n en. Die Veranstaltungen in Münster, an Denen auch der Reichspräsident teilnehmen wird, sind hauptsächlich gedacht als eine große Kundgebung der Reichsregierung, deren Zweck es ist. in der Bevölkerung den Eindruck zu verstärken, daß die gegenwärtige deutsche Regierung mit ihrer ganzen Kraft bestrebt war, in London ein für Deutschland annehmbares Ergebnis zu erzielen und daß sie sich auf das Vertrauen Der weitesten Dvlkskreise berufen darf.
Amerikanischer Besuch in Berlin.
Berlin, 7. Aug. (WTB.) Eine Abordnung unter Führung von Dr. Sherwood Eddy von 7 0 amerikanis chen Geist- lichten und Hochschulprofessoren, die nach Berlin kamen, um die politische und wirtschaftliche Lage Deutschlands zu studieren, wurde vom Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherrn v. Malhan in Vertretung des in London weileirden Ministers des Aeußern empfangen. Der Staatssekretär bekundete den Erschienenen großes Interesse für ihre dankenswerten Bestrebungen und versprach ihnen vo 11 e Unterstützung.
Eine Ansprache des Rheinministers.
Was die Amerikaner in Deutschland sehen und empfinden.
Bei einem Tee, den der Reichslandbund gestern 80 amerikanischen Professoren und Geistlichen der American Fellowship Group 1924 gab, and zu dem die Vorstände der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Rationalsozialistischen Freiheitspartei, der Zentrumspartei sowie die Spitzenvertreter der vaterländischen Verbände und der nationalen Arbeiterorgani- .sativnen erschienen waren, schilderte der Minister der besetzten Gebiete, Hoefle, den amerikanischen Gästen die Lage an Rhein und Ruhr. Mit der Besetzung der linksrheinischen Gebiete müsse man sich entsprechend dem Versailler Vertrag abfinden, die fehung des rechten Rheinufers aber sei widerrechtlich. Die deutschen Tlnterhändler in London würden sich aufs äußerste für die Räumung dieses Gebietes einsetzen. Man werde auch durchzusetzen versuchen, daß die deutsche Bahn, die die Regie übernommen habe, an Deutschland z u - rückkehre. Deutschland müsse im besetzten Gebiet seine volle Souveränität wiedererlangen. Auch die Besetzung selbst müsse abgeändert werden, denn im Versailler Vertrag stehe nichts davon, daß 70 000 Soldaten auf Kosten Deutschlands jahrelang an Rhein und Ruhr stehen. Alle diese Fragen müßten das Interesse De rgesarn« t en W el t wachrufen.
Als Vertreter der amerikanischen Gäste sprach Dr. Eddy. Er erklärte, daß man Deuts chland zweifellos in vielen Fallen Anrecht getan habe. Dr. Eddy schilderte, daß er selbst am Rhein gesehen habe, wie die farbigen Franzosen dort gehaust and die weißen Franzosen ihre Macht hätten fühlen lassen. Die Hungerblockade, die noch Jahre über den Krieg hinaus gedauert habe, sei die schwerste moralische Schuld, die die Welt auf sich genommen habe. Richt Deutschland allein, die ganze Welt sei an dem Kriege schuld.
„Erbauliches" äus dem besetzten Gebiet. Französischer Krieg gegen Schulbuben Wiesbaden, 6. Aug. Der Schüler Karl Dehsiegel aus Rüdesheim hatte von seinem ehemaligen, nun ausgewiesenen Lehrer Dr. Reuter, der sich in 'Bayern aushält, ein Schreiben erhalten, in welchem Dr. Reuter an die Schüler seiner ehemaligen Klasse einen Aufruf richtete. Beysiegel vervielfältigte dieses Schreiben und v e r t e i l t e es an die Klassenkameraden. Heute wurde er vor dem Kriegsgericht wegen Verbreitung einer Schrift verbotenen Inhalts zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Der gefährliche Wandervogel.
Wiesbaden, 6. Aug. (WTB.) Zu vier Monaten Gefängnis verurteilte das Kriegsgericht den Kontoristen Wilhelm Schwarz aus Wiesbaden, da er Mitglied des Deutschen Wandervoge ls, des Greifenbundes im Deutschen Orden war.
Die Ausweisungspraxis gegen „Begnadigte".
Düsseldorf, 6. Aug. Der Polizeileutnant Buenel, der im Dezember 1923 im Schupoprozeh verurteilt und später begnadigt worden ist, wurde jetzt von der Besatzungsbehörde aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen.
Noch immer Aufrechterhaltung der Ruhrkampfordonnanzen.
Duisburg, 6. Aug. Der französischeKcm- Mandant Generalleutnant Lvurguet hat beschlossen, den durch den Befehlshaber des Brückenkopfes am 29. Ianuar 1923 gegen Oberbürgermeister Dr. Iarres erlassenen Ausweisungsbefehl zurückzuziehen. Trotzdem darf Iarves in seiner Eigenschaft als Reichsminister das Gebiet nicht betreten uud sich in ihm auch nicht aufhalten und zwar auf Grund der Bestimmungen der Verordnung Rr. 15 vom 24. Mai 1923. Die Zurückziehung der Ausweisung hat jedoch die Wiedereinsetzung in sein Amt als Oberbürgermeister von Duisburg-Ruhrort nicht zur Folge. — Wie lange noch? D. Schriftl. U
Bin seltsamer Reichswehrunteroffizier
Wiesbaden, 6. August. (Wolff.) In Worms wurde kürzlich der Unteroffizier der Reichswehr Paul Arno Freyer angehalten und es wurde festgestellt, daß er sich nicht im Besitze eines Passes, wohl aber im Besitze eines feststehenden dolchartigen Messers befand. Er erklärte, gegen die Besatzung habe er nichts im Schilde geführt: im Gegenteil, er habe tn Mainz, Ludwigshafen und Worms sich Kriminalbeamten der Besatzungsbehorden für S p i o- nagedienste angeboten. Das Gericht erkannte gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 1 Monat. — Diese im Gegensatz zu anderen Arteilen milde Strafe wirft ein bezeichnendes. Licht auf die französische Iustiz. D. Schriftl.
Macdonalds Antwort an Lloyd George.
Beim Redaktionsschluß der gestrigen Ausgabe des „Gießener Anzeiger" lag der vollständige Wortlaut der Antwort des britischen Premierministers auf die bedeutsamen Anfragen Lloyd Georges noch nicht vor. Von einer teil- tveisen Bekanntgabe glaubten wir Abstand nehmen zu müssen.
Macdonald sagte im wesentlichen Folgendes:
Die Konferenz sei heute wieder in Anwesenheit der Vertreter der deutschen Regierung zu- sammengetreten. (Beifall bei der Arbeiterpartei.) Den Deutschen, seien alle Beschlüsse ohne jede Einschränkung überreicht worden, und man habe sie aufgefordert, alle Punkte bÄkanntzugeben, zu denen sie eine Erklärung wünschten und betreffs Deren sie Sicherheit haben wollten usw. Er zweifle, daß dem Hause vor feiner Vertagung Bericht erstattet werden könnte. Doch habe er die Empfindung, daß keine Fragen ernster Ratur aufgeworfen würden, die für das Parlament nicht annehmbar sein würden, und daß das Haus infolge« dessen in die Ferien gehen und der Konferenz ihrer ' Tätigkeit überlassen könne. (Beifall bei der Arbeiterpartei.) Nachdem Macdonald darauf hin- gewiesen hatte, daß viele Fragen, die in Verbindung mit der Konferenz ständen, mit größter Sorgfalt erwogen werden müßten, erklärte er, er würde nicht einwilligen, daß ein britischer Soldat auch nur eine Minute länger in Köln bleiben würde als notwendig wäre, um die England durch den Versailler Vertrag auferlegten Bedingungen ehrlich zu erfüllen.
Riemand wolle, daß sich diese Sache hinschleppe. Er glaube, daß das Haus ihm verzeihe in; toerDe, was die Aussichten der Konferenz seien, sei. Er habe die leise Hoffnung, daß man vielleicht, bevor die Woche vorbei sei, Licht vor sich sehen werde, was sie Aussichten der Konferenz seien. Was Lloyd Georges Erklärung über
die Räumung des Ruhrgebiets anbelange, erklärte Macdonald, habe er sich, soweit die wirtschaftliche und fiskalische Räumung des Ruhrgebiets in Betracht käme, damit bereits befaßt. Eine sehr sorgfältig entworfene Vereinbarung sei ge'rof e i worden, eine Vereinbarung, die von he.i Sachverständigen entworfen wurde, welche die Verwaltung des Ruhrgebiets und die Verwaltung Deutschlands kennen. Die Franzosen und die Belgier und die gesamte Konferenz hiben z u g e st i m m t. Was die militärische R.iu- mung betreffe, so sei die Lage die: Die Sachverständigen haben erklärt: Wir können nicht dazu Stellung nehmen, weil dies nicht innerhalb unserer Befugnisse liegt. Aber wir wollen die Regierungen, die diesen Bericht zur Ausführung bringen, warnen, daß bei der Schaffung oder bei dem Versuch der Schaffung einer wirtschaftlichen und fiskalischen Einheit daran gedacht werden muh, daß die militärische Besetzung einen Einfluß darauf haben könnte. Macdonald sagte: Wir haben das nicht vergessen. Außerdem hat die französische Regierung vollkommen klar gemacht, daß sie in das Ruhrgebiet gegangen ist nicht wegen einer Frage der Sicherheit, noch um Gebiete zu besehen oder zu irgendeinem anderen Zwecke militärischen oder politischen Cya- rakters, sondern sie erklärte, daß sie dorthin, gegangen sei, weil Deutschland in Ver-
Neue
Kommunistenprozesse.
Leipzig, 6. Aug. (Wolff.) Vor dem norddeutschen Senat des Staatsgerichtshofes zum Schuhe der Republik begann heute unter dem Vor- ih von Senatspräsident Riedner ein neuer Tagungsabschnitt, der die kommunistischen Amtriebeinder Reichswehr zum Gegen- toni> hat. Am ersten Verhandlungstage hatte sich der 51 Iahre alte Ingenieur und Reiseoertreter Oswald Dieke zu verantworten. Die Angelegenheit beschäftigte bereits vor einigen Monaten das Landgericht Kassel, das sich aber für unzuständig erklärte. Der Angeklagte Dieke wird beschuldigt, am 15. Oktober 1923 in Hofgeismar ein hochverräterisches -Unternehmen dadurch vorbereitet zu haben, daß er an Reichswehrsoldaten Flugblätter mit der Aufforderung zum Angehorsam und zur Bildung von proletarischen Hundertschaften übergeben, auch versucht habe, Waffen von der Reichswehr zu erlangen.
Tas Arteil lautete auf 2 Vs Itahrs Zuchthaus unter Anrechnung von 6 Monaten Unter» uchungshaft sowie auf 200 Goldmark Geld- träfe. Das Gericht hielt es für erwiesen, daß der Angeklagte als Funktionär der kom- munistischen Partei anzusehen sei. Seine Tat wiege besonders schwer, weil er sich nutzt «Heute, das letzte Bollwerk der Republik, die Reichswehr, anzugreifen und die Soldaten zu Attentaten auf ihre Offiziere und zum Sturz der Republik aufzufordern. Ohne ideale Gesinnung, nur um des schnöden Geldverdienstes willen ist ter Angeklagte schuldig geworden. Ter Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte eine Zuchthausstrafe von 3 Iahren und 300 Goldmark Geldstrafe beantragt, da der Angeklagte als sogenannter Zersehungsmann ungierte und in dieser Eigenschaft besonders ge- ährlich war.
Englisch-russische Einigung.
Scharfe Kritik im Unterhaus.
London, 6. Aug. (WB.) Im An ter Haus wurde heute Pvnsvnby, als er sich erhob, um die arigekündigte Erklärung über die englisch- vussischen Verhandlungen abzugeben, von der Arbeiterpartei mit lautem Beifall begrüßt. Er teilte mit, daß mit der russischen Delegation heute nachmittag um 3,30 Ahr ein endgültiges Aebereinkommen erreicht worden ist. Ferner gab er bekannt, daß der Handelsvertrag in dem Sinne abgeändert worden ist, daß England dem Monopol der Sowjetunion betreffend den auswärtigen Handel Rechnung trägt und eine begrenzte Zahl von Handelsdelegationen sowie die diplomatische Immunität gewährleistet. Außerdem teilte Ponsonbh mit, daß neben dem Handelsvertrag ein allgemeiner Vertrag abgeschlossen worden ist.
Die Konferenz habe dreieinhalb Monate gedauert und sei durchaus in freundschaftlichen
zug geraten sei. Sie unternahm diese Aktion wegen des Verzugs und unterstützte eine gewisse wirtschaftliche Maschinerie, die Frankreich Einkünfte verschaffen sollte, durch die nach ihrer Ansicht -notwendigen militärischen Streitkräfte. Dies fei die Lage. Frankreich nehme den Dawesbericht sowie die neue Maschinerie und die neuen Methoden an, um Reparationen zu erhalten.
Ich glaube nicht einen Augenblick, erklärte Macdonald, daß die französische öffentliche Meinung, obgleich sie vielleicht in sehr großem Maße von gewissen Zeitungen irregeführt worden ist, blind gegenüber Verpflichtungen ist, die ihr jetzt durch Erklärungen ihrer eigenen Regierung auferlegt worden sind.
(Beifall auf der Regierungsseite.) Dies sei, wie klar ersichtlich, eine Vereinbarung, über die man nicht endgültig Übereinkommen könnte, bevor die deutschen Vertreter zu Rate gezogen worden seien. Was
die Kölner Frage
betreffe, so glaubt er, daß es hier besser wäre, vorsichtig zu sein. Er glaube nicht, daß es klug sein würde, wenn die Regierung die Frage der britischen Besetzung Kölns mit der Frage der französischen Besetzung des Ruhrgebiets vermenge. Seine Bemerkungen würden die Gestalt von Fragen annehmen. Sei Lloyd George vollkommen sicher, daß die legale Auslegung der die Kölner Besetzung betreffenden Klauseln so einfach sei, wie er in seiner heutigen Rede anzunehmen scheine? Die Klausel 5 sagt: „Rach fünf Iah- tren, wenn Deutschland seine Verpflichtungen in der Zwischenzeit gewissenhaft erfüllt hat." Ist dies die Auslegung? Kann Deutschland beispielsweise viereinhalb Iahre lang sich als unredlich erweisen und dann sechs Monate lang als redlich? Ist dann unsere Besetzung nach der Vereinbarung beendet? Ich bitte das Haus, daran zu denken. Ich stelle Fragen, die beantwortet werden müssen; aber ich nehme selbst keine Stellung dazu ein. Roch eine andere Frage ist vorhanden: Wenn wir Köln räumen, wer regelt da n n die Angelegenheit, wenn irgendeiner der übrigen Alliierten an unsere Stelle tritt ? Angenommen, wir räumen Köln, wer rückt dann an unsere Stelle? Sind wir dann nach dem Vertrag von Der- saillls und nach den allgemeinen Verpflichtungen, die die Alliierten eingegangen sind, gebunden. einfach unsere Trappen m einen anderen Teil des besetzten Gebiets zu überführen, weil das besetzte Gebiet, obgleich aus Erwägungen der Zweckmäßigkeit in ein französisches, belgisches und britisches geteilt, tatsächlich eine unteilbare Einheit dar- fMlt, soweit die Besetzung in Betracht kommt? Alle diese Fragen müssen sorgfältig erwogen werden. Ich sage das, und ich sage das ohne Vorbehalt.
Macdonald ging hierauf za der von Lloyd George aufgeworfenen Frage des Verzugs und der allgemeinen Frage der Reparation über und sagte, das Problem der Reparationen sei keineswegs das, wieviel em Land zu zahlen sich leisten könne. Dies sei zwar eine Wesentliche Frage, aber es seien andere ebenso wichtige Fragen vorhanden. Eine weitere Frage sei, in welcher Form könne es zahlen, da die Form der Zahlung die Zahlungsfähigkeit beschränke.
Geiste geführt worden. Die britische Delegation habe nicht den Wunsch gehabt, die Russen irgendwie in die Enge zu treiben oder ihnen eine Falle zu stellen, sondern sie hätte sich vielmehr bemüht, berechtigte britische Interessen zu'vertreten und die Sowjetregierung zu ermutigen, sich des Vertrauens Englands und Damit des Vertrauens der Welt würdig zu erweisen. (Gelächter bei der Opposition.)
Rach Ponsonbh ergriff M c. R e i l l das Wort. Er protestierte dagegen, daß dem Hause nicht genügend Zeit zur Erörterung gegeben werde. Das Ergebnis der monatelangen schwierigen Verhandlungen sei, daß die Sowjetregierung und die Obligationsinhaber beschlossen hätten, zu verhandeln. Das Ganze sei eine große Komödie und das Versprechen, eine Anleihe zu garantieren, ein Skandal.
Llvyd George erklärte, er finde es bedenklich, daß die Erörterungen bis zum Herbst vertagt werden müßten. Wenn nach Drei Monaten das Anterhuus Das Abkommen verwerfen würde, so würde Die8 Der Sowjetregierung als Verleugnung des Abkommens erscheinen, Das sie mit Dem britischen Reiche abgeschlossen habe. Pon- sonby habe erklärt, daß er beabsich.ige, die gesamten Schulden zu annullieren, Die Rußland an England zu zahlen habe. Hier warf Ponsonbh ein, er habe nicht gesagt „annullieren", sondern abschreiben. Lloyd George erwiderte, soweit er sehen könne, sei dies ein Schwindel. (Beifall bei Der Opposition.) Das Ganze sei ein Vertrag, bei dem alle wesentlichen Zahlen weg- gelassen worden seien. Wie weit sei Denn Die Schuld abgeschrieben worDen? Am 600 Millionen? Trin ähnlicher Betrag werde England von Frankreich geschuldet, ferner große Beträge von Belgien und Italien. Wie könne man Die russische Schuld annullieren oder Abschreibungen Daran vornehmen, ohne Das gesamte Problem Der interalliierten Schulden zu erwägen?
Kleine politische Nachrichten.
Bayern gegen Verfassungsfeiern.
Rach einer Meldung Der „Münchener Post" war Dem Münchener Polizeipräsidenten ein Antrag zugeleitet worden, in Dem um Die Freigabe Des Königsplatzes zur Abhaltung einer Verfassungsfeier ersucht wurDe. Der PolizeipräsiDent hat verfügt, daß nach Den Bestimmungen öffentliche politische Versammlungen unter freiem Himmel verboten und 'Ausnahmen nicht vorgesehen sinD. Dem Gesuch könne Daher nicht entsprochen werben.
Englands schwierige Lage in Indien.
Kalkutta, 6. Aug. (Reuter.) In einer Absprache bei einer ParaDe Der Polizei in Daccar erklärte Der Gouverneur von Bengalen, Lord Ley Don: Wir stehen vor einer äußerer Deutlich schmierigen Lage, aber wir sinD stark genug, um gegen Die revolutionäre Bedrohung zu kämpfen und werden, ohne zu zögern, alle notwendigen Waffen an« wenden, um ihrer Herr zu werden.
Polnisch-russische Differenzen.
W a r s ch a u. 6. Aug. Polnische Telegraphen» Agentur. Der polnische Außenminister hat bei
Dem Vertreter Der Sowjetunion in Warschau energische Schritte zur sofortigen Freilassung Der in LeningraD verhafteten Mitglieder Der polnischen Delegation Professor Sochaniewiec unD Stanislawski unternommen.
Die Krise des Faszlsmus.
^om, 6. Aug. In Der „Tribuna" wird aus- geführt, man könne noch nichts über Das Ergeb- des faszistischen Rationalrats sagen. Die drsherigen Besprechungen zeigten jedoch sehr deutlich daß Die Tr en n un g Des Faszisrnus von allen anderen Parteien und von Der überwiegenDen Mehrheit Der Ration immer grünDlicher werDe. Es sei unzulässig, Daß eine Partei Der einzige Schiedsrichter über Die Aktionen des Staates werde.
Der bulgarisch-griechische Konflikt.
Athen, 6. Aug. Zu der von Den zustän» pigen griechischen Behörden veranstalteten Unter« suchung in der Angelegenheit der 17 bei Terlitz getöteten Bulgaren erfährt Die „ Agence D'Athe- nes. daß Die eingebettete Tlntersuchung ergeben hat Daß unzweifelhaft ein Angriff dieser rü Bande gegen dem-griech i-
f cb e n Major und Den griechischenKonvoh vorliegt. Don Den 17 Leichen tragen vier Die bulgarischer Komitatschis. I i der Rahe Des Angriffsortes wurden bulgarische Handgianalen und Patronen gefunden. — Rach einer weiteren Meldung Der „Agence D'Aihenes' sind neue bulgarische DanDen bei Bw von Susli, mit Handgranaten unD Maschinengewehren bewaffnet, aufgeümcht.
Dor dem Ende der Diktatur in Spanien. r Arlg. Dem „Iournal" wird aus .uiaDriD berichtet, möglicherweise werde Das E n D e D e r Diktatur Des Generals P r i m o De Rivero, Das er in seiner ReDe in Ferrol am vorigen Samstag in nahe Aussicht stellte, noch rascher kommen als Der Leiter des Direktoriums selbst glaubt. Primo De Rivero toerDe am Donnerstagvormittag eine UnterreDung mit Dem König haben. Man nehme an, Daß Die Unter» reDung stürmisch verlaufen unD von größter Bedeutung für Die spanische Politik sein toerDe. Die öübrer Der alten politischen Parteien sammelten sich an Der Grenze; sie hätten Mitwisser bei Hofe.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 7. Aug. 1924.
Ewig jung.
Der griechische Dichter Anakreon aus Teos ist, 85 Iahre alt, so wirb berichtet, infolge eines unglücklichen Zufalls gestorben, indem er an einem verschluckten Rosinenkem erstickte. Hätte ihn dieses Schicksal nicht getroffen, so würde der ewig Iunge Wohl noch manches Iahr weiter gezecht und getanzt haben. Vom Zechen handeln viele, vom Tanzen so manche der Keinen Lieder, die ihm zugeschrieben werden, und zwar ist er selbst der fröhliche Greis und Tänzer, von Dem man zum Beispiel singt:
„Ich liebe frohe Greise, Ich liebe junge Tänzer. Ein Alter wenn er tanzet, Ist Wohl ein Greis an Haaren, Doch jung an Geist unD Herzen."
2ln Diese Verse Anakreons mußte ich Denken, als ich jüngst einen LanDmannbei Gelegenheit Der Feier seines achtzigsten Geburtstages munter das Tanzbein schwingen sah. Damit leistete er eigentlich noch mehr als Der griechische Sängergreis geleistet hat; denn Dieser tanzte Doch nur allein, oder gemeinsam/ mit anderen Männern in gemessenen Bewegungen; unD Drehte sich nicht mit einem Mägdlein im rasenden Galopp tote ein Kreisel im Saale herum. Dazu tanzte mein achtzigjähriger Landmatrn gut, mit Sicherheit und Eleganz, so Daß jeder an Dem jugendlichen Greis seine Freude haben muhte und keiner daran Anstoß nehmen konnte, wie das zuweilen bei Alten geschieht, die mit ihrer Tanzkunst und ihrer Iugendlichkeit vor den Leuten prahlen wollen. Wenn aber ein alter Herr an seinem siebzigsten, oder achtzigsten Geburtstage oder auf seiner goldenen Hochzeit noch einmal ein Tänzchen wagt, so wird'ihm das gewiß nicht verdacht werden. Ebensowenig wird es einem „alten Haus" zum Vorwurf gemacht werden, wenn es auf einem Stiftungsfestkommers beim Semester- reiben einmal wieder urfidel und jung wird.
Im übrigen hört man nicht gar zu häufig von fröhlichen Greisen, Dagegen toerDen Den Greisen schon in Der Sprache allerlei Eigenschaften beigelegt, Die nichts angenehmes haben. Auf Greise gemünzte Beiwörter sinD in Der Regel: Mürrisch, grämlich, eigensinnig, gereizt, filzig unD nicht zuletzt — geizig. Aber wie nicht jeDer Wein mit dem Alter herbe ober sauer wird, so gibt es doch auch mehr junge Greise, als alte. Wenn man sagt, mit dem Greisenalter nähmen die geistigen Fähigkeiten ab, so mag das in manchen Fällen wohl zutreffen, dagegen lassen sich aber auch viele Beispiele von Greisen anführen, die sich bis zum Lebensende ihre geistige Frische bewahren.
Geistig frisch zu fein, gehört zu dem, was einen Greis fröhlich macht, unD weiter ist erforderlich, daß er sich auch körperlich noch einigermaßen frisch fühlt. Solche Greise werden nicht alt und sind nicht Der Meinung, das Alter sei, wie es in einem Vers Ded EuripiDes heißt, Aeine Last, schwerer als Der Aetna", sonDern bleiben ewig jung, fürchten sich nicht vor Dem Tode und sitzen wohl manchmal wie Der fünfundachtzigjährige Cato gern bis tief in die Rächt hinein, nicht um viel zu essen und zu trinken, sondern Der Unterhaltung mit guten Freunden wegen, die das Herz frisch unD jung »erhält.
Voruotizcn.
— T ages kalenDer für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Blut unD Sand". — Astvria-Lichtspiele: „Kapitän Kidd".
Wettervoraussage
Zunächst meist heiter und trocken, später ver- änDerlich mit Reigung zu Riederschlägen, wenig TemperaturänDerung.
** Franzosen unD Technische Rothilfe. Der Schüler Der Darmstädter Landes- baugewerkschule Ludwig Lothar Becker wurde, als er zum Besuche seiner Angehörigen im besetzten Gebiet die Grenze überschritt, von einem französischen Militärposten revidiert. Lediglich auf GrunD Der Tatsache, daß ein Ausweis Der Tech-
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