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Der Me auf Topper.

Roman non Hanns von Zvbellih.

36. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Herzliebe, Gnädige Frau Mutter!

Ihr gehorsamster Sohn bittet recht sehr Par­don. weilen er so selten schreibet. Ist aber wahr­haftig nicht ganz leicht mit dem Gänsekiel in der Campagne, hab' brechend wenig Zeit oft, bin von früh bis spat im Dienste bei Eeyner Maje­stät. von der ersten Toilette bis vielmals um Mitternacht, dazwischen im Sattel, mal heißt's, lauf' Er, hol' Er den Krufemarck oder den Eichler, und man fällt todmüd' auf sein Stroh. Aber das thuet nichts, denn sonsten ist Ihr gehorsamster Sohn und Diener gesund wie der Fisch im Wasser.

Den Gnädigen Herrn Großvater und sodann auch Oncle Christian wird es gewißlich inter­essieren, daß ich neulich hab' die ersten Kugeln pfeifen gehört, große und kleine, wies kam. Die Frau Mutter brauchen nicht zu erschrecken, sie haben mich nichts angethan. Ich hab' mir auch gar nicht geforcht und nicht gebückt, wie sie kamen, hab' gelacht. Heidi, ganz lustig ist es gewesen. War aber dabey, ä vrai dire, eine recht arge Affaire, von welcher der Herr Großvater viel­leicht in den Gazetten gelesen hat, weilen nämlich der Herr General von Finck am 31. hujus bei dem Dorfe Maxen mit seynem Corps vor dem Daun kapitulieren gemuht, wo wir mit dem Gros d'armöe nachmarschirten. aber zu spät gekommen und nur eine leichte escarnwuche hatten. Seyne Majestät sehn sehr traurig und zornig gewesen, haben gesagt, hab' es mit eignen Ohren gehört:

seh bis dato ein gany unerhörtes Cxemper, daß ein preußisches Corps vor dem Feinde die Waf­fen strecket. An 15 000 Mann, haben wir alle schwer mit Sehner Majestät, gefühlet, aber hege der Hoffnung, daß Majestät das allens balde wieder gut machet.

Meiner Gnädigsten Frau Mutter muß ich noch gehorsamst vermelden, Laß ich zwey Freunde auf einmal fast bekommen hab'. Der eine, das ist der Pirch, mein lieber Kamerad in Dienst Sehner Majestät, ein lustiger, braver Bursch, der meiner Thorheit hielft, wie immer er kann. Par- lirt auch schon französisch wo mir noch sehr mangelt und nohtthut, weilen der König sehr viel! fran­zösisch spricht. Der andere das ist eine kuriose Geschichte. Heißet Cajetan Grolich und ist Feld­prediger beym Regiment« Bernburg, aber kein alter Mann als wie unser Lopperschrr Herr Ma­gister, sondern noch jung an Iahren hat in Frank­furt strrdirt ind in Halle an die Saale und ist gar gutt. Wie er meyn Freund worden, das kam so. Hab' ihn erst predigen hören wieder ganz anders denn unser Lopperscher, nämlich über Sprüche Salomonis, Kapitel 20, wo es heißet Krieg soll man mit Vernunft führen und war ein Hoheslied auf unseren Herrn König und voll Mahnung für den Soldaten, Officier und Bursche. Hab' ihn dann den Blessirten Trost spenden sehen und war gar zu schön. Vorgestern aber muht Einer Gassen laufen, ein Desertör, das muhten wir ansehrn und da war er auch dabey und hatte Thränen in den Augen ob des zerfleischten blutigen Missethäters. 2Ruh ja sagen, das Gasse- lausen ist schröcklich. ülnd da bin ich zu ihm getreten und muht' ihm die Hand reichen, da sprach er zu mir, wurde ein langer Discurs, La

yaven wir uns MfammLNgesunSen, worüber ich sehr glücklich bin.

Gnädigste Frau Mutter, so Sie mir ehliche gute Hembden schicken könnten mit Gelegenheit, wär's sehr gutt, die mehnigen sind Stücke. Von den Friedrichdors vom Herrn Großvater hab noch drei, Sehne Majestät werden schon weiter sorgen.

Ich hab' die Gnädigste Frau Mutter sehr lieb und in hohen Ehren, bitt' dah Sie mich dem Herrn Großvater empfehlen wolle und Ohm Chri­stian und Oncle Egid und im Dorf Herr Magister und Frau Pfarrin und die Ruth grühen. Schreib' auch nächstens mal an ihr. Und bin nun in schul­diger Devotion der Gnädigsten Frau Mutter

treugehorsamster Söhn Kaspar von Zabeltitz.

Dem Iunker ist sein Brief herzlich schwer geworden: es war nicht leicht mit dem Schreiben in der Campagne. Die beiden, der Pirch und Zabeltitz, hausten jetzt im elenden Kämmerchen eines elenden Bauernhauses im Orte Pretzendorf, wo kaum Raum war sich umzudrehrn. Viel besser hatten es freilich unter ihnen Seine Majestät auch nicht, und die Herren Flügeladjutanten muh­ten sich so einschachteln, dah des heimlichen Fluchens und Schimpfens kein Ende war.

Schöne Winterquartiere!" meinte der Ge­neral von Krusemark, und der andere, Lentulus, nickte. Sie dachten wohl beide an das herrliche Dresden oder auch an Breslau, wo der König sonst seine winterliche Ruhe verlebt hatte. Dies­mal schien's überhaupt keine Ruhr zu geben. Es wurde Dezember, und es wurde Ianuar, ohne daß die Armee in die Kantonnements kam. Dicht lagen Daun und die Preußen sich gegenüber, im Schnee und Eis.

Ä'er König war fcyiecyt bet Humore. Ein Ülnglücksjahc war's für ihn, das 1759. Die un­selige Bataille von Kunersdorf: dann, kaum dah diese wie durch ein Mirakel überwunden, der Verlust von Dresden: darauf die Kapitulation von Maxen mit Schimpf und Schande. Dann körperliches Leiden und die drückende Sorge: was wird die Zukunft bringen? Ist noch eine Rettung möglich gegen das ganze verbündete Europa?

Manchen Tages nrochte der König keinen Menschen sehen, erledigte nur das Ro!wendigste, ließ 'kaum seinen vertrautesten Kabinettsrat vor, sah dafür stundenlang über den Karten oder schrieb lange Briefe an seine Freunde in der Ferne. Die sonst so geliebte Flöte lag unberührt im Kasten, und die kleine zarte Diche mochte noch so sehr des Gebieters Knie umschmeicheln, er achtete ihrer nicht. Ein andermal lief ihm die Galle über. Er ging, auf den Krückstock gestützt auf und ab, sinnend, blieb stehen, rief nach dem Pagen:Hol' Er mir den General Saldern!"

Der lag nicht weit davon im Quartier, kam eilends an.

Hör' Er! Rehm er ein paar.^ompagnien, geh Er nach Schloß Hubertusburg. Der Hadel hat's mit Berlin arg gemeint, das fordert Re­vanche. Rehm Er da fort, was nicht niet- und nagelfest ist. Alles. Verstanden?"

Der Iunker, der dabei stand, erstaunte. Denn der Saldern, groß und stark, wird kreidebleich im Gesicht, tritt einen Schritt zurück.

Run?" herrscht der König.

Darauf Saldern:Eure Majestät wollen gnä» digst verzeihen.^ Für die Aufgabe bin ich nicht der Rechte." V (Fortsetzung folgt)

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