Rüglands neue Währung.
Moskau, 3. März. (Rufs. Telegr.°Agtt.) Die neuen Silbermünzen, die wertbeständigen Staatskassenfcheure unb die Preissenkungen werden von allen Schichten der Bevölkerung freudig begrübt. Die Regierung konzentriert auf die »Durchführung der Finanzrefvrm ihre ganze Energie. Sie hält diese Reform nicht für ehre lediglich technische und finanzielle Aufgabe, sondern für etne Aufgabe von polittscher Bedeutung. Die mit der Finanzreform verbundenen Maßnahmen werden mit besonderer Schnelligkeit und Entschlossenheit durchgeführt Heute wurden in diesem Zusammenhang vier Beiordnungen erlassen. Die erste Verordnung orbnct
die Llnrstrllmrg aller Verträge, Tarife usw.
f auf Gsldvaluta
<an Me zweite behandelt die Frage der Löhne, die trän jetzt ab in Tscherwonetz berechnet und nur in fester Währung gezahlt werden sollen. Die dritte Verordnung sieht den Abbau Der Kleinhandelspreise vor. Die Preise 'im Kleinhandel waren gestiegen, weil «die Händler angesichts der Entwertung des Svwjetgeldes mit einer Risikoprämie gerechnet hatten. Die vierte Verordnung bringt die Verpflichtung zur regelmäßigen Veröffentlichung der Kleinhandelspreise in Goldwährung. Um den Abbau Der Getreidepreise zu erreichen, wird bi$ Zufuhr der vom Staate gesammelten Vorräte in sden Industriezentren verstärkt. Die Preise für 'Baumwollstoffe, Leinenwaren, Petrtteum, Zucker 'unb sonstige Waren des täglichen Bedarfs wurden zehn bis 20 Prozent herabgesetzt. Eine 'Ermäbigrmg der Transporttarife steht ebenfalls bevor. — Gleichzeitig mit diesen Maßnahmen sind
energische Maßnahmen finanzieller Art getroffen worden. Die Ausgabe von Tscherwonetz ch stark herabgrsehi worden. So hat die Staats»
weitere sechs ÄanbiDaten ausgestellt, die tote Fleiy- ner alle dem linken Flügel der Partei an- gehören.
Die Tarifpolitifc der Reichsbahn.
Magdeburg. 3. März. (Wolsf.) In einer Lffenllichen Versammlung der deutsch-demorrati- schen Partei schilderte Reichsverkehrsminister O e s e r die Lage, in der die Eisenbahn sich befand. als sie aus der Reichsverwaltung ausschied. Ohne Kapital und Reserven auf der einen Seite »und mit groben Verpflichtungen auf der anderen Seite, mußten die Konsequenzen aus der Lage gezogen werden. Daher habe er. führte der Minister aus. die Reichsbahn als selbständiges Unternehmen hergerichtel. Daß die Reichsbahn nicht früher aus der Defizitwirtschaft herausgekommen sei. fei die Schuld des Ruhrunternehmens. In der Zeit &om März bis Oktober v. I. habe die Reichsbahn fünfmal mehr ausgegeben, als eingenommen. Die Rentemnark fei auch für die Reichsbahn das Mittel zur Gesundung gewesen. Es sei der deutschen Reichsbahn gelungen, bis zum Dezember das Gleichgewicht im Haushalt wieder herzustellen und im Januar sogar schon einen kleinen Ueberfchuh zu erzielen. Zur Frage der
Personen- und Gütertarife erklärte der Minister, dabei habe man in erster Linie die Frage entscheiden müssen, was für das .Doll notwendiger fei, daß Personen billiger befördert werden, ober daß die Gütertarife herabgesetzt werden. Das letztere sei für die Wirtschaft sicher das bedeutungsvollere, doch werde auch auf dem Gebiete der Erhöhung der Personentarife versucht werden. Harten zu vermeiden. Sv werde sich die Reichsbahn dafür einsehen, daß die Zeit- Harten nicht erhöht werden. Feriensonderzuge würden mit einer Ermäßigung von 33VS Prozent befördert. Auch für den Berufsverkehr und den Svnntagsvertehr werde man Ermäßigungen schaffen. Der Lichtbildzwang für die Zeitkarten habe in dieser Hinsicht den gehegten Befürchtungen nicht recht gegeben. Bei einet einzigen Eifenbahndirek- livn feien nach Einführung des Lichtbildzwanges tun 40 Prozent mehr Zeitkarten bestellt worden.
Die Sachverständigen.
D a r i s, 3. März. (WB.) Reichs bankpräsident Dr. Schacht, der heute abend Paris wieder verläßt, verhandelte heute vorinittag und nachmittag fünf Stunden mit dem Dankunterausschuß über die zu gründende Goldkredllbank. Cs wurden gewisse noch zu tlärenbe Einzelfragen biäEu.urt und unter anderem auch der Uebergang der G old - ikreditba n k in die geplante endgültige Bank besprochen. Reichsbankpräsident Dr. Schacht wird am kommenden Montag nochmals mit dem Dankunterausschutz verhandeln. — Das Komitee Mac Ken na wird seine offiziellen Sitzungen am 10. März wieder aufnehmen. Man hofft, dah die endgültigen Berichte ber Repara- tionskommifsion Ende der nächsten Woche 'überreicht werden können.
DIsWWWmM
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans Dominik.
B7. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Am Ausgang der Laubc drehte sie sich nochmals um.
»Adieu, Sie Mr. Gut . . . Sie Papagei . . . Sie Ungeheuer . . . Sie, Sie . . *
Mit drei Schritten stand sie vor Wellington Fvr und hielt ihm die fleine geballte Faust v)rs Gesicht. Da fühlte sie sich plötzlich neben Fox sitzen und ein anderer Mund verschloß den ihren. Erst nach geraumer Weile klang die Stimme Wellingtons wieder:
.Glaubst du wirklich meine liebe kleine Helen, Wellington Fox liehe sich das Glück feines Lebens entg.hen, weil ein alter, harter Mann ihn seines schmalen Deutels halber nicht für würdig hält? Ihn und alle seine Schätze mag der Teufel . . ."
«Wellington, es ist mein Vater."
„Gelber, Helen! Doch Geduld. Wir wollen sehen, wessen Schädel auf dir Dauer der härtere ist."
Wellington, du hrffst ihn zu zwingen? Ifw 1171 ich nie im Leben die Deine werden, ^^.tvemr du wühlest, wie grenzenlos unglücklich ‘ Tränen erstickten Helens Stimme. Weinend barg sie ihr Gesicht an Wellingtons Brust.
„Geduld, Geduld, kleine Helen! Ich weih, wie man Leute vom Schlage deines Vaters auf jCTne Seite zwlngt. Man mutz etwas tun, was ihnen imponiert, was ihnen Respekt beibringt.
vanr ttn Januar 30 Millionen Tscherwonetz aus- gegeben, für März gestattete die Regierung nur eine Emission von 6 Millionen Tscherwonetz. Das auf 160 Millionen festgesetzte Ausgabenbudget für März ist auf 147 Millionen herabgesetzt worden. Don diesem Betrage werden 120 Millionen durch Steuereinnahmen gedeckt, der Rest wird durch Kreditoperationen aufgebracht.
Das Volkskommissariat für bi? Finanzen gibt bekannt, daß die feste Währung nicht der Deckung des Defizit, sondern lediglich dem Waren um- tausch dienen soll. Der Umlauf der festen Währung wird nur entsprechend ber Entwickelung des Warenaustausches vermehrt. Die scharfe Begrenzung der Emission sichere ber neuen Währung einen festen Kurs.
Die moderne Türkei.
Konstantinopel, 3. März. (Wolff.) Die Ratior alversammlunz bcsch'otz die Absetzung des Kalifen und die Abschaffung des Kalifats. Die Konservativen machen nur eine schwache Opposition und schlugen vor, das Kalifat entweder dem Präsidenten oder ber Rational- Versammlung zu übertragen. Dieser Vorschlag wurde verworfen. Der Präsident Mustafa Kemal Pascha unterstrich bei ber Eröffnung ber Session ber Rationalvcrsammluug, dah die türkische Ration fest entschlossen sei, ber republikanischen Auf Fassung zuverlässige Grundlagen zu sichern. Er spielte auf die Herabsetzung bet Militärdienst zeit auf 1 Vs Hahre an und hob hervor, datz dieser Beschluß den Willen ber türkischen Regierung, nur im Falle unbedingter Rotwendigkeit zu den Waffen zu greifen, anher Zweifel setze. Der Präsident besprach im ein^hen die Gesetze über die Finanz- u nd Wir t schaf tsrefvrmen, die geplanten Eisenbasnbauten und den Entwurf des hygienischen G.setzes und gab sodann wichtige Erklärungen über die Vereinheitlichung des Unterrichts ab. Unter anderem vertrat •er die Beseitigung des religiösen Unterrichts in den Spezialschulen. Der Prä,ident forderte eine Strafverfafsung, die durch Beseitigung der religiösen Gerichtshöfe eine moderne e inheitliche Rechtsprechung sichern solle. Die Ratifikatirn kes Derttages von Lausanne, erklärte Kemal, werde nur mittels K onzefsionen erfolgen. Mustafa Kemal Pascha trat auch für den eventuellen Beittttt der Türkei zum Völkerbünde ein.
Kleine politische Nachrichten.
Das Reichskabinett genehmigte in feiner heutigen Sitzung den Entwurf eines Gesetzes, das den Reichsminister ber Finanzen ermächtigt, Reichssilbermünzen über 1,2,3 unb 5 Mk. Herstellen zu lassen. Der Gesamtbettag der neuen Reichssilbermünzen soll bis auf weiteres fünf Mart für den Kopf der «Bevölkerung des Reichs nicht übersteigen.
*
Am Samstag haben auch die Werften in Stettin die Betriebe geschlossen -und bie Arbeiterschaft ausgesperrt, nachdem beretts vor einigen Tagen bie Werften in Ha mburg, Bremen unb Kiel bie Betriebe geschlossen hatten, weil die Arbeitnehmer bie Annahme des in Hamburg gefällten Schiedsspruches auf Einführung ber neunstündigen Arbeitszeit abgelehnt hatten.
*
Der Parteivvrstanb der Deutschen Bvlkspartei hat beschlossen, den diesjährigen Parteitag auf den 29. unb 30. März nach Hannover einzuberufen. Bei ber Unsicherheit der politischen Lage ist dieser Beschluh laut „Zeit" jedoch noch nicht als endgültig aufzufassen.
*
Die Verhandlungen über bie Lieferungen von Material durch Deutschland an Hugo- f [a toten sind beendet, so bah die Lieferungen für die Reparationen in Kraft treten können. Das Deutsche Reich erkennt die jugoslawischen Rechte auf einen Teil der Bestellungen am, für welche Deutschland Vorschüsse geleistet hat.
*
Die deutsch-polnischen Verhandlungen vor dem Völkerbund über die Erwerbung ber polnischm StaatsangeHörigkeK sind bis zum 9. März vertagt, da sich in keinem wesentlichen Punkt eine Ucbeveinftinrmung erzielen lieh.
*
Morgan reift am 4. März nach Reapel. 3n Reuhorker Dörfenkreisen ist man ber Ansicht, bah Morgan während feiner Anwesenheit in Europa zu einer Konferenz über die deutsche und bie ungarische Anleihe eingeladen werden wird.
♦
Havas berichtet aus Angora, daß bie deutsch-türkischen Verhandlungen dem Abschluß eines Freundschaftsverttages geführt haben, der heute, am 4. März, unverzeichnet wird.
Und warum sollte das nicht auch deinem Wellington gelingen? Roch einige Wochen. Dann rst die Saat reif, bann . . .“
Die weiteren Worte gingen ttl einem unverständlichem Gemurmel unter.
»Du sprichst so geheimnisvoll, Wellington, was meinst du?"
^Richts, nichts, kleine Helen. Doch noch ein8, Liebste. Es könnte sein, dah bu mich in den nächsten Tagm vergeblich erwartest. Vielleicht kann ich sogar vor eurer Abreise nach Asien überhaupt nicht mehr hierherkommen."
„Warum nicht, Wellington? Was sollen diese Andeutungen? Was hast bu vor?"
Helen drängte sich ungestüm an Wellingtons Brust.
»Vichts Besonderes, Pebe Helen. Mein Beruf zwingt mich häufig zu unvorhergesehenen Rttscn . . . Es könnte sein, dah ich morgen . . . wichtige Geschäfte ... aus ein paar Tage verreisen mühte. Das ist alles. Wünsche mit mir, oaß diese Reise guten Erfolg hat. Sie wird uns auch nuferem Glück näherdringm. Am Dalkaschsie treffen wir uns bestimmt wieder."
Es war eine kleine, gut bürgerliche Teestube, die Tschung Fu in ber Chino toton t».i Frisko hielt. K.ine Ha'emrbeiter, keine Wäsche'-. Köche oder dergleichen Volk ve.kehrt^ hier. Rur das bessere Puvlikum, Kaufleute Händler unb jene gelben Künstler, die mit unendlichem Geschick und noch gröfterer Ausdauer die Erzeugnisse chii-'e- siscben Gcnrerbefleihes, die wunderbavLN Lack-
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 4. März 1924.
(£tit Protest
des Hessischen Nentnerbundes.
rm. Der Rentnerbund, La ndes- gruppe Hessen, nahm am Sonntag in einer unter dem Vorsitz des Bürgermeisters a. D. P o r t h - Offenbach stattgehab.en auherorbent- lichen Hauptversammlung in Darmstadt nachstehende Entschließung zur Aufwertungsfrage unb zur 3. öteuernotoerorbnung! einstimmig an: „Die Zinsleistung mit Scheingelb war feit 1919 ein Betrug um den erheblichsten Teil der anzusprechenben Rente. Die dritte Steuer- Notverordnung unterstellt, bah durch den Zins- betrug die Eigentumssubstanz verloren sei unb schiebt den Schuldnern bis 85 und mehr Prozent der Eigentumssubstanz zu, nur um sofort 1,7 Prozent des gesamten Schuldbetrags der Reichskasse zuzuführen. Sie heiligt den Rentenbetrug und krönt ihn durch den Rentenraub. Die Versammlung fordert von dem Reichstag sofortige Aufhebung ber sog. Aufwertungsbestimmungen unb Beschaffung ber erforderlichen Reichseinnahmen durch Inanspruchnahme von 50 Proz. des seit 1918 erwachsenen Vermögenszuwachses, zahlbar in 10 oder mehr Zähren."
*
** Die merkwürdige Naturerscheinung, über bie am Freitag in unserem Blatte berichtet würbe, wird in einem Briefe, den „ein alter Soldat unb Bewohner der Wttden- gaffe" uns schickt, in einer Weise aufgeklärt, die wohl niemand erwartet hat und die eines heiteren Anstrichs nicht entbehrt, obwohl es sich dabei um einen groben Unfug handelt. Zn dem Briefe heißt es: „Die merkwürdige Raturerscheinung am Mittwoch, 27. Februar, nachmittags gegen 6 Ubr, bestand aus einer Leuchtrakete, wie diese wäh.-end des Weltkrieges stets int Felde benutzt würben. Dieselbe wurde von einem jungen Manne von einem Dache des mittleren Reuen Weges abgeschossen, nahm ihren Weg laut zischend über das Dach des Sattlermeisters Groß, Reuen Weg 32, entlang nach der Zohannesstrahe unb verpuffte dort glücklich. Der unerfahrene Schütze feuerte nicht in bie Höhe, sondern wagerecht, also Flach- bahngeschoh."
** Aus dem Gießener Standesamt s r e g i ft e r. Es starben in der Zeit vom 18. bis 29. Februar: 18. Wilhelm Walldorf, 13 Jahre alt, an der Lahn (Wohnwagen), Oskar Alfred Walldorf, 9 Jahre alt. An der Lahn (Wohnwagen), Erwin Hannawacker, 11 Jahre alt, Seltersweg 81£/io- 19. Jakob Diehl, Fuhrmann, 49 Hahre alt, Kirchstraße 12. 20. Lucie Donau, Kontoristin, 20 Hahre alt Ludwigstt. 8. Amalie Luise Theresie Müller, gab. Gunkel, Witwe, 78 Jahre alt, Wetzlarer Weg 41. 23. August Keller, ohne Beruf, 80 Jahre alt, Licher Straße 74. 25. Luise Hoerster, geb. Scheer, 74 Jahre ajt, Credner Straße 6; Kurt Hammel, 9 Monate alt, Kaiserallee 3a. 26. Heinrich Leh- leitner, Schreiner, 57 Jahre alt, Schottsttaße 11. 27. Anna Elisabeth Lemp, ohne Beruf. 71 Hahre alt, Walltorsttahe 44; WMi Kappes, Grenadier, 19 Jahre alt, Licher Straße 65. 29 Margarete Schultheiß, geb. Siegel, Witwe. 73 Jahre alt, Dordanlage 7; Anna Weber, 1 Tag alt, Stein- stvaße 35.
△ D er Verein ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen bag'ung am Sonntag abend in der Turnhalle die Feier seines Sttstungsfestes. D.e Kameraden waren selbst aus entlegenen Orten des Kreises Gießen herbeigeeilt. Als Ehrengast hatte sich ber letzte Regimentskommandeur der Oeibbragoner, General Meister, ein gefunden. Der Dereins- vorsitzenbe E i b m a n n fchwß f.tne Begrüß ungs« ansprachr mit den prächtigen Worten: „Das Leib- d-agvner-Rcgiment ist zu Grabe getragen, aber die unauslöschliche Kameradschaft lebt.“ General Meister überbrachte als Bundespräsident der Leibdragoner-Vereine Glückwunsch? unb ein Dragonerbild als Festgabe. Er regte erneut eine Sammlung zur Er ichtung eincs Gedenksteines für die gefallenen Regimentskameraden an. Oswald - Gi ßm schilderte die Treue der Pfalzer und Rheinländer und schloß mit einem Hoch auf das deutsch: Vaterland. Der Vertreter des Darmstädter Llnteroffi ier-Vere'ms der ehemaligen Leib- bragr>ner, Spöhrer- Darmstadt, schenk e dem Kreisd'rttn Gießen eine prachtvolle Tischstandarte in den Farben des Regiments und mit dessen Ramenszug. Den Abschluß des Festes bildete eine zu Herzen gehende Gedenkfeier zu Ehren ber Gefallener. Anschließend fand eine Sammlung für den Gedenkstein statt, der in der Garnison Darmstadt errichtet werden soll
*
S^rnpfBen.
— Tageskalenber für Dienstag: Stadttheater: 7 Ahr „Katja, die Tänzerin". — Familienabenb der Lukasg?meinde: 8 älhr im Lukassaale Vorttag von Geh. Oberkonsistorialrat
und Filigranarbeiten herstellten, bie in ber Hauptstraße von China down in den Basaren verkauft wurden.
Aber diese solide Teestube war nur ber Vorhang vor schlimmeren Dingen. Die gelben unb wtthen Gäste Tschung Fus konsumierten nicht nur den buftigon Trank ber Pekkoblüle. Sie huldigten auch, dem Genüsse des Opiums. Diesem Zweck, dienten die hinteren Räume des Tee Hauses.
(Sine kaum sichtbare Tür an der Wand der Teestube. . .- Ein (langer, winkliger Gang . . . Ein Vorhang . . . Roch einmal ein Stück Gang . . . Ein zweiter Vorhang, unb man war in dem Raum, in welchem Tschung Fu fernen Gästen, aber nrr wohlci 'g führten und unr ex,ingt zude lässigen Gästen, das verbotene Rarkotikum verabreichte.
Ein großer, nur durch künstliche Beleuchtung erhellter Raum. An den Wänden kleine, durch Vorhänge vcr'chlleßba'.e Rischen. 3m Raume selbst noch zahle.ich jc-e niedrigen, weichgep)lster° tert Lager, auf denen bie Op'rumraucher den Genuß ihres Rausches mit gelösten Gliedern auskosten konnten.
3n den Vorhängen, im H)lztoerk der Wände, ja im ganzen Raume haftete unvertilgbar der süßliche, für den Angewohnten widerliche Dust des kalten Oprmnrauches.
Es war um die dritte Rachmittagssttinde. Schon hatte das Likal Tschung Fus reichlichen Zuspruch gehabt. Alle Rischen des hinte-en Raumes waren be'egt, alle Polster und Kissen im Raume selbst besetzt. Gelbe unb auch einzelne Weiße la-en h er. Die meisten bereits im tiefen Rausch. Rur einige wenige noch fähig, die Pfeife zum Mund zu führen ... die letzten Züge zu hm, bie sie in das Land glücklicher Träum» brtit-
Petersen „Die Pflege des religiösen unb kirchlichen Lebens".
— Ast s dem Stabttheaterbureau wirb uns geschrieben: Um aus dem Heilern Gebiete etwas Ansprechendes zu bringen, hat die Direktion aus der Fülle ber meist allzusehr auf sog großstädtischen Geschmack eingestellten Reuheiten den sattrischen Schwank von Karl Strecker ^D as Krokodil" gewählt. Das lustige Werk hat bereits in einer Anzahl von Städten großen Heiterkeitserfolg erzielt, der ihm auch hier bei ber außerordentlich sorgfältigen Verteilung unter OEar Feigels Spielleitung beschieden fein dürfte.
— Die Vortrags-Vereinigung wird morgen. Mittwoch, einen Lichtbildervortrag veranstalten. Zahlreiche Austiahrnen aus dem an Ra- turschönheiten reichen Rothenburg, das man mit Recht die „Vergißmeinnichtstadt" nennt wird ber Rebner im Laufe seines Vortrages zeigen können. (Siehe heutige Anzeige.)
— Ober hessische Gesellschaft für Äatur- und Heilkunde. Rächsten Donnerstag abend Vorträge von Prof. Cermak und Prof. Erhard. (Siehe Anzeige.)
— T. V. 1 84 6. Rächsten Donnerstag abend Vorttag in ber Turnhalle. (Siehe Anzeige.)
— D. H. D. Morgen abend Monatsversamm- Tung. (Siehe Anzeige.)
— Radklub Germania. Morge»-abend auherord. Generalversammlung. (Siehe Anzeige.
Landkreis Gietzen.
h. Lollar, 3. März. Die Einführung der z e h n st ü n d i g e A r b e i t s z e i t rst feit der vorigen Woche auf ber hiesigen Buberusschen Main-Weser Hütte ohne Schwierigkeit und reibungslos burchgeführt worden. Leider findet bis jetzt nur eine beschränkte Zahl Arbeiter auf dem Werke Beschäftigung, unb die Arbeitslosigkeit bringt dauernd vielen Familien Sorgen.
h. Daubringen, 2. Mär-z. Die m ber hiesigen Kleinkinderschule statt gehabte Generalversammlung des Vereins Kinderfreund ergab nach dem Jahresberichte die erfreuliche Tatsache, daß das gemeinnützige Werk (Erhaltung ber Anstatt) dank ber verständnisvollen Unterstützung ber Mitglieder, der Gemeinde unb mancher Gönner (Firma Scheidhauer u. Gießing, Mainzlar, Reichsdirektion Frankfurt a. M. Staat, Auslandshilfe) als gesichert gelten kann. Der seitherige Dorstand wurde emftimmig wiederge- wählt. Leider ist das durch amerikanische Freunde im vorigen Jahr dem Verein zugewendäe Kapital infolge der Inflation wertlos geworden Bürgermeister Preis dankte zum Schiuß im Ramen ber Gemeinde dem Vorstände für seine Geschäftsführung und insbesondere dem Rechner Wilhelm A l ba ch für seine Mühewaltung.
f. Altenborf a. d. Lda., 3 März. Gestern abend hiett Heinz Wendel im Auftrage ber LigazumSchuheber deutschen Kultur in gutbesuchter Versammlung einen Vorttag übet das Thema »Auf dem Wege zum nächsten Krieg?" Der Redner, dessen Ausführungen mit Z.ateresse verfolgt wurden, zeigte, daß die Wahrscheinlichkeit eines künftigen Krieges zwischen Frantteich unb England sehr groß ist unb betonte, daß dann das Schicksal des Ruhrgebietes endgültig besiegelt werde. Die Möglichkeit, bei diesem Konflikt auch ein Wort mttreben zu können, biete sich für uns nur bann, wenn bas deutsche Volk im Innern endlich zur Einigkeit gelange unb das Q^terland über die Partei- unb Standesinteresien
sk. Reis kirchen, 3. März. Gestern fand im Gundrumschen Saale dahier eine Volks- kundgebung für die deutsche Pfalz unb das deu tsche R Hein land statt. Ansprachen unb Vorträge wiesen auf bie Bedeutung des Tages hin. Dazwischen wechselten Darbietungen einer Musikkapelle, des Gesangvereins unb einer Schulklasse. Btt ber heute erfolgten Gelbsammlung kamen nahezu 200 Goldmart zusammen.
* Göbelnrod, 2. März. In dem Bericht über bie Fahnenweihe des Gesangvereins Eintracht (im „Gieß. Anz." vom Samstag) muß ber Rame des Gründers richtig heißen: Lehrer Koch-Rödgen, ferner ber des jetzigen Dirigenten Moebus (nicht Meber)- Reiskirchen.
ri Lich, 3. März. Aus ber zur Zeit benutzten Abteilung unseres Friedhofs ist bald kein Platz mehr. Deshalb sollen im Frühjahr bie nordwestlich von der Friedhofskapelle liegenden ältesten Kindergräber zur Benutzung für Reihengräber hergerichtet werden. — Die Drennholzversteigerungen in den hiesigen, weit ausgedehnten Waldungen ziehen stets viele Kauflustige von auswärts, besonders aus ber holzarmen Wetterauorten zwischen hier und Butzbach, an. Die ftarfe Nachfrage nach Holz bewirkt hohe Preise. Da eine Zuweisung von Holz an die hiesigen Einwohner diesmal nicht beabsichtigt ist, soll am nächsten Freitag durch eine nur für Licher bestimmte Holzversteigerung der Bevöllerung Gelegenheit gegeben werden, sich mit dem nötigen Brennstoff zu versorgen. — Durch eine reiche Sendung von Dollars unb
gen sollten. Tschung Fu war zufrieden. Jede hier gerauchte Pfeife brachte ihm ein blankes Goldstück bon den bewährten alten Gästen . . . diel größere Beträge von denen, bie zum ersten Male kamen, die erst ebn geführt wurden ober sich selbst einfuhren wollten.
Hetzt begleitete der Wirt bienemb und kriechend Collin Cameron und dessen Begleiter, cht gelbschwarzes Halbblut, in den Raum.
„Es tut mir sehr leid, Mr. Cameron . . 4 alle Kojen sind besetzt . . .“
C-vllin Cameron blieb zögernd mitten im Baume stehen. Ein halbnnterdrückter Fluch kam über seine Lipden. Sein Blick glitt über die Gäste, die hier als die willenlosen Sklaven einer Droge und einer Leidenschaft auf den Kissen lagen.
«... Verdammtes Pack! . . . Versoffenes Lumpengesindel . . .“
Er machte eine Bewegung, als ob er den nächsten mit einem Fußtritt von seinem Lager hinabschleudern wollte.
Der Wirt deutete einladend auf einen unbesetzten Tisch in ber Mitte des Raumes. Collin Cameron fragte: „Wer ist h'er?"
„Rur alte Bekannte! Sichere Leute . . . Sie schlafen alle. Sind im siebenten Paradiese. Man formte sie chrnausttagen, ohne daß fix? es merken."
Roch einmal ein kurzes ileberleqen. Dann ließ sich Collin Cameron an dem Mittel tisch nieder und lud seinen Begleiter durch eins Handbe- toegung ein, das gleiche zu tun. Der Wirt brachte ihnen selbst ban frischen See. Dann zog er sich scheu zurück.
(Fortsetzung folgt)


