Er. 235 fcrftcs Blatt
174. Jahrgang
Srettag, 5. ©höbet 1924
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Die Berliner Verhandlungen.
Zuspitzung der Lage. — Zusammenschluß der Linksparteien.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 3. Oktober.
In der Frage der Ambildung der Reichs- regiernng ist seit Mittwoch eine erhebliche Der - schärfung eingetreten, die sehr ungünstige Aussichten für die bevorstehenden Verhandlungen mit den Deutschnationalen eröffnet. Im Gegensatz zu der Deutschen Dolkspartei, die sich für die Hinzuziehung der Deutsch- nationalen einseht, formulieren die maßgebenden Kreise des Zentrums immer schärfere Bedingungen, von deren Erfüllung sie die Erweiterung der Regierungskoalition abhängig machen. Dadurch wird die Gefahr eines offenen Bruches zwischen der Deutschen Dolkspartei und dem Zentrum heraufbeschworen, der zu einem AuSeinanderfallen der gegenwärtigen Regierungskoalition im Reiche zu führen droht. Oluf der einen Seite vollzieht sich die Annäherung zwischen der Deutschen Dolkspartei und den Deutschnationalen, während auf der anderen Seite Zentrum, Demokraten und sogar d i e Sozialdemokratie eine einheitliche Linie verfolgen. Wer von diesen beiden Gruppierungen bei den bevorstehenden Auseinandersetzungen das Aebergewicht gewinnen wird, ist noch sehr zwelfel- hast.
Sie Auseinandersetzungen sind bereits in vollem Gange. Das Zentrum fordert offen ein Einlenken der Deutschnationalen in den Regierungskurs der Mitte und eine loyale Verständigung mit der Sozialdemokratie. Unterstützt wird es durch die Demokraten, die mit großer Sicherheit am Dienstag gelegentlich einer Tagung der demokratischen Reichstagsfraktion den Beschluß fassen werden, weder an einer offenen, noch an einer verschleierten Regierung des -Bürger» blocks teilzunehmen. Durch diese Drohung mit dem Austritt aus der Regierung werden die Demokraten es abermals fertig bringen, bei den Entscheidungen einen ausschlaggebende nEinflutz auszuüben.
In deutschnationalen Kreisen beurteilt man die Lage geoentoärtig sehr pessimistisch. Man spricht von einer groß angelegten Sabotage, die von selten des linken Zentrums und der Demokraten ausgeübt werde. Diese Sabotagetaktik habe schon jetzt die Voraussetzungen für eine Verständigung gefährdet, indem tatsächlich das ganze Problem der innerpolitischen Entwicklung im Reiche aufgeworfen werde. An die Stelle der gemeinsamen Berührungspunkte- trete jetzt die Trennung der politischen Interessen, die dazu führen wird, daß sich beide Lager hinter einen Wall von Bedingungen und Garantien verschanzen müssen und in einen heillosen Kriegszustand miteinander geraten.
Die Parteiführer beim Kanzler.
Berlin, 2. Ott. (Tel.-An.) Der angekündigte Empfang der Führer der Regierungsparteien beim Reichskanzler fand heute nachmittag in der Reichskanzlei /ftatt. 3m Lause des Dormittags tagten die Frattionsvvrstande der Regierungsparteien in getrennten Sitzungen, um die Besprechungen vorzubereiten. Das Zentrum entsandte zu den Besprechungen die Abgeordneten Stegerwald, Spahn und von Guerard. Die Deutsche Dolkspartei war durch die Abgeordneten Dr. Scholz und 5)r. Cur 1 ius vertreten. Die Demokraten batten die Abgeordneten Erkelenz, Keinath end Dr Haas entsandt. Don der Regierung nahmen außer dem Reichskanzler, dem Drze- kanzler Dr. Jarres auch Dr. Strese- mann, Reichswirtschaftsmrnister Ham m und der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, G ras Kanih, teil. Die Absicht des 'Reichskanzlers, zum Zwecke der Verbreiterung der Reichsregierung Der^indlun- gen mit der Deutschnationalen Volkspa r t e i und der Sozialdemv krat i schen Partei aufzunehmen, wurde gebilligt.
Am Freitagvormittag wird der Kaiser Ne Sozialdemokraten, am Rachmittag die Deutschs nationalen empfangen und daun den üuhr rn der Regierungsparteien von dem Ergebnis feiner Besprechungen Mitteilung machen. Auch dem Reichspräsidenten wird der Kanzler das Ergebnis der Verhandlung^ mitteilen, sollte sich ergeben, daß auf der Grundlage der vom Reichskanzler vorgesehenen Losur^k er ne De r- ständigung unter den beteiligten Parteien zu erzielen ist, so hält Reichskanzler Dr. O!tarj eure Regierungskrise für ganz unvermeidlich Wir glauben zu wissen, daß der Reichskanzler hie ReaierungsPart eien darauf aufmerksam gemacht baT dLh er im Falle eines Sterns seiner Bemühungen sich gezwungen sähe, mit dem Gesamtkabinett zurü ckzu t re t e n. _
Vorbesprechungen der Linksparteien zur Reichspräsidentenwahl.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 3. Oft. (Drah.meldung ) Dernts vor längerer Zeit war von dem) k r a t l s ch r Seite beim Zentrum und den Soz i^l de mo - traten angeregt worden, unverbindliche Dorbe
sprechungen zu eröffnen über ein gemeinsames Vorgehen in der Frage der Reichsprä- sidentenwahl. Bisher ist es zu einer solchei Aussprache noch nicht gekommen, aber nachdem die Verhandlungen über die Bildung einer Rechtsregierung begonnen haben, will die demokratische Rcichstagsfrccklion aufs neue versuchen, mit den Rachbarparteien Fühlung zu nehmen. Es loirb dabei betont, daß man das Zentrum zu di sen Besprechungen natürlich nur dann heranziehen würde, wenn es sich sicht in eine Koalition mit den Deutschnationalen begeben würde. Es handelt sich bei bie'en -Vorbesprechungen weniger um die Ausstellung einer gemeinsamen Kandidatur als um die Beratung darüber, wie man am besten propagandistisch die A bwe hr einer überparteilichen Kandidatur der Rechtspa rte ien in die Wege le ten könne, da mit einer solchen Kandibatur aui jeden Fall gerechnet werden müsse Doch scheint vorläufig beim Zentram und den Sozialdemokraten die Neigung zu einem gemeinsamen Vorgehen nicht allzu groß zu fein urtib dteSozialbemo- traten haben betont, daß sie alles weitere abhängig machen möchten von dem Parlamentär ifche n Der ha lten der Demokraten gegenüber einer eventuellen B »rgerblockr gierang Dennoch werden nach Reichstagsbeginn bie Vorbesprechungen voraussichtlich beginnen, obwohl mit einem Resultat in absehbarer Zeit kaum gerechnet werden darf.
Vie Anleihevechandfungey in London.
Britische Pressemaktöver. — Amerika unterstützt die Anleihe. -
London, 2. Ott. (TTl.) Die Rachrichten über den Stand der Anleiheverhandlungeu zwischen den Vertretern Deutschlands und der Bank- Wett der Londoner City sind im allg meine.i spärlich. Das führende Finanzblatt „ Financial Times" berichtet, in der Hauptsache bestände allgemeine liebere in ft im mung. In der englischen Presse wird seit einigen Tagen ein lebhafter Feldzug gegen die deutsche Ha ndelspvlitik geführt. Immer wieder werden die Handelsvertragsverhandlungen mit der Gewährung einer Anleihe in Verbindung gebracht und Deutschland Mangel an Entgegenkommen vorgeworfen. Deutschland nehme zwar die gebotene Geldhilse gerne entgegen, weigere sich aber, das gewährte
Wohlwollen durch entsprechende Gegenleistungen zu vergelten. Wie wir ersah.en, handelt es sich bei diesem Press eseldzug offenbar nm ein Ma - nöber interessierter Kreise. In den gegenwärtigen Der Handlunge i zwischen deut'chen Dertretern und der City lind bic.c Gesichtspunkte b Slang noch nicht in Erscheinung getreten Os e.i- bar scheut man sich, die politisch in keiner Hinsicht erweisliche Beziehung zwischen deutsche Handelspolitik und Dawesanleihe am l ch zu verwenden, obwohl sich die mangelhaft unterrich.ete Oef- sentlichkeit durch die Zeitungswelt natürlich in unerwünschter Weise beeinflussen laßt. Man hofft anscheinend, auf die deutsche kreditfachende Pri- vatwirtschaft einen Druck ausüben zu können, um dadurch indirekt einen Einfluß auf hie Hande lsvertragsverhandlungen zu bekommen.
Ein Telegramm aus Chicago berichtet, daß die -Versammlung deramerikanischenDan- kiers eine Resolution angenommen habe, in der die ameritanifche Tel lnahme an der europäischen Ausführung des Dawesberichtes und gleichzeitig die Unterstützung der damit verbundenen Anleihe empfohlen wird. In der Begründung wird hervorgchoben, das in Amerika angehäufte Gold bedeute eine starke In - f lationsgefahr und könne nur dadurch arbeiten, daß es in andere Länder gesteckt werde. 5ie Wiederherstellung Europas gehört in die Hände der internationalen Bankiers und nicht der Politiker. Die Reg erung müsse auch künftig die Weltpolitik beeinflussen, wie dies in London geschehen sei.
Die Demokraten gegen den Schutzzoll.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 3. Ott. (Drahtmeldung.) Wie wir erfahren, beabsichtigt die demokratische Reichs - tagsfraktion, nach dem Wiederzufarnmentritt des Reichstages einen energischen Vorstoß gegen die Schuhzollvorlage der Regierung zu unternehmen. Angesichts des äußerst ungünstigen Ausfalles der diesjährigen Ernte stellen sich die Demokraten auf den Standpunkt, daß die Wiedereinführung des Schutzzolls für die Getreideeinfuhr ein Wahnsinn wäre, da Deutschland infolge der schlechten Ernte auf eine umfangreich e G e t r e i de zu f u h r angewiesen ist. Auch die Sozialdemo k raten wollen beantragen, daß die Schuh zollVorlage der Regierung zurückgezogen wird.
Die britische Regierungskrisis.
Macdonalds Minderheitskabinett gegen eine konservativ-liberale Opposition.
Früher, als der Deutsche Reichstag, hat die I englische Volksvertretung ihre Sommerferien le- | endet und die Beratungen wieder ausgenommen. Man rechnete von Anfang an damit daß die Lage im Llnterhause sich kritisch zuspitzen würde, glaubte aber, daß zunächst einige ruhige Wochen kommen würden, bis die Machtprobe b^: der Entscheidung über den englisch- russischen Handelsvertrag einsetzte. Die letzten Meldungen aus London deuten darauf hin daß der Schlag doch vielleicht früher erfolgt. Macdo- nald ist der Führer einer Minderheitsregie r u n g , er ist bei den wichttgen Abstimmungen auf bie Anter stütz ungent weder der Liberalen oder der Konservativen angewiesen, und Hut deshalb auch von vornherein erklärt, daß er eine Riederlage nur dann anerkennen würde, falls sie ihn bei einer Hauptfrage ereilte. Daher war es ein müßiges Spiel der englischen Presse, daß sie mit einiger Bosheit die einzelnen Riederlagen, die Macdonald sich bei Kleinigkeiten im Tlnterhause holte, numerierte. Sie wußte ia, daß er die Konsequenzen daraus nicht ziehen würde, das wußten auch die Parteien der Opposition, sie haben sich aber wohlweislich gehütet, d e Arbeiterregierung im Stich ;u lassen, sobald es au? Biegen oder Brechen ging' Denn die ganze Taktik der Konservativen ging ja dahin, die aufsteigende Linie der Labour Party zu brechen, indem man sie an die Reg ierung lieh. und ba3 ist wohl heute schon gelungen. Macdonalds Scharen sind alles andere eher als ein' einfei'- siche Masse. Sie umspannen alles vom linken demokratischen Flügel bis zu den Kommunisten. D i e Gegensätze in ihren eigenen Reihen find also sehr grob, und zumal die Kommunisten wellen die Folgen der ReZierungs- verantworlung für sich nicht anerkennen.
Dies Gespenst im eigenen Hause hat Macdonald in sein Kabinett mit hereingebracht. Er konnte es nur beschwören, wenn er mit Erfolgen aufzuwatten vermochte. Die aber sind ihm versagt geblieben. Zwar Hut er es verstanden, die Ergebnisse, die feine auswärtige Politik brachten, nach außen hin als Trümpfe ?u frisieren, aber davon läßt sich doch heute; mehl kaum ein Engländer mehr täuschen. Daß Poincare über die französischen Wahlen flür?,tc war für ihn ein großes Glück. Seine Hoffnung indessen, mit Herriot eher fertig zu toerben als mit Poincare, war irrig. Denn die ganze Londoner Konferenz war letzten
Endes doch nichts anderes als ei n Duell zwischen England und Frankreich. Im Gesichtswinkel der europäischen Politik war Deutschland nur eine Rebenfigur. England hatte ein Interesse daran, die Franzosen aus dem Ruhrgebiet Herauszumanövrieren: das ist auch Macdonald nicht gelungen. Daher- ist der tatsächliche Sieger in diesem Ringen Herriot geblieben. Tlnd doch ist der Vertrag von London das Einzige, was er an Positivem aufzuweisen hat. Das Irrlichterieren im Pazifismus, wie er es in Genf versuchte, ist zu wenig, um die Mißerfolge der englischen inneren Politik zu verbergen. Schon vor Jahr und Tag hat ein kluger englischer Politiker eiw mal gesagt, daß die Wohnungsfrage der Prüfstein für alle englischen Regierungen sein wird. Hier ist auch Macdonald kaum einen einzigen Schritt weitergekommen. Es ist ihm nicht gelungen, die Wohnungsnot gerade der untersten Kreise zu beseitigen, weshalb damit zu rechnen ist, daß ein Teil der Mitläufer ihn bei ben nächsten Wahlen im Stich lastsen wird.
Unb das ist der Punkt, wo die Spekulation der Oppositionsparteien einseht. Dre großen Fragen der englischen WeltpoIiti k werden zwischen englischen Parteien, mögen sie nun sozialistisch oder konservativ fein, niemals den Kriegsfall bedeuten. Dazu ist jeder Engländer zu sehr Engländer. Sorgen der Weltpolitik sind also nicht Parteisorgen, darüber würde auch die Arbeiter regierung nicht stolpern. Diese Tatsache bleibt richtig, selbst wenn der Ausgangspunkt der Krise der englisch-russische Vertrag werden sollte, der eben nur deshalb auf gegriffen wird, weil er ein dankbares Agitationsgebiet ist. Den 11 [ ft e r« Sturm wird Macdonald vermutlich überstehen: hier werden die Liberalen zu ihm halten, beim russischen Vertrag dagegen scheinen sie entschlossen zu sein, mit den Konservativen zu stimmen, und das würde dann in der Tat das Ende der Regierung Macdonalds bedeuten. Voraussetzung dafür bleibt aber, daß einmal eine vorherige Verständigung zwischen den Konservativen und in den beiden liberalen Gruppen erfolgt ist: beim die Konservativen wissen, daß sie auch bei den nächsten Wahlen die Mehrheit allein nicht bekommen werden. Sie sind also auf die Unterstützung der Liberalen an gewiesen, und solange sie nicht sicher sind, auch ein wirklich regierungsfähiges Kabinett stellen zu tonnen, werden sie Macdonald weiter am Ruder lassen. Es könnte also schon sein, daß der Sturm,
der jetzt im Unterhaufe heraufzieht, sich wieder fegt. Alle Anzeichen sprechen aber doch dafür, daß Macdonald sich nur durch einen Appellandic Wähler überhaupt retten kann, und dann wird sich zeigen müssen, ob die Massen ihm tieu geblieben sind, auch nachdem sie gesehen haben, daß selbst eine sozialistisch? Regierung nicht nach anderen Rezepten als ein bürgerliches Kabinett regieren kann.
England vor Neuwahlen.
London. 2. Ott. (WTB.) Die Blätter rechnen angesichts der aufsehenerregenden Entwicklung, die gestern in der politischen Lage statt- fanö, ernstlich mit der Möglichkeit von Reuwahlen, da der Regierung sowohl in der Frage der Zurückziehung der Anklage gegen den Redakteur des kommunistischen Wochenblattes „W orkers Weekk y", über die eine Debatte am nächsten Mittwoch stattfindet, als auch in der Frage des englisch-russischen Vertrages, der vom Unterhaus in der am 28. Oktober beginnenden Herbsttagung behandelt werden soll, die Aussicht einer gemeinsamen Oppp- fition der Unionisten und Liberalen gegenüberstehe. Der parlamentarische Berichterstatter der ..Daily Retos" schreibt, Asquith habe gestern abend seine Absicht angekündigt, die
Ablehnung des russischen Vertrages zu beantragen. Da die Konservativen den Angriff der Liberalen sicher unterstützen würden, sei der Vertrag dem Untergang geweiht. Es werde erwartet, daß auf die Ablehnung des russischen Vertrages unmittelbar Reuwahlen folr gen werden. Die Krise könne jedoch eher kommen. Die Konservativen haben einen Mißtrauensantrag wegen der Zurückziehung der Anklage gegen einen kommunistilchen Redakteur angemeldet. Die Debatte darüber findet am Mittwoch statt und gestern abend seien bie ßibera- l e n geneigt gewesen, bie Konservativen z u unterstützen. Eine Riederlage der Regierung in der nächsten Woche sei daher möglich. Politische Kreise seien der Ansicht, daß die Stellung der Regierung jetzt unmöglich geworden sei. Das Arbeiterblatt „Daily Herald" bringt in Fettdruck die Aufforderung:
„Bereitet Euch auf Reuwahlen bot!“ und sagt, daß Macdonald Reuwahlen anberaumen tperbe, wenn die Regierung bei dem konservativen Mihtrauensantrag am Mittwoch eine Rieberlage edeiben sollte.
„Manchester ©uarbian“ nimmt an, bah bie Regierung vielleicht schon in der nächsten Woche, sicherlich aber Enbe bes Monats bei bem Zusammentritt bes Parlamentes^ stürzen weide. „Evening Stanbarb" hält es für möglich, daß aus ber augenblicklichen Krisis eine liberale Regierung hervorgeht, falls ber König infolge bes durch bie Annahme bes konservativen Mißtrauensantrages veranlaßten Rücktritts ber Regierung, statt bas Parlament aufzulösen, Ba kbw i n zur Reg'.erungsbilbung auf» fordert, unb biefer bies angesichts ber irischen Lage ablehnt. Aber auch in biefem Falle könnten die Neuwahlen nicht lange hinausgezögert werden. Die Liberalen würben nur solange im Amt bleiben, bis bie irische Vorlage angenommen sei und'bis sie ein Programm aufgestellt hätten, mit bem sie vor bie Wählerschaft treten könnten.
Vie pariser handelsvertragsvechandlungen.
Die beiderseitige» Verhandlungs- qrundlaqen.
Paris, 2. Oft. (WTB.) Die erste Arbeits- sihung ber französischen unb b rutschen Delegationen, die über ben Ablchluß eines Handelsvertrages verhandeln, hat heute nachmittag im Handelsministerium stattgefunden Hanbels- mmister Rain aldy, ber ben Vorsitz führte, hielt eine Rebe. Er unterstrich bie Schwierigkeit und die Dringlichkeit der Verhandlungen unb erklärte: „Frankreichs wirtschaftliche Kraft' wurden burch bie Besetzung immobilisiert unb vernichtet: um sie wieder aufzurichten, hat es eine große Anstrengung unternommen. Aber es hat aus eigenen Mitteln bie Kosten des Wiebe raufbaues vor- schießen müssen. Trohbem es bieses ungeheure Werk durchgeführt hat, konnte es schon nach bem Kriege zum Regime ber Handelsfreiheit zurückkehren. Deutschland dagegen hat Einschränkungen in ber Han belsf reihest oorgenomtnen, bk für es selbst und für andere Länder eine Behinderung waren. Wir müssen frag?n, ob bie Wirtschaft ber beiben Länder im gleichen Grade zu normalen Produktionsbedingungen mb auf normale K onku rrenzbedingnng2.1 zarückkommen kann, Es gibt noch anbere, dringlichere Fragen, deren Berechtigung angezweiselt werden kann:
die Frage, ob Deutschland das System der Prohibition, der Kontingente unb der Lizenzen, das es im Laufe des Krieges eingerichtet und noch nicht vollkommen beseitigt hat, fortsetzen will, oder ob es zur Handelsfreiheit zurückzukehren gedenkt.
Das Regime des Friedenävertrages, an dessen Stelle zum Test das neue Statut treten muß. hat zum Schuhe Elsaß- Lothringens ein Sonderregime für ben deutschen Markt geschaffen. Elsaß-Lothringen hat jedoch nur teilweise den Nutzen aus biefem Regime, auf das es ein Anrecht hat, ziehen können. Seine Produktion, die auf ben deutschen Markt angewiesen ist, kann aber nicht unterbrochen werden, ohne eine ernste Gefahr für das Land zu bilden. Die französische Regierung muh als eine Garantie für den 1 Frieden und die Entspannung bie Frage ber


