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Erstes Blatt
Jahrgang
Donnerstag, 3. April 1924
GiehenerAWiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck Md Verlag: vrühl'sche UnlversitSts-vvch- und Steinörudcrei H. Lange in Gietzen. §chrift!eitung und Geschäftsstelle: Schulftraße L
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Der französische Plan.
Don Dr. Hermann Pa chn i cke.
Nichts Iaht Deutschland unversucht, um sich aus eigner Kruft von dem tiefen Fall zu erheben, den es durch den Weltkrieg erlitt. An allen ©teilen, auf die es ankommt, setzt es den Hebel an, besonders am Export und am Etat. Der Handel und der öffentliche Haushalt sollen wieder ins Gleichgewicht kommen, jener durch erhöhte Ausfuhr, dieser durch Qkrringerung der Ausgaben und Vermehrung der Einnahmen. Ein für den Weltmarkt verfügbarer gröberer Produktionsüterschuh soll durch verlängerte Arbeitszeit und durch erhöhte Arbeitsleistung erzielt werden, damit wir ausländische Zahlungsmittel h-reinbringen, die wiederum der Einfuhr von Rohstoffen dienen. Mit der Ver° kül-zung der Reichsausgaben ging man auf vielen Gebieten, besonders in der Kulturpflege, bis an die äußerste Grenze. Beam'e und Angestellte wurden in g.otzer Zahl entlassen, auf Wartegeld oder in Ruhestand verseht. Die Währung stützte man durch die Rentenmark, Iredite wurden durch die Golddiskontbank beschafft.
Das alles haben wir den Sachverständigen dargelegt, die uns die Enten‘e nach Berlin sandte, in Denkschriften und persönlichen De.prechungcn jede Einzelheit erörtert. Wer aber nun hoffte, dah daraufhin von gegnerischer Seite in naher Zerr vernünsäge Entscheidung.n getrtf en werden würden, sieh: sich getäuscht. Poincare, der gestürzte und wiedererstandene Ministerpräsiden , seht seine alte Taktik fort Ec zieht die Verhandlungen hm, um in der Zwischenzeit Deutschland werter unter Druck zu halten und aus uns herauszupressen, so viel er nur irgend kann. Bald läht er verkünden, dab er die Besetzung lockern würde, wenn er andere Pfänder erhielte, bald wirft er die Siche- rungsfrage auf und mach! ihre Lösung von dem Abschluß eines auf lange Dauer berechne en Bündnisses mit England abhängig. Dann wieder wird der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund als möglich bezeichnet, allerdings mit dem Vorbehalt, bah gewisse Paragraphen der Völkerbandssatzung zuvor geändert würden. Auch Konferenzen werden vor geschlagen, und zwar gleich drei hintereinander. Alles ist darauf berechnet, Zeit zu gewinnen, wäh-- renb deren Deutschlands Dolkskraft immer mehr erlahmen mühte. Es ist Plan in diesem Vorgehen, ein teuflischer Plan.
Wie tief Deutschland dadurch getroffen wird, zeigen die folgenden Tatfachen: Der Reichsetat für 1924, der jetzt dem Reichsrat vorliegt, toürte_ balancieren. wenn nicht die 640 Goldmilltonen wären. He wir für Me Aussühr-ung kes Frie" ensvcrtraa.es bereit zu stellen haben Davon entfallen allein auf die Besatzung; kosten 330 Gvldmilli nen, in Wirklichkeit noch erheblich gröbere Summen. Das alles ist schon jetzt zu zahlen, ohne dah wir wissen, woher wir die fälligen Gelder nehmen sollen. Darüber hinaus kommen die Aufwendungen für Reparationen in Betracht, über die man jetzt in Parts berät. Die Belgier sind dafür, dah wir nicht weniger als 3V8 Milliarden Mk. jäh sich zahlen sollen, und sie schlagen dafür Monopole, neue Desih- belaftung n. De elligung an etwaigen Lieber fchüf- sen der Reichsbahn usw. vor. Den schlrn> würde völlig zum ©stiegen kommen trenn solche Vorschläge zur Dertoirsiichung gelang en.
Sehen wir von, diesen düsteren Zukunfisrnog- llchkeiten ab und blicken nur aus die Gegenwartslasten, so ergibt sich schon jetzt das trostloseste Bild. Der Etat ist unter der Voraussetzung aufgestellt, Lah wir die Souveräni ät an Rhein und Ruhr zu- rückerhalten und damit über die Steuerquellen verfügen können, die dort fliehen. Erfüllt sich diese Voraussetzung nicht, so kommen die veranschlagten 1,3 Milliarden a"s der Einkrmmcnsteuer,nicht auf, nicht die 376 Millionen aus der Vermögenssteuer, nacht die 1,3 Milliarden aus der Tlmsahsteuer und e^rnsowenig die veranschlag'en Erträge aas den uuLigen Steuern. Wir müssen etwa 800 Goldmillionen von den Einnahmen streichen und so die ganze Etatsaufstellung umstchen falls d'e Dinge im besetzten Gebiet so bleiben, wie sie sind. Das weih Frankreich und deshrlb zieht es die Besatzung nicht zurück, gibt es bie Reichsbahn nicht frei, labt es die Steuerverordmngen nicht zu. Poin are erklärt vielm hr artch für das neugebildete Kabinett, dah er nicht eher weichen werde, als bis wir gezahlt hätten. Die Hoffnungen, denen man sich hin» geben wollte, sind also gescheitert. Ein schweres Gewölk zieht am Horizont herauf, das nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa bedroht.
Damit wird die Wirlschaftskri'is, die durch die inelften Staaten geht, noch verschärft. Man kann nicht ein einzelnes Rad aus dec Maschine aus- h.echen, ohne die ganze Maschinerie zu schädigen. Der Erdteil kommt nicht zur Ruhe, getoinnt die Harmonie nicht zurück, deren er zu feiner Entwicklung bedarf, ilnb das alles läht England geschehen, von dem man ein tatkräftiges Eingreifen im Sinne eines wrrklicten Friedens un’er der Herrschaft der Arbeiterregierung erwartet hatte Auch die Reutralen rühren keinen Finger, emvfeblen höchstens frei Eintritt Deutschlands in den VöUsir- bund, obwohl sie wissen, dah Frankreich auch hier, zur Zeit wenigstens, das Hindernis bildet.
Fürwahr, ein trüber Ausblick. Aber was Hilft es, die Augen davor zu verschließen. Man muh erst Wiedersehen lernen im Dunkel der Zeil. Optimistischen R gingen würde bal> die Enttäuschung folgen. Erst wm die ganze Gröhe der Gefahr allen zum Bew.lh sein kommt, ist die Möglichkeit gegeben, dah sich an den verantwortlichen Stellen der WillezurAbwehr träfllaer als bisher regt.
Poincare verteidigt die Ruhrpolitik.
Die Interpellationsdebatte in der französischen Kammer. — Die Pfänderpolitik. — Der Garantiepakt Stresemann und Ludendorsf.
Paris, 2. April. (WB) Die französische Kammer fetzte die Debatte über die Interpellationen zur allgemeinen Politik der Regierung fort. Ministerpräsident Po » ncar 6 erklärt: Er habe immer geglaubt, dah die Vorfahren der jetzt lebenden Franzosen die Revolution gemacht hätten, um für ihre Söhne ein Regime der Ordnung und der Legalität aufzurichten. Mm dieses Programm durchzuführen, sei die jetzige Regierung gebildet worden. Es sei ein Programm der Demokratie und des Fortschritts, durch das man entschlossen allen reaktionären Versuchen den Weg oerfperren wolle. (Infolge von Zwischenrufen kann Poincars seine Rede nicht fortsehen. Er verwahrt sich dagegen, dah die Kammer die eilige Debatte benutzen wolle, um Wahlreden zu halten, und fährt dann fort): Ich schulde der Kammer einige Aufklärungen über die Bildung des balligen Kabinetts. Die Zei ungen haben u i= richtige Dinge veröffentlicht, und In den Wantel- gängen des Pailamen s wurde Falsches verbreitet. Die Dinge haben sich wie folgt abgespielt: Als ich am letzten Mittwoch in der Kommission für auswärtige A g l g nh i en tenachrich igt tour e. die Regierung sei in der Minderheit, war ich v i e l weniger erstaunt als gewisse Mi gsieter dieser Kommission. Wuh e ich doch, dah die Regierung mit der Kammer über gewisse Fragen des PensionSgesehes in Melnungsverschiedenhsi.en geraten war.
Finanzmiuister de Lastehrle war berechtigt, im Namen der Negierung die Vertrauensfrage zu stellen.
Diese Anerkemrung schulde ich dem Abgeordneten de Lasteyrie, denn durch die Abstimmung war die gesamte Regierung in Mi leidenschaft gezogen, und deshalb habe ich dem Präsiden en der Republik die Demission des Kabinetts überreicht. Kaum hatte das Kabinett demissioniert, da wollte eine grohe Anzahl von Abgeordneten ihre Abstimmung berichtigen und erklärte, baf} nicht ich von den Staatsgeschäften entfernt werden sollte. Das ist eine Tatsache. Diele Abgeordnete schrieben mir auch Ich solle das Kabinett umbilden, und da: Präsident der Republik hat mich mit dieser Mission betraut. Ich unterstrich, dah ich vor der Kammer eine Niederlage erlitten habe, aber man bestand darauf und gebrauchte sogar das Wort Desertion.
Ich habe mich überzeugen lassen. Der Mi-- nisterpräsident sei derselbe gebti & n. E; werde nichts geändert, weder an der In uenpolitik n:ch an der Außenpolitik. Auf eine Bemerkung d s Abg. Buifson eingehend, erklärt Poincare, e3 sei natürlich, dah man der antimilitaristischen Propaganda in der Rbein- a rmee entgegentritt. ('Es handelt sich hier um i ie arg bi e K mp ot ange e n! eit i t tu einer- zeit die Kornrnuni ten Eachi n und Genossin verwickelt tourten. Die drei H.uptteweisstücke wa en erwi-ser.ermrstea Fälsbunien obwohl der Kriegsminister früher ihre Ech Hit bezeugt hatte. Knc^s- minifter Maginot Unterbricht und verliest einen Bericht des im Rheinland tommanölerenOen Generals Hagenau über
die Propaganda in der französischen Nheinarmee,
die er als antipatriotisch geißelt. Sie werde im Ruhrgebiet stark betrieben, General Hagenau der einen Bericht verfasst habe, habe seine Psi cht erfüllt. Die Sozialisten und Kommunisten, vor allem der Olbg- 'bmte Mhry, ruft dazwischen: Fälschung, Fälschung! Der Kri^gsminister erklärt. dah er die Akten der Angelegenheit dem radikalen Abgeorteeten Buifson zur Verfügung
stelle, dessen Ehrenhaft igkieit für einen gerechten Schiedsspruch bürge. Die Linke ru,t aufs neae Fälschung! Ministerpräsident Poincare erklärt: Der Kriogsrniirister hat nicht teftr.tten, dah es sich um eine Fälschung handelt, aber er würde sich einer Pflichtverletzung schuldig gemacht haben, wem er das Schriftstück nicht dem Gericht übermittelt hätte. Don kommunistischer Seite werden wiederum Proteste laut. Der Abg. Bett hon wendet sich drohend gegen den Kriegsminister. Acht Saaldiener toerfbzvrvn ihm den Weg, damit er nicht zur littst erbau k gelangen kann. Eine Anzahl kommunistischer 2ll>g ordneter eilt ihm zu Hilse, so dah ein groher Tumult entsteht. Der Kriogsmrnister spracht im Tumult weiter und er.rtet damit den Beifall der Kammermehrheit. Der Kammerpräsident A r a g o kann die Ruhe nicht Herstellen. Die Sitzung wird unter- brod/en. Nach einer Auseinandersetzung zwischen den Kommunisten Berthen und dem Kriegsmini- stör fann Poincare seine Rede fortsetzen. Gr verläßt das gsiährsiche Gebiet der inneren Politik und kommt zu den dankbaren Schluhefsekt ter äußeren Politik. W'.ete. einmal erstingt das alte Lied. Frankreich ist nur gegen feinen Willen nrs Ruhrgebiet cin.gerüdt, weil Deutschland auf keine andere Art dazu gezwungen werden konnte, seine Schulden zu bezahlen. Frankreich hat sich Pfänder gesichert, die es nur im Verhältnis zu ben erfolgten Zahlungen freigeben werde. Das Ruhrpfand fö:me in ausgedehntere Pfänder aufgehen .ohne dah Frankreich deshalb einen Grund habe, sich vor der endgültigen Rege ung aus dem Ruhrgebiet zurück-.uziehen. Aus Verlangen der Deputierten der Linken präzisiert Poincare seine Haltung dahin,
nur gelungen durch Deutschland sei Frank- reich zum Zwange geschritten; e- sei aber bereit, die Möglichkeit der Schaffung produktiver Pfander zu prüfen und eS werde diese Frage loyal prüfen. Aber wenn Deutschland, nachdem es neue Versprechen gegeben habe, sich diesen wieder entziehen sollte, würde es im Interesse aller Alliierten liegen, daß die Franzosen, die an Ort und Stelle bleiben, in die Lage versetzt
werden, -en Druck wieder zu verstärken.
Es fei wohl möglich, das französisch-belgifche Pfand in allgemeinere Pfänder aufgeben zu lassen, ohne dah man das Ruhrgebiet verlasse. Wir werden das Ruhrgebiet nicht aufgeben, ehe wir vollkommen bezahlt sind. Wir werden also alle unsere Druckmittel in der Hand behalten und unser Verfahren nur gegen ein besseres Verfahren austauschen. Schlieh- lich behauptete Poincarö. dah die Franken- Iris e nicht durch die Besetzung des Ruhrgebietes, sondern durch die ausländische Spekulation hervorgerufen worden sei und durch die Vorschüsse, die man wegen des Versagens Deutschlands für den Wiederausbau habe machen müssen. DieRuhr- besehung habe nichts mit der Frankenbaisse zu tun. Die Lage sei aber jetzt besser geworden, weil Frankreich an der Ruhr stehe. Alle Voraussagungen über das Ergebnis der Ausbeutung der Pfänder seien heute weit übertroffen worden. Die Zolleinnahmen seien fortgesetzt im Steigen begriffen. 3m Jahre 1923 allein sei ein Heber- schust an Einnahmen von 637,2 Millionen Francs erzielt worden. Die Eisenbahnregie beute jetzt 268 000 Kilometer aus. Man könne also, tote er bereits hier schon einmal gesagt habe, auf eine Gesamteinnahme von 4 Milliarden im Jahve bei einer Gesamtausgabe von einer Milliarde rechnen, also einen Heberschuß von 3 Milliarden für Reparationskonto erwarten.
Ein deutscher Märtyrer.
Berlin, 2. Apsil. (Wolff.) Zu Ehren des in französischer ®efangenfi>a"t txrftortenm deutschen Rcicklsangehörigen Willi Dreyer fand eine Trauerseier auf tem Anhalter Bahnhof ftott, vor dem etwa 160 Abordnungen vaterländischer Vereine und Me 10 Kompagnie des 4 Reichswehr-Infanterieregiments als Ehren- wache Aufstellung genommen hatte. Auf dem Dahmsteig hatten sich cingcfunten als Vertreter der Reichsregierung Vizekanzler Dr. Jarres, Reichswehrminister Dr. Gehler und untere. Unter den Klangen eines Chorals wurde ter Sarg in das Fürstenzimmer des Bahnhofs übergefübrt. Auster den Familie:rangehörigen des Verstorbenen nahmen bk Vertreter der Reichsregierung nben dem Sarge Platz. Vizekanzler Dr. Jarres hielt die Trauerrede und führte u. a. aus: Im Namen der Reichsv-gierung und für das deutsche Volk lege ich dieses Blumen- kreuz als letzten G rarst an der Dabve Willi Dreyers nieder. Ob seine Taten, die ein fremdes Kriegsgericht ihm zur Last legte, geeignet waren, dem Ziele des Abwehrkampfe Z zu dienen, haben wir nicht zu prüfen. Heihblütige Jugend klügelt nicht wie ein vorsichtig abwäg enter Diplomat über das Ob und Wie eines Schrittes.
Jedenfalls gelangte der Plan des Verstorbenen nicht einmal in vorbereitenden Handlungen zur Ausführung.
Für die Absicht allein wurde er vom französischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt. |
Seine Strafe wurde nachträglich in lebenslängliche Zwangsarbeit verwandelt. Kurze Zeit daraus wurde er auf der Insel St. Martin de Re zusammen mit gemeinsten Verbrechern eingekerkert. An einem der ersten Frühlingstage dieses Jahres ist er dann ver- storben. Zum Skelett abgemagert, fanden die bestürzten Eltern vor wenigen Wochen ihren einzigen Sohn im Krankenhause der Insel toicter. Der gramgebeugte Da ter konnte ihm nur noch die fieberheißen Augen für immer schlichen. B e -- schämend für ein Kulturvolk bleibt die Behandlung, die ihm zuteil wurde. Aber nieber- drückender für jeden Deutschen muh der Gedanke bleiben, dah er
durch Verrat von Volksgenossen der fremden Militärmacht in die Hand geliefert
wurde. Wir treten hier heute zusammen, um dem für sein Vaterland Gebliebenen den Dank des deutschen Volkes auszusprechen. Schon auf ben Schlachtfeldern des Weltkrieges ,und im Kampfe für die Freiheit von Oberschlesien Hatto der Jüngling sein Blut pahingegeben. Dieses Einzclschicksak in seiner ganzen Tragik muh die Aufmerksamkeit der Welt auf jene weite r e n 1 500 Opfer des A b w e h r ka m P s e s lenken, die noch heute in französischer Gefangenschaft schmachte, namentlich auf die 42 Gesanw-wrn, die tote er fern von der Heimat und auherhalb der deutsche''. Grenzen eingekerkert sind. Am Sarge dieses Toten fordert das deutsche Volk die Entlassung biefer gequdltcn Opser, ebenso tote es bie Rückkehr der 140000 Ausgetoiesenen
Es ist ein großes moralisches Ergebnis, bewiesen zu haben, daß Deutschland leicht liefern konnte, daß es sich aber geweigert hat.
Nachdem Deutschland versucht habe, Frankreich auf den Weg der Revision ter Friedensverträge zu führen und die Reparationskommission zugunsten interalliierter Unterhandlungen beitetet zu schieben, hätten sich die Alliierten vollkommen der französischen These angeschlossen.
Die Vesichte der Sachverständigen würden bie Ausgabe ter Reparationskommission erleichtern. Frankreich habe an Ort und S eile mit tert Alliierten in loyaler Weise für die Ausbeulung der Pfander gearbe tet. Ramsay Mac- dv na Id h'be mit Recht erklärt, dah nach Regelung der Repavationsfrage es leichter sei, das Sicherheitsprvblem zu lösen. 121 oer bie Alliierten mühten auch gemeinsam über die Ausführung der Pläne wachen, de man fefig.kgt hrbe. Wem man Deutschland sich selbst überläse, dann könne es sie nicht ann^hnen und wenn es sie amiehme, könne es wieder sein Wort nicht halten. Far die Zulunst sei rlso wichtig, dah man sich nicht mit neuen Pa- p.ercken und neuen Derfpvechung n begnüge. Eine wirkungsvolle Kontrolle und a u h e r- ordentliche Garantien, wie sie die Repa- ra'ionskommifsion verlangt habe, müs en ausrecht erhalten werden. Es sei nötig, dah, wenn Deutsch- lomd sich seinen Verpflichtungen cnlzieh:, alle Alliierten sich über die Durchfiih u ig dec not- wensigen Sanktionen verständigen müffen Sonst wäre alles illusorisch wie vor ter Besetzung des Ruhrgebiets. Man wirrte Frank- reich zwingen, ine erforderlichen ^wnnqsmah-' nahmen zu treffen. Französischer.eits habe man nie nach ter zeitlich unbegrenzten Besetzung te» Ruhrgebietes getrachtet. Der Ministerpräsident ging dann
zur Frage des GarantiepakteS
über. Er lehnt jede Verantwortung für da- Wieder erwachen des Nationalismus in Deutschland ab. Man habe auch angekündigt, ©trete3 mann sei ein Mann guten Willens, und gestern habe er das Lob Ludendvrf f s, des nationa- lissischen und aufrührerischen unter dem Bsisall der Menge freigesprochenen Gmerals gesungen. Pcincaro bespricht dann die sich häufenden natxo- nalislischen Kundg bungen in Deutschland, namentlich die Kundgebungen, die jetzt erfolgt sind, um Von vornherein gegen die Entscheidung ter Sachverständigen zu protestieren. Die deutschen Mr- nister, die mit einem aute.ordentlichen Zynismus die ülnschuld des kaiserlichen Generals verkündeten. hätten nicht beachtet, dah sie damit alle Länder beschimpften, die an der Seite Frankreichs das von der deutschen Hegemonie bedrohte Recht verteidigt haben. Die deutschen Minister seien fotoeit gega.i- acn, oii’en auszuspreche-n, dah sie die kaiserlichen Farben den Farben ter Republik vorzögen und hätten damit volle Klarheit über ihre Auffassung geschaffen. Die Alliierten F ankrcichs hätten seine Ansichten nicht immer geteilt, weil sie nicht die unmittelbaren Nachbarn Deutschlands seien. Ater sämtliche Alliierten Frankreichs verständen die Sprache ter Tatsachen. Es liege völlig auf ter Hand, dah Frankreich eine entschieden friedliche N a tion sei und dah es kein anderes Ziel anstrebe, als die Erfüllung der S-ietenSterträge. Es liege völlig aus ter Hand, dah Deutschland sich mit allen Mitteln bemühe, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Wmn die Beschlüsse der Repco auf Grund des Berichtes ter Sachverständigen durchgesührt werden füllen, so müsse der einzige Wille sämtlicher Alliier tenstän- big in die Erscheinung treten. — Hiernach wird die Debatte auf Donnerstag vertagt.
verlangt, die ter Machtspruch zweier Desatzungs- Mächte noch immer gewaltsam von Heimat und Herd fembält. Der Name von Willi Dreyer wird im deutschen Volke nicht vergessen werten.
Wie Frankreich das Recht schändet.
Berlin, 2. Aprll. (Wolff.) Der Deutsche Richterbund erinnert in einer Protestkundgebung daran, dah die Franzosen sofort n>ch ter am 10. November 1923 auf deutschem Boten erfolgte.! Verhaftung dB vom Reichsgericht wegen Spionage zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilten französischen Hauptmanns Armont dessen Freilassung verlangten und ten Dsi eldorfer Senatspräsitenten Lenzberg in einer engen Gitterzsile festgesetzt haben. Weee.r Krankheit und Totesgcfahr liehen sie ihn darn frei, setzten dafür aber den Landgerichtsdivektor M i n b e (Bochum), ten Ersten Staatsanwalt Schul t e- Pelkum (Essen) und den Oberbürgermeister von W e d e l st e d t (Gelsenkirchen) als Geiseln fest. Nachdem der Hinweis des teltschen Auswärtigen Amtes durch ein Rundschreiben an die deutschelV diplomatischen Vertretungen im Ausland ohne Wirkung gcbli.b.n ist, erheben die deutschen Richter flammenbcn Protest gegen den unerhörten Akt französischer Willkür, ter Recht und Gerechlig?eit aufs neue m i t Fühen tritt. Ar die Richter aller 0361- ker richten sie die Ditte, sich ter Empörung gegen diese Kulturschande und Beschimpfung deS DechtsgedankenS anzuschliehen.


