Ausgabe 
4.1.1924
 
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werde Deutschland stets für den Handel Ruh- londS und für die russische Gesamtwirtschaft eine große Rolle spielen.

Der Berliner Metallarbeilerstreik.

Berlin, 4. Han. (Priv-Tel.) Die für ge­stern nachmittag angelegten Verhandlungen vor dem vom ReichSarb^ismintster gestellten Schlich­ter, dem früheren Reichs wirlschaftsmintster Wis­se l l, zur Beilegung des ÄonfüLti in der Berliner Metallindustrie scheiterten daran, dah die Unter­nehmer die Unbefangen heit des Schlichters anzwÄfelten und den Reichsarbeitsmtni- st er zu einer Entscheidung anriefeit Trotz des Einspruches der Unternehmer hat der Schlichter wettere Verhandlungen auf heute angesetzt.

DemDorwärs" zufolge sind fast sämtliche dem Verein Deiliner Metall industrieller ange­schlossenen Betriebe st i l l g e l e g t worden. ES banbeU sich um etwa hundert CÖctriebe.

Die Bewegung hat jetzt fast alle großen Werke erfaßt,

so die REG.. Bergmann, Schwartzkopf, Dortig, Knorr-Bremsen, Orenffein u. Koppel, OSram ajw. An einzelnen Stellen, so bei der Knorr-Bremse A.-G. und bei der Aga Lichtenberg kam es brate vormittag zu Ausschreitungen radikaler Elemente. Die Polizei stellte j^vch die Ruhe schnell wieder her. Don den annähernd 180 000 Arbeitern und Arbeiterinnen, die in den Betrieben deS Vereins .Berliner Metall industriellen" be­schäftigt sind, arbeiten demVorwärts" zufolge zur Zeit 150 000 Arbeiter nicht.

Wie dieKölnische Zeitung" auS Düsseldorf meldet, gab die Leitung der ManneSmann- Röhrenwerke, Abteilung Walzwerke in Rath, auf den Beschluß der sreigewerkschasllichen Me­tallarbeiter hin. nur acht Stunden zu ar­beiten und dann die Arbeitsstellen zu verlassen, bdhnnt, daß unter diesen Umständen die Aus­rechterhaltung eines geordneten Betriebes sowie die wirtschaftliche Arbeit unmöglich gemacht werde und daß sich die Leitung des Werkes daher gezwungen sehe, den Betrieb vom 3. Januar an vollständig zu schließen und die gesamte Belegschaft fristlos zu entlassen.

Auch die Vertreter des Christlichen und deS Hirsch-Dunkerschen Metallarbeiter verbände- er­warten. daß sie sich dem Kampfe der freigetoerf- schastlich organisierten Arbeiter ansch liebten würden. Dagegen ist in dervberschlesischen Eisenindustrie zwischen Arbeitgebern und Arbeitern ein Abkommen getroffen worden, wonach die Arbeitszeit allgemein auf zehnStunden festgesetzt wird. 3m Berg­bau ist auch hinsichtlich der Üebertaaearbell ein UeberarbeitSabkvmmen g.-schllssen wor­den. In welchem die Arbeitgeber sich verpflichtet hoben, die Löhne gemäß den letzten Schteds- sprüchsn zu zahlen.

Die amerikanische Kinderhilfe.

Berlin 3. Ian. (Wvlsf.) Das Komitee deS Generals Allen in Amerika Halle bereits in den ersten Wochen in einer groß angelegten Pro­paganda für 'die Sammlung von Geldern zur Utllerstützung der deutschen Kindernot reiche Erfolge. 3n diesen Lagen traf der Vertreter der QuÄer H. T. Brown, in Berlin ein. Gr überbringt bereits die ersten Rahrungsmit- tel, die auS dieser Sammlung stammen, ungefähr 3100 Tonnen Mehl, Reis, Fell, Kakao und Zucker. 35 000 Kisten Milch zu je 43 Büchsen sind teile unterwegs, teils liegen sie bereits in Hamburg. Das Komitee Mens bestimmte die Quäker als Treuhänder. Man hofft, in der nächsten Zeit aus dem Erlös der ersten Sammlung die Zahl der zu speisenden Kinder in Deutschland auf eine Million erhöhen zu fomteit Die Verteilung der^.Rcchrungsmitkel in Deutschland tr-urtc dein deutschen Zcntralausschuß für AuslandShllfe üb^-tragen, der auf Grund seiner großen Erfaß- runaen für die zweckmäßigste Stelle angesehen wiw. --------

Um die Landtagsauflösuno in Bayern.

München. 3. Ian. (WTB.) 3m Dersas- sungSausschuh des Landtags haben heute die Verhandlungen über die Anträge begonnen, die sich mll der Frage der Landtagsauflösung be­schäftigen. Die Bayrische VoUSpartei erklärte, sie Halle nach wie vor an der bedingungslosen Auflösung fest. Finanzminister Dr. Kraußneck erklärte, daß die Regierung sich mit einer Ab­änderung des Finanz- und Ermächtigungsgesetzes

Franz Xaver Babelsberger. (Zur 75. Wiederkehr seines Todestages, 4. Ja­nuar 1849.)

Don F. MöbuS, Assessor.

Franz Taver Gabelsberger crblichte das Licht her Welt in München am 9. Februar 1789. Gr war das 3. von 5 Kindern deS kurfürstlichenHof-, BlaS- und Instrumentermnachers" Josef Gabels­berger. Als Franz Taver 5 Jahre alt war, ver­lor er seinen Vater. Damals brachte ihn seine Mutter, t;c ohne Vermögen war, zu ihren Ellern nach Haag in Oberbayern. 3n den Jahren 1798 bis 1804 war Gabelsberger zu seiner weiteren Ausbildung in den Klöstern Allel und Otto- Beuern und im gregorianischen Knabcn-Seminar in München. Da raus hin besuchte er die nächsten drei Iahre daS Münchener Gymnasium. Gerne hätte er an der damaligen LandeSuniversität LantShut weiterstudiert, iedvch seine Mittel er­laubten ihm dieS nicht. So war er von 1807 ab Schüler des Lehrerseminars, schied aber 1809 we­gen andauernder Krankheit u. Schwächtichkell wie­der auS dem Seminar aus. Somit war ihm auch die Vollsschullehrerlausbahn verschlossen. Run galt es für ihn, schnell einen Lebensberus zu er­greifen. ®r wurde Kanzlist bei der Kgl. Bayer. Geueraladministration der Stiftungen und Kom­munen und 1818 Geh. Kanzlist II. Kl. im Mini­sterium deS Innern mit dem Sekretärtllel und jährlich einem Gehalt von 700 Dulden. Reben her verdiente er sich noch Geld durch lithographische Arbeiten, worin er groltes Geschick zeigte. Diese ziemlich günstigen LÄensVerhältnisse letzten ihn in den Stand, feine Mutter und feine Geschwister zu unterstützen, und schließlich auch selbst ebnen eigenen Hausstand zu gründen (1816). Bald je­doch traf ihn ein hartes Geschick. Bald nach dem Regierungsantritt Ludwigs I. wurde auS Spar­samkeitsgründen die Boamtenzahl verminderi und Dabelsberger mit Achtzehntel feines GehallS in den Ruhestand versetzt. Wenige Wochen später

nicht abfinden werden llrnne Sie müyte, nacy- dem der Landtag versagt hätte, sich über ihre Bedenken Hinwegsetzen, und sie habe ja bereits von sich aus gehandelt. Io in der Frage des Personalabbaus. Gegenüber einem sozialistischen Redner erklärte der Minister, daß gerade die sozialistisch« Partei den Anfang der Inflation verschuldet habe. Zur Frage der Aufwertung der Hypotheken ertlärte der Finanzminister, man scheine im Reiche selbst der Meinung zu fein, daß ein gesunder Mittelweg cinge« schlagen werden müsse. Die Abstimmung über die Anträge wurde auf Freitag vertagt.

Die Landesverfammlung des Heff. Bauernbundes.

Darmstadt, 4. Ian (Priv.-Tel.) Am Doi« nerStag fand hier im Rahmen bet Landwirt­schaftlichen Woche die Land srersammlun t des Hessischen Bauernbundes flatt in der nab kurzen -Leg.üi;unfl8üd . ten les To ir erden zunä h stLand- tagsabg. G la se r ein n Rückblick über di.- Tätig­keit der Fraktion d?S Bauernbund?i "t Landtag gab und die dauernden Kämpf: sch..dell, di: mit der Regierung und dm (tuten Part im au bc- stehen waren In drr letzten Zeit hab sich ein Zug nach rechts geltend gemacht. Er führt bann Beschwerde über die durch di: R .gier.mj du ch- gefübrten starken steu erlichen Belastun­gen, gegen die dir Partei-trotz aller Kärnp e machtlos war. Gr fordert von dm Landwill n Einigkeit und Zusammenschluß der schweren noch zu bewältigenden Auf gab nr.

Reichätagabg. S ch ie le - Magdeburg gibt zunächst bekannt, bah eS ihm aus wirtschaf S- politischen Gründen nicht mög'ich war. bis ihm angebotene Port.seui le im R ichZkabine t an u- nehmen und sprach dann auf Grund b:r Wo te des Allmeisters GvllheOBic h ihen Euch Hof e i! über die Ursache der Entwicklung unser.r heu­tigen Zustände, die in erster Linie durch die Par­teien der Linken hervorgcrusen jetzt

durch die Wirtschaft wieder aus dem Schlamm gefahren

werden sollen. Gr schildert eingehend die Tättg- kett der Partei im Fünfzeh ier-Ausschuß, tont er angehört und verlangt vor allem, daß das Volk mehr arbeite, dann werden wir nicht verloren fein. RcickStagSabgeordnetsr Dorsch- Wölfer S- h:tm schilbcN dann die Arbeit des Reichstages, bei in der jetzigen Zusammensetzang nicht mit Un­recht alS Berliner Schwatzbude and Komödien­haus bezeichnet werde. Er beleucht das durch die sozialen Verhältnisse geschäftige Drotzstadt- Icbcv und verlangt die Arbeitspsticht d:r Deut­schen, warnt aller vor al^.uscharsem An'paimen ber Steuerschraube gegenüber den Landwirten dringend. An der Aussprache beteiligten sich Abg. Fenchel- Obe.härgnm, Sammel- Bisch.-!S- 6-2im, Jakobi- Kon gställen, Dc. Andre von der Landwirtschaftskammer.

GS wurde bann folgende

Entschließung einstimmig angenommen: Die Landesversammlung des Hessischen Bauernbundes spricht sich nut Ent­schiedenheit gegen alle Pläne auS, die darauf hinauslaufen, die besetzten Telle Hessens von den unbesetzten zu trennen, oder die unbesetzten Telle einem zu bildenden Rheinstaate anzuglle- dern. Wenn eine Reuordnung 6er staatlichen Der- hältnifse überhaupt notwendig werden sollte, so dürfte eine solche nur tm SinverstänbnrS mit der Reich Sregierung durch Volks­abstimmung gemäß Art. 18 der Reichsver­fassung vorgenommen werden.

Sie legt weiter mit aller Entschieden­heit Verwahrung gegen b t e Finanz­politik be S Reiches und Hessens em, die darauf hinausläuft, den Bauernstand mit Steuern und Abgaben zu überlasten und wirt­schaftlich zu erdrücken. Ginkommen-, Umsatz- und Vermögenssteuer, die Abgaben für Rhein und Ruhr sowie für Drotversorgung, die ZwangS- anleihe und Landabgabe, die Beiträge für Kran­kenkasse und zur Berufsgenossenschaft haben in Verbindung mit anderen staatlicher und gemct ib- licheir Grund- und Gewerbeftcuern und den son­stigen amtlichen Gefällen bereits daS Einkommen der Bauern aus der diesjährigen Ernte vielfach aufgezehrt, so daß die weiteren Zahlungen au8 der Vermögenssubstanz genom­men werden muffen und die Bewirtschaftung des Grund und Bodens allen Ernstes in Frage ge­stellt ist. Wir erwarten deshalb trotz der trost­losen Finanzlage deS Reiches

eine verständnisvolle Nachprüfung der Steuer- gesetze

und ein En'gegen kommen gegenüber den von dem Reichslandbund und den Bauernvereinen der

ReichSregteeung rrorgelegtai 'yorüerungen vom 17. D<q. 1923. Insbesondere ist die Steuer­hoheit der Länder wieder herzustellen.

Bei der Steuerveranlagung muß eine gerechte Verteilung der Steuern entsprech ad der Ler- stungs'äh-akeir erfolgen Der Besteuerung deS Grund und DodenS ist der Ertragswert zu­grunde zu legen. Bei der Veranlagung sind die örllichen Steue.ausschüste. die sich bei unS tn Hes­sen bwährt haben, wieder c n^ufobren Zahlungs­ziele dürfen nicht .zu kurz gestellt werden.

Der tri . f sich- Zusammenbruch deS Bauernstand es steht bei Fort'eyuag de. Kit- vigen Stcuerpolllik vor "er Ture. Die heiiilchen Bauern vc.l-mgen zur Abwendung dieser (befahr größtmöglichste Spar l am kei t 11 ter ök- feu.lichen De.u>al atg, 2 sh bu g un ütze Gesetze, Sekiiign -g zwecklo ec Aem e. und Derwaliungs- stellea u. rücksichtslosen Abbau unseres öfte.lllichen DeamteaapparateS ohne Ausnahme auf allen Ge­bieten.

Dir verlangen besonders auch, daß die Land- wirtsckxtttS lamme. die Krankens r ich erung, die Berufsgeircstenschaft abbaucn und ih.e eigenen Ausgabetr soweit einschrämen als dies möglich ist. Den von den lanbr Ä bei gebet- und Arb.i.neh- mec-Vertretung n i>rsb fjrb re auch b:« von Lern Reichslandb^nd rvrgecrach cn Forderungen wegen Dereinfachung und Verbilligung bet sozialen

Dersichenwaen

ist Rechrmng zu tragen.

Die letzten Reste der Zwangswirtschaft auf dem GBiete i er Mllch-, Butter und Eierver­sorgung, insbesondere der Bet Dtixtunn vom 23. DLvjer und 29. Rovember 1923 sind sofort zu be­seitigen. Reichs- und Landesregieruag müssen mit allem Aachdruck dafür sorg.n, bah entsprechend der Senkung der Preisc >cr bindwirtschaft- llchen Erzeugnisse auch die Preise aller Bedarls- artifd entsprechend ermäßigt werdn Der tünst- lichen Hochhaltung der Preise durch Kartelle ist mit Entschiedenheit entg genzutreten, noligenlalls sind die ZwangLinnungcn aufzuh-eben, Verminde­rung der Ausg-.n-en mui an Stelle ter Vermeh­rung der Einn.iHmen treten.

Die ernsteste Bemühung der hessiscbm Land­wirtschaft muh. darars gerichtet fein, einen ih er Bedeutung entsprechenden Einfluß auf dir Regie- iung zu erlangen. Sie beauftragt die Dundrs- le. tu na bei den tm Laufe des Jahres stattfinden - den Reichs- und Lr.ndtagswahlen keinen Schr-tt unversucht zu lassen, um dieses Ziel zu erreichrn.

Kleine politische Nachrichten.

In einer Sitzung der Vertreter des deutschen RaftrungSmitrcl.rr^hbandels mit Vertretern des Drrliner Polizeipräsidiums und der Pr-äsprü- sungss. rllen iL-uite b schlossen, die Grohhan- dclsspannesürLebrnsmittelum durch- fch.'.itckich 5 Prozent herabzusetzen.

Der Präsident des Hamburgischen Senats, Bürgermeister Dr. Die stet, ist am Don­nerstag gestorben.

Im Hamburger Hasen tarnen 1923 17 324 Sceschiffe an gegen 14141 im Vorjahre. Es gingen 17 213 gegen 14134 ab.

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Der Dundesausschuß des AfabundeS hat den Vorstand der Organisation beauftragt, den Austritt auS der ZentralarbeitS- Gemeinschaft sofort au vollziehen. Don grö­ßeren Angestelltenverbände-.t gehört jetzt nur noch der dmtschnationale Handlungsgehilfenverband der Arbeitsgemeinschaft an. Der Allgemeine deut­sche G^werkschaftSdund wird Mitte Januar über feine Haltung Beschluß fassen

Rach einer Mittellung deS Evangelischen Pressedienstes" wurden der Präsident und der Vizepräsident des evangelisch-luther'schcm Landes- kvrstistoriums tn Sachsen Dr. Böhme und Dr. I h m e I, die von der sächckschm QtaatSregterung zwangsweisepenfioniert worden waten, durch Beschluß des zuständigen ReichSgerichts- hvfes in ihren Aemtern bestätigt.

Dicomte Kiyura teilte dem japanischen Re­genten mit, daß er nicht in der Lage fei, daS Kabinett zu bllden. Die Ursache seines Miß­erfolges ist offenbar, daß eS ihm nicht gelungen ist, sich die Unterftübung der Pol tischm Parteien beider Häuser bei Landtags zu sichern.

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Die 'Ä>rtoabrcn zum chinefi scheu Par­lament find auf den 14. April, die enbgüUtgen Wahlen auf den 14. Mai festgesetzt worden.

wurde er allerdings wieder provisorisch, aber doch ständig in verschiedenen Kanzleien verwendet. Je­des Weiterkommen und jede Beförderung waren ihm abgosch-nitten, sogar der Titel Sekretär wurde ihm abgefprochen und er vielfach mit gewöhnlichen Schreibarbeiten beschäftigt, die dem h?chstrebrnden Mann natürllch wenig zusagte Erst 1819 und dann 1822 wurde er mit der stenographischen Ausnahme der Verhandlungen des alle 3 Jahre zusammentretenden l-aheriseoeu Landtags beauf­tragt Diese Tätigkeit gewährte ihm endlich die gewünschte Befriedigung seines GchafsewSdranges, später erteilte er stenographischen Unterricht und bilbete auch Landtagsstenographen aus. Die Ent­schädigung dafür entsprach aber keineswegs der geleisteten Arbeit. Gin Schlaganfall, ben Dabels-- berger auf offener Sttaste erlitt, setzte seinem ar­beitsreichen Leben ein jähes Gude (4. 1. 1849).

Gabelsberger wird mit Fug und Recht der Erfinder der modernen deutschen Stenographie genannt. Heber die Veranlassung zu feinem Ge- schwindschreikversuchen bemerkt er idbft:Als ich 1817 auS freier Idee mit Ermittlung einer Schyellschrist mich zu befassen begann, hatte ich dabei kein» andere Absicht, als etwa einem hö­be ren Staatsbeamten zur Erleichter ung seiner Ge­schäfte in der Art dienstbar zu werden, dah ich vermittelst solcher Schrift entweder einzelne Lla- borate desselben gleich vom Munde weg aufneb- men oder bei weniger bcdeutcnden Gegenständen nur schnell duS wesentlichste seiner Ansicht hören, das übrige aber selbst ausarbeiten können." Ga­belsberger Idee fand damals aber keinen Llnklang. Er gab aber seine vorläufig gefaßte Idee nicht auf, sondern er verfolgte sie zu seinem Vergnügen in seinen Vlußestunden. Am 18. Mai 1818 wurde die bayerische Verfassung proklamiert und die erste Ständeversammlung für 1319 einberufen. Damals kam Gabelsberger der Dedante, feine bisher ohne nähere Bestimmung gepflegte Kunst vielleicht nützlich machen zu können, nachdem er auS Zeitungen wußte, daß tn England und Frank-

reich damals schon eigene Schnellschverber zur Ausnahme der ständischen Derhaird!ungen ver­wendet wurden Die Erfindung Gabelsberger ist nicht nur in den Dienst der mit Aufnahme der Kammerverhandlungen beauftragten Steiwgra- Phcn getreten, sondern ohne sie ist ein moderner Geschäftsverkehr in Wirftchast und Presse über­haupt undenkbar. Zur restlosen Ausnutzung der Stenographie ist es in Deutschstrnd infolge des Mangels einer Sinheitsstenogvaphte noch nicht gc- Jontmcn. Soll die Stenogtaphie in sämtlichen Staatsbetrieben Verwendung finden, so ist Sy- stemeinhrit. Lanebt-n aber auch ein ausgedehnter Sclulunterricht unbebingte Voraussetzung. Die vielfachen Detsuch^ in dte'er Richtung haben aber noch zu feinem vollbefriedigc-nden Ergebnis ge­führt.

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Dieewigen Jener* und das Erdöl.

DaS Grdöl oder Petroleum gilt heute als einer b:r kostbarsten Stoffe, die uns die Grde spendet. Ls dient ja jetzt nicht mehr bloß zu Be­leuchtungszwecken, font-cm man bat es der Tech­nik dienstbar gemacht und eS steht an Wert hin­ter ixm .schwarzen Gold", der Kohle, und dem richtigen Gold nicht zurück Kriege sind In neue­ster Zeit um Erdöllager geführt word.m, und in ben diplomatischen Derhandmngen spielen sie die größte Rolle. Mit dem Auftreten von Erdöl ist meistens auch das Vorkommen von GrdgaS, von gasförmigen Kohlenwasserstoffen, verbunden. Sol- ebe Erdgasquellen waren den Menschen schon in uralter Zeit bekannt und führten, wenn sie auS irgendeiner Ursache in Brand gerieten, zu der Verehrung der .ewigen Feuer". So muh die von Hervdot bZchriebene Flamme drr Ehirnäva tn Ly- nen zwei bis drei Jahrtausende gebrannt haben. Ter Reichtum an brennenden Dasguellen in die­sem Cante hat wahrschnnlich den Feuerkull der Perser geschaffen. Die .hnligen Feuer von Baku" b^ben noch heute ein WallfahrlSziel für alle bi

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 4. Januar 1924.

Erwerbslosenfürsorqe qeqen Arbeit.

Don dem öfsentllchen Arbeitsnachweis für das nördliche Oberhcs'en wird uns gelchr.eoen:

Vach einer Verordnung der Reichsregierang vom 15. Oktober 1923 ist, soweit Gelegenheit t>azu l csteht, d e Grwerbslvfenunterstüt- z u n g ron einer Arveitsleistung abhängig zu machen. Die Arbeiten dürfen nur gemein­nützigen Charakter tragen. wird alfo ver­langt, daß cii.e gctoific Arbeit als Gegenwert für die llnterftücung grfeiftet wird. Aach den Ausfüh..'ungrbesttmmung-rn vom 17. Voiember 1923 kann gegen die Unterstützung eine wöchent­liche Aichcitszeit von 24 c.ur2>_n ar g^egt werden 3r. Gießen wird jeweils ein Tell der Erwerbs­losen etwa 100 in dieser Weise durch das städtische Sauamt beschäftigt Jeder kommt eine Woche lang daran, woraus er dann w.eder län­gere Zelt Ruhe hat. GS gibt nun unter den hie­sigen Grwcrbslvfen manchs, denen es zu viel Der- langt erscheint, einmal ausnahmsweise eine Wvch. la«.g halb tagsweise zur Abgeltung der ihrer» ftü^amg an gemeinnützigen Arbeiten nrllzuheUeir. Die gluuben Tarlfloh.1 beanspruchen zu können ES fcJzen deshalb die meisten dec 100 Srwerbs- k<cn, die am 2. Januar 1924 antecten sollten, die Arbeit nicht auf genommen. Mai hat sogar .Streikposten" ausgestellt und Ar - beitswillige an der 'Auf.rahme der Arbeiten Der- birreit Die 2llt Sführw gLbestimmungen der Deichs cegierung .fugen in Pu>ckt 9: . Verweise, t er (der ürtocdrtlofe) die Arbeit, ober führt er sie In einer Arc aus, die einer Verweigerung gleich- kommt, so ist ihm die Unterstützung zu entziehen." Die an der Arbeitsverweigerung Be­teiligten Huben es sich selbst zuzufchoeibm, wenn sie nunmeb- in Kürze ohne alle Gkistenz» mittel hafteten. Es ist tie.^rdnuecüch, daß durch eir<e derartig: unbedachte Handllr.gsweis« die ohnehin so grofte Rot noch verfchlinunert wirb Die städtische Wohlfahrtspflege ist schon aut Mangel an Mitteln nicht in i«c Lage, auch, nur teilweck? die hierdurch entstehonde Rot, etwa durch Armenunterstützung, zu lindern.

Vornotj;ci.

TageSkalender für Freitag. Stabttheater, 7 llhr: .Di? nein? Sünderin". Lichtspielhaus, Bahnhof strafe: »Der Lebensweg der tyia GruTrewald und .Gr, unter Einbre­chern". Palast-Lichtspiele: .Im Rausche der Milliarden" und .F.r und Far".

Konzertverein. Man schreibt unS Anna Hegner, hk unS am komm?n.ten Sonn­tag durch ihr G.igeirspiel erfvrrZen will, ist ei « in der Musikw.'lt waikhÄ b^a-mte larb vtel- gefeierte Künstl.rin. Als Schute t r von Hugo Heermann trat fte, erft 16 Iahte alt 189/ zuerst vor das Publikünr und halle peitbem auf ausge­dehnten Kow.ertreisen tn Deutschland und Oester­reich, in der Schweiz, tn Frankreich und tn Eng­land, hier besonders gern gehört, immer neue (Erfolge zu verzeichn»rn. 1904 bis 1938 war sie Lehrerin am Hvchschen Konservatorium tn Frank­furt. Seitdem lebt sie tn Basel. Ihr Spiel ist ausgez^ich?«t durch Fülle des Tons und durch uvgewöh'.rllche Selbstäirdtgkell der Auffassung, die die gereifte Künstlerschaft verrät. Für Gtehen hat sie ein auhevorde-ttllch cntevesfantes Programm zusammengestellt. Die Sonaten aus den 15 My­sterien des alten Heinrich Biber (1648 bis 1705), mit baren das Konzert eröffnet wird, sind unseren Geigenkurrdigen kaum bekannt, und auch die Solosvnate von HuliuS WeiSmann (geb. 1879) tn V-Moll op. 30 werden die Wenigsten tarnen. Die zweite Hälfte deS Konzert» bringt Tschaikowskys berühmtes Äo.t.cd tn u- Dur und kleinere Stücke, darunter S a r a s a t e S ZapaLeato. Die Künstlerin zu begleiten hat Professor Trautmann übenromnurL

Reichstagspräsident Löbe spricht am nächsten Sonntag .:achmtt.ap in et rcr von der Sozialdemokratischm P-art.i .-bnbcrul en Ver­sammlung in derLiebteshöhe". (Siehe Anzeige.)

** DaS Wuchergericht der Provinz Oberhessen wird demnächst in Täckg'eit tre­ten. Zur Aburteilung gckmqcn eine ganze Anzahl von Sachen, In fenen die StcatsanWaltschaft Am klage erheben hat.

* Sie vorläufe Staats-, Grund« undDewerbesteuer, 4. Ziel, ist am 12. 3a* nuar fällig. Zu zahlen ist der doppelte Betraa der für bai 3. Ziel sich berechnenden Goldmarkschuld. Rährves m der heutigen Bekanntmachung.

''Schutz derAentenmark. Wer off ent» lich vor einer Menschenmenge oder durch Der­

ber Well zerstreuten Parcken. ,LlnnuSlöschliche Feuer" finden sich z. B. auch in Rumänien. Wan wußte aber mit Liefen Srdgnsquelle.i nichts an- zusangen und verwandte es höchstens als Brenn­material. Die Arsache diesereinigen Feuer" war unbekannt. So wunderte sich Alerander der Große sehr, als er am oberen Onus eine ölige Flüsitg- feit aus dem Gestein quellen sah und konnte sich daS gar nicht erklären in einem Lande,wo sich nicht einmal Oclbiume fanden". Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte man bte wichtige Bedeutung dieses StoffeS. Als hn Jahre 1859 bei Ti tusville tn Pensylvanien in 10 Meter Tiefe ein unterirdisches OcJaget von g:walliger Ergiebigkeit erbvhrt mar, begann man mit der industriellen Verwertung deS Srdöls. Schon 1869 gab es in Rordamerika 55 Cdbruimcn mit einem Gesamtertrag von 100 Hektolitern täg­lich. und seitdem hat sich die Oel-uwinnung über die ganze Erde ausgedehnt. Durch daS Erdöl wurde erst die Schäftung der Dieselmotoren und ter Kraftwagen e^rnö^lcht. entstanden Petro­leum dampfe r, Lustschisfe und Flugieu«. Der Reichtum der Ocb rmd Gasquellen ist sebr ver­schieden. Gin Brrnrrten. drr am Tawr 100 Tonnen Od liefert, ailt als sehr ertragreich. Die höchsten Mengen srndrn sich unmittelbar nach benx An­bohren alsAnsan^Lspritzer": dann verwandell sich btc Quelle in «nen ruhig flleßenden Brun- i en oder sie hört auch plötzlich ;u sprudeln auf. Dir Ausbeute erschöpft schließlich jede^ Qellager: je älter ein OelfeD ist, umso schwerer sind die er­schöpf len Brunnen durch neue zu ersetzrn Die De- samtauSbeute mancher Bohrung.-n betrug meh­rere Millionen Tonnen Seit Beginn der Oel- inbuftrie haben die Vereinigten Staaten cltoa zwei Drittel der Weltproduktion a-checkl, Rußland aus den Quellen von Baku ein Vierlel. Die Del- auebcute der ganzen Erde betrug 1920 100 Mil­lionen Tvnnett nn Wert von etwa 2 Milliarde« Dollar