Ausgabe 
7.1.1924
 
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Sn Stuttgart wurden am Samstag der kommunistische ReichstagSobgeordnete Da r h und der württembergische 5ZandtagSabgeordne1e Karl Müller nebst weiteren vier e^rnaligen Mit­gliedern der kommunistischen Partei von der Kriminalpolizei verhaftet und in das QT?de Schloß gebracht. Don den 5eftgenommenen wur­den alle mit Ausnahme des AeichstagSabgeord- neten Bartz, der im Besitz von belastendem Material gewesen sein soll, wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der Schiedsspruch im Bergbau.

Köln, 4 San. (MTB.) Die .Köln. 3tg meldet aus Essen: Bachdem über das Abkommen über die Arbeitszeit für die Heber- tagearbeiter vom 19 Dezember 1923 ein: Einigurrg nicht erzielt worden war, Hut heute der Schlichtungsausschuh unter dem Vorsitz des Reichs- und Staat skommissars M e h l i ch folgenden Schiedsspruch gefällt:

1. Die Arbeitszeit fLr die an den Koks­ofen beschäftigten Arbeiter beträgt insge­samt hn Wochendurchschnitt 65 Stunden bei einer chöchstfchich^zeit von 74 Stunden ein­schließlich Sonntag. Sofern in die Sonntags­schicht eine Pause eingelegt wird, liegt sie außerhalb der Schichtzeit, wird aber brfondcrs bezahlt.

2. Die Arbeit-zeit in den übrigen durch­gehenden Betrieben beträgt hn Wochendurch­schnitt 75 Stunden bei einer chöchstschichtdaucr von 78 Stunden die Woche einschlirtzllch Sonn­tag.

3. Die EhwerftändniSerklärnng ist bi- DienStag den 8. Qamrar 1924 zu geben.

Der Schiedsspruch wurde gegen die Stirn- men der Arbeitnehmer Vertreter cc fällt. Dia Gewerkschaften werden voraussichtlich gegen die verlängerte Arbeitszeit Stellung neh­men Sn der Lohnfrage für dieselbe Aroeiier gruppe wurde ebenfalls unter dem Dorsitz deS Rc-ichskornmissarZ Mehlich der Schiedsspruch ge­fällt, der bis auf weiteres am 1. Januar d. 3. einen GesamtdurchschnitkKsohn von 4,2) Goldmark vorsieht.

Der am 29. Dezember gefällte Schiedsspruch der für den Mansselder Kupfer und Schieferbau die Wiedereiusührung b:r Dvr- kriegsarbeitSzeit vorli?ht. wurde von den Arbeitnrhmerverbänden angenommen.

Einigung im Berliner Metallarbeiter streik.

Berlin, 7. Jan (Priv-Tlri Das zwischen dem De. band Berliner Metrllindastriel'e r und dem Deutschen Metallarbriterverban') getroffene Abkommen wurde gestern von einer Kon­ferenz der Betriebs- un") Aroeilemtsoorsitzendei des Deutschen Mct illarbe'teroerbande^ mit großer Mehrheit angenommen, und eS wurde beschlossen, daß die Arbeit sofort wieder aufzunehmen sei.

Die Nachfolge des Kohlensyndikats.

Essen, 6. Sun. (Pmv.-Tel.) Die Zechen- Vesitzerversammlung beschloß einflimmig die Grün­dung einer Berteilungs- undDerkaufS- verernigung für bie Ruhrkohle als Nachfolgerin deS Rheinisch-Westfälischen Kohlen- lyndrkatS, die vom 16. Sanuar bis 31. Dezember 1924 Geltung haben soll. Unter ganz besonderen Hmständen ist auch die Kündigung mit besow deren Kautelen vom 1. Mai bis 1. August mög­lich. Eine weitere Herabsetzung der Kohlenpreise ist im allgemeinen nicht beabsichtigt. Rur die Brikettpreife sollen um etwa 3 Mark her- unte rgesetzt werden.

t Demokratrsche

Dreikönigs-Parade.

Stuttgart, 7. Zan (Pr.v.-Lel.) Hier fanb -gestern die sogenannt: Dcoilönigs-Parade der schwäbischen Demolraten statt, ;u der Mitglieder und Führe.- ber Parteien aus dem ganzin Lande wie auch von außerhalb Württembergg einq;:- troffen waren Staat.'Profiten1 v Hiebe r .tr iste in seiner Red: auch die neueste bayerische Denkschrift für Revision der Weimar: Der- fassung. Wenn er dazu auch nicht endgültig Stellung nehmen könne, so müsse er doch sagen, daß, wenn die einzelnen deutschen Staaten uab Länder wieder die Rechte bekämen, die fte vor l?70 hatten dies übe > die Grenzen eines be­rechtigten Föderalismus hinaus- gehe. ®r möchte alö Leitgedanken bei dem Problem Reich und 5öb'ra(iftcn das Wort des Freiherrn v. Stein aufstellen - Sch kenn? nur ein Vaterland, und das ist Deutschland!

Rach dem Staatspräsidenten sprach Reichswehr­minister G e ß l e r über die innere und aus­wärtige Politik des Reiches.

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Hessischer Bauernbund und Nothilfe.

Darmstadt, 4. San. Anläßlich der im Rahmen der hessischen landwirtschaft­lichen Woche ftattgehabten Landesvrrsamm- lung des Hessischen Bauernbundes, über die hier bereits berichtet wurde, wurde einhellig folgende Entschließung für die Technische Bothilfe angenommen: Die Landes Versammlung des .Hes­sischen Bauernbundes" erachtet es als Ehrenpflicht eines jeden Staatsbürgers, das Werk bet techni­schen Beihilfe, die in den vier Zähren ihres Be­stehens über 3000mal in lebenswichtigen Betrieben Hilfe leisten mußte, durch freiwillige Mitarbeit in der Botstunde zu unterstützen. Gerade die deut­sche Landwirtschaft mußte im verflossenen Jahre insrlg'. -ahlreicher wild.r 21. 5cTtgnie>?rL"gunqcn in gehäuftem Make Technische Bothllfe in An- sp-uch nehmen, weswegen eine enge Fühlung­nahme der Landwirtschaft mit der Technischen Beihilfe ganz besonders wichtig erscheint Die Mitglieder werden ge­beten. sich der Technischen Bothllfe als frei­willige Helfer anzuschließen md t-e; Streiks in lebenswichtigen Betrieben als Bothellrr bei der Verrichtung der erforderlichen Botstcurdsar- be.ten mitzuwirken. Sc entschlossener und hilfs­bereiter unser Volk in der Abwehr gegen rück­sichtslose Lahmlegung der gerneinnützigen T-etriebe zusammensteht, leftr eher werden derartig" ver- härgnisvolle Störungen der deutschen Wirtschaft gebrannt werden."

Der Lübecker Volksentscheid.

Lübeck. 6 San (W.D) Bai dem heutigen Volksentscheid übe'- die Frage ob der Senat zurücktreten soll, wurden von 84 462 Wahl- ber<chllgte>r 73 747 Stimmen abgegeben Hiervon entfielen auf Bein (für das Verbleiben deS Senats) 44 151. auf Sa (für den Rücktritt des Senats» 29 596 Stimmen. Bach diesem Ergebnis wird der Senat bie Bürgerschaft auflösen und Beuwahlen ausschreiben, die innerhalb 45 Ta­gen stattfinden müssen.

Der Bcamtenabban im besetzten (Gebiet.

Koblenz, 6 San (Havasri Die Rhein- landkommission hat sich mit der Berard- nurg der Reich Sregi'rung vom 27. Oktober 1923 üb.-r die Einschränkung ber Beamte t- und Ancie- stelltenzahl befaßt und beschlossen, dir Durchfüh­rung der Verordnung im Sparsam keits- i n t e r e f f e zuzu lassen, sie jedoch zu kon­trollieren. Es wird behauptet, daß g"wiN" deutsche Behörden sich ansch'ickwn, bi2 bevorstehen-- den Entlassungen im politischen Sinne gegen dir rheinische i Beamten ;,u Gunsten der aus 7em und setzten Deutschland stammend en vor^unshmen. Die Rheinlandkommission habe ihrer S>2l»gier» ten die notigen Anweisungen erteilt, um das zu verhindern, iaasbesondere, um Repressalien gegen diejenigen Beamten vvrzunehmen, die während des passiven Widerstandcs sich den alliierten Be­hörden gegenüber ^korrekt" verhalten hatten.

Deniselos Kammerpräsident.

Athen, 6. San. (Wolff.) Deniselos mürbe, als er sich zur Karnnrer begab, und beim Eintritt in bie Kammer, begeiflcrt begrüßt. Auch als er den Abgeordn?teneid ablegte, bereitete man ihm stürmische Huldigungen. Sm Anschluß daran schritt bie Kammer zur Präsidenten­wahl Der Republikaner Papanasiaiiu erklärte, er und feine Partei seien der Ansicht, niemand sei geeigneter, die Geschäfte des Parlaments zu leiten, als Deniselos. Bach weiterer Aussprache wurde Deniselos einstimmig zum Präsidenten gewählt.

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(£in deutsch-türkischer Frenndschafts« vertrug.

Berlin, 5. San. (Wolfs.) Wie die Leitun­gen von zuständiger Seite erfahren, hat eine Füh­lungnahme zwischen der deutschen und der türfi- schen Regierung in der Absicht der Aufnahme von Verhandlungen wegen eines künftigen Freund­schaf tsvertrages ftattgefunben.

^iu neues Attentat in Tokio.

Tokio, 6. Qan. (Priv.-Tel.) Vor dem kai­serlichen Palast fand in Abwesenheit der kaiserlichen Familie eine Kundgebung statt, in b'= von Verlauf ein Koreaner eine Bombe schlen­derte, die jedoch nicht explodierte Sn seinem Besitz sollen drei weitere Bomben gefunden worden fein.

Aus Staat und xianö.

Gießen, den 7. Sanuar 1924.

Der Verkehr mit den Regiebahnen.

Wie bereits kurz berichtet, dürfen Fahr­karten für Stationen, die die franzöNsch-bel- gische Regie in Betrieb genommen hat, nicht ausgegeben werden, sondern bet Reitende muß auf derGrenzstation' neue Fahrkarcen für die Weiterreise lösen, vaS zweifellos schwere 11 n- beguemlichkeiten und Zugversäumnisse mit sich bringen wird Auch Rellegepäck kann nicht durch­gehend nach Stationen der Regiebahn abgefertigt werden.

Besonders hart wird der Güterverkehr getroffen. Die Vorbereitungen für die Ausnahme deS llebergabeverkehrs smd seitens der Reichs­bahn ko gcförberl. daß die bisher bestehenden Sperren des Güterverkehrs nach dem besetzten Gebiet mit einzelnen örtlichen Ausnahmen aufgehoben und die 2Tbfertigung von Gütern wieder ausgenommen werden soll. Eilgut. Fracht­gut und Tiere für Stationen im Regiebetrieb dürfen nur angenommen werden, wenn jeder Sendung ein deutscher Frachtbrief mitgegeben wird, der als Bestimmungsstation den Tarif­übergangspunkt (zwischen Regie und Reichs­bahn) und den Vermerk »zur Weiterbeförderung im Regiebetrieb nach ." enthält,- die gleiche Aufschrift muh ter Wagen- oder Dtückgut-Be- gleitzettel enthalten. Bet .zollfreien" Gütern tst der Frachtbrief mit dem Vermerk zu versehen Bach Br. . . . des Snteralüicrten Zolltarifs vom März 1923 zollfrei', oder bei Lebensmitteln Als Lebensmittel zollfrei". Bei zollpflichtigen Gütern muß die Einfuhrbewilligung der inter­alliierten Zollbehörde dem Frachtbrief angeheftet sein.

Aehnlich ist der Verkehr von Regiestationen nach dem unbesetzten Deutschland geregelt und ebenso der Verkehr von und nach dem Ausland, der über Regiestrecken führt.

Tarifübergangspunkte bzwGrenz­stationen" sind: W:s'l, Dorsten Sinsen Lün n- Bord, Lünen-Süd. Scharnhorst Dortmund- Hauptbahnhos, Dortmund-Ost, Dortmund-Süd. Hoerde, Löttringhausen. Vorhalle Hattingen (Ruhr), Kupserdrh. Ratingen-West. Dillsridorf» Hauptbahnhos, Düss.-ldorf-Derendors. Troisd rf, Flammersfeld, Montabaur. Staffel Eschhofen. Höchst. Goldstein Darmstadt-Hauptbahntzef Kra­nichstein. Groß-Gerau, Worms. Mannheim Luh- hof, Reinsholm. Maxau

Da ein llebeagangsverkehr gtoifdxn den im Reichsbahnbetriebe lefindllchrn Stitionm der Reichsb.nhnditett'on Köln un) Stationen im Regiebetrieb nicht vereinbart ist, bobar bte aus­nahmsweise Urberführung von ö nbungea wie bisher der örtlichen Regelung durch br Rnchs- bahnbirektivn Köln.

Die Einsch-ebung der französisch-belgischen Regie in b.-n Verkehr zwischen Deutschland und Holland, Belgien Frankreich bedeutet tot1 auch in der ausländischen Press1 schon w ed^rhol' be­tont wurde, ein?Balkanisierung" b - s Verkehrs, bi? das wirtschaft ich? Gleichgewicht Europas bauernd stören muß. Wi: in dm Proto­kollen der Mainzer und Düsseldorfer Derband- lungen zwischen Regie und Reichsbahn ausdrück­lich hervor gehoben ist, ist etne Anerkennuna der Regie durch die Reichsbahn d? jure nicht erfolgt; man har sich unter dem Zwang der volitischen, wirtschaftlichen und finanziellen Verhaltnffse nur zur Schaffung eines mobuS vivendi verstehen müssen, eines Zustaordes, dem viele Schwächen unb Bachteile anhaften, die man aber in Kauf nehmen zu müssen glaubte, um überhaupt einen Botverkehr mit den abgeschnürten Gebieten zu ermöglichen. Sn nächster Zukcknft wird sich zeigen, daß nicht nur Deutschland unter diesem Zustand zu leiden hat. sondern gan; Europa:Balkani­sierung" des Verkehrs!

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Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Lichtipiolhaus, Bahnhofstraße: .Königin Caroline von England" undEr und die Stenotypisten". Palast-Lichtspiele:Der Herr aus dem Zucht­haus" undFix und Fax".

Aus dem Stadttheaterbureau wirb »ms geschrieben: Alf baS Gastspiel der Münchener Tanzgruppe am Dorn re-tag, dem 10. Januar, sei ganz besonders hingewiesen. Die Tan-grupve besteht aus fünf Persoirn (drei Damen, cia Herr und der Kapellineister) unter Leitung der bckannten Tan'Künstlerin Sutta von Coll an de Den Gästen geht ein vorzüg­licher Ruf voraus, wie vorftegenbe Pressestimmen aus Hamburg, Hannover, Kafscl und Karlsruhe, wo die Tanzgruppe in letzter Zeit auftrat, be­zeugen.

- Skiklub Gießen. Dom 8. bis 11. So* nuat lcstenloser Skikui'sus. Bähercs im An,zei­gen teil.

Winter in Tirol.

Au-5 Tirol wird uns geschriebLn: Wer Tirol im Winter nicht gesehen i>at, der kennt nicht feine Schönheit. Unb die richtigen, herr­lichen weif':Wint r sind so selten geworden, auch in Timl Die W ater, wo von den höchsten Firnen bis .um tiefsten Talwinkel nur eine Farbe sich breitet, strahl.mdr:in: weiß, weiß nur weiß. Wo alles tote ein Märchen scheint, ein Märchen von Glanz, Geflimmer, Gegliher. ein Märchenland, über das gütige Feen oerschwen- drrisch aus ihrem Fülkhorn Zucker gestreut, die 'Berge t ruckrnb, een Wald, das Bauernhaus, die Dörfer unb Städte. So sch.int die Zuckerwelt an heiteren Sonnentagen, trenn aus italienisch- tiefblauem Himmel der TageSster.n wiederstrahlt. Dann erlebt inan Farbenn under, die erst die modernste Malerei nach.uschassen wagte, stahl­blaue Schneefelker im Schattrn, grüne Schnee- ränber, rvtvioletlsn Beha ig an ben Zweigen. Doch die Sonnentage sind gewählt. Tagelang schon schneit es fast ohne Ülnterlaß. Selbst in den Straßen der Städte stehen in mehr als Mannrs- hohe bi? Sch re mauern, zwischen denen man müh­sam für Menschen unb Tier? Weg? gebahnt. Für ricrundzwanzig Stunden vielleicht, denn mor­gen liegen wohl die mühsam gebahnten Wege unter neuen weißen Massen begraben und die Hausfrau kann nur noch mit Skiern zum Bäcker oder Metzger fahren.

Die Skier, sie sind das universelle Verkehrs­mittel geworden: mit ihnen fährt der Bauer in die Stadt, auf ihnen jagt der Grenzer den Sbnmgglcrn nach, auf ihnen rudert die Sechs- jährige zur Schule, pfeift der Hochtourist über Die cifigcn Höhen. Der Fußgänger scheint mit dem Winter gestorben oder fristet nur unten in Dör-

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fern unb Stätten ein klägliches Dasein, d-'r Win­ter gehört dem Ski-bewehrten Mensch<n. Gr allein 1 -kbt die Straßen, die Wäld-?r, et triumphiert ül:v jede Schneetiefe, jebe Gishöhe Und s? schneit es weiter. Meter häuft sich auf M ter, bie Gisen- bahnen legt der Winter lahm. Das Militär ruckt cus zur B.ckämpsung des Schnees. Gs erkämpft Meter um Meter des Schienenstianges mrd muß morgen vielleicht schon ten Kamps aufs nnte be­ginnen. Schrellrüge erleiden hier, srchs, zehm Stun- dc, Verspätung Der Fahrplan ist außer Kraft 9rieht. Der Schnee sperrt den 2Irib?rg, der Paris- Orient-Gxprest muß retirieren. Fn^t man am Bahnhof nach Ankunft eines Zorges, so zuckt der Tcamtc nur bedauernd die Achseln Wüßte er's, müßte er Gelt der Allwissende sein. Der Tele- g.aphendn-aht ist unter der Schneelast gerissen. Selbst das Bächste ist fern, unerreichbar. Die All- mack t Winter h<at Raum unb Zeit, dir die Men­schen schon überwunden zu haben glaubten, zu neuen Unendlichkeiten ausgedehnt.

Und dräut der Winter noch so sehr, er hat den deutschen Bergfahrer vom heiligen Land Tirol nicht feine halten können. Die wieder­befestigte deutsche Valuta lädt wieder zur Fahrt in die österreichischen Berge ein. Gewohnt, die Preise aus Ueberfriedenshöhe anyufeben, staunt man überrascht über das billige Land Tirol. Man trinkt für 15 Pfennig einen milch- geschwängerten Morgenkaffee, ißt für 75 Psg ein opulentes Schnitzel, nimmt für 30 Pfg ein Viertel kräftigen Sudtiroler Landwein zu sich, raucht für 10 Pfg. einen regie-echtenSargnagel". Für 4 Gvldmarl erhält man eine auskömmliche Tagespension in zentralgeheiztem Zimmer Und dräut der Winter noch so sehr, man lebt billig unb gut. Sa» es ist auch im Winter gut sein im heiligen Land Tirol.

2>i« Biesenkräfte der Infekten.

Der Dichter H. G. Wells hat in seinem geistvollen RamanDie Zeitmaschine" eine Zu- iünft geschildert, in der bar Mensch aus feiner Herrschaft über unt ren Plan.ten durch die Sn- feften verdrängt to'-rd. So merftourbig das klingt, so besitzen doch diese Neinen und unscheinbaren Tiere Kräfte, um die wir sie beneiden können. Die Ameise z. B. hat feine Augen unb feine Ohren, aber sie findet trotzdem ihren Weg von dem Best zur Bahrung unb wieder zurück: sie erk.nnt ihre Artgenossen und kann ihre eigenen Gier unb Hungen von denen anderer Familien unterschei­den. Shre Stärk? ist so gewaltig, daß der Mensch, wenn er im Verhältnis über ebenso große Kräfte verfügte, zwei Eisenbahnlokomotiven auf seine Schultern nehmen und frrttragen könnte. Ameisen können 100 Tage ohne jede Bahrung leben. Sin anderes Beispiel für die Riesenkräfte der Sn- selten bild-ri die gewöhnliche Käse milbe. die weniger als ' i Zoll lang ist unb doch aus einem 6 Zoll tiefen Gefäß heranSspringen kann. Sin Mensch, der über ebenso starke Beinmusfeln ver- fügte. würbe sich auS einem 114 Fuß liefen Brun- ren hrrausschncllen können Der Ohrwurm ist ein wahrer Herkules. Man hat ein solches Tier­chen an einen kleinen Karren gespannt, der 46mal sein eigenes Gewicht schwer war unb mit einem 200 mal so großen Gewicht wie dem des Tier­chens betaftet wurde Der Ohrwurm zog diese Last: ein verhältnismäßig ebenso kräftiges Pferd mühte dann gleich eine Last vvu 200 Tonnen fort- zich.n. Fast alle Käfer besitzen unglaubliche Kräfte. Der stärkste unter ihnen ist der nur 5 Zoll lange Goliathkäfer, der in Südamerika lebt. Er ist weder giftig noch «jährlich, aber er hat zwischen feinem HUS unb den Schultern eine Stelle, die tote ein Schraubstock wirkt. Ein ge-

" Steuern uno I on fttge <5 ü r Ge­rungen des Hessischen Staates, soweit sie auf Goldbasis gestellt find, können durch Hingabe von Stücken der Heffifchen Dottaranleihe (Dvllarschayanweisungen) in Höhe ihres Dennwertes bez-ahlt werden. Das Landesfmanzamt Darmstadt hat den ihm un­terstellten Finanzämtern und Finanzkaffen entsprechende Weisung zugehen lassen.

" Baufparscheine der staatlich hessischen Baustossbeschafsungs - und Beratungsstelle. Di.' Festigung d«.- Wckh- rungsverhältniste läßt eine Sparmöglichleit wie­der zu. Die Reichseisenbahn hat durch die Her­ausgabe von Reifespargutscheinen jedem GelegLt- hcit geboten, feine Sommerreise >chon jetzt >u- sammeTtzusparen. Sn gleiche Welle kommt die staatlich hessische Baustvsfbefcha;fangöstelle auch den ÄlcimrDbnungsbaucnben bu-.d; Jlu-gabc von Bauftofsmarken entgegen. Ditse Baustof' marken lauten auf 1, 5. 10 unb mehr wertbestän­dige Gvldmark Sie wurden abftchtlich nicht aus eine begrenzte Menge bestimmter Bauswsse feit gefetzt, vielmehr soll bem Snbaber bk freie Möglichkeit bleiben, bei Beginn der Bautätigkei. bie für seinen Bau bau jeweils nötigen Baust eise nach eigener Wahl zu be-iehen Der Svaie. trägt mithin nicht die Gefahren (Diebsta'ni Feucrsgefahr. Brichädigung. Zerfall u dgl ) und Unbcqu emlich feiten (Ca^cmrietc, Deaulsichtiguna sachgemäße Znstandhainina u. ähnlri, die da» Aufsammeln der Materialien sKtsf-i>'rUrsachen Bei Zahlung der Baustoffe mit Baustoffma wird außerdem 5 Proz. Rabatt gewährt. Seb Baustofsmark ist durch den resthhaltigen Lage, bestand doppelt gedeckt, die eingcbc'Kkn Spar­gelder werden f^wrt wieder in OHatcrialien an­gelegt. so daß für ihre Wertbeständigkett volle Sicherheit besteht. Den gemeinnützigen Bau- genossenschasten und Sigenhandbauenden ist so­mit die Mögltchkeit geboten, durch Sparfarnkell der Wohnungsnot erfolgreich entgcqenjatrcfen unb ihr Ziel bes Eigenheimes greifbar zu ver- wirflichrn.

" Die Beuwahlen zur Landwirt- schaftsfammer sollen noch in diesem Früh­jahr stattfinden. Wie wir erfahren, werben soeben die neuen Wählerlisten ausgestellt.

** Bon der Feuerwehr. Sn letzter Zeit wurde die Feuerwache auf Oswaldsgavten öfters in Anspruch genommen. Sv aalt es in einem Falle eine durch ein Fuhrwerk beschädigte Gas- laternc abzudichten, um ein werteres Ausströmen von Gas zu beseitigen. Sn anderen Fullen waren Dalkenbrände in öfteren Fach wer? Häusern zu löschen, die dadurch entstanden, daß Holzteile in die alten, jetzt stark beheizten Kamine eingo- mauert waren. Samstag morgen 6 Uhr 17 Mia. wurde die Feuerwache durch den Feuemelder am Teuselslustgärtch^n nach de Löw:ngasse ge­rufen, wo im Hause Br. 9 ein kleiner Dachstuhl- brand entstanden war. der in kurzer Zeit ab« gelöscht wurde. B.i dieser Kriege1)eil sei noch­mals auf die böswilligen Afarmte unqen bet Feuerwehr hingewiesen, bie in Gießen fort- laufend im Gange sind Leider ist es noch nicht gelungen, einen Tater so zu fassen, daß er einer exemplarischen Bestrafung cntgcgengcriibrt um den kann, bie in einem Falle in Schweidnitz zwei S«brc Gefängnis betrug. Für die Bamhaft mad.ung eines Täters derart, daß er der geriet liehen Bestrafung zugeführt werden kann, wir" seitens des Oberbürgermeisters eine angemessen- Belohnung zugesichert.

** Die Za hlu ngsbedigungen be städtischen Werke trerben in unserem heu tigen Anzeigenteil zur öffentlichen Kenntnis ge­bracht. Gs empfiehlt sich, der wichtigen Bekann: maefjung volle Beachtung zu schrnl.m.

* Oeffentliche Bücherhalle ' n Dezember wurden 1261 Bänd- ausa.-Iicl,'.- Daron kommen auf: Grzähle.ide ßitcrntnr 760 Zeitschriften 115, Sugendschriften 129. Literatur, gekchtchte 5. Gedichte und Dramen 13, Länd,n- und Dölkeickunde 66, Kulturgeschichte 14. Geschieh'? und Drvgraphien 60. Kunstgeschichte 8. Bo u wissenschnft und Technologie 45. Herr- und Ge­wesen 6, Haus- und Landwirtschaft 2. Gesund- heitslehre 2, Religion unb Philosophie 18. Staats- Wissenschaft 8, Sprachwifsensch>all 7. Fremdsprach­liches 3 Bände. Bach auswirls kamen 28 Bände.

*'WichtigfürBordamerika- Aus­wanderer! Wie daS Amerikanische Konsulat in Stuttgart dem Deutschen Ausland-Snstitu: mitteilt, fallen nunmehr auch in Deutschland ge­bt renc Ehegattinnen, Eltern und Drsckwister ame­rikanischer Bürger unter die Quotcbcftlmmungen Obgleich sie zu den bevorzugten Einwanderer- klassen gehören, fallen sie trotzdem unter die Quotenzahl DaS bedeutet eine weitere Verschär- fung der Einwandei ungsbestimmungen. Lediglich in Deutschland geborene Kinder amerikanischer Bürger, die weniger als 18 Sabre alt sind, sind von dieser Beschränkung ausgenommen.

wöhnlicher Türschlüssel, der leicht gegen dies« Stelle gedrückt wird, wird mit einer solchen Krast gepackt, daß das Metall sich biegt Ein Finger, der dagegen gelegt würde, wäre sofort gebrochen Der Hornkäjer hebt leicht das 20lache feines eigenen Gewicht- empor Besäßen Menschen sol­che Kräfte, bann könnte eine junge Dame aus dem Klavierunterricht ihren Flügel auf der Schulter nach Hause tragen. Raupen sind imstande, das 80sache ihres Gewichtes zu heben. Die Arbeitslei­stungen mancher Snfettcn müssen unser größtes Erstaunen Hervorrufen. Ameisen bauen Hügel die mehr als das 1000sache ihres Gewichtes be­tragen. Südamerikanische Amrilen bauen Tunnel bis zu 5 Ähn. Länge. Obgleich der Fleiß bet Diene sprichwörtlich ist, vergegenwärtigt man sich doch kaum, was sie vollbringen. Man hat be­obachtet, daß eine Biene 27 Blumen in einer Mi­nute besucht. Bimmt man einen durchschnittlichen Besuch von nur je 15 in der Minute an. so lind daS 900 Besuche in der Stunde, und da die Biene wenigstens 8 Stunden täglich arbeitet, so b.sucht sie am Tage 7200 Blüten 125 Blütenköpfe des roten Klees enthalten etwa 9 Zentigramm Honig, 125 000 Köpfe etwa 2 Pfund Da jeber Kopf gegen 60 einzelner Blütchen enthält, so müssen 7'/. Mil- lirnen verschiedener Blüten besucht werden, um 2 Pfund Honig zu erhalten Die beladene Biene bringt zu ihrem Stock eine Honiglast, die etwa das zweifache ihres Gewichtes ausmacht Was die Schnelligkeit einzelner Insekten anlangt so hat der französische Raturfor eher de C SMe beob­achtet. daß ein llcines Snteft 6 Zoll in der BN- nute läuft. Wenn wir so schnell laufen könnten, fo würden wir mehr als 30 Km. in einer Minute zurücklegen können.

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