Ausgabe 
3.11.1924
 
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and den RekhSbeonrtei bestehen 'An diesen ®o serheszu stand ift auch zu crlo fe.ic« Personal - Ordnung gebunden Unbegründet aber ist Vie vielfach verbreitete Amuchne, dast die bis­cher gen Grundlagen des Derufsbea'in­te ntumS durch UebergangzumAnge- st eilten recht beseitigt wurden, oder dch Vste Gesellschaft dazu übergeben to.lk das un= fünbbore Beamten Verhältnis r.ach uns nach in ein kündbares zu verwandeln. 3m übrigen werden aus Anlatz der Verhandlungen mi dm Personalverlre rrngen und Gewerk chasten verjchie- dene berechtige Wünsche noch DerucksichSi­tzung finden. Die Bearbeitung der Personal- ordnung ist noch nicht abgeschlossen.

Die Militärkontrolle.

Die Militärkontrolle, wie sie besonders v)n französischer Seite in den letzten beiden Monaten mit allergrösstem Ciser betrieben wird, fängt an, komisch zu wirken, wenn man hört, daß es den- Kommissionen bisher in keinem einzigen Falle geglückt ist, irgendwelches überzählige Kriegsmaterial bei uns zu finden, sie sich aber darüber hinaus noch durch die Ausgrabung ver­rosteter und völlig unbrauchbarer Munitionskisten vor aller Welt lächerlich machen. Aber alle Dinge haben ihre Grenzen, auch die Militär- kontrolle, die sich nach einer Behauptung des Generalleutnants von Cramon, dem wir aller­dings die Verantwortung für diese überlassen urüssen, jetzt auch auf die Privatwohnun­gen erstrecken soll. Wo das hinsühven wird, ist gar nicht abzusehen, sicher ist aber, dafr in einem solchen Falle die Zusammen stütze eintreten Verden, die sich Frankreich heute sehnlichst her- bettvünscht. Wenn die Reichs regierung in die Mtütärkontrolle einwilligte, weil sie genau wutzte, dafr die Kontrollorgane wieder unverrichteter Sache ihre Tätigkeit einstellen müssen, so darf man wohl von ihr erwarten, dah sie heute in einem feierlichen Appell vor aller Welt unter Hinweis auf unsere völlige Abrüstung und die Erfolglosigkeit der französischen Kontrolle der­artige Zumutungen ablehnt.

'vie Sozialisten hinter herriot.

Die Entschlüsse des sozialistischen Nationalrates.

Paris, 2. Rov. (WTB.) 3n der gestrigen Sitzung des Rationalrates der sozialistischen Par­tei erklärte der ehemalige Abgeordnete Lon- guet, man dürfe den Sieg der englischen Konser- iwitiben nicht durch die reaktionären Parteien i tn Frankreich ausbeuten lassen. Er erinnerte ! daran, datz sogar 3aurös die Ministerien Dour- igeois und Cvmbes unterstützte, deshalb sollte Itroan auch das Ministerium Herriot, wenn >auch mit einem Minimum von Befriedigung unterstützen.

Der Führer der- Partei, der Abgeordnete 31 um, erklärte, wir sind nur in Ruauce-n über die zu ergreifenden Matznahmen uneinig, über wir alte wollen nicht den Sturz des Ministeriums Herriot, dem wir helfen müssen, damit es 'fortbesteht. Zwischen 'uns und Herriot hat niemals ein Pakt bestanden. ilDrr haben nur erklärt, wir würden die Radi­kalen unterstützen, solange sie unser Programm ausführten Dieses Angebot hat Herriot feier» lichst' angenommen, als er Ministerpräsident wurde. Er ist damit eine moralische Derpflich- titftg eingegangen. Sein Ministerium hat be- triefen, datz es tut, was möglich ist. So­lange dies der Fak ist, dürfen wir die Schwie­rigkeiten, denen es ausgesetzt ist, nicht vergrötzern imb ausbeuten, sonst werden wir unsere mora­lische Pflicht nicht erfüllen. Cs ist lächerlich zu behaupten, dah wir langsam von der hinter» stützungspolitik zur ministeriellen Beteiligung übergehen. Diese Frage ist für lange Zeit ge­regelt. Wir müssen das Dudgetannefr men, sosttnge es in der Achse der Politik bleibt, die wir zu unterstützen uns entschlossen haben, aber unsere Anstrengungen müssen darauf gerichtet sein, das Budget so zu gestalten, datz wir es annefrmen können.

Der Rationalrat hat dann einstimmig eine Tagesordnung angenommen, die be­stimmt, datz die Unterstützungspolitik gegenüber der Regierung Herriot fortgesetzt wird. Der Rationalrat begrützt die bereits zum Ruhen der Oeffentlichkeit und moralischen Pazifizierung Eu­ropas durch die Unterstützungspolitik erzielten Er­gebnisse und rechnet damit, dah die Fraktion fort­fahren werde, die Regierung zu einem immer um­fangreicheren Werk der Reformen und der Erneuerung des nationalen Lebens zu veranlassen. Die Sozialistische Partei erklärt jedoch, da fr ie trotz dieser Unterstützungspolitik ihre Souveränität und Autonomie aufrecht erhalte.

Amerika im Wahlkampf.

Der Endspurt der Parteien. Die letzten Wetten.

R e u h o r k, 3. Rov. (Kabeldienst ter TU.) Reuhort steht im Zeichen des Wahlkampfes. Fa't alle Häuser haben geflaggt. An jeder Stra­ßenecke begegnet man Rednern der einen oder anderen Partei, Umzüge, bei denen die Bilder der Kandidaten und bunte Plakate herumgetrngen werden, sind an der Tagesordnung Der gestrige Beschluh des Gewerkschaftsrates, von Lafollette abzurücken, trägt eine neue Rote in den Wahlkampf, die von den Zeilungen lebhaft besprochen wird. Heute allerdings - a5 der Gewerkichastsfüh er Gompers eine öf en - liche Erklärung ab, die beweist, datz eineSpal - tu n g der Gewerkschaften unvermeidlich wenn nicht schon vollendet ist. 3n der Er- tlämng h.itzt es, dah der Beschluh de? Gewerk- schaftsrates von einem durchaus nicht bevoll- mächtgten Rebenausschuh angenommen worden sei.

Die demokratische Presse fährt dessen ungeachtet fort, den Beschluh zu bejubeln. Sie hofft, dah in Reuyork die Stellung der Demo­kraten so stark gekräftigt sei, um mit erheblichen Gewinnen rechnen zu können. Wenn Coolidges Gegner geschlossen zusammenständen, dann würde er geschlagen und Davis hätte 200 Stimmen sicher Wenn die Oststaaten sich dem Vorgehen airschlietzen, würde Davis unzweifelhaft getvählt. Allerdings ncüfrten viele Anhänger Lafolletles für Davis stimmen. 'Die Anhänger Lafollet­les sind trotz der demokratischen Prophe.,eiungen durchaus nicht mutlos. Sie nehmen an. dah ihr Kandidat mindestens 5 Millionen Wähler auf sich vereinigen werde. Auch die Lobredner Coolidges sind siegessicher und rechnen mit teiner glatten Wiederwahl. 3m Augen-

vlick machen alle Parreien die letzten Anstrengun­gen, um aus der Dolkssttmmung Kapital zu schlagen. .

Bei den Wetten über den Ausgang der Präsiventschaftswahlen gelten jetzt folgende Sätze- 10. 1 wurde gewettet, datz Präsident Eoo- lidge wieder gewählt werde, 1:9, dah General DaveS und 1: 25 datz Senator Lafole11e ge­wählt wird. Senator Lafolette hat von Cleve­land aus, wo er seine Wahlkampagne leitet, eine Botschaft erlassen, worin er die Republikaner anklagt, Probagandagelder von den ge­heimen Alkoholverkäufern und von W ält­st r e e t erhalten zu haben.

Die britischen Gemeindewahlen.

London, 3. Rov. (WTB. F ntsp.uch) Bei den am Samstag vorgenommenen Gemeinde- Wahlen in England mit Ausnahme von London gewannen die Konservativen 50 Sitze und verloren 14, die Liberalen gewannen 13 Si-.e und verloren 42, die Arbeiter gewannen 51 Sitze und verloren 31, die -Unabhängigen gewannen 15 und verloren 18. Gestern haben dann auch in London die Gemeindewahlen! stattgefunden, deren Resultat in den Sonntags­blättern veröffentlicht wird. Danach haben die Konservativen 55 Sitze gewonnen und 40 verloren, die Liberalen 15 gewonnen und 41 verloren, die Ar bei terpartei 52 ge­wonnen und 27 verloren, die Unabhängigen 14 gewonnen und 18 verloren. Som.t hat die Ar­beiterpartei einen nicht unerheblichen Ge­winn zu verzeichnen.

Waffenstillstand in China.

P e k l n g, 3. Rov. (WTB. Funkspruch.) Zwi­schen Feng-Bu-Hsiang, der die Kon­trolle über Peking in den Händen hat, und W u- P e i - § u sind Verhandlungen im Gange. Beide haben einen Waffenstillstand abgeschlossen. Die Kämpfe haben aufgehört.

Lehrerinnenabbau in Hessen

DerRationalliberalen: Korre­spondenz" wird aus LehrerriEuLreisen ge­schrieben: Eigenartige Zustände haben sich im Freistaat Heslen bei der Durchführung der Pers onalabb au Verordnung für die Lehrerinnen herausgebildet, trotzdem dort eine Regierung aus Zentrum. De.nokva en und Sozial­demokraten besteht: es wird dadurch auch ein bezeichnendes Licht auf diebetaim.e" grauen* freundlichkeit der Sozialdemokrat ie geworfen. _

Menschlich ist es ja verständlich, datz die Per- fonatabbauixrordnung nicht immer ganz objektiv, besonders den Frauen gegenüber, gehandhabt wird; über Ungerechtigktiten werden Deam.e beiderlei Geschlechtes immer wieder mit mehr ober minder Recht sich beklagen. Was aber das Hess. Landesamt für da s Bildun gswe - s e n erfindet, um den weiblichen Evnslufr an Mädchenschulen zu verringern und möglichst viel Lehrerinnen aus den städtischen Schulen zu Lnt- femen, übertrifft doch alles bisher dagewesene.

Der BegriffDoppelversorger" dürfte bisher unbestritten angewandt worden sein auf einzelne Personen mit doppelten Einnahmequellen ober auf Menschen, die wie Eheleute gegen­seitig unterhaltspflichtig sind und beide in vollem Erwerb stehen. Was aber das Hessische Landes­amt für das Bildungswesen unter Doppelversorger versteht und wie es den Lehverinnenabbau Hand- Haft, geht aus folgender Anfrage der volkspartei­lichen ^geordneten, Frau Birnbaum, hervor:

1. 3st es richtig, datz in Hessen von zwei definitiv angestellten Schwestern, die einen gemeinschaftlichen Haushalt haben, die eine alsD oppelversorger" abgebaut ist?

2. Auf Grund welcher Verfügung hat sich das Landesamt für das Bildungswesen zu dieser Matznahme berechtigt gefühlt?

3. Auf Grund welcher Verfügung fühlt sich das L. f. d. D. berechtigt, Lehrer inner gegsberen- falls bis zum Alter von 54 3ahren in den einstweiligen Ruhe stand zu versetzen?

Bei den Verhandlungen legte Frau Abge­ordnete Birnbaum bar, datz für den Abbau der Lehrerinnen bis zu 54 3ahosn keine gesetz­liche H a n b fr a*b e für bas L. f. d. D. gegeben fei. Sie erhebt Einspruch gegen ben Abbau der Lehrerinnen im besetz ten Gebiet, das vom Abbau verschont bleiben sollte (Mainz). Sie legt Verwahrung ein gegen die Auslegung des Be­griffs derDoppelverdiener", wonach man Schwesternpaare ohne Rücksicht auf Alter und Leistmrgen abgebaut hat. Man ist sogar heruntergegangen bis zum Alter von 44 Fahren, in einem Fall bis zu 39 Fahren, ohne zu bedenken, datz zwei Schwestern recht­lich nicht unterhaltspflichtig sind. 3n G i e fr e n stellte man eine Tochter vor die Alternative, sie lasse sich abbauen ober sie ver­lege ihren Wohnsitz, gebe ihre Gemein­schaft mit den Eltern auf. Frau Birnbaum wies ferner darauf hin, datz zu wenig Rück icht darauf genommen würde, datz sehr viele Lehrerinnen An­gehörige zu unterstützen hrben, die oft völlig auf das GeHalt der Tochter angewie- s e n sind. Bei ben bis jetzt bem Hessischen Leh- rerinnen-Verein gemeldeten Fällen sind 42 Proz. der Lehrerinnen, die Angehörige ersten Grades unterstützen.

Leider haben bisher die Ausführungen der volksparteilichen Abgeordneten keinen Erfolg gehabt. Bezeichnend ist aber, datz von ben drei weiteren weiblichen Abgeordneten Hessens nur die Vertreterin des Zentrums sich für die Lehrerinnen eingesetzt hat. Weder die Sozial­demokratin, noch die Kommunistin haben irgend etwas auf diesem Gebiete getan. Cs ist zu hoffen, datz vom Reiche her baldigst (Bestimmungen ge­troffen werden, die derartige willkürliche Aus­legungen von Reichsverordnungen unmöglich machen.

Aus aller Welt.

Marinetag in Berlin.

Berlin, 3. Rov. (Sil.) Am geft igen Sonntag hat in Berlin ein Marinetag stattge- funben, der am Vormittag durch eine in der evangelischen Kirche des 3n validen houes veran­staltete Gedenkfeier für die im Rovernber 1861 beim Untergang der Kriegskorve teAmzone", dem ersten Schift der damaligen Preu- frischen Marine, ertrunkene Besatzung eingeleitet würbe. Es war auch eine Unteroffiziers« und Mannschaftsabordnung des gegenwärtigen I KreuzersAmazone" unter Füh ung des Obe - leutnants von Reuter erschauen. MLsions-

direftor Lu.-Rat Dr. Witte hielt die Gc° bciitrcbc. «-

Rach beendetem Gottesdienst fand im Fnvan- denpark am alten Amazonen-Denkmal die Weihe einer neuen Gedenktafel statt. Rachmittags 3 Uy begann dann die offizielle Tagung des Bervan- des der Marinevereine von Berlin uno Provinz Brandenburg. Die Versammlung be­schäftigte sich mit der Frage der erstarkenden Or­ganisation in Berlin und in der Provinz, mit der Errichtung eines großen Den k m a l s für bte E>e- sallenen der Reichsmarine, mit der Fugenbsur- sorge und Beschauung von Arbeitsgelegenheit. Die Berliner Vricfmarkenausstcllung'

Berlin, 2. Rov. (WTB.) 3m Plenarsaal des ehemaligen preußischen Herrenhauses wurde die unter dem Protektorat des Oberbürgermeisters B o e fr stehende Berliner Briefmarkenausstellung 1924 eröffnet. An die Witwe des ersten deutschen Generalpostmeisters Stephan wurde em Be- grüfrungstelegramm gerichtet. Der frühere Retchs- postminister Giesberts wies in_ seiner An­sprache darauf hin, dafr zwei Anlässe für diese Ausstellung vorhanden gewesen seien, die Ausgabe der er ft en deutschen (Brief* marke vor 75 3ahren und die Grün­dung bes Weltpostvereins vor 50 3ahren. Giesberts betonte weiter, bafr das deutsche Postwesen seine führende Stellung in der Welt behalten habe, was auch die Tatsache beweise, datz Deutschland auf dem letzten internationalen Pvstkongretz in Madrid den Vorsitz geführt habe. An die Aussprache schloß sich eine Führung durch die Ausstellung. Anlätzlich der Ausstellung wirb eine Markmarke mit der Burg Rhein stein ausgegeben.

Anschlag

aus den Kopenhagener D-Zug.

Stettin, 3. Rov. (TU.) Auf den Vor­zug 210, der gestern abend Fürstenberg in Mecklenburg 7,57 Uhr verlasen hatte, ist zwischen den Stationen Dr ä gen und Dan nen- Walde, 500 Meter von der Station Dannen- walde entfernt, ein Attentat verübt wor­den. An einem Cchrankenübergang, an dem ein einsamer Waldweg über die Gleise führt, ist eine 3V» Meter lange Eisenbahnschiene, die als Warnungstafel verw niet wurde, von unbekann­ten Tätern que.r über die Schienen ge­legt morden. Die Schiene wurde von dem Zug in fünf Stücke geteilt. Es gelang noch rechtzeitig zu bremsen, bevor die letzten Wagen ent­gleisten. Man nimmt an, dafr der Anschlag auf den wenige Minuten vorher durchgefahrenen, O-Zug 12 Kopenh g:nWarnemündeRostock Reustretitz beabsichtigt war.

Hochwasser in Saarbrücken.

Saarbr ücken, 2. Rov. (WB.) Fnsolge der anhaltenden Regenfälle der letz en Tage führt die Saar Hochwasser. Fnnerhalb der Stadt Saar­brücken sind die Böschungen bis auf die S.ratze hinauf überschwemmt, teilweise auch die Keller­geschosse der angrenzenden Hauer. 3m wei e.en Saargebiet sind streckenweise starke Verkehrsstö­rungen zu verzeichnen und in der Gegend von Saarlouis sind einige Ortschaften gänz­lich abgeschnitten. 3n der Stadt hat das Hochwasser ein Ausmatz angenom­men, wie es seit 1882 nicht mehr zu ver­zeichnen war. Der Hochwafterpegel, der normal 3,10 Meter beträgt, ist auf ungefähr 7,20 Meter geftiegen. Der bis jetzt in Saarbrücken ange- richtele Schaden wirb auf mehrere Millionen Franken geschäht. Die Hafenanlagen sind voll­kommen überschwemmt, die Schiffahrt ist unter­brochen.

Hochwasserkatastrophe in Frankreich und Belgien.

Paris, 3. Rov. (TU.) Aus verschiedenen Teilen Frankreichs werben Ueberschwemmungen fand heftige Stürme gemeldet. Somme und Maas find über die Ufer getreten. Die Ebene bei Hazebrouk bildet eine ein­zige große Wasserfläche. Seit zwei Tagen wütet im Aermelkanal ein heftiger Sturm. Die Schifte müssen in den Häfen Zuflucht suchen. Die Stadt Charleroi in Belgien ist von einer schweren Hochwasserkatastrophe bedroht, wie man sie seit dein 3ahre 1805 nicht mehr erleb! hat. Das Wasser ist bereits in sämtliche Häuser der Vorstadt eingedrungen. Das Gaswerk, das die ganzen Häuser der Stadt mit Licht ver­sorgt, ist gefährdet. Rach den letzten Mel­dungen ist das gesamte 3nduftriegebiet von Charleroi vom Hochwasser bedroht.

Ein Windkraftschiff.

Berlin, 2. Rov. (WTB.) Der Flettner- konzern teilt mit: Auf der Ostsee haben Versuchs­fahrten mit einem neuartigen Windkraftschiss statt­gefunden. Das Fahrzeug ist von dem Erfinder bes Flettnerruders, Direktor Anton F l e 11 n e r, kon­struiert. Die hierbei zur Verwendung gelangten neuen Windkraftmaschinen erfüllten die in sie gesetzten Erwartungen voll. Das von Fried. Krupp auf der Germaniawerft A.-G. Kiel erbaute Fahr­zeug trägt zwei haushohe, drei Meter dicke glatte Metallwalzen an Stelle der Masten und Lein­wandbesegelung. Diese Zylinder drehen sich in der Minute 100 mal. Sie haben ben fünfzehn- fache n Effekt eines gleich grohen Se­gels. Die physikalischen Vorarbeiten wurden seitens des Flettnerkonzerns in der ärobynami- schen Versuchsanstalt der Universität Göttin­gen burchgeführt. Diese neuartige Segelmaschine kann von einem einzigen Mann elek­trisch bedient werden und nutzt die Wind­kraft auch für die Grotz-Seeschiffahrt aus, wodurch eine Betrrebserspamis von 30 bis 80 Prozent erzielt werben kann. Auf dem Gebiete bes Flett- ner-Motorschiftes sind die Fried. Krupp 21.=®., Abt. Germaniawerst in Kiel, und die Hamburgs Amerika-Linie in Hamburg beteiligt.

Eine Totengedenkfeier der deutschen Kolonie in Paris.

Paris, 2. Rov. (WB.) Auf dem Fried- hvf 3vrh in Paris fand vor ben Gräbern der dort beigesetzten, während des K ieges gefallenen Deutschen eine schliche Gedenkfeier stakt, der der deutsche Botschafter, von Hösch. mit* bei Mitgliedern und Damen der Botschaft und den Beamten der übrigen deutschen Dienststellen in Paris, sowie den dcutscke i 3our uall en u^dVeen anderen Deutschen b iw hn en Botsck ft er ton Hösch legte an der ®e eitafel für die ®e"allenen für die deutsche Botschaft und Frau ®?fa idt= schuftsrat Forster für die deutschen Flauen in Paris eine Blumenspenbe nieder.

Die Morde irr Halbauer Gerichtsgefängnis.

Zu der Mord angelegenheit im Halbauer ®e° rrchtsgefänanis, wobei der Fustizwachr-nei-

fier, seine Frau und Tochter ermordet wurden und das Gerichtsgebäude in Brand gesteckt wurde, berichten die Blätter, dafr der einzige 3 nsasse der Anstalt auf Gruich des Fndizienbeweises der Täterschaft über* führt fei. Der Gefangene K., der in kurzer Zeit entlassen werden sollte, hatte, um sich Barmittel zu verschaffen, die Familie des 3ustizwachtmeisters ermordet und die Wohnung ausgeraubt. Daraus hat' er Feuer angelegt und um ben Verdacht der Täterschaft von sich abzuwälzen, sich wieder in die Zelle eingeschlossen, indem er die Tür aus den Angeln hob, den Riegel von außen vorschob und bann die Tür von innen wiedLr einsetzte.

Aus Stadt und Land.

G i e fr e n , ben 3 Rovember 1924.

Wohlfahrtsscheckdicnft.

Das Städtische Wohlfahrtsamt ha! iri unserer Samstag-Ausgabe in einer sehr beachtensw-r en Bekanntmachung erneut auf den Wohlfahrt s- scheckbienst hingewiesen. Es ist bringend zu wünschen, dafr sich bie Benutzung dieser Einrich­tung allgemein durchsetzt. Diele Geschästste.ue und Private, die einen Versuch mit der Ein - richtung gemacht haben, äufrern sich befriedigt über einen merklichen Rückgang der Betteletz C^c allgemeiner der Scheckdienst benutzt wird, 'desto mehr werden die De r u f s be 11 le r Gie'en meiden. Aus einer westdeutschen Stabt wirb be­richtet, dafr. die Fechtbrüder die Häusergezuckt" haben, in denen Wohlfahrtsschecks verabreicht werden. Sie haben ein Zeichen angebracht, das jedem Berussgenossen sagt, er brauche sich in dieses Haus gar nicht erst zu bemühen. Anderer- secks konnte hier in Giefren schon in einer Anzahl "X von Fällen wirklicher Rot Dedürstigen geholfen werden, die derartige Schecks in der Geschäfts­stelle vorzeigten.

Wie notwendig es ist, ben Zustrom der Derufsbettler nach Giefren einzudämmen, geht vielleicht am deutlichsten daraus hervor, das) in ben ersten drei Monaten dieses Rechnungsjahres (April bis 3uni) monatlich etwa 500 Goldmark vom Städtischen Wohlfahrtsamt für Verpflegung, Beherbergung und Entlausung der Wandeiarmen ausgewendet werden mutzten. Es ist nicht zu Dermciden, bafr auch diese Summe hauptsächlich den Derufsbettlern zugute kommtz denn aus poli­zeilichen Grünben mufr, dafür gesorgt werden, bafr diese Leute das Rotwendigste zur Lebens- friftung, insbesondere Unterkunft, erhalten. Zeit­weilig hat man eine gewisse Arbeitsleistung (Holz- zerklemern z. D.) als Gegenwert verlangt. Das soll auch wieder eingeführt werden. Aber die Ar­beitsbeschaffung ist schwer, solange noch so viele Ortseingesessene arbeitslos sind.

Leiber sind fast überall die Wanderarbeits- ftätten der Inflationszeit zum Opfer gefallen. Die amtliche Versorgung hindert bie Landstreicher natürlich nicht, die Stadt zu durchziehen und überall Zehrgeld" undSchlafgelb' zu fordern. Das ist bann der eigentliche Verdienst, der für Schnaps, Zigaretten und andere Annehmlichkei­ten verwendet wird. Rechnet man bie von der Stabt aufgetoenbete Summe und bie privaten Almosen zusammen, so ergibt sich ein recht schö­nes Geld, bas allmon«tlich aus Giefren fortg:-1 schleppt wird und das man größtenteils ebenso gut oder noch besser zum Fenster hinauswerfen könnte. Wieviel besser wäre es, man könnte mit diesen Geldmitteln bre hiesige 3ugenbfür= sorge noch mehr ausbauen, wie es dem Wohl­fahrtsamt schon längst am Herzen liegt. Bemer­kenswert ist noch die Daftache, bafr 10 Prozent her in die Hautklinik zur Entlausung eingewiesenen Wanderarmen geschlechtskrank und weitere 16 Prozent mit ansteckenden Hautkrankheiten behaftet sind: ein Grund mehr, dem Zuzug entgegenzu­treten.

Wer den Bettlern Wohlfahrtsschecks an Stelle von Geld gibt, ist sicher, bafr er sein Geld nicht Unwürdigen zukommen täfrt und anstatt zu helfen, soziale,^ Schaden stiftet, indem er das Berufs- bctUertum mit den ihn eng verbundenen Gebieten des Verbrecher- und Dirnentums fördert. Er braucht sich aber auch nicht vorzuwerfen, bafr er einen wirklich Rotleidenden von seiner Tür weg­gewiesen frohe. Denn ein solcher findet ja an der Dienststelle ausreichende Unterstützung auf Gründ des Schecks. Er trägt endlich dazu bei, die Stabt Giefren zu einem unfruchtbaren Gebiet für die Gewohnheitsbettler zu machen, das von ihnen bald gemieden wird. Er erspart dadurch sich und der gesamten Einwohnerschaft zahllose Belästigungen und überdies noch der Stabtkasse erhebliche Ausgaben. Damit trägt er mit zur Erleichterung des Steuerdrucks bei. Die Zahl ber Verkaufsstellen ist inzwischen um die hiesigen Bankniederlassungen vermehrt worben. Man schenke ber Bekanntmachung vom Samstag auf- merksame Beachtung.

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Wettervoraussage.

Abnehmende Bewölkung, westliche bis nörd­liche Winde, kühler, trocken,

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" Hubertustag. Der Tag des Schutz­heiligen ber Fägerei, der 3. Rovember, wird von dieser noch immer festlich begangenen, wenn auch, nicht mit solchem Pomp wie in vergangenen Zei­len, wo man hoch zu Pferde mit ber Hundemeute hinauszog zur Hubertusjagd, um auf den Hirsch, Fuchs ober Hasen zu jagen. Vorher fand vielfach ein feierlicher Felbgottesbienst statt, bei bem das Feld ber Parforcejagd eingefegnet wurde. Heute sind die Parforcejagden, wo sie noch geritten wer­den, reine Schaustücke reitlicher Betätigung ge­worden, die meist mit eigentlicher 3agd nichts mehr zu tun haben. Aber ber zünftige Weibmann läßt es sich trotz allem nicht nehmen, hinauszu- ziehen in ber Gesellschaft froher Weidgenossen, um seine Hubertusjagd abzuhalten. Denn:

Am 3. Rovember, trotz Wintersturm und Eis, Muh jeder ziehn zu Holze, ber um das Weid' werk tocifr.

Und auch bei der Hasen- ober Fascmenjagb ver­lebt man schöne Stunben bei der Kesseljagd an» Schlüsse und feiert den Fagdkönig des Hubertus­tages. St. Hubertus ist und bleibt einmal der Schutzheilige ber 3äger, und niemand wirb sich bem Zauber ber Hubertuslegenbe entziehen kön­nen, bie so viele jagdliche Kunst gezeitigt hat, wie bie benHamen des St. Hubertus tragende in Göthen (Anhalt) erfcheinenbe Fagbwöchenl'chcift ihren Lesern in einem tesenswerten Auftc-»- >eit-