Nr. 180
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Erster Blatt
m. Jahrgang
Samstag, 2. August 1924
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vmS nitb Verlag: vrühl'sch« MiiverHIRs-vuch- und SleindruS-rei R. Lange in «letzen. Schristleitnn, und «eschästrftelle: §chu!»ratze T.
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Iwei Minuten.
• Ehe morgen mittag die zum Zeichen des trauernden Gedenkens an die Opfer des großen Krieges auf Halbmast gesetzten Fahnen empor- gezogen werden, weil auch die tiefste und schmerzhafteste Trauer nicht die Wahrheit des Satzes, daß 'der Lebende Recht hat, beseitigen kann, soll auf zwei Minuten das Getriebe und der Lärm des rastlosen Tages ruhen. Diese einhurrdertund- zwanzig Sekunden vollkommener Stille und vollkommenen Stillstands sollen nur und ganz erfüllt sein von dem Herzschlag des deutschen Volkes, bas derer gedenkt, die ihr Leben für uns alle dahingegeben haben.
Tie von Amerika und England übernommene Sitte mag manchen Volksgenossen wegen der mangelnden Gewohnheit unb der noch nicht genügend gepflegten Disziplin des Volkes als undurchführbar, manchen als störende * Äußerlichkeit, manchen als abzulehnende Vevvrnrundung erscheinen, Und doch sollte kein Wunsch der Regierung, keine Anregung der Führer besser ausgenommen und williger befolgt werden als dieser stille Zweiminuten grüß an unsere toten Helden. Denn weniger als diese knappe Einkehr, weniger als dieses bescheidene Zeitopfer kann vom deutschen Volke kaum zum ehrenden Gedächtnis seiner einunddreiviertel Millionen im Kriege gefallenen uni> gestorbenen Söhne und der achthunoerttau- send der Hungerblockade zum Opfer gefallenen Volksgenossen gefordert werden.
Zwei Minuten! 3n alle Telle der weiten Erde werden in dieser kargen Zeitspanne morgen die Gedanken deutscher Frauen, Manner und Kinder auf den schwarzen Schwingen der Sehnsucht uni> Trauer eilen: Zu den Kreii^bergen der Champagne und in die flandrische Ebene — zum Was- genwald und den Argonner Bergen. Zu den Karpathen und zum Isonzo — in die sibirischen Steppen und in das zerllüftete Gelände des Balkans. Rach Ostafrika und zum Stillen Ozean — nach Finnland und Kleinasien. Denn überall schlafen deutsche Söhne, Brüder und Männer den Todesschlaf der Helden, und solange es Menschen gibt, wird die Kunde von ihren Toten und ihrem Sterben in der Geschichte der Menschheit lebendig sein. Denn alle diese Hunderttausende, die Knaben in Flandern, di« Landwehrleute in den Vogesen, die Landstürmer in den russischen Sümpfen, die blauen Hungen bei den Falklands- inscln, die wetterh.rrtDn Gesellen im afrikanischen Busch — sie alle gingen bewußt in den Tod als Träger und Verfechter jenes kategorischen Imperativs, der wie das ewige Symbol des deutschen Wesens vor ihren Sinnen stand: Pflicht — Ehre — Vaterland!
Rur zwei Minuten! Pflicht, Ehre, Vaterland gebieten es, diese trauernde Zeitspanne unseren Toten zu weihen. Wir, die wir da draußen so manchen tapferen Kameraden fallen und sterben sahen und die daS Geschick bestimmte, den körperlichen und seelischen Zusammenbruch unseres Volkes und alle ihm folgende Schande und Rot tragen zu helfen, werden mit unserer stillen Trauer den Dank an dieses Geschick verbinden, daß es unsere Hände und Herzen nicht lähmte in dieser Zeit, da keiner zuviel ist beim Reubau des Hauses Deutschland. Aber Tausende von Witwen und vaterlos Gewordenen, Tausende von Eltern, die der Stühe ihres Alters, der Sonne ihres Daseins beraubt wurden, werden in diesen schmerzgesättigten Minuten die anklagende Frage wiederholen: „Warum?" Hauchte mein Gatte sein reiches Leben aus, starb mein Vater, fiel unser blühender, frischer Sohn darum, daß alles zu Grunde ging, was ihm heilig war? Unö das ist das Grausame und Grauenhafte, daß wir diesen Mahnern und Anklägern als Trost nicht viel mehr als das Ehrenzeichen mit dem Spruche „Pflicht — Ehre — Vaterland" und den Hinweis auf das als Deutschlands Hoffnung der Rot der Gegenwart entwachsende Geschlecht spenden können.
Rur in den Stillen und Reichen ist darüber hinaus noch ein anderer Trost lebendig geworden und er sollte unser Gemeingut werden: 3m ewigen Auf und Rieder geht die Lebenslinie der Völker. Die arme und armselige Gegenwart ist kein Ende, sondern nur Uebergang. Lind unsere. Toten des Weltkrieges starben nicht umsonst, denn ihre Taten wie ihre Opfer blieben lebendig und je unritterlicher unsere Feinde von gestern den unterlegenen, aber nicht besiegten Lleberlebenden entgegentreten, um so schneller wird die Woge der nationalen Besinnung, um so rascher wird der Gedanke der Volksgemeinschaft, der Geist der Zusammengehörigkeit im deutschen Volke wachsen. 3hn zu pflegen, alles, was deutsch ist und deutsch fühlt, zu einer gleichgestimmten Gemeinschaft zusammenzuführen, ist die Aufgabe, die unsere Gefallenen uns hinterlassen haben. Tausende von Massengräbern in aller Welt, in denen deutsche Hellen — ohne Ansehen der Person, des Berufs, des Standes, der Stellung — gemeinsam den ewigen Heldenschlaf tun, sind dieser Volksgemeinschaft hohes Zeichen, höchstes Symbol. Ein Gedanke — Pflicht, Ehre, Vaterland — beseelte sie. Sie litten wie einer, sie kämpften pie einer, das Grab vereinte sie alle, Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften.
Zwei Minuten trauernden Gedenkens. Lasset die Massengräber, in denen deutsche Helden, deutsche Kameraden Herz an Herz gebettet ruhen, in diesen zwei Minuten vor euem Sinnen eintZeichen werden. Lasset durch sie euch den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Volksgemeinschaft stehe am Anfang — Freiheit sei das Ziel! Eins tft ohne daS anbere nicht denkbar, alles Mühen, alles Arbeiten und Ringen ist umsonst, wenn ihr dieses große Eine nicht in euch lebendig werden laßt. Lind die zwei Minuten bleiben eine spielerische Aeußerlichkeit, wenn nicht in ihnen die Schläfer in den Massengräbern euch den Weg zu der Volks-
Die Londoner Kompromisse.
Besserung der Lage.— Einigung auch im dritten Ausschuß.— Dor der Abreise der deutschen Vertreter.
Die Annahme des französischen Kompromiß- Vorschlages über die Frage eventueller Sankiio- neu wird in Berliner Regierungskreis.n als das Anzeichen einer günstigen Wendung auf der Londoner Konferenz bezeichnet. Man ist geneigt zu glauben, daß nun die schwierigste Krise der Konferenz überwurrden ist und die Erörterung der noch aussteherrden Fragen trotz der immer noch bestehenden Schwierigkeiten keine weitere Gefahr mehr mit sich bringen wird. Bleibt al v noch die Hinzuziehung Deutschlands, die die eigentliche Entscheidung herbeiführen soll. Man hat die ver- schiedenaltigsten Fragen erörtert, wie z. B. die militärische Räumung des Ruhrgebiets, die Ea- rantiefrage und das Anleiheproblem. Wenn di« deutschen Vertreter in London eintreffen werden, so wird man ihnen ein Programm entgegcnhalten, das die sogenannte einmütige Auffassung der Alliierten darstellt, und Deutschland hat dann die Möglichkeit, seine Einwendungen vorzutragen.
Zur Zeit läßt sich noch nicht übersehen, in welchem Umfange die deutschen Forderungen berücksichtigt worden sind. Ein Entgegenkommen auf gewissen Gebieten ist heute unverkennbar, da der von den Amerikanern ausgestellte Grundsatz der freiwilligen Zustimmung Deutschlands als Voraussetzung eines Abkommens seine Wirkung nicht verfehlen konnte. Trotzdem die Aufgabe der deutschen Delegation schwierig sein wird, kann man heute fest stellen, daß die Verhandlungsgrundlage eine brauchbare ist, die Deutschland ohne allzu großen Pessimismus beschreiten kann. Die deutsche These, daß die militärische Räumung auf einen bestimmten Zeitpunkt festgelegt werden muß, ist schon jetzt durchgedrungen. Frankreich und Belgien haben sich dazu entschließen müssen, einen ausführlichen Plan über die militärische Räumung aufzustellen, der zwar für Deutschland unannehmbar tft, der ober, wie man nach einem Bericht aus Berlin im Auswärtigen Amt versichert, diskutiert werden kann. Man wird darauf dringen müssen, daß der Zeitpunkt der endgültigen militärischen Räumung den deutschen Forderungen entspricht, und man wird weiterhin die französisch-belgischen Forderungen auf die kaufmännische Verwertung dar deutschen Schuldverschreibungen auf ein Mindestmaß herab drücken müssen, da die von Frankreich und Belgien geforderte Eintreibung von anderthalb Milliarden Goldmark ernsthaft überhaupt nicht in Betracht gezogen werden kann. Was d'.e Frage der sogenannten Richterfüllungen anbetrifft, so kann man deutscherseits die neue Kompromißlösung unter dcr Bedingung annehmen, daß in Zukunft militärische ©anEtionen ausgeschlossen sind. Die Hinzuziehung eines amerikanischen Schiedsrichters zur Reparationskommission sowie d'.e Bedingung, daß in Zukunft alle Entscheidungen einstimmig erfolgen müssen, geben immerhin eine bestimmte Gewähr dafür, daß solche Dinge, wie sie vor der Besetzung des Ruhrgebiets sich abgespielt haben, in Zukunft ausgeschlossen sein werden. Seinerzeit butte die Reparations!vmmis- sivn unter Stimmenthaltung des Engländers ein absichtliches Versehen Deutschlands festgestellt. P o i n c a r e behauptete nun, der Beschluß wäre einstimmig gewesen, weil der Engländer nicht ausschließlich dagegen gestimmt hatte, sondern gerade durch die Stimmenthaltung das Ergebnis nicht zu ■ Gunsten Deutschlands beeinflussen wollte. Dieser R«htsstandpunkt ist selbstverständlich anfechtbar, aber er beweist, daß England damals durch seine unklare Haltung erst die Ruhraktion ermöglicht hat. 3n Zukunft toirb die Sachlage insofern verändert werden, als die Engländer und Amerikaner nicht als Un- intereffierte abseits stehen können, sondern gerade auf ihnen die größte Verantwortung ruht, weil sie als Garanten der Anteilgeber aufzutreten haben. Sie werden sich nicht der Stimme enthalten können, sondern entweder für oder gegen die gestellten Anträge stimmen müssen, da sie auf die Anleihemächte Rücksicht zu nehmen haben, und deren Willen zum Ausdruck bringen müssen. Man sieht deshalb in den offiziellen deutschen Regierungskreisen keine unbedingte Rotwendigkeit, sich gegen dies Kompromiß zu wehren, falls nicht anderweit-ge Abkommen vorgesehen sind, die von neuem die Gefahr militärischer Sanktionen mit sich bringen könnten. Die deutsche Delegation verfügt nach amtlichen Mitteilungen über ein sehr eingehendes und genau formuliertes Programm, und so, wie die Dinge jetzt stehen, ist es nicht unwahrscheinlich, daß dieses Programm restlos durchgeführt werden kann.
Englische Presse-Ansichten.
London, 1. Aug. (WTB.) Die „Times" schreibt zu der gestern von der 1. Kommission erzielten Vereinbarung, es bestehe Grand zr der Annahme, daß die Bankiers sondiert worden sind, bevor der Plan ausgestellt wurde and es ist daher glücklicherweise als wahrscheinlich zu betrachten, daß die Vorschläge von der Konferenz enbgültig angenommen werden. Was die Frage einer iso - t i e r t e n Aktion betrifft, so werden die vollen gemeinschaft weisen, die allein Deutschland wieder frei machen kann.
Einunddreiviertel Millionen Gefallene, achthunderttausend verhungerte deutsche Helden erscheinen morgen für zwei Minuten wie eine Mahnung der Ewigkeit vor den Sinnen derer, die sehen können und verstehen wollen. Lind was sie mahnen, ist nur eine Selbst Verständlichkeit. Denn es ist nur dies eine:
Pflicht — Ehre — Vaterlands
Rechte eines jeden Landes nur durch den Versailler Vertrag Vorbehalten. Diese Rechte werden von Frankreich vermutlich so aasgelegt werden, daß es im äußersten Falle za isolierten Aktionen berechtigt ist: doch ist zuzageben, daß diese Möglichkeit eine sehr entfernte ist. Sie könnte lediglich em- treten, nachdem die drei verschiedenen Autoritäten Deutschland in Verzag erklärt haben. Aach dann verpflichtet sich Frankreich, mit dön anderen Mächten zu beraten, um eine gemeinsame Aktion ?u treffen, bevor eine isolierte Aktion endgültig in Erwägung gezogen wird. Man darf also hoffen, daß das Schreckgespenst einer neuen Ruhrinvasion gebannt ist.
Auch die „Daily Rews" glaubt, daß die französische Formel die Bankiers befriedigen wird. Das Blatt sagt, selbstverständlich sei es durchaus möglich, daß, wenn die ganze für den Fall eines Verzuges vorgesehene Maschinerie in Gang gesetzt werde, auch irgendein Staat eine unabhängige Aktion unternehmen könnte. Aber der Wert des Planes liege darin, daß er dies sehr viel unwahrscheinlicher mache als es augenblicklich sei.
Der Fortschritt nach Neuter.
London, 1. Aug. Wie Reuter erfährt, hat sich die britische Delegation heute eingehend mit der Lage befaßt. Der von der Konferenz erreichte Fortschritt wurde für so befriedigend angesehen, daß Macdonald sich entschloß, heute abend nach Chequers zu fahren. Er wird morgen zur Vollsitzung der Konferenz, die um 11 Llhr ftatt- finden soll, wieder zurück fein. Es fei möglich, daß die Deutschen bereits am Montag in London verhandeln würden.
Englische Hoffnungen in französischem Lichte.
Paris, 2. Aug. Der Sonderberichterstatter des „Quotidien" schreibt aus London:
Die englische Delegation sei der Meinung und Macdonald selbst habe gestern nachmittag die Hoffnung ausgesprochen, daß die Konferenz am nächsten Donnerstag zum Abschluß kommen könne. Wie dem auch sei, neben den eigentlichen Konferenzarbeiten der Ausschüsse, die ausschließlch die Ausführung des Sachverständigen-Gutnchtens zum Gegenstand haben, seien Besprechungen der französischen, belgischen imb deutschen Delegierten im Gange. Die wichti gste Desprechung bezöge sichauf die Räumung des Ruhrgebiets. Die englische Delegation werde natürlich auf dem Laufenden gehalten, da es der gemeinsame Wunsch Herriots und Macdonalds fei, die beiden Fragen der Besetzung des Ruhrgebiets und der Kölner Zone miteinander za verbinden. Gestern nachmittag habe Macdonald einen ;nnfangreichen Bericht seines Rechtssachverständigen über die Besetzung der Kölner Zone erhalten und mit nach Chequers genommen. Es wäre also verfrüht, wenn man jetzt schon sagen wolle, auf welcher Grundlage die Verständigung in diesen beiden Fragen zustande kommen werde. Auf alle Fälle aber könne behauptet werden, daß nicht davon die Rede sein könne, die französischen Truppen im Brückenkopf Kehl durch englische zu ersehen, wie das leichtsinnigerweise von verschiedenen Berichterstattern angekündigt worden sei.
Die Bankiers billigen das Sanktions-Kompromiß.
London, 2. Aug. Der diplomatische Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt, er höre, daß Logan und Owen Vvung dm- vom Ersten Komitee angenommenen Plan gebilligt hätten, da er das Haupthindernis für die Aufbringung der Anleihe für Deutschland beseitige.
Die Einladung an Deutschland.
L o n d o n , 2. August. (WTD.) Unterrichtete Kreise sind der Ansicht, daß der Beschluß, heute eine Dollkonferenz abzuhalten, bedeute, daß die Einladung an Deutschland spätestens heute erfolgt.
In Erwartung
des Verhandlungsstoffes.
(Eigener 3nformationsdienst.)
Berlin, 2. Aug. Die Reichsregierung hat die Londoner Konferenzmächte formell ersucht, der deutschen Delegation rechtzeitig alle bisher getroffenen Abmachungen der Konferenz zurKenntniszubringen. Bevor die deutsche Delegation in direkte Verhandlungen mit der Gegenseite eintreten wird, wird sie ihrerseits einzelne Vorberatungen abhalten, um zu den bisherigen Beschlüssen der Konferenz Stellung nehmen zu können. 3n den unterrichteten Kreisen wird heute erflärt, daß die Verhandlungen mit den Deutschen am Montagnachmittag ihren Anfang nehmen werden, und bis dahin deutscherseits die Prüfung der alliierten Vorschläge beendet sein muh.
Die Beschlüsse des Dritten Ausschusses.
Paris, 2. Aug. Lim 2 Llhr morgens berichtet die Havasagentur: Die Dritte Kommission habe ihre Arbeiten beendigt. Llm 1,15 Llhr sei einstimmig der französische Vorschlag angenommen worden, der ein De- rusungsrecht zugunsten der Minderheiten des Transferierungs-Komitees fest setzt, selbst wenn eine Minderheit nur aus einem Mitglied besteht, unter der Bedingung aber, daß die Grenze von fünf Milliarden Goldmark für die eingesammelte Summe erreicht wird. Die Engländer hätten den Vorschlag, den sie noch gestern Rachmittag vertreten hätten, zurückgezogen, iWch welchem das Recht der Berufung erft dann vorgesehen wurde, wenn die Grenze von fünf Milliarden nicht erreicht sei und für den Fall, wenn drei Mitglieder dafür und drei Mitglieder dagegen gestimmt hätten. Dieses Amendement, das von den anderen Delegationen wieder aufgenommen werde, werde heute zur gleichen Zeit mit der ersten Resolution in der Vollsitzung wieder auf genommen werden, die alsdann die endgültige Entscheidung treffen müsse.
Die direkten Verhandlungen mit Frankreich.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 2. August. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat die Reichsregierung bisher noch keine offizielle Mitteilung über die Absicht des ftanzösi- schen Ministerpräsidenten, gewisse Fragen mit Deutschland direkt zu verhandeln, erhalten. Lediglich eine demdeutschenDotschaf- ter in Paris zugegangene, allgemein gehaltene Instruktion beweist, daß Herriot mit den Führern der deutschen Delegation sich zu unterhalten wünscht. Dabei fällt es auf, daß von französischer Seite ausdrücklich erwähnt wird, Herrlvt beabsichtige, mit dem Reichskanzler Dr. Marx eine Unterredung herbeizuführen. Es ist verständlich, daß dadurch der Reichskanzler in eine peinliche Lage gerät, da er unter keinen Umständen ohne Mitwirkung des Außenministers Dr. Stresemann irgendwelche Verhandlungen führen will und führen kann.
Die Sicherheitsfrage.
(Eigener Informationsdienst.)
Derli n, 2. Aug. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat die Reichsregierung die Absicht, sofort nach Beendigung der Londoner Konferenz neue Vorschläge über das Sicherheitenproblem und die Frage eines Garantiepaktes auszuarbeiten. Die Denkschrift, die dis Reichsregierung in Genf dem Volkerbunds- i a t überreichen lieh, bildet erst den Auftakt zu einer großzügigen Aktion der deutschen Regierung, die gleichzeittg mit der Losung der Sicherheitsfrage auch das A b - rüstungsproblem zpr Erörterung zu bringen gedenkt.
Aus der deutschen Denkschrift an den Völker- bundsrat ist übrigens entgegen irriger Pressemeldungen keines Wegs ?u entnehmen, daß die deutsche Regierung die Absicht hat, einen Antrag um Zulass ung zum Völkerbund zu stellen. Tie Haltung Deutschlands zu einem evtl. Eintritt in den Völkerbund ist durchaus noch nicht fest gelegt und wird auch kaum bis zum September festgelegt werden können. Wir glauben zu wissen, daß der kürzlich von England offiziös an Deutschland gerichteten Einladung, Anfang September ein Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund zu stellen, von deutscher Seite nicht Folgegelei st et werden kann, so daß die Frage eines Eintritts Deutschlands in den Völkerbund erst später ^tut werden dürste.
Kommunistische Demonstrationsabsichten (Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 2. Aug. Von ha lbamtlicher Seite wird mitgeteilt, daß die Behörden über De- monst rationsabsichten der Kommunistischen Partei anläßlich des Gedenktages für die Kriegsopfer am 3. August offiziell Kenntnis erhalten haben. Es scheine sich dabei um grohangelegte kommunistische Kundgebungen zu handeln, die überwiegend propagandistischen Charakter tragen. Da die Polizeiorgane angewiesen sind, unter allen Um- ständen kommunistische Ansammlungen zu verhindern, muh mit ernsten Zusaurmenftöhen gerechnet werden.
Gegenwärtig inszenieren die Kommunisten große öffentliche Versammlungen, an denen französische kommunistische Abgeordnete hervorragenden Anteil nehmen. Es ist dabei festzustellen, daß die kommunistischen Parteien Deutschlands und Frankreichs gemeinsame Agitationen eingeleitet haben, um ein Zusammengehen zwischen den deutschen und den französischen Kommunisten herbeizuführen. In R a n c y mußte dabei der deutsche kommunistische Abgeordnete V a r t e I durch die französische Polizei vor Angriffen einer erregten französischen Menschenmenge adkhütü Zwecke durchzusetzen.
werden.


