Ausgabe 
3.10.1924
 
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2tufred)terl>altiins veS Donderregl- mes noch für einige Zeit zmn Schutze @Ifab«= Lothringens fordern."

Der Führer der deutschen Delegation, Staatssekretär Dr. Trendelenburg

betonte in seiner 2Intu>ort u. a. fragendes: Der deutsch-französische Warenverkehr, der sich vor dem Kriege auf I1/2 Milliarden Gold­mark belief, hat sich in den Jahren der Nach­kriegszeit nicht erholen können und stets in schreien­dem Gegensatz zu den Bedürfnissen der beiden grvhen Wirtschaften gestanden. Der Herr Minister hat auf die Zerstörungen hingewiesen, die der Krieg für Frankreich zur Folge gehabt hat. Die schweren Verluste, die Deutschland durch den Krieg erlitten hat, sind anderer Art. Wir, die wir die Nöte der deutschen Wirtschaft täglich vor Augen haben, können nicht verstehen, daß im Aus­lande auch heute noch die Meinung verbreitet ist. daß die deutsche Wirtschaft, im Ganzen gesehen, ihre alte Leistungsfähigkeit hat, und dah der Wett­bewerb seiner Produktion eine Gefahr für die an­deren Industrien bedeutet.

Die Verhältnisse erfordern gebieterisch Aufräu" mung mit diesem Zustand gegenseitiger Abschlie- hung.

Gleichheit, Vertrauen und möglichste Freiheit sol­len an die Stelle von Differenzterungen, Mihi- gunst und Prohibition in der ganzen Welt treten. Wie notwendig während des Währungszerfalls das System der Einfuhrverbote gewesen sein mag, so gern sind wir jetzt nach der Stabilisier rung der Währungsverhältnisse bereit, von die­sem System abzuweichen. Alle anderen wirtschast- lichen Mahnahmen der Llebergangszeit sotleni gleichfalls fallen. Auch in bezug auf das Ueber- mah des Zollschuhes stehen wir auf dem Stand­punkt, dah eine Anpassung der Zölle an die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse möglich ist. Im Grundsatz soll das System eines ge- mähigten Zoltschuhes, wie es bei uns in der Vorkriegszeit bestand, nicht geändert werden.

In Verbindung mit dem gemäßigten Zollschuh be­dürfen wir aber weiter, wie in der Vorkriegszeit, der unbeschränkten, allgemeinen Meistbegünsti­gung.

Wir erstreben dieses System nicht deshalb, weil Deutschland die im Dawcs-Gutachten vorgesehenen Zahlungen nur durch d ie Ausfuhr be­wirken kann, wir wünschen dieses System viel­mehr vor allem aus der Ueberzeugung heraus, dah nur auf der Basis der Meistbegünstigung die Verflechtung der nationalen Wirtschaften dergestalt wieder in einem Maste herbeigeführt werden kann, wie sie vor dem Kriege zum Witzen aller Staaten bestanden hat. Auch unter dem gleichen Gesichtspunkt der Meistbegünstigung ist die Erhebung der 2 6 p r oz e n t i g e n Ab­gabe zu beurteilen, gegen welche die deutsche Regierung sich bereits in anderem Zusammen­hang gewendet hat. Die deutsche Delegation wird die Vorschläge und das Programm des Herrn Handelsministers mit der größten Sorgfalt prüfen.

vor deutsch-japanischen handelsvertragsoerhandlungen.

Berlin, 2. Oft. (5^1.) Jetzt hat auch Ja­pan um Handelsvertragsverhandlungen nachge- sucht. Dabei wird es sich nicht 'um den Abschluß eines Tarifvertrages, sondern um eine gegen- kcitigc Gew ährung uneingeschränk- fei: Meistbegünstigung handeln. Die Zdeichsregierung hatte bereits vor anderthalb Jah­ren Schritte in dieser Richtung unternommen, die jedoch infolge der ablehnenden Haltung Japans zu keinem Erfolge führten. Auf deutscher Seite wird die Regelung der HandelsvertragSbc^ehun- gen zu Ja^van lebhaft begrüßt, zumal Pas kürzlich von der japanischen Regierung eingeführte Ein- suhrbcwilligun'gssystem für Farbstoffe praktisch eine vollständige Erdrosselung der deutschen Farbstoffeinfuhr bedeutete. Man hofft in deutschen Kreisen, dah mit dem Abschluß eines Handelsvertrages auch diee ein­seitig nur gegen Deutschland gerichtete Maß ahm > Japans fallen wird. Im übrigen werde 1 die bereits bestehenden deutsch-japamchen Handels­beziehungen an zuständiger Stelle als gut be­zeichnet. Di» deutsche Ausfuhrr nach Ja­pan betrug während der ersten vier Monate rund 50 Millionen Gvldmark. Da Deutschland während der ersten sieben Monate des Iah es allein für 45 Millionen Mk Seide eingefiihrt hat. besteh'! auch auf japanisch r Seite ein leb­haftes Bedürfnis an dem Ausbau der deutsch- apanischen Handelsbeziehungen.

Die Schlußsitzung der!kerbund§verfammlung.

Eine Rebe Mottas. Zehn Staaten unterzeichnen das Schieds- und Sarrk- tionsprotokoll.

Genf, 2. Oft. (WTB.) Am Beginn der heutigen Schkustsihung der Völkerbundversamm­lung schritt die Versammlung zur Wahl der sechs nichtständigen Ratsmitglieder. Die bisherigen RatSmitglieder Uruguay. Tschechoslowakei, Spanien. Belgien und Schwe­den wurden wiedergewählt. Nach Verkün­digung des Ergebnisses verliest die chinesische Delegation, die ihre Kandidatur ausge­stellt hatte, geschlossen den ©aal.

Präsident Motta hielt dann eine mit star­kem Beifall aufgenommene Schlußrede, in der er zunächst dem Sekretariat und der Presse, den unentbehrlichen Verbündeten, für ihre Mit­arbeit dankte, dann einen Ueberblick über die Arbeiten der Tagung und vor allem des Schieds- und Sanktionsprotokolls. Als das wesentliche Ergebnis dieser Tagung be­zeichnete er dic Bedeutung, die das Schieds­verfahren angenommen habe. Es sei dann Sache der Delegierten, nachzuweifen, dah es trotz atter Unvoll!vmmenheiten einen g r oh artigen F0 r 1 sch 1 i 11 bedeute. Falls die Ab­rüstungskonferenz nicht zustande kommen sollte/ bliebe den Mächten nichts mehr übrig, als mit Entsetzen na hzugrÜbeln, die ihnen d i e nächsten Kriege m i 1 ihren chemischen Waffen bereiten würden. Allerdings genüge das Protokoll nicht, so lange es nicht von dem Gedanken der Versöhnung beseelt sei.

Darf ich es sagen", fuhr Motta fort,oder muh ich mich des Vertrauens der De sammlmg unwürdig zeigen, indem ich meine Meinung ver- > berge. Es scheint mir, daß der kürzliche B. -

_u.fi ilA.r sr.U.29.

Dvm -rcetch den Weg gum Völterbund zeigte«, damit es in einer Zeit, die hoffentlich nahe ift, hier eintritt, ein gutes Anzeichen ist. So lege ich, was mich betrifft, die Geste und die Absicht, die darin skizziert ist, aus.

Der Rede des Dersammlungspräsidenten folgte langanhaltender, stürmischer Beifall. Wäh­rend bet letzten Sitzung wurde das Schieds- and das Sanktionsprotokoll zur Unter­zeichnung aufgelegt und bereits von fol­genden Staaten unterzeichnet: Albanien, Dul- garien, Estland, Frankreich, Griechenland. Jugoslawien, Lettland, Polen, Portugal, Tschechoslowakei. Frankreich unterzeichnete auch das Sonderprotokoll über den Schieds- gerichtshos.

Der pariser Ministerrat zum deutschen völkerbundsmemorandum.

Frankreich für Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund. Gemeinsame Antwortnote der Alliierten.

P a r i s, 3. Ott. (T. A.) Im Anschluß an die Meldung von der Sitzung des Ministerrates ver­öffentlicht derMatin" nachstehende, scheinbar offiziöse Sähe:

Die französische Regierung ist durchaus für die Ausnahme Deutschlands in den Döllerbund. Es ist in der Tat wünschenswert, daß besonders Deutschland unter den Protokollentwurf über Schiedsspruch und Sicherheit seine Unterschrift seht. Der Einfluß der Genfer Diplomatie kann auf die internationale Politik Deutschlands sehr wohl­tätig sein. Die Anwesenheit Deutschlands im Völ­kerbund kann andererseits dazu führen, daß das Ansehen des Völkerbundes verstärkt wird. Der Minifterrat ist zu der Auffassung gelangt, daß es sich empfiehlt, die Zustimmung Englands und Bel­giens zu der französischen These einzuholen. Er hat die Eventualität einer gemeinsamen Antwort der Regierungen Englands, Frankreich und Belgiens an Deutschland als wünschenswert in Betracht ge­zogen. Der Ministerpräsident und Außenminister wird sich zu diesem Zwecke mit Macdonald und Hymans in Verbindung setzen. Mag nun die Ab­fassung eines gemeinsamen Textes vonstatten gehen oder nicht, so wird doch der Ministerrat auf alle Fälle noch einmal über die Rote beraten, die der Wilhelmstraße zugehen wird.

Freigabe des Duisburg- Ruhrorter Hafens.

Du i s bu r g , 2. Ott. (LU.) Nach Mitteilung der Duisburg-Ruhrorter Hafenverwaltung sind die Düsseldorfer Verhandlungen zwischen den Ver­tretern der Reichsregierung und dem Oberkom­mando der Beiahungstvuppen abgeschlossen War­den. Ab 1. Oktober ist der Duisburg-Ruhvorter Hafen von der Besatzung freigegeben. Ebenso wurden sämtliche beschlagnahmten Pri­vatanlagen in Ruhrort ihren Eigentümern zurückgegeben. Die Verträge zwischen dem Oberkommando der Desatzungstruppen und der Hafenverwaltung Duisburg-Ruhrort sind auf- gehoben, so dah der Zustand vor dem 10. Januar 1923 wieder hergestellt ist.

Der Bürgerkrieg in China.

Paris. 3. Oft (TU.) Nach Meldungen aus Schanghai sind die gegnerischen Streitkräfte von der letzten Schlacht äußerst erschöpft, doch werden Vorbereitungen getroffen zur Wieder­aufnahme des Marsches auf Schang­hai. 200 Meilen östlich von Peking sind erbitterte Kämpfe zwischen der Armee des Generalgouver­neurs der Mandschurei Lschang Tsohin and den Truppen des Generals Wu-Pei-Fu im Gange. Auf beiden Seiten wurden Flugzeuge eingesetzt. Die Streitkräfte Wu-Pri-Fus sollen ungefähr 140 000 Mann betragen.

Die Lage in Marokko.

Madrid, 2. Oft. (Tel.-Un.) Amtlich wird bekanntgegeben, dah die spanischen Verbindungen zwischen Tetuan und ©che-schauen heftig an­gegriffen wurden. Jedoch gelang es den spani­schen Truppen nach schwerem Kampfe, den Feind zurückzuschiagen. Die Marokkaner haben 128 Mann verloren. DieChicago Tribüne" will dagegen wissen, dah die Riffkabilen eine spanische Kolonne zwischen Larache und Chechach ange­griffen und bis auf den letzten Mann aus- gerieben haben.

Kleine politische Nachrichten.

Wie dieVoss. Ztg" berichtet, haben die So­zialdemokraten, Demokraten und das Zentrum im Preußischen Landtag beantragt, die Per­sonalabbauverordnung dahin abzuän­dern, dah der Beschluß, durch den ein Magi­stratsmitglied in den einstweiligen Ruhestand verseht wird, zu seiner Rechtswirk­samkeit der Zustimmung der Aufsichts­behörde bedarf. Versagt diese die Zustimmung, so entscheidet auf Antrag der Stadtverordneten­versammlung das Staatsministerium. Dieses Ge­setz soll rückwirkende Kraft vom 1. 9. 1924 an er­halten.

Der für den 19. und 20. Oktober in Minden geplante Reichsjugendtag der Deut- schenVolkspartei ist auf den 25 und 26. Ok­tober ebendort verlegt worden. DasP^ogramm des Rcichsjugendtages bleibt im übrigen unver­ändert.

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Der belgische Ministerrat hat beschlos­sen, sofort nach Beendigung der Ruhrbesehung die M i li t ä r d i en st zeit von 14 auf 12 Mo­nate herabzusetzen, wie das Gesetz es vor­schreibt. Auf die Jahresftasse 1923 soll diese Maßnahme bereits Anwendung finden.

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DieNeue Freie Presse" meldet aus Sofia, daß sich dort gestern abend abermals em poli­tischer Mord ereignete. Der Mazedonier Wassilew wurde auf offener Straße nie- dergeschossen: der Täter entkam unerkannt. Ferne, wurde gestern in der Nähe von Melnik dec kommunistische Abg. Gesikvtow ge­tötet.

Der argent'.nische Gesandte Dr. D. Motina und Demahlln übermittelten vor ihrem Scheiden, aus Berlin für i. ie Armen der Stadt 10 000 Mk. der Gemahlin des Reichspräsidenten, die über riefe reich Gabe im Sinne der Spendev bereits Deriüat bat.

Aus aller Welt.

Z. R. III. vor der Amerikafahrt.

In Friedrichshafen wurde einem Ver­treter desBerliner Tageblattes" erklärt, daß die dort eingetroffenen Nachrichten über die Maßnahmen d e s a m e r i k a n i s ch e n M a- r ine Ministeriums zur Hilfeleistung bei dem Ozean fing des Z. R. III sehr befriedigt hätten. Die von der amerikanischen Marine zur Verfügung gestellten Schiffe dürften jedoch für eine Hilfeleistung schwerlich in Frage kommen. Es bestehe, in Fried richshifea kein Zwei­fel, dah das Schift ohne Zwischenfall nach Amerika kommen werde. Bei einem Unglücksfall, also im Falle großer Sturme, würde die Bergung durch Kriegsschiffe bei stark bewegter See nach den bisherigen Erfahrungen unmöglich fein; dagegen seien die Kriegsschifte zur 'Weitergabe von Wetternachrichten unb anderen Meldungen sehr willkommen. Die Route des Luftschiffes fei noch völlig u n b e st i m m t; sie könne erst wenige Tage vor Abfahrt ungefähr feftgefegt werden. Vor der großen Ueberfahrt wepde Wohl nochmals eine kleine Probefahrt über dem Bodensee stattfinden, die voraussichtlich am Freitag oder Samstag vor sich gehen werde

Die Meldung, daß die französische Re­gierung dem Amerika-Zeppelin nur bann die Fahrt über französische Gebietsteile gestatten wolle, wenn ein Vertreter des Mari n em ini ste- riums von einer Grenze Frankreichs zur anderen an, der Fahrt teilnehmen dürfe, Wird de­mentiert.

Der Berliner Neuphilologentag

Der erste Verhandlungstag des 19. allgem. Neuphilologentags begann mit einem Festakt in der neuen Aula der Universität. Der 1. Vor­sitzende, Geh. Regierungsrat Brandl, betonte in seiner Begrüßungsansprache die Notwendig­keit des Zusammenarbeitens von Universität und Schule und der Verbindung mit dem Ausland. Reichsminister des Innern Dr. Jarres über­brachte die Grüße des Reichspräsi­denten und der Reichs regierung, in deren Kreisest der Wert her neusprachlichen Wissenschaften voll erkannt und gewürdigt werde. Alsdann sprach der preußische Minister Dr. D 0 e l i tz beste Wünsche für den Erfolg der Ta­gung aus, die in die Zeit der Umbildung Zdes höheren Schulwesens und in eine Epoche falle, in der jeder Mann unb jede Frau für Deutschlands Zukunft zu kämpfen habe. Neben dem Englischen und Französischen sei auch das Spanische zu pflegen und über das Sprachliche hinaus auch die Kenntnis von Land und Leuten und des gesamten Kulturlebens der Nationen. Er begrüße es, dah das Spanische in dem Rahmen des Kongresses einen so großen Raum ein nehme.

Gerade das Spanische sei von allergrößter Be­deutung auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, wo wir uns den Schöpfungen eines edlen Volkes gegenübersähen, das Deutschland auch heute noch etwas zu sagen habe.

In Preußen sei der spanische Unter­richt auf 100 Lehranstalten fakultativ ein­gerichtet. Professor Jones übermittelte in eng­lischer Sprache die Grüße der Universität London und feierte eingehend die Arbeiten der unter der Leitung des Professors Wil­helm Doegen stehenden Lautabteilung der peußischen Staatsbibliothek der England nichts Gleichw-evtiges zur Seite stellen könne, da die englische Regierung wohl Geld für Unterrichts-, aber nicht für Forschungszwecke ausgebe. Der Reichs Präsiden t gab zu Ehren des Neuphilologe ntages und der gleichzeitig hier tagenden Gesellschaft für Deutsche Bildung in seinem Hause einen Cmp fangs- abend, zu dem außer den etwa 300 Teil­nehmern dieser Kongresse auch der Reichskanzler, Marx, der preußische Ministerpräsident Braun, die Reichsminister Dr. Jarres und Dr Hamm, Staatsminister Dr. B 0 e l i h , ©taatsminister a. D. Dr. Herg t, Geheimrat Prof. Dr. Brandl, Gerhart Hauptmann, Ludwig Fulda und andere führende Persönlich­keiten des geistigen Lebens und des Schulwesens Deutschlands erschienen waren.

Der tschechische Kamps gegen das deutsche Theater.

Nach der erst vor einigen Wochen gemel­deten, durch bewaffnete tschechische Gendarmerie erfolgten Beschlagnahme des deutschen Theaters in Saaz für tschechische Zwecke wurde nun­mehr auch in Olmüh dem deutschen Theater, das bisher auf der tschechischen Bühne einmal in der Woche spielen durste, das Recht zur Be­nutzung des Hauses gekündigt. Von den 50 000 Einwohnern der Stadt Olmüh sind 30 000 Deutsche, deren kulturelle Lage durch die Ent­ziehung der Erlaubnis der Theaterbenuhung schwer beeinträchtigt wird.

Eine mysteriöse Rotgeldaffäre.

Die Stadt Herne hatte für 1 418 168 Gold­mark Notgeld ausgegeben. Davon wurden bisher insgesamt 1 533 653 Goldmark ein gelb ft, so­daß über 115 000 Mk. mehr Notgeld ein- gelöst wurde, wie ausgeben worden war. Man ist zur Zeit damit besänftigt, die Angelegen­heit aufzuklären.

Aeberfall auf eine StationSkasse.

Dienstag abend drang in den Kassenraum der Eisenbahnstation N e u st a d t a. d. ©aale ein Fremder ein und raubte mit vorgehalte­nem Revolver die 6tationdfnffc. Ein Beamter der inzwischen alarmierten Station streckte den Räuber durch zwei Schüsse nieder; der Bandit, der nunmehr zur Flucht unfähig war, jagte sich eine Kugel durch den Kopf.

Tragischer Tod eines ArzteS.

Braunschweig, 2. Okt. (Wolff.) Geheim­rat Kruken berg, seit 1908 Leiter der hie­sigen Frauenklinik, der seit einigen Tagen ver­mißt wurde, ist gestern abend.auf dem hiestgen Hauptfricdhof am Grabe feiner ersten Frau tot aufgefunden worden. Krukenberg, der im 61. Le­bensjahr steht, hat sich mit Morphium vergiftet.

Hans Thomas 85. Geburtstag.

Karlsruhe, 2. Oft. (Wolff.) Anläßlich des 85. Geburtstages von Hans Thoma fand heute Mittag um 12 Uhr in der Badischen Kunst halle eine weihevolle Feier im Kreise geladener Gäste statt, unter denen sich die Mitglieder der Regierung sowie Vertreter der Behör­den und der Kun st und Wissenschaften | d-vdev .Würtenberger von der Da-

vischen Landeskunstfchule feierte in poeftevvllster Weise das Leben und Schafen des Künstlers.

Der Reichspräsident hat Hans Thoma folgendes Telegramm zugehen lassen: Zum 85. Geburtstage sende ich Ihnen als Alt­meister der deutschen Malei'ei in aufrichtiger und dankbarer Würdigung ihres reichen künst­lerischen «Schaffens herzlichste Grüße und Wünsche."

Eine Amerikafahrt deutscher Buchdrucker.

_ erste Teil der Delegation des Deutschen Buchdrucker-Vereins, die auf Grund einer Ein­ladung die Jahresversammlung der amerikanischen Buchdruckereibesitzer vom 14. bis 18. Oktober in Chicago besucht und damit eine Studienreise durch amerika­nische Druckerei- und industrielle Großbetriebe verbindet, hat Bremerhaven an Bord des DampfersKolumbus" verlassen. Die übrigen Teilnehmer treten die Ueberfahrt am 8. Oktober über Holland an.

Wettervoraussage«

Fortdauer der veränderlichen, zu Regenfäl >n neigenden Witterung, bei wenig verändertem Tem­peraturen.

Unser Bezirk ist unter dem Einfluß vom mäßig starken Tiefdruckstörungen gekommen, die schon ge­ringe Regen fälle verursachten und die auch morgen noch Trübung und Neigung zu Niederschlägen bedingen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 3. Oft. 1924

Dom Grützen.

Das Grüßen ist eine Notwendigkeit. Selbst die, die man nicht des Grußes für wert hält, muh man oft genug grüßen, weil unsere Gruß- formen fast ganz mechanisch geworden sind. Un­bewußt greift man nach dem Hute, verneigt sich und spricht irgend ein passendes Wort. Wir haben es so oft getan, daß es uns in Fleisch unb Blut übergegaugen ist und keiner mehr sich etwas dabei denkt. Man hört oft sagen: Was kommt es mir auf einen Gruß anl

In der Tat kommt es den wenigsten Men­schen auf einen Gruß an, denn er kostet nichts und erweckt immer den Schein, als ob man ein angenehmer und höflicher Mensch wäre. Daß man mit dem Grüßen eine bestimmte soziale Wertschätzung verbindet, verstehen die wenigsten zu handhaben. Man erzählt von einem König, daß er jeden seiner vielen Besucher anders be­grüßte: dem einen ging er entgegen und hielt ihm die Hand hin, bei dem andern blieb er sitzen und nickte ihm nur zu, beim dritten erhob er sich zwar und bewegte die Hand, als wenn er sie ihm reichen wollte, aber er reichte sie ihm nicht: und so hatte er für jeden einen feinen kleinen Unterschied, der so trefflich auf ihn paßte, wie ein Bild, das nach seiner Natur ge­zeichnet ist.

Wir sind keine Könige und müssen oft Menschen grüßen, über die wir lieber hinweg­blicken möchten. Und doch kommt es sehr auf die Art an, w i e man grüßt. Ein Gruß kann verletzender wirken, als gänzliche Nichtbeachtung: er kann dem andern mehr sagen, als ein langes Gespräch, in dem geschickt mit Worten verschwie­gen wird, was man für sich behalten will. An­dererseits kann in einem Gruß soviel Hochach­tung, stille Hingabe und zarte Aufmerksamkeit liegen, dah ein solcher Gruh oft mehr bedeutet, als viele Worte unb ein Händedruck. Das Auge mancher Menschen ist ja so beredt, unb um ihren Mund spielen so feine Geister von Humor oder Ernst, daß ihr Mund kaum deutlicher sprechen könnte, als es ihr Gruh anbeutenb sagt.

Welche Grazie wissen Frauen im Gruh zu entfalten! Wie hold ist das Nicken ihres Kopfes, die leichte Bewegung ihres Körpers, wenn sie einen Gruh erwidern, an dem ihnen gelegen ist. Leichte Röte huscht über ihre Wangen unb verrät mehr, als sie verraten soll. Wie oft ist durch die besondere Art eines Gruhes oder seine Erwiderung bas Schicksal zweier Menschen entschieden worden.

Man sollte unsere Kinder lehren, sinnvoll den Gruh zu gebrauchen, unb sie auf bie kleinen Unterschiede aufmerksam machen, die dabei mit­sprechen. Das Leben gewinnt dadurch viel Reiz unb wird bewahrt vor einer veräußerlichenden Mechanisierung, die oft so lächerlich wirkt.

Müssen wir einmal grüßen, so laßt unS wenigstens sinnvoll grüßen. -er.

Die Dankzinsen.

Das Kreisamt Gießen ersucht uns (im Anschluß an seine in unserer Nr. 227 abgedruckte Zuschrift. D. Red.) um Aufnahme der nachstehen­den Mitteilung der (Siebener Dankenvereiniguirg der die Commerz- und Privatbank 21=®., Fitialc Gießen, Darmstädter unb Nationalbank, Kom­ma nditgesellschast auf Aktien, Zweigniederlassung Gießen, Deutsche Vereinsbank, Filiale Gießen, Direktion der Diskontv-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, Handels- unb Getverbebank, e. G. m. b. H. Gießen, Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale ©leben, angehören:

Die Dankenvereinigung ist der Ueberzeugung, daß die von ihr unter dem Zwang außerordent­licher Verhältnisse eingeschlagene Zinspolitrk nicht über das Qllab dessen hinausgeht, das als all­gemein üblich und angemessen bezeichnet werden kann. Trotzdem sie dieser Ueberzeugung ist, steht sie auf dem Standpunkt, daß die Zinsen für die Wirtschaft und namentlich für den Einzel­unternehmer unter Umständen schwer belastend waren, dah sie aber notwendig waren, um über­haupt zu einer Gesundung unserer wirtschaftlicher Verhältnisse zu kommen. Dieses näher auszu führen, würde den Rahmen dieser Zuschrift über schreiten und bleibt einer angestrebten mündlicher Besprechung mit der Preisprüfungsstelle Vor­behalten.

Bereits vor der Veröffentlichung des Artikels imGießener Anzeiger" war auf Grund der An­regung der Reichsbank von den Danken eine weit­gehende Zinsermähigung ab 1. Oktober beschlossen worden, 'die aber auch, trotzdem sie eine große Erleichterung bringt, auf die Dauer für die Wirt­schaft schwer tragbar sein wird, so dah eine weitere Ermäßigung für die Zukunft mit allen Mitteln angestrebt werden muß. Das Ziel wirb sich allerdings nur erreichen lassen durch entsprechende Herabsetzung der Guthaben-Zinsen und diese kann nur erfolgen in Gemeinschaft mit den ©Parkaffen und Girozentralen. Diesbezüglich? Bestrebungen find bereits feit einiger Zell im Gange.

Die Zuschrift der Preisprüfungsstelle ist im übrigen dahin zu berichtigen, daß die Ueber- ziehungsprovision nur In den Fällen in Anrech-