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vonnerrtag, 7. August 192$
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Die deutschen Einwände und Forderungen.
Ueberrelchung einer deutschen Denkschrift. - Wirtschaftliche Vergünstigungen für militärische Räumung 2
Die deutschen Vertreter in London haben in einer Rachftitzung vvm 5. zum 6. August die ihnen von Macdonald cruSgehändigten Beschlüsse der dvei Ausschüsse darchgearbettet und gestern eine Denischrift überreicht, über deren Inhalt Stillschweigen beobachtet wird. Doch schon das Begleitschreiben des Reichskanzlers, das bereits gestern mittag vorlag, aber auf besonderen Wunsch der Reichsregierang noch nicht veröffentlicht werden sollte, weist auf den Inhalt dieser Denkschrift hin, so daß. die untenstehenden Angaben nach dem „Daily Telegraph" den Tatsachen entsprechen dürften. ES ist selbstverständlich daß die Grundforderung Deutschlands, die von der raschen militärischen Räumung des Ruhrgebiets die Durchführung des gesamten Dawesplanes abhängig macht, an erster Stelle steht. Ihre Erörterung wird in einem besonderen Ausschuß erfolgen, der formell als au her halb der eigentlichen Konferenz stehend zu betrachten ist. Die Pariser Presse beeilt sich, den Wunsch zum Dater der Behauptung zu machen, dah Marx und Stresemann Gegenleistungen in Gestalt von wirtschaftlichen Vergünstigungen anbirten werden. Wir glauben nicht fehlzugeHen, wenn wir behaupten, dah dieses Angebot von deutscher Seite nicht erfolgen wird. Denn die deutsche Räumangs- sorderung verlangt nur die Wiederherstellung eines R e ch t s z u st a n d e s, sie ist von Macdonald im englischen Hinterhaus der französischen Lefsent- lichkeit als S e l b st ve rli an dlichkeit bei der Annahme des Sachverständigenplanes dargestellt worden und bedarf keiner deutschen Gegenleistung. Auch die Sanktivnsfrage dürfte von deutscher Seite zum Gegenstand scharfer Einwände gegen den von Frankreich durchgesetzten Punkt 4 des Protokolls der Ersten Kommission gemacht werden. Die hier festgelegte Borbehaltung aller Rechte für die Alliierten dürfte deutscherseits als untragbar und unvereinbar mit den Abmachungen abgelehnt werden. Selbstverständlich erscheint die Forderung einer rascheren wirtschaftlichen Räumung der vertragswidrig besetzten Gebiete und das Verlangen einer vorbehaltlosen Amnestierung aller Gefangenen und Ausgewiesenen. Voraussichtlich dürften diese Punkte den gering stenSchwie- rigkeiten begegnen.
Weniger leicht wird nach dem Mißerfolg der diesbezüglichen bisherigen Versuche die Forderung durchzusetzen sein, dah auf die Beibehaltung der französisch-belgischen Eisenbahner im besetzten Gebiet verzichtet werden soll. Frankreich verquickt diese Frage mit der militärischen Besetzung überhaupt und hält an seinem Standpunkt um so hartnäckiger fest, als seine Versuche, hierbei das Problem der interalliierten Schulden aufzurollen, von England und Amerika ab» gelehnt worden sind.
Wie dem auch sei, die Debatten im englischen Hinterhaus haben die Stellung der deutschen Delegation erheblich gestärkt, und die Haltung der Pariser Presse, wie auch die Berichte aus London lassen erkennen, dah man zum mindesten dort versuchen will, die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Unb es ist heute bereits gewih, dah die Londoner Konferenz weder am schlechten deutschen Willen, noch an einem Mangel an Verständnis für die Lage auf englischer und amerikanischer Seite scheitern wird. Ihr Ausgang hängt lediglich von dem Mah an Vernunft und gutem Willen ab, das die Franzosen aufzubringen vermögen.
Die deutsche Denkschrift.
London, 6. Aug. (Wolff.) Kurz nachlOälhr hat die deutsche Delegation, nachdem ste einen beträchtlichen Teil der Rächt gearbeitet hat, dem Generalsekretär der Konferenz ihre Bemerkungen zu dem Bericht der drei alliierten Ausschüsse gleichzeitig mit einem Begleitschreiben übergeben. Das Memorandum ist in deutscher Sprache abgefaht, die Ilebersehung wurde unverzüglich in Angriff genommen. Wie verlautet, ist das Schriftstück nicht sehr lang, es umfaßt im ganzen etwa 20 Seiten, wovon 10 den Bericht des Zweiten Ausschusses behandeln, sechs oder sieben des Drrt- ten und zwei den des Ersten Ausschusses. Rach der Zusammenkunft der Hauptdelegierten um IO1/2 älhr wurde eine zweite auf ll1 /2 ^lhr festgesetzt, zu der der Reichskanzler Marx und Reichsminister des Aeuheren Stresemann eingeladen sind.
Das Begleitschreiben.
London, 6. August Die Bemerkungen der deutschen Delegation zu den bisher getroffenen Vereinbarungen der Londoner Konferenz wurden heute vormittag dem Generalsekretär der Konferenz mit folgendem Anschreiben an den Präsidenten Macdonald übergeben:
Herr Präsident!
Entsprechend der in der gestrigen Sitzung getroffenen Abrede beehre ich mich, Ew. Exzellenz anbei die Bemerkungen der deutschen Delegation zu den bisherigen Beschlüssen der Interalliierten Kommissionen zu übersenden. Die Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit hat es der deutschen Delegation nicht ermöglicht, sich über alle Einzelheiten der interalliierten Beschlüsse und ihre Trag?
weite ein sicheres Urteil zu bilden. Ich bitte, die Bemerkungen der deutschen Delegation, insbe- andere ihre Formulierung, unter diesem Oe» ichtspunkt betrachten zu wollen. Dabei nehme ich an, dah die noch erforderliche Klärung im Wege der gegenseittgen Aussprache herbeigeführt werden wird. Im übrigen gestatte ich mir, hervorzuheben, dah die vorliegenden interalliierten De- chlüsse nach Ansicht der deutschen Delegation den mit der Inkraftsetzung des Sachverständigenplanes zusammenhängenden Fragenkomplex nicht erschöpfen. Die deutsche Delegation muh insbesondere entscheidenden Wert darauf legen, die Frage der militärischen Räumung der über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete zur Erörterung zu stellen. Andererseits hat der Präsident der Zweiten Kommission in seinem Begleitschreiben zu den Beschlüssen dieser Kommission erwähnt, dah die französischen und belgischen Heeressachverständigen die Zuteil mg von etwa 5000 französischen und belgischen Eisenbahnbediesteten aus besttmmte Strecken des linksrheinischen Retzes verlangen. Die deutsche Delegation ist der Ansicht, dah diese Forderung mit dem Sachverständigen plan nicht vereinbar ist.
Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner aasgezeichnetsten Hochachtung.
(gez.) Dr. Marx.
Der Inhalt der Denkschrift.
London, 7. Aug. Rach dem „Daily Telegraph" sehen sich die Bemerkungen der deutschen Delegation zusammen:
1. aus der Forderung beschleunigter wirtschaftlicher Räumung des Ruhrgebietes,
2. aus Einwänden gegen die Fortdauer der So chl ieferungen über die Der- trogszeitpunkte hinaus, desgleichen gegen das vorgesehene Verfahren, das die neue Gesetzgebung notwendig mache,
3. aus Einwendungen gegen die An - wesen heit alliierter Eisenbahner auf den Rheinbahnen, und
4. aus dem Verlangen einer allgemeinen Amnestie für alle Gefangenen und Verbannten aus dem be- sehtenGebietmitDürgschaftengegen spätere Verfolgungen der Deutschen. Ihre hauptsächlichsten Bemühungen würden sich auf die Erzielung einer-baldigen militärischen Räumung des Ruhrgebietes konzentrieren sowie auf die Aufgabe des französischen und belgischen Gebankens der Durchsetzung des Eisenbahnpersonals auf dem linken Rheinufer mit einer Anzahl alliierter Eisenbahner. In Deutschland werde die militärische Räumung des Ruhrgebietes als eine wesentliche Bedingung und Folge des Dawes-Planes angesehen.
Reuter meldet: Während über die Art der Bemerkungen in dem deutschen Memorandum volles Stillschweigen herrscht, betonen die Mitglieder der deutschen Delegation die Tatsache, daß chre Anstrengungen, möglichst bald befriedigende Ergebnisse herbeizufüh- ren, sehr ernsthaft sind. Es kann sein, daß gewisse Fragen, welche nicht vor die allgemeine Konferenz kommen, in Besprechungen au Hertz a I b der Konferenz erörtert werden. So wird vermutet, daß die Eisenbahnerfrage und die der Räumung des Ruhrgebiets in dieser Art außerhalb des Dawesberichts besprochen werden.
Die angeblichen deutschen Gegenleistungen.
Paris, 6. Aug. Zur ersten Fühlungnahme der deutschen Delegatton mit der Londoner Konferenz schreibt die „Information", die ßmtfwner Atmosphäre mache es den Deutschen möglich, auf direktem Wege zu einem Kompromiß mit der belgischen und der ftanzösischen Delegatton zu gelangen. Es verlaute, dah Reichskanzler Marxals Gegenleistung für eine raschere Räumung des Ruhrgebietes wirtschaftliche Vergünstigungen im Rahmen des Klüftigen deutsch-französischen Handelsvertrages Vorschlägen werde. Auf diese Weise werde in London eine heikle Frage aufgeworfen, beim vom 10. Januar 1925 ab werde Frankreich von Deutschland nicht mehr die vom Versailler Vertrag ihm zugesprochene Meistbegünstigung genießen. Die deuftche Delegation besitze also einen starken Trumpf. Sie werde ihn in den Verhandlungen ausspielen: darüber könne man ihr keinen Vorwurf machen, denn gerade darin bestehe die Kunst des Verhandelns. Da es sich jedoch unr unmittelbare Abmachungen handele, sei es vielleicht vor- zuzi-ehsr, wenn derartige Verholzungen, die viel
leicht Wochen erforderten, zur Zeit in London in erschöpfender Weise geführt mürben.
Das „Journal de Dubais", das einen heftigen Angriff gegen Lloyd George wegen seiner gestrigen Tln ter Haus rede richtete, sägt, gewissen Rachrichten zufolge hätten die Deutschen die Absicht, Frankreich als Gegenleistung für die Räumung des Ruhrgebietes bis zu Anfang des nächsten Jahres einen günstigen Handelsvertrag vorzuschlagen. Es sei hier vielleicht Gelegenheit zu vorteilhaften Verhandlungen geboten, aber diese könnten nicht in London eingeleitet, ober doch auf alle Fälle nicht b 0 r t abgeschlossen werben. Qltan könne nicht ein mächtiges Akttonsmittel gegen eine bloße Versprechung aus der Hand geben. Der Abschluß bes Handelsvertrages mühte der Räumung vorausgehen und nicht-deren Folge fein.
Der Gegensatz über die militärische Räumungsfrage.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 7. Aug. Wie wir aus den Kreisen des Auswärtigen Amtes erfahren, besteht in der Frage der Behandlung der militärischen Räumung des Ruhrgebiets auf der Londoner Konferenz ein sehr ernster Gegensatz zwischen der deutschen Delegation und den übrigen Konferenzmächtin. Macdonald hat in seiner einleitenden Rede erklärt, es sei seine Pflicht als Leiter der Konferenz, den Derhandlungsstoff auf diejenigen Punkte zu beschränken, die unmittelbar zum Sachverständigengutachten gehören. Daraus geht unzweideutig hervor, dah die alliierten Regierungen das Bestreben haben, die Erörterung der militärischen Räumung offiziell von der Konferenz auszuschließen, und cs der deutschen Regierung zu überbassen, direkt mit Frankreich und Belgien über dieses Problem zu verhandeln.
Die deutsche Delegation steht jedoch demgegenüber auf dem Stanbpunft, daß die militärische Räumung des Ruhrgebietes eine unmittelbare Folge des Sachverstänbigen-Gutachtens ist und daher auch praktisch im Zusammenhang mit allen Fragen der wirtschaftlichen Räumung behandelt werden muh. Im übrigen hat ja auch die deutsche Delegation in ihrem Memorandum, das die deutschen Einwendungen zu den bisherigen Beschlüssen der Konferenz enthält, eindeutig darauf h inge wiesen, daß die militärische Räumung des Ruhrgebietes eine unerläßliche Voraussetzung für die Annahme des Sachverständigen- Gutachtens für Deutschland ist. Es ist nicht unmöglich, dah die deutsche Regierung es auf einen Versuch ankommen lassen wird, sich mit Frankreich und Belgien direkt zu verständigen, aber man wird deutscherseits nicht darauf verzichten können, dah auch die milttärische Räu- mungsftage in dem Protokoll über das Inkrafttreten des Sachverrslänbigen-Gutachtens f e ft* gelegt wird.
Die Besprechung der deutschen Einwände.
London, 6. Aug. Die von der Konferenz nicht behandelten Fragen, wie diemilitärifche Räumung der besetz ten Gebiete, soweit die Besetzung über das R he i n lan da bkvm men hinausgeht, und die Zurückbehaltung alliierter Eisenbahner werden einer eigens hierfür eingesetzten Organisation der großen Vierzehn überwiesen, der je zwei Vertre'.er einer jeden Macht angeboren. Die Organisation ist nicht als zur Konferenz gehörig, sondern alsauherhalbder Konferenz stehend zu betrachten.
Sitzung des Rats der Vierzehn.
London, 7. Aug. (Reuter.) Das wichtigste Ereignis des gestrigen Tages war die Zusammenkunft des Rates der Vierzehn vormittags in Downingstreet. An der Sitzung nahmen die führenden Delegierten, eine Anzahl Sachverständiger usw. teil. Großbritannien war vertreten durch Ma c d 0 n a l d und Snowden, Frankreich durch H e r r i 0 t und Elemente!, Deutschland durch Marx unb Stresemann, Den letzteren standen zweiSachverständige zur Seite. Der Reichskanzl er hielt eine Rede, in der er die wichtigsten Punkte der deutschen Denkschrift zusammenfaßte, da nicht genügend Abschriften zur Verfügung standen. Hierauf folgte eine Erörterung über das zu befolgende Verfahren, deren Hauptergebnis der Beschluß war, abends um 9 Ahr im Zimmer des Premierministers im Unterbaute, wieder zusammenzukommen.
Inzwischen hat eine Anzahl Delegierter der im Rat der 14 vertretenen Rationen Besprechungen abgehalten, um die deutsche Denkschrift durchHU- fefxm unb die verschiedenen darin aufgeworfenen Fragen zu prüfen. Einige dieser Fragen müssen offenbar wegen ihres technischen Charakters an
die Sachverständigen verwiesen werden. andere, die mehr politische Bedeutung haben, können am besten vom Rat der 14 ober von der .Dollkonferenz geregelt werden. Die Frage der militärischen Räumung des Ruhrgebiets, die als der wunde Punkt der ganzen Lage angesehen wird, wird höchstwahrscheinlich von ben- efikn Persönlichketten erörtert, die bie Dvlllvn- erenz bilden, aber nicht in ihrer Eigenschaft als Lhefs der Delegationen der interalliierten Kon- erenz, sondern als Minister ihrer Länder.
Keine unüberwindlichen Schwierigkeiten.
Paris, 7. Aug. (WTD.) Heber die Racht- sihung der Konferenz berichtet der Sonderberichterstatter der Havasagentur aus London: Die kurze Sitzung, die bie alliierten Delegierten gestern abend mit den deutschen Ministern gehabt hätten, habe zuerst der Anhörung des Berichts gegolten, der im Laufe des Tages von den b«ttschen Sachverständigen über bie deutschen Einwendungen abgefaht 'unb von dem englischen älnterstaatssekretär Sire Eyre Crowe eingebracht worden sei. Rach den Schlußfolgerungen des Llnterstaatssekretärs böten bie de ätschen Einwendungen zu dem Bericht der bvei Kommissionen keine unüberwindlichen Schwierigkeiten. Die Bevollmächtigten haben im Anschluß darauf über den auf die.Feststellung der Verfehlungen sich beziehenden Teil des deutschen Memorandums beraten.
Stresemann habe sich auf den Standpunkt gestellt, daß die Zustimmung seiner Regierung zu jeder von den Alliierten vorgenommenen Abänderung des Anhangs II des Friedensvertrages nötig sei mit der Begründung, dah dies auch den ausländischen Geldgebern eine neue Garantie bieten würde.
Gegenstand der Auseinandersetzung sei dann der 2wsdruck „flagrante Verfehlung" gewesen, der im Sachverständigenbericht als Bedingung für die Durchführung der Sanktionen angeführt sei. Stresemann habe in diesem Punkt die Möglichkeit eines schiedsger ichtlichen Versahrerrs verlangt. Rach französischer Auffassung mühten bie Worte im Sinne von vorsätzlicher Verfehlung aufgefaßt werden, wie es im Versailler Vertrag festgelegt sei, das heißt: für Richterfüllung der deutschen Verpflichtungen aus mala fides. Die Verhandlungen zwischen den alliierten Bevollmächtigten und den Deutschen würden heute vormittag wieder ausgenommen werden. Vorher treten die Delegationsführer wieder zusammen.
Die amerikanischen Anleiheaussichten.
Reuhvrk, 6. Aug. (Funkspruch.) Zahlreich« Bankiers äußerten die Ansicht, die Auflegung der Hälfte der im Dawesplan vorgesehenen Anleihe hierzulande bedeute nur die Einleitung des amerikanischen Programms für die finanzielle Unter ft Übung Deutschlands. Das Inkrafttreten des Da- wesplanes werde weitere Kredite unb Anleihen für bie deuftche Geschäftswelt zeitigen. Einzelne Danken leiteten bereite Dollar- frebite für verschiedene deutsche Industrien ein, ähnlich dem kürzlichen Viev» millionen-Dollar-Krröit für die Zuckerindustrie.
Botschafter Houghton als Vermittler.
(Eigener Informattonsdienst.)
Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Mister Sjoughton, der sich abermals nach London begeben hat, wird, wie wir hören, bemüht sein, die Rolle eines Vermittlers zwischen Deutschland unb ben Alliierten zu spielen. Da er von der amerita- nischen Regierung keinen besonderen Auftrag erhalten hat unb nicht unmittelbar an ben Verhandlungen der Konferenz beteiligt ist, nimmt man in den Berliner diplomatischen Kreisen an, daß er weit mehr Bewegungsfreiheit besitzt als die anderen in London anwesenden amerikanischen Vertreter. Der amerikanische Botschafter wird es jedenfalls unternehmen, die deutsche Regierung auf das Genaueste über die Stimmung der amerikanischen Kreise zu informieren und auf der anderen Seite in einen Meinungsaustausch mit den alliierten Staatsmännern einzutreten.
Die beabfichttgle Kanzlerrede in Münster.
(Eigener Informationsdienst.)
D e r l i n, 7. Aug. Reichskanzler Dr. Marx, der die Absicht hat, spätestens am Freitag abend aus London abzureisen, auch wenn bis dahin das Protokoll der Konferenz noch nicht unterzeichnet ist, wirb am Sonntag in Münster eine hochpolitische Rebe halten. Wie wir hören, gilt die Rebe bes Kanzlers in der westfälischen Stadt, die hart an der Grenze bes Ruhrgebiets liegt, hauptsächlich der Bevölkerung der Ruhr und der besetzten Gebiete. Dr. Marx hoftt, bis Sonntag der Bevölkerung an Rhein und Ruhr das erlösende Wort über ihr Schicksal sagen zu tön*


