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Iber bi» parlamentarische Lage. GS tft noch nicht sicher, ob die Wa hl e n am 6. April werden statt­finden können. Don dein Beschluß der Vornahme der Wahlen im besetzten Gebiet müsse die Rheinlandkommission benachrichtigt werden, die eine zehntägige Antwortfrist habe. Erst bann könne mit der Wahlvorbereitung im besetzten Gebie» be­gonnen werden. Der Minister des Innern, Jar­res. hat dem Reichsvat mitgeteilt, daß. nachdem der Aelteslenrat des Reichstags bezüglich der Wahlreform auf einem ablehnenden Stand- .Punkt stehen geblieben sei, nunmehr das Reichs­kabinett sich entschlossen habe, von der Einbringung einer Wahlreformvorlage jetzt abzusehen..

Der Hitlerprozetz.

München. 6. Marz. (Wolff.) Der heutige achte Verhandlungstag im Hitlerprvzeß begann mit einer sensationellen Erklärung des ersten Staatsanwalts. Iustlzrat Kohl nahm die Ver­haftung des Hauptmanns a. D. Weist zum Anlast, um neuerliche scharfe Vorwürfe gegen die Staats- antr-altschaft zu erheben, die einen wahren Der- haftungsfimmel habe, trotzdem aber die Verhaftung des Herrn von Kahr nicht vor­nehme. Hierauf gab der erste Staatsan tvalt Dr. Stenglein eine Erklärung ab. in der er her- vorhob. dast er während dieser Verhandlung wiederholt der Gegenstand verletzender Angriffe gewesen sei. Er habe sich bisher immer gemäßigt und sei bestrebt gewesen, die Verhandlungen i n fachlicher Weise zu leiten. Aber heute fcj bas Mast voll. Es sei nicht um seiner Person, sondern um das Ansehen der Staatsanwaltschaft Im allgemeinen willen, wenn er hiermit erkläre, dast er

sich <ra einer Verhandlung, in der er fort­gesetzt Deleidigungen auSgesetzt fei, nicht wei­ter beteilige. Er bitte seine Kollegen, die An- klage weiter zu vertreten. (

Mit diesen Worten verliest Dr. Stenglein den Sitzmigssaal. Hierauf erklärte Staatsanwalt Shart, er sehe sich veranlaßt, mit seinen vorgesetzten De- hörden in Verbindung zu treten, und bitte daher, die Verhandlungen auf einige Zeit zu unter­brechen. Die Sitzung wird hierauf unter­brochen. Rach Wiederaufnahme der Verhandlung erklärte der Vorsitzende, dast in dem bisherigen Verlauf der Sitzung gegen Angehörige der Lan­despolizei und der Reichswehr schwere Vorwürfe erhoben worden seien. Das Gericht werde selbst­verständlich. dazu beitragen, dast den 2Ingegriffe­lten die Möglichkeit gegeben werde, sich zu ver­teidigen.

Aus eine Frage des Huftvcrats Kobl. ob Hauptma-m W e i h am 28. Rovcmber z m Pe'se- drf ernannt worden lei, antwortet Ludendorf nein. Zustizrat Kohl erklärt dann, Hauptmann Weih sei verhaftet worben, obwohl der Landtag den Veschlust faßte, daß niemand mehr verhaftet wer­den svlle, soweit nicht Anklage erhoben werde. Er stellte weiter fest, dast Hauptmann Weih jahrelang Mitarbeiter von Kahr als Herausgeber des Hermatschutzes gewesen sei. Justiz rat Schramm gab namens der übrigen Verteidiger eine Er* näaing ab, wonach diese es lebhaft bedauern, daß Ouftigrat Dr. Kohl in feiner Erregung über die Verhaftung des Hauptman-rS Weist, Ausdrücke entschlüpft sind, bie bie Staatsanwaltschaft für beleidigend emp­funden

habe. Gr gab die Versicherung ab, daß eS das Bestreben sämtlicher Verteidiger sein werde, für einen würdigen Verlauf des Prozesses Sorge zu tragen. Die Sitzung wurde hierauf vom Vorsitzenden bis Freitag vormittag unter- brtzchen. Rach Schluh der Sitzung fuhren die Staatsanwälte mit dem Vorsitzenden zum Iu- st Uz m i n i st e r i u m, um dort die Sachlage zu besprchen. Für die Fortsetzung des Prozesses ist es'nicht notwrndig, daß zwsi Staatsanwälte, wie bisher, der Verhandlung beiwohnen. Rach den Vorschriften der Strafprozeßordnung wird nur verlangt, daß cin Staatsanwalt während der gan­zen Dauer der Verhandlung ununterbrochen an­wesend ist. Die Aussetzung des Pro^s'es kommt daher nicht in Frage. Vor Eintritt in die Ver­handlung am Freitag sind Erklärungen der Staatsanwaltschaft zu erwarten.

Die Verhandlungen haben zu dem Ergebnis geführt, dast der Prozeß ohne Personen­wechsel, also auch in Gegenwart des Ersten Staatsanwalts Stenglein, seinen Fortgang nehmen wird. Zu Beginn der Verhandlung wird sich die Verteidigung formell bei dec Staatsan­waltschaft entschuldigen.

Kommunisten und Parlament.

Dresden, 6. März. (Wolff) 3m sächsi­schen Landtag stellte Präsident Winkler fest, daß die beiden am 28. Februar für die Dauer von drei Sitzungen ausgeschlossenen kom­munistischen Abgeordneten Ellrodl uni> Zipfel wieder im Saaleanwesend seien und ver­tagte das Haus zunächst um eine hrnlbe Stunde, um der kommunistischen Fr-ak.ion noch einmal Ge­legenheit zur Stellungnahme zu geben. Rach Wiederauf nähme der Sitzung wurde der Be- schwerdeanwag Ellrodl mit allen gegen die Stim­men der Kommunisten abgelehnt. Der Präsi­dent forderte Ellrodt und Zipfel erneut auf, den Saal zu verlassen und vor Ablauf der Aus­weisungsfrist nicht wieder zu betreten. Aach der Pause, während welcher einige Kriminalbeamte in Güte versuchten, die beiden (Abgeordneten aus dem Saale zu entfernen, führte ein größeres Polizeiaufgebot unter ungeheurem Johlen der Galeriebesucher die beiden Abgeordnet m mit Gewalt ans dem

Sitzungssaal.

Rach Wiederaufnahme der Sitzung stellte der Abg. Siewert (Komm.) einen Zusatzantrag zur Ge- schäftsordnutrg, der verlangt, dast der Präsident zurückzutreten hgbe, wenn dies die Mehr­heit des 2anZ>tag8 beschließt. Auf den Vorschlag des Präsidenten wird der Antrag sofort beraten. Abg. Renner (Komm.) führte in der Begründung seines Antrages u. a. aus, durch die gewaltsame Abführung seiner Parteigenossen habe das Haus den letzten Rest der Achtung verloren. Die kom­munistische Partei habe nie ein Hehl daraus ge- madjt, daß sie das Parlament nur dazu benutze, um dort auch revolutionäre Propa­gand a zu machen. Man werde sich durch derar­tige gewaltsame Entfernungen aus dem Plenum auch an der w e i t e r e n Durchführung dieser Ab« sichten nicht hindern lassen. Mit Ausnahme der Kommunisten sprachm sich sämtliche Redner ge­gen den kommunistischen Antrag aus.

Die Unruhen in Ludwigshafen.

Ludwigshafen, 6. März. (Wolff) Kurz vor 11 silhr vormittags haben die Führer der Demonstranten an die Menge eine Ansprache gehalten mit dem Inhalt, dast die Franzosen gestattet hätten, eine Kommission von 20 Mann zu bilden. Auf die Aufsorderung der von einem Offizier geführten französischen Patrouille ging die Menge auseinander. Zur Zeit befinden sich noch 5600 Menschen in einiger Entfernung vor dem Eingang der Fabrik. Don den Opfern der äln ruhen sind im hiesigen Krankenhaus« 2 8 Schwerverletzte untergebracht, darunter ein Polizeibeamter. Außerdem sind etwa 2025 leichtverletzte Personen aus dem Krankenhause nach Anlegung von Verbänden entlassen worden. Don der Pvuzei wurden vier Beamte verletzt, darunter zwei schwer. Don den schwerverletzten sind bereits zwei Personen gestorben.

Der Prager Benzinskandal.

Prag, 7. März. (Priv.-Tel.) Die Benzin- korruptionsassäre ist zu einem ungeheuren Skandal ausgewachsen. Mehrere hohe Ossiziere des Mini­steriums und einige Zivilpersonen, die verhastet wurden, werden beschuldigt, im Derein mit den liefernden Armen durch eine mindere Qua­lität des Benzins oder wucherische Preise Millionengewinne eingeheimst zu haben. Die zahlreichen Todes st ürzevonMilitär- f I i e g e r n in der letzten Zeit sollen vorwiegend auf die schlechte Beschaffenheit des Benzins zurück­zuführen sein. Rach dem Organ der Kommunisten sollen sogar der Chef drs Generalstabes, der französische General M i t t e l h a u s e r, und der ehemalige Landesvertcidigungsmiuister H u s a g in der Affaire verwickelt sein.

3m Abgeordnetenhause gab

Ministerpräsident Svehlcr

unter häufigen Unterbrechungen seitens der Kom­munisten und Deutfchnationalen Erklärungen der sogenannten Spiritusaffäre ab. Er wandte sich energisch gegen das Bestreben, einzelne Korrup- tionsaffärcn als Spezifikum des tschechoslowaki­schen Staates oder des tschechoslowakischen Dolles hinzustellen. Solche Dinge tarnen auch in anderen Staaten vor. Man dürfe nicht vergessen, daß die Tschechoslowakei als Erbin des Krieges Ruinen und ein hungerndes Doll übernommen habe. Trotzdem aber habe sie durch eigene Kräfte und ohne irgendwo gebettelt zu haben, den StaaÄ hochgebracht. Der Wille und die Kraft des Dolles zur Erhaltung and zum Aufbau des Staates bleibt ungebrochen. Das Bewußtsein der Ver­antwortung gebe der Koalition hinreichend Kraft, ohne Rücksicht auf Skandale und gegen sie geübten Terror vorwärtszugehen.

Kleine politische Nachrichten.

Rach einer Meldung desVorwärts" aus Gelsenkirchen haben die zahlreichen Feier­schichten der letzten Woche im Ruhrgebiet einen merklichen Rückgcing der Prokmktion van Kohle und Koks zur Folge gehabt. So wurden in der vergangenen Woche im Gelsenkirchener Bezirk nur 24 000 Tonnen täglich gegenüber einer täglichen Leistung von 31 000 Tonnen in der Vor­woche gefördert.

3n Zittau sind am Mittwoch gegen zwei industrielle Unternehmungen Bombenatten­tate verübt worden. Personen wurden nicht verletzt. Der Sachschaden ist gering. Eine Unter­suchung ist eingeleitet worden.

3m britischen Unterhaus wurde ein konserva­tiver Antrag, als Protest gegen die deutsch-eng­lische Vereinbarung über die Herabsetzung der Ausfuhrabgabe au'5P oz., das Budget zu kürzen, mit 240 gegen 170 Stimmen abge­lehnt. Die Liberalen stimmten für dieRegrerang.

Der letzte Wochenausweis der Dank von Frankreich weist ein Steigen des Papier­geldumlaufs um rund eine Milliarde Frs. auf. An der Pariser Börse stieg darauf das Pfund Sterling von 105.80 auf 108.30, der Dollar von 24.50 auf 25.25 Francs.

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Der mit der belgischen Kabinetts­bildung beauftragte ehemalige Ministerpräsi­dent T heunis stattete dem früheren Außen­minister Iaspar einen Beuch ab, um ihm fein Bedauern auszudrücken, daß er auf seine Mit- arbeit verzichten müsse. Hierauf hat er das Por­tefeuille für Auswärtige Ange'egenhrtten dem Führer der Liberalen, Abg. Paul Hymans, angeboten, der geneigt sein soll, es anzunehmen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 7. März 1924.

Die Ueberhandnahme des Bettel- nnwcsens.

Das Städtische Wohlfahrtsamt bittet uns um den Abdruck der nachstehenden Mahnworte an die Bürgerschaft:

Allgemein und berechtigt ist die Klage, daß das Betteln auch in unserer Stadt immer größeren Umfang annimmt. DL zu einem ge­wissen Grade mag die Rot der Zeit darin ihren Ausdruck finden. Aber in noch höherem Maße ist es die Ausnutzung dieser Rot durch Unbe­rufene. Das adgemei te Berußt ein vorhandenen Elends erhöht dir Gedefr eudigkett und bereitet dem gewerbsmäßiren Bettler einen trefflichen Boden für feinHandwerk". Das Betteln an den Straßm und von Tür zu Tür ernäh.t seinen Mann oft besser als ehrli-He Arbeit. Praktische Versuche volkswirtschaftlich ForfchenLer haben das nicht nur bestätigt, sondern überraschende Er­gebnisse gezeitigt. Betteln ist a setzlich verboten und mit Haftstrafe bedroht. Aber die Polizei kann unmöglich des Unw.-fens Herr werden, ivenn nicht die Bevölkerung selbst es bekämpft. Wie kann das geschehen? Rur dadurch daß jeder sich zum Grundsatz macht, die Bettler abzuweisen, und damit das Betteln zur Erfolglosigkeit verurteilt. Allerdings: Herz und Gemüt sträubt sich da­gegen, besonders das weibliche, den dürftig ®c- llcideten, der fein Elend in schwärzesten Farben malt, wegtzuschicken. Mancher gefällt sich auch ein wenig in der Rolle des Grandseigneurs alter Schule, der hoheitsvvll unter t'.ef sich Verneigende Almosen verteilt. Wer aber in der öffentlichen oder privaten Wohlfahrtspflege tätig mitarbeitet, der w., daß 95 Prozent die er herzbewegenden Schilderung n erlogen find, daß sehr wenige öiefer Almosen hungernden Kindern Brot schassen, di»

meisten in Schnaps und Zigaretten umgesetzt wer­den und daß es nicht die wirklich Rot- leidenden sind, die von Tür zu Tür gehen. Die muh man oft sogar in der Verborgenheit suchen, in der sie iyr E^nd zu verstecken tcach.en. Längst gehören die -Seiten der Vergangenheit an, da der Dürftige darauf angeween war, Almosen zu heischen, da es geradezu religiöses Gebot war, den Bettlern an den Kirchentüren zu spenden, wenn auch diese3ktga.'igcni>eU oft in Büchern und Theaterstücken wieder vor uns auflebt und die Kiirder unserer Zeit den modernen Bettlern gegenüber in eine romantische Stimmung versetzt, die dazu anreizl, es Le.i Altvordern gleichzutun. Aber diesen Kunden gegenüber ist gar feine Ro­mantik am Platze. Wir haben jetzt eine g u t organisierte gemeind l iche und pri­vate Wohlfahrtspflege, die mit erfah­renen, ehrenamtlichen und hauptberuflichen Or­ganen gewisienhaft feststellt, wo wirkliche Rot herrscht. Gaben spenden ohne vorherige Prüfung, ob Rot besteht oder nur v)rgetäuscht wird, ist keine Wohlfahrtspflege, keine Armenfürsorge, fein sozial.s Handeln, sondern ein gedankenloses uni) zweckloses Lun. Ha, es schadet der Wohl­fahrtspflege, denn es führt Uebecfiuß nicht dahin, wohin er gehört, zu den Darbenden, sondern zu Drohnen und Tagedieben. Es ermöglicht Fau­lenzern und Schmarotzern erst ihr Da,ein und beackert dadurch den Boden, auf dem Trunksucht und Verbrechen gedeiht. Wer unbekannten Bettlern gibt, schädigt die soziale Fürs arge!

Wer etwas übrig hat, der gebe! Es tut so bitter not! Aber er gebe es an Stellen, die ihm Gewähr dafür bieten, daß die Gabe in die red)- t e n Hande kommt. Da ist das Städtische Wohl­fahrtsamt mit seinen Armenpflegern und Für» sorgcfchweslern, sind bewährte De.einigu.igen, die planvoll ßiebcdtätigfeü üben, wie die Winternot­hilfe Gießen 1923, der Allgemeine Verein für 21 innen- und Krankenpflege, das Rote Kreuz, die Fi-auenve reine der verfchiedenen Kirchen- und Religionsgemeinden, der Ausschuß für Arbeiter- Wohlfahrt und andere mehr, deren Anichriften das Wohlfahrtsamt mitlcUt Den Bettler ver­weise man an das Wohlfahrtsamt, wo er Hllfe findet, wenn und soweit ec sie wirklich braucht.

Das Gesagte gilt wörilich für bie übelste 2Irt der Bettelei, das K i n d e r b e t t e l n. 3n ben hiesigon Gaststätten ist das unaufhörliche Ansprcch.m durch Kinder, die Streichhölzer oder Ansichtskarten tn bettel Hafter Art artbie.cn, zu einer starken Belästigung der Gäste ausgeartet. Amtliche Stichproben ergeben immer wieder, daß diese Kinder von gewissenlosen Eltern ohne zwin- g enden Grund auf den Bettel geschickt werden, ganz einfach weil es ein einträgliches Geschäft ist. Wer ihnen in unangebrachter Weichherzig­keit gibt, der sichert die Grundlage dieser körper­lich und sittlich mörderischen Ausnutzung der Kinder. Wer sie abweist, Hilst diese Grundlage zerstören. Wer ist also dec bessere Freund dieser in der Lat bedauernswerten Kl-inan? Möchten doch auch die 3nhaber der Gaststätten nicht glau­ben, c£ sei eine Grausamkeit, den Kindern den Eintritt zu verbieten, wozu sie eigentlich schon der Schutz ihrer Gäste vetpflichtete! älnd möchten sich nicht Gäste finden, die verstärtdnislos genug find, gegen ben Wirt Stellung zu nehmen, wenn er solche Dettelkinder hinausweist! 3n unseren ersten Casös, hoffentlich bald in allen guten Gast­stätten Gießens, bietet sich jetzt ben Gästen Ge­legenheit, auf gute Art und mit geringen Mitteln Wohltätigkett zu üben. Man erhalt beim Kellner Werbemarken der Winternvthilse zu 1, 2 und 5 Pf. Es sind das Marken in Dries- markengröß«, die als Dciesverschluß Verwendrang finden formen. Wenn man seine Rechnung be­zahlt. nimmt man eine solche Marie und unter­zieht sich einer freiwilligen Steuer von wenigen Pfennigen. Unebene Rechnungsbeträge. die Schwierigkeiten im Herausgeben, verursachen, lassen sich so auf die vollen 5- und 10-Pfennig° betrage aufrunben. Diese Beträge fließen der D o l k s f p e i s u n g zu, wo zahlreiche notleidende Kinder ein rriHl'ch°es, warmes M ttagessen finden. Wer also in der Stunde der Erholung und des Genusses für unsere Kinder etwas tun will, der kaufe solche Marien und Helse damit Kinder speisen, aber er fördere nicht durch gedankenloses Geben Bettelei und Kinderausbeutung.

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** Die Voranmeldungen und Vor­auszahlungen auf die' Umsatzsteuer im Marz 1924. Alle zu monatlichen Vor­auszahlungen aus dir Umsatzsteuer Verpflichteten seien erneut darauf aufmerksam gemacht, daß die Umsatzsteuer für die Umsätze im Februar 1924 am 10. März fällig ist. Gleichzeitig mit der Zah­lung haben alle Steuerpflichtigen, also auch die­jenigen, die bargeldlos (durch Postscheck. Dank) zahlen, eine Voranmeldung nach dem neuen Muster für 1924 abzugeben. Für die Zahlung der Steuer besteht eine Schonfrift von einer Woche, d. h. bis zum 17. März einschließlich kann die Steuer noch ohne Zuschlag entrichtet werden. Erfolgt die Zahlung erst am 18. Marz oder später, so erfolgt, bereits vorn 10. März art gerechnet, für jeden ange'angenen halben Monat ein Zuschlag m Höhe von 5 Prozent der Steuer­schuld. Für die Einrrichrng der Voranmel­dung besteht eine Schon fr ist nicht; diese hat unter allen Umständen bis spätestens zum 10. März, auch wenn die Zahlung später erfolgt, zu geschahen. Bei späterer Einreichung kann nach § 170 Absatz 2 Rei-chsabgabenordnunq ein Zu­schlag bis zu 10 Prozent der Steue. schuld auferlegt werden. Desvnläre Aufforderungen an die ein­zelnem Steuerpflichtigen zur Zahlung der Umsatz- steuer oder zur Einreichung der Voranmeldungen ergehen nicht mehr.

* Abänderung der Schornstein- fegerorb nu n g. Das Gesamtministe tum hat den § 26 bet Schornsteins« -erordnung t>om 4. März 1921 wie folgt abgeändert: Alle Schorn­steine müssen vorausgesetzt, daß die in sie mündenden Feuerungen in Gebrauch sind, im Laufe des Hahres dreimal möglichst in gleichen Zwiichenräum.n, und zwar in der Regel inner- h'lb der Zeitabschnitte von Mitte Rovember bis Mitte Februar, von Anfang März bis Ende Mai und von Qtnfang Juli b'.s Ende Oktober je einmal gefegt werten. Schornsteine, im welchen nur im Winter (15. Oktober bis 15. April) in Gebrauch befindliche Feuerungen münden, müssen zweimal im Jahre, in. der Re c'. während der beiden ersten der vorgenannten Zeitabschnitte, gefegt werden. Mit der zweiten Fegung ist das regelmäßige Ausbrernen zu verbinden.

** 3 n den Ruhestand verseht wurde der Zufti inspeltor bei der Staatsanwaltschaft in Gießen Ludwig Scharmann auf Rachsuchen mit Wirkung vom 1. August 1924 unter Anerien- mmA feiner dem Staate geleisteten Dienste.

Dte Dortrags-Dereinigung txtw mitteüe ihren Mitgliedern und Freunden am Mitltroch abend in dec Reuen Aula einen vor­trefflichen Genuß. Sie hatte das Mitglied des hiesigen Cameraklubs. Buchhändler H. Keiß- n e v, zu einem Lichtbildervortrag ÜberRothen­burg d. d. Tauber" gewonnen, und damit einen sehr guten Griff getan. Der Vortragende verstand es ausgezeichnet, seinen vielen Zuhörern von den wunderbaren baulichen und landschaftlichen Schön­heiten Rcthenburgs und seiner Umgebung zu er­zählen. Eine große Anzahl Photos, die Zeugnis dafür gaben, daß der Vortragende mit verständ­nisvollem Blick um sich zu schauen versteht und bei der Ausnahme der Bilder guten Geschmack walten läßt, unterstützten den Eindruck des gesprochenen Wortes in bester Weise. Reicher Beifall dankte dem Redner für den schönen Abend.

** Das Großrussische Ba l alaika- Orchester hielt gestern abend wieder mal tn unserem Stadttheater Einkehr. Von Gastspiel zu Gastspiel wird der Kreis seiner hiesigen Freunde, immer größer: gestern abend war das Theater so gut besucht, wie man es selten bei derartiges Veranstaltungen bemerken kann. Die ausgezeich­neten instrumentalen Darbietungen, wie auch die formvollendeten Rationaltänze voller Tempera­ment und Liebreiz fanden beim ^ifEflUum mit Recht eine sehe gute Aufnahme und entfesselte^ wahre Stürme von Beifall. Der Erfolg, den die Künstler am gestrigen Abend erzielten, ist nach jeder Richtung hin ein voller und gewährleistet ihnen, bei dec Wiederkehr in unsere Stadt von vornherein das uneingefchränkte 3ntecesse des Publikums.

Bornoti;en.

Ta ges kaken der für Freitag. Stadttheater. 7 UhrRausch". Astoria-Licht- spiele.Das Abenteuer einer Rächt".

Bismarck und di e Reichsgrün­dung" heißt das Thema des 3. Vortrags des vom Rep. Lehrerbund Gießen veoanstalteten und so schreibt man uns bisher wo hlge langen en VortragszyklusDemokratie und Politik im 19. Jahrhundert", über das kommenden Samstag, den 8. März, nachmittags 4 Uhr, im SingsaÄ des Realgymnasiums Kceisschulrat M. Fischer sprechen wird. (Siehe heuttge Anzeige.) Der Redner darf für seine 2kussührungen bei allen Bürgern ein besonderes 3nteveffe voraussetzen, muß doch gerade seit dem Zusammenbruch 1918 immer wieder um die Einheit des deutschen Reiches gekämpft werden. 3m 3nnern sowohl als auch von außen her drohen dem Reichsbau schwerste Gefahren, und wenn auch z. B. die Separatisten in Rheinland und Pfalz erledigt sind, so wird Frankreich, vor allem solange Poincaro an der Spitze der Regierung steht, seine jahrhundertsalten Pläne gegen Deutschland nach wie vor verwirllichen wollen; es wird immer wieder den Rhein als französische Grenze ver­langen und rechts davon ein buntes (Staaten- gemenge elwünschen. Um unseren Staat dreht es sich, von Bismarck mitBlut und Eisen" geschaffen, in Weimar von der Deutschen Rationalversammlungtn Freiheit und Gerech- tigekit erneut und gefestigt". F. H.

Literarische Gesellschaft. Man schreibt uns: Die Literarische Gesellschaft lädt ihre Mitglieder am 12. März zu einem Abend in der Reuen Aula dec Univeriität ein, der dis Anteilnahme Wetter Kreise wecken wird. Erich Drach der Nachfolger Emil Milans, der rühm­lichst bekannte Vortragsmeister an der Berliner Universität, wird Schöpfungen deutscher Dichter zum Dortrag bringen, deren Geburisstätte Rhein- hrft umweht. Er ivird mit Gottftied von Strah- burg beginn en und mit den hervorragendsten un- fer.T zeitgenössischen Dichter vorn deutschen Rhein schrieben. 3n der wundersam klaren Gliederung seiner Rede ist Drach Ludwig Wüllner wesens­verwandt. Wi" dieser, beherrscht er als Dortrags- fünftler das Gesetz der großen Linie und besitzt die Gabe, den Forderungen der Dichtungen bis in ihre fernsten Wirkungen gerecht zu werden Aus Dcachs Redekunst blitzt die Ueberlegsnhrtt eines GeisteZ, der die Aufmerksamkeit der Hörer zu empfänglichster Wärme steigert. Gin sehr ge­nußreicher Abend steht bevor. . '

Raturheilverein. Montag abend Vortrag von Dc. Strünkmann-Doden. (Sieh« Anzeige.)

Der Bund der KausmannS« j u g e n d i. D. H. V. veranstaltet am Samstag einen Hans Sachs-Abend. (Siehe Anzeige.)

Das Liliputaner-Ga st spiel am Sonntag und Montag In der Turnhalle wird im heutigen Anzeigenteil erneut angezeigt. Di« Künstler truppe hat bisher in allen Orten ihres Auftretens mit bestem Erfolg abgeschnttten.

Landkreis Gictzen.

Dg. Grohen-Düseck, 6. März. An» Scnntag und Dienstag abend veranstaltete der Gesangverein ^Germania" sein diesjäh­riges Winterfest. Während der Sonn'ag der Dar­bietung des TheaterstücksDie Waf,e.i nieder" gewidmet war, folgte am Dienstag u. a. ein Konzert unter Leitung des Dirigenien Karsten- Gießen. Dee Verein ehrte die 25jähcige ersprieß­liche Tätigkeit seines 1. Vorsitzenden Phil. Henh, indem er ihn zum Ehrenvorsitzenden ernannte. 3hm, sowie dem ersten Rechner des Vereins H. Hahn wurde aus dem gleichen Grunde ein Rohrsessel überreicht. Dem Vernehmen nach hat sich ein hiesiger Wirt entschlossen, dem dringenden Dedür nis nach einem ausreichen­den Saal abzuhelfen. Auch einer unserer Ver­eine beabsichtigt, der Frage der Erbauung eines Saales näher zu treten.

* Langsdorf, 5. März. Auch in diesem Winter findet hier ein Vortragskurfus statt, veranstaltet von der Liga zum Schuhe der deutschen Kultur. Rachdem schon ver­schiedene Herr-en, u. a. Heller-Hallbecg, zu un'3 sprachen, hörten wir am Montag und Dienstag den 3ngenicur Eitel, der uns im Lichtbild und Vortrag einen Einblick in unsere gewaltige 3n- dustrie von Kohle, Koks und Erz verschaftte. Die Filme und die glänzenden Ausführungen beS Redners, welche von genauer Sachkenntnis zeug­ten, wurden von den Anwesenden mit großem 3nteresse ausgenommen. Rur schade, daß die Zu- hörerschar nicht eine größere war! Mit Spannung erwartet man die nun folgenden geschichtlichen Vorträge von Dr. Rennert.

* Dorf-Güll, 6. März. Arn Dienstag, 4. März, führte Oekonomiecat Karl Hofs, mann zu Hcfgüll, eine in Hessen und weit über dessen Gren^ea hinaus als Landwirt und erfolg­reicher Tierzüch'.er wohlbekannte Persönlichkeit, bis 1919 langjähriges Mitglied des KreisausschusseS zu Gießen und zur Zeit noch Vorsitzender odeo stellvertretender Vorsitzender zahlreicher land» wirtschaftlicher Organisationen, in feinem ©ftern»-1