m. 55 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Die neuen hefstfchen Stundentafeln.
Eine Erwiderung und Berichtigung.
। Don Dr. Georg Faber.
3n der kurzen Voranzeige der geplanten Sbm7>gebung gegen die neuen Stundentafeln bat «S der Herr Grasender für gut befunden, verschiedene Seitenhiebe auszuteilen. Der Verfasser geht zum Teil von falschen Voraussetzungen aus, die er aber als Tatsachen gibt. Ist ihm beim nicht bekannt, daß Annahmen und Behauptungen als solche sprachlich zu kennzeichnen sind und nicht als allgemein gültige Wahrheiten vorgetragen werden dürfen?
Gr behauptet: 1. Ich habe die „Schulreform- plLne" offiziös erläutert und empfohlen: L metn Aufsatz sei rn der Absicht geschrieben, roorden. die neugeplanten Schularten gegen den Widerspruch, auf den sie gestoben wären, zu verteidigen: 3. das Sandesamt habe mit seiners »reuen Plänen die höheren Schulen Hessens über- nifcbt; 4. infolge des Widerstandes, auf den die neuen Schulpläne bei den beteiligten und sach- »/erständigen Kreisen des Landes, der Hochschulen. Lehrerkollegien und Fachpereinigungen gestoben seien, wären sie nachträglich rn der Oeffentlich- teil offiziös erläutert und empfohlen worden: 5. .ganz besonders den humanistischen Dildungs- anstaltcn" drohten schwere Gefahren.
Auf diese Behauptungen erwidere ich folgendes:
1. Ich habe keinerlei Auftrag vom Landes- amt gehabt, die neuen Stundentafeln zu erläutern und zu empfehlen, weder ausdrücklich noch versteckt: einepersönliche Anfragebei mir hätte den Versasser über seinen Irrtum aufklären können.
2. Mein Aufsatz über die Deutsche Oberschule ist durchaus nicht in der Absicht geschrieben worden, die neugeplanten Schularten In der Oeffent- lichkeit zu verteidigen, weil sie bei den sachver^ ständigen Kreisen des Landes auf Widerstand gestoben seien. Der Aussatz ist geschrieben worden. weil die Schriftleitung des Diehener Anzeigers ohne mein Zutun an mich mit der Bitte herantrat, über diese neue Schule in der O cf f ent- lichkeit einiges Aufklärende zu sagen. Daß ich dabei die Gründe darlegen muhte, warum wir i>te Deutsche Oberschule und die Aus- bauschule brauchen, ist ganz selbstverständlich.
3. Unrichtig ist ferner, dah das Landesamt die höheren Schulen Hessens mit den neuen Plänen überrascht habe. Wäre das wirklich der Fall gewesen, dann wäre das tief beschämend für die Lehrerkreise der höheren SchulenHessens: denn, wie ich in meinem Aufsatz schon ausführte, die Bestrebungen sind ja nicht von gestern auf heute aufgetaucht, sondern sie sind zum Teil sehr alt. -Untere Fachzeitschriften beschäftigen sich seit Jahren mit der -Umformung unseres Schulwesens. Die Zahl der Sonderschriften darüber ist auherordentlich grob- Und sicher ist doch auch hem Herrn Ein- scmder bekannt, dab Hessen nicht als erster Staat, mit den neuen Stundentafeln ausgetreten ist. Warum sollten wir in Hessen nicht erwarten was andere Staaten schon durchgeführt hatten? Ich selbst habe seit Jahren auf diese neuen Pläne gewartet, und mit mir begrüben die meisten hessischen Schulmänner den Schritt der Regierung.
•4. Aus dem ersten Sah der Voranzeige gewinnt der Leser ohne Zweifel die Ueberzeugung, dte neuen Pläne der Regierung seien von den beteiligten und sachverständigen Kreisen des Lan- dW. den Hochschulen, Lehrerkollegien und den ^rchvereinigungen durchweg abgelehnt wordsn: d. h., die wenigen, die ihnen zugestimmt Hütten, verstünden von der Sache nichts, seien Laien in dieser Frage. Ist item Verfasser nicht bekannt, wer die Pläne im Ministerium entworfen hat? Ist unsere Schulleitung wirklich so wenig sachverständig, dah sie Pläne vorlegt, die auf den vom Verfasser gekennzeichneten Widerstand stieben? Der Verfasser hätte die Pflicht gehabt, ehe er so allgemein von dem Widerstand spricht, sich davon zu überzeugen, inwieweit denn nun seine Annahme wirklich begründet war. Eine Anfrage bei dem Landesamt für das B i l du n g s w e s e n hätteihndarüberaufgeklärt, dabder Widerstand, von dem er spricht, überhaupt nicht vorhanden ist, sondern dah die Pläne im allgemeinen grundsätzlich die Zustimmung der beteiligten S chu l- und Fachkreise gefunden haben.
5. Ich kann mir denken, dah die Pläne in gewissen Kreisen in gewissem Sinne als gefahi> droheud für unser Mldungswesen aufgesabt werden. Ich kenne Im besonderen alle Bedenken, die gegen die Deutsche Oberschule und bte Aufbau- schule vorgebracht werden: aber ich teile sie nicht, sondern halte sie für vollkommen unbegründet. Also Ansicht gegen AnsichtI Ich bin niemand darum sevnd, wenn er meine Ansicht nicht teilt, und ich hätte erwartet, dab auch die Gegenseite so über die Sache dächte. Die kleine Voranzeige hat diesen Glauben zum Teil erschüttert. Ich bedauere es lebhaft, dah der Herr Einsender den sachlichen Boden verlassen hat, und möchte nur wünschen, dab derartige unsachliche Angriffe in Zukunft unterbleiben.
Sachlich unrichtig ist auch die Angabe des Verfassers, dab gang besonders den Huma n i st i schen Di l du n g sa n st a l t e n schwere Gefahren drohten. Zum Beweise für meine Behauptung führe ich die alten und die neuen Stundentafeln nebeinanber an.
Das jetzige Gymnasium hat folgende Stundenverteilung:
VII V
UV
um oni; uh
011 Ul
01 lauf.
Religion
2
2
2
2
2
2
2
2
2
18
Deutsch
4
4
3
2
2
3
3
3
3
27
Latein
9
9
8
7
7
7
7
7
7
68
Griechisch
—
—
—
6
6
6
6
6
6
36
Französisch
—
—
5
3
3
3
3
3
3
23
Geschichte
Geographie
2
3
2
2
}3
3
3
3
3
3
27
Mathemat.
3
4
4
4
4
4
4
4
4
35
Raturkunde
2
2
2
2
2
2
2
2
2
18
Zeichnen
2
2
2
1
1
—
—
—
—
8
Schreiben
2
2
5
zusammen
27
28
30
30 | 30 | 30
30
30
30 |265
Der neue Entwurf
für das altsprachliche
Gymnasium sieht folgende Stundenverteilung vor:
VI
V
IV
um oni
Ull
oii | ui | oi |8uf.
Religion
2
2
2
2
2
2
2
2
2
18
Deutsch
4
4
4
3
3
3
3
3
3
30
Philosophie
—
—
—
—
—
—
—
1
u
1 2
60
Latein
9
8
7
6
6
6
6
6
Griechisch
—
—
—
6
6
6
6
5
>5
134
Ql euere
—
«=•
4
3
3
2
2
2
2
18
Fremdspr. Geschichte Staatsbür-
—
—
2
2
2
2
2
2
2
14
gerkunde
1
1
1
1
4
Ädkunde
Rechnen u.
2
2
2
1
1
1
1
1
1
12
Mathemat. Olatut-
4
4
4
3
3
4
4
4
4
34
Wissenschaft
2
2
2
2
2
2
2
2
2
18
Zeichnen
1
2
2
1
1
(2)
(2)
(2)
(2)
7
Schreiben
2
2
4
Singen
2
2
1
1
1
1
1
I
1
11
zusammen 28 | 28 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 | 30 I 30 |266
(Die Spalte am weitesten rechts gibt an, wie viele Wochenstunden ein Fach an der gesamten Anstalt hat: die unterste Reihe zeigt die Wochenstundenzahl der einzelnen Klassen, und die senkrechten Spalten sagen uns, wie viel Wochrnstunden dem linksstehenden -Unterrichtsfach in einer Klaffe zugewiesen sind. Zu beachten ist, dab das Singen im ersten Plan gar nicht angeführt ist, woraus sich ergibt, dah der zweite Plan eine geringere Wochenstundenzahl hat als der erste.)
Der Dergleich der beiden Stundentafeln zeigt, dab von einer wi rkli che n Gefahr für das Gymnasium wirklich nicht geredet werden kann. Das Latein ist im neuen Entwurf von der Quinta ab nur um 1 Wochenstunde gekürzt. Das Deutsche ist in der Ulli und Olli um 1 Stunde vermehrt: dab das notwendig ist, wird kaum ernstlich bestritten werden können. Im übrigen sind die seit Jahren erhobenen Forderungen nach Dermeh- rung der Stundenzahl für das Deut- sche leider nicht verwirklicht worden. Mit 30 Wochenstunden im Deutschen [gegenüber 114 in den fremden Sprachenf ist das Ziel des deutschen Unterrichts nicht zu erreichen. Hingegen wird der Unterricht im Latein bei der geplanten Stundenzahl nicht hinter dem seitherigen Ziel zurückbleiben, da ja die Schüler in allen Klassen ein Jahr älter sind als seither, so dab man also in anderer Weise arbeiten kann. Ich bin sogar überzeugt, dah eine weitere Kürzung des Lateinunterrichts um eine Wochenstunde keinen Unterschied bezüglich der Steiftungen zur Folge hätte. — Die Verminderung des Griechischen in der Prima um eine Wockenstunde ist nur scheinbar. da dafür eine Stunde Philosophie eingesetzt ist. die natürlich dem griechischen Unterricht zu- fällt.
Wenn man die beiden Pläne vergleicht, wird einem vollkommen unverständlich, wie gejagt werden kann, ganz besonders den humanistischen Bildungsan st alten drohten schwere Gefahren, es sei beim, dab baä geplante altsprachliche Gymnasium neuen Stils (das sogenannte Reformgy m- na f l u m) olS das Ge,ahr bringende angesehen wird. Aber auch hier wird die wirkliche Sachlage übersehen. Das Refvrmgynrnasium bestand schon vor dem Krieg, zwar nicht in Hessen, aber doch selbst in Preußen: überdies wird das geplante altsprachliche Gymnasium neuen Stils in Hessen nicht auf Befehl von.oben eingeführt werden, sondern die beteiligten Streite [also oie Eltern, das Lehrerkollegium und die Gsmeindes werden darüber zu entscheiden haben, ob das seitherige altsprachliche Gymnasium in ein solches neuen S.ils umgewandelt werden soll. Auchdarüber hätte man sich beim Landesam t Auskunft holen können.
Wenn das Gymnasium seine seitherige Stundenzahl in ben Fremdsprachen beibehallen will [Deutsch 2 7; Fremdsprachen 12 7!], wo doch gerade mit Rücksicht auf die Gesundheit unserer Kinder die Wochenstundenzahl an allen Schulen gekürzt werden soll, so erhebt sich die Fvage, welche Fächer denn nun in ihrer Stundenzahl vermindert werden sollen und können! Der Leser mag sich einmal daraufhin die beiden Stundentafeln ansehen. — Ich möchte hier nur darauf Hinweisen, dab die eine Wochenstunde ßatein weniger für unsere K n ter einen Gewinn insofern txrrjtellt, als sie tatsächlich eine Wochen- stunde weniger Unterricht haben. Sollten wirklich in der heutigen Zeit unsere Elternkreise dafürzu habensein,für unsere Kinder eine Wochen stunde Unterricht mehr a u fordern und z u erkämpfen? Denn darauf mübte doch wohl das Ganze hinauslausen.
Ich habe wiederholt betont, öffentlich in den Sitzungen de r Gesellschaft für deutsche Bildung und auch in meinem Aufsatz über die Deutsche Oberschule, dab ich es für unbedingt notwendig halte, dah das altsprachliche Gymnasium als altsprachliches Gymnasium in seiner Eigenart erhalten bleibt. Das ist für mich vollkommen selbstverständlich. A u ch i ch b i n ein Freund des humanistischen Gymnasiums und halte es trotz seiner schweren Mängel, besonders bezüglich der Stellung, die das Deutsche darin einnimmt, für eine noch gute Schule. Aber ich bin der Ueberzeugung, dah für unsere Kinder je nach ih.er Begabung und ih en Reigungen verschiedene Anstalten gleichberechtigt nebeneinander bestehen müssen, die die Grundlagen unserer Bildung vermitteln u n d d i e in ihrer Vielgestaltigkeit dem vielgestaltigen Leben zum Teil wenigstens gerecht werden. In jahrzehnü langen Kämpfen Huben sich bereits zwei neue Anstalten durchgeseht, im härtesten Kampfe mit den Vertretern einet Bildung, die noch immer in gewissen Kreisen als d i e Bildung angesehen wird. Unsere sogenannten Realanstalten sind aber nicht mehr die Anstalten, die sie noch vor 30, 40 Jahren waren, s andern sie sind ebenfalls zu humanistifchen Bildungsan st alten geworden. Vielleicht ergibt sich die Gelegenheit, in einem weiteren Aufsatz über „hu ma n i st i sche Bi 1 du n gsa n st a 11 e n" diese Gedanken weiter auszufuhren und zu begründen.
Gietzener Jugendgericht.
* ® i e 6 c n, 29. Febr. In ter jüngsten Sitzung des Jugendgerichts waren als Jugendschöffen tätig: Frau Karoline Pfeiff und Karl Voigt, beide von Wieseck.
Der 16jährige Hugo Sch dahier ist angeöagt, Anfangs Rovember zu Girsten aus dem Keller eines Hauses in der Schlohgasse Kartosseln mittete Einsteig.ns entwendet zu haben. Dem Mitbewohner des Hauses, Zeugen St, war von einem jugendlich n Qkfcutntei des Angeklagten rnitgr- trilt worden, dah bieder des öfteren Kartoffeln verkaufe, während doch in de'fen Familie Kartoffelmangel herrschte. Zeuge St., dem schon mehrfach Kartoffeln gestohlen worden waren und zwar aus feinem Keller, der unmittelbar neben dem der Clte-rn des 21ikcTagten liegt, überraschte den Angeklagt n auf fti.cher Tat. Der Angeklagte leugnet zwar, wird aber sowohl durch die beeidigte Aussage deZ Bestohlenen, als auch durch elnan im Keller des Letzteren vom Angeklagten zurückgelasfenen Tuchbe tel und einen Le e-- rianen überführt Es werden ihm wegen seiner |
Skifahren und Gesundheit.
Don Dr. W. Schweisheime r, München.
Dicht alle Sportarten können rom gesundheit- lrchen Standpunkt aus gleich günstig bewertet werden. Dah der Skisport für den Gesunden in körperlicher Beziehung so besonders vorteilhaft ist, hängt in erster Linie mit der Umgebung zusammen, in der er sich abspielt. Die -staub- und keimfreie Luft in den schneebedeckten Bergen und Wäldern bedeutet eine Quelle der Gesundung für die» Atmungsorgane. Auch wenn im Dal Rebel und Feuchtigkeit die Luft erfüllt, kann der Skifahver leicht in Höhen gelangen, die frei von Rebel sind. Einmal in der Woche wenigstens die Shmge in reiner Luft baden, das bedeutet ein unersetzliches Kräftigungsmittel.
Die Schneedecke begünstigt wirisamen Einfluh der Sonnenstrahlen. Es ist überflüssig, hier die theoretischen Grundlagen der günstigen Wirkung der Besonnung im einzelnen ,;ta «erörtern. Ob es tatsächlich gerade die vielgenan iten ultravioletten Strahlen sind, die in gröberer Höhe zu- besserer Wirksamkeit gelangen und deshalb im Gebirge stärkere Wirkung Hervorrufen, als in der Ebene, darüber sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Jedenfalls wird die Sonnen- wirkung durch Reflexion (Wiederstrahlung) von den Berghängen, den Schneefeldern bedeutend gesteigert: ihr Einfluß auf Haut und ganzen Körper gibt sich einerseits in rascherer Bräunung, andererseits in Anregung des ganzen Stoffwechsels zu erkennen. Aus nervöse und in der Tagesarbeit der Stadt nervös gewordene Raturen wirkt allein schon der Anblick sonniger Schneefelder vor blauem Himmel und schweifenden Kämmen erlösend und berubigenb. Hemmungen schwinden, Unlustgefühle enN'xüchen, befreitet Ueberblick
ergibt sich dem in Unrast nervös gewordenen Städter.
Gs ist kein Zufall, dah in allen Winterkurorten der Wintersport eine so bedeutende, von ärzllicher Seite warm unterstützte Rolle spielt Der Genesung- und Stärkungsuchende findet dort das, was für ihn geeignet ist. Für nervöse, neurasthenische Menschen, oie zur Kur ins toin ter liebe Gebirge geschickt werden, läht sich kaum etwas Besseres finden als gleichzeitige sportliche Betätigung: sie lenkt von dem bedrückenden Hinstarren auf guälende Beschwerden ab und gibt durch das Gefühl ständig wachsender Leistungsfähigkeit Mut und Vertrauen aujf die gefanbei Grundlage des eigenen Körpers.
Der Mittelpu.ckt auch der skisporilichen Tätigkeit ist das Herz. Das Skifahren, das bei Touren an die Erreichung bestimmter Ziele gebunden ist, verleitet zu einer Heberanftrengung des Herzens, wenn nicht von vornherein bewuht auf die wirkliche Leistungsmöglichkrit Rücksicht genommen wird. In dieser Beziehung ähnelt H Skisport anderen Sportarten, die gleichfalls nicht in der Mitte abgebrochen werden können, sondern an ein Ziel gebunden sind, wie Berg- steigen und Klettern.
Gleichmäßig und zielbewuht fortschreitende körperliche Hebung, die steigend nach gröberen Aufgaben strebt und Ueberanstrengung des Körpers meidet, bewirkt ganz von selbst zunehmende Kräftigung des Herzens. Etwas »Herzklopfen" ist bei körperlichen Anstrengungen noch nicht als krankhaft aufzufafsen. Rur wenn es sich stark geltend macht, so ist das — abgesehen von jenen Fällen, wo es Ausdruck einer Nervosität sein kann, — rin Zeichen für übermäßige Beanspruchung dns Herzens. Das Warnungszeichen ist zu beachten! Gin übermäßig in Anspruch genommenes Herz, dem nicht rechtzeitig Gelegenheit zum
Ausruhen geboten wird, erteiltet eine Heber- dehnung seiner Wandungen. Solcher Schaden Tann sich wieder ausgleichen, bei fortgesetzter Ueberanstrengung aber auch für die Dauer sich festsehen. Vernünftige Steigerung der Anforderungen, keine schroffe Forcierung, rechtzeitige und ausgiebige Ruhepausen werden am ehesten vor solcher Herzschädigung betoaßren. Besonders wenig widerstandsfähig ist ein Herz, dessen Kraft durch Mihbrauch von Alkohol und Rikotin, durch gewisse Infektionskrankheiten herabgesetzt ist. Hier ist doppelte Vorsicht, bzw. Verzicht auf das Genuh- gift vonnöten.
Die Temperaturunterschiede, denen der Skifahrer ausgesetzt ist, sind gewaltig. Bekanntlich wird es dem Skifahrer — infolge der angestrengten Muskeltätigkeit — ganz besonders heih, und wenig andere Sportarten können za so erheblichen Schweihverlusten führen wie gerade das in Schnee und Kälte vor sich gehende Skifahren. Diese beiden Tatsachen, die jedem Skifahrer geläufig sind, erscheinen vielen Richt- skifahrern geradezu unglaublich Kälte ist andererseits das Element des Skifahrers. So ist sach- gemäße Kleidung eine Rotwendigkeit für bas Behagen und Gesundbleiben des Sttfahrers, eine Kleidung, die wann ist, aber bequem urd ausreichend erleichtert werden kann, und die durch passende Ersatzstücke stets wieder in trockenen Zustand ergänzt werden farm. Geeignetes Schuhwerk verhütet am besten die Unannehmlichkeiten der Erfrierung der Führ. E.was DerbaniHeug, Salbe usw. sollte der Skifahrer immer mit sich führen. Die Zusammenstellung und Mitnahme einer kleinen Hilfsapotheke hat schon manchem Skifahrer die Sportfreude, die Gesundheit und selbst das Qeben gerettet.
Ein methodisches Training ist nicht nur für die sportliche Leistungsfähigkeit und Leistung, son-
Mittwoch, 5. Mrz 1924
Jugend und weil er bisher noch nicht bestraft ist n.i d.rndr Umstände zugebiliigt. StraferschwerenL tr.-urbe in Betracht gezogen, dah der Bestohlene ein minderbemittelter Mann ist, der eine große Familie zu ernähren hat. Das Urteil lautete auf vier Wochen Gefängnis unter Aussetzung der S r^fvo.lstrrckung bei vierjähriger Bewährungsfrist. Auherd.m wurden Er- zi hungsmaßrcg Li angeirrt)ner, de e r Auswahl der Bormundschaftsrichter treffen wird.
G g n dr.i jugend.iche Angeklagte, gegen die die Zwa gs -rziehung angeardmet Worte t ist und grgon die be.e.ts öffentchhe Klage erhoben war, weil sie ein fremdes Bettuch zerschnitten haben, um sich daraus Fußlappen zu machen, beschließt das Gericht mit Zustimmung der «Staatjaitivalt- schäft auf Grund des § 32 Aösatz 2 des Zugend- gerichlsgcfttzes dte Einstellung des Verfahrens, da w.itere Mahnahmen nicht erforderlich erscheinen und es sich um eine geringfügige Sache hairdelt.
Gießener Strafkammer.
* Gießen, 29. Febr. Der Holzhäiirdler Ernst M. zu Rieder-Ohmen hatte zwei Holzlieferungs- Verträge nicht erfüllt. Er war deshalb wegen Betrugs bzw. Betrugsversuchs angellagt, zumal er in dem einen Fall nicht geliefert hatte, obwohl eine Anzahlung gezahlt tcorcen war. Das Gericht sprach ihn frei. Dem Angeklagten war ni-cht nachzuweisen, das) er bereits bei Bert rag s- abschluh eine betrügerische Absicht gehabt hat, ganz abgesehen davon, dah zweifelhaft ax>r, ob die Anzahlung nicht für eine andere Schuld des Käufers gutgeschrieben worden war. In einem dritten Fall wurde M. to'gen Unterschlagung zu zwei Monaten Gefängnis re.-urteilt Er hatte, wie das Gericht als erwiesen cmvnahm, H)lz bereits in das Eigentum einer anderen Firma übertragen und die es in fremdem Eigentum stehende Holz anberOteit verlauft.
Der Arbeiter Karl Sch aus Lang-Gons war der Urkund mfälschung und des Betrugs angs- Hagt. Er gab zu, eine auf den Rainen einer anderen Person lautende Wochenkarte auf feinen Ramen umgeändert und mehrfach auf der Eisenbahn benutzt zu haben. Strafe: zwei Wochen Gefängnis. Mit Rücksicht auf die Jugend und dir seitherige Unbestrasthrit wurden dem An* grtlagten für die Tat. auf die an sich Zuchthaus steht, mildernde Umstände zu ebil.igt.
Am 6. Culi kehrte der Landwirt K. zu Rieder- E'chbach von der Feldarbeit nach Hause zurück und stellte fest, dah man bei ihm eingebrochen war. Er vermihte eine Reihe von Goganständeir In der Scheun? fand er einige Säcke voll Fleischwaren, die die Diebe offen ichttch dort unter dem Heu verborgen hatten, um sie demnächst abzu- holen. K. legte sich rn der Rächt mit einem Bekannten auf die Lauer. Plötzlich bemerkte man Licht in der Scheune. Der eine, mit einem Revolver bewaffnete Zeuge, öffnete die Scheunentür. Dom Dieb wurde er mit mehreren Revolverschüssen empfangen, während seine eigene Waffe versagte. Der Dieb eilte durch den Hof, gab noch mehrere Schüsse auf feinen Verfolger ab. Es g?lang ihm, über das Hoftor zu entkommen, obgleich er von einem Rachbar unter Feuer genommen worden war. Ertannt. hatte man Den Täter nicht. Als Täter war wegen Diebstahls und Mordversuchs angeklagt der aus Polen stammende Arbeiter Benjamin F ro st. Er leugnete, an jenem Tag überhaupt in Rieder-Esch- la-ch gew sen zu fet i Gr war jedoch von einem Zaug.m in der Rahe des Tatortes bestimmt er* fannt worden. Auch stand fest, dah Frost früher schon öfters in die Hofreite gekommen und d,ri bekannt war. Gr war awch schon wegen eines ächellh ausgeführt~n Diebstahls verurteitt worden. Das Geri-ht hielt auf Grund der Beweisaufnahme den Angeklagten für überführt, an dem Diebstahl als Mittäter beteiligt gewe.en zu sein, ohne jedoch für festgestellt zu erach'.en, dah der Angellrgte der Täter getreten ist, der in der Rocht nach dem Diebstahl nochmals erschienen war, um das versteckte Fleisch zu holen. Deshalb wurde Frost wegen Mordversuchs freigesprochstr, jedoch wegen der Beteiligung an dem Diebstahl zu zwei Jahren Zuchthaus verurtei.t Auch wurde auf Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt.
Kirche isnb Schule.
X Die Dekanatskonferenz der Geistlichen des Dekanats (Sieben behandelte am Dienstag im Mankussaale unter Geltung ven Dekan Guhmann eine Reihe dienstlich, r Fragen. An dm Vortrag Les Pfarrassistsn- ten S p e r b°Lollar über „Chri'lentum und Pari- fismus" schloh sich eine lebhafte Aussprache an.
dern vor allem für die Gesundheit des Sporttreibenden von gröhter Bedeutung. Vtenn man daran gehen würde, in umfassender Weise die etn- schlägigen Verhältnisse vergleichsweise bei den nämlichen Sportsleuten zu Beginn des jährlichen Trainings und am Ende des Winters zu untersuchen, so würden sich vermutlich wichtige Unterschiede im Verhalten der gesunden Rieren gegenüber den Anforderungen übermäßiger körperlicher Leistung-en ergeben.
Verletzungen beim Ski laufen ereignen sich häufig, aber doch viel seltener zum Glück, als eigentlich Gelegenheit geboten wäre. Olaf die Frage der Skibindung, ein unerschöpflrches Thema des Meinungsaustausches, sei hier nicht eingegangen. Viele Skiläufer schwören darauf, nur der von ihnen be- nutzten Bindung es zu verdanken, wenn sie bei ungeschicktem Sturz vor größerem Unheil verschont blieben. Zerrungen, Verstarichungen und Verrenkungen im Fuß- und Kniegelenk, im Schulter- und Handgelenk sind oft zu beobachten. Das betreffende Glied muß nach Möglichkeit dann ruhiggestellt werden, unter Umständen unter Benützung einer Schiene, zu der sich der gepolsterte Skistock gut eignet
Früher bedeutete der Winter eine dunlle Hahreszeit, die fern von Sonne und sommerlichen leuchtete Säle bannte. Rur Schlittschuhlaufen und Wanderungen in finstere Zimmer und künstlich er* Schlittenpartien öffneten das Fenster ins Freie. Das hat sich gründlich geänlvrt. feil das Sklfahren die winterliche Ratur in ihrer -Unberührtheit recht eigentlich erst erschlosserr hat. Aus volksgefund- heitlichen Gründen, nicht aus Vergnügimgssucht, ist nachd:ücklich eine Forderung zu stellen, die sich dieser Wandttlng der Ausfasflli'.g vorn Winter an- paßt: Ermäßigung der Fahr p v eise auf der Eisenbahn für alle Wintersportter,


