Eltern und Schülerauslese
Die ‘JtottixitiHgtett einer neuen und sorgfältigen Auslese der zur höheren Schule gehenden Kmder ist schon äußerlich dadurch gegeben, daß es nach dem Fortfall der öffentlichen Vorschulen keine Bevorzugung der diese Schulen besuchenden Kinder bei der Aufnahme in ihre Anstalt mehr gibt, daß vielmehr alle sich meldenden Kinder vor gleiche Bedingungen gestellt find. Lider auch innerlich ist eine neue Auslesefvrm notwendig, well die Grundschule em anderes Ziel als die früheren Vorschulen hat: Die allmähliche Entfaltung der kindlichen Kräfte aus dem Spel- und Bewegungs trieb zum sittlichen Arbeitswillen, der sich innerhalb der Schulgemeinschaft betätigt. Ihr einheitliches Arbettsgebiei ist hie aufnehmente und gestaltende Erfassung der räumlichen und geistigen Kinderhermat unter besonderer Deräck- sichtigung der Pflege des kindertümlichen Ausdruck und der planmäßigen Sch rlung von Auge und Hand durch eigene werktätige Arbeit, sowie durch Beobachtung von Statur, Arbeit und Arbeitsstätten.
An der Gestaltung dieser Auslese hat auch die Elternschaft ein starkes Interesse. Es ist ganz selbstverständlich das; von ihr eine erste Auslese insofern vorgenommen wird, als die Eltern das Recht haben, ihre Kinder für eine weiterführende Schule anzumelten. Dieses Recht wird ihr selbstverständlich auch heute genau so zu gestanden, wie sie es immer bisher hatte. Die Eltern müssen die Last der Jugenderziehung zum weitruZ größten Teile tragen, ihre Erziehungsbereitschaft muh immer als wichtiger Faktor in die Rechnung gesetzt werden.
Die Entscheidung üiber die Aufnahme in eine weiterführende Anstalt darf dbrr nicht ohne Mit - (arbeit und Mitentscheidung der Lehrer erfolgen, die das Kind vier Jahre hindurch in der Drund-- schule unterrichtet haben. Es ist vielmehr dem Urteil des Lehrers, der die Kinder aus einer langen Bevbachtungs5.it kennt, die größte Bedeutung zuHumeffen. Wenn Kinder durch ihre Leistungen tn der Grundschule den Beweis er- b.acht haben, daß sie für eine weiterführende Bll ■ düng besonders geeignet sind, dann ist es überflüssig, sie noch vor eine fremde Prüfungsk Immission zu stellen, die chr Urteil nach einem kurzen Examen abgeben soll. Eine Prüfung ist nur für solche Kinder notwendig, die nach dem Urteil der Srarndschule nur zwei.elhrft oder nicht geeignet und trotzdem für eine höhere Schul» cw.gemeldet sind. Aber auch diese Prüfung darf nicht allein durch Lehrer der weiterführenden Anstalt erfolgen, die weder das Kind noch die Arbeit der Grundschule überhaupt aus eigener Anschauung kennen. Wo immer es möglich ist, mutz der frühere Lehrer des Kindes an der Prüfung teil- nehmen: mindestens aber mutz ein Grundsch ll- leh.cr mit seiner Kenntnis des Ziels und Arbeits- weise der Grundschule mithelfen.
Auch die Form darf nicht mehr jene einseitige Kenntnisprüfung sein, in der nur die or.ho- graphifche Sicherhmt und die Kenntnis der fd>nf - lichen Aechenansätze festgestellt Wirch. Sie mutz eine Fäh.gkeitsprüchng fern, Lurch die die geist ge Anlage des Kindes, Grad und Art dieser Anlage, erkundet wird. Das braucht kein Hochnot- peinliches Examen zu fein, das soll vielmehr in ,rein menschlicher Form durch Schreiben freier Aufsätze, einiger freier Zeichnungen. Lösung einiger Denkaufgaben aus ganz verschiedenen Gebieten geschehen. In einigen Orten ist mit Erfolg Der Weg beschritten worden, die zur höheren Schule gemeldeten Kinder etwa 8—14 Tage in be,ruderen BeobachtungErffen Msammenzusa.sen, in denen sie m der angegebenen Form gemeinsam mit einem Grundschullehrer und einem Lehrer Der weiterführenden Schule arbeiten. Bei dem Schlutzergebnis sollen dann die Zeugnisse des K.n es, das schriftlich erstattete Urteil der Gruud- sHule und die Ergebnisse der Fähigkeitsprüfung gLeichmätzig benutzt werden.
Die Frage der Schülerauslese ist eine ®e- rnxernschaftsarb rit der Eltern, der Grundschule und der höheren Schule: sie wird um fo besser gelöst werden, je planmäßiger und sachllcher diese Zu- Zammenarbeit erfolgt.
Die Zentrnmskandidatur in Hessen.
Dar mftadt, 2. April. (Priv.-Tek.) Der hessische Lanbrsausschuh der Zen rumsparlei hat beschlossen, für den nicht mehr kandidierenden Minister v. Brentano, aö Spitzenkandidat für Hessen den Rechtsanwalt Dr. Bockius in Mainz zu benennen. An zweiter Stelle der Liste steht der Landtagsabgeordnete Regierungsrat Knoll- Darmstadt, ihm folgen Landwirt Mobs in RÖr_- Mörlen (Obrrh.) und Landlagsabgeordnete Frau Hattemer in Darmstadt. Der für die erste Stelle borffTfebene Spitzenkandidat R.-A. Land- tagsabgeordneler Ruh- Worms hat aus beruflichen Gründen abgelehnt.
Das Zentrum in Bayern.
Berlin. 2. April. (WTB.) Rachdem der auf ein Einvernehmen mit der Bayerischen Dolkspartei für dir Reichstags wählen hin- zielende Vorschlag abgelebt worden ist, hat die Aeichsparteileitung der deutschen Zentrumspartei
Bejujtofyen, « inten vier bayerischen TKcic&stng»- Wahlkreisen eigene Zentrums tanbidaturen auf- zust eilen.
Mitttärkontrolle und allgemeine Abrüstung.
Paris, 3. April. (MTV.) Dach dem „Petit Parifie»" wird die neue deutsche Rote in der Frage der Militärkorrtrolle heute in einer vertraulichen Sitzung im Sekretariat der Dotschaftertoaferenz, und wahrscheinlich am Samstag in der Botschafterkorrfe- renz zur Sprache kommen. die Frage diesmal in rein politischer Gestalt vorliegt", fügt das Blatt hinzu, „so wird zweifellos daS Interalliierte Militär kontrollkomi- te e in Versailles bi Anspruch genommen werden. In einem sichtlich beeinflußten Leitartikel bemerkt der „Petit Parisien" dazu, eS würbe überraschen, wenn Berlin in dem Auszug, den es von der Rote bekanntgegeben habe, gerade die s ch w a ch e n Punkts feiner DeweisfLhrung beleuchtet hätte. Die ganze Welt habe gestern vormittagerfahren, daßEtrefemann Vorschläge, die Untersuchung des Standes der Rüstungen in Deutschland, die die Alliierten verlangten, dem Völkerbund zu überlassen. Dagegen habe sie richt erfahren, datz diese Untersuchung gewissermaßen abhängig gemacht wurde von der Durchführung eines allgemeinen Abrustungs- planeS, wohingegen Ser Friedensvertrag, auf den sich die deutsche Regierung fo ausgiebig berufe, Deutschland die Beachtung der in Versailles festgesetzten Bestimmungen zur Pflicht mache, so datz sie zur Voraussetzung emrr aUgemeiseu Einschränkung der Röstungen werde. DaS Blatt erklärt sich für überzeugt, daß die Alliierten, iasbesonbere die französische Regierrmg, von einem zu lebhafte« Wunsch beseelt seien, den Dölkerbmrd wachsen und gedeitzeä zu taffen, als daß sie sich nicht bereits mit der Möglichkeit feiner Inanspruchnahme in der Milrtärkoutrsllfrage beschäftigt hätten. Aber die Fragen dürften nicht durcheinandergeworfea werden. Die technischen und die juristischen Fragen seien eins, die politischen Fragen etwas ganz anderes.
Die Unsicherheit der Regie.
Darmstadt, 2. April. (WB.) Durch wiederholte Eisenbahnunglücke im ^Betriebder französisch-belgischen Eisenbahn regle ist m die Be- iröffentna dos besetzten Rh^inkandes etrre begreifliche ftarite ©rregung bntcingclragen worden. Weite Kreise der Bevölkerung benutzen die Regiebahn mit einem Gefühs g-ofter Un sicherhei t. Starke Zugverspätungen geben schon zu allgemeinen Ver- muhmgen und wilden Gerüchten Anlaß. Das Gefühl der Unsicherheit wird noch dadurch erhöht, daß das reisende Publikum tagtäglich die kümmerlichen Berstand-igungsversu che zwischen den deutschen und französlsc^n Eisenbahnbecunten beobachtet und daraus feine wohlberechtigten Schlüsse ziehen kann. Es scheint im Interesse der Bevölkerung der besetzten Rhrintande geboten, endlich dafür zu sorgen, daß die unglaubliche Detriebs- unsicherheit bei den Zügen der Regie behoben wird.
Dies ist aber nur möglich, wenn der deutschen Eisenbahnverwaltung und somit den deutschen Beamten wieder die Leitung über die Rheinbahnen voll und ganz übertragen wird.
Uefcer die Unglücksfälle selbst Birnen die Zeitungen des besetzten Gebiets, offenbar unter dem Druck der D'satzungsbehörde, auch nur ganz an» vollkommene Rachrich en bringet. Am 7. März 1924 abends Zy2 Hlyr ereigne e sich z. D. ein Eisenbahnunglück in Kleinwinter n- heim in Rheinhessen. Darüber berichtete die Preffe, .daß nur 4 Tote aus Öen Trümmern gezogen worden seien". In Wirklichkeit ist diese Zahl erheblich hoher. Genau ist die Zahl nicht zu erfahren, jedoch ist festgestellt, daß in Atzey 2 Tote, in Dautenheim 2 Tote, in Wolfsheim 2 Tote, in Siefersheim 1 Toter dem Unglück zum Opfer gtfaUcn sind. Wieviel Schwer- und Leichtverletzte es gegeben hat, welcher Sach- und Materialschaden entstanden ist, war überhaupt nicht in Erfahrung zu bringen.
Französische Kriegspsychose.
Paris, 2. April. (Wr^ff.) Rach dem „Ioir- naP ist der ehemalige Gouvern-tur von. Metz der deutsche 3nfant;ri;?g ne.al v Oven, vom K.legs- gericht des 20. Militärbezirks in Abwesenheit zumT odeverurteilt worden. Dia Anklage machte ihn für die angebüdyi Drwidftiftung in dem Dorfe Iamy, für Plünderungen der Häuser und für die Erschießung von 30 Zivikp^svnen verantwortlich.
Historische Aprilscherze.
Als einer der ersten geschichtlichen Aprilscherze, die uns überliefert sind, wird die feltfame Wette genannt, die Philipp Ö e r <S> n 11 g e von Burgund 1465 mit feinem Hofnarren Kölling abschloß. Am 31. März, als man von den Scherzen des folgenden Tages sprach, sagte der Herzog zu dem Rarren, wenn es ihm gelänge, ihm am 1. April einen Streich zu spielen, so wolle er ihm ferne Darrenkappe bis zum Rande mit Dukaten füllen; brächte er es nicht zustande, dann sollte er seinen Kopf verwirkt haben. Der Rarr ging darauf ein. Der König verabredete sich daraufhin mit feinen Tischgenossen, Kötting des abends fo fleißig zu- jutrinien, das dieser betrunken werde. Das gelang auch. Der Rarr fiel schließlich sinnlos vom Stuhl und wurde nach Hause gebracht. Am nächsten Morgen lieh der Herzog den Rarren aus dem Bette holen und in em Zimmer bringen, wo ein Blutgerüst aufgeschLagen war und der Henker mit blitzendem Schwert des armen Sünders harrte. Der König empfing dm Rarren mit Öen Worten: hast das Leben verwirkt, denn du hast Öen 1. April verschlafen." Mit angstverzerrter Miene legte der Darr fein Haupt willig auf Öen Block, aber dec Henker holte aus seinem Mantel eine Blutwurst» Hervor und schlug damit Kolling auf Öen Rackm. Der Herzog und feine Begleiter brachen In ein lautes Lachen aus, das aber verstummte, als der Darr leblos zu Boden sank. Augenscheinlich hatte der Schreck ihn getötet D-m §«rzog traten die
Tränen in die Augen über die so unbeabsichtigte Wirkung; unter Ligen Selbstanklagen warf er stch' über die Leiche seines geliebten Rarren. Da aber sprang dieser plötzlich mit lauten Lachen auf und hielt dem Herzog seine Kappe hin mit dem einzigm Wort: .Zahle!" Sein Rausch, fein Schlaf, fein Todesschreck, alles war von ihm gespielt worden, um den Herzog anzuführeir. Und Philipp der Gütige füllte ihm feine Kappe mit Dukaten. Die französisch? Sitte, am 1. Aprll einen .Aprllfrfch" ju schicken, benutzte der Prinz von Sonde zu einer Rasführung des Kardinals Mazarrn. Dieser war betanntkich sehr habgierig und ließ sich gern Geschenke machen. Als ihm aber der Prinz am
. ^pril einen Fisch von zweifelhafter Frische schockte, lehnte er diese Gabe entrüstet ab. Als der Druf von Montfort dem Prinzen den. Zisch zu- rückbrachs, sagte dieser: ^Ich bebaute dir Handlungsweise feiner Eminenz," und aus den (Singe- toeiöen des Fisches holte er einen kostbaren Drll- lantrntg hervor. Als Mazarin davon hörte, war er untröstlich über die ihm entgangene Kostbarkeit. Friedrich der Troße hat einmal den Aprilscherz für feine Polllck ausgenutzt. Es kam ihm darauf an, als im Jahre 1767 Kriegsgefahr bestand, die Aufmerksamkeit der neugierigen Berliner von seinen Rüstungen abzulenken, und er brachte daher in die .Beckmischen Rachrlchken" die Schilderung vou einem 1x0 chnie dagewesenen Ungewitter, bet dem HagelLrner in der Große mm Kürbissen gefallen feien. Diese w2Tp diente" wohl eine der älteste«, die die SeituBOMi cehrnAt
Dte angeklagten Zeugen.
München, 2. April (Wolfs.) Die Meldung eines Berliner Blattes, datz Kahr und Seiher nicht mehr auf ihre Posten zurücQeho n werden, entspricht nicht Öen Tatsachen. Urbar das Ermittlungsverfahren gegen Kahr, Lossow und Seißer werden Einzelheiten bekannt, die darauf binöeuten, daß das Berfahren in kurzer Zeit zur Einstellung gelangen werd?. In den Kreisen, die Lossow nLlhestehen, erhält sich hartnäckig das Gerücht, ba’j Lossow nicht nach Bayern zurücktchre, sondern sich dertürki - schen Armee verpflichtet habe, der er ja bekanntlich im We.tlcieg lange Jahre hindurch an hervorragender Stelle ang-rhört hat. — Die verurteilten Angeklag.en Hitler, Weber und Kriebel sind nach Landsberg zur Strafverbüßung gebracht worden.
Die „Nationallibcrole Bereinigung".
Berlin, 3. April. (Priv.-Tel.) Die auf dem Parteitag bet Deutschen B.l.spartet in Hannover in Aussicht genommene Rücksprache mit den Mitgliedern der Ra.ionalliberalen Dereinigrng, die zunächst innerhalb ber Bereinigung eine Klärung über die Stellungnahme zu der von dem Zentralvorstand der Partei angrbahnlen Einigung herbeiführen sollte, hat gestern stattgefunden. Heute sollen die Besprechungen zwischen den Dertretern ber Bereinigung und dem Parteivorftcmd der Deutschen Dolkspartei geführt werden.
Das amerikanische Hilfswerk für Deutschland.
Washington. 2. April. (Wolfs.) Die Resrlutioo über die Zuwendung von zehn Millionen Dollar für das deutsche Hilsswerk begegnet im Senatskomitee für auswär.ige Angelegenheiten lebhafter Opposition. U. a. wurde geltend gemacht, daß Sparsamkeit geboten fei. Auch wurde darauf hmgew esen, daß eine Anzal^ wohlhabender Deutscher Geld verschwenderisch ausgaben.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichswahlleiter Geheimer RegierungS- vctt Prof. Dr. Wagemann, der mit ber Führung der Geschäfte des Statistischen Reichsamts seit dem 1. Dezember 1923 betraut war, ist zum Präsidenten des StatistischenReichsamt s ernannt worden.
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Der Berliner Rundfunksender wird in allernächster Zeit in den Dienst dec Wahlpropaganda gestellt werden. Die Sekretäre der verschiedenen Parteien sollen bereits zusammengetreten fein, um eine Verständigung über den Durchfpruch von Wahlpcvgrammen herbeizuführen. Die Einrichtung soll auf die Grundlage unbedingter Parität gestellt werden, jo daß alle Parteien gleichmäßig zu Worte kommen.
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Die nationalen tHUnber&eiten in Deutschland haben einen gemeinsamen Wahlaufruf veröffentlicht, da sie bei der Reichstags- wahl gemeinsam vorgehen wollen. An dem Block sind beteiligt die Polen und Danen, sowie die Wenden, dagegen scheinen die Litauer sich ausfchließen zu wollen. An der Spitze der Reichswahlliste dieses Minder Heilenblocks flehen zwei Polen, an dritter Stelle folgt bann ein Däne, der aber noch nicht nominiert ist. Die Wenden erhalten die fünfte und zehnte Stelle auf der Reichsliste.
In den Färbereien der sächsisch-thüringischen Färbereikonventtvn wurde im Einvernehmen mit den Arbeitern di e 53 stündige Arbeitswoche eingeführt. In den Betrieben des Verband es der fächfisch-thüringifchen Webereien stößt die Maßnahme vorläufig noch auf Schwiedg- Feiten, doch ist von dem Reichsarbeitsministerium schon ein entsprechender Schiedsspruch gefällt worden.
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Anläßlich des 25jährigen Priesterjubiläums des päpstlichen Runtius Pacelli überbrachte ber Gesandte v. Haniel die Glückwünsche der Reichsregierung. Der Reichskanzler, der Minister des Aeuhern unb ber preußische Ministerpräsident gratulierten telegraphisch.
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Havas meldet aus Konstantinopel, daß ber ehemalige deutsche Außenminister v. Rosenberg das Agrement als deutscher Bot- schafterfürdieTürkei erhalten habe.
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Die zwischen dem Reichsverkehrsministerium und den gewerkschaftlichen Spitzenorganisatirnm gepflogenen Verh<ürdlu.rg«r über dieRegelung der Löhne der Eifen bahnarbeiter konnten noch nicht crbgefchloffen werden. In einer Besprechung der Gewerkschaftsvertreter wurde darauf beschlvffen, die Reichs regierung als Vermittler anaurufen. Diese Verhandlungen finden voraussichtlich heute statt.
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beschäftigte das Publikum sehr. Gin Professor fuchte die (5ad>e in einer langen Abhandlung zu erklären, und die Reu girr de war von den Wolken am politischen Himmel abgelenkt. Ein großer Freund des Aprilscherzes war Peter ber Große, unb er war in feinem Mit. el nicht wählerisch, um seine Umgebung und sein Volk curzu- führen. An einem 1. April ließ er in der Rahe von Petersburg hrimllch einen gewaltigen Holz- stvß arrffchichten unb in ber Rächt anzürrden. Von bem wellhin sichtbaren Feuerschein erschreckt, eilten die Bauern nach ber Residenz, well sie glaubten, Petersburg bremre. Aber als sie in dis Stadt hinein wollten, wurden sie von Truppen aufge- halten, es entstand ein wildes Durcheinander, bis schließlich ein Offizier mit den Worten die Aufklärung gab: ,Der 1. April!" Der 1. Ätarilk"
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Sprachunterricht mit Radio.
Die gute Erlernung unb besonders die richtige Aussprache einet fremeen Sprach» läßt sich ohne Lehrer schwer durchfüh.en. Die persönliche Tüch- ttgkeit des Unterridjtenben wird besonders tm Massen- und Klafsenu nterricht stets von entscheidender Bedeutung fein. Wer auch dec beste Kenner der lebenden Sprachen wird nicht alles Persönliche in den Einzelheiten der Aussprache ausscheiden können und feinen Schülern manche Eigenheiten mit auf den Weg geben, die ihnen bei der Verstänbigunq hinderlich fein können. Deshalb hat man in längster Zeit vielfach bc^
Mi» Unterricht die objektive Schallplatte
Aus Stadt und Laub.
Gießen, ds^ 3. Aprll 1924.
Die Kinderhilfe in Gießen.
Vom stadt. Wohlfahcksamt (Abt. Jugendamt) wird uns mitgeteilt:
Am 28. März fand eine Sitzung des Ortsausschusses für di» amerikanische Kinder- Hilfe statt. Es wurde ein äleberolict über den Sachstand gegeben.
Hiernach sind im vergangenen Wirtschaftsjahr (vom 23. 4. 1923 bis 30. 3. 1924) an 192 Speisetagen 247 434 Mah^zeite 1 ausgegoben worden. Die Teibiehmerzaht betrug zuletzt 1268.
Hiervon entfallen auf die Speisestellen
A (Bezirksschule) 200 Schulkrrü-er
B (S tadtknabenschule) 260
C (Stadtmädchenfchule) 252
D (Höh. u. Ei.w. Mädchenschule) 60 E (Gymnasium) 16
b (Realgymnasium) 35
G (Oberrealschule) 100
H (Zum Löwen) 60
105
H 1 (Kleinkinderfchulie) 110
H 2 (Vvl s indergarten) 70
Die Form der Speisen richtete, sich nach ber Art der Lebensmittei, bie von dem Deutschen entoalausfchuß in Berlin zugeteilt wurden. Am meisten wurden Trinkmilch, Kakao und Milchmehlsuppe hergeflellt. 3m vergangenen Sommer wurden Rudeln unb Haferflocken geliefert, während Anfang dieses Monats auch Reis ausgegeben wurde. Rach dem z. 3t gültigen Spei'e- pbon werden verabfolgt: Montag: Drühreis, Dienstag: Kakao, Mittwoch: Mllchreisbrei. Donnerstag: K-ckao, Freitag: Milchmehl- suppe und Samstag: Kakao. Durch Erhöhung der Mehlration war man in ber Lage, an jämti lichen Speisetagen zu jeder Mahlzeit ein Brötchen zu liefern. Die Gäwße berfeiben ist bi^elBe wie früher geblieben.
Das sog. Elterngeld, das für jede Mahlzeit gezahlt werden muß, beträgt 2 Pf. Hierzu tritt noch ein geringer Prozentsatz als Entgell für die Reinigung und Aufbewahrung der Speisegeräte in der Schule für diejenigen, die davon Gebrauch machen. Hiervon werden die Kosten für die Zubereitung der Speisen unb das Backen der Brötchen, sowie Die Spebittons- und Verpackungskosten bestritten. Das Ellerngeld reicht jed-ocy hierzu nicht aus, so daß die Stabt aus ihren Mitteln zuschiehen muß. Die Höhe des Elterngeldes ist durch den Höchstsatz begrenzt Len Der Deutsche Zentralausschuß für die Aus- tandshilfe feslgefetzt hat Die Lebensrnittel selbst werden von den ausländischen Spendern unentgeltlich gegeben.
Bisher waren der Stadt Gießen 1200 Poo tionen zugeteilt. Wenn 1268 gespeist würben, so beruht dies darauf, daß für bie Kleinkinder nicht Die vollen Portionen ausgegeben werben. Füe die Zukunft ist es gelungen, dieEchöhungder Portionenzahl für Gießen auf 1500 zu erreichen.
Es beabsichtigen nun die englischen Quäker, die bereits seit längerer Zeit in enger Fühlungnahme mit den amerikanischen Quälern tn DeutschtanG arbeiten, ein Hilfswerk für bie vvrschulpflichtigen Kinder durchzuführen. Zu diesem Zwecke sind in Berlin durch das Städtische Tesundheitsamt Feststellungen über die Anzahl der Klelnkmöer gemacht worben, deren Gewicht unb Große unnormal war, und zwar nach dem Pirguetschen System. Die Grgebnijse waren folgende: Es hatten LlMergewicht 40 Proz. der Kinder zwischen 1 u. 2 Jahren, 74 Proz. der Kinder zwischen 2 u. 4 Jahren, 75 Proz der Kinder zwischen 4 u. 5 Iahoerr, 86‘/2 Pcvz. der Kinder zwischen 5 u, 6 Jahren
Zum Vergleich ist in Gießen eine ähnliche älntersuchung durch den Schularzt in den hiesiaen Kleinkinder-Anstalten durchgeführi worden. Der Sckulorzt hat gesunden, daß Blutarmut, Rachitis und Skrofulose in erfchveckondem Maße festzu- fteilen ist. Ausgesprochene cknterernäh.ung ergab sich, in folgenden Prvzenksätzen: 1. Im Kindergarten des Fröbeffeminars 20 Proz. 2. In ber Ellsabeth-Kleinklnderfchule 50 Proz. 3. Im stöbt. Volkskindergarten 75 Proz. 4. In ber Klein- krndevbow rhranstalt Diezstraße 90 Prozent. Berücksichtigt man, daß im städtischen Volks linder- garten unb in der Diezstraße viele Kinder aus- geschieden sind, weil bie Eltern bas Schulgeld nicht aufbringen konnten, diese aber mit ziem- lidjer Sicherheit zu den Llnterernährten gerechnet werrden können, fo ergibt sich ein noch ungünstigeres Bild.
Erfreulicherweise ist die obenerwähnte Absicht der Quäker bereits Wirklichkeit geworden. Es sollen für die unterernährten Kleintinber bi großem Umfange Lebertran und Trockenmilch bervitgcftellt werden. Für Gießen sind ein Faß Lebertran mit 100 Kg. Inhalt und 475 Kg Trockenmilch angekünbigl. Rach Beschluß des Ortsausschusses sollen diese Stärkungsmittel auf Grund ärztlicher DurchunlerfuHung in den genannten Kleinkinderanlalten, sowie in der Kin- Lerlrippe des allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege und im Säuglingsheim zur
verwendet; aber diese bleibt noch ein totes Präparat. Run bringt uns aber der Rundfunk ein neues überaus wichtiges Hllfsmittel für den älnterricht in fremden Sprachen, worauf Gtubien» rat Friese in Der Leipziger „Illustrierten Zeitung" aiffmercksarn macht. Setzt man eine einwandfreie Lösung der technischen Fragen voraus, so bleibt nur noch die Organisation übrig. Diese wird im Bereich ober am Ort des Senders von einer Gruppe von Schulvertretern zusammen mit Vertretern der Senbeftelle durchgeführt werden müssen. Dadurch wird erreicht, daß eine Spruch- llasse regelmäßig zu besttmmten Zelten sich ein- fchalten und nach feststehendem Plane Proben der betreffenden Sprache von einem Spcach- eingcbcrcncn hören kann. Einer Sprache werden feste Wochentage Vorbehalten. Der Lehrer wiiß auf dis Minute und auf das Wort genau, was zu erwarten ist, fo daß er feine Klasse' vor- bereiten und die Vorträge voll ausw:rten kann. Die Texte müssen allgemein zugänglich sein. Um diesen Sprachunterricht mit Radio auszuprobieren, hat bie Deutsche Buchhändler-Lehranstalt Die ersten Versuche gemacht. Sie ist wohl bisher die einzige deutsche Schule, Die sich einer eigenen Empfangsanlage erfreut, und sie will die Vorarbeiten und Vorbereitungen leisten um der Allgemeinheit brauchbare Pläne darzmbicken. Jedenfalls wirb aus diese Weise ein ölnterrichtsmrttes gewonnen, das nicht nur mit der fremden Sprache an sich, sondern auch mit der Kultur in unmittelbare Berührung bringt.
Mütter a. Kleinkinder


