überwacht, die er selbst bezahlen muhte. Am darauffolgenden Tage wurde der General nach Metz g bracht. Durch die Stadt begleiteten ihn 6 Detektive und eine militärische Abteilung Di? Gattin Generals trennte s ch von ihrem Manne am Gefängnis, wo der Verhaftete von einer Abteilung Marokkaner überwacht wurde. Jeder Verkehr mit ihm ist abg^lchnitten. solange er fich in Untersuchungshaft b f: dct. Die Aufenthaltserlaubnis für Lothringen w re zu­rückgezogen, und so muhte die Gattin des Generals die Stadt am nächsten Tage ver­lassen. Sie hat sich gleich an den deutschen Botschafter in Paris und an das Austoärtigc Amt in Berlin gewandt Wie die TU. erf ihrt, ist der deutsche Botschafter in Paris jetievn beauftragt worden, die Freilassung des Generals zu verlangen

Wieder ein französisches KriegsgerichtsurteU.

Paris, 7. Nov. (T. U.) Der 36jährige Gl» sässer Peter Lehmann wurde gestern nach mehrstündiger Verhandlung vom <crirg''xpn-ich'. des 20. Armeekorps in Nancy z n 20 3 a h i c n Z u ch t- Haus verurteilt. Lehmann wurde beschul­digt, am 23. August 1914 bei Luneville -inen französischen D e r w u n de t e n . r s ch o s- sen zu haben. Der Angrllagl? beteuert, während der Verhandlung seine Unschuld und zieh die Be- I lastungszeugen der Unwahrheit.

Innere Reformen.

Neue Beschlüsse der Reichsregierung.

Berlin, 7. Dov. (TU.) DaS ReichSkabineit beschäftigte sich in feiner gestrigen Sitzung mit dringenden Fragen, deren Lösung auf dem normalen gesetzlichen Wege durch die Auflösung deS Reichstags verhindert worden ist. Auf Vorschläge deS Reichslinanzministers Dr. Luther führten die Verhandlungen zu folgen­dem einstimmig sestgestellten Ergebnis

In der auf Antrag dcs nanzmi.ftsters vom Kabinett bereits grundsätzlich beschlossenen

6teuetermäf)igung

erblickt die Reichsregierung nur einen Teil der durchgreifenden Reformarbeiten, die sofort in Angriff genommen werden nuifc.r, nach­dem durch Verwirklichung der 800-011 Ulionen- Anleihe die Ausführung des Sachverständigengut­achtens gesichert ist. Ein Teil der erforderlichen Mahnahmen kann auf dem Verwaltungswege schon jetzt getroffen werden, dah er durch die fünftflc Reichs i-egierung dem neuen Reichstag sofort zur Deschluhfasfung vvrgelegt werden kann. Auf dem Verwaltungswege sollen die S ch u tz- beftimmungen und die

Milderung auf dem Gebiete deS Personalabbaus, die der Reichstag In Aussicht genommen hatte, durchgesührt werden, sowe.t das gesetzlich zu­lässig ist. Insbesondere soll mit Ablauf des Ka- lendci-jahrcS der allgemeine Abbau ein­gestellt werden. Nur noch bei einzelnen Ver­waltungen, die bisher im Abbau behindc-rt waren, soll mit Zustimmung des Reichsrats und des HauptauSschusses des Reichstags ein weiterer Abbau stattfinden Die Reichsregierung wird ihre Bestrebungen zur

Senkung der Preise

weiter fvrtsehen, weil sonst die Bemühungen um eine endgültige Besserstellung der Gehalts- und Lohnempfänger erfolglos bleiben müssen. Auher- dem beabsichtigt die Reichsregicrung, eine mah- vvlle allgemeine Ausbesserung der Be­amtengehälter zum Zwecke ihrer weiteren Annäherung an die Friedens-Nominal-Gehälter sobald wie möglich durchzuführen. Die Wieder­herstellung der wirtschaftlichen Einheit Deutsch­lands, die Vereinbarung der Ausländsanleihe von 800 Millionen Mk., die Wiedererlangung der handelspolitischen Freib?it des Reiches, endlich die Tatsache, dah die unS vom 2bis- lanD auferlegten Lasten jetzt einigermahen über­leben werden form en, haben nunmehr die Mög­lichkeit geschaffen, auch der Milderung der durch den Kricgsausgang und die Geldentwertung her- vorqeruscnen Not herzu tret en. Dabei kann nun­mehr über die früher in Aussicht genommene Bewegung auf die bedürftigen Kreise im Rahmen deS wirtschaftlich Möglichen hinausgegangen wer­de''. Diesbezügliche Vorschläge unterliegen der Prüfung der Rcichsregierung Spekulative Ge­winne sollen dabei ausgeschlossen werden. Die Folgerungen aus den Mahnahmen für die Län­der und Gemeindeir zu ziehen, wird erst möglich sein, wenn über den Finanzaus­gleich durch den neuen Reichstag endgültig ent­schieden ist, da der jetzige Einnahmezustand einer Reihe von Gemeinden durchaus vorübergehender Natur sein dürfte. Die Reichsregierung erwar­tet, dah auch -diese Mahnahmen zur Gesundung des Volks- und Wirtschaftskörpers beitragen werden

Stresemann

und die Demokraten.

Eine Dessauer Wahlrede.

D e s s a u. 7. Nov. (TLI) Gestern abend h e.'t Reichsauhenminister Dr. Stie ernenn im üder- lülllen K-. istallvalast-Saal eine Liede. In der demokratischen Presse lese er jeden Tat neue Dorwürfe u. a. Mi bi: Politik btä Au e.-ynini- fters schwankend g^wr'ea sei. Er hab: sich ein- gcftclit auf eine Poli.ik der weltwirtschaftlichen Derltändigu -g, selb k als weite Kvei e fe ner Vo"- tei nicht mehr mit ihm g.-hea woUtea. Er habe gegen den Strom g.-lchwommei und dei Wide - tpruch der öffentlichen Meiau g ni'be ge d> age i. Regierung käme von regtet und regieren keihe, nicht andere Leute um Er'»»ibnis s agen, londcrn das tun, was man für gut hält und die Derantwortung vor dem Volt zu üb?rneh:nen. Der Minister drückte w:i er fein Be nemden über die Ausführungen des Reich?ra ikprä ide-tten Dr. Schacht in Seffoai aus. Nach Herrn Schicht feien all: Erfolg: durch die Demokrsten erziel', werden und e. übersete Demokratie in demokiatische Partei. Es gäbe kein: dem:km- mische und auch leine konserv-tive A. henpolitik. sondern rur ein? Auhenpolitik, die sich bemüht, Ben Leb:nsnotw:ndigkeiren des deutschen Volkes *ierech'. zu werden. Mit der Politik einer be­dingungslosen Einnahme de'ten. w.>s der <Scg-e' Uns vorschreibt, seien wir nicht äne.r Schrat v r- t?ärt5 gekommen. Er hab: eus London die gu.e Lehre mit nach Heuie genommen, dah man ei e tute Meinung bei unseren Geg-ner.r nur dann erzielen könne, wenn man c>ls Deutscher das deutsche Recht vertrete.

Wenn man der Linken gefolgt wäre und b e - ^ingungslos in den Völkerbund ein­te treten wäre, dann wären wir wahrscheinlich fcn;te auf dem ..Armensünderbänkchen" und fein Mensch hätte sich für uns gerührt. Wir wollen iur d) die Mitteltür und nicht durch eine Seitentür in den Völkerbund. Die Deutlchnatio-

nalen hätten für die Gutachtengesetze gestimmt. Der Staat tue gut, eine solche Partei nicht von der Mitarbeit auszuschliehen. Bedauerlich sei es, dah das Stichwort dazu gegen den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung von der Berliner Presse gegeben worden fei. Man sagt, die Republik fei bedroht. Er wisse nicht, wodurch sie bedroht fei. Er sei der Meinung, dah wir vorläufig auf unabsehbare Zeit auf dem Boden der Republik stehen wür­den. Eine solche Politik müsse gemacht werden, weil man die Konsolidierung nicht durch einen Bürgerkrieg erschüttern wolle. Der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung wäre ein Triumph für den gegenwärtigen Staat gewesen, beim dann hätten fich auch die Deutschnationalen auf den Boden dieser Verfassung gesteNt. Herr Koch habe ihm Grundsatzlosigkeit vorgeworfen, deshalb möchte er darauf Hinweisen, dah auch die Minister Hamm und Gehler sich verstän­digend für die H i n e i n n a h m e der D e u t s ch- nationalen in die Regierrmg ausgesprochen hätten. Cs liege im Interesse des Staates, wenn alle verständigen Elemente im Staate Mitarbeiten, deshalb wünsche er. dah die extremen Elemente der Rechts- und Linksparteien bei den Reichs­tagswahlen am meisten geschwächt würden.

Die Neichstagskcndidaten des hessischen Zentrums.

Darmstadt, 6. Nov. lEig. Der.) Der Landesausschuh der Zentrumspartei stellte fol» genbe Kandidaten für die Reichsliste des Zen­trums auf: Rechtsanwalt 2 o ck i u s - Mainz, Re­gierungsrat Knoll - Darmstadt, Landwirt Möbs - Niedermörlen, Frau H a 11 e m e r, Malermeister Scherer- Worms, Eisenbahn- inspektor S ch r e b - Bischofsheim.

Die deutschen Handelsvertags- verhandlungen mit Italien.

Berlin, 7. Nov. (SIL) Halbamtlich wird gemeldet, dah auf deutscher Seite die Vorberei­tung zu den deutlch-italienischen Handelsvertrcrgs- verbandlungen in vollem Gange sind. Die deut­sche Regierung hat sich mit den Jnter- esfentenkreisen in Verbindung ge­setzt. um die nötigen Unterlagen für die ein­zelnen Wünsche zu erhalten. Die Prüfung der Zusammenstellung dieser Wünsche liegt in der Hand des Reichswirtschaftsministe­riums und des Reichsernä h rungs Mi­nisteriums.

Das neue englische Kabinett.

Chamberlain, Austenminister. Cnrchill, Schatzkanzler.

London, 7. Rvd. (Sil.) Stanley Baldwin hat heute dem König die neue Ministerliste vor­gelegt, die boin König bestätigt wurde. Außenminister und Präsident des Unterhauses ist Auston Chamberlain. Lord Curzon wird Lvrdpräsident de8 Geheimen Rates und Führer des Oberhauses. Ferner wurden erannt: Lord Birkenhead zum Staatssekretär für Indien, Lord Cave zum Lordkanzler, Sir Mil'iam I o n« fort H ick s zum Innenminister, und A m e r h zum Kolonialminister. Winston Churchill wird Schahkanzler. Lord-E'egelbcwahrer: Marquis von Salisbury, Krieg: Sir Laming W ort hin g- ton Evans, Luftverkehr: Sir Samuel Hoare, Admiralität: W. C. Bridgeman Handel: Sir Philipp Lloyd Grrame, Gesundheit: Neville Chamberlain, Landwrrt^chast und Fischerei: Edward Wood, Schottland: Sir John Gil- m o u t, Erzichungswesen: Lord Rustaca Percy, Generalstaat anwalt: Sir Douglas H o g g.

Des neue englische Parlament tritt am 25. November erstmalig zusammen, um die Vor­sitzenden zu wählen und die Eidesleistungen dsr- zunehmen. Die feierliche Eröffnung erfolgt am 2. Dezember.

In hiesigen politischen Kreisen hat die E r - nennung Chamberlains zum Außenmini­ster allgemein befriedigt. Man erwartet von ihm, dah er die britische Auhenpolitik wied-rr in ein ruhigeres Fahrwasser zurückführen wird. Seine gleichzeitige Ernennung zum Führer des Unterhauses vedeui t die Fortsetzung des von Lloyd George eingestrhrten Grundsatzes der Tren» nung des Postens von dem dem Premierministers. Die Erkennung Churchills wird als Sensatron aufgefaht. Sie wäre der Versuch auch die Liberalen zur Mitarbeit heran^uztehen. Da Churchill einer der überzeugtesten Anhänger des Freihandelslystems ist. kann angenommen wer­den. dah kein Haushvlt durchz: ahrt wird, der auch nur im geringsten das Reichsbevorzugungs- system begünstigt. Lord Birkenhead ist als Gegner der gewaltsamen Unterdrückung der Nationalihen Indiens bekannt. Dah Sir Robert Hörne übergangen wurde, wird als Belei­digung des Staatsmannes angesehen, der eines der fähigsten und einkluhreichsten Mitglieder der Konservativen Partei ist. Es war zu erwarten, dah er in Baldwins Kabinett den Posten eines Lord-Schatzkanzlers erhalten würde. Baldwin trug ihm den Posten des Arbeitsministers an,

den Horne zurückwies. Baldwin verschärfte die Kränkung, indem er das Arbe. minifierium Stessen Maitland, einem durchaus mittelmähigen Politiker, übertrug.

Das neue Kabinett Loolidge.

Das Programm des weiften Hauses.

Neu York, 6. Nov. (Kabeldienst der TU.) Die gesamte republikanische Pres e hat einen schar­fen Kampf gegen Lafollettr eröffrci. Cool!' ge hat in einer Erklärung zum erstenmal die Auhmipolitik gestreift, indem er erklärte, die Mach'. Amerikas müsse dazu benutzt werden, bedrängten Völkern zu helfen und die friedlichen Begehungen zwi­schen allen Völkern wiederherzuste'.len Der Er­folg Coolidges ist hcriptfächlich eine Folgedes wirtschaftlichen Aufschwungs, den die Vereinigten Staaten unter txm Nepal ifa ein nach der Not der Nachkriegszeit nahmen. Alle Deut­schen verliehen im letzten Augenblick Lafollette da sie befürchteten, eine Verschleppung der Kvn« grchwahlen durch ein totes Rennen könne Ge­schäftsunsicherheit zur Folge haben.

Gestern ist den Pressevertretern amtlich das Programm des Weihen Hauses mitgeteilt worden. Dieses Programm umfaßt fol- genoe Punkte:

1 Starkes Eintreten Amerikas für den in­ternationalen SchiedsgerichtSgedarcken.

2 Fortführung des Abrüstungsg' dankenS.

3 . Keine Streichung der Kriegsschulden der Alliierten.

4 Kein Nachlassen der Verpflichtungen aus­ländischer Schuldner gegenüber Amerika.

5 . Mitwirkung am Wiederaufbau Deutsch­lands.

Präsident Coolidge werde 5 Kabinettsmit- glieder, die et seinerzeit von Harding über­nahm, infolge seines überwältigenden Sieges ersehen, da nach dem Wahlresultat die Re­publikaner das Repräsentantenhaus und den Se­nat kontrollieren würden.

Coolidge wird Mellon, Hughes, Hoo­ver, Stone bitten, im neuen Kabinett zu bleiben. Der Leiter der Post, Wilbur, der Arbeitssekretär New und Davis, der Innen­minister, werden wahrscheinlich zurücktreten.

Das neueste Wahlergebnis aus Amerika.

Neu York 7. Nov. lKa el ienst der TU.) Nach den letzten Zählungen entfallen auf

Coolidge 13 303118

Tawes 7 976 959

Lafollette 3847 959