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ahlen und Reparationsfrage

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unsere Zukunftsaussichten.

Solche Kraftanspannung ist um so notwen­diger, als uns fortgesetzt Gefahren der Verschte- densten Art bedrohen. Gewiß haben wir nutzer dem Hereinkommen der Goldkredite auch sonstige Defferungszeichen zu vermerken, die dartun, datz bisher der richtige Weg gegangen ift 2luf der anderen Seite enthält der gegenwärtige Wtri- fchaftszustand noch viel Ungesundes, zumal m per Preisbildung, besonders des Reichswiri- schaftsministers und erheblicher Teilerfolge auf diesem Gebiet; unsere Handelsbilanz hat sich sogar verschlechtert, und allgemeine Sorgen um unsere Volkswirtschaft hören nicht auf. Wenn so die Gelamtwegrichtung auch nach oben geht, so dürfen

Reichswehr und Wahlen.

Berlin, 3. April. (Wolff.) Der Reichswehr- minister hat das Spielen der Militär­kapellen bis 4. Mai einschließlich bei allen öffentlichen und geschlossenen Veranstaltungen von Parteien, Bünden und anderer Organisationen verboten, um gerade jetzt in der Wahlzeit auch den Schein irgendwelcher politischer Betagi- gung der Reichswehr zu vermeiden. Ausgenom­men von dem Verbot sind Konzerte sowie die Mitwirkung von Musikkapellen bei Wohltätig- keitsveranslaltungen, soweit es sich bei diesen um rein musikalische Aufführungen handelt.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer oft zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbmdlichkert preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen ü.70mm Breite 35 Goldpfennig, Pkrtzvorfchrift 2O°/o Auf. schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton Dr. Friedr. Wilh. Lange, für den übrigen Teil Crnft Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Gießen.

hrlungsurlaub nachgesucht, so wird für die Tauer der Ärbeitsversäumnis Lohnnichtgewahrt.

Reichsbankpräfident Dr. Schacht fordert Vertrauen zur Reichs- regierung. Das Ergebnis der Pariser Besprechungen.

wir doch nie vergessen, datz in unserer polrtlschen und wirtschaftlichen Bedrängnis morgen erschüttert sein kann, was heute festzastehen scheint. Deshalb darf sich niemand in Träumereien wiegen, als ob das Ziel gesicherter Verhältnisse bereits erreicht sei. Wir leben noch immer und niemand weiß, wie lange noch in einer eifern en Zeit in der vor den Schicksalsfragen des Volkes der einzelne zurücktreten muh. hinter dieser Losung, die da hecht: ^Deutschland! ,Jat tne Reichsregierung während des letzten Winters gearbeitet."

Die Feier des 1. Mai.

Berlin, 3 April. (WTD.) Entsprechend der Regelung des Dienstes am 1. Mal im Vor­jahre hat das Reichstabinett beschlossen auch in diesem Hahre den Dienst am 1. Mar dahin zu regeln daß in den Ländern, in denen der 1 Mar als gesetzlicher Feiertag landes­rechtlich anerkannt ist, auch in den Reichs- behörden und Betrieben auf die Landesgelrh- gebung Rücksicht zu nehmen ist. 3n den Ländern, wo der 1. Mai nicht als gesetzlicher Feiertag gilt, haben Boamte, Angestellte und Arbeiter-, welche zwecks Teilnahme an einer Feier am 1. Mai dem Dienst oder der Arbeit fern bleiben wollen, rechtzeitig bei ihrem Dienstvorgesetzten um Befreiung vom D i e n st nachzusuchen. .Solchen Anträgen ist grundsätzlich überall soweit zu entsprechen, als dadurch die notwendige Fort­führung des Dienstbetriebs nicht in Frage gestellt wird. Bei der Entscheidung über- derartige Gesuche soll nicht engherzig verfahren werden. Die hiernach beantragte und bewilligte Freizeit ist bei den Beamten und Aiigestellten auf den Erholungsurlaub a n z u r e ch- ncn. Das gleiche kann auf Wunsch bei den Ar­beitern geschehen. Wird von den Arbeitern nicht ausdrücklich um Anrechir-ing aus den Cr-

Lrfchet»» täglich, e<L. Setau uttb Fetcriag». «t fc. Samstagsbeitage:

F atmtien b Rätter IRonatssUesegstvds:

2 Gold mark n. 20 Gold- pfenmg für Träger lohn, such bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch> Anschlüsse: für btt SchristlriftmG 112; für Verlag und Geschäftsstelle M.

Anschrift für Drahtnach­richten AnzeigerGietze».

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Die Lohnverhandlungen bei der Reichsbahn.

Berlin, 3. April. (WTB.) Die Verhand­lungen zwischen dem Rei chs Vertehrsmi n ifte cui m und den Spitzengewerkschaften über den Lohn­tarif und die Lohnhöhe sind unter dein Vorsitz des Reichsverkehrsministers Oe se r fortgesetzt werden Es wurde eine Zulage tm Durchschnitt ten 15 Prozent vereinbart. Außerdem erklärten fick die Parteien mit Aenderungen an oerichie- benen sozialen BestininmngM des T«rifv<wtrages einverstanden. Die Vereinbarungen unterliegen noch der Zustimmung des Reichskabinetts.

Obwohl der Streik im Eisenbah ndirek- tionsbezirk Elberfeld eine geringe Aus- dehmmg erfahren hat, sind doch nur etüxi ZOO Arbeiter ausständig. Abgesehen von der vor­übergehenden Einstellung der Annahme von Stück­gut wurde der Betrieb durchaus aufrecht erhalten.

vechterhaltung der Markstabil-isierung seien die Aussichten die denkba r

Die

Berufsgenossenschaften

Zn jüngster Zeit scheint sich eine Bewegung wiederholen zu sollen, die vor etwa 30 Hahren in der linksorientierten politischen Presse mit Eifer gepflegt wurde. Man bestritt den Derufs- genossenschaften ihre Daseinsberechtigung, weil sie nicht zu wirtschaften verstünden, und suchte dies zu beweisen durch Gegenüberstellung ihrer Ent­schädigungsleistungen mit den Verwaltungskosten, indem man das Verhältnis beider zueinander in Prozentzahlen ausrechnete. Der Reichs-Unfall­versicherung geht es von allem Anfang so und nicht anders:Man kennt sie nicht, aber man kritisiert fiel So ist es denn auch begreiflich, daß die schiefsten Beurteilungen und Verurtei­lungen, wenn sie im Brustton ehrlicher Ent­rüstung vorgetragen werden, Glauben und Bei- alt finden.

Zunächst dürfte es daher die Aufgabe all« wirklich Sachkundigen fein, gegen den Haupt- vorwurf, der immer wieder erhoben wird, du Verwaltungskosten stünden tm Mißver­hältnis zu den Entschädigungen, mit sachlicher Aufklärung vorzugehen

Eine Gegenüberst ellung der Entschädigungs» urnme einerseits und der Verwaltungskosten an­derseits ist unsinnig, weil vollkommen unlogisch. Beide sind, einander gegenübergestellt, keine ver- gleichsfähigen Faktoren od^r gar Gegensätze. Die Verwaltung einer Berufs gen o ssen- schaft beschäftigt sich nicht nur mit Entschädigungs lei st ungen, sondern mit noch sehr vielen anderen kost­spieligen Aufgaben. Die Versicherung träger der Reichs-Unfallversicherung sind nicht wie die Privatversicherungsgesellschasten nur ein­teilige Einrichtungen led ig li ch zu r Schaden­vergütung, sondern sie haben vollen ^ter- sicherungszweck Einmal sollen siedenArbei- ter vo r Llnfäl len behüten und bei dennoch eintretenden Unfällen zunächst deren Folgen durch Heilbehandlung im Sinne der Wiederher­stellung möglichster Arbeitsfähigkeit zu begegnen und schließlich nach Maßgabe der noch verblie­benen Minderung an Arbeitsfähigkeit dem Ver­sicherten einen geldlichen Ausgleich getoabren.

Die Führung und Unterhaltung des Genoffen- schaftsratasters, die Llmlagearbeiten und Beitra^- erhcbung, die Unfall t>e rhütung, etnKp*. der Bcffthtigungen und alter Propaganda-An­wendungen, die Statistik, ohne welche Unfall- Verhütung ein Tasten im Dunkeln wäre und im übrigen auch die gewerblichen Verhältnisse un-

Braunschweig, 3. April. (Wvlff.) Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht empfing den Chefredakteur derBraunschweigischen Staats- zeitung" zu einer Unterredung über die Besprech­ungen, die er in Paris mit dem Sachverständigen- Itmitee in der vergangenen Woche gepflogen hatte. Er betonte zunächst, es könne nicht oft und lebhaft genug bedauert werden, daß die schwe­benden Wirtschaftsberatungen von den deutschen politischen Parteien, soweit sie Gegner der Er­füllungspolitik seien, in demagvgischer Weise in den Wahlkampf hineingezogen würden. Selbst vor persönlichen Verunglimpfungen scheuten die genannten Kreise nicht zurück, obwohl sie genau wissen sollten, daß sie mit dieser Art Politik im Znlande wie im Aus lande nur Schaden anrichten. Das deutsche Volk sollte endlich einmal von seinen Gegnern lernen unb aufhören, die eigene Regie­rung herabFusetzen. Ein Volk, das etwas auf sich hält, müsse vor allen Dingen Vertrauen zu seiner Regierung zeigen, gleichviel von welcher Partei ober Parteikonsiellation sie gestellt werde,

keine Partei, die wirklich national denke, dürfe es fertig bringen, der Regierung in aller Oeffevtlichkeit Daterlandslssigteit vorzuwer- fen. Jede Regierung müsse als selbstverständ­lich für sich in Anspruch nehmen, daß sie in allem, was sie tut und läßt, nur die Interessen ihrer Nation wahrnimmt.

Man lerne von Eng land, das geschlossen in der Außenpolitik hinter ferner ersten Arbeiter- regierung steht.

Zu den Pariser Besprechungen selbst äußerte sich Dr. Schachck wie folgt:Meine Besprechun­gen mit den Sachverständigen in Paris bezogen sich auf die Frage der deutschen Währungs­politik und den Ausbau der Reichsbank zur Goldnotenbank. Ich kann mir zum Aus­druck bringen, datz die Experten an die 3rrage mit großer Sachlichkeit und Gründlichkeit heran- gegangen sind und daß mir die Tendenz vorzu» herrichrn scheatt, das ganze Reparations- Problem auf eine wirtschaftlichtrag­bare Basis zu bringen, um die Frage damtt von der politischen Vergiftung, unter der sie bis jetzt geftanben hat, zu befreien. Ich habe kerner- lei Kenntnis darüber, welche ziffernmäßigen Vor­schläge letzten Endes in dem Expertenbericht ent­halten sein werden, aber

ich glaube, auch die Stimmung weiter französi­scher Kreise wiederzugeben, wenn ich sag», daß die Herbeiführung emer vernünftigen Lösung der Reparatisnsfrage aufrichtig gewünscht wird.

Wie immer der Expertenbericht auch aussehsn wird, es ist klar, daß die deutsche Regierung ihm gegenüber ihre volle Freiheit der Entschließung ijaben wird. Es scheint mir, datz keine Annahme einer Lösung möglich ist, die nicht die volle wirtschaftliche Gleich­berechtigung Deutschlands im internationalen Verkehr bringt, ferner die volle Wiederher­stellung der wirtschaftlichen Souve­ränität innerhalb des gesamten deutschen Reichsgebietes und die endgültige und restlose Befreiung der zu Un ht besetzt gehaltenen deut­schen Landesteile, d. h. des gesamten Ruhrgebietes. Zur Frage der Golddiskontbank erklärte der Reichsbankpräsident, daß die Vorarbeiten fo- weit gediehen seien, daß die Goldbank nächste Woche in Funktion treten könne. Für die Auf-

cder ihr nach dem Gesetz auferlegt toerben tann, würden in unverminderter Höhe bestehen bleiben, auch wenn ihnen nicht ein Pfennig an Ent­schädigungskosten gegenüberständen.

Die Höhe der einzelnen Entschädigungen hat auf die Höhe der Verwaltungskosten keinen Ein« fluß sondern nur die Anzahl derselben. Ri» drige Entschädigungsbeträge verursach«, g« dieselben Kosten wie die hohen, von der Ent, schädigungsfeststellung an bis zur Beicyeidertet« lunq und Anweisung sowie auch bei etwaigen Streftverfahren. Es hat deshalb keinen Sinn, die Geldsumme der Entschädigungen in Der- gleich zu stellen zur Geldsumme der Derwaltungs- krsten. Eine auf Verminderung der Un­fälle (Unfallverhütung) oder der Schwere ihrer Folgen (Heilverfah­ren) gerichtete Tätigkeit der Ge- nosfensch aftsverwaltung bewirkt eine Vermehrung der Berwaltu ngs - k ost en einerseits und, sobald sie Er­folge zeitigt, eine Verminderung der Entschädigungssu mme ander­seits Es ist aber geradezu widersinnig beide gegensätzlich einander gegenüberzustellen, und noch mehr aber, ein Verhältnis zwischen ihnen zu sucheUj^ ^1n ehrenamtlichen Selbstverwal­tung haben mit der Entschädigungssunnne gar nichts zu tun; sie bleiben dieselben bei hohrr Entschädigungssumme wie bei niedriger. Sie lassen sich nur vermindern unter Derzichtleistung auf die Nützlichkeit einer wohlverstandenen und wohlgeüw ten Selbstverwaltung, die bei richtiger Deriolgung der Gemeininteressen des betreffenden Gewerbes befruchtend auf die in der Geno^nschaft verenftg- ten Gewerbe wirken muß. Auch die Kosten der Zusammenarbeit mit den Verstcherienv^tretern bleiben von der Höhe der Gntschadigungsteistun» gen unbeeinflußt. .

Die außerordentlichen Verschiedenheiten m dec Gestaltung der für sich zu Berufsgenossenschaftw zusammengeschlossenen Gewerbe lassen auch zwi­schen diesen Versicherungstragecn keinerlei Der- gleichsmöglichkeiten bezüglich ih^r Verwaltungs­kosten zu Rur die absolute Große einer Ge­nossenschaft sowie ihre Zusammensetzung aus einer genügenden Anzahl großen neben- den steinen Betrieben befähigt diese mit einem verschwinden­den Prozentsatz ihrer Verwaltungskosten gegen­über den Entschädigungsauswendungen aiSzu- lrmmen. ,

Es würde aber eine sehr bedenkliche §anbhing fein, zur Erzielung großer Versicherungsträger die berufsgenossenschaftliche, also gewerblich homo- genL Struktur der Unfallversicherungstrager und damit große Werke derselben zu beseitigen, um Einrichtungen zu schaffen, von denen niemand vor» aussehen kann, ob sie sich überhaupt von allem anderen abgesehen auch nur in inateneller Be­ziehung besser bewähren werden. Aber auch ma­terielle Erleichterung der Betriebsunternehmer könnte den Verlust einer gesunden Selbstverwal­tung und die gewerbliche gemeinnützige Wirkung der Deruisaenostenschasten nicht ausgleichen. 9*

Ifeste Marksolide Wirt­schaft.

Don ReichSftnanzminister Dr. HanS Luther. Unter diesem Titel veröffentlicht Dr.

Luther tm Verlag für Politik und Wirt­schaft (Otto ötoüberg & Eo.) einenRück­blick auf die Arbeit der Reichsregkerung während der Wintermonate 1923/24 und entspricht damit einem Wunsche des Reichs- kanzlers Dr. Marx und anderer Mit­glieder des Reichskabinetts. Die Broschüre ist am 27. März abgeschlossen, schildert also die Finanzpolitik des Reiches von Anfang Oktober bis zum gegenwärtigen Augenblick. Der Luther gibt einen kurzen historischen Ueberblick über die Währungskrise, die Stillegung der Notenpresse und die Ermäch- tigungsgesehe. Diel wichtiger sind ihm aber feie Olufgaben der Gegenwart und der Zu­kunft, vor allem die Erhaltung der Stabilisierung. Er bemerkt hierzu:

ist ja ein grundlegender Irrtum, z» yfauben, daß mit der Schaffung der Renten- nxu# und der Stillegung der Notenpresse die Sache geschafft gewesen sei. Gewiß war das ein Vorgang, der kaum seinesgleichen in der Welt- gefÄchte hat. Man ist dem rasenden Automobil der Geldentwertung in die Speichen gefallen und hat es nach wenigen Rucken, die es noch machte, zum Stillstand gebracht. Aber all das wäre v^- geberto gewesen, wenn nicht alsbald ein Gleich­gewicht zwischen den Ausgaben und den Ein­nahmen im Haushalt des Reichs, der Lander und Gemeinden hergestellt worden wäre. Mit der Währungsreform, wie wir sie angefaßt haben, ist das Haus vom Dachhergtebaut worden. Hedem, der nadjbenft, muß sofort klar sein, daß die folgende Reihenfolge logisch richtig ist: Zu untetft eine in Ordnung befindliche DoÜswirtschast, die an das Ausland nicht mehr abführt als sie selbst vom Ausland bekommt, und soviel Er­träge abwirst, daß aus diesen Erträgen neben der Lebeasführung des Volkes die erforderlichen Steuern gezahlt werden können; über diesem Erd­geschoß als Obergeschoß Haushalte von Reich, Ländern und Gemeinden, in denen die Ausgaben nicht größer sind als die Einnahmen; und darüber als Dach ein Zahlungsmittel, mit dem der Ver­kehr in der Volkswirtschaft und in der Wirt- schaftsfirhrung von Reich, Ländern und Gemein­den sich vol^ieht.

Eine auf solchem Gebäude ruhende Währung ist ohne weiteres gesund. Dieser natürliche Weg aber war uns verschlossen, weil infolge des 'Ver­trages von Versailles unb des Ruhreinbruchs and wegen der außerordentlichen Verarmung unseres ganzen Volkes unsere Volkswirtschaft sich im Herbste in keiner Weife im Gleichgewicht befand und auch heute noch nicht im Gleichgewicht be­findet. Wir mußten deshalb den umgekehrien Weg gehen, da ja die Herstellung eines Gleich­gewichts unterer Volkswirtschaft überhaupt nicht allein in unserer Hand liegt. So schwer die währungspolitischen Maßnahmen zur Stabilisie­rung der Währung waren, die finanzpolitischen Maßnahmen zur Erhaltung dieser Stabilisierung waren ungleich schwerer. Nun £inn man ein Dach natürlich nicht ganz frei in die Luft bauen. Es war infolgedessen zunächst ein Hilfsgerust erforderlich, das dem Dach sofort untergeschoben wurde. Dieses Hilfsgerüst waren die Renten- m a r k k r e d i t e, die dem Reich durch die Renten- markverordnung gegeben wurden.

Was aber wird nun die weitere Zukunft bringen? Das Leitmotiv der Regierungsarbeit dieses Winters war der feste Wille, aus eigener Kraft zur Rettung unseres Volkes soviel zu schaffen wie nur irgend möglich Unter dem Druck fees Vertrages von Versailles und mit der blu­tenden Wunde des Westens an unserem Volks- unb Wirtschaftskörper können wir, wie jedermann weiß, eine endgültige Lösung aus eigener Kraft nicht herbeifuhren. Aber auch diejenigen ausländi­schen Kräfte, die eine endgültige und für uns tragbare Lösung wollen, erwarten von" uns, daß wir selbst äußerste Kraftanstrengungen machen. Dabei überschätzen viele von ihnen das Maß dessen, was wir auf die Dauer zu leisten ver­mögen. Hier liegt noch eine sehr große Gefahr. Die maßgebenden Weltmächte nebst ihren Sach­verständigen von solchen irrigen Schlußfolgerungen abzubringen, ist ein Hauptgegenstand unserer diplomatischen Arbeit. Wie das Ergebnis dieser diplomatischen Bemühungen aber auch srin möge, fo müssen wir uns dauernd bewußt bleiben,, daß totr auch, und gerade um unserer selbst willen, alles aufbieten müssen, um Volk und Vaterland in einheitlichem Leben zu erhalten und dadurch nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die sittliche Grundlage zum Wiederaufbau zu schaffen. 3m Dienste dieses höchsten Irdischen Zieles müssen alle selbstischen Beweggründe des einzelnen zurückweichen. Je stärker im Staat und auch im Empfinden jedes einzelnen die Kraft wird, die das Vaterland über alles stellt, befto besser werden auf die Dauer in jeder Hinsicht

ftigften. _________

Unterbindung von Auslandsreisen.

Berlin, 3. April. (WB.) Auf Vorschlag des Reichs kab.netts hatterReichspräsrdert sich entschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Reiseverkehr Deutscher ins Ausland, soweit er nicht um der Gesamtheit des Volkes, willen notwendig ist, nach Möglichkeit einzu- dämmen. Es ist deshalb die Vorschrift des Markausfuhrderbvts, wonach nicht mehr als 10 engllsche Pfund =- 200 Goldmark in deut­schem Geld ausgeführt werden dürfen, mit Wir­kung vom 1. 4. ab auf den Reiseverkehr a n a e w e n d e t. Die Gesamtbegrenzung des mit- zunehmenden Geldes auf 500 Mark bleibt be­stehen, doch so, daß der Reisende sich die anderen 300 Mark, die nur in ausländischem (Selbe mit­genommen werden dürfen, nach den in Deutsch­land gültigen Vorschriften in Deutschland ver­schaffen muß.

Außerdem ist für die AussteNimg der so- genannten steuerlichen UrrbedsnMchke^tserklas rrmg eine Gebühr von 500 Mark für reden ausreisenden deutsche« Reichsangehörigen vorgesehen.

Befreiungen für den notwendigen Wirtschafts­verkehr, für die Kindertransporte ins Ausland und einige andere Ausrnchmefälle sind zugetaffen. Der Text der Brrordnung, die bereits vollzogen ist wird sofort befcurntgegeben. Bereits ausge­stellte Anbedeiiklichteitserillärangen verlieren mit dem 10. 4. ihre Gültigkeit. Es ist Vorsorge ge­troffen, daß sofort an der Grenze wieder eine verschärfte Kvmtrolle über das Vor­handensein der hiernach Dorgcfcb riebenen steuer­lichen ^nbebeEchkeitSbeschsrnjgungm sowie die Geldbeträge, die mitgenommen werden dürfen, <-ingeführi wird. Sowett erforderlich, wirb daher auch die Zollwntrolle in den Zügen vorüber­gehend aufgehoben und wieder in die Adferftg- ungsräume der Grenzbahnhöfe rertegt werden müssen. Die Reichsvegievung muhte sich zu den Maßnahmen epl-schliehen, die sie, je eher desto lieber, wieder aufheben möchte. Die Auslands­reisen hatten aber ein derartiges Liebermaß an» genommen (es befinden sich 70 000 Deutsche im Ausland), daß mit der Verbringung großer un- produktiver Mengen deutschen Geldes ins Ausland die für die Arrfrechterhaltung der Wahrung verbundene Gefahr

einen Aufschub nicht mehr duldete. Das Reisen ins Ausland gibt auch der Welt, obwohl es tat­sächlich zum erheblichen Teil darauf beruht, daß der Aufenthalt im Ausland billiger ist als im Inland, em völlig falsches Bild von der deutschen Leistungsfähigkeit und hat dadunh zu viel Aergernis im Inlande und Auslande Veranlassung gegeben. Da Maßnahmen wie die übengenaimten für sich allein eine hinveichmde Einschränkung nicht gewährleisten können, richtet die Rrichsrcgterung gleichzeitig an alle Deutschen die dringende Ditte, Auslandsreisen, sowett sie nicht für den Einzelnen Lebensnotwendigteit sind, auch aus freiem Entschluß zu unterlassen. Die unterstützenden gesetzlichen Maßnahmen waren nicht zu umgehen, da, worüber ja alte Deutschen einig sind, nichts unterlassen werden darf, was erforderlich ist, um unsere Währung zu stutzen.

Erstes Blatt 174- Jahrgang Kett<

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Drwf mrt verla-: vrSHNche UrrtverstMs-Bvch- und LtLmäruckerei A. Lauge in Gietzen. Zchriftleitung und Gefchaftrftelle: Schulftratze 7.