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Kl 254 Erstes Blatt

U4. Jahrgang

Samstag, 4. Gttober 1924

Erschein: iuytid), außer Sonn- und Feiertags.

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild.

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GichenerAMger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Krisenstlmmung.

Di« Verhandlungen über die Mmbilbung der Reichs re gierung beherrschen nach wie vor unsere innerpolitische Lage. Der deutsch- nationale Dertretertag hat sich mit erfreulicher Einhelligkeit hinter die Entschlie- hungen des Parteworstcrndes gestellt, und sich gum Eintritt in das Reichskabrnett grundsätz­lich bereit erklärt. Der Reichskanzler hat dar­aus seine angekündigte Aktion zur Erweiterung seines Kabinetts mit einem Empfang der Führer der drei Regierungsparteien begonnen. Alle drei haben den Entschluß des Kanzlers gebilligt, gleichzeittg an Deutschnatio­nale und Sozialdemokraten mtt der Aufforderung heranzutteten, durch ihren Bei­tritt das Kabinett nach rechts und links zu einer Regierung der Volksgemeinschaft zu er­weitern. Am Freitag haben dann die Verhand­lungen mit den beiden Flügelparteien statt­gefunden, über das Ergebnis liegen zur Stunde noch keine authenttschen Rachrichten vor. Man darf aber wohl mtt einiger Sicherheit an­nehmen, daß Herr Dr. Marx sein fast utopisch anmutendes Ziel schwerlich beim ersten Anhieb wird erreicht haben, man wird auch bezweb- feln dürfen, daß es von ihm oder einem an­dern jemals wird erreicht werden. Ein Kabinett der Volksgemeinschaft, wie Herr Dr. Marx es sich denkt, erscheint nach Lage der Dinge auf absehbare Zeit hinaus ein unerreichbares Ideal zu bleiben. Käme es wirklich zustande, trüge es den Keim des Zerfalls von E>e- burtSstunde an unheilbar in sich. Polittsch wie wirtschaftlich so extreme Parteien, wie die Deutschnattonalen und Sozialdemokraten wer­den sich in einer Regierungskoalition nur m Stunden höchster außenpolitischer Svannung und auch dann nur widerwillig, zusammen­finden, und sie werden wieder auSeinandell streben, sobald die Gefahr, die sie zusammen- fühtte, gebannt ist. Schon das Fehlen einer starken Opposition würde den Zusammenhalt einer solch umfassenden Regierungskoalitivn dauernd gefährden. Jede der Flügelpatteien würde bemüht sein, den Kurs des Reichs- schiffeS nach ihrer Seite zu drehen und einq latente Krise wäre unausbleiblich. Angesichts der sehr bestimmten Erklärungen sowohl der Deutschnattonalen als auch der Sozialdemo­kraten, nicht mit der anderen Partei eins Koalitton einzugehen, wird man auch kaum annehmen können, daß es dem Kanzler mit seinen Bemühungen um ein Kabinett von Hergt bis Löbe in diesem Augenblick wirllich ernst ist. Wird es ihm doch schon nicht leicht werden, die Widerstände im eigenen Lager und bei der demokratischen Rachbar­partei gegen eine Koalitton mit den Deutsch­nattonalen zu überwinden. Es dürste auch ,ehr fraglich sein, ob die Deutsche Volkspartei, die sich in ihrer neuerlichen Programmatischen Erklärung gegen eine Rückkehr zur sog. Großen Koalitton ausgesprochen hat, eine Einbezie­hung der Sozialdempkraten in die Regierung unter Verzicht auf den Beitritt der Deutsch­nattonalen mttmachen würde. Es ist kaum denkbar, daß der Reichskanzler für den Fall eines Scheiterns dieser von vornherein so gut wie aussichtslosen Verhandlungen mit rechts und links, den Rückttitt des Gesamtkabinetts ins Auge gefaßt hat. Damit wäre das Ziel erreicht, das die linksradikale Zentrumsgruppe um Dr. W i r t h im trauten Verein mit linkem Demokratenflügel und Sozialdemokraten seit langem in heißem Bemühen erstrebt hat: die Regierungskrise wäre da und für die dritte Kanzlerschaft Herrn Wirths freie Bahn. Man kann kaum glauben, daß sich Herr Dr. Marr zum Schttttmacher für seinen Zentrums- kvllegen Wirth und einen Linksblock hergrot. Viel mehr hat die Auffassung Berliner Blatter für sich, als ob der Kanzler aus taktischen Gründen den Versuch mache, Deutschnatronale und Sozialdemokraten zu einen, um bei seinem Sck)eitern eher die widerstrebenden Demokraten für einen Bürgerblock zu gewinnen, dem füh- -ende Persönlichkeiten der demokratischen ReichstagSsraktton, wie der Parieivorsitzende Koch und Reichswehrminister Dr. Geßler durchaus nicht so abgeneigt sind, w:e die Ber­liner und Frankfurter Linkspresse den Anschein erwecken will. Die Entscheidung, wohin die Reise gehen soll, liegt einerseits bei diesen be­sonnenen Elementen der Demokraten, die einer Verbrüderung mit den Sozialisten zuliebe nicht den Zusammenhang mit den anderen bürger­lichen Parteien und bei Reuwahlen den Rest ihrer Wähler zu verlieren wünschen, anderer­seits und nicht zum letzten beim Zentrum, das sich bislang noch nach keiner Sette sest- qelegt hat. Daß weiten Kreisen des Zentrums die emsige Geschäftigkeit Herrn Dr. Wirths und seine neuerlichen Bemühungen, das Par­teisteuer scharf nach links herumzuwerfen, sehr gegen den Strich geht, ist eine Tatsache, die noch unterstttchen wird durch die Racbncht von konservativ-föderalistischen Absplitte- rungsversuchen analog der Bayerischen Völls-

Um einKonzentrationskabinett".

Des Kanzlers Verhandlungen mit Sozialdemokraten und Deutsch- nationalen. Sozialistische Verschleppungstaktik.

Don unseremDerliner Vertreter.

Berlin, 4. Oktober.

Die Besprechungen zwischen Reichslanzler Dr. Marx und den Führern der Sozialdemo­kratie hatten insofern ein überraschendes Er- gebnis, als die Sozialdemolsaten sich bereit er­klärten, an der Regierung mitzuwirken,wenn die Deutschnationale Partei die Verpflichtung ein­geht, die republikanische Verfassung des Reiches zu stützen, und den bisherigen au he n- politischen Kurs unangetastet zu lassen. Außerdem verlangen die Sozialdemokraten die so­fortige Ratifizierung des Washing­toner Achtstundentag-Abkommens. Die bisher mit den Deutschnationalen ge­pflogene Fühlungnahme hat vorläufig noch nicht zu einem positiven Ergebnis führen können, aber es hat augenblicklich den Anschein, als ob noch nicht alle Fäden, die zu einer Verständigung füh­ren könnten, zerrissen find. Die Lage stellt sich augenblicklich wesentlich günstiger dar, als es noch in den letzten 24 Stunden der Fall war. Offenbar sind sich die beteiligten Kreise vollkom­men im klaren darüber, welche Folgen einSchei- lern der Bemühungen des Kanzlers nach sich ziehen würde. Tatsächlich gehen die Entscheidungen darum, ob für die nächste Zeit mit einer Kon­solidierung der i n n e r d e u t s ch e n Ver­hält n i s s e gerechnet werden darf, oder ob durch die Aufrollung der Regierungsfrage auf der ganzen Linie ein Kampf um die Re­gierungsmacht entbrennt, der zur Schaffung eines R e ch t s b l 0 ck e s aus der einen, und eines Linksblockes auf der anderen Sette führen würde.

Wie wir hören, beabsichttgen die Sozialdemo­kraten nicht, direkt an der Reichsregierung teilzu­nehmen und ttgendwelche Winistersihe zu be­sehen. Vielmehr wollen die Sozialdemokraten die Reichsregierung bei den parlamentarischen Ttb- stimmungen in der bisherigen Form so lange weiter unterstützen, als die Haltung des Kabinetts nicht in einem offenen Gegensatz zu den getroffenen Vereinbarungen steht. Die Hinzu­ziehung deutschnationaler Minister in das Reichskabinett würde für die Sozialdemo- kratte kein Grund zur Eröffnung einer Oppo­sition sein, wenn der Kurs der Regierung in dem bisherigen Sinne fortgeführt wird. In den vo lk s- parteilichen Kreisen bestehl zur Zeit noch der Eindruck, daß die Haltung der sozialdemo­kratischen Führer aus ein taktisches Manö­ver zurückzuführen ist.

Da sich die Verhandlungen immer noch in einem vorbereitenden Stadium befinden, ist es nicht unmöglich, daß von Fall zu Fall eine ganz neue Situation geschaffen wer­den kann, die alle bisher anscheinend erzielten Er­folge wieder in Frage stellen würde. Immerhin hält man es in den dem Reichskanzler nahe­stehenden Kreisen für einen außerordentlichen Fortschritt, daß die Erweiterung der Regierungs­grundlage nach rechts und nach links nicht von vornherein auf unüberwindliche Hindernisse stößt.

Heber den Verlauf der Besprechungen zwi­schen den Sozialdemokraten und dem Kanzler meldet tt/as Wvlffbureau, daß von den Sozial­demokraten die Abgeordneten Hermann Mül­ler, Wels und H i l f e r d i n g erschienen waren. Am Rachmittag fanden dann die Be­sprechungen zwischen den Beauftragten der deutsch nationalen Reichstagsfrak­tion und dem Reichskanzler statt. Die deutsch- nationalen Vertreter bezeichneten den Plan der Einbeziehung der Sozialdemokra­tie in die Reichsregierung als völlig neue Tatsache. Die über eine Erweiterung der Re­gierung in Betracht kommenden Gesichtspunkte wurden eingehend besprochen. Die endgültige Stellungnahme zu den erörterten Fragen wird die Reichstagsfraktion der Deutschnationalen ebenso wie die Fraktionen der anderen Par­teien in der nach st en Woche treffen. Die

Deutschnattonalen waren bei den Besprechungen vertreten durch die Abgeordneten Dr. Hergt, Graf W e st a r p , Dr. Schiele und Beh­rens. Bon der Reichsregierung waren außer dem Reichskanzler der Vizekanzler Dr. Jarres, der Außenminister Dr. Stresemann und der Reichsernährungsminister Graf K a n i tz an­wesend.

Vermittlungsaktton Dr. Stresemanns.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Ott. (Drahtmeldung.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beurteilt Außenminister Dr. Stresemann die innenpolitische Lage gegenwärtig außerordentlich zuversichtlich. Er glaubt sowohl die unbedingte Beibehal­tung des gegenwärtigen außen­politischen Kurses sowie eine Ver­ständigung mit den Deutsch­nationalen he beisühren zu können Dr. Stresemann hat sich mit dem Reichs­kanzler in vollstem Umfange verständigt, so daß man von einer grundsätzlichen Ueberein* stimmung zwischen ihm und Dr. Marx sprechen kann. Augenblicklich bietet er seinen ganzen poli­tischen Einftuh auf, um seine Partei zu einer vermittelnden Haltung zwischen Deutschnationalen und Sozialdemokratie zu bewegen.

Berliner Pressestrmmen.

In der Berliner Presse werden die Berliner Verhandlungen lebhaft glossiert. Das Organ des Reichslandbunds, dieDeutsche Tages­zeitung". schreibt, daß die Annahme der von den Sozialdemokraten gestellten Bedingungen für die Deutschnattonalen nichts anderes bedeuten würde, als sich der sozialistischen Herrschaft auf innen- wie außenpolitischem Gebiet bedingungs­los auszuliefevn und auf jede eigene Bewegungs­freiheit von vornherein zu verzichten. Erne solche Zumutung sei natürlich für eine Partei von der Bedeutung der Deutschrratioiralen unerträg­lich. Die deutschvvllsparteiliche3eit" sieht in der Haltung der Sozialdemottaten den Ver­such, die Regierungserweiterung zu verschlep­pen und wendet sich energisch gegen eine derartige Taktik.

Die Dinge vertrügen keine Verschleppung, sondern drängten zur Entscheidung. Für die Lösung der Schaffung einer Regierungsmehrheit im Reichs­tag gebe es heute eigentlich nur noch zwei Mög­lichkeiten: Einbeziehung der Deutschnattonalen in die bisherige Koalition, ober aber Auflösung des Reichstags.

Wenn es nicht gelinge, eine Verbreiterung der Regierung nach rechts herbeizuführen, werde sie im Wahlkampf gesucht werden müssen.

Das stark linksorientierte Berliner Zentrums­organ, dieGermania", wendet sich gegen die in der deutschnattonalen Presse aufgetauchte Meinung, daß der größere Teil der Zentrums­partei für die Bildung eines Bürgerblocks fei, und daß ein unbedeutende.' linker F ügel unter Füh­rung des früheren Reichskanzlers Dr. Wirth der Bildung eines Bürgerblocks widerstrebe. Die Hoffnung der Deutschnattonalen, daß sich die Zentrumspartei letzten Endes dech noch zu Äner Dürgerblock-Regierung bereitfinten würde, fet trügerisch DasBerl. Tagebl." er- Ilärt, die Entscheidung liege nunmehr bei den Deutschnationalen. Wie auch die deutsch- nattonale Entscheidung aussallr, so könne doch wohl der volksparteiliche Plan einer Regierungs­erweiterung schon jetzt als gescheitert an­gesehen werden. Entweder bleibe vorläufig alles beim Alten, oder das deutsche Volk müsse auf gerufen werden, dem anmöglichen Reichstag vom 4. Mai ein Ende zu machen. DerVor­wärts" schreibt: Sollten die Deutschnationalen aus tattischen Gründen zu allem Ja sagm, so werde die sozialdemokratische Reichs- tagsfraltton die letzte Entscheidung zu fällen haben.

Partei. So wird es sich letzten Endes im Schoß der Zentrumspattei entscheiden, ob uns eine Regierungskrisis erspart bleibt oder ob wir in einem Augenblick, in dem die auhenpolittsche Lage größte Stetigkeit erfordert, einen Führer­und Kurswechsel vornehmen von so einschnei­dender Att, wie sie die Rückkehr zur Wirth- Koalitton sein würde.

Der Reichskanzler zur Völkerbundsfrage.

Der Sinn

des deutschen Memorandums.

London, 3. Ott. (Wolff.) Der Reichs­kanzler betonte in einer Unterredung mit tem Derpner Sonderberichterstatter des ..Daily Ex­preß' : Das d:upche Doll habe herbei bisher keinen Grund gehabt, eine Beteiligung an bem Böllerbund zu erstreben, von des en Leerun­gen es naturgemäß nur für Deu tschland Negatives empfand Daß der Döllerbund in wichtigen Fragen auch positive Arbett leiste, werde wohl von einzelnen erkannt. Doch könnte man von der groben Masse des deutschen Dolles nichr erwarten, daß es angesichts der Entscheidung über Oberschlesien, um nur ein Hauptbei­

spiel herauszugreifen, be'v: d rs geneigt wäre, durch die Mitgliedschaft im Döll.rbund Ak tonen zu sanktionieren, deren Kosten das deutsche Volk selber zu zahlen hatte. Rachdem nunmehr das Reparat.onsproblem geregelt sei, glaube die deutsche Regierung angesichts der wich- ttgen Fragen, die der Entscheidung des Völler- bundes unterlägen, ihre bisherige Haltuyg auf- geben zu müssen. Die deutsche Regierung habe es jedoch für eine Pflicht der Aufrichtigkeit ge­halten, bevor sie ihren Antrag zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund stellte, sich Ge­wißheit über einige Punkte zu verschaffen, deren Bedeutung für die zukünftige Stellung Deutschlands zum Völkerbund auschlagwebend sei. Diese Punkte habe die deutsche Reg emng in einem Memorandum ft annuliert, toe djei den im Rate des Völkerbundes sfteader 10 Mrtivnen zu gestellt wurde. Die deutsche Regierung ver­lange auf dieses Memorandum weniger eine bestimmte Zu- oder Absage, sondern betrachte es als eine einseitigeErklärung, die sie aus Gründen der Loyalität vor Stellung des Anttages abgebea zu mitten glaub e lieber die einzelnen Punkte des Memorandums sei in der OessentliHkeit Vitt gesprochen worden. Deutsch­land liege im wesentlichen daran, ferne zukünftige Stellung als Hauptmacht anerkannt zu sehen.

Der Reichskanzler gegen die Ausfuhrabgabe

Die Gefährdung der deutschen Währung durch die Sonderbcftcuernng der deutschen Ausfuhr.

London, 3. Ott. (Reuter.) Der Reichs­kanzler erklärte einem britischen Pressever- tteter in Berlin: Die deutsche Regierung könne nicht umhin, ihre Besorgnis über die Anwen­dung einer dem britischen Recovery Act ana­logen Sonder st euer in anderen alli­ierten Ländern auszudrücken. Rach Auf­fassung der deutschen Regierung lasse sich diese einseittge Reparationseintreibung nicht in Einklang mit den Bestimmungen des Da- wesplanes bringen. Der DaweSplan lege ganz besonderes Gewicht auf die Frage der Üebertragung von'Reparations­leistungen auS Deutschland auf die repara- ttonSberechtigten Länder. Sei dieser Heber» tragung sei größte Rücksicht auf die Stabilität der deutschen Währung zu nehmen. AuS den in Deutschland auskom­menden Mattbeträgen, die für ReparationS- zwecke zur Verfügung ftonben, durften nach Ansicht der Verfasser des Dawes-Planes fremde Devisen nur in dem Maße erworben werden, als nicht eine Erschütterung der deutschen Währung zu befürchten sei Die Anwendung des Recovery Act dagegen durch eine Anzahl, ja vielleicht Mehrzahl der reparattonsberechtigten Länder würde in den Konsequenzen dazu führen, daß ein De­visenbetrag in Höhe von mehreren 100 Millio­nen Goldmark der deutschen Wirtschaft von vornhereinentzvgen werde, daß die deutsche Regierung die entsprechenden Summen im Innern zur Entschädigung derdeutschenExporteure aufzubrmgen hätte, und daß dadurch die deutsche Repa- ralionsfähigkeit sowohl in hohem Grade geschwächt würde als auch neue Ge­fahren für die Stabilität der deut­schen Währung heraufbeschworen würden.

Protest des Transferagenten in Paris.

Berlin, 3. Oft. (TU.) Wie die Tel» gvaphen-Änion erfährt, hat die Erhebung der 26prozentigen Reparationsabgabe durch Frank­reich auch in Kreisen, die dem Transferagenten: nahestehen, lebhafte Beunruhigung hervor- gerufen. Man weist darauf hin, daß durch die Erhebung dieser Abgabe die Durchführung des Dawesplanes im höchsten Maße gefährdet erscheine, um so mehr als sich eine ganze Reihe anderer Staaten dem Vorgehen Fl-ankreichs anschließen wolle. Damit dürfte der Transferagent den Standpunkt teilen, den die deutsche Regierung in ihrer Rote an Frankreich zum Ausdruck gebracht hat. Der Sransferagent hat in der Tat auch bereits Schritte unternommen, um die französische Regie­rung zu einer an derweit igen Regelung zu veranlassen.

Die zweite Feststellung der Repko verschoben.

Paris, 3. Oft. (WTB.) Die Repko Hai in ihrer heutigen Rachmittagssihung auf An­trag des Generalagenten für die Repa- rationszahlungen, Owen V 0 u n g , beschlossen, das Datum der zweiten Feststellung der Durch­führung des Dawes-Planes vom 6. auf den 13. Oktober zu verlegen. Dieser Beschluß der Repko ist auf Grund eines Berichtes des Agenten gefaßt to£>rbene in dem es heißt, es seien alle Anstrengungen gemacht worden, um die Maß­nahmen zu treffen, die es der Repko ermöglichen, die vorgeschriebene zweite Feststel­lung durchzuführen. Obgleich die notwendigen juristischen Arbeiten zur Ausarbeitung eines Be­richts an die Repko und an die Linker Händler für die G oldanleihe mehr Zeit in An­spruch genommen hätte, als man zunächst an­genommen habe, seien doch allerseits die größten Anstrengungen unternommen worden, um d i e notwendigen Abkommen für die An­leihe zu schassen. Unter diesen Umständen sei der Generalagent der Ansicht, daß es für die voll­kommene Durchführung der vorgesehenen Maß­nahmen unerläßlich sei, die vvrgeschriebene Fürst um wenigstens sieben Tage zu verlängern. Der Generalagent erklärte seinerseits, daß dir Annahme dieses Vorschlages notwendigerweise die UebergangsPeriode um sieben Tage verlän­gern werde.

Die Räumung der Dortmunder gone.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Oft. (Drahtmeldung.) Die Reichs­regierung hat gegenwärtig Schritte eingeleitet, um die alliierten Regierungen zu einer Beschleu­nigung der in den Londoner Ab­machung en vorgesehenen militäri­schen Räumung der Dortmunder Zone zu veoanlassen. Wie wir hören, hat die Reichsregie­rung der Erwartung ausgesprochen, daß der auf den 13. Oktober verschobenen zweiten Fest- stellungderReparationskommission nunmehr die endgültige Räumung der Dortmunder Zone folgen wird, und daß die in